Dienstag, 25. März 2014

Reizwortgeschichte

Wie schnell die Zeit doch vergeht. Nun ist schon wieder Dienstag und wir drei Mädels stellen euch wieder eine neue Geschichte vor, die diesmal aus den Wörtern:  Mond, Auto, bitter, gereizt, alt
entstanden ist. 
Nun wünsche ich euch viel Vergnügen beim Lesen






Herr Oskar und Fräulein Katrin



Tuckernd quält sich der alte Pritschenwagen den steilen Berg hinauf.
Er gehört dem Schrotthändler Karl und ist voll beladen mit altem Gerümpel, sogar ein kleines rotes Auto ist dabei.
Ein Reh springt auf die Straße und Karl muss scharf bremsen.
Die Ladeklappe springt auf und das kleine rote Auto fällt auf die Straße und rollt den steilen Abhang hinunter.
Karl springt aus dem Führerhaus, kratzt sich am Kopf, schließt die Ladeklappe und fährt weiter.
Er hat keine Lust dem ollen Ding nach zu fahren.
Das kleine rote Auto aber wird immer schneller und schneller und bei einer scharfen Kurve gerät es zu weit nach links und stürzt die Böschung hinunter.
Mit rasender Geschwindigkeit saust es über den felsigen Grasboden und mitten durch einen tiefen Wald, bis ein Gebüsch es bremst.
Erschrocken schnappt es nach Luft, der Aufprall war doch etwas heftig.
Ein zeternde Stimme ist zu hören und eine Häsin hoppelt aus dem Gebüsch.
Kannst du nicht aufpassen, beinahe hättest du mich überfahren!“
Entschuldigen sie bitte, aber die Sache entglitt meiner Kontrolle.“
Schon gut, ich war nur sehr erschrocken, ich heiße übrigens Stupsi und wer sind sie?“
Oh, ich bin ein Auto und manche Menschen nennen mich „Ente“!“
Stupsi lacht, „wie eine Ente sehen sie aber nicht gerade aus.“
Das kleine rote Auto grinst, dann fällt ihm etwas ein.
Meine erste Besitzerin nannte mich Oskar.“
Nun dann werde ich sie auch Oskar nennen, ein schöner Name.“
Ein Hase und drei Hasenkinder kommt aus dem Gebüsch.
Liebste wo bleibst du denn, die Kinder werden ungeduldig.“
Kommt mal her, das ist Herr Oskar und das sind meine Kinder Herbert, Cornelia und Friedrich und der alte Brummbär da, ist mein Mann Mummelschwanz.“
Guten Tag Herr Oskar!“ rufen die Kleinen im Chor und sausen dann kichernd um das Auto herum.
Stupsi lächelt liebevoll stolz.
Eine Rasselbande! Aber nun müssen wir weiter, heute wollen wir unseren Kindern zeigen, wo die besten Kräuter wachsen. Schließlich muss man sie auf das Leben vorbereiten.“
Familie Hase hoppelt davon.
Oskar aber ist glücklich. Wie freundlich sie doch waren.
In dem Schuppen, in dem er viele Jahr stand war er nur von mürrischen und griesgrämigen alten Gerümpel umgeben.
Und wenn er mal ein Gespräch anfangen wollte, dann reagierten sie gleich gereizt.
Hier aber gefiel es ihm.
Ein stattlicher Hirsch kommt auf ihn zu.
Guten Tag, mein Name ist Armin von Hohenwalde, ich hörte von deiner Ankunft. Möchtest du hier bleiben?“
Oskar muss sich erst räuspern, so ehrfürchtig ist ihm zumute.
Ich bin Oskar und durch Zufall hier gelandet, wenn mich die Menschen hier nicht weg holen, würde ich gerne
bleiben.“
Nun es verirren sich selten Menschen hierher, seien sie also herzlich willkommen bei uns Herr Oskar.“
Der Hirsch schreitet davon.
Ein Eichhörnchen springt vom Baum direkt auf die Kühlerhaube.
Ziemlich beeindruckend unser König, nicht wahr?“ kichert es.
Kann man wohl sagen.“
Oskar ist glücklich, denn es gefällt ihm hier immer besser.
Nachdem das Eichhörnchen ihn verlassen hat, döst er ein wenig vor sich hin.
Er lauscht dem Zwitschern der Vögel, aus der Ferne ist der Ruf eines Kuckucks zu hören und die Sonne brennt warm auf seine Karosserie.
Schön ist es hier.
Immer wieder mal kommt ein Tier vorbei und begrüßt ihn und hält ein kleines Schwätzchen.
Die Dämmerung legt ihren Schleier über das Land und der Mond klettert immer höher und wirft sein silbernes Licht über den Wald.
Oskar döst vor sich hin.
Plötzlich weckt ihn ein ängstliches Quieken, etwas klettert durch das Fenster und verschwindet unter dem Sitz.
Eine Eule rauscht vorbei.
Lange Zeit bleibt es still im Auto, dann kommt ein kleines Mäuschen unter dem Sitz hervor und setzt sich auf den Beifahrersitz.
Danke, das war knapp, beinahe hätte Frau Eule mich erwischt.“
Keine Ursache, aber sie sind noch sehr jung, sollten sie um diese Zeit nicht schon zuhause sein?“
Ich habe kein Zuhause,“ seufzt die kleine Maus und ihre Stimme klingt traurig und auch ein wenig verbittert.
Das tut mir leid, auch ich bin heimatlos, übrigens mein Name ist Oskar.“
Guten Tag Herr Oskar, entschuldigen sie meine
Unhöflichkeit. Ich heiße Katrin und komme aus der Stadt.
Nachdem meine Familie einem Giftanschlag zum Opfer fiel bin ich ausgewandert und erst heute hier angekommen und habe noch keine Wohnung gefunden.“
Das tut mir leid, auch ich bin erst heute hier gelandet.“
Eine Weile schweigen sie beide, dann hat Oskar eine Idee.
Wie wäre es, wenn sie bei mir wohnen würden, Platz genug ist hier doch.“
Herr Oskar, das wäre schön!“
Die kleine schwarzen Knopfaugen von Fräulein Katrin leuchten vor Freude und schnell saust sie durch den Wagen, um nach einem passenden Platz zu suchen.
Auf der Rückbank ist ein Riss im Leder und die graue Füllwolle spitzt hervor.
Fräulein Katrin erweitert das Loch bis sie hindurch passt und rollt sich mit einem wohligen Seufzer in dem weichen Bett zusammen.
Hier ist es gemütlich, gute Nacht Herr Oskar.“
Gute Nacht Fräulein Katrin!“
Am nächsten Morgen setzt sich Fräulein Katrin auf den Beifahrersitz und während sie sich putzt, unterhalten sie sich.
Ich werde jetzt etwas zu Essen suchen, kann ich ihnen etwas mitbringen Herr Oskar?“
Dieser lacht. „Nein danke, ich brauche nichts zu essen.“
Die Tage vergehen, tagsüber ist Fräulein Katrin unterwegs und sobald es dunkel wird kommt sie in den Schutz des alten Autos zurück.
Und bis tief in die Nacht erzählen sich die beiden Geschichten aus ihrem Leben.
Eines Tages kommt die Maus von ihrem Spaziergang zurück mit strahlenden Augen und auf den Wangen liegt eine zarte Röte.
Herr Oskar ich habe mich verliebt! Er heißt Maximilian und kommt auch aus der Stadt.“
Hat er auch seine Familie durch einen Giftanschlag
verloren?“
Nein seine Familie lebt noch. Er wollte nur die Welt kennen lernen.“
Oh ein Vagabund?,“ meint Oskar etwas besorgt.
Nein, nein keine Sorge, er will sesshaft werden und, und, er hat mir einen Heiratsantrag gemacht! Wir suchen nur noch eine Wohnung.“
Oskar wird traurig, nun würde er seine kleine Freundin verlieren, dann aber hat er eine Idee.
Er könnte doch bei ihnen einziehen, es ist doch genügend Platz vorhanden.“
Das wäre schön, ich habe nicht gewagt zu fragen, danke, ich werde Maximilian holen, damit sie in kennen lernen.“
Der Mäuserich gefällt Oskar sehr gut.
Er hat gute Manieren und man merkt, dass er seine Katrin von Herzen liebt.
Die Wohnung gefällt ihm und er bedankt sich höflich bei Oskar.
Einige Tage später findet die Hochzeit statt.
Viele Waldtiere sind gekommen.
Zum Glück schläft Frau Eule um diese Zeit, denn Maximilians Verwandte sind aus der Stadt zur Hochzeit angereist.
Das glückliche Brautpaar steht auf der Kühlerhaube und Maximilians Onkel Sebastian, der in einer Kirche wohnt, traut sie.
Als Maximilian und Katrin sich nach der Zeremonie küssen ist Oskar ganz gerührt und wenn er gekonnt hätte , dann hätte er geweint.
Bald darauf bekommt Katrin Drillinge und Oskar ist genauso aufgeregt wie der werdende Vater.
Doch besonders glücklich und stolz ist er, als die jungen Eltern ihren Erstgeborenen Oskar nennen.





Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Lore,
    auch deine Geschichte ist süß! Übrigens hatte ich auch eine Ente, sie war hellblau und namenlos.

    Liebe Grüße

    Anita

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  2. Wieder eine wunderschöne Geschichte die eigentlich nach einer Fortsetzung schreit. Irgendwann ist ja der Platz im Auto für die vielen Mäuschen zu klein. LG Christa

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  3. Guten Morgen liebe Lore
    Eine wunderbare Geschichte. Was Dir aber auch alles so einfällt und Du kannst so schön erzählen.
    Liebe Grüße von Joachim

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  4. Hallo liebe Lore,
    so, jetzt habe ich auch Deine Geschichte gelesen, und sie hat mir auch wieder sehr gut gefallen!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen und gemütlichen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.