Freitag, 8. April 2016

Die große Sehnsucht

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde von denen sich eure Schulweisheit nichts träumen lässt:“
William Shakespeare (1564 – 1616)

Vor kurzem fand ich im Internet eine Geschichte, die mich sehr berührte.
Ein Ehepaar verlor durch einen unverschuldeten Unfall ihre drei kleinen Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen.
Monate später wurde die junge Frau wieder schwanger und bekam Drillinge, ein Junge und zwei Mädchen.
Als wären die Seelen zurück gekehrt.
Diese Begebenheit hat mich zu einer kleinen Geschichte inspiriert.
Vielleicht gefällt sie euch.



Die große Sehnsucht

Ach Mama müssen wir denn schon gehen, nur noch einmal Karussell fahren,“ bat die kleine Marnie und sah ihre Mutter flehend an. Doch diese schüttelte bedauernd den Kopf. Auch Bernd und Angela waren enttäuscht aber sie wussten, wenn die Mutter nein sagte, dann hieß es nein.
Nachdem Frau Dorfner die drei auf dem Rücksitz angeschnallt hatte, setzte sie sich hinters Steuer und fuhr los. Um diese Zeit war wenig Verkehr und sie kam zügig voran. Auf einmal schoss aus einer Nebenstraße ein Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit.
Ein entsetzliches Knirschen und Krachen. Dann Stille!
Die hintere Tür des total verbeulten Wagens öffnete sich und die drei Kinder schlüpften heraus.
Verwundert sahen sie sich um. Die Straße glich einem Schlachtfeld. Zerfetzte Reifen und Autoteile lagen herum und Gestank und Rauch lag in der Luft.
Eine mollige Frau in einem weißen Gewand stand am Straßenrand und lächelte ihnen entgegen. Einladend streckte sie die Hand aus. „Kommt mit mir.“
Bernd nahm seine Schwestern an der Hand und ging einem inneren Zwang folgend mit ihnen zu der Frau hinüber.
Wohin gehen wir?“
An einen schönen Ort, wo ihr viele Kinder treffen werdet. Es wird euch gefallen.“
Und Mama?“ flüsterte Marnie.
Keine Sorge, es wird ihr geholfen werden.“
In dem Moment waren Sirenen zu hören und Polizei, Feuerwehr und ein Sanitätswagen sauste die Straße entlang.
Die Kinder aber fühlten sich auf einmal leicht und schwebten nach oben und verschwanden in den Wolken.
Wie staunten sie, als sie auf einer wunderschönen riesengroßen Wiese landeten. In der Ferne konnte man viele kleinen Häuser erkennen, etwas größer als Puppenhäuser.
Viele Kinder liefen herum, singend, lachend, fröhlich. Manche hatten ganz altmodische Kleider an, als stammten sie aus einem anderen Jahrhundert, aber alle sahen glücklich aus.
Wo sind wir hier?“
Im Kinderparadies, kommt ich zeige euch eure Zimmer.“
Staunend folgten die Geschwister Tante Elfriede, wie sie die nette Dame nennen sollten, in ein wunderschönes kleines Häuschen, ein kleiner Hund lief ihnen entgegen.
Tante Elfriede lächelte: „ Das ist Schnurzel, er gehört euch, habt ihr euch nicht immer einen Hund gewünscht?“
Glücklich lächelten die Kinder und streichelten den Hund, der aufgeregt zwischen ihnen herum sprang.
Wie staunten sie aber, als sie ihre Zimmer sahen, denn alles was sie sich immer schon gewünscht hatten, war vorhanden. Kein Wunsch blieb offen.
Tante Elfriede führte sie dann in ein riesiges Haus, in dem alle Kinder des Paradieses sich zum Essen trafen.
Und nun lernten die Geschwister auch die anderen kennen.
Essen durften sie was sie wollten, was besonders Bernd freute. Durfte er nun endlich all die Dinge essen, die ungesund waren, denn im Himmel wurde niemand krank.
So verging die Zeit und jeder Tag brachte etwas Neues.
Die kleine Marnie aber wurde immer trauriger, oft saß sie irgendwo versteckt unter einem Busch und weinte bitterlich.
Dort fand sie eines Tages Tante Elfriede.
Was hast du denn, meine Kleine, gefällt es dir nicht hier?“
Ich will zu meiner Mama!“ heulte das Mädchen auf und warf sich dem Engel in die Arme.
Bernd und Angela, die ihre Schwester gesucht hatten, standen traurig und betroffen neben den Beiden und auch ihnen liefen die Tränen über die Wangen.
Tapfer hatten sie ihre Sehnsucht nach den Eltern unterdrückt, doch bei dem Schmerz ihrer kleinen Schwester konnten auch sie sich nicht mehr zurück halten.
Tante Elfriede sah bestürzt von einem zum anderen.
Sie war etwas ratlos, doch dann stand sie entschlossen auf.
Mit Marnie auf dem Arm, winkte sie Bernd und Angela ihr zu folgen.
Sie flogen eine Wolke höher und standen plötzlich vor einem goldenem Tor.
Der Engel klopfte und das Tor öffnete sich wie von unsichtbarer Hand.
Elfriede ging zielstrebig mit den Kindern zu einer großen Kirche und bat die Kinder hier zu warten, während sie in einer Seitentür verschwand.
Es dauerte lange bis sie wieder kam, aber sie strahlte über das ganze Gesicht.
Ich habe mit dem Herrn gesprochen, ihr dürft wieder zurück zu euren Eltern.“
Jubelnd fielen die Kinder ihr in die Arme.
Einige Monate später bekam das Ehepaar Dorfner Drillinge. Zwei Mädchen und einen Jungen.

© Lore Platz


Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    eine ganz berührende, zu Herzen gehende Geschichte.
    Danke dafür.
    Ich wünsche dir einen guten Start ins Wochenende
    Irmi

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  2. Liebe Lore, ich glaube an so etwas auch. Gott nimmt und Gott gibt.Schön erzählt. Alles Liebe Eva

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  3. Ach, liebe Lore, das ist wirklich eine zu Herzen gehende Geschichte! Wünschen wir uns, dass es wirklich so ist! --- Sonnige Grüße! Martina

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  4. Liebe Lore,
    ich habe jetzt richtig Gänsehaut bekommen.
    Manchmal geschehen auf der Erde Dinge, die lassen sich nicht erklären. Aber irgendwie glaube ich, dass göttliche Fügung eine Rolle spielt.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.