Freitag, 22. April 2016

Friederike und das schreckliche Ding







Friederike und das schreckliche Ding


Friederike sitzt in der Ecke des Sofas, den Mund verkniffen und in den Augen blitzt es ärgerlich.
Stirn runzelnd beobachtet sie die drei Mädchen, die auf dem Teppich knien und auf das komische längliche Ding starren und kichern.
Wie sie dieses Ding hasste, denn seit Lena es von ihrer Paten - Tante bekommen hatte, war sie, Friederike Luft für sie.
Ein tiefer Seufzer entfährt ihr, unhörbar für die Mädchen, denn Friederike ist eine Puppe.
Bis vor kurzem war sie noch der Mittelpunkt im Leben von Lena und ihren Freundinnen.
Traurig denkt sie an die Teepartys zu denen Lena sie immer besonders schön angezogen und immer wieder eine neue Frisur ausprobiert hatte.
Und wie elegant auch ihre Freundinnen gekleidet waren und wenn sie dann an dem zierlichen hübsch gedeckten Tisch saßen fühlten sie sich wie große Damen und erzählten sich, was sie erlebt hattenseit ihrem letzten Treffen.
Natürlich konnten ihre Puppenmütter sie nicht hören, aber es war einfach schön.
Und heute haben Tina und Merle nicht einmal ihre Puppen mitgebracht, dabei hätte Friederike ihnen so gerne ihr Leid geklagt.
Sicher sitzen auch sie vergessen in einer Ecke und das alles nur wegen dem komischen Ding, das ab und zu piepte.
Pah, was für ein jämmerlicher Ton überhaupt, dabei konnte sie doch laut und deutlich 'Mama' sagen, wenn man sie drückte.
Lucky, der Dackel gibt der angelehnten Tür einen Stups und kommt auf seinen krummen Beinen ins Zimmer gewackelt.
Fröhlich bellend umkreist er die Mädchen, doch Lena wehrt ihn ab.
Verschwinde wir können dich nicht brauchen!“
Der Hund schaut sein Frauchen traurig an und läuft mit hängenden Ohren zum Sofa, wo er nach einigen Anläufen neben der Puppe landet.
Er rollt sich zusammen und legt die Schnauze auf die Pfote.
Dich können sie wohl auch nicht nicht brauchen und das alles wegen dem Ding,“ seufzt Friederike.
Ja, seit Lena das Handy von ihrer Tante zum Geburtstag bekam, hat sie für nichts anderes mehr Interesse, selbst ihre Mutter schimpft schon,“ murmelt Lucky.
Sie nimmt es sogar mit ins Bett,“ meldet sich Teddy und fügt traurig hinzu, „seit dem darf ich nicht mehr bei ihr kuscheln.“
Ja wir sind für sie unwichtig geworden, wie ich dieses dämliche Ding hasse!“ ruft Friederike.
Der Dackel nickt zustimmend und schließt die Augen. Friederike und Teddy unterhalten sich leise.
Lenas Mutter steht auf einmal an der Tür und schimpft. „Lena habe ich nicht gesagt, du sollst nicht immer mit dem Handy spielen.“
Ach Mama, die Spiele sind doch so cool.“
Kommt zum Essen, aber das Handy bleibt hier!“
Mit einem bedauernden Blick legt das Mädchen das Handy auf den Schreibtisch und folgt ihren Freundinnen in die Küche.
Friederike fixiert nachdenklich das schreckliche Ding.
Lucky!“
Verschlafen öffnet der Dackel die Augen.
Ich habe eine Idee! Wir müssen dieses fürchterliche Ding verschwinden lassen!“
Aber wie denn?“ fragt Teddy ratlos.
Lucky muss uns helfen!“
Und wie stellst du dir das vor!“ fragend sieht der Hund die Puppe an.
Du kannst als einziger von uns das Haus verlassen, trage es einfach nach draußen.“
Der Dackel bellt vergnügt. „Ich werde es im Garten vergraben!“
Er springt vom Sofa auf den Stuhl und stemmt sich mit beiden Pfoten an der Schreibtischkante ab. Mit der Schnauze versucht er das verhasste Spielzeug herunter zu stoßen.
Friederike und Teddy jubeln, als es ihm nach einigen vergeblichen Versuchen endlich gelingt.
Lucky grinst, schnappt sich das Gerät und verlässt das Zimmer. Vorsichtig schleicht er an der Küche vorbei und zwängt sich durch die Hundeklappe hinaus in den Garten.
Mit fliegenden Ohren saust er in die hinterste Ecke, lässt seine Beute ins Gras fallen und beginnt zu graben.
Bald ist das Handy gut versteckt in der Erde und voller Stolz marschiert der kleine Held zurück.
Die Mädchen sitzen immer noch in der Küche.
Der Dackel aber marschiert stolz zurück ins Kinderzimmer, legt sich aufs Sofa, als wäre nichts gewesen.
Die drei freuen sich und erwarten kichernd die Rückkehr der Mädchen.
Ist das eine Aufregung, als die Mädchen zurück kommen und das Handy nicht mehr zu finden ist.
Sie stellen das ganze Kinderzimmer auf den Kopf, doch es bleibt verschwunden.
Teddy darf heute Abend wieder mit ins Bett und freut sich wie ein Schneekönig, auch wenn sein Fell ganz nass wird von Lenas Tränen.
Gleich als das Mädchen aufsteht beginnt es wieder mit ihrer hektischen Suche und Friederike bekommt schon ein schlechtes Gewissen.
Doch als am Nachmittag Merle und Tina mit ihren Puppen kommen und sie wieder Teeparty spielen, da weiß sie, dass sie richtig gehandelt hat und heute hat sie ihren Freundinnen sehr viel zu erzählen.

© Lore Platz

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!


Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    wieder eine sehr schöne Geschihte.
    Ich nehme sie mit ins Wochenende.
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht dir
    Irmi

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  2. Wieder eine schöne Geschichte. Diese verflixte Technik, aber das hätte sich auch irgendwann einmal gelegt. Ein schönes Wochenende und LG Christa

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  3. Liebe Lore,
    das ist eine schöne Geschichte. Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, dass Handys in Kinderzimmern gar nichts zu suchen haben. Später, wenn sie älter sind, dann lässt sich das irgendwann nicht mehr umgehen, aber es darf nicht zu früh sein und Eltern sollten den Kindern ein gutes Beispiel geben und auch selbst nicht ständig mit dem Handy anzurtreffen sein.
    Ein schönes Wochenende dir und liebe Grüße
    Regina

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  4. Liebe Lore, habe die Geschichte meinem Mann vorgelesen, wir mussten lachen, könnte bei mir auch mal so sein, dass mein tablet verschwindet. Aber bei so kleinen Mädchen muss das nicht sein, dass das handy dominiert, da müssen die Eltern wirklich aufpassen. Liebe Grüße Eva

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  5. Liebe Lore,
    auch mir gefällt Deine Geschichte. Du hast ein ganz aktuelles Thema aufgegriffen. Schon im Kleinkindalter bekommen manche Kinder von ihren Eltern Handys in die Hand gedrückt. Auch wenn sie darauf Bildchen sehen, ist dies kein Ersatz für ein ganz normales Bilderbuch und die Zuwendung der Eltern.
    LG und einen schönen Sonntag
    Astrid

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  6. Liebe Lore,
    was für ein Glück, dass wir keinen Hund haben! Andernfalls müsste ich mein Handy oder das Tablet auch irgendwo in den Blumenbeete vor unserem Haus suchen ...**grins**.
    Deine Geschichte passt wunderbar in diese technik-verrückte Zeit!
    Liebe Grüße, und ein schönes Wochenende!
    Christine

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.