Dienstag, 15. Juli 2014

Reizwortgeschichte - Hilfe, mir fällt nichts ein!

Reizwörter: 
Rose, Schreibtisch gelb, lieblich, tragen





Hilfe! Mir fällt nichts ein!



Da sitze ich nun an meinem Schreibtisch und starre auf das Blatt Papier auf dem fünf Wörter stehen, aus denen ich eine Geschichte basteln soll.
Das erste Wort ist Rose.
Nun bin ich nicht gerade der Rosenfreund. Ich mag lieber die Blumen, die auf der Wiese blühen, unverfälscht und nicht gezüchtet.
Bin eben ein einfaches Landkind, das sich über die Mohn- und Kornblumen freut, die in das goldgelbe Ährenfeld lustige Farbtupfer malen.
Gibt es etwas schöneres, als das Gänseblümchen, das mit seinen weißen Sternchen eine Wiese zum Paradies macht, oder einen Kranz aus Mageriten im Haar zu tragen.
Mein Blick schweift aus dem Fenster und verliert sich in den Bäumen, die groß und eng miteinander verwachsen,
im Nachbargarten stehen.
Zwei Eichkätzchen jagen sich in den Ästen und die Spatzen lärmen auf dem Kirschbaum.
Ein gelber Schmetterling flattert vor dem Fenster, kommt herein und setzt sich neben das Blatt.
Voller Staunen betrachte ich das kleine liebliche Wesen, das ich für einen Schmetterling gehalten habe.
Es ist eine Elfe.
Hallo, ich bin Butterblume und meine Freundin, die Rosenelfe hat mich zu dir gesandt, um dir zu helfen.
Leider hatte sie selbst keine Zeit, aber ich soll dir liebe Grüße ausrichten.“
Hallo,“ murmle ich immer noch verwirrt.“
Ein silberhelles Lachen erklingt.
Du denkst wohl du hast eine Halluzination!“
Ich nicke mit dem Kopf.
Keine Angst, mich gibt es wirklich. Du schreibst doch immer so schöne Geschichten über uns und deshalb wollen wir dir helfen.“
Das ist nett,“ stammle ich.
Wieder erklingt das fröhliche Lachen, das mich an das Klingen einer kleinen silbernen Glocke erinnert.
Nun höre gut zu, denn ich werde dir von der Rose erzählen und du wirst sehen, dass du dann deine Meinung über sie sicher ändern wirst.“
Sie macht es sich gemütlich und beginnt.
Die Rose gibt es schon sehr lange. 1600 v. Chr. fand man bereits im Palast Knossos auf Kreta eine Zeichnung der Rose.
Bei den alten Griechen war die Rose der Göttin Aphrodite und bei den Römern der Göttin Venus geweiht.
600 v. Chr. besang die Dichterin Sappho die Rose, als die Königin der Blume.
Und in der Römerzeit wurde Rosenwasser als Heilmittel gegen schürfende Wunden, Verbrennungen, Schnittwunden genutzt.
Rosenöl soll auch sehr entspannend wirken.
Für die Römer gehörte die Rose auch zu den Luxusgütern und ihre Festmahle waren von Rosenblüten übersät.
Der Dichter Horaz hat sich sehr darüber aufgeregt, weil die Olivenhaine vernachlässigt und die Felder nur noch mit Rosen bepflanzt wurden.
Karl der Große verordnete 794 den Anbau der Rose als Heilpflanze und sorgte so dafür, dass sie in vielen privaten Gärten gepflanzt wurde.
Die volkstümliche Beliebtheit der Rose ließ auch die christlichen Theologen sich mit dieser Blume beschäftigen.
Und so wurde diese zum Sinnbild der Reinheit und der himmlischen Liebe und zur ständigen Begleiterin der Jungfrau Maria.
Und selbst Goethe hat in seinem Gedicht das Heideröslein als reines Wesen, das von einem bösen Jungen zerstört wurde, verewigt.

Dann gibt man auch den Farben der Rosen noch eine verschiedene Bedeutung:


gelbe: einzeln oder mit roten Rosen zusammen: Eifersucht, Zweifel, Mangelndes Vertrauen


Heinrich Heine schrieb dazu:


Was bedeuten gelbe Rosen
Liebe, die mit Ärger kämpft
Ärger, der die Liebe dämpft
Lieben – und sich dabei erbosen






rote einzeln: du hast meine Herz gewonnen



rosa: Schüchternheit, Du sollst Dir Zeit lassen. Ich liebe dich zärtlich.
silberrosa: Wir treffen uns im Mondenschein







weiße: Zärtlichkeit, zu jung für die Liebe.





Doch auch im Orient wurde die Rose verehrt. Der Legende nach ist sie aus einem Schweißtropfen des Propheten Mohammed entstanden.
Und als Saladin im Jahre 1187 die Kreuzritter besiegte und Jerusalem zurück eroberte, soll er auf 500 Kamelen Rosenwasser mitgebracht haben und hat damit die Säulen und Wände der Moschee reinigen lassen.
Erst dann durften die Gläubigen den Tempel wieder betreten.
Siehst du nun, welch eine Geschichte die Rose hat, sie ist nicht nur ein überzüchtetes Gewächs mit Dornen.“
beendet die kleine Elfe ihren Vortrag.
Ich nicke und sehe, wie sie immer durchsichtiger wird und dann ganz verschwindet.

Als ich die Augen öffne, liege ich mit dem Kopf auf dem Blatt Papier.
Da bin ich doch über dem Grübeln eingeschlafen.
Ich nehme den Kugelschreiber, der mir entfallen ist, in die Hand und beginne alles aufzuschreiben, was mir die kleine Butterblume im Traum erzählt hat.


© Lore Platz





Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    wie schön, daß Dir die kleine Butterblume im Traum erschienen ist ...eine ganz zauberhafte Geschichte!
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  2. Wie gut, dass dich Butterblume inspiriert hat und du uns dadurch eine so herrliche Geschichte schreiben konntest ;-)!!! Einen schönen Tag für dich, liebe Lore - und bis bald! LG Martina

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  3. Wie immer wunderschön geschrieben, und tüchtig über die Rosen recherchiert. So lernt man immer
    noch dazu. LG Christa

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  4. Herrlich, was Dir zu den Reizwörtern eingefallen ist. Ich erfreue mich immer wieder an unseren verschiedenen Zugängen. Danke für die umfangreiche Rosen-Recherche!
    Alles Liebe
    Eva :)

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  5. Guten Abend liebe Lore
    Deine Geschichte habe ich nun jetzt erst lesen können und die anderen kommen dann Morgen mit lesen dran. Danke für die wieder wunderbare Geschichte und das Gedicht von der Rose.
    Wenn man nicht weiß was man schreiben soll,
    gibt es innerlich einen kleinen Groll,
    und das ist nun nicht gelogen,
    da kommt eine Elfe angeflogen,
    die sich setzt dann in dein Ohr,
    und spricht dir eine Geschichte vor,
    du träumst nur vor dich hin,
    erfasst den ganzen Sinn,
    danach wachst du dann auf,
    schreibst das dir erzählte auf,
    und siehe da, was steht nun hier,
    eine wunderbare Geschichte auf Papier,
    diese wird dann schön verpackt,
    im Computer auf gemacht.
    herzliche Grüße von Joachim

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  6. Liebe Lore,
    da darfst du öfter einschlafen, wenn so herrliche Geschichten
    dabei herauskommen. Wiedr wunderschön.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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  7. Ich mag Rosen, weil sie stehen für die Liebe, ich mag aber auch Wiesenblumen. Liebe Lore, das was du uns über die Rose erzählt hast, war neu für mich und so sehe sie jetzt mit anderen Augen. Dankeschön für die lieblichen Worte sage dir gute Nacht und überreiche dir eine......nein keine Rose, sondern die kleine Butterblume zum weiterträumen! Schlaf gut deine Gerda

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  8. Liebe Lore,
    ganz gespannt war ich auf deine Geschichte, die mir wieder supergut gefallen hat. Ich durfte ja erst heute lesen, weil ich Verspätung hatte. Aber nun habe ich sie umso mehr genießen können, vielen Dank und liebe Grüße
    Regina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.