Sonntag, 20. Juli 2014

Urlaubszeit

Da wartet man das ganz Jahr auf den Urlaub und die Freude ist riesengroß.
Der Anfang ist oft beschwerlich, besonders wenn man mit dem Auto das Urlaubsziel erreichen will. Kilometerlange Staus in sengender Hitze, wie ich gestern im TV gesehen habe.
Doch dann endlich am Ziel genießt man die unbeschwerten Tage.
Doch was ist, wenn der Urlaub vorbei und man wieder daheim ist?
Nicht immer schön, besonders nicht für uns Frauen, wie Christine in ihrer Erzählung humorvoll beschrieben hat.







Die Heimkehr


Wieso war sie eigentlich wieder nach Hause gekommen?
Missmutig starrte Marianne auf das Chaos in ihrem Gästezimmer.
Zwei Koffer, ein riesengroßer, den ihr Mann immer als "Überseekoffer" bezeichnete (das war ihrer) und einer, der kaum größer war als ihre Handtaschen. Der gehörte Gerhard. Das, was dort hineinging, würde ihm problemlos auch für eine dreimonatige Weltreise reichen. Behauptete er jedenfalls.
Vor dem Kleiderschrank lagen zwei Reisetaschen. Eine davon offen. Wie aus einem überfüllten Bauch quollen Badeanzüge und Handtücher heraus.
Auf dem Bett stapelten sich Rucksäcke, Handtaschen und Kleinkram, gnädig zugedeckt von einem ehemals weißen, jetzt aber ziemlich angeschmuddelten Bademantel.
Und das Schlimmste: Neun Stapel Wäsche, nach Farben sortiert, starrten sie vorwurfsvoll an. Sie alle warteten darauf, gewaschen, gebügelt und wieder in den Schrank geräumt zu werden....
Marianne hob mit spitzen Fingern eine blaugestreifte Socke auf, die neben dem Gästebett notgelandet war, warf sie auf einen der Wäschestapel, verließ das Gästezimmer und klappte die Türe hinter sich zu. Sie holte sich aus der Küche ein Glas und einen Piccolo, der seit Wochen im Kühlschrank kalt stand, und marschierte damit auf den Balkon.
Vorbei an ihrem Gatten, der - wie so oft - im Fernsehsessel eingeschlafen war und leise vor sich hin schnorchelte.
Der weiße Plastikstuhl hätte dringend abgewischt werden müssen - aber es war ihr egal. Sie ließ sich einfach hineinfallen, schenkte sich ihren Sekt ein, schloss die Augen, um die Bushaltestelle und die vorbeifahrenden Autos auszublenden. und kehrte in Gedanken zurück an den Ort, an dem sie bis gestern Abend so glücklich gewesen war.....
Vor ihrem geistigen Auge erschien ein weißer Sandstrand, mit Pinien bestanden, in denen Legionen von Zikaden ein Konzert gaben.
Der Motorenlärm der vorbeifahrenden Autos verwandelte sich in Meeresrauschen.
Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel, mit weißen Wölkchen getüpfelt.
Sie brauchte nur die Beine auszustrecken, um die Zehen ins Wasser tauchen zu können.... Kinder in niedlichen Badehöschen - mache trugen sogar noch Windeln - spielten im flachen Wasser und versuchten die winzigen Fischchen zu fangen, die in ganzen Schwärmen vorbei schwammen.
Größere bauten mit Unterstützung ihrer Eltern Sandburgen, spielten Wasserball und ließen sich jauchzend von den Wellen davontragen. Die Erwachsenen genossen - genau wie sie und
ihr Mann - lesend, schlafend oder mit Kopfhörer auf den Ohren - im Liegestuhl das Strandleben.
Ein Kellner aus dem Hotel brachte einen großen Eisbecher, den er neben sie auf das kleine Tischchen stellte.
Am Strand entlang liefen die unvermeidlichen fliegenden Händler, die kleingeschnittene Melonen, frisches Gebäck, bunte Badetücher oder Strandkleider verkaufen wollten und beim Auftauchen einer Polizeistreife blitzartig ihre Waren zusammenrafften und sich unsichtbar machten. Der Handel hier am Strand war verboten - aber darum kümmerten sich die fliegenden Händler wenig.
Was war das doch für ein herrliches Leben! Konnte es nicht immer so sein? Am Abend würden sie - wohlig entspannt - in ein aufgeräumtes Zimmer mit glänzend geputztem Bad kommen und sich in schicke Garderobe werfen, um dann das üppig bestückte Büffet zu plündern. Und - wenn sie Lust hatten (oder besser gesagt, wenn Gerhard Lust hatte) - in eine der vielen Standbars zum Tanzen gehen....
Sie wurde abrupt aus ihren Träumen gerissen, als hinter ihr die Balkontür mit einem Ruck geöffnet wurde. "Ach, hier bist Du, Marianne", sagte Gerhard. "Ich habe Dich gesucht - was gibt's denn heute zu essen? Ich falle um vor Hunger!“
Aus der Traum. Nun würde sie in die Küche gehen und irgend etwas aus den im Kühlschrank herumliegenden Resten zusammenrühren. Einkaufen konnte sie erst morgen wieder, heute war Sonntag. Ab morgen war SIE wieder für alles zuständig.
Kein freundliches Hauspersonal würde ihr die verhassten Hausarbeiten abnehmen, Kaffee kochen, Frühstück machen, das Bad putzen, fürs Mittagessen sorgen, Wäsche waschen, bügeln, Einkaufen, aufräumen, abgerissene Knöpfe annähen, verschusselte Schlüssel und Geldbörsen suchen und - und - und....
Wieso war sie eigentlich wieder nach Hause gekommen ?

Copyright Christine Rieger

Kommentare:

  1. Liebe Lore
    Wofür ist der Urlaub da,
    Valerie und Vallera,
    das nach dem Urlaub man wieder schaffen kann,
    zu Haus und im Betrieb stehen seinen mann,
    die schönen Tage sind so schnell vorbei,
    es gibt wieder das Tages einerlei,
    da kann man doch gleich zu Hause bleiben,
    und sich da seine Zeit vertreiben,
    da gibt es im Nachhinein keinen Stress,
    bleibt zu Haus und fahrt nicht weg.
    Lieben Gruß Joachim


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    1. Lieber Joachim - dichten kann ich leider nicht.- jedenfalls nicht so gut wie Du!
      Und das mit dem Zuhause bleiben und sich da die Zeit vertreiben - nein, da nehme ich lieber hinterher den Wäsche- und Chaos-Stress auf mich....

      Viele Grüße
      Christine

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  2. Eine ganz herrliche Geschichte, in der wohl nicht nur ich mich wiedergefunden habe und zwar von A bis Z! Grandios! LG an dich und Christine Rieger

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    1. Liebe Martina,

      vielen Dank für das Kompliment! Im Grunde ist diese Geschichte nichts anderes als die Beschreibung dessen, was ich bei der Rückkehr aus unserem Urlaub vor mir gesehen habe!

      Ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefällt!
      Liebe Grüße
      Christine

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  3. Liebe Lore,

    herzlichen Dank dafür, dass Du meine Urlaubsgeschichte hier veröffentlicht hast!

    Liebe Grüße
    Christine

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.