Sonntag, 14. September 2014

Eine Erinnerungsgeschichte

Wie der Senf mir einmal half meinen schmalen Geldbeutel zu unterstützen .
 

Schon als Kind aß ich gerne Senf, während ich Wurst verabscheute.
Leider durfte ich keinen Senf ohne Wurst essen, warum weiß ich bis heute nicht.
Doch in den Sechzigern hat man die Verbote der Eltern noch nicht hinterfragt.
Als ich in München zu arbeiten anfing, war es von meinem Heimatort bis in unsere Hauptstadt eine ziemlich umständliche Fahrt, mit mehrmaligen Umsteigen.
Also überlegte ich mir in unserer Kreisstadt eine Wohnung zu suchen, denn dort konnte ich zu Fuß den Bahnhof erreichen.
Eine Schulfreundin, der ich davon erzählte, war sofort Feuer und Flamme und schlug mir vor, gemeinsam eine Wohnung zu nehmen und uns die Miete zu teilen.
Ich fand auch bald eine Zweieinhalbzimmerwohnung und da diese einer Bekannten meiner Eltern gehörte, kümmerte ich mich um den Mietvertrag.
Doch kaum hatte ich den Mietvertrag unterschrieben trat meine Freundin zurück.
Nun stand ich also da mit einer Miete, die ich mir eigentlich gar nicht leisten konnte und noch mehr Problemen am Hals.
Vor einiger Zeit hatte ich jung, dumm und blauäugig eine Bürgschaft unterschrieben in Höhe von 10 000,-- Mark und diese Bürgschaft platzte und nun stand ich auch noch mit
7 000 Mark Schulden, die ich gar nicht gemacht hatte, da.
Damals habe ich aber auch gelernt niemanden außer mir selbst zu vertrauen und noch heute ist es schwer mein Vertrauen zu gewinnen.
Obwohl ich eigentlich ein schüchterner, ängstlicher Typ bin kann ich doch bei Herausforderungen eine Menge Kräfte mobilisieren.
Zuerst einmal ging ich zu meinem Chef und legte ihm die
Dinge klar. Er bewilligte mir einen Firmenkredit über die
7 000 Mark, zu besseren Bedingungen als auf der Bank und in kleineren Raten, sodass monatlich in meinen Geldbeutel ein wenig mehr blieb.
Nur zum Essen reichte es immer noch nicht.
Am Wochenende konnte ich mir ja bei meinen Eltern den Bauch voll schlagen und da ich eine Monatskarte hatte fuhr ich die letzten vier Stationen immer schwarz.
Kann ich ja jetzt zugeben, denn nach über vierzig Jahren ist die Sache verjährt.
In der Firma bekamen wir Essensmarken am Anfang des Monats, pro Tag 1,50.
Damit kaufte ich in der Kantine ein.
Nur sie reichten nicht bis zum Ende und die letzten zwei Tage wurde es immer recht eng bei mir.
Wer kennt nicht den Spruch:
Drei Tage vor dem Ersten ist das Leben am schwersten“
Da kam ich auf die Idee in die neben unserer Firma liegende Gaststätte zu gehen, denn da stand auf jedem Tisch ein Körbchen mit Brot neben einem Salz und Pfefferstreuer und ein Steingut - Töpfchen mit Senf.
Ich bestellte mir ein Glas Wasser und aß mich an trockenem Brot mit Senf satt.
Not macht erfinderisch und ich wurde in der Gaststätte auch nie blöd deswegen angesprochen.
Meine Liebe zu Senf ist geblieben und ich verfeinere auch heute noch meine Gerichte mit diesem göttlichen Ambrosia.

© Lore Platz

Mit dieser kleinen Geschichte wünsche ich euch einen schönen Sonntag.