Donnerstag, 4. Dezember 2014

Katerle

Katerle


 Meiner ersten Liebe begegnete ich, als ich gerade mal acht Jahre alt war.
Er war hässlich, hatte ein beschädigtes Ohr und war so mager, dass man die Rippen zählen konnte.
Unsere erste Begegnung fand im Heu statt.
Mit meinen Freunden Klaus, Rita, Vroni und Heinzi spielte ich „Verstecken“.
Klaus musste mit dem Rücken zu uns an einen Baum gelehnt laut bis Hundert zählen und wir schwirrten auseinander, um uns zu verstecken.
Ich wählte den Heustadl gegenüber, schlich vorsichtig die knarrende Holztreppe hinauf und kroch dann unter das aufgeschichtete Heu.
Mit angehaltenem Atem wartete ich nun, dass Klaus mit dem Zählen fertig war.
Am Quietschen von Rita und Vroni hörte ich, dass sie entdeckt worden waren und kicherte leise vor mich hin.
Die zwei lernten es nie. Immer machten sie alles gemeinsam, so auch das Verstecken.
Neben mir raschelte es plötzlich und ich dachte schon an eine Maus, da ragte der Kopf eines Katers aus dem Heu.
Dass es ein Kater war erfuhr ich erst später.
Er sah mich aus grünen traurigen Augen an und ich begann ihn auszugraben.
Erschrocken sah ich, dass das halbe rechte Ohr fehlte und bedeckt war mit verkrustetem Blut.
Als ich seine rechte Hinterhand streifte, miaute er qualvoll auf und vorsichtig streichelte ich seinen Kopf, den er drehte, um mir die Hand zu lecken.
Viel zu sehr mit dem verletzten Kater beschäftigt, überhörte ich, dass Klaus die Treppe hoch trampelte. „Gefunden!“
Da sah er die Katze und kniete sich mitleidig neben sie.
Glaubst du sie stirbt?“ fragte ich ängstlich.
Er zuckte mit den Schultern.
Am besten bringen wir sie zum Tierarzt.“
Er zog seinen Janker aus und wickelte das verletzte Geschöpf hinein und trug es vorsichtig die Treppe hinunter.
Vroni und Rita kamen angelaufen und streichelten mitleidig den Kopf der Katze, der aus der Jacke ragte.
Klaus aber steckte zwei Finger in den Mund und ließ einen schrillen Pfiff ertönen.
Wie ich ihn darum beneidete, mir gelang es nie einen Ton heraus zu bekommen.
Es raschelte in der alten Kastanie, zwei Beine wurden sichtbar und Heinzi sprang herunter.
Er grinste übers ganze Gesicht.
Gibst du auf?“
Dann sah er die die Katze und das Spiel war vergessen.

Wir standen alle um den Tisch herum, als Dr. Berger den Kater untersuchte.
Das gebrochene Bein wurde geschient, das Ohr gereinigt und er bekam noch eine Spritze.
Dann wurde er in das Hinterzimmer getragen in denen einige Käfige standen.
Hier durften die Tiere sich erholen bis sie wieder gesund waren.
Zum Spielen hatte ich keine Lust mehr und lief nach Hause.
Jeden Tag besuchte ich nun mein Katerle, so hatte ich ihn getauft, und es kam mir vor, als würde er schon auf mich warten.
Anfangs hob er nur müde den Kopf, doch von Tag zu Tag ging es ihm besser und eines Tages humpelte er an das Gitter und als ich meinen Finger durch den Maschendraht steckte und ihn streichelte, begann er laut zu schnurren.


Als ich eines Tages wieder in die Praxis kam winkte mich der Tierarzt in das Hinterzimmer, öffnete die Tür des kleinen Verschlags und Katerle kam noch etwas steifbeinig, aber ohne Gips auf mich zu gehumpelt, schmiegte sich an meine Beine und schnurrte laut.
Ich bückte mich und nahm ihn auf den Arm und sein Schnurren wurde noch lauter und ich bekam nasse Küsschen ins Gesicht.
Doktor Berger lachte vergnügt: „Wenn das nicht Liebe ist!
Hast du deine Eltern gefragt, ob du ihn behalten darfst?“
Ich nickte glücklich.
Einfach war es nicht gewesen und eigentlich hatte ich es meiner Oma zu verdanken.
Die meinte nämlich: „Wenn man jemand das Leben rettet, ist man für ihn verantwortlich!“
Katerle blieb viele Jahr bei uns und war ein guter Mäusefänger.
Einmal hat er sogar meine Tante Anna erschreckt.
Als sie mal wieder bei uns für einige Tage zu Besuch war und am Sonntag frühmorgens in die Kirche gehen wollte, lagen auf dem Fußabtreter vor der Tür fein säuberlich aufgereiht drei tote Mäuse.
Der gellende Schrei meiner Tante hat auch den letzten Langschläfer aus dem Bett geworfen.
Katerle aber marschierte stolz mit hoch erhobenem Schwanz an ihr vorbei, als wollte er sagen:
Wozu die Aufregung, ich wollte euch doch bloß zeigen wie fleißig ich die Nacht war.“

© Lore Platz

Da ist keine Erinnerungsgeschichte, sondern reine Fantasie.

Ich wünsche euch einen schönen Tag.
Eure Märchenfee!






 Katze und Mensch


Wollen Beide gut zusammenleben,
muss der Mensch der Katz  Freiheit geben,
dann kann sie ihre Gedanken entfalten,
und vieles ganz anders gestalten.

Die Katze  immer zum Menschen sich setzt,
gib schön Acht, ich komme jetzt,
Nimmt man die Zeitung oder ein Buch zur Hand,
kommt die Katze auch gleich angerannt.

Ist man gerade mal beim Briefe schreiben,
setzt die Katze sich drauf, ihr Näschen reiben,
schaut dich an mit erhabener Miene, 
passt auf was gerade ist geschrieben.

Auch Schreibmaschine oder Tastatur ist nicht Tabu,
steht drauf, die Tasten tippen immerzu,
Man ist erstaunt, die Katze meint,
was alles auf dem Bildschirm so erscheint.

Die Katze ist ruhig und schläft den ganzen Tag,
damit sie dich nachts um 3 Uhr machen kann wach,
ist man dann aus dem Bett gestiegen,
will sie aber doch nur spielen.      


Sie will auch nicht zu ihrer Schüssel gehen,
wenn auf dem Tisch andere leckere Sachen stehen,
gehst zum Kühlschrank und machst ihn auf,
wartet die Katze auch schon drauf.

Vor geschlossener Tür meldet sie sich mit einem Miau,
nun mache diese verdammte Tür endlich auf,
wenn sie sieht, das die Tür offen steht
sie natürlich dann nicht durchgeht.

Die Katze ist sehr selbstbewusst,
sie behandelt uns so wie sie es muss,
sie ist ein sehr bestimmendes Tier,
ihre Diener, das sind wir.

Sie kann aber auch sehr lieb sein,
schmeichelt sich gerne bei uns ein,
schnurrt und schmiegt sich an,
wie es nicht besser sein kann.

Die Nachtigall





Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    eine oder mehrere Mäuse auf der Fußmatte am Morgen, das ist ein danke schön der Katze an ihren Menschen, für Futter, für zuneigung , für Streicheleinheiten .... Was Du in Fantasie beschreibst, hab ich schon öfters in Echt erleben dürfen ;O)))
    Danke für den so schönen Post!
    Ich wünsche Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  2. Das war eine sooo schöne Geschichte - und echt war sie sogar! Danke dafür!!!

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  3. Guten Morgen liebe Lore
    nun kann ich endlich wieder zu Deinen Geschichten einen Kommentar schreiben. die ganze Zeit wurde immer wenn ich auf Kommentare klickte alles wieder zurück gestellt. Habe vieles versucht und jetzt mit einmal klappte es .
    Eine wunderbare Geschichte und eine Liebe zu Katzen, ich finde es immer so schön, wenn es eine Liebe zwischen mensch und Tier gibt. Ein Tier ist oft ein besserer Freund als der Mensch, denn Tiere können nicht lügen.
    Ein schönes Wochenende sowie einen besinnlichen 2. Advent wünscht mit lieben Grüßen Joachim

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.