Dienstag, 8. Dezember 2015

Hermann verliert sein Zuhause - Reizwortgeschichte

Vielelicht erinnert ihr euch noch an die Geschichte, die Regina und ich letztes Jahr Weihnachten gemeinsam geschrieben haben. 
Wer es noch nachlesen will, hier ist der Link.


Den griesgrämigen kleinen Troll habe ich so ins Herz geschlossen, dass ich unbedingt von ihm mehr erzählen möchte.
Heute habe ich mal den Anfang gemacht und ich denke, er wird noch viele Abenteuer erleben.

Und da die heutigen Reizwörter:  
Tanne, Nase, süß, sammeln, kriechen
von Regina stammen, hat auch sie ein wenig Anteil an der Geschichte.
Elli hat mir Fotos von ihrer Troll-Puppe gemacht und Heide Marie hat mir Bilder dazu gezeichnet.


  

Herman verliert sein Zuhause


Hermann stapft auf seinen kleinen stämmigen Beinen durch den Wald und hinterlässt im frisch gefallenen Schnee Fußspuren so klein wie Babyschuhe.
Als er Stimmen hört versteckt er sich schnell hinter einem Busch.
Zornig runzelt der kleine Troll die Stirn. Da war er schon wieder der Grünberockte und diesmal hatte er noch einen Mann dabei. Was wollten die nur hier, sie sollten gefälligst verschwinden.
Hermann presst unwillig die Lippen zusammen.
Die Tanne gehört schließlich ihm, denn darunter liegt seine kleine gemütliche Wohnung.
Es raschelt und der braun gefleckte Jagdhund steht vor Hermann.
Verschwinde!“ zischt dieser und wedelt heftig mit beiden Händen.
Der Hund sieht ihn nur mit seinen braunen Augen aufmerksam an.
Da haut ihm Hermann eins auf die Nase und macht sein schrecklichstes wütendes Trollgesicht. Der Hund jault leise und schiebt sich rückwärts aus dem Gebüsch.
Der Troll aber stapft mit den Füßen auf und schlingt die Arme um sich, denn langsam beginnt er zu frieren.
Endlich, sich leise unterhaltend gehen die beiden Männer weiter, gefolgt von dem Jagdhund, der noch einmal zurück blickt.
Hermann wartet noch ein wenig, dann läuft er so schnell ihn seine stämmigen Beine tragen können zu der Tanne und schlüpft in seine Wohnung.
Gemütlich hat er es sich eingerichtet. Die Hälfte des Raumes nimmt ein weiches Bett aus Moos ein. Ein Schaukelstuhl, von ihm selbst gezimmert, steht davor und gegenüber auf einem Tisch stehen einige Gläser mit Marmelade, Kirschen, und Mirabellen, daneben liegt ein großer Löffel. Unter dem Tisch sind Nüsse, die er im Herbst gesammelt hat, aufgehäuft
Die Gläser mit der Marmelade und eingemachtem Obst hat ihm der Mann ohne Haare gebracht.
Einmal, es war im Sommer gewesen, hatte Hermann sich in einem Dornbusch verfangen und der alte Mann hatte ihn gerettet. Seitdem sind sie Freunde und ab und zu kommt der Mann ohne Haare vorbei und bringt ihm etwas zu essen, besonders jetzt im Winter, wo im Wald nichts mehr zu finden ist.
Hermann nimmt den Löffel und taucht ihn tief in das Marmeladenglas. Genussvoll lässt er dann die süße Köstlichkeit im Mund vergehen. Hmmm! Hermann hat eine große Schwäche für Süßigkeiten.
Zufrieden setzt er sich auf seinen Schaukelstuhl und seine Gedanken schweifen in die Vergangenheit.
Er war der letzte Troll, der nach der großen Katastrophe übrig geblieben war. Der mächtige Feenkönig hatte das Trollreich vernichtet und nur er blieb verschont, wegen seines guten Herzens.
Hermann war der jüngste und schwächste seiner Familie und schon immer etwas anders. Seine Geschwister hänselten und knufften ihn, sein Vater verachtete ihn und seine Mutter schämte sich seiner.
Und auch den anderen Trollen war er ein Dorn im Auge, besonders nachdem er einen Wichteljungen aus dem See gerettet hatte.
Trolle taten so etwas nicht, sie waren böse, raubten, zerstörten und freuten sich an dem Elend, das sie hinterließen.
Gutsein bedeutete Schwäche und Schwäche war verachtenswert. So hatte Hermann früh gelernt sein gutes Herz hinter einer finsteren Miene zu verbergen.
Das Trollreich lag in einer Schlucht umgeben von riesigen Bergen. Auf einer großen Wiese weideten die Tiere, die sie von ihren Raubzügen bei den Bauern im Tal, mitgebracht hatten.
Schiefe hässliche Häuser reihten sich aneinander, in denen die Trolle aber nur schliefen wenn es regnete, ansonsten lagerten sie im Freien.
Wenn sie wieder einmal von einem Raubzug zurück kamen, dann feierten sie ein Fest das tagelang dauerte.
Hermann aber hielt sich abseits. Er fühlte sich nicht wohl unter den grölenden, schmatzenden, rülpsenden Artgenossen.
Eines Tages aber trieben sie es zu weit. Sie brachten von ihren Raubzügen die schöne Tochter des Feenkönig mit. Der Sohn des Anführers wollte sie heiraten, da diese sich aber weigerte, sperrten sie das Mädchen in eine Hütte. Dort wollten sie sie hungern lassen bis sie ja sagte.
Hermann aber hatte Mitleid mit der Feenprinzessin. Als nach einem ausgiebigen Gelage alle wieder schliefen, nahm er den Schlüssel aus der Tasche des schnarchenden Anführers und befreite das Mädchen.
Dies sollte ihm das Leben retten.
Denn bereits am nächsten Morgen kam der Feenkönig und rächte sich fürchterlich. Er ließ die großen Felsen ringsum einstürzen und vernichtet das Trollreich und alle seine Bewohner. Nur Hermann blieb verschont, weil er die Prinzessin befreit hatte.
Ein lautes Klopfen holt Hermann aus seinen Gedanken zurück. Er öffnet die knarrende Tür und steckt seinen dicken zotteligen Kopf heraus.
Draußen steht der Mann ohne Haare und bei ihm die beiden Langhaare, mit denen er in letzter Zeit immer durch den Wald streift.
Was willst du?“ fragt er grimmig.
Du hast ja heute wieder eine Laune!“
Wer sind die Langhaare?“ der Kleine deutet mit dem Finger auf die Mädchen.
Das sind meine Enkelinnen Renate und Susi, sie wollen dich kennen lernen.“
Also nun kennen sie mich ja!“
Der Troll will zurück in seine Wohnung, doch blitzschnell packt ihn der alte Mann am Rockzipfel und hebt ihn hoch.
Hermann zappelt mit den Beinen und schlägt mit den Armen um sich.
Lass mich sofort los, du dummer alter Mann!“ kreischt er wütend.
Du kannst nicht hierbleiben, bald kommen die Waldarbeiter und werden den Baum fällen.“
Niemand wird meine Wohnung fällen, ich werde sie verzaubern.“
Du vergisst, dass dir deine Zauberkräfte genommen wurden,“ meint Opa Schindel leise und setzt Hermann vorsichtig auf den Boden.


Der Troll sieht traurig auf seinen Baum, der solange sein Zuhause war.
Du kannst bei mir im Schuppen wohnen, dort hast du Platz und es ist schön warm.“
Ja und wir werden es dir ganz gemütlich machen,“ versprechen die Mädchen.
Ich will aber nicht bei dir wohnen, ich will hier bleiben, hier unter meinem Baum!“
Wütend stapft der kleine Gnom mit dem Fuß auf, dann setzt er sich in den Schnee und beginnt lauthals zu weinen.
Mitleidig beugen sich die Mädchen zu ihm hinab und Renate nimmt die Plätzchendose aus dem Rucksack und als sie den Deckel öffnet versiegen die Tränen so schnell wie sie gekommen sind.
Die Hand des Trolls fährt blitzschnell in die Dose, packt ein paar Plätzchen und stopft sie in den Mund.
Opa und die Mädchen lachen.
Hermann aber verschwindet in seinem Haus und kommt gleich darauf mit den Einmachgläsern wieder, die er im Schnee abstellt.
Renate und Susi verstauen die Gläser in ihren Rucksäcken.
Der Troll läuft zurück und als er wieder kommt zieht er seinen Schaukelstuhl hinter sich her.
Opa Schindel nimmt den Stuhl unter den Arm und dann gehen sie gemeinsam nach Hause.
Sehr viel später, als Hermann in seiner neuen gemütlichen Stube in der Ecke des Schuppens in seinem Schaukelstuhl sitzt, einen Teller voller Plätzchen auf dem Schoß, eine lecker duftende Tasse Kakao auf dem Tisch neben sich, da ist er doch recht zufrieden mit seiner neuen Behausung.



Am nächsten Morgen kommt eine der Langhaare, Susi heißt sie wohl, zu ihm in den Schuppen und fragt, ob er mit ihnen kommen möchte, sie wollen seine Tanne im Dorf bewundern.
Erst will er nicht, doch dann siegt die Neugier, vielleicht waren es ja auch die Plätzchen, die das andere Langhaar bringt und sich der Bitte anschließt.
Hermann wird in Susis Rucksack gesteckt und nun gehen die vier mit dem Troll auf dem Rücken ins Dorf.
Hermann staunt, wie wunderschön seine Tanne aussieht. Sie ist geschmückt mit Kugeln, Strohsternen, Engeln und Lametta und hunderte von Lichtern leuchten.
Als dann die Menschen noch anfangen zu singen, da wird es dem Troll ganz eigenartig ums Herz.

Und er ist stolz auf seinen Baum, er nun in einem wunderbaren Licht erstrahlt.







Kommentare:

  1. Ach meine liebe Lore, da warst du wieder in deinem Element! Soooooo schön war sie, deine Geschichte von Hermann! Wir könnten übrigens miteinander verwandt sein, der Hermann und ich: Ich mag auch gerne etwas Süßes - und außerdem bin ich schon jetzt gespannt, welche Abenteuer er noch bestehen muss in deinen weiteren Geschichten! Ich schick dir liebe Grüße - bis ganz bald! LG Martina

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  2. Liebe Lore, oh wie schön, das schreit nach Fortsetzungen. Schade, dass wir demnächst nur monatlich dran sind. Alles Liebe Eva

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  3. Das ist wieder ein schönes Märchen und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Vielen Dank für die tolle Geschichte vom Troll.
    LG Elke

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  4. Ach Lore, das ist eine Geschichte, die unverkennbar aus Deiner Feder stammt. So niedlich. Und auch ich bin der Meinung, dass eine Fortsetzung ein unbedingtes Muss ist, denn Deine Geschichten machen richtig süchtig nach mehr.
    Ich habe Deine Geschichte echt genossen und der Herrmann ist gar kein böser Troll, da kann er sich noch so sehr anstrengen, er ist und bleibt einfach liebenswert.
    LG
    Astrid

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  5. Liebe Lore,
    auch mir hat Deine Geschichte gut gefallen - obwohl ich ja bekanntlich nicht gerade ein Faible für Trolle, Zwerge, Wichtel und Feen habe.
    Aber Herrmann ist einfach liebenswert, und ich hoffe, ich erfahre noch mehr von ihm. Es muss ja nicht im Rahmen der Reizwörter sein ... **grins**.
    Liebe Grüße
    Christine

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.