Dienstag, 29. April 2014

Reizwortgeschichte: Wie Zwurrli in den Marmeladentopf fiel


Heute ist ja wieder unser gemeinsamer Reizwort-Geschichten- Tag und diesmal sind die Wörter:
Liegestuhl, Marmelade, schwimmen, einsam, rosa
dran und ihr werdet sehen, dass drei wundervolle vollkommen verschiedene Geschichten entstanden sind.
Viel Vergnügen beim Lesen

Übrigens ich selbst habe mich in Zwurrli verliebt und denke, dass es noch mehr von seinen Abenteuern gibt.


  



Wie Zwurrli in den Marmeladentopf fiel



Es war ein schöner sonniger Frühlingstag. Schmetterlinge tanzten vergnügt um die bunten Tulpen im Beet.
Bienen krabbelten summend in die weit geöffneten Narzissen, um dann mit schweren Körbchen wieder herauszukommen.
Auf dem Liegestuhl lag eine Frau, sie war nicht mehr ganz jung, denn die Jahre hatten ihre einst dunklen Haare ergrauen lassen.
Ihre Augen waren geschlossen, doch sie schlief nicht.
Sie ließ ihre Gedanken wandern und genoss das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel.
Nach langer Zeit fühlte sie sich wieder frei und glücklich.
Lange hatte es gedauert, bis sie den großen Schmerz um den Verlust ihres Mannes überwunden hatte.
Und die erste Zeit fühlte sie sich sehr einsam, sie wusste nichts mit sich selbst anzufangen und oft dachte sie, wie sollte sie nur weiterleben ohne den geliebten Partner an ihrer Seite.
Doch dann hatte ihr Sohn vorgeschlagen, dass sie in die kleine Anliegerwohnung bei ihnen einziehen sollte.
Nun hatte sie eine eigene kleine Wohnung in Parterre mit Familienanschluss.
Und ihre beiden kleinen Enkelinnen Felizitas, genannt Fee und Minerva, kurz Minni genannt sorgten schon dafür, dass sie nicht zu oft ins Grübeln kam.
Sie liebte die beiden Mädchen.
Und als ob ihre Gedanken sie herbei gewünscht hätten, hörte sie leise Schritte und ein Wispern.
Wir dürfen Oma nicht aufwecken,“ mahnte Fee.
Aber sie soll doch sehen, wie toll wir uns verkleidet haben,“ schmollte Minni.
Nun wir setzen uns hier ins Gras neben sie und warten bis sie wach wird“, schlug die vernünftige Fee vor.
Doch das dauerte Minni viel zu lange.
Wenn wir ihr ein Küsschen geben, dann haben wir sie doch nicht aufgeweckt?“
Die Oma unterdrückte ein Schmunzeln, dann spürte sie rechts und links ein feuchtes Küsschen.
Langsam schlug sie die Augen auf und fing an zu lachen.
Die Beiden hatten sich als Damen verkleidet, doch ihre Gesichter sahen wie Clowns aus, denn beim Nachfahren der Lippen mit dem Lippenstift waren sie viel zu weit daneben geraten.
Die Mädchen fielen in ihr Lachen mit ein.
Oma, deine Backen sind ganz rosa!“
Frau Kaspari stutzte.
Sollte die Sonne doch stärker sein, als angenommen.
Sie kramte aus der Tasche neben ihrem Liegestuhl den kleinen Handspiegel heraus und als sie ihr Gesicht sah musste sie wieder lachen.
Zwei große Lippenstiftflecke zierten ihre Wangen.
Ich glaube wir gehen lieber rein und waschen uns,“ schmunzelte sie und einträchtig verließen sie den Garten.

Am Nachmittag saß die Oma mit den Kindern auf der Hollywoodschaukel.
Fee und Minni hatten sich rechts und links an sie gekuschelt und forderten eine Geschichte, denn Oma konnte sich die schönsten ausdenken.
Und diese begann zu erzählen:


Wie Zwurrli in den Marmeladentopf fiel

Es war einmal ein Garten, der sah etwas anders aus wie die üblichen Gärten.
Verwildert nannten ihn die Menschen, die vorüber gingen missbilligend.
Doch das junge Pärchen, das in dem kleinen Holzhaus wohnte zu dem der Garten gehörte, lachte nur.
Ökonomisch sagten sie. Wir wollen keinen Ziergarten, sondern die Pflanzen sollen frei wachsen, damit die Insekten und Käfer sich hier wohlfühlen können.
In diesem Garten stand auch ein riesiger Birnbaum, der schon sehr alt war und sein Wurzelgeflecht sich weit unter der Erde verbreitete und ihn stark machte, damit er jedem Sturm sich widersetzten konnte.
Vor kurzem war in die Wurzeln unter dem Boden eine Wichtelfamilie eingezogen.
Sie gehörten zu den Wurzelwichtel und lebten erst im nahe gelegenen Stadtpark unter einer Eiche.
Doch als diese vom Blitz getroffen und gespaltet wurde, mussten sie fluchtartig ihr Heim verlassen.
Mutter Fuchsia weinte bittere Tränen, denn sie musste alle ihre schönen Möbel, Kissen und Decken zurücklassen, auch konnten sie nur mit den Kleidern auf dem Leib ihre Wohnung verlassen.
Das Eichhörnchen Knusperle erzählte ihnen von den netten jungen Leuten, die nicht einmal eine Ameise zertraten und dem großen Birnbaum mit den vielen unterirdischen Wurzeln.
Sie ließen sich von Fräulein Knusperle zu dem Garten bringen und standen dann wenig später vor dem mächtigen Birnbaum.
Vater Donar und seine Söhne Trollo und Zwurrli begannen
einen Gang in den Boden zu graben, während Fuchsia und ihre Tochter Tauperle Gräser zupften, damit sie heute Nacht ein weiches Lager hatten.
Bald fanden sich viele Tiere ein.
Die Ameisen schleppten Brotkrümmel heran, die sie um den Tisch im Garten gefunden hatten.
Die Bienen brachten Honig und die Schmetterlinge eine Glockenblume voller Tautropfen.
Jeder wollte helfen. Ein Regenwurm erbot sich einen Kamin für den Ofen zu schaffen und der Maulwurf, der nicht weit vom Birnbaum entfernt wohnte, wollte beim Graben der Zimmer helfen.
Dazu waren seine schaufelartigen Klauen bestens geeignet.
Und so dauerte es nicht lange, bis eine schöne große Wohnung unter dem Birnbaum entstand.
Stolz führte Donar seine Fuchsia durch die Zimmer und sie strahlte, war diese Wohnung doch viel größer und schöner als die im Park.
Trotzdem dachte sie wehmütig an ihre schönen Möbel. Donar aber legte ihr den Arm um die Schulter und tröstete, „ich werde dir neue Möbel machen.“
Die Kinder hatten inzwischen schon ihre Zimmer ausgesucht.
Nun wurden die Grasbündel nach unten gebracht und in jedem Zimmer ein provisorisches Lager gerichtet.
Dann gingen sie wieder nach oben und setzten sich mit all ihren neuen Freunden unter den Birnbaum und dann wurde erzählt.
Als die Wichtel die Vögel in der Ferne zwitschern hörten, waren sie besorgt um ihre neuen Freunde, doch Max der Regenwurm deutete nach oben.
Auf dem Ast des Birnbaum lag ein getigerte großer Kater.
Das ist unser Freund Kasper, er wacht über uns,“ erklärte Max.
Kasper der seinen Namen gehört hatte sprang geschmeidig zu Boden und macht sich mit den neuen Bewohnern der Wiese bekannt.
Als es kühler wurde und die Dämmerung ihre Schleier ausbreitete, gingen die neuen Freunde nach Hause.

Auch die Wichtelfamilie kletterte hinunter in ihre Wohnung und bald lag jeder auf seinem Bett aus Gras und müde von den Aufregungen des Tages schliefen sie ein.
Als sie am nächsten Morgen ihren Kopf unter dem Birnbaum hervor streckten, staunten sie.
Alle Wichtel aus dem Park waren hier versammelt und jeder hatte ein Möbelstück oder einen Korb in der Hand.
Graubart ließ einen Korb voller Geschirr auf den Boden plumpsen und erklärte.
Wir haben gestern Nacht noch eure Wohnung ausgeräumt, denn heute soll die Eiche gefällt werden.“
War das eine Freude. Alle halfen nun die Möbel hinunter zu schaffen und dann wurde noch gefeiert, bevor die Wichtel wieder zurück in den Park gingen.
Am nächsten Tag schlüpfte Zwurrli leise aus der Wohnung, alle schliefen noch, aber er wollte seine neue Heimat erkunden.
Vergnügt lief er durch das hohe Gras und stieß gegen einen Holzstamm.
Er rieb sich die Stirn und sah nach oben. Das war kein Baum sondern sah aus wie ein Tisch.
Er kletterte empor und zog sich an der Kante nach oben.
Neugierig sah er sich um. Da stand eine geblümte Tasse mit einer dunkelbraunen Brühe.
Vorsichtig beugte sich Zwurrli drüber und steckte die Zunge in die Brühe.
Pfui war das bitter!
Entsetzt fuhr er zurück und stieß mit dem Rücken an ein Glas.
Er drehte sich um und erblickte eine rote Masse und ein Teil davon rann außen am Glas herab.
Klüger geworden kostete er nicht mit der Zunge, sondern steckte seinen Finger in das rote klebrige Gerinnsel und leckte vorsichtig mit der Zunge daran.
Hmmm!, schmeckte das lecker, wie Erdbeeren.
Davon wollte er mehr. Er sprang in die Höhe, doch er verfehlte den Rand des Glases.
Suchend sah er sich um, denn er brauchte etwas worauf er sich stellen konnte.
In einem Glas lagen viereckige weiße Felsbrocken. Vorsichtig hob er einen an.
So schwer war er gar nicht.
Er schleppte den Würfelzucker zu dem Glas und stellte sich darauf.
Immer noch zu kurz.
Erst als er mühsam ein zweites Stück auf den anderen gesetzt hatte, konnte er mit den Fingerspitzen das Marmeladenglas erreichen.
Er sprang hoch und der Würfelzucker unter im kippte um und kullerte über den Tisch.
Doch Zwurrli zog sich empor und setzte sich auf den Rand des Glases.
Er beugte sich hinunter um mit den Fingern das köstliche süße Erdbeergemisch zu erreichen, da verlor er das Gleichgewicht und stürzte in die Marmelade.
Verzweifelt ruderte er mit Händen und Füßen, als wollte er
schwimmen.
Doch je mehr er strampelte, um so tiefer zog ihn die schwere klebrige Masse nach unten.
Auf einmal erschien ein Gesicht über dem Marmeladenglas und jemand sagte:
Nanu wen haben wir denn da?“
Zwei Finger erschienen und zogen ihn heraus.
Zwurrli sah in das Gesicht einer jungen Frau, doch das war so freundlich, dass er gar keine Angst hatte.
Sie setzte ihn auf dem Tisch ab und der Wichtel schenkte ihr ein strahlendes Grinsen und begann eifrig die Marmelade von seinen Kleidern ab zu schlecken.
Du bist mir ja ein Leckermäulchen, aber ich ich denke ich
sollte dich lieber waschen!“
Sie nahm ihn vorsichtig auf die Hand und während sie ins
Haus ging, murmelte sie:
In unserem Garten wohnen sogar Wichtel, wenn ich das Ricky erzähle, der wird staunen.
Nachdem sie den kleinen Dreckspatzen gesäubert hatte, setzte sie ihn vorsichtig im Gras ab und Zwurrli lief los.
Dann drehte er sich noch einmal um und winkte ihr fröhlich
zu.“

Nun hat euch die Geschichte gefallen?“ fragte die Oma und die Mädchen nickten begeistert.
Fee aber sah sich nachdenklich in ihrem Garten um und meinte:
Unser Garten ist aber nicht Ökonomisch, der ist viel zu ordentlich. Könnten wir denn nicht auch etwas für die Insekten und Käfer tun?“
Frau Kaspari erschrak.
Da hatte sie ja etwas angerichtet, denn ihre Schwiegertochter war viel zu konservativ und gab viel auf die Meinung der Anderen.
Niemals würde sie dem zustimmen.
Dann fiel ihr Blick auf den Komposthaufen und das darum brach liegende Land.
Vielleicht wäre dort hinten in der Ecke ja was zu machen.
Sie beschloss zuerst einmal mit ihrem Sohn darüber zu reden.


Eva hat sich uns angeschlossen und wir jetzt jeden Dienstag mit dabei sein. Schaut doch bitte auch in ihr Bloghaus!

EVAS GESCHICHTE



Kommentare:

  1. Hallo Lore,

    das ist aber eine schöne Geschichte. Ich wünschte, wir hätten neben den Blumen und Tieren auch ein paar Wichtel im Garten, die für ein wenig süße Bestechung mithelfen würden.

    Liebe Grüße

    Kerstin - im Moment noch ohne Finchen und Ayla

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  2. Guten Morgen liebe Lore,
    ich bin beim lesen so richtig schön in diese heile Gatenwelt abgetaucht. Besonders freut es mich, dass es der Frau wieder gut geht und sie nicht mehr so oft traurig ist,
    Ganz liebe Grüße und hab einen schönen Tag
    Anita

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  3. So eine wunderschöne Geschichte. Die schreit direkt nach einer Fortsetzung. Du hast recht man
    muss sich in die Wichtelfamilie verlieben.
    Noch einen wunderschönen Tag LG Christa

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  4. Liebe Lore,
    ich bin immer wieder begeistert, was aus diesen Wörtern gemacht wird.
    Diese Geschichte ist so wunderschön - und es wäre wirklich schön, wenn
    es eine Fortsetzung von dem lustigen Wichtel geben würde.
    Einen schönen Tag wünscht dir
    Irmi

    PS: Ich mache für gewöhnlich nicht auf meinen Blog aufmerksam. Aber bitte, schau morgen mal rein. Extra für dich.

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  5. Liebe Lore,
    das ist eine bezaubernde Geschichte , so einen kleinen Zwurrli hätte ich auch gern im Garten! Ich freue mich auch auf weitere Geschichten mit ihm!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.