Montag, 10. Februar 2014

Das Findelkind Teil 5





Wenige Wochen nachdem die gute Frau Elena beerdigt ist, zieht Chiara mit ihrem Sohn Filippo auf den Hof.
Und nun herrscht ein anderes Regiment.
Chiara spielt zwar die feine Dame, aber ihr Gesinde lässt sie schuften.
Der elfjährige Filippo stolziert auf seinen stämmigen Beinen über den Hof und wenn er jemand sieht, der mal eine kurze Pause macht oder ein Schwätzchen hält, verpetzt er denjenigen gleich bei seiner Mutter.
Am schlimmsten aber ergeht es Mariella.
Sie darf zwar weiterhin in ihrem Zimmer wohnen, aber die neue Bäuerin nimmt ihr alle schönen Kleider weg und ersetzt diese durch einfache Schürzen.
Auch findet sie immer wieder irgendwelche Arbeiten im Haus für das Mädchen.
Und Filippo lässt sich keine Gelegenheit entgehen,sie zu ärgern und zu hänseln.
Der einzige Lichtblick für Mariella sind Beatrice und Ariane, doch die beiden sind schon längst Chiara ein Dorn im Auge.
Vor allem da Beatrice den Bauern einmal fragte, was eigentlich aus dem Testament geworden war, das sie und Anna unterschrieben hätten.
Und eines Tages erklärt die Bäuerin, dass Beatrice ihre Sachen packen soll und gehen könne.
Ihre Tage als Amme werden schon lange nicht mehr benötigt und eine Magd brauchen sie nicht,
denn diese Arbeit würde in Zukunft Mariella verrichten.
Bitterlich weinend nehmen die Drei Abschied voneinander und Beatrice tröstet das Mädchen und meint sie wohne ja nicht weit und Mariella könne sie jederzeit besuchen.
Doch dazu bleibt dem Mädchen keine Zeit.
Wie eine Erwachsen muss sie nun schuften und abends fällt sie todmüde in ihr Bett, das in einer kleinen Kammer neben dem Stall ist.
Im Herrenhaus wohnt sie schon lange nicht mehr.
Filippo verfolgt sie auf Schritt und tritt und spart nicht mich hämischen Bemerkungen.
Eben tritt er wieder in den Kuhstall, wo Mariella gerade mit der Mistgabel den Schubkarren belädt, den sie später auf den Misthaufen fahren muss.
Oft schafft sie es kaum über das schmale Brett mit der schweren Karre zu balancieren, ihre Arme schmerzen, ihre Beine zittern und sie fühlt sich wie zerschlagen.
Als nun der stämmig kleine Gernegroß wieder seine dummen Sprüche los lässt, da packt sie eine unbändige Wut und mit einer Kraft, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätte schleudert sie die Forke voller Mist nach dem hämisch grinsenden Buben.
Von unten bis oben voller Jauche rennt Filippo, nach seiner Mutter schreiend, aus dem Stall.
Wenig später kommt diese wie eine Furie herein
geschossen, gibt Mariella links und rechts eine schallende Ohrfeige und zerrt sie an den Haaren hinter sich her bis zum Aborthäuschen.
Sie stößt sie hinein und legt von außen den Riegel vor.
Schluchzend reibt das Mädchen die brennenden Wangen und auch der Kopf schmerzt sie.
Als sie nicht mehr weinen kann und nur noch leise schnieft, sieht sie sich um.
Sie schaudert als sie ringsum die Spinnennetze sieht und die dicken schwarzen Spinnen entdeckt.
Durch die Luke in der Tür erkennt sie nur ein winziges Stück vom Himmel.
Da das Häuschen nicht mehr benutzt wird, kann sie kaum auf Befreiung hoffen.
Traurig denkt sie an ihre verstorbene Pflegemutter und auf einmal fühlt sie sich so leicht.
Es ist ihr als würde diese ihr über das Haar streichen und Mut zu sprechen.
Und all die Lieder die sie einst zusammen sangen fallen ihr ein und leise beginnt sie zu singen.
Mariella weiß nicht wie viele Stunden sie schon eingesperrt ist, der Himmel draußen ist inzwischen dunkel und einige Sterne sind zu sehen.
Da hört sie wie jemand den Riegel bewegt und Annas schaut herein. 
Sie sind zum Dorffest zum Tanzen und haben dieses kleine Monster mitgenommen. Komm schnell!“
Mariella schlüpft ins Freie.
Du musst fort, sie wollen dich ins Armenhaus stecken. Geh zu Beatrice, sie wartet auf dich. Mach schnell.“
Mariella rast los und erreicht atemlos die kleine Hütte in der Beatrice und Ariane mit der alten Großmutter leben.
Beatrice erwartet sie schon.
Sie hat einen Rucksack mit einigen Kleidern von Ariane gepackt und obenauf eine warme Decke.
Schau, dass du heute Nacht noch so weit wie möglich kommst. Versteck dich wenn du Menschen siehst. Gott sei mit dir!“
Auch Ariane umarmt sie, dann schlüpft Mariella hinaus in die dunkle Nacht.
Auf Schleichwegen verlässt sie das Dorf und wandert den schmalen Pfad über den Berg und erst um die Mittagszeit lässt sie sich im Schatten eines Baumes ermattet zu Boden fallen.







Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Lore
    Menschen gibrt es, die gibt es die können so scheußlich sein.
    Lieben Gruß Joachim

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  2. Hallo liebe Lore,vielen Dank für deinen Kommentar bei mir.Ich muss dir hier mal ein Lob zurückgeben.Ich lese so gerne bei dir und du bist mein Adventskalender vor Weihnachten.Wie du vielleicht bemerkt hast,habe ich einen kleinen Laden.Nach einem vorweihnachtlich stressigen Tag ist es so schön abends eine Gute Nacht- Geschichte von dir zu lesen.
    Ich wünsche dir einen schönen Februar und bin immer wieder gerne hier.
    Heide

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  3. Liebe Lore, was muss das arme Kind nur alles erleiden - doch wir sind ja noch nicht am Ende der Geschichte angekommen!
    LG Martina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.