Freitag, 2. Mai 2014

Die Wunderpflanze - Erinnerungsgeschichte


Mein damals 15jähriger Neffe Rainer war ein rechtes Schlitzohr und Lausbub.


Eines Tages bekam er von seinem Freund eine kleine Pflanze geschenkt, die dieser angeblich aus Vogelfutter gezüchtet hatte.
Die beiden Schlingel wussten garantiert, um was für eine Pflanze es sich handelte.
Rainer aber stellte das kleine Blumentöpfchen auf die Fensterbank in seinem Zimmer und vergaß es.
Als wenige Tage später seine Tante Anneliese in sein Zimmer kam und das halb verdorrte Gewächs erblickt, quoll ihr Herz über vor Mitleid.
Sie war Gärtnerin aus Leidenschaft mit zwei grünen Daumen und liebevoll pflanzte sie das vernachlässigte Gewächs in eine Ecke des Gartens und begann es nun zu hegen und zu pflegen.
Und die Pflanze dankte es ihr und wurde groß und immer größer.
Vielleicht kennt ihr ja das Märchen von Jack und der Bohnenstange?
Diese unbekannte Pflanze wuchs zwar nicht in den Himmel, aber sie wurde doch recht stattlich.
Eines Morgens aber stand im Garten nur noch ein Skelett!
Die arme Pflanze reckte ihre Äste gen Himmel, all ihrer Blätter beraubt.
Wenig später klingelte die Polizei an der Tür.
Was war geschehen?
Ein polizeilich bekannter Jugendlicher war auf einen seiner Streifzüge an dem Garten vorbeigekommen und hatte die
Pflanze sofort als das erkannt was sie war.
In der Nacht kam er dann wieder und hielt reiche Ernte, wurde aber kurze Zeit später mit dem „Gras“ in der Tasche von der Polizei aufgegriffen.
Und nun begannen die Mühlen des Gesetzes zu mahlen.
Fazit: Mein minderjähriger Neffe wurde vor den Kadi zitiert, begleitet von seinem Vater und der Tante.
Und nun begann eine Verhandlung, die sehr an das königlich bayrische Amtsgericht erinnert, nur ins schwäbische verlegt.
Der Richter und er Staatsanwalt konnten sich kaum das Lachen verkneifen, als die Anklageschrift verlesen wurde.
Die kämpferische Tante Anneliese rief immer wieder von der Zuschauerbank dazwischen.
Der Buabe is unschuldig, des Plänzle han ich gosse!“
Und mein Schwager amüsierte sich königlich.
Der Einzige, der geknickt und ziemlich weiß um die Nase auf dem Armesündbänkchen saß, war mein sonst so übermütiger Neffe.
Die Verhandlung endete mit Freispruch und einer Ermahnung.
Vor einigen Tagen rief ich die inzwischen über achtzig Jahre alte Anneliese an, um mir die Geschichte noch einmal schildern zu lassen.
Selbst nach zwanzig Jahren klang ihr Stimme noch kämpferisch, als sie meinte:
Aneui , i muast do mit go, um dem Bieble zu helfe!



 
Mit dieser kleinen Erinnerungsgeschichte wünsche ich   euch ein schönes Wochenende                                  
Es soll ja wieder 18° werden, welch ein Glück!                                          



Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    ich habe herzlich gelacht - ist das eine lustige, wenn auch wahre Geschichte. Hinterher kann man immer drüber lachen, wenn man in der Situation ist wohl eher nicht!
    Liebe Grüße
    Regina

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  2. Liebe Lore
    Eine wirklich sehr amüsante Geschichte aus den wahren Leben, die nach ein paar trüben Regentagen so richtig aufmuntert
    Herzliche Grüße von Joachim.

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  3. Ja wieder eine schöne, wahre Geschichte. So geht es wenn man nicht genau weiß was man hegt und pflegt. Wir haben auch unbekannte Pflanzen in unserem Garten. Da wird entschieden - Unkraut - raus damit.
    Dir, liebe Lore auch ein schönes Wochenende und liebe Grüße Christa

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  4. Ich habe mich auch köstlich amüsiert und wurde an jemanden erinnert, der diese Pflanze auf dem Balkon stehen hatte (allerdings davon wusste). Als die Mutter zu Besuch kam, hat sie dieses Pflänzchen auch über alle Maße gelobt - und der Geruch - einmalig ;-)!!! LG Martina

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  5. Liebe Lore,
    da habe ich zur späten Stunde noch lächeln müssen.
    Eine wunderschöne Geschichte.
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht dir
    Irmi

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  6. Liebe Lore,
    ich konnte mir beim Lesen dieses "schwäbische Amtsgericht" gut vorstellen und schmunzele noch jetzt. Köstlich ist auch Tante Annelieses Ausspruch und scheinbar kann sie sich noch gut erinnern. Sie wirkt sehr sympathisch.
    Schön, dass alles gut ausgegangen ist.
    LG
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.