Dienstag, 10. Februar 2015

Die Liebe kam mit dem Regen - Reizwortgeschichte

Nun ist es wieder soweit und ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Reizwörter:
Supermarkt, Sehnsucht, nähen, husten, keifen






Die Liebe kam mit dem Regen


 
Draußen ist es noch dunkel als Nicole das Bett verlässt und ins Bad schlurft
Heute hatte sie Frühschicht und das würde wieder stressig werden.
Bereits um viertel vor acht standen die Kunden schon lange vor dem Supermarkt, in dem sie als Kassiererin arbeitete.
Und wenn dann um acht die Tür aufgesperrt wurde, dann stürmten sie herein, wie eine Herde wild gewordener Affen.
Nicole seufzte und betrachtete ihr Spiegelbild. Zweiunddreißig wurde sie bald und ihre biologische Uhr tickte und ihre ganze Sehnsucht galt einer eigenen kleinen Familie.
Aber die letzten zwei Jahre hatte sie neben dem Job auch noch ihre kranke Mutter gepflegt und da blieb für Männer wenig Zeit, obwohl sie gar nicht so schlecht aussah. Außerdem hatte die schlechte Erfahrung mit Richie sie misstrauisch gegenüber Männern werden lassen.
Seufzend wandte sie sich vom Spiegel ab.
Als sie wenig später aus der Haustür trat, prasselte der Regen in Sturzbächen vom Himmel.
Auch das noch!

Sie stülpte sich die Kapuze ihres Mantels über den Kopf und hastete zur U-Bahn.
Auch der Regen hielt die Leute nicht ab vom Einkaufen, nur ihre Stimmung spiegelt das schlechte Wetter wider.
Nicole fiel es schwer ihr freundliches Lächeln beizubehalten, als sie in ihrem adretten Kittel mit dem Namensschild an der Kasse saß.
Immer wieder wurde sie von eiligen, schlecht gelaunten Kunden angekeift.
Und sie war froh, als der Blick auf die Uhr ihr zeigte, dass die Schicht bald zu Ende war.
Müde zog sie ihre verspannten Schultern hoch, da sah sie eine schmutzige kleine Hand, die 20 Cent und eine Packung mit Keksen auf das Laufband legte.
Bedauernd erklärte sie dem kleinen etwa sechsjährigen Mädchen:
Tut mir leid, Kleine, die Packung kostet einen Euro dreißig.“
Das Mädchen sah sie mit einem Blick an, der ihr fast das Herz zerriss, sammelte das Geld auf und lief hinaus.



Aufatmend verließ die junge Frau den Supermarkt.
Feierabend! Es hatte zu regnen aufgehört und so beschloss sie zu Fuß zu gehen.
Als sie in die nächste Querstraße einbog, sah sie das kleine Mädchen stehen.
Es wirkte irgendwie verloren und hustete heftig.
Spontan ging Nicole zu ihr hin.
Musst du denn nicht nach Hause?“
Das Mädchen erschrak und wollte weg laufen, da erkannte sie die freundliche Frau aus dem Supermarkt.
Wie heißt du denn?“
Christiane,“ murmelte die Kleine und scharrte verlegen mit den Füßen.
Nicole überlegte.
Sie konnte das Kind doch nicht einfach hier stehen lassen, außerdem war es viel zu leicht bekleidet bei dieser Kälte.
Da vorne ist ein Mac Donald, hast du Lust auf einen Burger?“
Christiane nickte heftig und strahlte, wobei eine Zahnlücke sichtbar wurde.
Da ihr die Kleine außer ihrem Namen nichts verraten wollte, nahm die junge Frau das Kind schließlich mit nach Hause.
Nach einem ausgiebigem Bad zog sie ihr einen Pullover über und steckte sie ins Bett, das im Zimmer ihrer Mutter stand.
Nachdem sie ihr noch eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt hatte, gab sie ihr einen Kuss auf die Stirn.
Das Mädchen schlang beide Arme um ihren Hals und flüsterte:
Ich möchte bei dir bleiben.“
Nicole verließ leise das Zimmer, ließ aber die Tür etwas offen stehen, damit das Kind sich nicht fürchtete in der ungewohnten Umgebung.
Lange saß die junge Frau nun da und überlegte was sie machen sollte. Die Polizei anrufen oder das Jugendamt verständigen?
Nein! Das hatte Zeit !
Vermissen würde die Kleine sicher keiner, so verwahrlost wie sie aussah.
Morgen hatte sie Spätschicht, dann würde sie vormittags erst Mal für das Kind anständige warme Kleidung kaufen.
Aber mit ihren zerrissenen verschmutzten viel zu dünnen Kleidchen konnte sie das Mädchen nicht mitnehmen.
Ihre Mutter hatte doch immer so viele Stoffe gesammelt!
Kurzentschlossen setzte sie sich an die Nähmaschine und nähte eine Latzhose und dazu ein Jacke.
Außerdem fand sie noch einen Wollstoff den sie zu einem warmen Pullover verarbeitete.
Die Sachen sahen zwar nicht modern aus, aber waren wenigstens warm.
Nicole spürte einen warmen kleinen Körper neben sich und öffnete die Augen.
Ihr kleiner Schützling lag eng an sie gekuschelt und schlief.
Sie hatte gar nicht bemerkt, dass das Kind in der Nacht in ihr Bett gekommen war.
Lächelnd betrachtete sie das vom Schlaf gerötete Gesicht und verließ leise das Zimmer.
Als sie gerade den Tisch deckte kam die Kleine in die Küche.
Hier riecht es aber gut.“
Guten Morgen Spatz, das sind die Pfannkuchen, gehe ins Bad wasche dich und ziehe dich an, nach dem Frühstück gehen wir einkaufen. Ich habe dir gestern noch schnell etwas genäht, hoffentlich gefällt es dir.“
Die Hose und auch der Pullover passten wie angegossen, die Unterwäsche der Kleinen hatte sie gestern Abend noch gewaschen und über die Heizung gelegt.
Christiane lief zu der jungen Frau und schmiegte sich an sie. „ Danke!“
Später dann bummelten die Beiden durch die Geschäfte und kamen mit vielen Taschen beladen wieder nach Hause. Den warmen Mantel und die warmen Schuhe durfte das Mädchen gleich anbehalten.
Nachdem sie die Pizza verspeist hatten sah Nicole Christiane ernst an:
Ich muss bald in die Arbeit und kann dich nicht alleine hier lassen, willst du mir immer noch nicht sagen wo du wohnst?“
Das Mädchen schüttelte heftig den Kopf und klammerte sich schluchzend an die junge Frau:
Ich möchte bei dir bleiben, kannst du mich denn nicht in die Arbeit mitnehmen?“
Liebevoll strich ihr Nicole über den Kopf, „das geht nicht mein Schatz.“
Aber ich will auch ganz brav und still sein.“
Verzweifelt überlegte Nicole, ob sie frei nehmen sollte, doch so kurzfristig ging das nicht.


Dann fiel ihr Frau Jansen von gegenüber ein.
Und das sagte sie Christiane.
Die alte Frau erklärte sich gleich bereit.
Beim Abschied klammerte sich Christiane verzweifelt an Nicole.
Du kommst doch auch bestimmt wieder!“
Die alte Frau nickte Nicole beruhigend zu und so löste sich diese sanft aus der Umklammerung und verließ schnell die Wohnung.
Noch im Treppenhaus hörte sie das verzweifelt Weinen und es schnitt ihr ins Herz.
Bei der Arbeit heute war sie unkonzentriert und vertippte sich öfters und so war sie froh, als die Schicht zu Ende war.
Schnell hängte sie die Schürze in den Spind, da hörte sie auf dem Gang Stimmen.
Peter, der Biobauer, der jeden Abend den Markt belieferte.
Er hatte eine kleine Landwirtschaft und baute Biogemüse an, auch die Bioeier bezogen sie von ihm.
Außerdem hatte er ein Auge auf sie geworfen, was ihre Kolleginnen immer zum kichern brachte.
Er war ihr sympathisch aber mehr hatte sie noch nicht über ihn nachgedacht.
Dann fiel ihr ein, dass er einmal erwähnt hatte, dass er aus einer kinderreichen Familie stammte und ganz vernarrt in seine Neffen und Nichten wäre.
Außerdem arbeitete eine seiner Schwestern beim Jugendamt.
Sie stürzte auf den Gang, wo ihre Chefin und Peter standen. Die alte Frau grinste wissend und ging ihn ihr Büro.
Nicole kümmerte es nicht, was ihre Chefin vielleicht denken könnte.
Sie packte Peter am Ärmel und rief beschwörend:
Du bist genau der Mann den ich brauche!“
Einen Moment sah dieser sie verdutzt an, dann zog ein Grinsen über sein Gesicht.
Meine Rede!“
Da erst wurde Nicole bewusst, was sie gesagt hatte und wurde rot.
Sie fing zu stottern an: „nein, nein, so, so , ach welch ein Unsinn, ich brauche deinen Rat und deine Hilfe!“
Sofort wurde das Gesicht des Mannes ernst.
Komm!“ Er nahm ihre Hand und führte sie zu seinem Lieferwagen.
Dort erzählte Nicole nun dem aufmerksam zuhörenden Mann von der kleinen Christiane.
Peter ließ den Motor an. „Als ersten sollten wir die Kleine bei Frau Jansen abholen. Sagst du mir bitte deine Adresse.“
Nicole nannte sie und lehnte sich entspannt zurück. Sie betrachtete das energische und doch so sensible Gesicht des Mannes neben ihr.
Eine Schönheit im eigentlichen Sinn war er nicht, aber sie spürte die Kraft und Stärke, die er ausstrahlte und seine Verlässlichkeit.
All die Jahre lastete soviel auf ihren Schultern und ihr Verlobter war ihr keine Hilfe gewesen. Im Gegenteil er hatte nur immer gejammert und war beleidigt, wenn sie wieder mal keine Zeit für ihn hatte, weil es ihrer Mutter so schlecht ging.
Als sie bei Frau Jansen klingelten, öffnete Christiane die Tür und stürzte sich mit einem Freudenschrei in Nicoles Arme.
Dann erst bemerkte sie den Mann, der gerade Frau Jansen begrüßte.
Schüchtern drückte sie sich an Nicole.
Peter aber ging vor dem Kind in die Hocke.
Hallo, ich bin Peter und der Freund von Nicole, außerdem habe ich viele Nichten und Neffen, die sind genauso groß wie du. Auch habe ich einen Bauernhof, mit kleinen Küken, zwei Katzen, einem Hund und sogar einem Pony.
Du kannst mich gerne mal mit Nicole besuchen. Willst du das“
Er gab ihr einen Nasenstüber.
Christiane nickte schüchtern lächelnd.
Ich habe einen Gemüseeintopf gemacht, viel zu viel, möchten sie etwas mitnehmen!“ fragte Frau Jansen.
Nicole bedankte sich bei der alten Frau.
Während sie dann die Suppe aufwärmte und den Tisch deckte hörte sie fröhliches Lachen aus dem Wohnzimmer.
Peter tappte brummend wie ein Bär auf allen Vieren herum und Christiane kringelte sich vor Lachen.
Später kam dann Jutta, Peters Schwester und gemeinsam gelang es ihnen von dem kleinen Mädchen die Adresse ihrer Mutter zu erfahren.
Aber Christiane erzählte ihnen auch, dass ihre Mutter bereits seit einigen Tagen nicht mehr nach Hause gekommen sei und als dann im Kühlschrank nichts mehr zu Essen gewesen war, habe sie das Geld genommen.
Dass es zu wenig war, hatte sie nicht gewusst.
Die drei Erwachsenen waren erschüttert.
Als Christiane dann im Bett lag, überlegten sie was weiter geschehen sollte.
Ich könnte dafür sorgen, dass du die Kurzzeitpflege bekommst bis man die Mutter gefunden hat.“ schlug Jutta vor.
Nicole nickte. „Kann ich das Kind nicht adoptieren?“
Dazu müsstest du verheiratet sein.“
Dem kann abgeholfen werden!“ rief Peter forsch.
Nicole sah ihn Stirn runzelnd an.
Soll das ein Heiratsantrag sein, wir hatten noch nicht einmal ein Date,“ rief sie empört.
Jutta gluckste und stand auf.
Das macht mal unter euch aus.“
Die beiden bemerkten nicht einmal, dass sie gegangen war.
Peter nahm Nicoles Gesicht in beide Hände und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
Dann strich er zart eine Strähne ihres Haars aus dem Gesicht und meinte leise.
Ich liebe dich schon lange und weiß, dass du die Richtige bist, aber wir werden es langsam angehen.“

Christianes Mutter wurde in einer billigen Absteige mehr tot als lebend gefunden. Hier hatte sie ihre Freier empfangen, um ihre Drogensucht zu finanzieren.
Peter und Nicole heirateten und bekamen die Pflegschaft für Christiane und das Mädchen blühte auf.
Als ihre Mutter nach langem Siechtum dann starb wurde sie von ihren Pflegeeltern adoptiert und wurde ihren kleinen Geschwistern eine liebevolle große Schwester.


Kommentare:

  1. He, heute bin ich überall die Erste, die einen Kommentar abgibt!! Das ist mir ja noch nie gelungen!!! Du hast wieder eine so Herz erwärmende Geschichte geschrieben, liebe Lore! Man bangte mit dem kleinen Mädchen, aber nur so ein ganz kleines bisschen, denn wer dich und deine Geschichten kennt, der weiß, dass sie gut ausgehen - und das tut einfach gut! Danke für diese zu Herzen gehende Geschichte! LG Martina

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  2. Liebe Lore
    eien Herzzerreissende Geschicht mit einen Happyend das wieder so schön ausgegangen ist. Die Schicksalsgeschichte wunderbar.
    Lieben Gruss Elke

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  3. Danke, Lore, für diese herzliche Geschichte, die Welten erahnen läßt, die wir kaum kennen. Meine Tochter ist in diesem Bereich tätig, daher weiß ich ein wenig ...

    Alles Liebe
    Eva :)

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  4. Das ist wieder so eine wunderschöne, typische Lore-Geschichte, mit viel Liebe und einem Happyend.
    Es ist schon schlimm, was manche Kinder in ihrem jungen Leben durchmachen müssen. So ein Fall wie der von Dir beschriebene ist ja keine Seltenheit, und nur die wenigsten haben das Glück, wieder eine Familie zu finden. Meistens landen die Kinder von Drogen- oder Alkoholsüchtigen in irgendwelchen Heimen, und oft genug gleiten sie in den gleichen Sumpf ab, in dem schon ihre Eltern gesteckt haben.
    Traurig. Deshalb macht Deine Geschichte Hoffnung, dass es auch anders sein kann...
    Liebe Grüße
    Christine

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  5. Ein modernes Märchen, wie schön! Leider gibt es im realen Leben solche Happy-End-Geschichten kaum, aber manchmal passieren sie doch! Man darf einfach den Glauben an die Menschheit nicht verlieren und das hast Du sehr künstlerisch getan! Danke dafür!
    Herzliche Grüße
    Anna

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  6. Ich kann mich da Anna nur anschließen, ein modernes Märchen mit glücklichem Ausgang- schön und Herz erwärmend. Es sollte im wirklichen Leben öfter so geschehen.
    LG Elke

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  7. Ich schließe mich allen meine Vor-Kommentaren an. Sehr schöne und menschliche Handlung,
    wenn doch immer alles einfach ginge. LG Christa

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  8. Auch schließe mich den Kommentaren zuvor an, es brauch nicht immer Feen und Konsole, um in der Realität ein Märchen zu schreiben, ist Dir gut gelungen, Sehr schön, liebe Lord. Herzlich Grüße Eva

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  9. Liebe Lore,
    eine wirklich schöne Geschichte. Ich möchte sie gern meinen
    Lesekindern vorlesen dürfen.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  10. hallo Lore,
    ich habe gerade zufällig Deinen Blog und Dich entdeckt und hab mich sofort gemütlich zurückgelehnt und Dein "modernes" Märchen mit Happy-End mit Genuss gelesen.
    Schön war es!
    viele liebe Grüße
    Gerti

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.