Freitag, 13. Juni 2014

Das kleine rosa Tütchen

Als ich ein junges Mädchen war, hatte ich eine ältere Dame als Arbeitskollegin, der versuchte ich so viel wie möglich aus dem Weg zu gehen.
Denn sie jammerte von früh bis spät über ihr angeblich sooo schlechtes Leben.
Diese Jammerei spiegelte sich auch auf ihrem Gesicht wider.
Oft bin ich Menschen begegenet, die nur jammerten und wenn ich dann die Hintergründe sah, dachte ich oft -warum jammerst du -
Dann bin ich wieder Menschen begegnet, die wirklich Grund zum jammern hatten und doch so voller Fröhlichkeit und Tapferkeit waren, die ich einfach nur bewundern musste.
Niemand kann seinem Schicksal entrinnen, doch wie man sein Leben meistert, das hat man ganz allein in der Hand.
Auch mir bescherte das Leben schon viele dunkle und schwere Stunden, doch zum Glück wurde mir ein Naturell mitgegeben, das auch hinter der dunkelsten Wolke noch den Sonnenschein erkennen lässt.

Vor einiger Zeit las ich eine Geschichte, die ich hier originalgetreu wiedergeben möchte.








Das rosarote Tütchen

Als ich eines Tages wie immer traurig durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schief lief, setzte sich ein fröhliches Mädchen zu mir.
Es spürte meine Stimmung und fragte: "Warum bist du traurig?"
"Ach," sagte ich, " ich habe keine Freude am Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll."
"Hmmm," meinte das Mädchen," wo hast du denn dein rosa Tütchen? Zeig sie mir mal. Ich möchte da mal reinschauen."
"Was für ein rosa Tütchen?" fragte ich verwundert.
" Ich habe nur ein schwarzes Tütchen." Wortlos reichte ich es ihr.
Vorsichtig öffnete es mit seinen zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in meine schwarze Tüte hinein.
Ich bemerkte, wie es erschrak.
"Es ist voller Albträume, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse."
"Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann man nichts ändern."
"Hier nimm!" meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. "Sieh hinein!"
Mit zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Jahren war.
"Wo ist dein schwarzes Tütchen?" fragte ich neugierig.
 "Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht mehr darum," sagte es.
"Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tüchten voll zu bekommen.
Da stopfe ich soviel wie möglich hinein.
Und immer wenn ich Lust dazu habe oder beginne traurig zu werden, dann öffne ich meine rosa Tüte und schaue hinein.
Dann geht es mir sofort besser.
Wenn ich mal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosaTütchen.
Es wird voll sein bis oben hin und ich kann sagen, ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!"
Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab es mir einen Kuß auf die Wange und war verschwunden.
Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen.
Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein.
Es war fast leer, bis auf den kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte.
Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz.
Glücklich machte ich mich auf den Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen.

Verfasser unbekannt
Sollte jemand Rechte auf diese Geschichte haben, bitte ich ihn, sich mit mir in Verbindung zu setzen.

Nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende und vielleicht habt ihr ja auch schon ein rosa Tütchen mit schönen Erinnerungen.
Wenn nicht, dann legt euch unbedingt eins zu und bitte vergesst nicht die schwarzen Tütchen immer rechtzeitig zu entsorgen.

Eure Märchenfee
 
 







 
 

Kommentare:

  1. Öiebe Lore
    Die Geschicht "Das rosa Tütchen"habe ich schon vielmal gelesen und sie hat mich immer wieder fasziniert.
    Dir ein schönes Wochenende und lieben Gruß von Joachim

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  2. Das ist eine wunderschöne Geschichte, die direkt in mein Herz getroffen hat. Ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, die schwarze Tüte zu entleeren und nur noch eine gefüllte rosa Tüte zu haben. Sehr, sehr schön! Und es passt so gut zu dir!! LG Martina

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  3. Das ist eine sehr schöne Geschichte, liebe Lore!

    Herzliche Grüße
    REgina

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  4. Liebe Lore,
    ich glaube, dass ich diese Geschichte schon einmal gelesen habe. Aber ich weiß nicht mehr wo. Egal, diese Geschichte ist einfach toll, man kann sie immer wieder lesen.
    Ich glaube mein rosa Tütchen ist mein Blog ;-)
    LG
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.