Mittwoch, 16. März 2016

Ich lade gern mir Gäste ein - Das Schneedorf 2

Gestern hat es bei uns dicke Flocken geschneit und heute strahlt die Sonne von einem wolkenlosen hellblauen Himmel.
Winter und Frühling kämpfen noch um die Herrschaft.
Ich möchte die Winterzeit hier auf meinem Blog mit einer Geschichte abschließen.
Wie ihr wisst stelle ich unter dem Motto
 'Ich lade gern mir Gäste ein' 
Erzählungen von kreativen Menschen, die keinen eigenen Blog haben, ein.
Vor einiger Zeit habe ich das Schneedorf von einem Kollegen meiner Tochter hier vorgestellt.
Hier ist der Link dazu:
Das Schneedorf 

Nun gibt es noch eine Fortsetzung.
Viel Spaß beim Lesen!




 
Geheimnisse zwischen Fantasie und Wirklichkeit


Lange 6 Tage beobachtete der Baumeister nun schon , wie sein Schneedorf dahinschmolz.
Schuf am Anfang das Schmelzen noch neue,interessante Formen, so nahm, mit der Zahl der warmen Tage, die Trostlosigkeit im Dorf zu.
Jetzt war nur noch schwer etwas Schönes zu entdecken und der Baumeister gab sich wahrlich Mühe.
Grau war nun der einstmals strahlend weiße Schnee geworden und der Schmutz, den der Schnee schützend eingeschlossen hatte, trat zu Tage.
Mit diesen Eindrücken ging der Baumeister, nachdem er noch einmal eine Kerze auf den Schneeresten entzündet hatte, zu Bett.
Er konnte erst keinen richtigen Schlaf finden, der kam dann aber doch noch mit einem wunderschönen Traum.
In diesem Traum sah der Dorfbaumeister noch einmal all seine Bauten in strahlender Schönheit vor sich. Die Sonne ging hell über dem Dorf auf und der Schnee begann zu schmelzen.
Die Schneekristalle bekamen große Angst, dass sie nun sterben müssten, gerade jetzt, wo sie soviel Spaß an ihrem Dasein hatten.
Die Sonne merkte das und sprach beruhigend auf die Schneekristalle ein.“Ich kann eure Angst verstehen“, sagte sie.
Als sie merkte, dass die Schneeflocken dadurch nicht zu Ruhe kamen fuhr sie fort:
Ich werde aus euch Wassertropfen machen und euch auf eine große Reise schicken.“
Reisen! Das klang verlockend für die Schneekristalle, hatten sie doch schon einmal ein lange Reise gemacht und als sie auf der Erde landeten ihr Glück gefunden.
So geschah es, dass die Schneeflocken als Wassertropfen das Dorf verließen.
Erst ein Schneekristall, dann noch Eines und dann immer mehr, bis nur noch die grüne Wiese blieb wo einst das Schneedorf gestanden hatte.
In seinem Traum verfolgte der Baumeister die Wassertropfen auf ihrer Reise.
Er sah sie sich ausruhen und als Tau auf der Wiese liegen. Andere Tropfen wieder hingen an Grashalmen und funkelten wie die schönsten Diamanten in der Sonne.
Die Pflanzen, Menschen und Tiere freuten sich über das Wasser, als es ihren Durst stillte.
Aber es gab auch Tränen der Trauer, wenn das Wasser in Flutwellen Land und Häuser wegriss und Kirchtürme und Minarette unterspülte und so zum Einsturz brachte.
So kam es, dass einige Wassertropfen sich wünschten, lieber wieder Schneeflocken zu sein.
Die Sonne redete mit dem Frost und der versprach aus einigen Wassertropfen wieder Schneeflocken zu machen.
Bevor er das tat, sprach er noch einmal mit den Wassertropfen und sagte ihnen, dass er ihnen nicht versprechen könne, dass sie als Schneekristalle nur Freude auf die Erde bringen würden.
Als eine Lawine aus Schnee donnernd auf sein Schneedorf zuraste erwachte der Dorfbaumeister aus seinem Traum.
Erschrocken zog er sich an, ging aus dem Haus, dorthin wo sein Dorf aus Schnee gestanden hatte.
Verwundert sah er hier nun einen Regentropfen an einem Grashalm hängen, der schöner als jeder Diamant der Welt in der Morgensonne funkelte.
Mit etwas Wehmut freute sich der Baumeister nun auf den Frühling



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