Sonntag, 15. Dezember 2019

Hermann, Herminchen , Niki und der kleine Engel

Heute geht es um die Reizwörter:


Engelshaar, Stern, glitzern, jubeln, glücklich




Als ich mit dieser Geschichte zu schreiben begann, stolperte ich buchstäblich über den Engel.
Die Engel gibt es nur in der Mehrzahl, ansonsten heißt es der Engel.
Aber nun wollte ich über einen weiblichen Engel schreiben.
Doch wie bezeichnet man dieses Wesen.
Engelin, klingt doch scheußlich.
Also gab ich Nikis kleiner Freundin aus dem Himmel einfach einen weiblichen Namen.








Hermann, Herminchen , Niki und der kleine Engel

Niki, der kleine Wichtel tollt mit den Hasenkindern im Schnee herum.
Die Frau, die man Oma nannte, hat ihm einen dicken warmen Pullover, einen kuscheligen Schal und Handschuhe gestrickt.
Hermann tritt aus der Tür und streckt sich. Bautsch trifft ihn ein Schneeball und er sieht gerade noch wie Niki hinter einem Baum verschwindet.
Na warte du Schlingel!“
Mit zwei Schritten ist der Troll bei seinem Sohn und reibt, den sich kichernd windenden mit Schnee ein.
Herminchen von dem Lärm angelockt kommt vor die Tür und betrachtet kopfschüttelnd ihren Mann.
Männer sie werden doch nie erwachsen.
Wenn ihr fertig seid mit spielen, dann kommt zum frühstücken.“
Den jungen Hasen aber rief sie zu: Sagt eurer Mutter, der Mann ohne Haare hat gestern abend die Futterkrippen neu gefüllt.“
Hurra!“ jubeln diese begeistert und hoppeln wie der Blitz davon.
Ein Kichern ertönt und hinter einem Baum kommt eine kleine Gestalt hervor, barfuß, gekleidet in ein schneeweißes Kleid.
Langes lockiges helles Haar umhüllt die zierliche Gestalt und wenn man genau hinsieht, erkennt man auf dem Rücken leichte fedrige Flügel .
Niki stutzt, dann juchzt er: „Sabrina!“ und umarmt das Wesen stürmisch.
Niki, du erdrückst mich ja!“
Der Wichtel lässt sie los, nimmt ihre Hand und führt sie zu seinen Adoptiveltern.
Das ist Sabrina, meine beste Freundin im Himmel!“




Hermann kratzt sich am Kopf.
Und ich dachte immer, es gibt keine weiblichen Engel!“
Gibt es doch“, ruft Sabrina schnippisch und wendet sich mit blitzenden Augen an ihren Freund.
Du hast ihnen also nichts von mir erzählt, so schnell hast du mich vergessen!“
Niki wird etwas rot.
Ich habe meinen neuen Freunden sehr wenig vom Himmel erzählt, weil,“ er deutet auf sein Herz,
es hier so weh tut.“
Ach ja und ich habe mich in Lebensgefahr gebracht, nur um dich zu besuchen!“
Nun kommt herein zum frühstücken.“ unterbricht Hermine das Geplänkel.
Niki holt für Sabrina, die ihn keines Blickes würdigt, ein Gedeckt und erklärt ihr, dass es hier fast dasselbe Essen gibt wie im Himmel.
Aufgeregt erzählt er nun von seinem Leben auf der
 
Erde und den vielen Freunden, die er hier gefunden hat und bemerkt gar nicht, wie Sabrina immer stiller wird und auf einmal purzeln Tränen aus ihren Augen.
Warum weinst du?“ ruft der Wichtel erschrocken und Hermine fährt tröstend über den Lockenkopf des Engels.
Weil, weil du mich und alle deine Freunde im Himmel vollkommen vergessen hast.“
Das stimmt nicht, ich denke jeden Tag an euch, ich spreche nur nicht darüber, weil ich meinen Eltern nicht weh tun möchte.“
Warum sollte uns das weh tun!“ rufen Hermann und Hermine.
Weil ich dachte, dass es euch traurig macht und vielleicht denkt ihr dann, ich wäre nicht glücklich bei euch.“
Niki umarmt abwechselnd seine Eltern und Hermann brummt.
Du dummer Bub, als St Nikolaus dich als Baby hier im Wald fand, da wurde der Himmel deine Heimat, obwohl du spürtest, dass du nicht dahin gehört.
Als du letztes Jahr zu uns kamst und uns erlaubt wurde, dich als unseren Sohn zu behalten, da waren wir sehr glücklich, denn wir hatten dich lieb gewonnen. Und wir spürten, dass du bei uns glücklich bist.
Wir wunderten uns zwar, weil du nie über dein Leben im Himmel gesprochen hast, aber wir dachten es würde dir weh tun.“
Hermine sieht ihren Mann erstaunt an.
Soviel hat du noch nie gesprochen.“
Naja, wenn der Bub sich doch so unnötige Gedanken macht.“
Sabrina, die eben noch geweint hat, fängt schallend zu lachen an.
Was seid ihr doch komisch, ihr wollt Niki nicht verletzen und Nike wollte euch nicht verletzten.
Da ist es ja gut, dass ich gekommen bin und das geklärt ist.“
Nun fangen sie alle zu lachen an.
Die praktische Hermine steht auf und erklärt:
Niki und Sabrina, ihr räumt den Tisch und spült das Geschirr. Hermann und ich beladen den Schlitten.“
Niki erzählt Sabrina unterdessen von dem Mann ohne Haare, der Frau die man Oma nennt und den beiden Langhaaren Renate und Susanne.
Der Engel ist sehr neugierig auf die Menschen und als sich die Tür öffnet, denkt sie aha. Das ist der Mann ohne Haare und die Dame dahinter, die Frau die man Oma nennt.
Dass sie die beiden Mädchen erst am Wochenende kenne lernen wird hat ihr Niki schon gesagt.
Hermann stellt seinen kleinen Gast seinen Freunden vor. 




Als Sabrina das Zimmer betritt, staunt sie.
Das glitzert ja wie bei uns im Himmel.“
Frau Schinkel strahlt. „Das freut mich, wenn du denkst meine Wohnzimmer ähnelt dem Himmel.“
Als sie alle gemütlich sitzen will Herr Schinkel wissen, wie Sabrina denn auf die Erde gekommen ist.
Diese grinst verschmitzt und erzählt ihnen, dass sie unbedingt Niki besuchen wollte. Also hat sie sich an
eine Sternschnuppe gehängt, die gerade auf den Weg zur Erde.
Leider hatte sie vergessen, dass diese ja unterwegs verdampft und beinahe wäre es schlimm für sie ausgegangen,wenn nicht der gute Papa Mond alles beobachtet hätte und ihr blitzschnell einen silbernen Mondstrahl gesandt hätte, der sie hier Wald absetzte.
Na dann ist ja alles noch einmal gut gegangen.“ lächelt Opa Schinkel.
Sabrina achtet gar nicht auf ihn, sondern beugt sich zu Niki und flüstert. „Warum sieht die Frau, die man Oma nennt, mich immer so an.





Der Wichtel kichert. „Sie nimmt Maß!“
Was?“
Sie strickt für ihr Leben gern und wird dich bald von Kopf bis Fuß neu einkleiden, damit du es schön warm hast.“
Aber Engel frieren doch nicht!“
Das stört die Oma nicht, warte nur ab.“
In dem Moment sagt Frau Schinkel:
Wie wäre es, wenn ihr hier übernachtet,die Mädchen kommen Morgen und würden sich riesig freuen und außerdem könnte ich für unseren kleinen Gast etwas warmes zum Anziehen stricken.“
Sabrina will schon protestieren und erklären, dass Engel nicht frieren, doch Niki wirft ihr einen bittenden Blick zu und flüstert.
Nun lass ihr doch die Freude.“

Sabrina schnaubt nur, folgt aber dann doch der alten Frau ins Nebenzimmer, um sich Maß nehmen zu lassen.

Sie kommen, sie kommen!“ aufgeregt hüpft Niki auf und ab, als das Auto vorfährt.
Sabrina stellt sich neben ihn und beobachtet wie die Mädchen aus dem Wagen springen und ihr Vater ihnen langsam folgt.
Dann sollte ich mich wohl verstecken,“ und schnell schlüpft sie hinter dem langen Vorhang.
Oma, Opa, wir sind daaa!“ erklingt es zweistimmig und die Mädchen stürzen herein.
Hermann, Hermine, oh wie schön ihr seid auch da, ist Niki auch mitgekommen.“
Ja, er ist im Wohnzimmer,“ brummt Opa und begrüßt seinen Sohn mit Handschlag.
Oma küsst ihren Jungen auf die Wange.
Willst du noch mit frühstücken?“
Nein Mama, aber ich und Ulla kommen doch Morgen und ich freue mich schon auf deinen Sauerbraten.“
Ein Kuss, ein Winken und weg ist er .
Renate und Karin haben inzwischen Niki stürmisch begrüßt und die Trolle sitzen bereits am Tisch.
Hermann linst begehrlich zu den Brötchen, doch als er seine Hand ausstreckt, erhält er einen Klaps von Herminchen.
Willst du wohl warten bis alle am Tisch sitzen.“
ja gib‘s ihm nur, lange habe ich versucht ihm Benehmen beizubringen.“ lacht die Oma.
Hermann wird rot.
Hermann kann sich sehr wohl benehmen, er ist ein richtiger Gentleman!“ rufen die Mädchen empört.
Herminchen schnaubt und die Oma kichert.
Lasst den armen Hermann in Ruhe, setzt euch lieber.“ brummt der Opa.
Karin fällt es als erstes auf.
Oma, du hast dich verzählt,oder dachtest du Papa bleibt zum Frühstück.“
Die Oma lächelt geheimnisvoll.
Das Gedeck ist für unseren Gast.“
Wo ist er denn?“
Hier!“ ruft Sabrina und kommt aus ihrem Versteck.
Bist du das, was ich denke,“ flüstert Renate ehrfürchtig und betrachtet staunend die Flügel.
Sabrina nickt lächelnd und die Mädchen springen auf und bestürmen den Engel mit Fragen.
Hermann aber wird immer trauriger, das konnte ja lange dauern und dabei hatte er doch so Hunger.
Opa, der Mitleid mit ihm hat, ruft energisch.
Schluss jetzt, erzählen könnt ihr später, jetzt wird gefrühstückt,“ und an Hermann gewandt, „du hast so lange warten müssen, du darfst dir das erste Brötchen nehmen.“
Hermann strahlt.




Am Nachmittag gehen Opa, die Mädchen , Niki und Sabrina in den Wald.
Es war Tradition im Hause Schinkel, dass am Samstag vor dem ersten Advent, der Weihnachtsbaum im Wald ausgesucht wird.
Opa zieht den Schlitten, der voll beladen mit Futter für die Tiere ist.
Die Kinder helfen ihm voller Freude beim Abladen an der Futterkrippe.
Die Tiere, die schon lange keine Angst mehr vor ihren Menschen haben, kommen herbei und sehen ihnen zu.
Ganz vorwitzige versuchen sogar vom Schlitten zu naschen.
Nan,na,“ brummt Opa Schinkel gutmütig, „so ausgehungert könnt ihr doch gar nicht sein.“
Sabrina betrachtet das alles mit großen Augen und denkt: Nun kann ich verstehen warum es Niki hier unten so gut gefällt, bei diesen netten Menschen.
Und sie wird ein wenig traurig, denn sie weiß, dass Niki und sie nun in zwei verschiedenen Welten leben, denn niemals könnte sie hier auf der Erde glücklich sein. Ihre Heimat ist der Himmel.
Aber wie sollte sie eigentlich in den Himmel zurück kommen?
Aus ihren Gedanken heraus fragt sie die Mädchen:
Kommt St. Nikolaus in der Stadt zu Euch oder hier bei euren Großeltern?“
Er kommt hierher und wenn wir Schule haben, stellen Oma und Opa unsere Schuhe vor die Tür und
wir kommen dann am nächsten Tag mit unseren Eltern.“ erklärt Renate und Karin ruft.
Diesmal fällt der Nikolaustag auf Freitag, sodass Papa uns schon nach der Schule ins Forsthaus bringt und wir unsere Schuhe selber raus stellen dürfen. Warum fragst du?“
Ich dachte, vielleicht könnte ich mit St. Nikolaus in den Himmel zurück kehren.“
Nein! Willst du denn nicht hier bleiben.“ ruft Niki erschrocken.
Das geht doch nicht , meine Heimat ist der Himmel und deine Heimat ist jetzt hier.“
Nun ihr habt doch noch eine ganze Woche, die ihr gemeinsam verbringen könnt.“ tröstet Karin.
Kinder kommt, wir wollen nun den Baum aussuchen,“ ruft Herr Schinkel, der inzwischen fertig ist.
Sie streifen lange durch den Wald, bis sie einen Baum finden der allen gefällt.
Der Mann ohne Haare holt einen Stift aus seiner Hosentasche und kennzeichnet den Baum.
Warum macht er das?“ flüstert Sabrina und Niki erklärt: „Damit die Holzfäller, die den Baum am Samstag vor dem vierten Advent bringen, ihn auch finden.“
Und im Frühjahr dürfen wir helfen Opa einen neuen Baum zu pflanzen.“ erklären die Mädchen.
Auf den fragenden Blick des Engels sprechen sie weiter.
Opa gehört dieser Wald und er muss ihn hegen und pflegen. Jedes mal wenn ein Baum gefällt wird, muss ein neuer Baum gepflanzt werden, so bleibt der Kreislauf der Natur erhalten.“

Als sie nach Hause kommen wartete Oma schon mit Kakao und Plätzchen.
Die Kinder schwärmen von dem schönen Baum und freuen sich schon darauf ihn zu schmücken.
Denn zur Tradition Schinkel gehörte auch, dass am vierten Advent, die gesamte Familie den Weihnachtsbaum schmückt.
Auch Hermann, Herminchen und Niki strahlen, denn sie gehörten inzwischen ja auch zur Familie.
Oma hate sich aus dem Gespräch heraus gehalten, sondern versonnen in ihrer Tasse gerührt.
Nun hebt sie den Kopf und lächelt Sabrina an.
Als ich noch ein Kind war, haben wir den Baum mit Engelshaar geschmückt.“
Haben die Engel euch ihre Haare geschenkt?“
Nein , du bist der erste Engel, denn ich kenne.
Die Haare wurden künstlich hergestellt doch als Kind glaubte ich, dass sie echt wären.“
Das muss sehr schön ausgesehen haben, schade, dass es das heute nicht mehr gibt,“ seufzt Karin.
Ja, es war wunderschön und ich glaubte mich dem Himmel noch näher.“





Niki und Sabrina verbringen eine schöne Woche miteinander, doch viel zu schnell vergeht die Zeit.
Am Freitag treffen sich alle im Forsthaus und jedes der Kinder darf seine Schuhe selbst vor die Tür stellen.
Sabrina würde auf den Nikolaus warten.
Karin, hat bemerkt, dass Nikis Schuhe so klein sind, dass nur ein Bonbon hinein passt.
Sie nimmt Sabrina beiseite und schlägt ihr vor sie den Nikolaus zu bitten doch ein Säckchen neben die Schuhe des Wichtels zu legen.
Der kleine Engel verspricht es.

Das Haus ist still, alle sind schlafen gegangen, nur Sabrina steht am Fenster und blickt hinauf in den sternenklaren Himmel.
Sie lächelt, als sie einen silbernen Mondstrahl zwischen den Bäumen sieht.
Bald würde St. Nikolaus hier sein und schnell eilt sie vor die Tür.
Bald war das lustige Klingeln des Schlittens zu hören und der heilige Mann lacht schon von weitem.
Na, du Racker, habe mir schon gedacht, dass du Niki besuchen wolltest, das nächste Mal frag doch einfach mich, jaja, der Mond hat mir schon berichtet welch gefährlichen Weg du genommen hast.“
Sabrina wird ein wenig verlegen und streichelt den weißen Schimmel, während St. Nikolaus vom Schritten springt.
Als er die Schuhe sieht lacht er schallend.
Wie ich sehe hat Niki auch seine Schuhe heraus gestellt, hm sind ein bisschen klein.“
Ja, deshalb bitten dich auch die Mädchen, dass du doch einen kleinen Sack neben die Schuhe stellst.“
Sind liebe Mädchen, haben den Kleinen wie einen Bruder aufgenommen, deshalb sollen alle drei die gleichen Säckchen bekommen.“
Bald steht neben jedem Schuh ein Säckchen gefüllt mit Leckereien.
Dann schnippt er mit dem Finger und an jeden Sack baumelt links und rechts ein Schuh.
Dann weiß jeder gleich welcher Sack ihm gehört!“
Sabrina winkt ihm, sich zu ihr herunter zum beugen und flüstert ihm etwas ins Ohr, worauf St. Nikolaus herzlich lacht.

Wie freuen sich die drei, als sie am nächsten Morgen ihre Säckchen finden, nur etwas traurig sind sie, dass Sabrina nicht mehr bei ihnen war.
Als Oma ins Wohnzimmer geht, um den Tisch zu decken stößt sie einen überraschten Ruf aus und alle kommen angelaufen und betrachteten erstaunt das große Paket, das mitten auf dem Tisch liegt.
Von wem das wohl ist?“wollen die Mädchen wissen.
Sehen wir doch einfach nach,“ brummte Opa und hebt das Paket an.
Er zieht eine Karte hervor.
Von Sabrina.“
Alle nicken, denn so etwas haben sie schon geahnt.
Liebe Familie ,“
Hermann stößt die Faust in die Luft und ruft, „das sind auch wir.“
Der Mann ohne Haare warf ihm einen strafenden Blick zu und begann von vorne.

Liebe Familie Schinkel,

ich möchte mich von ganzem Herzen bedanken für die liebevolle Aufnahme in eurer Mitte und die schöne Zeit, die ich bei euch erleben durfte. Schade, dass wir den heiligen Abend nicht gemeinsam feiern können. Aber ich schenke euch etwas, das euch immer an mich erinnern wird.

In Liebe Sabrina

Oma öffnet das Paket und goldblonde Locken kommen ihr entgegen.
Sie hat ihr Haare abgeschnitten, damit wir den Baum damit schmücken können.“ flüstert die alte Frau ehrfürchtig.
Und in allen Augen stehen Tränen.






Am Hl. Abend als sie bei Punsch und Plätzchen den wunderschön geschmückten Baum betrachteten, da ist ihnen als würde ein Engel durch den Raum gehen.
Und sie fühlen sich sehr sehr glücklich.

© Lore Platz



Bin gespannt welche Weihnachtsfreude uns

Regina und Martina  schenken.