Dienstag, 31. März 2015

Fritz und der Kartoffelkönig - Reizwortgeschichte

Eines der Reizwörter ist diesmal Kartoffel. Also ich liebe ja diese leckeren braunen Knollen. 
Wir verdanken sie ja dem 'Alten Fritz', der die Bauern damals mit sanfter Gewalt und List zum Anbau der Kartoffeln zwang.
Als Kinder durften wir mit dem Kartoffelkraut ein Lagerfeuer machen und die bei der Ernte übersehenen Kartoffeln darin braten.
Das war lecker, obwohl man sich oft die Finger verbrannte und die Schale kohlschwarz war, aber es war nach dem Krieg und wir hatten immer Hunger.
Und das Abenteuerliche so eines Lagerfeuers war einfach schön.

Reizwörter
Kartoffel, Stoff, spielen, entsetzt, klein

Viel Spaß beim Lesen!
 




Fritz und der Kartoffelkönig

Missmutig schlug Fritz die Decke zurück und schlüpfte ins Bett.
Seine Mutter kam herein und setzte sich auf die Bettkante.
Na, mein Großer, immer noch wütend?“
Beim Abendessen hatte es Ärger gegeben, denn Fritz wollte seine Kartoffeln nicht essen, denn die mochte er überhaupt nicht.
Der Vater hatte geschimpft, Großvater hatte auf die hungrigen Kinder hingewiesen, die froh wären wenn sie solche guten Kartoffeln essen dürften.
Fritz hätte sie ja nur allzu gern den hungrigen Kindern gegeben.
Die Großmutter hatte die Geschichte vom Kartoffelkönig erzählt, der davon gelaufen war, um in die Welt zu ziehen, doch als er zwei hungrigen Kindern begegnet ist, sich geopfert hat damit sie sich satt essen konnten.
Als wenn ihm deshalb die Kartoffel besser schmecken würden.
Nur die Mutter hatte ihn bittend angesehen und leise auf den Nachtisch hingewiesen.
Daran musste Fritz jetzt denken und so grinste er seine Mutter an.
Der Schokoladenpudding mit dem Sahnehäubchen war Klasse!“
Dann ist es ja gut!“ lachte die Mutter und strubbelte ihm das Haar.
Gute Nacht meine Junge, schlaf' gut:“
Sie strich ihm über das Haar, da er keinen Gute Nacht Kuss mehr wollte, löschte das Licht und verließ das Zimmer.
Fritz drehte sich um und war bald eingeschlafen.
Mitten in der Nacht wurde er plötzlich wach, da etwas auf seinen Bauch drückte.
Er öffnete die Augen und sah im fahlen Schein des Mondes
einen seltsamen kleinen Kerl, der auf seinem Bauch saß.
Fritz blinzelte und rieb sich die Augen, doch das Männchen war immer noch da.
Es sah aus wie eine dicke große Kartoffel, hatte eine rote Nase, pfiffige Augen, einen breiten Mund und kleine Arme und Beine und auf dem Kopf trug es ein kleines Krönchen.
Der Kartoffelkönig!“
Ja, du hast mich erkannt!“
Was willst du hier? Außerdem könntest du mal von meinem Bauch herunter gehen, du erdrückst mich ja!“
Der Kartoffelkönig sprang herunter und setzte sich neben Fritz auf das Kopfkissen.
Dieser drehte sich um und knurrte:
Lass mich in Ruhe, ich will schlafen!“
Da aber zog ihn der Dicke energisch an den Haaren.
Aufwachen, ich brauche deine Hilfe!“
Nun wurde Fritz neugierig und drehte sich wieder seinem Besucher zu.
Du musst mit mir kommen, zieh dich an.“
Das Männlein sprang vom Bett und lief zum Stuhl auf dem die Kleider des Jungen lagen.
Langsam folgte ihm Fritz und zog sich an, doch als er in seine Turnschuhe schlüpfen wollte, rief der König:
Zieh feste Schuhe an, dort wohin wir gehen ist es schlammig, besonders nach Regen und nimm die Jacke mit den großen Taschen.
Warum?“
Damit ich hinein schlüpfen kann,“ lachte der Kartoffelkönig und schwups saß er in der Tasche und grinste vergnügt.
Es kann los gehen!“
Auf einmal waren sie in einem Dorf.
Es sah sehr ärmlich aus, die alten Holzhäuser hätten einen Anstrich gebraucht, die Straßen waren wirklich riesige Schlammfelder, Hühner liefen gackernd umher und ein struppiger Hund schlich sich heran und entsetzt verschwand der Kartoffelkönig in der Jackentasche.
Feigling!“ zischte Fritz.
Ein Mann kam aus einem der Höfe, stutzte als er den Jungen sah und ging auf ihn zu.
Der sieht ja aus wie mein Großvater!“ flüsterte Fritz.
Ist ja auch dein Urahn, aber still er kommt näher!“
Der Mann betrachtete den seltsam gekleideten Jungen, er selbst trug nur einen groben Leinenkittel.
Woher kommst du?“
Von weit her, wo bin ich hier?“
Weißt du das nicht, in Pommern im Land von Friedrich dem Großen.“
Oh, und welches Jahr schreiben wir?“
Der Mann schüttelte den Kopf ob der seltsamen Frage.
Ob der Junge nicht richtig im Kopf war?
Wir haben das Jahr 1744. Wie heißt du denn?“
Fritz Ungerer!“
Da haben wir ja denselben Namen, ich heiße Karl Ungerer, sind wir verwandt!“
Fritz zuckte die Schultern.
Na dann komm mal mit, Vetter, kannst auf dem Heuboden schlafen, viel zu essen kann ich dir nicht anbieten, die Getreideernte war diesmal nicht gut. Und die meisten Felder hier sind sandig und eignen sich nicht zum Anbau.“
Vier kleine Kinder zwischen 3 Jahren und 10 Jahren blickten ihnen neugierig entgegen.
Eine junge Frau kam aus einem Nebenraum mit einem Eimer Milch.
Die Kuh gibt nicht mehr viel Milch, es fehlt an genügend Futter.“ seufzte sie mutlos.
Ich werde mal auf die höher gelegene Wiese gehen und
Gras mähen, hier ist ein Vetter von mir, er kann auf dem Heuboden schlafen.“
Die Frau nickte nur.
Und ich werde in den Wald gehen und Beeren pflücken,“ erklärte das zehnjährige Mädchen.
Ihr Vater runzelte die Stirn.
Mariechen, ich möchte nicht, dass du allein in den Wald gehst, dort treibt sich allerhand Gesindel herum.“
Dann hellte sich seine Miene auf.
Vetter Fritz wird dich begleiten!“
Fritz nickte und bald haben sie ihr Körbchen voll mit leckeren Beeren, auch einige Kräuter für eine Suppe pflückte Mariechen.
Auf dem Rückweg kamen sie an einem Bach vorbei und Fritz sah einige Forellen darin schwimmen.
Warte, Mariechen!“
Er krempelte seine Hosenbeine hoch und stieg ins Wasser.
Sein Freund Rudi hatte ihm einmal gezeigt wie man Fische mit den Händen fing.
Man braucht nur Geduld, ein gutes Auge und Schnelligkeit.
Bald lagen drei Forellen zappelnd im Gras und Mariechen packte sie in den Korb.
Der Vater war auch schon zurück und fütterte gerade die Kuh.
Anerkennend klopfte er Fritz auf die Schulter und ging mit den Fischen hinters Haus, um sie auszunehmen.
An diesem Abend gingen alle mal satt ins Bett.
Fritz bekam von Frau Gertrude noch eine Decke aus groben Stoff und ging hinauf auf den Heuboden.
Der Kartoffelkönig hüpfte aus der Tasche und streckte sich.
Bisher ist es doch gut gelaufen,“ meinte er zufrieden.
Was soll ich eigentlich hier, obwohl es ja interessant ist meine Vorfahren kennen zu lernen.“
Nun Morgen wirst du es erfahren, aber zuerst muss ich dir
erklären wie man Kartoffel anbaut, du wirst es brauchen.“
Ich werde bestimmt keine Kartoffeln anbauen,“ brummte Fritz, doch dann wurde er nachdenklich, „obwohl sie dann nicht mehr hungern müssten.“
Siehst du, also dann höre genau zu!“
Aufmerksam verfolgte der Junge was der Kartoffelkönig ihm erklärte, doch dann fielen ihm die Augen zu.
Am nächsten Morgen saßen sie gerade beim Frühstück, einer Schüssel Haferbrei mit Beeren, da hörten sie Lärm von draußen.
Mariechen lief ans Fenster.
Die Soldaten des Königs!“ rief sie aufgeregt.
Die Familie und Fritz eilten hinaus und gesellten sich zu den anderen Bauern die neugierig die Soldaten umstanden.
Einer der Soldaten hielt einen großen Pergamentbogen in der Hand und las laut vor:
Befehl des Königs, unseres verehrten 'Friedrich den Großen'! Alle Bauern müssen Kartoffel pflanzen, auf dass sie im Winter nicht hungers sterben. Das ist ein Befehl und muss sofort ausgeführt werden!“
Der Soldat winkte und ein Fuhrwerk fuhr heran auf dem mehrere Säcke standen.
Zwei Männer sprangen von der Pritsche und hoben die Säcke vom Wagen und stellten sie an eine Hauswand.
Die Bauern drängten sich neugierig näher und fingen schallend an zu Lachen.
Einer hielt eine verschrumpelte Kartoffel, die bereits zu keimen begann, in die Höhe und schrie:
Was soll denn das sein, will der König uns zum Narren halten, das ist weder ein Samen noch eine Wurzel!“
Verächtlich warf er die Knolle zurück und wandte sich ab.
Die Soldaten aber drehten ihre Pferde und galoppierten davon.
Murrend gingen die Bauern nach Hause.
Nur Karl, Fritz und Mariechen standen noch bei den Säcken.
Auch Frau Gertrude war zurück in den Hof gegangen und die drei kleineren Kinder spielten mit dem Hund.
Karl hatte eine der Kartoffel in die Hand genommen und drehte sie nachdenklich zwischen den Fingern.
Kann mir nicht vorstellen, dass unser König uns verspotten will?“
Nein! Kartoffel sind sehr nahrhaft und sättigend!“ erklärte Fritz.
Du hast schon mal eine gegessen?“
Der Junge nickte heftig und meinte: „ Ja sie schmecken mir zwar … Aua!“
Der Kartoffelkönig hatte ihn gezwickt.
Karl betrachtete ihn amüsiert.
Sie schmecken Aua?“
Nein ich meine sie schmecken ausgezeichnet.“
Fritz schlug kräftig auf seine Jackentasche und grinste als er ein leises Stöhnen hörte.
Weißt du denn wie man sie anbaut?“
Als der Junge nickte, hob Karl einen der Säcke auf und warf ihn sich über die Schulter.
Auch Fritz nahm einen der Säcke und selbst Mariechen zog einen Sack hinter sich her.
Während sie zurück zum Haus gingen erklärte er dem aufmerksam lauschenden Karl was er von dem Kartoffelkönig erfahren hatte.
Man musste Furchen in den Acker ziehen, die ungefähr 40cm auseinanderlagen, dann musste man Kartoffel, die bereits gekeimt hatte, hineinlegen und Erde darüber häufen.
Gießen sollte man sie nicht, denn das würde ihnen schaden. Da die Kartoffel eine sehr robuste Pflanze ist schadet ihr auch längere Trockenheit nichts, außerdem gedeiht sie prächtig in sandigem Boden.
Davon haben wir ja genug,“ brummte Karl, der aufmerksam gelauscht hatte.
Inzwischen hatten sie den Hof erreicht, stellten die Säcke vor der Tür ab und betraten das Haus.
Wir werden diese Kartoffeln pflanzen!“ verkündete Karl als er die Küche betrat.
Er deutete auf Fritz.
Unser junger Vetter weiß wie man es macht und hat auch schon solche Dinger gegessen.“
Dann kratzte er sich am Kopf.
Aber wie sollen wir solche Furchen in den Acker machen?“
Habt ihr denn keine Harke?“
Karl schüttelte den Kopf und brummte:
Wie sieht so ein Ding denn aus?“
Fritz holte ein angebranntes Holz von der Feuerstelle und zeichnete auf den Tisch ein Harke.
So was kann ich bauen!“
Karl verschwand im Schuppen.
Mariechen und Fritz luden mit Hilfe der Mutter die Säcke auf einen Leiterwagen und als Karl mit zwei Harken aus dem Schuppen kam, gingen sie zu dem brach liegenden Acker.
Während Karl und Fritz lange Furchen zogen, legten Frau Gertrude und Mariechen die Kartoffel hinein und die drei Kleinen durften die Erde darüber häufen.
Während sie arbeiteten kamen die Leute aus dem Dorf neugierig näher und Karl erklärte ihnen was sie machen sollten.
Und bald sah man auf allen Feldern die Bauern fleißig Furchen ziehen.
Nun hieß es warten. Jeden Tag ging Karl nun zu seinem Feld um nachzusehen.
Eines Tages kam er freudestrahlend zurück, denn das Feld hatte zu blühen begonnen.
Fritz, der inzwischen wieder vom Kartoffelkönig unterrichtet worden war, erklärte ihm, sobald die Blüten und das wuchernde Kraut abgestorben sei, könnte man die Kartoffel unter der Erde heraus holen.
Karl erklärte es auch den Dorfbewohnern und dann war es eines Tages soweit.
Die Kartoffelernte begann.
Als alle ihre reichliche Ernte in den Scheunen hatten, bat Karl seine Vetter Fritz auf den Marktplatz.
Und der Junge erklärte den Dorfbewohner nun wie man die Kartoffel kochte und was man daraus alles machen konnte.
Während er noch redete verschwamm alles um ihn herum wie in einem Nebel.
Eine Hand rüttelte ihn an der Schulter.
Fritz, Fritz, wach auf, du musst zur Schule!“
Der Junge öffnete die Augen.
Wo ist der Kartoffelkönig?“
Nicht hier!“ lachte die Mutter, „ aber nun beeile dich!“
Mama, ich habe geholfen Kartoffel an zu bauen und zu ernten!“
Die Mutter verließ Kopf schüttelnd das Zimmer.
'Nun verfolgten die Kartoffeln den Jungen schon im Schlaf'
Noch mehr aber wunderte sie sich, als Fritz beim Abendessen eine doppelte Portion Kartoffel auf seinen Teller lud.


© Lore Platz




Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    danke für diese schöne Geschichte, auch vom Kartoffelkönig ... :-))

    Einen tollen Tag wünsche ich dir und sende liebe Grüße, Margot.

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  2. Guten Morgen, Lore!
    Eine hübsche Geschichte, die Du Dir ausgedacht hast! Im ersten Moment habe ich laut lachen müssen, denn ich hatte mal einen Chef, dem irgend jemand den Spitznamen "Kartoffelkönig" verpasst hat! **grins**.
    Manchmal wünsche ich mir auch, ich könnte eine Zeitreise zu meinen Ahnen machen, sie kennen lernen und sehen, wie sie so gelebt haben... Schade, daß das nicht möglich ist!
    Liebe Grüße, mund eine einen schönen Tag!
    Christine

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  3. Hallo Lore,
    eine wunderschöne Geschichte, die ich mit viel Freude gelesen habe. Übrigens, Kartoffelfeuer haben wir in meiner Kindheit auch gemacht. Die Kartoffeln waren super lecker.
    LG
    Astrid

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  4. Danke, Lore für Deine tolle Geschichte über den Kartoffelkönig!

    Ich liebe Kartoffeln - bei uns Erdäpfel genannt ;)


    Alles Liebe
    Eva :)

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  5. Das ist ein sehr schönes Märchen vom Katoffelkönig. Ich verwende Kartoffeln gern in der Küche. Sie sind so vielseitig zu verarbeiten.
    LG Elke

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  6. Kartoffeln sind soooo lecker - ganz besonders in Form von ..... ;-)!!! Eine tolles Märchen hast du geschrieben. Eine Zeitreise zu machen ist bestimmt eine interessante Sache, doch ich bleibe lieber im Hier und Jetzt!!! Es ist gerade alles so schön, da will ich nicht weg!!! LG Martina

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  7. Liebe Lore,
    du machst uns wieder darauf aufmerksam, wie gut die Kartoffel schmeckt,
    Was man alles mit und aus ihr machen kann. Die meisten vergessen, dass
    die Kartoffel vom alten Fritz eingeführt wurde.
    Als Westfälin liebe ich die Kartoffel. Die Geschichte nehme ich natürlich wieder mit
    für meine Lesekinder. sie können sogar noch eine Menge lernen.
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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  8. Liebe Lore, toll deine Geschichte. Ich liebe Kartoffel und früher, die im Feuer brannten, ein Geruch hmm. Heute lassen die Bauern so viele Kartoffel auf den Feldern liegen, eine Schande. LG Eva

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.