Montag, 16. Dezember 2019

Hermann und Herminchen und der Weihnachtself

Ich habe eine Serie von zwei Trollen und ihren Menschenfreunden
geschrieben und gestern eine neue Geschichte dazu erzählt. 
Letztes Jahr schrieb ich auch eine Weihnachtsgeschichte und zwar erzählte ich wie Niki zu den Trolls kam.
Ich habe sie jetzt aus dem Keller meines blogs geholt.
Viel spaß beim Lesen!



 
Eva V.

 
Hermann und Herminchen und der Weihnachtself


Hand in Hand und dick vermummt spazieren Hermann und Herminchen durch den den
tief verschneiten Wald zu ihrem gemütlichen Heim.
Sie haben bei dem Mann ohne Haare und dessen Frau, die man Oma nennt gefrühstückt,
Heute war der erste Advent und das Haus war herrlich geschmückt und duftet nach Wald.
Und auf dem Tisch stand ein runder Kranz aus Tannen und darauf waren vier Kerze.
Während des Frühstücks brannte eine Kerze und die Frau, die man Oma nennt hat ihnen erklärt was es bedeutet.
Ganz eigen wird ihnen danach zumute und beide denken, dass die Bräuche der Menschen doch sehr schön sind.
Plötzlich drückt Hermichen Hermanns Hand.
Hast du das auch gesehen, zwischen den Büschen hat es rot geleuchtet. Da schon wieder!“
Nun sieht auch der Troll es.
Komm heraus, wer immer du bist!“
Die Büsche teilten sich und ein kleiner Wichtel mit spitzen Ohren kam schüchtern hervor.
Was für ein süßer Wichtel!“ ruft Herminchen und klatscht in die Hände vor Freude.
Ich bin kein Wichtel,“ sagt dieser scheu, „ich bin ein Weihnachtself.“
Woher kommst du und was ist ein Weihnachtself?“ will Hermann wissen.
Lass ihn in Ruhe, siehst du nicht, wie der Kleine friert, wir wollen ihn mit zu uns nehmen.“
In Herminchen erwachen mütterliche Gefühle, als sie das kleine Kerlchen sieht.
Staunend sieht sich der Weihnachtself in der Wohnung um, wie gemütlich es hier war.
Unter den gütigen Blick der Trollfrau verliert er seine
Scheu und als sie gar noch Kakao und Plätzchen auftischt da greift er tüchtig zu.
Und er erzählt, dass er vom Himmel immer herunter gesehen hat und die Erde und die Menschen kennen lernen wollte. Deshalb hatte er sich auf dem Schlitten des Nikolaus versteckt und ist mit ihm herunter gefahren. Als sie durch diesen Wald fuhren ist er abgesprungen und hat sich versteckt.
Der Elf reißt auf einmal weit den Mund auf und gähnt ganz laut.



Die Trolle lachen und Herminchen bereitet ihrem kleinen Gast ein Bett und deckt ihn liebevoll zu.
Sie gibt ihm einen Kuss und streicht ihm über den Kopf. Glücklich kuschelt sich der Kleine in die Decke und ist fast sofort eingeschlafen.
Hermann beobachtet sein Herminchen besorgt und als sie zurück zu ihm an den Tisch kommt, nimmt er ihre Hand und sagt leise.
Du weißt, dass wir ihn nicht behalten können.“
Die Trollfrau nickt traurig und seufzt bekümmert.
Es wäre so schön einen Sohn zu haben.“
Ja, aber der Feenkönig wollte alle Trolle für immer auslöschen und nur uns beide hat er verschont, aber wir werden auch die einzigen Trolle bleiben.“
Aber er ist kein Troll, vielleicht könnten wir ihn an Kindes statt annehmen?“
Nein, er muss wieder zurück, sicher wird er vermisst.“
Bald gingen auch die beiden schlafen.
Herminchen schläft sehr unruhig und ist lange vor den anderen wach.
Leise zieht sie sich an und verlässt die Höhle.
Über Nacht hat es wieder geschneit und in Gedanken versunken stapft die Trollfrau durch den den tiefen Schnee.
Um diese Zeit begegnet sie noch niemanden so kann sie ungestört nachdenken.
Hermann hat ja Recht, der kleine Elf gehört in den Himmel.
Leise öffnet sie die Tür und lächelt, als sie Hermanns Schnarchen hört.
Vorsichtig tritt sie an das Bettchen ihres Gastes und fängt gellend an zu schreien.
Hermann setzt sich vor Schreck senkrecht im Bett auf und der kleine Elf sieht sie mit weit aufgerissenen Augen erschrocken an.
Was ist denn los?“
Der Kleine hat ein Stück von seinem Ohr verloren, es liegt auf dem Kissen.“
Der Troll springt aus dem Bett und starrt ebenfalls auf ihren Gast.
Dieser tastet neben sich und greift sich das Stück. Sein Gesicht wird flammenrot.
Er greift sich an das andere Ohr, zieht die Spitze ab und hält sie den beiden Trollen entgegen.
Was soll denn das?“ will Hermann wissen.
Ich bin gar kein Elf und habe auch keine Zauberkräfte, bin nur ein einfacher Wichtel. Der
Weihnachtsmann hat mich als Baby in diesem Wald gefunden, meine Eltern lagen erfroren neben mir, da hat er mich mit in den Himmel genommen. Alle waren sehr nett zu mir. Aber ich fühlte immer, dass ich anders war und hatte auch immer so Sehnsucht nach der Erde. Deshalb wollte ich wenigstens so aussehen wie die anderen Elfen und habe mir spitze Ohren gebastelt und angeklebt. Sie lachten mich anfangs aus, doch dann verstanden sie mich.“
Die Trolle sehen ihn einen Moment erstaunt an, dann prusten sie los.
Der Wichtel verzieht beleidigt das Gesicht, „nun lacht auch ihr mich aus.“
Aber du musst doch zugeben, dass das wirklich eine verrückte Idee ist und ziemlich clever,“ lacht Hermann und Herminchen kichert: „Und ich bin froh, dass deinen Ohren nichts passiert ist, alles nur Pappe!“
Nun muss auch der Wichtel lachen.
Wenig später fordert sie Hermann auf, nun endlich zum Frühstücken zu gehen.
Aber wir können den Kleinen doch nicht hier allein lassen und für draußen ist er viel zu leicht angezogen.“
Das haben wir gleich,“ Hermann schnappt sich eine Decke vom Bett und hüllt den kichernden Wichtel darin ein.
Du wirst den Mann ohne Haare und die Frau, die man Oma nennt gern haben. Wie heißt du überhaupt?“
Niki!“

Oma und Opa Schinkel sind begeistert von dem kleinen Niki und dieser sieht sich staunend in der Wohnung um.
Nach dem Frühstück gehen Hermann, Niki und Opa Schinkel in die Werkstatt.
Oma Schinkel, setzt sich an die Nähmaschine, um für den kleinen Kerl warme Kleidung zu nähen und Herminchen, die inzwischen stricken gelernt hat versucht eine Mütze zu stricken.
Kurz vor dem Mittagessen kommen die drei Männer in die Küche und Niki zeigt stolz seine Stiefel, die der Opa ihm gemacht hat.
Und als er dann später noch die warmen Kleider anzieht, ist er überglücklich.
Als sie gegen Abend wieder nach Hause gehen gibt ihnen Oma Schinkel, noch einen Korb mit leckeren Sachen und eine große Thermoskanne mit heißer Schokolade mit.
Für Niki aber beginnt eine herrliche Zeit. Er lernt die Tiere des Waldes kennen, tobt mit den Hasen im Schnee herum, hilft dem Eichkätzchen beim Suchen seiner Nüsse und darf Opa Schinkel helfen, wenn er Futter für die Tiere bringt.
Dafür hatte dieser im Herbst extra eine schöne Futterkrippe gebaut.
Selbst das Herz der grummeligen Frau Eule hat der kleine Schelm gewonnen.
Am Wochenende lernt Nika auch die zwei Langhaare kennen. Susi und Renate sind begeistert von ihm.
Sie bauen mit ihm einen Schneemann und Hermann und Hermichen stehen am Fenster und sehen glücklich zu.

Sie seufzen leise, 'ach wie schön wäre es'
Niki ist todmüde, als sie abends nach Hause gehen und Hermann muss ihn tragen.
Herminchen bringt den Kleinen ins Bett und Niki denkt kurz vor dem Einschlafen: ' wenn ich doch immer hier bleiben könnte.'
Am nächsten Morgen ganz früh klopft es an der Tür und als Herminchen verschlafen öffnet, erblickt sie Frau Eule.
Hör zu, heute Nacht habe ich beobachtet wie das Sandmännchen auf einem Mondstrahl auf die Erde gekommen ist. Ich habe es gebeten, dem Weihnachtsmann zu sagen, wo sich Niki befindet. Nun aber muss ich schlafen gehen.“
Sie rauscht davon.
Herminchen schließt die Tür und lehnt sich dagegen, Tränen laufen über ihr Gesicht, denn nun mussten sie sich wohl von Niki trennen.
Wer war das?“ fragt Hermann, der inzwischen aufgewacht ist.
Herminchen erzählt es ihm und auch er wird traurig.
Leise treten sie an das Bett und betrachten voller Liebe den Kleinen, dessen Backen vom Schlafen ganz rot sind.
Am Nachmittag desselben Tages klopft es.
Ich geh schon!“ ruft Niki und rennt zur Tür.
Weihnachtsmann!“ jubelt er und springt direkt in die Arme des Weihnachtsmanns.
Hermann und Herminchen treten langsam vor das Haus.
Das Sandmännchen hat mir gesagt, wo der kleine Ausreißer ist und ich danke euch beiden, dass ihr ihn so liebevoll aufgenommen habt. Dann werde ich ihn wohl wieder mitnehmen.“
Die Trolle senken schnell den Kopf, damit man ihre Tränen nicht sehen kann.
Forschend sieht der Weihnachtsmann sie an.
Niki aber flüstert ihm etwas ins Ohr.
Bist du sicher!“
Der alte Mann räuspert sich.
Hört mich an, Niki ist hier in diesem Wald geboren, seine Eltern leben nicht mehr, deshalb habe ich ihn mitgenommen. Aber so richtig heimisch hat er sich bei uns nie gefühlt. Nun hat er mir gesagt, dass er gerne bei euch bleiben möchte. Wollt ihr das auch?“
Ach ja! Wir haben ihn so lieb, als wäre er unser Kind.“
Niki jubelt und springt vom Arm des Weihnachtsmannes direkt in Arme Herminchens, die beinahe rückwärts in den Schnee gekullert wäre.
Lächelnd betrachtet der Weihnachtsmann die glückliche kleine Familie und er weiß, dass Niki endlich heim gefunden hat.
War das eine Freude auch bei der Familie Schinkel und an Weihnachten sitzen die Großeltern, die Eltern und die Trolle neben dem geschmückten Baum und beobachten glücklich lächelnd Susi, Renate und Niki beim Spielen.

© Lore Platz