Montag, 23. Februar 2015

Altkleider - Vorwort zur Reizwortgeschichte

Morgen ist es wieder soweit und unsere Reizwörter wurden zu einer Geschichte verarbeitet.
Eines davon ist ' Altkleider' 

Und mit einer kleine Betrachtung über unser heutiges Konsumverhalten möchte ich euch einen guten Start in die neue Woche wünschen.



 
Zur Zeit unserer Großmütter wurden Anzüge und Hemden mehrmals gewendet. Risse wurden mit Flicken über näht und niemand wurde deshalb ausgelacht.
An jeder Ecke stand eine Schusterwerkstatt wo man die Schuhe zum Flicken hin bringen konnte. Manche Familienväter machten dies sogar selbst.
Ich bin ein Nachkriegskind und kann mich noch erinnern, dass meine Mutter aus ihren Kleidern und Mäntel wunderschöne Sachen für uns nähte.
Als ich zehn Jahre alt war, bekam ich zum Geburtstag einen Kleiderstoff geschenkt.
Und obwohl er in meiner Lieblingsfarbe blau war, war ich doch enttäuscht.
Erst Jahre später erkannte ich, welch Opfer meine Eltern für diesen neuen Stoff bringen mussten.
Diese Zeit hat mich geprägt.
Denn noch heute gehe ich mit meinen Sachen sorgsam um.
Meine in fast fünfzig Jahren gesammelten über tausend Bücher sehen heute noch aus, als hätte ich sie gestern im Laden gekauft.
Auch die mehrmals gelesenen.
Als es in Deutschland wieder aufwärts ging wurden wir zu einer Wegwerfgesellschaft, unterstützt auch von der Wirtschaft.
Das Verhalten der Menschen änderte sich. Kleider und Wäsche wurde weg geworfen, bevor sie verschlissen oder kaputt war
Die Müllberge wuchsen!
Jährlich sortieren Haushalte in Deutschland mehr als 1,5 Milliarden Textilien aus - dies sind pro Person mehr als 12 Kleidungsstücke.

Und nun bitte ich mich nicht falsch zu verstehen.
Als es vor Jahren hieß uns Deutschen ginge es wieder schlechter und die Armut nehme zu, da dachte ich:
Vielleicht ist es auch gut so, damit die Menschen wieder lernen achtsam zu werden und die Dinge zu schätzen, die sie haben.“
Die Natur gibt uns doch im Überfluss und wie schnell werfen wir Lebensmittel weg, nur weil wir sie nicht mögen.
Wie viele Pausenbrote landen im Müll und die Kinder kaufen sich lieber am Kiosk etwas.
Meine Nachhilfekinder hatten immer diese großen Collegeblocks dabei und ich merkte, dass viele Seiten einfach mit Strichen beschmiert waren, wohl aus Langweile in der Schule.
Da habe ich den Kindern mal erzählt wie viele Bäume sterben müssen, damit diese Blocke entstehen.
Wir sollten unseren Kindern wieder die Werte des Lebens beibringen. Denn sie sind in einer Zeit aufgewachsen, wo sie alles bekommen, was sie sich wünschen und oft bringen Eltern Opfer dafür, die ihnen von ihren Kindern aber nicht gedankt werden.
Ein junges Mädchen in meiner Nachbarschaft, darf ihr Lehrlingsgehalt behalten, obwohl beide Eltern nicht viel verdienen und täglich ums Überleben kämpfen müssen.
Wer von euch hatte schon mal 8oo Euro Taschengeld.
Nun wenn die Eltern ihr wenigstens beigebracht hätten, dass sie die Hälfte zurücklegt und dann mit der anderen Hälfte ihr Vergnügen finanziert.
So aber kauft sich dieses Mädchen jeden Monat neue Schuhe, die sie dann nicht anzieht und teure Kosmetik.
Und als ihre Eltern einmal ihre Großeltern besuchten und sie allein bleiben musste, hat sie die Lebensmittel die sie selbst während dieser Zeit kaufen musste aufgeschrieben und die Rechnung ihren Eltern präsentiert
Meine Tochter hat in den zwei Jahren Praktikum während ihrer Ausbildung gut verdient und sie meinte, ich sollte das Geld behalten, sie hätte doch alles was sie braucht.
Und wenn sie mal ins Kino will kann ich ihr das Geld ja geben.
Ich habe das Geld für sie zurück gelegt und damit konnte sie später ihren Führerschein und ein gebrauchtes kleines Auto kaufen.

Auf jeden Fall hat das Umdenken in unserer Gesellschaft bereits begonnen und immer mehr Menschen setzen sich dafür ein.














Kommentare:

  1. Liebe Lore, in Deiner Geschichte finde ich viele Parallelen sowohl was die Kindheit betraf,wo wenig viel war,als auch meine Mutter für mich sparte, mal für das Auto, später für Anschaffungen für unser Haus in Norwegen. Ich freue mich immer noch, wenn ich zurück denke. Liebe Grüße Eva

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  2. Liebe Lore,
    Deine Geschichte macht sehr nachdenklich. Ich muss Dir zustimmen, dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben. Viele Dinge werden heute sogar so produziert, dass sie recht bald kaputt gehen, damit die Wirtschaft wieder neu angekurbelt wird. Repariert, wie man dies in meiner Kindheit noch getan hat, wird heute fast nichts mehr. Oftmals ist eine solche Reparatur von Geräten heutzutage annäherungsweise so teuer wie eine Neuanschaffung.
    Auch wir gehen mit allen unseren Sachen pfleglich um und auch das haben wir unserem Sohn weitergegeben.
    LG
    Astrid

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  3. Hallo Lore,
    da hast Du mit allem total recht! Dieser enorme Papierverbrauch der macht mich hier auch wahnsinnig. Ich habe immer noch altes Briefpapier von meiner Jugendzeit, das ich damals zu Hauf geschenkt bekam und nutze es immer noch. Total Altbacken meint die Tochter, aber wegwerfen kann ich es nicht....
    Die Kleidung wurde bei den Kinder immer geflickt, die Rabauken hatten fast keine heile Hose. Auch heute noch, darf geflickt werden, wenn es die absolute Lieblingshose ist, die man nicht mehr nachkaufen kann. Und dann muss die Oma ans Werk, denn dazu habe ich oft keinen Nerv, die ganzen engen Hosenbeine aufzutrennen und dann noch Stoff einzusezten.... Und gekaufte Socken werden hier auch nicht mehr gestopft, denn das Garn ist teurer als Neue....
    So ist da heute, aber hier wird mit den Dingen pflegsam umgegangen und der Opa kann alles reparieren - zum Glück!!!
    LG
    Manu

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  4. Danke, Lore, für Deine Worte!

    Hoffentlich wird es vielen Menschen endlich bewußt.

    Alles Liebe
    Eva :)

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.