Donnerstag, 29. Januar 2015

Ich lade gern mir Gäste ein - Vertauschte Stimmen

Wieder hat mir eine Internetfreundin eine von ihr geschriebene Geschichte geschickt und da sie mir gefällt, möchte ich sie euch vorstellen. 
Viel Spaß beim Lesen!





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Die Idee zu dieser Geschichte entstand während einer Alberei mit meinem Enkel vor zwei Jahren. Wir redeten uns mit vertauschten Tierstimmen an, da bekam z.B.der Löwe eine kleine Katzenstimme und die Eule die Stimme des Löwen. Das hat uns großen Spaß gemacht. Und ich sagte, daraus können wir doch eine Geschichte entwickeln.







Vertauschte Stimmen

 
Vor langer Zeit, als die Kobolde noch ihr Unwesen trieben in den Wäldern, hat sich eine besondere Geschichte zugetragen.
Alle Tiere des Waldes lebten in völliger Harmonie miteinander.
Nur von Zeit zu Zeit kamen die Kobolde und brachten den Frieden durcheinander.
Und hier fängt die Geschichte an...

An einem wunderschönen Morgen, es war Sommer, begann die Sonne ihre Bahnen zu ziehen.
Und als Sie durch das Blattwerk der Bäume blinzelte entdeckte sie einen kleinen Hasen, der im Dickicht der Schonung lag, leise schluchzte und vor Kälte zitterte.
Oje, „dachte die Sonne, „ ich werde ihm mal einen besonders warmen Strahl schicken, dass er sich daran erwärmen kann. Was hat er eigentlich so mutterseelenallein dort zu suchen?“
Das Häschen wachte auf und freute sich sehr, dass es die Sonne besonders gut mit ihm meinte.
Es stand auf und streckte die kleinen Hasenglieder, die vom Schlafen und der Kälte der Nacht noch ganz steif waren. Ein wenig verwirrt überlegte es, wie es da wohl hingekommen sei und warum?
Da fiel ihm ein, dass die Mutter gestern noch sagte, er solle nicht so tief in den Wald hinein laufen und schon gar nicht allein.
Aber das Häschen hielt sich nicht daran. Ein Schmetterling war vor ihm her geflogen und staunend folgte er ihm. Immer weiter lief er ihm nach und vergaß die Warnung der Mutter.
Er war so wunderschön, doch wenn das Häschen nach dem Schmetterling greifen wollte, welcher sich auf einer Blüte aus ruhte, so erhob sich dieser wieder und flog taumelnd weiter.
So geriet das Häschen immer tiefer in den Wald.
Das Spiel ging eine ganze Weile so weiter und es gefiel beiden. Auf einmal war der Schmetterling nicht mehr zu sehen, weil es dunkel wurde.
Das kleine Hasenkind stand Mutterseelen allein mitten im Wald und fürchtete sich ganz arg. Was sollte es tun? Keinen konnte es fragen, alle Tiere des Waldes waren schon längst verschwunden und schliefen bereits. Da blieb ihm nichts anderes übrig, als sich ebenfalls ein Schlafplätzchen zu suchen, um auf die liebe Sonne zu warten, die ihn am Morgen wecken würde.

Ja, da war sie nun und hatte das kleine Häschen entdeckt..........

Zur selben Zeit, hoch oben in den Bäumen, saßen die Vögel und wollten ausgeruht von der Nacht, mit ihrem lieblichen Gesang den Tag begrüßen.
Aber was war das? Als sie ihre Schnäbel öffneten, kam ein so fürchterliches Gekrächze heraus, dass das Häschen vor Schreck schnell davon hoppelte.
Oje, wie erging es den armen Vögeln? Vor Entsetzen hielten sie sich die Schnäbel zu und schauten ratlos umher.
Von diesem fürchterlichen Gekrächz und Geschrei wachte die Eule endlich auf, die bislang noch, schlaftrunken, auf ihrem Ast in der hohen Buche hockte. Dass hier etwas nicht stimmte, ahnte sie sehr schnell.
Sie flog zu den anderen Vögeln, um zu sehen, was da so los sei.
Als sie angekommen war, und alle begrüßen wollte, sperrte sie den Schnabel auf, aus dem kein vertrautes UHU kam, sondern ein fürchterliches Gebrüll,so dass man meinen könnte, hier fliegt ein Löwe durch die Luft.
Ohhh, wie erschrak sie da und verfehlte fast den Ast, auf welchem sie gerade landen wollte. Sie hielt sich ebenfalls den Schnabel zu und schaute völlig entsetzt die anderen Vögel an. Da war guter Rat teuer...
Ein paar Meter weiter, hinter den hohen Tannen, versteckten sich die Kobolde und beobachteten die Verwirrung, die sie angestiftet hatten.
Wie freuten sie sich diebisch, dass ihr Plan aufgegangen war.
Am besten gefiel ihnen die gewaltige Stimme des Löwen, die sie der Eule zugedacht haben.
Nein, war das ein Fest für die Kobolde.
Endlich war mal wieder richtig was los im Wald. Viel zu sehr langweilten sie sich. Lange hatten sie über einen geeigneten Schabernack nach gedacht, der ihnen so richtig gefiel.
Nun hofften sie, dass den Tiere lange keine Lösung einfiel ,um das Ganze rückgängig zu machen .
Sie wollten sich noch recht lange erfreuen an der Verwirrung, für die sie gesorgt hatten. Fast wurden sie schon übermütig und dachten über noch mehr Gemeinheiten nach.
In ihrem Glücksrausch hatten sie den kleinen Hasen nicht bemerkt, der sich von seinem Schreck erholt hatte und zurück gekommen war.
Er hörte die Kobolde, die hinter den Bäumen waren und sehr laut und durcheinander redeten.
Das Häschen schlich heran, legte sich in eine Furche, die ganz in der Nähe war und hörte ihnen, muxmäuschen still, zu.
Einiges wusste es ja schon, wozu die Kobolde fähig waren, aber dass sie so gemein sein konnten, das hätte es nicht gedacht.
Gespannt lauschte das Häschen, stellte die Löffel auf und hoffte, dass die Kobolde das Zauberwort verraten, mit welchem man alles rückgängig machen kann.

Es sollte recht behalten!

Die Kobolde waren so sehr begeistert von sich, weil ihnen dieser Streich so gut gelungen war. Sie wurden immer lauter, leider auch unvorsichtiger. Keinen Gedanken verschwendeten sie daran, dass vielleicht jemand sie belauschen könnte.
Wenn die wüssten, dass es ein kleines Häschen sein würde, welches dafür sorgte, dass alles wieder seine Ordnung hat hier im Wald, dann würden sie nicht so fröhlich und laut sein.
Das kleine Häschen lag in seiner Sasse, dicht an den Boden gepresst und hörte weiter den Kobolden zu, die noch lauter wurden.
Es traute sich kaum zu atmen und hatte natürlich auch Angst.
So bemerkte es auch nicht, dass sich ein anderes Tier ihm näherte.
Und als eine Stimme dicht neben ihm fragte: „Willst du mit mir spielen?“ erschrack das kleine Häschen sehr, dass es meinte seine Tarnung sei aufgeflogen.
Erleichtert atmete es auf, als es ein anderes Häschen erblickte.
Mit seinen Pfötchen zeigte es ihm, dass es still sein und sich leise zu ihm gesellen solle.
Nun lagen sie beide nebeneinander in der Sasse.
Leise erzählte das kleine Häschen, was sich hier im Wald so
sonderbares zugetragen hatte.
Daraufhin daraufhin sagte das andere Häschen, dass es auch ungewöhnliches erlebt habe, auf dem Weg hierher.
Aus sicherer Entfernung hatte es einen Wolf beobachtet, der kopfschüttelnd durch den Wald trabte, und sonderliche Töne von sich gab. Es hörte sich an, als würde er zwitschern, wie ein Vögelchen.
Aber das Häschen achtete nicht darauf, es musste sich ja schnell entfernen, um nicht bemerkt zu werden.
Ja, der Wolf mag auch kleine Häschen ganz besonders gern.
Aber nicht gerade zum Spielen.
Das, liebe Kinder, wissen wir aus dem Märchen "Rotkäppchen", wo er die Großmutter gefressen hatte, es hatte aber ein gutes Ende, das wisst ihr doch noch?
Nun, wie geht es denn hier weiter?
Das werde ich euch erzählen.
Die Kobolde wurden noch übermütiger, so sehr gefiel ihnen das Spiel mit den vertauschten Stimmen, dass sogar einer den magischen Spruch ausposaunte, mit welchem ihre Gemeinheit wieder rückgängig gemacht werden konnte.

Er hieß:

"Alle Stimmen des Waldes mein, sofort in die der anderen Tiere hinein"

Übermütig gröhlten sie und tanzten vor lauter Freude, bis es einem auffiel, dass der Spruch nicht stimmt und schrie vor lauter Ärger:
"Das ist nicht der Zauberspruch für die Verwandlung !"
Jaaa stimmten die Anderen mit ein, denn jetzt merkten sie es auch.
Nun, ich wollte es spannend machen, ihr Dummfnasen, lachte meckernd der Kobold,
der Entzauberungsspruch heißt nämlich:

"Alle vertauschten Stimmen der Tiere mein, zurück in die rechten Tiere hinein"

Jetzt gab es kein Halten mehr, alle brüllten nur noch lauter und kugelten sich vor Vergnügen auf dem Waldboden umher. So glücklich und ausgelassen waren sie lange nicht mehr.
Sie ahnten nichts, nichts von den kleinen Spionen, die immer noch ängstlich, aber sehr glücklich in ihrer Sasse lagen.
Die beiden Häschen grinsten sich an und mussten sich ganz doll zusammen reißen, um nicht laut los zu lachen.
Leise, ganz leise zogen sie sich zurück und verließen ihre Sasse.
Sie hoppelten zu der Lichtung, auf der sich nach und nach alle Tiere des Waldes einfanden, um gemeinsam zu beratschlagen, was zu tun sei.
Alle redeten sehr laut und aufgeregt durcheinander.
Da sie mit vertauschten Stimmen sprachen, war es sehr schwierig ihnen zuzuhören.
Es war fast schon zum Lachen, so komisch hörte sich das an.
Aber leider war es bitterer Ernst. Es kann doch nicht sein, dass man denkt, wenn die Eule durch die Luft fliegt, man meinen könnte, da oben sei der Löwe unterwegs.
Und wenn der Löwe durch die Wälder streicht, man denken könnte, da kommt ein kleines Kätzchen daher.
Nein nein, es muss alles wieder seine Ordnung haben.
In der Zwischenzeit waren auch die kleinen Hasen angekommen.
Eine kleine Weile hörten sie den Tieren zu und gaben sich zu erkennen. So erzählten sie, was sie von den übermütigen Kobolden eben gehört hatten.
Die Eule fragte zwischendurch mit ihrer Löwenstimme: "wie kann es denn sein, dass die beiden Hasenkinder nicht verzaubert seid ?"
Nun, es war wohl so, als die Kobolde den Zauber aussprachen waren die Häschen nicht im Wald.
Eine andere Erklärung gab es nicht.
Das sah dann auch die Eule ein. Und nun lauschten alle Tiere, was die beiden Häschen weiter zu berichten hatten.
Muxmäuschen still war es, bis sie den Bericht zu Ende gehört hatten. Aber dann wurden die Tiere laut, sehr laut. Alle redeten sie, nein, sie brüllten, krächsten, miauten, zwitscherten und brummten durcheinander.
Nur nicht vor Freude.
Sie waren sehr wütend und ärgerten sich, dass man ihnen so übel mitgespielt hatte.
Die Eule beruhigte sich als erste und gebot den anderen Tieren wieder leise zu sein. Die Kobolde sollten nicht hören, dass sie sich alle versammelt hatten und auch noch ihren Ent-Zauberspruch kannten.
Das hatten sie zwei ganz tapferen kleinen Hasen zu verdanken.
Oh, wie die sich freuten, dass alle Tiere des Waldes stolz auf sie waren.
Und jetzt begannen alle nachzudenken, wie sie dem Spuk ein Ende bereiten konnten.
Sie hatten zwar den Entzauberungsspruch, aber leider wusste keiner wie sie ihn anwenden sollten.
Zuerst versuchten sie es alle zusammen, aber da passierte nichts.
Dann sagte die Eule, wir müssen es leise versuchen. Und jetzt murmelten sie ganz leise diesen Spruch. Wieder passierte nichts.
Nun gab es nur noch die Möglichkeit, dass jedes Tier den Zauberspruch allein aufsagt.
Als alle Tiere, auch das noch so Kleinste ihn aufgesagt hatten, es aber immer noch nicht funktionierte, gab es vielleicht wirklich eine allerletzte Möglichkeit:

Die beiden Häschen !

Ja, die waren nicht verzaubert, vielleicht war das die Lösung ?
Die Eule freute sich: " Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen ?
Nun, versuchen wir es."
Die beiden Häschen sahen sich an und zugleich sagten sie den magischen Zauberspruch auf:

"Alle vertauschten Stimmen mein,
zurück in die rechten Tiere hinein"

Einen Moment lang wurde es still im Wald, ganz still.
Und dann ?
Dann war es vollbracht und alles hatte wieder seine Ordnung.
Ja, es stimmte, dieser Zauberspruch konnte nur wirken, wenn ihn jemand ausspricht, der nicht verzaubert war. Und das waren die beiden Häschen, sie waren nicht verzaubert.
Die Tiere hatten ihre eigenen Stimmen wieder und freuten sich ganz, ganz doll. Gerade wollten sie ein lautes Freudengeschei anstimmen, da meldete sich die Eule wieder und sagte :
"Wir haben noch eine Aufgabe vor uns !"
"Eine Aufgabe ?" Alle blickten sie erstaunt an.
" Ach ja," rief das kleine Häschen, "wir wollen den Kobolden noch einen Denkzettel verpassen."
"Richtig"sagte die Eule und fragte :
"Wollt ihr, dass so etwas noch einmal passiert ?"
Nein, das wollten sie nicht.
Wieder fragte die Eule:
"Haben die Kobolde eine Strafe verdient ?"
Die haben eine große Strafe verdient, da waren sich alle einig.
"Gut," erklärte die Eule," jetzt müssen wir uns etwas ausdenken.
Es soll sie entlarven und blamieren, so dass sie schnellstens das Weite suchen. Und niemals sollten sie auch nur einen Fuß zurück in denWald setzen.
Und wenn wir sie mit Schimpf und Schande davon gejagt haben, feiern wir zusammen ein riesen großes Fest."
Nun jubelten alle und freuten sich sehr.
Vorher musste aber noch die Aufgabe gelöst werden.
Jetzt dachten alle Tiere angestrengt nach.
Auf einmal schlug die Eule aufgeregt mit den Flügeln. Erschrocken sahen das die Tiere und hatten Angst, dass sie jeden Moment vom Ast fallen würde. Es sah so aus, als könnte sie nicht mehr fliegen.
Aber sie schlug vor Freude mit den Flügeln, weil ihr eingefallen war, wie man die Kobolde aus dem Wald jagen könnte und schon fing sie an, den Tieren zu berichten, was ihr eingefallen war.
"Ihr wisst doch, dass die Kobolde eine Tarnkappe besitzen, die unsichtbar 
macht ?"
Ja, das wussten sie. Und weiter ?
"Jeder, der diese Kappe aufsetzt, wird unsichtbar und alle, die auch unsichtbar werden wollen, brauchen ihn nur anzufassen und werden ebenfalls unsichtbar."
Die Eule schaute umher, um zu sehen, ob die Tiere das verstanden hatten. Ja, alle hatten es verstanden und sahen die Eule erwartungsvoll an.
Und weiter ?
Die beiden kleinen Häschen dachten, diese Kappe müssten wir den Kobolden stehlen und das sagten sie ganz laut in die Runde, denn sie hatten ja nur eine kleine Hasenstimme.
Die Eule freute sich, dass die Tiere mit dachten. 
"Und wie wollen wir es anstellen?" fragten die Anderen.
"Selbst wenn wir uns anschleichen und nahe genug dran sind, so würden die uns doch sehen." 
"Hm, überlegte  die Eule," das geht nur von oben. Der Angriff kann nur aus der Luft kommen." 
Der Löwe meinte, dass er einmal gesehen hatte, wie ein Kobold sich unter einen Baum gesetzt hat und einschlief. Das war der Baum unter dem sie ihre zusammengeklauten Schätze vergraben hatten. Es musste immer einer von ihnen Wache halten, wenn die anderen unterwegs waren, um noch mehr Schätze von den Menschen zu stehlen.
"Und der Kobold, der unter diesem Baum schlief," so erzählte der Löwe weiter, "hatte sich vorher eine Kappe aufgesetzt und war auf einmal nicht mehr zu sehen.Die Kobolde wollten ja keinen dorthin locken, damit man ihre Schätze nicht findet." 
"Genau," rief die Eule, "das ist es, diese Tarnkappe holen wir uns.
Wir werden beobachten, wann sich ein Kobold zur Wache unter diesen Baum setzt. Dann wissen wir auch, dass er allein ist, weil die Anderen auf Beutezug waren."
"Und wie stellen wir es an ? Und wer fliegt dahin ?"
"Nun," sagte die Eule," es muss ein Vogel sein, der lautlos durch die Luft fliegen kann. Das kann nur der Adler." 
"Ja, das mache ich," sagte dieser.
"Ich stürze mich hinunter und reiße dem Kobold die Tarnkappe ab. Dann wird er sichtbar. Er wird fürchterlich umher schreien und damit die anderen Kobolde zurück rufen. Ich setze mir die Kappe auf und fliege euch entgegen. Alle bilden einen Kreis und fassen mich an. Und dann kann das Spektakel los gehen."
Die Eule war begeistert. "So machen wir es.........uhu."
Und was soll ich euch sagen ? Das hat geklappt, aber schön der Reihe nach.
Der Adler machte seinen Erkundungsflug, war zur rechten Zeit dort, er setzte sich auf einen Ast und beobachtete, wie die Kobolde sich versammelten und weg gingen. Und richtig, einer blieb und nahm unter einem Baum Platz.
Dieser setzte sich die Kappe auf und während ihm genüßlich die Augen zu fielen, schlief er ein. Dann war er nicht mehr zu sehen Aber der Adler hatte sich die Stelle gemerkt und wusste nun, wo der Kobold saß.
In der Zwischenzeit hatten sich die Tiere herangeschlichen und verhielten sich ganz leise. Nun gab der Adler der Eule ein Zeichen, dass er genau in diesem Moment runter fliegt, um dem Kobold die Kappe zu stehlen.
Das tat er dann auch. Im Sturzflug ging es nach unten und schnell riß er die Kappe vom Kopf des Koboldes. Dieser merkte im ersten Moment nicht was los war. Er träumte gerade, dass ihm jemand die Kappe vom Kopf reißt. Nun wachte er auf und stellte fest, dass es kein Traum war.
Indes flog der Adler den Tieren entgegen und landete in deren Mitte. Schnell bildeten sie einen Kreis um ihn, fassten ihn an und wurden ebenfalls unsichtbar. Gerade rechtzeitig, denn jetzt wurde es sehr laut.
Der Kobold fing ganz fürchterlich an zu schreien. Er stellte nämlich fest, dass seine Kappe wirklich weg und er nicht mehr unsichtbar war.
Von dem fürchterlichen Geschrei angelockt, kamen aus allen Himmelsrichtungen die anderen Kobolde zurück und sahen die Bescherung. Alle schimpften und schrien ebenfalls.
In ihrer Aufregung merkten sie nicht, dass sie umzingelt wurden von den Tieren des Waldes, die hatten sich in der Zwischenzeit leise herangeschlichen und wurden von den Kobolden nicht bemerkt, weil sie ja unsichtbar waren.
Jetzt bekamen sie von allen Seiten Hiebe, Knuffe, Ohrfeigen, richtige Prügel. Die Kobolde hatten keine Chance, sie bekamen nicht mit, von wo die Angriffe kamen, sie sahen nichts, aber bekamen viel, viel Prügel. Immer weiter weg wurden sie von ihrem Schatzbaum getrieben, geradewegs aus dem Wald und mussten alles zurück lassen. Alles, was sie den Menschen im laufe der vielen Jahre gestohlen hatten.
Durch ihre List konnte das geschehen, denn schlau waren sie.
Nur leider auch boshaft, raffsüchtig und gemein.
Als nun auch der letzte Kobold vertrieben war, zog der Adler die Tarnkappe von seinem Kopf und Alle waren wieder zu sehen. Wie freuten sie sich, dass alles so geklappt hatte, wie sie es wollten.
Ein großes Fest wurde gefeiert und im Wald kehrte wieder Ruhe und Frieden ein.
Da war doch noch etwas ?
 
Ach ja, die Schätze der Kobolde.
Die Tiere beschlossen, sie auszugraben und den Menschen zurückzugeben, vor allen denen, die nichts oder nur wenig hatten.
Das taten sie dann auch, aber nur nachts und heimlich.
Sie schlichen sich abends in die Dörfer. Im Schutz der Dunkelheit verteilten sie die Gaben und legten sie vor die Türen der Häuser, die sie am Vortag schon ausgesucht hatten.
Und nie hat auch nur ein Kobold jemals den Wald wieder betreten. Nur manchmal hört man ihr Gejammer, wenn es ganz still ist, denn sie weinen immer noch ihren Schätzen hinterher, die sie bei ihrem Rausschmiss aus dem Wald, zurück lassen mussten.


© Irene Müller



Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Erzählung. Danke für das Einstellen und ein "Danke schön" an deine Freundin.
    Liebe Grüße an Euch beide von Christa

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  2. Ich staune immer, zu wie viel 'schreibenden' Menschen du Kontakt hast. Danke, dass du ihre Geschichten einstellst und natürlich auch ein dickes Danke und Lob an Irene für diese Geschichte!
    LG Martina

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  3. Liebe Lore,
    diese Geschichte ist wunderschön.Abe rich muss auf deinem Blog so viel nachlesen.
    Ich werde mich nach und nach durcharbeiten.
    Ich freue mich, dass ich jetzt wieder kommentieren kann.
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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  4. Liebe Lore,
    eine lustige tolle Geschichte, die Kobolde mal wieder haben ihr unwesen getrieben ein Dankeschön an die Irene.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende !
    Lieben Gruss Elke

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  5. Guten Morgen liebe Lore
    Deine Reizwortgeschichte vom Dienstag habe ich heute fertig gelesen un die hat wieder einen wunderbaren Eindruck bei mir hinterlassen.
    Auch die Geschichte von heute ist es wert, gelesen zu werden.
    Aus beiden Geschichten spricht ein großes Können. Danke
    herzliche Grße von Joachim

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  6. Ein sehr interessantes Märchen! Tiere, die mit anderen Stimmen sprechen können ...
    Ich stelle mir das gerade vor, wenn die Kobolde ihren Zauberspruch auf Menschen angewendet hätten und beispielsweise die Zeitungsfrau mit der Stimme eines Spitzenpolitikers sprechen würde - oder umgekehrt - eine Ministerin mit der Stimme eines Verkäufers vom Hamburger Fischmarkt ..
    **lach**.
    Vielen Dank fürs Einstellen, und ein dickes Lob an die Autorin!
    Liebe Grüße
    Christine

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  7. Sehr schön das Märchen, Kompliment an die Autorin, Lore mache weiter so, Talente mit ihren Geschichten auf deinem blog einzustellen. LG Eva

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.