Mittwoch, 9. April 2014

Buttercreme und Schweinemast - Erinnerungsgeschichte



Meine Kusine Christa eine eifrige Leserin meines Blogs gestand mir vor kurzem, dass sie am liebsten die Erinnerungsgeschichten liest.
Nun habe ich wieder ein bisschen in meinen Erinnerungen gekramt und folgende Geschichte gefunden.


Buttercreme und Schweinemast



Eine kleine Erzählung aus der Zeit, als ich noch nicht auf der Welt war.
Meine Schwester Karin wurde im Mai 1945 geboren.
Als mein Vater aus der amerikanischen Gefangenschaft entlassen wurde, ging er zur Polizei und wurde in einen kleinen bayrischen Ort versetzt.
Meine Eltern wohnten mit meiner Schwester in einer kleinen Mietwohnung, die zu einem Bauernhof gehörte.
Nach dem Krieg gab es noch Lebensmittelmarken und meine Mutter konnte aus den Zutaten wunderbare Gerichte zaubern, unter anderem eine sättigende Buttercremetorte, die später bei ihren Enkeln noch berühmt war, natürlich inzwischen etwas verfeinert.
Eines Tages schlurfte die alte Magd des Bauern die Treppe herauf und betrat nach kurzem Anklopfen die Wohnung meiner Eltern.
Als sie in die Küche kam und die herrliche Torte stehen sah, entfuhr es ihr erstaunt:
Aber ihr müsst ja gar nicht hungern!“
Meine Eltern sahen sie erstaunt an, denn wenn die Portionen auch nicht üppig waren, so wurden sie doch satt.
Die Magd klärte sie auf.
Meine Schwester Karin stand unten im Schweinestall und stopfte sich mit beiden Händen die gestampften Kartoffeln, die für die Schweine bestimmt waren, in den Mund.
Die Bäuerin, die glaubte meine Eltern müssten hungern, schickte die Magd, um nachzusehen.





Wir haben immer herzlich gelacht, wenn meine Mutter diese Geschichte zum Besten gab.





Die Buttercremetorte hat auch meine beiden Neffen Markus und Benjamin fasziniert.
Wir feierten den zweiten Geburtstag von Markus und nachdem der Kaffeetisch abgedeckt worden war, blieben wir noch am Tisch sitzen und quatschten fröhlich.
Mutti hatte die Buttercremetorte im Gang auf die Bügelmaschine gestellt.
Markus aber machte sich klammheimlich davon.
Als wir den Jungen endlich vermissten und zu suchen begannen, fanden wir ihn im Flur auf dem Boden sitzend und mit beiden Händen die Reste der Torte in den Mund schiebend.
Von einem Ohr zum andern mit Schokoladencreme verschmiert strahlte er uns entgegen.

Jahre später hatte sein Bruder Benjamin, der ja der größte Fan von Omas Torte war, gerade wegen dieser Torte einige bittere, angstvolle Stunden.
Wir trafen uns alle bei meinen Eltern, um wieder mal etwas zu feiern.
Benjamin und meine Tochter Claudia spielten unten im Garten.
Doch Benjamin fand keine Ruhe. Alle fünf Minuten stapfte er die Stufen herauf, betrat die Speisekammer, öffnete den Kühlschrank und kontrollierte, ob wir die Buttercremetorte noch nicht angeschnitten hatten.

© Lore Platz



Kommentare:

  1. Ich liebe Buttercremetorte und an die gestampften Kartoffeln für die Schweine kann ich mich auch sehr gut erinnern. Gott sei Dank musste deine Familie nicht hungern und somit ist die Kartoffel-Geschichte echt witzig! LG Martina

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  2. Guten Morgen liebe Lore
    Es sind Erinnerungen, die man nie vergessen wird, die Nachkriegszeit wird ewig auch mir in Erinnerung bleiben.
    Liebe Grüße Joachim

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  3. Hallo liebe Lore,

    nicht nur deiner Kusine gefallen deine Erinnerungsgeschichten besonders gut, auch ich liebe sie. Mit Buttercremetorten bin ich auch aufgewachsen. Sie waren immer etwas ganz besonderes. Später wurden sie von den Sahnetorten abgelöst, als es den Menschen immer besser ging. Und irgendwann ging es ihnen so gut, dass sie dick und rund wurden und man anfing Kalorien zu zählen. So ändert sich alles! Ich frage mich oft, warum ich so gerne an alte Zeiten denke. Bestimmt ist es das Alter. Früher, wenn die Verwandtschaft sich traf, redeten sie auch von den alten Zeiten. Das fiel mir auf. Jetzt hat diese Phase wohl auch bei mir begonnen. Aber ich finde es schön. Als Kind habe ich oft die Oma gebeten, von „Früher“ zu erzählen, es war immer sehr interessant. Leider habe ich viel davon vergessen. Aber vergessen dürfen wir nicht, dass wir heute leben und heute morgen schon gestern ist!!! Genieß das heute und diesen schönen Tag.


    Ganz liebe Grüße

    Anita


    Zwei Sprüche:

    Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen Sie sich in zehn Jahren zurück sehnen werden.


    Nur was du heute tust, ist wichtig. Schon morgen wird dieser Tag für immer vergangen sein
    und dann lässt er dir das zurück, was du heute aus ihm gemacht hast.

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    1. Ich habe auch immer gerne zugehört, wenn die alten Leute von früher berichten und heute gehören ich auch zu der Generation, die gerne von früher erzählt,
      Beginnen nicht auch die Märchen: " Es war einmal ..."
      Wünsche dir einen schönen Tag noch, herzliche Grüße Lore

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.