Dienstag, 17. Februar 2015

Lila-Luna, Anneliese und das Frühlingsfest - Reizwortgeschichte

 Diesemal geht es um die Reizwörter: Birke, Feder, bunt, suchen, verstehen

Viel Spaß beim Lesen


Lila-Luna, Anneliese und das Frühlingsfest



Ich brauch Tapetenwechsel sprach die Birke und macht sich in der Dämmrung auf den Weg“ ertönte es aus dem Radio und Frau Tessner sang laut mit.
Anneliese rollte mit den Augen.
Was ist denn das für ein Text?“
Ihre Mutter wurde ein wenig rot.
Den sang Hildegard Knef, eine bekannte Sängerin in meiner Jugend, ich mag das Lied.“
Anneliese grinste.
Stell dir mal vor unsere gute alte Birke dort draußen würde auf Wanderschaft gehen.“
Nun mussten beide lachen.
Heute war Samstag und da keine Schule war und auch die Mutter keinen Dienst im Krankenhaus hatte, beschlossen die beiden einen ausgiebigen Stadtbummel zu machen.
Sie fuhren mit der Regionalbahn in die nächstgelegene Stadt und nachdem sie die Geschäfte unsicher gemacht hatten, ließen sie sich in einem Cafe herrliche Windbeutel schmecken und besuchten auch noch ein Kino.
Da diese gemeinsamen Tage viel zu selten waren, genossen sie jede Minute zusammen.
Und Anneliese fiel abends müde ins Bett.
Irgendwann wurde sie wach.
Wieder hörte sie ein Rascheln, Ächzen und Stöhnen.
Barfuß tapste sie ans Fenster und riss die Augen auf.
Nun war sie hellwach und konnte kaum glauben was sich unten im Garten abspielte.
Die helle schlanke Birke wand sich stöhnend und ächzend hin und her und auf einmal sprangen die Wurzel aus der Erde.
Erst links, dann rechts.
Der Baum hüpfte in die Höhe, drehte sich um und watschelte aus dem Garten.
Anneliese öffnete das Fenster, um ihm nachzusehen, da erklang ein Kichern dicht neben ihr.


Lila-Luna, begleitet von zwei Glühwürmchen setzte sich auf die Fensterbank.
Täusche ich mich, oder ist unsere Birke gerade aus dem Garten gelaufen?“ fragte Anneliese fassungslos.
Du täuscht dich nicht, aber keine Sorge, Morgen früh ist sie wieder da.“
Aber wo will sie denn hin?“
Zu unserem Frühlingsfest. Jedes Jahr am letzten Tag im März feiern wir ein großes Fest und auch der Frühling kommt. Und alle Birken in der Umgebung verlassen ihre Plätze um bei diesem Fest zu tanzen.“
Die anderen Bäume auch?“ quietschte Anneliese und dachte entsetzt an das Durcheinander und Gewurrle auf den Straßen.
Lila-Luna lachte und es klang wie das Läuten eines Glöckchens.
Nein, nur die Birken sie sind das Symbol des Frühlings und tanzen ihm zu Ehren. Deshalb dürfen sie einmal im Jahr ihre Plätze verlassen und zu uns auf die Festwiese kommen.
Deshalb bin ich auch gekommen, um dich zu unserem Fest mitzunehmen.“
Anneliese freute sich und bald flogen sie in Begleitung der Glühwürmchen zur Zauberwiese.



Als sie den Wald erreichten war es dort taghell.
Tausende von Glühwürmchen hingen an den Bäumen und Sträuchern um den Festbesuchern den Weg zu weisen.
Der ganze Wald war in Bewegung. Tiere, Zwerge und Wichtel strebten dem Festplatz zu.
Auch Lila-Luna und Anneliese gingen nun zu Fuß weiter.
Eine Weile gingen sie neben Dr. Wichtel und Herrn Igel, der es sich nicht nehmen ließ trotz seines Gipsbeines zum Fest zu gehen.
Prinz Reginald von Elfentann kutschierte seinen flotten Zweisitzer, von zwei Schnecken gezogen, an ihnen vorbei.
 
Eine Ente hübsch heraus geputzt mit einem kessen bunten Federhut, schnatterte aufgeregt mit Frau Hase, die kaum zuhörte, da sie ihre Kinder im Auge behalten musste.

Als Herr Igel, dann doch verschnaufen musste, gingen die Mädchen alleine weiter.
Sie hörten ein „Hauruck, Hauruck !“ und sahen auf dem Weg vor sich, der ein wenig nach oben führte einen Wagen beladen mit kleinen Ästen.
Ein Zwerg versuchte ihn den Hang hinauf zu ziehen und ein Maikäfer und ein Hirschkäfer schoben von hinten.
Doch der Wagen bewegte sich nicht.
Was musstest du ihn auch so hoch beladen, brummte Herr Maikäfer ärgerlich, „ wozu brauchst du denn all dieses Holz?“
Das haben die Bäume gespendet für das große Feuer zum Ende des Festes,“ seufzte der Zwerg und wischte sich mit einem großen karierten Tuch den Schweiß von der Stirn.
Die beiden Mädchen stemmten sich nun auch gegen den Wagen und dann ging es den Berg hinauf.
Der Zwerg bedankte sich bei den Helfern und setzte seinen Weg fort.
Endlich erreichten Lila-luna und Anneliese die Festwiese , nachdem sie unterwegs noch einem weinenden Marienkäferkind geholfen hatten ihre Familie zu suchen.
Wie staunte Anneliese.
Auf der Wiese tummelten sich Tiere der verschiedensten Art, friedlich vereint.
Dazwischen liefen Zwerge, Wichtel und Elfen herum und deckten die großen langen Tische mit köstlichen Speisen und Getränke.
Vögel übten ihre Lieder und die Grillen stimmten ihre Geigen.
Am Rande der Wiese aber standen die Birken und plauschten miteinander. Gab es doch soviel zu erzählen, denn schließlich hatten sie sich ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen.
Anneliese starrte angestrengt zu den Bäumen hinüber, aber sie konnte nicht erkennen welche nun ihre Birke war.
Da begannen auf einmal die Glockenblumen zu läuten und langsam verebbte der Lärm.
Die Feenkönigin betrat die Wiese zusammen mit einem schönen in Grün gekleideten Jüngling.
Sein licht braunes langes Haar trug er offen und Blüten in allen Farben waren darin eingeflochten.
Es war der Frühling.
 Die Elfenkönigin führte ihn zu seinem Ehrenplatz, einen hohen Stuhl der mit Blumen umkränzt war.
Begeistert klatschend jubelten ihm die Festgäste zu, doch als er seine Schalmei an die Lippen setzte, wurde es still.
Liebliche Töne glitten über die Wiese und schmeichelten sich in die Ohren der Zuhörer.
Manch Träne glitzerte in den Augen vor Ergriffenheit.
Dann ging die sanfte Melodie plötzlich in einen Marsch über und die Birken setzten sich in Bewegung und marschierten in die Mitte des Festplatzes.



Sie stellten sich auf und begannen zu tanzen.
Anneliese staunte.
Soviel Anmut hätte sie den Bäumen nicht zugetraut und so klatschte auch sie begeistert am Ende der Darbietung mit.
Nun traten die Vögel auf und sangen, begleitet von den Grillen, ihre schönsten Lieder.
Manchmal hörte man ein dunkles Brummen dazwischen, denn Frau Eule mitgerissen von der Musik sang lauthals mit, aber das störte niemanden.
Nachdem noch die Schmetterlinge mit den Elfen einen Tanz
aufgeführt hatten, bat die Elfenkönigin zu Tisch.
Anneliese saß bei der Familie von Lila -Luna und langte wacker zu.
Besonders von den Erdbeertörtchen konnte sie nicht genug bekommen.
Doch auf einmal wurde sie müde.
Als das Mädchen erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Aber es war ja Sonntag.
Glücklich dachte das Mädchen an das schöne Fest gestern Nacht, dann sprang es plötzlich aus dem Bett und rannte zum Fenster.
Die Birke stand wieder im Garten, als wäre sie niemals weg gewesen.
Als Anneliese später die Treppe hinunter ging, dachte sie was ihre Mutter wohl sagen würde, wenn sie wüsste, dass ihre Birke gestern den Garten verlassen hat.
Sie würde es wohl nicht verstehen!
 
© Lore Platz





Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    was für eine Vorstellung - ich werde die Birke in unserem Garten demnächst gut im auge behalten und schauen, ob sie sich auch auf den Weg zu dem wunderbaren Fest machen wird!
    Wieder eine ganz typische Lore-Geschichte, wunderbar!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  2. Liebe Lore, ich kommentiere sehr wenig, aber heute möchte ich dir sagen, eine wunderschöne bezaubernde Geschichte hast du geschrieben. Vielen Dank ... :-)

    Liebe Grüße, Margot.

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  3. Liebe Lore
    die Birke die hat was besonderes schon alleine ihr aussehen und ihre kleinen Blättern und jetzt deine Geschichte dazu das war so wunderschön und verzauberte mich in ein Märchenland toll!
    Lieben Gruss Elke

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  4. Danke, Lore, für diese anmutige Geschichte! Ich hoffe, daß meine Birke auch mittanzt!

    Alles Liebe
    Eva :)

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  5. Ich kann es meinen Vorrednern nur nachtun: Eine gaaaanz typische und gaaaaanz wundervolle Lore-Geschichte!!!!!!!!!!! Tanzende Birken - wer außer dir kommt darauf? Danke für diese supertolle Geschichte! LG Martina

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  6. Eine ganz wunderbare Geschichte aus dem verzauberten Märchenland. Ich stelle mir schon vor, wie die Birken hier auf der Wiese tanzen.
    LG Elke

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  7. eine ganz wunderbare Geschichte!
    Hat mir viel Freude gemacht, sie zu lesen!
    liebe Grüße
    Gerti

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  8. Liebe Lore,
    wenn ich das nächste Mal spazieren gehe, werde ich nachsehen, ob die Birken tanzen - falls ich sie überhaupt finde, denn wenn sie gerade auf dem Weg zum Frühlingsfest sind ...
    Ein genialer Einfall, und ein wunderschönes Märchen! Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Christine

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  9. Lore, du Liebe,
    jetzt sehe ich die Birken, hier unten am Neckarufer, mit ganz anderen Augen.
    Da ist dir wieder eine wunderschöne Geschichte aus der Feder geflossen. Danke dafür.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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  10. Liebe Lore,
    ein typisches Lore-Märchen! Die Natur ist verzaubert und die Birken tanzen. Was für ein Fest.
    Liebe Grüße Eva

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.