Samstag, 27. September 2014

Ich Lade gern mir Gäste ein - Schubsi die kleine Fliege

Wieder hat mir eine liebe Internetfreundin ihre vor kurzem geschriebene Geschichte über eine kleine Fliege zugesandt und ich möchte sie gerne mit euch teilen.
Ich wünsche euch genauso viel Freude am Lesen, wie ich ich sie hatte.








Schubsy, die kleine Fliege


Soeben ist die kleine Fliege, Schubsy, geschlüpft.
Schubsy stellt sich vorsichtig auf ihre Beinchen, bewegt die Flügel hin und her und schaut sich um.
Die Sonne geht gerade strahlend auf und scheint hell in das große Zimmer.
Sie will den ersten Flug ausprobieren.
Die kleinen Flügel schwingen und summen, Schubsy fliegt direkt zum großen Fenster, bleibt total außer Atem erst einmal auf der Scheibe sitzen und lässt sich von der Sonne wärmen.
"Oh, war das schön", ruft Schubsy, die kleine Fliege.
Noch ein bisschen wackelig, dreht sie gleich noch einmal eine große Runde und stellt fest, dass die Wohnstube sehr nett ist.
Eine große Obstschale auf dem Tisch sieht einladend aus und Schubsy setzt sich auf einen duftenden, dicken roten Apfel.
Der pelzige Pfirsich ist auch nicht schlecht.
Sie wird von dicken, fleischigen Händen verjagt. "Frechheit, das war so lecker!"
Sie macht einen Schlenker und schwupps landet sie auf den roten, zuckersüßen Trauben.
Patsch, dann schlägt etwas gelbes Flaches auf sie ein.
Entsetzt ergreift Schubsy die Flucht an die Decke.
Sie beäugt erst einmal die Situation, plötzlich passiert etwas Schreckliches.
Eine dicke bunte Fliege wird von der gelben Fliegenpatsche tot gequetscht.
Panische Angst überfällt Schubsy, die kleine Fliege; "hier will ich nicht bleiben." ruft sie und fliegt im Sturzflug direkt aus dem offenen Fenster und landet auf den Buschweidenröschen.
Bunte Mücken, kleine Schwebewespen, fleißige Bienen und dicke Hummeln fliegen herum; überall ein Summen und Brummen.
Eine wunderschöne Blumenwiese mit wogenden Gräsern, bunten Wicken, gelben Pantoffelblumen, weißer Schafgarbe, süß, duftenden Bockklee, blauen Vergissmeinnicht, liegt ein Stück weiter und viele Insekten tummeln sich darin.
Ganz berauscht wandert Schubsy, die kleine Fliege, von Blume zu Blume und schaukelt mit dem Wind, der den Geruch eines Komposthaufens mitbringt, auf einem Grashalm hin und her.
Hier gibt es alles, was das Herz einer kleinen Fliege höher schlagen lässt und sie schwingt sich Mitten auf den Haufen.
Ganz viele ihrer Artgenossen tummeln sich in Gemüse- und Obstresten, klein geschredderten Pflanzenteilen, leicht am verfaulen und gären.
Die kleine Fliege labt sich am Kompost, krabbelt hin und her, kann gar nicht genug davon bekommen. Die Sonne geht langsam am tiefroten Himmel unter und die Dunkelheit bricht herein.
Nachts sollen Fliegen auf einer Stelle verharren, aber Schubsy ist so neugierig und will nicht auf dem Komposthaufen verweilen.
Schnell einen Flug zur Hauslampe, dort will sie ruhen.
Es sei im Dunkeln sehr gefährlich, warnt sie ein dicker Brummer.

Schubsy ist schon auf dem Weg zu dem hell grellen Licht, will sich neben der Lampe niederlassen und wird dabei abrupt von einem Fädengewirr gestoppt; sie zappelt und schlägt heftig mit ihren Flügeln, aber verheddert sich immer mehr.
Sie sieht die dicke, eckelige Spinne in der Ecke, die sie aussaugen und töten will.
Ihr wird bewusst, dass sie in einem Spinnennetz gefangen ist.
So jung sterben zu müssen, ergibt sich Schubsy, die kleine Fliege, ihrem Schicksal hin, und fällt vor Todesangst in Ohnmacht

Sophie schließt die Haustür auf und sieht das Spinnennetz an der Hauslampe, sie kommt von einem Kinobesuch nach Hause. Sie kann Spinnen nicht ausstehen.

Schnell wischt sie das Netz von der Lampe, das in die darunter stehende, mit Wasser gefüllte Gießkanne fällt.
Aus der Haustür stürmt der Bernhardinerhund Leo, der freudig sein Frauchen um schwänzelt; die Gießkanne fällt um und Schubsy landet auf einem Erdhaufen, das Wasser hat die Spinnenfäden aufgelöst. Die kleine Fliege öffnet die Augen, bewegt die Beinchen und die Flügel.
Morgengrauen erscheint am Himmel und bald kommen die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen. " Die Spinne hat mich nicht getötet. Hurra, ich lebe!"
Für Schubsy, die kleine Fliege, beginnt wieder ein neuer, wundervoller Tag.

© Eva V.
 

Kommentare:

  1. Eine ganz bezaubernde Erzählung, liebe Lore! Das Leben aus Sicht einer Fliege. Toll geschrieben! Man leidet mit ihr. Beim nächsten Mal, wenn ich genervt bin von einem Artgenossen, werde ich an diese Geschichte zurück denken! Sag auch Eva einen lieben Gruß! Martina

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  2. Hier kann ich mich nur dem Kommentar von Martina anschließen und sage Danke
    Es grüßt Joachim

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.