Dienstag, 27. Januar 2015

Irren ist menschlich - Reizwortgeschichte

Diesmal geht es um die Reizwörter:

Kalender, Schlüssel, schreiben, begeistert, erschöpft


Viel Spaß beim Lesen!









Irren ist menschlich


  
Hanna schlüpfte in den eleganten Hosenanzug und drehte sich schmunzelnd vor dem Spiegel.
Sie sah immer noch gut aus für ihre fünfundvierzig Jahre.
Naja ein paar graue Haare hatten sich eingeschlichen, aber die konnte man ja mit einer Tönung beseitigen.
Doch ihre gertenschlanke Figur hatte sie auch nach der Geburt ihrer Tochter Elvira behalten.
Daran waren wohl ihre guten Gene schuld, denn sie aß für ihr Leben gern.
Am Samstag feierten sie und Harald Silberhochzeit.
Kaum zu glauben wie schnell die Jahre doch vergangen waren und sie liebten sich noch wie am Anfang.
Ein zärtliches Lächeln flog über ihr Gesicht.
Ihr Harald, einen besseren Mann hätte sie nie bekommen können, dabei konnte sie ihn anfangs gar nicht leiden.
Sie hatte ihn damals auf einem Tanzfest kennen gelernt und er war ihr immer mächtig auf die Füße getreten.


Ganz blau waren ihre Zehen und sie hatte eine große Wut auf diesen Tolpatsch.
Doch immer wieder hatte er sie aufgefordert und als sie in seine guten lustigen und auch verlegenen Augen blickte, war es doch um sie geschehen.
Aber das Tanzen hatten sie dann sein lassen.

Hanna sah auf die Uhr.
Gleich kam ihre Freundin Carola, denn sie wollten zusammen ein Kleid für die Silberhochzeit aussuchen.
Harald machte wieder mal Überstunden, wie die letzten zwei Wochen bereits.
Da sie und Carola nach dem Einkaufsbummel noch mit ihren Freundinnen Ulrike und Erika einen Mädelabend machen wollten, würde es wohl spät werden.
Sie wollte Harald eine Nachricht schreiben.
Auf der Suche nach einem Blatt Papier ging sie in das Arbeitszimmer ihres Mannes.
Während sie in der Schublade kramte fiel ihr Blick auf den aufgeschlagenen Kalender.
Julia, 15.30 Cafe Bernauer“
Wer war diese Julia? Ging ihr Harald fremd, war ihre ganze Liebe eine einzige Lüge. Ja jetzt sah sie seine ständigen Überstunden in einem völlig anderem Licht.
Erschöpft ließ sie sich auf den Stuhl fallen.
Ihr Kopf war wie leer, sie konnte an gar nichts mehr denken und langsam wühlte sich der Stachel der Eifersucht in ihr Herz.
Ein laut anhaltendes Klingeln riss sie aus ihre Lethargie.
Müde schleppte sie sich zur Tür, öffnete ihrer Freundin und fiel ihr laut weinend um den Hals.
Diese tätschelte ihr erschrocken die Schulter.
Was ist denn los?“
Schluchzend berichtete Hanna ihrer Freundin von ihrem schrecklichen Verdacht.
Carola konnte es gar nicht glauben.
Sie kannte die Beiden doch schon viele Jahre und ein glücklicheres Paar gab es selten.
Weißt du was, wir fahren zum Cafe Bernauer und du wirst sehen, alles stellt sich als Irrtum heraus.“
Wenig später parkten sie in der Nähe des Cafes und warteten gespannt.
Dann fuhr der blaue Wagen vor und der Ahnungslose ging
hinein.
Hanna zerknüllte nervös das Taschentuch zwischen ihren Fingern und auch Caro trommelte nervös auf das Lenkrad.
Es dauerte nicht lange, dann kam Harald in Begleitung einer jungen Dame auf die Straße, hielt ihr charmant die Beifahrertür auf, beide lachten und dann fuhren sie weg.
Leichenblass lehnte sich Hanna zurück, Tränen liefen über ihre Wange.
Fahr mich bitte nach Hause. Ich kann jetzt nicht einkaufen, vielleicht sage ich die Silberhochzeit auch ab.“
Als ihr Mann spät abends nach Hause kam, stellte sie sich schlafend.
Harald wunderte sich zwar, dass seine Liebste so früh schon schlief, sonst wartete sie immer bis er nach Hause kam.
Aber sicher hatte der ganze Stress der Silberhochzeit sie müde gemacht.
Vergnügt pfeifend ging er ins Bad.
Am liebsten hätte Hanna sich die Ohren zugehalten, sie hatte sofort das fremde Parfüm an ihm gerochen.
Dieser Schuft.
Am nächsten Morgen hatte Hanna einen Entschluss gefasst.
Kampflos würde sie das Feld nicht räumen und als erstes würde sie sich ein atemberaubendes Abendkleid für die Feier kaufen.
Sie rief Caro an und wenig später zogen sie los.
Und dann war er da, der einst so ersehnte, aber inzwischen gefürchtete große Tag.
Sie saßen noch beim Frühstück, als der Bote aus der Gärtnerei 25 rote Rosen brachte.
Für jedes wunderschöne Jahr mit dir eine Rose“, sagte Harald zärtlich.
Dieser Heuchler!
Stumm richtete Hanna die Blumen in die Vase.
Später als ihr Mann dann im Smoking aus dem Schlafzimmer kam, da klopfte ihr doch das Herz.
Wie gut er noch immer aussah, nur die Haare an den Schläfen waren grau geworden, aber das machte ihn nur noch interessanter.
Kein Wunder, dass die jungen Dinger auf ihn standen, dachte sie bitter.
Doch auch Harald sah seine Frau bewundernd an, was für ein Kleid.
Ja sie war noch immer schön, seine geliebte Hanna, einfach bezaubernd.
Bernd und Elvira holten sie ab.
Das Auto von Bernd war mit Blumen dekoriert und als sie dann den herrlich geschmückten Saal betraten, wurden sie von ihren Freunden freudig begrüßt.
Harald drückte begeistert Hannas Hand.
Da sah sie Sie!
Welch eine Frechheit.
Er hatte seine Geliebte zu ihrer Silberhochzeit eingeladen und nun zwinkerte sie ihm auch noch zu und der Schuft zwinkerte vergnügt zurück.
Das war zu viel für Hanna!
Sie raffte ihr Kleid und lief schluchzend aus dem Raum.
In der zum Glück leeren Toilette flüchtete sie in ein Kabine und drehte den Schlüssel um.
Schluchzend ließ sie sich auf den geschlossenen Sitz fallen und nun brach das ganze Elend und die Anspannung der letzten Tage aus ihr heraus.
Es klopfte an der Tür.
Mama, mach doch bitte auf, was ist denn nur los.“
Als Hanna mit rot verweinten Augen und den Spuren der Wimperntusche auf den Wangen öffnet, rief Elvira erschrocken.
Wie siehst du denn aus, was ist nur geschehen?“
Dein Vater betrügt mich, mit einem ganz jungem Ding und hat sie sogar mitgebracht zu unserer Silberhochzeit. Die hübsche Blonde neben Bernds Mutter.“
Elvira sah sie einen Moment entgeistert an, dann fing sie schallend an zu Lachen.
Das arme Kind, nun hat sie vor Schreck den Verstand verloren,“ dachte Hanna entsetzt.
Elvira aber nahm beide Hände ihrer Mutter und sah sie ernst an.
Mama, das ist Julia, eine Kusine von Bernd und sie ist Tanzlehrerin. Papa hat bei ihr Nachhilfe im Tanzen genommen, denn er wollte dir bei eurem Ehrenwalzer nicht auf die Füße treten. Weißt du Julia meinte, er wäre ihr schwerster Fall und sie hat schon überlegt ob sie sich Stahlplatten in die Schuhe einbauen sollte.“
Die beiden Frauen prusteten los.
Dann aber meinte Elvira energisch.
Kühl, dir deine Augen, dann werde ich dein Make up auffrischen, eure Gäste warten.“
Als sie den Raum verließen stand Harald vor der Tür und sah ihnen besorgt entgegen.
Hanna stürzte sich in seine Arme und erzählte ihm von ihrem falschen Verdacht und all dem Kummer der letzten Tage.
Harald drückte sie ganz fest an sich und murmelte:
Ich liebe dich und es wird nie eine andere geben für mich.“
Dann grinste er verschmitzt und meinte: „Aber schön ist es doch, dass du nach all den Jahren noch eifersüchtig bist.“
Dann gab er ihr einen langen zärtlichen Kuss.
Elvira räusperte sich.
Hallo, ihr Turteltauben, es wird Zeit zurück in den Saal zu gehen, eure Gäste erwarten euch.“
Hanna aber war glücklich.
Sie steckte mit ihrer guten Laune und Fröhlichkeit alle an.
Und als dann der Ehrenwalzer getanzt wurde, staunte sie über ihren sonst so tolpatschigen Mann.



Er wirbelte sie durch den Ballsaal, ohne ihr auch nur einmal auf die Füße zu treten.


© Lore Platz









Kommentare:

  1. Oh, nun hast du mich zum Weinen gebracht, liebe Lore,
    so eine schöne Geschichte - herzerwärmend! Du kannst eben nicht nur Märchen!!!!!!
    Liebe Grüße
    Regina

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  2. Mein Kommentar beginnt auch mit einem 'Oh'! 'Oh', wie schön!! Die ganze Zeit über habe mir überlegt, was wohl mit dieser jungen Frau sein könnte. Dass sie nicht die Geliebte war, damit hatte ich gerechnet. Toll kombiniert, Watson!!!! Super gemacht!!! Tolle Geschichte!!! LG Martina

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  3. Da wäre die Überraschung - der Tanzunterricht - aber beinahe in die Hose gegangen!
    Ich habe auch die ganze Zeit überlegt, wer diese junge Frau sein könnte - auf DIE Idee bin ich aber nicht gekommen!
    Eine tolle Liebesgeschichte!
    Liebe Grüße
    Christine

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  4. Danke, Lore, ich hab dran gedacht, daß er ein Portrait als Geschenk malen lassen würde o. ä.

    Schade, daß die Frau nicht etwas selbsbewußter ist in diesem Alter ...

    Alles Liebe
    Eva :)

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  5. Hallo Lore,
    das Selbstvertrauen und Vertrauen zum Mann lässt ja viel zu wünschen. Blöde Weiber, lach. Schöne Geschichte, wie immer. Liebe Grüße Eva

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  6. Eine ähnliche Geschichte habe ich schon mal irgendwo gelesen, daher war ich nicht überrascht
    über den guten Ausgang. Trotz der Vorkenntnisse eine wunderbar herüber gebrachte Erzählung.
    LG Christa

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  7. also liebe Lore du bringst mich zwischen Tränen und lachen mal wieder total in ein Gefühlschaos wie wenn ich mitten im Gesehen drin bin so lebendig hast du sie geschrieben.
    Danke dir!
    Lieben Gruss Elke .

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.