Dienstag, 15. April 2014

Reizwortgeschichte Noch mal gut gegangen

Wieder ist es so weit und es ist Dienstag unser gemeinsamer Reizwort-Geschichten - Tag.
Wir drei Mädels haben viel Freude beim Schreiben unserer Geschichten und hoffen, dass ihr genauso viel Vergnügen beim Lesen habt.
Diesmal sind die Wörter 
"Operette, Amtsschimmel, grübeln, schwitzen, lachen "zu verarbeiten gewesen und beim "Amtsschimmel" kam ich ganz schön ins schwitzten.




Nochmal gut gegangen



Trixie steht an der Seite der Bühne und wartet auf ihren Einsatz.
Heute ist Generalprobe für die Operette „Gräfin Mariza“
und Trixie kann immer noch nicht glauben, dass sie die Rolle der Schwester des Verwalters bekommen hat.
Aus den Augenwinkeln sieht sie den Kater Pablo, der wie immer oben auf der Brüstung der Galerie liegt und mit geschlossenen Augen der Musik lauscht.
Sie war erst einige Tage hier engagiert, als sie den jungen halb verhungerten Kater in einer Gasse hinter dem Theater gefunden hat. Leider durfte sie das Tier nicht in die Künstlerpension, in der das Ensemble wohnt, mitbringen.
Direktor Tümpel hat ihr deshalb erlaubt Pablo im Keller des Theaters unterzubringen.
Mittlerweile war der Kater das Maskottchen der Theaterleute und versäumte keine Probe.
Ihr Einsatz!
Trixie läuft auf die Bühne und beginnt mit dem Tenor Rudolf das Lied „Oh schöne Kinderzeit, Brüderlein, Schwesterlein“ zu singen.
Die Tür zum Zuschauerraum klappert und ein Mann in einem braunen Anzug, einer Hornbrille auf der Nase und einer abgeschabten Aktentasche unter dem Arm, kommt den Gang herunter.
Schon auf halben Weg ruft er: „Direktor Tümpel!“
Unwillig dreht dieser sich um: „Mann, sehen sie denn nicht, dass wir mitten in der Probe sind!?“
Der Mann reicht ihm ein braunes Kuvert und meint lakonisch:
Die Räumungsklage, in drei Tagen müssen sie das Theater verlassen.“
Wie bitte!“
Der Gesang verstummt und die Schauspieler drängen nach vorne.
Ich habe dem Bürgermeister, doch erklärt, dass sobald die Premiere vorbei ist, ich die ausstehende Miete bezahlen werde und er war einverstanden!,“ ruft der Direktor.
Der Amtsdiener zuckt die Schultern, dreht sich um und geht.
Betroffen stehen alle da, nur der unverbesserliche Felix ruft: „ Es wiehert der Amtsschimmel!“ und er lässt ein fürchterliches Wiehern erklingen, doch niemand lacht.
Ich gehe ins Rathaus!“ verkündet Direktor Tümpel.
Pablo, der bemerkt hat, dass etwas nicht in Ordnung ist, läuft die Treppe hinunter und drängt sich gerade noch mit dem Direktor durch die Tür.
Dieser bemerkt gar nicht, dass der Kater ihm in das Rathaus folgt, so wütend ist er.
Die Vorzimmerdame grübelt gerade darüber nach, warum der Nachtclubbesitzer Almanzo schon wieder beim Bürgermeister ist, als Direktor Tümpel herein stürmt und direkt auf das Arbeitszimmer ihres Chef zu.
Halt, der Chef hat Besuch!“
Da erblickt Frau Braun den Kater.
Scht, scht, verschwinde, was willst du hier!“
Sie wedelt mit den Händen.
Doch Pablo macht einen großen Bogen um sie und rast hinter Direktor Tümpel ins Zimmer.
Wie ein Verrückter saust er durch den Raum, springt auf den Schreibtisch, schlittert über die Papiere, kippt eine halb gefüllte Tasse Kaffee um und als er mit einem Sprung dann unter dem Schrank verschwindet, segeln mehrere Blätter zu Boden.
Die beiden Männer im Raum starren fassungslos auf das Durcheinander.
Frau Braun kreischt und tupft verzweifelt mit einem Tuch die Kaffeeflecken auf.
Nur Direktor Tümpel bleibt gelassen.
Er bückt sich und sammelt die Papiere zusammen, dann stutzt er und beginnt zu lesen.
Das ist ja ein Ding! Deshalb also haben sie uns die Räumungsklage geschickt, weil sie das Theater an den Nachtclubbesitzer verkaufen wollen.“
Er wendet sich an den elegant gekleideten Mann.
Und was wollen sie aus unserem schönen Theater machen, einen Pornoclub?“
Dieser verzieht spöttisch den Mund.
Ich denke, ich habe hier nichts mehr verloren!“
Direktor Tümpel wendet sich nun an der Bürgermeister, der leichenblass in seinem Stuhl hängt.
Schweißperlen stehen auf seiner Stirn.
Er schwitzt vor Angst.
Ich konnte nicht anders, ich habe Spielschulden bei ihm,“ stammelt er.
Direktor Tümpel wirft ihm einen verächtlichen Blick zu.
Und dafür wollten sie unser schönes Theater opfern!“
Bitte geben sie mir den Brief, ich nehme auch die Räumungsklage zurück,“ fleht der Bürgermeister.
Doch der Direktor schüttelt den Kopf.
Ich denke, dafür werden sich einige Herren im Stadtrat interessieren.“
Er dreht sich um und verlässt das Zimmer.
Pablo flitzt unter dem Schrank hervor und folgt ihm.
Auf der Straße beugt sich Direktor Tümpel zu dem Kater hinunter und krault ihn hinter dem Ohr.
Das hast du gut gemacht, mein Junge, aber nun geh zurück ins Theater. Den Rest schaffe ich alleine.“
Als hätte Pablo ihn verstanden läuft er die Straße entlang zum Theater.
Direktor Tümpel aber verschwindet im Gebäude des "Tagesboten", dessen Redakteur im Stadtrat sitzt.

Eine Woche später findet die Premiere der „Gräfin Mariza“
statt und wird ein voller Erfolg.
Besonders lachen die Zuschauer, wenn Pablo, der inzwischen als Held gefeiert wird, immer wieder über die Bühne läuft.
In der Loge für die Ehrengäste fehlt der Bürgermeister, denn der ist aus gesundheitlichen Gründen zurück getreten.

© Lore Platz


Martinas Geschichte                           Reginas Geschichte



Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Lore,

    auch deine Geschichte erinnert mich an Marika Rökk. Hast du dich mit Regina abgesprochen, lach!!! Mein Lehrer und Direktor aus meiner Grundschulzeit in einer Zwergenschule, er was alles in einer Person, hieß Kümpel, wie dein Theaterdirektor nur statt dem K ein T. Auch an ihn hat mich deine Geschichte erinnert. Deine schöne Reizwortgeschichte hat mich nach dem lesen in meine Vergangenheit geschickt. Danke für den netten Anschubser.

    Einen schönen Tag und liebe Grüße

    Anita

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  2. Wie immer wunderschön und kräftig zu schmunzeln.
    Vielen Dank - die beiden anderen Geschichten muß ich später lesen. Die Pflicht ruft.
    Liebe Grüße Christa

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  3. Liebe Lore,
    Du hast das mit dem Amtsschimmel herrlich gemeistert!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  4. Guten Tag liebe Lore
    Heute komme ich etwas spät, aber ich kann mir doch die Geschichten nicht entgehen lassen. Alle drei Geschichten sind so gefühlvoll erdacht und in Worte gekleidet. Wenn es auch "nur" Geschichten sind, so passen sie doch wunderbar in unsere heutige Zeit. Danke für alle Drei.
    Liebe Grüße von Joachim

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.