Mittwoch, 23. Dezember 2020

Herr Oskar und der Engel Fortsetzung

                                    

 

Kurze Zeit später wanderten eine Maus und ein kleiner Engel durch den Wald.

An der Kirche angekommen bat Max den Engel zu warten, denn er wollte erst nachsehen, ob Menschen in der Kirche waren.

Flink schlüpfte die Maus durch die Tür, die einen Spalt geöffnet war und raste kreuz und quer durch die Kirche.

Kunibert betrachtete kopfschüttelnd seinen jungen Verwandten.

Was rast du denn wie ein Verrückter durch die Kirche?“

Ich wollte nur nachsehen, ob Menschen da sind.“

Konrad lachte und sein grauer Schnurrbart hüpfte auf und ab,“ da hättest du doch mich fragen können, hast du nicht an meinen Hinterausgang gedacht.“

Das habe ich in der ganzen Aufregung ganz vergessen,“ kicherte Max.

Dann erzählte er seinem Vetter von dem Engel, der auf die Erde geschickt worden ist, um Pfarrer Gietl zu helfen.

Konrad begann zu strahlen.

Das wird mein schönstes Weihnachtsfest!

Jede Nacht wenn alle schlafen, kommt der Pfarrer in die Kirche und betet und dabei laufen ihm die Tränen übers Gesicht. Wie gerne würde ich ihm helfen, aber nun hol den Engel herein.“

Staunend sah dieser sich in der kleinen aber hübschen Kirche um. Vor dem Altar war die Krippenszene nachgestellt. Darüber hing ein großer Adventskranz und bei drei der Kerzen war der Docht schwarz und Morgen würde die vierte Kerze angezündet.

Gefällt dir unsere Kirche. Max hat mir erzählt warum du hier bist, komm setzen wir uns auf eine Bank und reden darüber.“

Konrad erzählte nun, dass Pfarrer Gietl jede Nacht weinend in der Kirche betet. Und Franziskus erzählt ihm, was die Eule über seinen Vater berichtet hat.

Nun steckten sie die Köpfe zusammen und berateten.

Erschrocken fuhren sie auseinander, als sie Stimmen hören.

Das sind die beiden Frauen, die die Kirche putzen und die Blumen richten,“ flüsterte Konrad.

Die Mäuse verschwanden in Konrads Wohnung. Der Engel aber lief zur Krippe, kniete sich nieder und faltete die Hände.

Ein schlaues Kerlchen,“ grinste Max.



In der Nacht kam der Pfarrer durch die Sakristei in die Kirche, betete und dabei liefen ihm die Tränen über das Gesicht.

Franziskus schlich leise durch die Kirche und setzte sich still neben den Betenden.

Als dieser sich schwerfällig erhob, sah er den kleinen Kerl neben sich.

Was machst denn du so spät noch hier, solltest du nicht Zuhause im Bett liegen. Deine Eltern werden sich Sorgen machen.“

Franziskus kicherte. „Ich bin ein Engel und wurde von Gott gesandt, um dir zu helfen.“

Pfarrer Gietl fuhr sich über die Augen und betrachtete sich den kleinen Gesellen genauer, das weiße Kleidchen und tatsächlich die kleinen Flügel, die hinten am Rücken hervor spitzten.

Träumte er?

Konrad und Max liefen auf der Bank auf sie zu und machten Männchen.

Der junge Mann schlug beide Hände vors Gesicht und murmelte.

Nun macht sich der Schlafmangel bemerkbar. Ich habe Halluzinationen.“

Die Mäuse schlichen sich davon, doch der Engel blieb sitzen.

Du bist ja immer noch da,“ rief der Pfarrer, als er die Hände vom Gesicht nahm.

Franziskus grinste.

Sicher, du glaubst doch an Gott und du glaubst auch an Engel. Warum glaubst du nicht, dass Gott deine Gebete erhört und mich gesandt hat, um dir und deinem Vater zu helfen?“

Ich glaube. Ich brauche erst mal Schlaf. Komm mit, du kannst im Pfarrhaus übernachten, aber lass dich nicht von meiner Haushälterin erwischen.“

Es klopfte an der Tür des Zimmers, in dem der Engel übernachtet hatte und der Pfarrer trat ein.

Hier ich habe dir einige Kleider aus dem Paket für die Kleidersammlung heraus gesucht, die Größe dürfte stimmen. Nach dem Frühstück fahren wir zu meinem Vater, ich habe inzwischen seine Adresse erfahren.“

Der Engel zog die Jeans und den warmen Pullover über und folgte dem jungen Mann. Vor der Küche flüsterte dieser. Ich habe meiner Haushälterin erzählt, du hättest dich verlaufen und ich hätte dich in der Kirche gefunden.“

Rosa hatte den kleinen Jungen sofort in ihr Herz geschlossen und verwöhnte ihn direkt, was dieser sich grinsend gefallen ließ.



Franziskus saß angeschnallt auf der Rückbank des Autos und sah staunend wie die Landschaft an ihm vorüberflog.

Vor einem heruntergekommenen Haus hielt das Auto an und die beiden stiegen aus.

Zweifelnd schaute der Engel auf das baufällige Gebäude.

Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“

Oliver Gietl nickte sorgenvoll und öffnete die  zerkratzte Haustür.

Der Engel folge ihm die ausgetretenen Stufen nach oben.

Der Pfarrer klingelt. Schlurfende Schritte näherten sich der Tür, die sich langsam öffnet.

Der junge Mann erschrak. Beinahe hätte er seinen Vater nicht erkannt. Die Kleider schlotterten um den einst so stattlichen Mann, die schneeweißen Haaren hingen in Strähnen in das unrasierte Gesicht.

Papa!“ Er nahm den alten Mann in die Arme und beide weinten.

Franziskus setzte sich leise auf das Sofa und am liebsten hätte er auch geweint.

Lange sprachen Vater und Sohn miteinander und alles was zwischen ihnen lag verschwand. Es zählte nur noch das Heute.

Während sein Vater duschte und sich frisch machte, packte sein Sohn einen Koffer.

Sie hatten beschlossen, dass der alte Herr nun im Pfarrhaus bei seinem Sohn leben sollte.

Schon lange hatte er bereut, dass er damals so hart zu seinem Sohn gewesen war, nur sein Stolz hatte ihn daran gehindert sich zu versöhnen. Erst als das Leben ihn in eine harte Schule genommen hatte, war er demütig geworden.

Und Gott hatte zum richtigen Zeitpunkt seinen Engel gesandt.

Als das Auto vor dem Pfarrhaus hielt bemerkt Oliver erst, dass die Rückbank leer war, nur eine kleine weiße Feder lag noch da.

Danke Franziskus,“ flüsterte er.

Rosa nahm den alten Herrn sofort unter ihre Fittiche. Sie würde ihn schon wieder aufpäppeln.


Als Max in den Wald zurück kehrte und seinen Freunden berichtete was sich im Pfarrhaus inzwischen ereignet hatte, waren allen glücklich und zufrieden.



© Lore Platz







 

Kommentare:

  1. Schade, daß die Geschichte schon endet. Aber sooooo schön war sie !

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  2. Liebe Lore,
    ach schön, dass der Vater seinen Stolz überwinden konnte und nun auch der Sohn glücklich sein kann.
    Es ist so schade um glückliche Stunden, denn es kann ganz schnell anders kommen und eine Krankheit zerstört das Familienglück.
    Schön, dass es ein gutes Ende gibt.
    Danke Lore, wieder hast Du schöne Worte gefunden.
    Bleib gesund und hab eine friedliche , wenn auch dieses Jahr etwas andere Weihnacht und möge das Neue Jahr besser werden.
    Herzlich grüßt Monika , eben MM

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