Dienstag, 15. September 2015

Manuela will nicht verreisen - Reizwortgeschichte

Heute geht es um die Reizwörter: 
Urlaub, Abschied, pink, langweilig, singen
Viel Spaß beim Lesen!






Manuela will nicht verreisen
  
Manu warte doch!“ Atemlos erreicht Ilse ihre Freundin.
Dann stutzt sie. „Du weinst ja?“
Manu schnieft und fährt sich mit dem pinkfarbenen Ärmel ihrer Jacke über die Augen.
Meine Eltern wollen nach Dubai. Nächste Woche schon fliegen wir los.“
Aber das ist doch toll. Stell dir bloß vor Luxushotels, Meer, Sand und vielleicht darfst du sogar auf einem Kamel reiten. Wir fahren nur an die Ostsee.“
Aber ich will nicht mitfahren. Dort werde ich mich zu Tode langweilen und außerdem darf Kalimero nicht mit. Er muss in eine Hundepension!“
Ilse ist entsetzt. Wenn sie daran denkt, dass sie sich drei Wochen von ihrem Hund Fussel trennen müsste. Zum Glück haben ihre Eltern ein Ferienhaus gemietet, in dem Haustiere erlaubt sind.
Mitfühlend legt sie den Arm um ihre Freundin.
Und wenn du bei deiner Oma bleibst?“
Die ist gerade zur Kur und kommt erst in vier Wochen wieder,“ seufzt Manu.
Als das Mädchen den Garten betritt kommt ihr der schwarze Mischling schon entgegen und Manu umarmt ihn stürmisch und vergräbt schluchzend das Gesicht in dem dicken Fell.
Bedrückt betrachtet die Mutter die beiden durch das Küchenfenster.
Missmutig betritt Manu die Küche, während Kalimero vergnügt neben ihr herspringt.
Tag,“ murmelt sie, sieht aber ihre Mutter nicht an.
Manuela, ich weiß, dass es für euch beide nicht leicht wird, aber sieh doch drei Wochen gehen schnell vorbei und Kalimero wird es sicher in der Hundepension gefallen.“
Das glaubst du doch selbst nicht! Ich habe übrigens keinen Hunger. Komm Kalimero!“
Einige Tage später fahren sie alle zusammen zur Hundepension Sonnenschein.
Es ist ein hübsches Anwesen und verschiedene Tiere tummeln sich in eingezäunten Wiesen.
Eine nette junge Frau kommt ihnen entgegen. Sie streichelt den Hund und meint: „Wir zwei werden uns schon verstehen.“ Und zu den Bergmanns gewandt,“ machen sie sich keine Sorgen. Es wird ihm bei uns gut gehen.“
Der Abschied zwischen Manuela und Kalimero ist herzzerreißend.
Zu Hause angekommen verschwindet sie sofort in ihrem Zimmer.
Die Eltern sehen ihr besorgt nach. Es gefällt ihnen ja auch nicht Kalimero weg zu geben, aber es geht nun mal nicht anders.
Sie können ihre zwölfjährige Tochter und den Hund nicht alleine zu Hause lassen.
Sie wird sich schon wieder beruhigen und Kalimero hat es gut in der Pension und drei Wochen sind doch schnell vorbei.“ meint Herr Bergmann, aber er glaubt selbst nicht daran und irgendwie freut auch er sich nicht mehr auf den Urlaub.
Kalimero aber liegt teilnahmslos in dem Zimmer, in das man ihn gebracht da.
Den gefüllten Futternapf neben sich beachtet er gar nicht. Er ist traurig und kann die Welt nicht mehr verstehen. Warum nur hatte man hierher gebracht?
Gegen Abend kommt der Praktikant, wechselt das Futter aus und bringt auch frisches Wasser.
Liebevoll streichelt der den Hund und meint:
Wirst dich schon bei uns eingewöhnen, morgen darfst du auch zu den anderen Hunden auf die Wiese, das wird dir gefallen und bald kommt auch dein Frauchen wieder zurück.“
Kalimero hebt nicht einmal den Kopf und der junge Mann verlässt das Zimmer.
Als die Tür mit einem Klick ins Schloss fällt springt der Hund auf. Plötzlich ist ihm eingefallen, was Manuela ihm beigebracht hat.
Er stemmt sich an das weißlackierte Holz und drückt mit der Pfote den Griff nach unten. Nach einigen vergeblichen Versuchen gelingt es.
Der Weg zur Freiheit ist offen.
Unbemerkt saust Kalimero durch das Haus und findet glücklicherweise das Haupttor nicht verschlossen.
Und nun ist er nicht mehr zu halten.
Zwei Stunden später, es ist bereits dunkel, hat er die Heimat erreicht.
Er rennt mit hängender Zunge durch den Garten, zwängt sich durch die Hundeklappe, saust die Treppe nach oben und kratzt an der Tür von Manuelas Zimmer.
Das Mädchen, das noch nicht geschlafen hat, lässt ihn herein und kniet sich auf den Boden und umarmt ihren geliebten Freund.
Und als wenig später der Mond durch das Fenster guckt sieht er einen schwarzen Hund und ein kleines Mädchen eng umschlungen im Bett liegen und tief und friedlich schlafen.
Am nächsten Morgen ist die Mutter sehr erstaunt, als Manuela und Kalimero gemeinsam in die Küche kommen.
Etwas trotzig sieht das Mädchen ihre Mutter an.
Ich habe es doch gleich gewusst, dass es ihm dort nicht gefällt. Er ist ausgerückt!“
Kalimero aber setzt sich vor Frau Bergmann und sieht sie erwartungsvoll an.
Diese lacht und füllt den Futternapf über den sich der Hund begeistert drüber stürzt.
Stellt euch vor, die Hundepension hat gerade angerufen, Kalimero ist ausgerückt. Aber da ist er ja?“
Herr Bergmann sieht erstaunt auf den Hund, der gerade mit der Zunge die letzten Reste aus dem Napf leckt.
Er grinst. „Außerdem haben sie gesagt, dass er sein Futter gestern nicht angerührt hat.“
Doch dann wird sein Gesicht ernst.
Ich denke es wird wohl nichts aus dem Flug nach Dubai.“
Vielleicht doch!“ ruft Manuela,“ich habe eine Idee!“
Sie saust aus dem Zimmer, gefolgt von dem Hund.
Einige Minuten später kommt sie wieder.
Mama, Ilses Mutter möchte mit dir sprechen.“
Den Arm um Kalimero geschlungen wartet sie nun auf ihre Mutter, die kurze Zeit später vergnügt lächelnd wieder die Küche betritt.
Manuela und Kalimero können mit Ilse und ihren Eltern an die Ostsee fahren. Die haben dort ein Ferienhaus gemietet, in dem Haustiere erlaubt sind.
Und wir beide können nach Dubai fliegen.“
Manuela stößt einen Jubelschrei aus und umarmt abwechselnd ihr Eltern, während Kalimero laut bellend um alle herum springt.
Nun muss ich aber schnell meine Koffer packen!“
Das Mädchen verlässt die Küche, gefolgt von ihrem treuen Begleiter.
Auf dem Weg nach oben hört man sie laut singen.
Frau Bergmann betrachtet ihren Mann, der ein ganz komisches Gesicht macht.
Freust du dich denn nicht, dass wir das Problem lösen konnten?“
Naja schon, aber es ist doch ein komisches Gefühl, wenn man bei seiner Tochter erst an zweiter Stelle kommt. Die Trennung von uns scheint ihr gar nichts auszumachen.“
Seine Frau lacht vergnügt.
Bist du etwas eifersüchtig auf den Hund.“
Liebevoll legt sie die Arme um seinen Hals und schmiegt ihren Kopf an sein Gesicht, dann flüstert sie in sein Ohr.
Denk doch daran, wie schön es auch für uns sein wird mal ohne Manuela zu vereisen. Fast wie zweite Flitterwochen.
Herr Bergmann grinst zieht seine Frau auf seinen Schoß und besiegelt ihre Wort mit einem langen zärtlichem Kuss.

© Lore Platz


Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    Deine Geschichte geht wieder einmal zu Herzen. Ich konnte mir beim Lesen die Situation gut vorstellen. Manuela und Kalimero sind anscheinend unzertrennlich und die Lösung des Problems ist scheinbar für alle Beteiligten auch die Beste. So ist es aber auch manchmal: Die Eltern entscheiden und die Kinder müssen sich fügen. Wahrscheinlich hat Manuela bei der Urlaubsplanung die Situation noch nicht richtig erkannt, aber jetzt, so kurz davor, ist der Herzschmerz groß. Das kann ich gut nachempfinden. Kalimero ist ein treuer Hund und Ilse eine wirklich gute Freundin, denn sie hat sich für Manuela eingesetzt.
    Danke für diese schöne Geschichte
    Astrid

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  2. Liebe Lore, wieder gingen unsere Gedanken in die gleiche - oder ähnliche - Richtung! Das finde ich klasse! - Wenn man ein Haustier hat, sollte man bedenken, dass es ein Familienmitglied ist, das nicht einfach 'abgeschoben' werden sollte. Tiere leiden genau wie wir Menschen auch unter Trennungen! Du hast es sooo schön geschrieben. Man konnte sich wunderbar in das kleine Mädchen hinein versetzen! - Tolle Geschichte - wie an jedem Dienstag! LG Martina

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  3. Danke, Lore!
    Wunderschöne Geschichte über Liebe und Treue zwischen Mensch und Tier - und zwar auf beiden Seiten :)

    Alles Liebe
    Eva :)

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  4. Liebe Lore,
    eine wunderschöne Hundegeschichte die für alle ein gutes Ende nahm.. ja es ist nicht os einfach wenn man ein Tier zuhause hat und dann in Urlaub möchte!
    Lieben Gruss Elke

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  5. Liebe Lore,
    ach, Deine Geschichte geht mir richtig ans Herz!
    Ich würde mich auch nicht drei lange Wochen von unserem Hund trennen wollen. Das haben wir auch vorher entschieden, dass wir - so lange er bei uns lebt - keine Flugreisen machen werden.
    LG
    Marle

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  6. Das ist heute schon die zweite Hundegeschichte und irgenwie haben alle etwas gegen Hundepensionen, was für ein Zufall. Da wir keine Haustiere haben, musste ich mich mit dem Problem nie beschäftigen. Aber ich weiß von Nachbarn, dass die Unterbringung des Hundes zur Urlaubszeit schwierig ist. Meist bleibt ein Familienmitglied zu Hause, wenn der Hund nicht mitkommen kann.
    LG Elke

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  7. Liebe Lore,
    da hast du wieder eine wunderschöne Geschichte für uns gezaubert. Interessant, dass auch Martina eine Hundegeschichte geschrieben hat. Mir gefallen beide sehr!
    Du weißt ja, dass wir auch einen (manchmal zwei) Hund haben und für uns deshalb ein gemeinsames Verreisen auch nicht in Frage kommt. Mein Mann würde unseren Hund niemals in eine Pension geben und unser Meilo würde das auch nicht mit sich machen lassen.
    Herzliche Grüße
    Regina (war heute den ganzen Tag unterwegs)

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  8. Das ist wieder so schön geschrieben, die Liebe zwischen Mensch und Tier und ich weiß wie beide leiden wenn sie getrennt werden.
    Tiere sind hier sehr sensibel.
    Lieb en Gruß von Joachim

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  9. Das ist wieder so schön geschrieben, die Liebe zwischen Mensch und Tier und ich weiß wie beide leiden wenn sie getrennt werden.
    Tiere sind hier sehr sensibel.
    Lieb en Gruß von Joachim

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  10. Liebe Lore,
    ich musste so lachen, als ich zu diesen Reizwörtern gleich zwei Hundegeschichten lesen durfte. Und doch - obwohl es um das gleiche Thema geht, sind sie sehr verschieden. Wobei Hundepensionen ganz offensichtlich nicht sehr hoch im Kurs stehen... **grins**.
    Wir haben keine Haustiere (mehr). Früher hatten wir mal Wellensittiche. Die unterzubringen war eigentlich kein Problem. Aber die Trauer war sooooo groß (jedenfalls bei mir), als sie irgendwann in den Vogelhimmel eingegangen sind, dass mein Mann keine Vögel mehr haben wollte. Naja, und dann sind auch alle, denen wir die Tiere mal in Pflegen geben könnten, verstorben oder weit weggezogen ...
    Vielen Dank für Deine Happyend-Geschichte.
    Liebe Grüße
    Christine

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  11. Liebe Lore
    Das ist wieder eine sehr gute Geschichte, die erklärt eine Liebe zwischen Mensch und Tier.
    Danke
    Lieben Gruß Joachim

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.