Montag, 31. Dezember 2018

Silvester

Silvester





Der letzte Tag im Jahr heißt Silvester.
Wir verabschieden das alte Jahr, das uns sowohl Kummer, als auch Freude gebracht hat und begrüßen
voller Hoffnung das neue Jahr mit Fröhlichkeit, Musik und Böllerschüssen.
Doch warum heißt der letzte Tag des Jahres „Silvester?“

Julius Cäsar führte mit dem Julianischen Kalender alle vier Jahre ein Schaltjahr mit 366 Tagen ein.
Das Jahr hatte dadurch 365,25 Tage und entsprach fast dem Sonnenjahr.
Aber leider nur fast, denn die Erde umkreist in 365,2421... Tagen die Sonne.
Im 16. Jahrhundert war diese eigentlich kleine Abweichung auf zehn Tage angewachsen.
Papst Gregor, XIII ließ deshalb die zehn Tage zwischen dem 4. und 15. Oktober 1582 einfach ausfallen. (gregorianischer Kalender)
Dadurch verlagerte sich der letzte Tag im Jahr vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, dem Todestag von Papst Silvester.
Papst Silvester, der Erste war 314 – 335 Papst in Rom und um ihn gibt es viele Legenden.
Eine Legende erzählt, dass er Kaiser Konstantin von der Lepra geheilt und ihn getauft hätte.
Inwieweit er tatsächlich an der Christianisierung von Kaiser Konstantin beteiligt war, ist ungewiss.
Nach historischen Quellen ließ sich Konstantin erst auf dem Totenbett im Jahr 337 taufen.
Da Papst Silvester als Heiliger galt, wurde sein Todestag auch gleichzeitig sein Namenstag.

Deshalb nennt man den 31.Dezember, den letzten Tag des Jahres also Silvester.

Ich wünsche euch ein glückliches und friedliches 2019, Gesundheit, die  sehr wichtig ist und viele glückliche Momente.

Eure Märchenfee
 

Montag, 24. Dezember 2018

Die Überraschung


Eine sehr liebe Freundin von mir hat heute Geburtstag. Als Kind fand sie das gar nicht so toll, konnte doch niemand von ihren Freunden an diesem Tag mit ihr feiern.
Diese Situation hat mich zu der Geschichte inspiriert.
Viel Spaß beim Lesen!

Ich wünsche euch ein schönes gemütliches Weihnachtsfest!

 
bonmomo


24. Türchen


Die Überraschung


Annelie und Lara saßen zusammen am Tisch und kauten an ihren Stiften.
Denkst du die Prinzessin hätte den Frosch auch an die Wand geworfen, wenn sie gewusst hätte, dass er ein verwunschener Prinz war?“ kicherte Annelie.
Sie mussten zu dem Märchen der Froschkönig verschiedene Fragen beantworten.
Lara antwortete nicht, sondern beobachtete das Schneetreiben vor dem Fenster.
Bald ist Weihnachten,“ sagte sie leise.
Ja!“ strahlte Annelie, „ und ich freue mich so darauf!“
Ich nicht!“
Aber warum, du musst dich doch doppelt freuen, weil da auch noch dein Geburtstag ist.“
Aber das ist es doch gerade. Du hast im August Geburtstag und kannst jedes Jahr eine schöne Gartenparty feiern, kannst deine Freunde einladen. Bekommst viele Geschenke.
Ich habe noch nie eine Party feiern können. Am Morgen gratulieren mir meine Eltern und Geschwister und am Abend kommt das Christkind.“
Annelie sprang auf und umarmt ihre Freundin.
Das habe ich noch nie so gesehen, das ist wirklich traurig.“
Nach den Hausaufgaben spielten die Mädchen noch zusammen, dann ging Lara nach Hause.

Foto meiner Tochter

Fest den Teddy an sich gedrückt lag Annelie im Bett. Sie konnte nicht einschlafen immer wieder musste sie an Lara denken. Sie hatte genau gesehen wie Tränen in den Augen ihrer Freundin schwammen, als sie von ihrem Geburtstag sprach und Annelie dachte, dass ihr das auch nicht gefallen würde, wenn sie am Hl. Abend Geburtstag hätte.
Schließlich stand sie auf und tapste barfuß ins Wohnzimmer. Sie schmiegte sich an ihre Mutter, die auf dem Sofa saß und strickte, während der Vater sein geliebtes Fußball anschaute.
Ganz leise, um den Vater nicht zu stören vertraute sie ihrer Mutter ihren Kummer an.
Liebevoll strich ihr die Mutter über den Kopf und flüsterte:
Ich lass mir was einfallen.“
Und endlich konnte das Mädchen beruhigt einschlafen.
Nun liefen die Telefonleitungen zwischen den beiden Häusern heiß.
Am Heiligen Abend in der Früh ging Lara lustlos hinunter in die Küche und setzte sich an den gedeckten Tisch.
Sie wunderte sich, dass weder ihre Eltern noch ihre Geschwister, ja nicht einmal die Großeltern, die im ersten Stock wohnten ihr zum Geburtstag gratulierten.
'Nun haben sie sogar noch meinen Geburtstag vergessen', dachte sie verbittert und verkroch sich nach dem Frühstück in ihrem Zimmer.
Nach einiger Zeit kam ihre Schwester Gertrud und bat sie doch schnell zur Oma hinauf zu laufen, denn sie brauchte ihre Hilfe.
Seufzend machte sie Lara auf den Weg in den oberen Stock und trat in die Wohnung. Da sie ihre Oma in der Küche nicht fand, ging sie weiter ins Wohnzimmer.
Staunend starrte sie auf die Luftballons die an der Decke schwebten, Luftschlangen baumelten von den Wänden und ihre Familie und ihre Freundinnen aus der Schule allen voran Annelie riefen jubelnd: „Alles Gute zum Geburtstag liebe Lara.“
Diese stand mit verklärtem Gesicht mitten im Zimmer und Tränen der Freude rannen über ihre Wangen.
Die Geburtstagsfeier ging bis nachmittags um drei, dann verabschiedeten sich die Gäste.
Und später, als es dunkel wurde, konnte das Christkind kommen.

© Lore Platz



Sonntag, 23. Dezember 2018

Der Stern, der vom Himmel fiel

Ich wünsche euch einen schönen vierten Advent.

    


23. Türchen









Der Stern, der vom Himmel fiel




Tinchen war ein kleiner Stern. Er war keiner der wichtigen Sterne bei denen die Sternengucker auf der Erde in Verzückung gerieten.
Nein, Tinchen war nur ein kleiner unwichtiger Stern unter Millionen Sternen.
Aber er war glücklich und freute sich wenn er in der Nacht sein Licht anknipsen durfte und er hing an einem ganz besonderen Platz, direkt neben dem großen Himmelstor.
Hier war immer etwas los.
Wenn er im Morgengrauen sein Licht ausknipste und Frau Sonne ihre Kinder auf die Erde schickte, stolperte müde über die Milchstraße das Sandmännchen und verschwand hinter dem Tor, um möglichst schnell in sein Bett zu kommen.
Kurze Zeit später purzelten dann die Engel kichernd und lachend an ihm vorbei, die die Engelsschule besuchten.
Tinchen liebte die pausbäckigen immer fröhlichen Gesellen.
Besonders um die Weihnachtszeit war es am schönsten.
Die Engel sangen, während sie hämmerten, klopften, nähten und backten.
Der Duft nach Plätzchen umschmeichelte Tinchens Nase und sie schloss verzückt die Augen.
Aufregend und hektisch wurde es jedes mal wenn der
Schlitten des HL. Nikolaus bepackt wurde.
Und eines Tages geschah ein großes Unglück.


Da sie zu spät waren, nahm Rupprecht die Kurve zu scharf, als er das Himmeltor verließ und traf Tinchen mit der Kufe und diese fiel und fiel und fiel in die Finsternis.
Hart schlug sie auf. Vorsichtig öffnete der kleine Stern die Augen und sah sich staunend um. Sie lag im Schnee neben einigen großen grauen Mülltonnen.
Es raschelt und eine Maus kam mit ihren drei Kindern an getrippelt.
Sie beschnuppert das seltsame Ding.
Mama was ist das fragen die Kinder.“
Ich weiß es nicht,“ wieder schnuppert Mama Maus Tinchen nieste und kicherte.
Lass das, das kitzelt!“
Erschrocken sprang die Maus zurück und ihre Kinder schmiegten sich Schutz suchend an sie.
Habt keine Angst!“
Wer bist du?“
Ich bin ein Stern und gestern Abend noch leuchtete ich am Himmel, leider wurde ich von Nikolaus Schlitten getroffen und nun liege ich hier auf der Erde.“
Tinchen ließ ihr Licht leuchten und die kleinen Mäuse jubelten, „oh wie schön!“
Zutraulich kamen sie näher und Tinchen erzählte ihnen vom Himmel.
Plötzlich hob Mama Maus die Nase und rief warnend.
Kater Carlo kommt, schnell versteckt euch!“
Blitzschnell verschwanden die Mäuse zwischen den Tonnen und durch ein Loch in der Mauer.
Neugierig sah Tinchen dem Kater entgegen, der mit hoch erhobenen Kopf und Schwanz über den Hof schlenderte, als würde er ihm gehören.
Nun hatte er die Mülltonnen erreicht und schnupperte an der Stelle an der die Mäuse verschwunden waren.
Missmutig wandte er sich ab. Da erblickte er Tinchen.
Neugierig beugte er sich hinunter und Tinchen kicherte, als seine Barthaare sie kitzelten.
Geh weg du Ungetüm!“
Das komische Ding kann ja sprechen?“
Ich bin kein komisches Ding, ich bin ein Stern!“
Pah, Sterne hängen am Himmel und liegen nicht im Schnee!“
Naja, aber ich bin halt heruntergefallen, als die Kufe von Nikolaus Schlitten mich traf.“
Carlo wandte den Kopf und seine Augen wurden zu Schlitzen.
Ich denke wir sollten hier verschwinden, da kommen die grässlichen Jungen, spring auf meinen Rücken, du kannst mir ja später erzählen, wie du auf die Erde gekommen bist, aber im Moment ist es hier für uns beide gefährlich.“
Mit Tinchen auf dem Rücken sauste er Hacken schlagend über den Hof verfolgt von den grölenden Jungen.
Aufatmend lehnte sich der Kater an eine Hausmauer und Tinchen glitt von seinem Rücken.
Die hätten wir abgehängt!“ grinste der kleine Stern, dem das ganze riesigen Spaß gemacht hatte.
Ein grollendes Geräusch aber ließ ihn zusammen fahren und ängstlich sah er sich um.
Was war den das?“
Carlo wird etwas rot und meinte verlegen.“Mein Magen, ich habe Hunger.“
Ich habe nie Hunger.“
Na dann sei froh, ich schon und zwar gewaltigen, aber ich weiß wo wir hingehen können, komm, steig auf.“
Wieder geht es durch verschiedene Straßen. Vor einem großen Gebäude auf dessen Hof viele Kinder herumtollen bleibt Carlo stehen.
Wo sind wir?“
Das ist eine Schule und da drüben, das Mädchen mit der roten Mütze ist meine Freundin Annegret. Die teilt immer ihr Pausenbrot mit mir.“
Eine Schule, wie schön, im Himmel gibt es auch eine Engelsschule.“
Ach ich dachte Engel sitzen nur auf den Wolken und zupfen auf so einem komischen Ding und singen.“
Tinchen lachte herzlich.
Du meinst eine Harfe, viele Menschen glauben das.
Nein die Engel singen und lachen gerne, aber sie müssen auch lernen.“
Carlo zuckte nur mit den Schultern, denn er hatte Annegret entdeckt, die zu ihnen herüberkam.
Schnurrend strich er um ihr Beine, das Mädchen streichelte ihn und warf ihm einige Stücke ihres Pausenbrot hin. Während der Kater gierig fraß, betrachtete Tinchen das Mädchen.
Hallo, ich bin Tinchen.“
Du kannst sprechen?“
Annegret streckte die Hand aus und der Stern sprang hinauf und nun erzählte sie dem Mädchen wie sie auf die Erde gekommen ist.
Carlo, der sich inzwischen geputzt hatte, meinte,
frag Annegret, ob du mit ihr kommen kannst, es ist viel zu gefährlich hier unten für dich und ich kann nicht immer auf dich aufpassen.“
Tinchen schluckte.
Carlo lässt fragen, ob ich mit dir kommen darf, da es hier auf der Erde zu gefährlich für mich ist.“
Annegret sah den Kater lächelnd an.
Carlo heißt du, schön, dass ich das jetzt weiß. Gerne nehme ich deine kleine Freundin mit nach Hause.“
Wie staunter Tinchen, als sie Annegrets zuhause sieht. Überall war weihnachtlich geschmückt,ein großer Adventskranz stand in der Küche auf dem Tisch und an den Wänden hingen selbstgebastelte Strohsterne, verziert mit roten Bändern.
Nun begann für den kleinen Stern eine schöne, aufregende Zeit.
Während Annegret vormittags in der Schule war, versteckte sich Tinchen in deren Zimmer.
Nachmittags aber durfte sie gut verwahrt in der Tasche des Schneeanzugs das Mädchen begleiten, wenn es mit ihren Freunden auf dem Schlitten den Berg hinab sauste, oder über den zugefrorenen See mit den Schlittschuhen glitt.
Besonders schön war es abends, wenn sie auf dem Kopfkissen in Annegrets lag und sie bis spät in die Nacht
quatschten. Das Mädchen wollte alles über ihr Leben im Himmel hören. Doch je mehr Tinchen erzählte, umso größer wurde ihr Heimweh.
Und als Annegret schlief, setzte sich der kleine Stern auf die Fensterbank und während er hinauf in die sternenklare Nacht sah, liefen die Tränen über sein Gesicht.
Eines Tages, es war kurz vor Weihnachten hörte Tinchen eine Autotür schlagen und sah wie Annegrets Papa eine ältere Dame ins Haus führte.
Das war wohl die Oma, von der das Mädchen schon seit Tagen erzählte.
Es war schon dunkel als Annegret in ihr Zimmer kam.
Entschuldige Tinchen, aber Oma Betty ist gekommen und wir hatten so viel zu erzählen.“
Ja, ich habe sie heute Morgen ankommen sehen, sie scheint sehr nett zu sein.“
Annegret warf ich aufs Bett und erzählte dem Stern von ihrer geliebten Oma.
Als Tinchen später in den dunkel Himmel hinauf sah, war ihr das Herz so schwer und Tränen liefen ihr über das Gesicht.
Warum weinst du?“
Annegret verließ ihr Bett und setzte sich neben den Stern auf die Fensterbank.
Eine Weile sahen sie schweigend in die dunkle Nacht, doch dann gestand Tinchen schluchzend ihre Einsamkeit und ihr Heimweh und ihre Angst nie wieder in den Himmel zurückzukehren.

Am nächsten Tag konnte sich Annegret in der Schule kaum konzentrieren immer wieder überlegte sie wie man Tinchen nur helfen könnte, dann hatte sie eine Idee.
Sie konnte es kaum erwarten, bis die Schule zuende war und lief ohne auf ihr Freundinnen zu achten nach Hause.
Sie stürzte durch die Tür, warf den Mantel auf die Ablage, schlüpfte aus ihren Stiefeln, und raste die Treppe hinauf.
Die Oma und die Mutter sahen sich an und lachten.
Weihnachtsgeheimnisse,“ murmelte die Oma.
Tinchen erschrak, als Annegret die Tür aufriss, hinter sich ins Schloss fallen ließ und sich atemlos auf die Fensterbank setzte.
Was ist geschehen?“
Das Mädchen wedelte mit den Armen, denn es konnte noch nicht sprechen.
Grinsend wandte sich der kleine Stern ab und sah wieder hinaus.
Ich habe eine Idee, wer dir helfen kann, dass du wieder nach Hause kommst.“
Wer?“
Meine Oma.“
Aber sie ist ein Mensch und du hast gesagt, dass es besser ist, wenn die Mensch mich nicht sehen.“
Ach meine Oma ist keine Gefahr und sie wird dich auch nicht verraten. Aber es gibt keinen klügeren Menschen als sie. Glaub mir sie findet einen Weg, wie du zurück in den Himmelt kommen kannst.“
Annegret!“
Ich muss zum Mittagessen, danach legt Oma sich immer hin, aber sobald sie wieder wach ist gehen wir zu ihr.“
So lange ist den beiden noch nie die Zeit geworden. Immer wieder schlich sich das Mädchen zu Omas Zimmer, öffnete vorsichtig die Tür, um enttäuscht festzustellen, dass die alte Frau immer noch die Augen geschlossen hatte.
Doch Oma Betty hatte den heimlichen Besucher längst bemerkt und als Annegret wieder leise die Tür öffnet, rief sie fröhlich.
Komm schon herein, ich bin wach!“
Vorsichtig schleicht Annegret ins Zimmer und lässt sich zu Füßen ihrer Oma nieder.
Lange weiß sie nicht wie sie beginnen soll, dann streckte sie die Hand aus und Tinchen sprang darauf.
Die Oma zuckte zurück.
Was ist das? Ein neues elektronisches Spielzeug.“
Langsam schüttelte das Mädchen den Kopf.
Das ist ein Stern vom Himmel.“
Und die beiden erzählten nun der alten Frau Tinchens Geschichte.
Oma Betty lehnte sich zurück und murmelte nur:
Na sowas, na sowas,“
Kannst du uns helfen, Oma?“
Diese schloss die Augen.
Nun ist sie wieder eingeschlafen?“ flüsterte Tinchen.
Nein, sie denkt nach.“
Und wenn ihr beide ruhig wärt, dann könnte ich besser nachdenken.“
Still war es im Zimmer, man hörte nur das gleichmäßige Ticken der Uhr.
Oma Betty öffnete die Augen.
Ich habe eine Idee.“
Erwartungsvoll sahen sie die zwei an.
Am 23. um Mitternacht kommt doch das Christkind mit seinen Engel auf seinem Schlitten, um die Geschenke unter den Baum zu legen. Ich werde zusammen mit dem Stern im Wohnzimmer auf es warten und Tinchen kann dann mit dem Christkind zurück zum Himmel fahren.
Jubelnd fiel Annegret ihrer Oma um den Hals und Tinchen schmiegte sich dankbar an die Wange der alten Frau.
Schon gut , schon gut,“ brummte die alte Frau, „nun verschwindet, ich will noch ein bisschen ruhen.“

Annegret und Tinchen vergingen die nächsten Tage viel zu langsam, doch endlich war der 23. Dezember da.

Als die Eltern schliefen, schlich sich das Mädchen in Omas Zimmer.
Darf ich auch mitkommen?“
Nein, dann würde das Christkind gar nicht kommen, Kinder dürfen es nicht sehen.“
Annegret umarmte Tinchen, dann ging sie in ihr Zimmer und war bald eingeschlafen.
Oma Betty und der kleine Stern setzen sich im Wohnzimmer in den großen Lehnstuhl und bald waren sie auch eingeschlafen.
Tinchen wurde wach als die Tür sich leise öffnete und die Englein huschten herein, jedes ein Geschenk in den Händen.
Hinter ihnen erschien das Christkind und der kleine Stern erzählte ihm seine Geschichte.
Das heilige Kind lächelte liebevoll, nahm den kleinen Stern an der Hand und beugte sich über die alte Frau und strich sanft über deren Stirn.
Morgen wird sie alles vergessen haben,“ flüsterte sie und dann verschwanden alle so lautlos so wie sie gekommen waren.

Auch Annegret konnte sich am nächsten Tag nicht mehr an den Stern erinnern, denn in der Nacht hatte das Sandmännchen den Zauber des Vergessens über sie gestreut.

Tinchen aber hing wieder am Himmel und strahlte heller als vorher. Knecht Ruprecht hatte sich bei ihr entschuldigt und fuhr in Zukunft vorsichtiger um die Kurven.

(Lore Platz)

Samstag, 22. Dezember 2018

Wie`s Gritele mit dem Christkind sprach

Gibt es etwas schöneres als den Kinderglauben. 
Als Kind glaubt man noch, dass die Welt voller Wunder ist und manchmal wenn man Glück hat geschieht tatsächlich ein Wunder.




22. Türchen



 
bonmomo



Wie`s Gritele mit dem Christkind sprach


Gritele liegt bäuchlings auf dem Boden vor sich ein Blatt weißes Papier, in der Hand einen blauen Stift.
Eigentlich heißt sie ja Brigitte, aber jeder nennt sie nur Gritele.
Jetzt scheint sie eine Idee zu haben, denn der Stift fährt eifrig über das Blatt und zaubert ein blaues Strichmännchen.
Dann setzt sie noch eine Reihe „Os“ unter die Zeichnung, denn das ist der einzige Buchstabe den sie kennt.
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, springt auf und läuft in die Küche.
Die Mutter strickt und der Vater liest Zeitung.
Gritele legt die Zeichnung stolz vor die Mutter und klettert auf einen Stuhl.
Wie schön, du hast mir ein Bild gemalt!“ ruft die Mutter erfreut.
Gritele schüttelt den Kopf.
Nein, das ist ein Brief an das Christkind, du musst ihn zusammen falten und auf die Fensterbank legen, damit die Englein ihn holen können. Ich wünsche mir nämlich ein Puppe zu Weihnachten.“
Die Mutter wird etwas blass und der Vater hebt den Kopf.
Das Christkind bringt keine Puppe,“ meint er barsch und Gritele sieht ihn mit großen Augen an.
Aber warum denn nicht? Ich war doch ganz brav?“
Der Vater sieht in die Augen seines Kindes und es schmerzt ihn, deshalb sagt er schroffer, als er
wollte.
Weil das Christkind nicht zu armen Leuten kommt, also schlag dir die Idee aus dem Kopf.“
Doch Gritele gibt nicht nach.
Das Christkind kommt zu allen Kindern, ob arm oder reich, denn es liebt die Kinder, so hat der Herr Pfarrer gesagt.“
Was weiß denn der schon!“ grollt der Vater und die Mutter wirft ihm einen warnenden Blick zu.
Es gibt keine Puppe und nun will ich nichts mehr davon hören!“
Gritele sieht ihn an, Tränen sammeln sich in ihren Augen und die Unterlippe bebt.
Du bist gemein, ich mag dich gar nicht mehr leiden!“
Sie springt vom Stuhl und verlässt die Küche.
Musste das sein?“ fragt die Mutter vorwurfsvoll.
Glaubst du denn, es tut mir nicht weh, dass ich dem Kind seinen Wunsch nicht erfüllen kann!“
Er springt auf und verlässt ebenfalls die Küche.
Die Mutter aber vergräbt den Kopf in beiden Händen und ihre Schultern zucken.
Seit die große Fabrik schließen musste waren die meisten hier im Viertel arbeitslos und ihr Mann konnte schwer damit fertig werden.
Energisch richtet sie sich auf und wischt sich die Tränen ab.
Dann blickt sie auf den großen Korb mit aufgetrennter Wolle.
Sie hatte zwei ihrer Pullover aufgetrennt, um für Gritele etwas zu stricken, damit wenigstens ein Päckchen unter dem alten Plastikbaum lag.
Die Wolle würde doch bestimmt noch für einen kleinen Teddybären reichen.
Und bald klappern die Stricknadeln mit dem Ticken der alten Kuckucksuhr um die Wette.
Gritele aber sitzt auf der Fensterbank und sieht den Schneeflocken zu, die im Licht er Straßenlaternen tanzen.
Auf ihren Wangen sind noch die Tränenspuren zu sehen und ihr Blick ist traurig.
Die Abendmesse ist vorbei und die Menschen strömen aus der gegenüberliegenden Kirche.
Sie bleiben auf den Stufen stehen, schlagen ihre Mantelkrägen hoch und gehen mit eingezogenen Köpfen die Straße entlang.
Und dann hat Gritele eine Idee. 

In der Kirche wohnt doch das Christkind.
Sie wollte hinüberlaufen und mit dem Christkind persönlich sprechen, das war ja noch besser als ein Brief.
Im Flur schlüpft sie in die Stiefel und Jacke und verlässt ganz leise die Wohnung.
Bevor sie über die Straße geht, sieht sie erst nach rechts, dann nach links, wie ihr Mama das beigebracht hat.
Die schwere Kirchentür bereitet ihr etwas Mühe, aber irgendwie schafft sie es einen kleinen Spalt zu
öffnen, durch den sie hindurch schlüpfen kann.
In der Kirche ist es still und es riecht nach abgebrannten Kerzen und Weihrauch.
Vorne am Altar ist die Hl. Familie aufgebaut und zielstrebig geht das Mädchen auf die Krippe mit dem Jesuskind zu.
Sie beugt sich hinunter und gibt dem Baby einen Kuss.
Dann steht sie da und weiß nicht wie sie beginnen soll.
Doch dann gibt sie sich einen Ruck und erzählt dem Christkind, dass es ihm einen Brief geschrieben hat, weil sie sich eine Puppe wünscht, aber Papa böse geworden ist und gesagt hat: „Das Christkind kommt nicht zu armen Leuten.“
Nicht wahr, das stimmt nicht und Papa hat nicht recht, du liebst alle Leute, auch die armen. Bei uns ist es gar nicht mehr schön zu Hause, Papa ist immer schlecht gelaunt, seit er keine Arbeit mehr hat.“
Gritele kraust die Stirn und ruft:
Ich hab`s, kannst du dem Papa nicht eine neue Arbeit schenken, damit er wieder lachen kann.
Du, du...,“ Es fällt ihr nicht leicht dies zu sagen:
Du brauchst mir auch keine Puppe bringen!“
Dann beugt sie sich über das Kind und gibt ihm einen Abschiedskuss.
Noch jemand hat die Unterhaltung belauscht.
Der Pfarrer wollte gerade aus der Sakristei treten, als er das Mädchen mit dem Jesuskind sprechen
hörte und blieb stehen, um es nicht zu stören.
Jetzt tritt er heraus.
Hallo Gritele, bist du ganz allein über die Straße gelaufen.“
Das Mädchen nickt ernsthaft.
Ich musste etwas ganz Wichtiges mit dem Christkind besprechen.“
Der Pfarrer nickt.
Das Christkind wird dir sicher helfen. Aber nun komm, ich bringe dich nach Hause.“
Frau Berger erschrickt, als der Pfarrer mit dem Gritele vor der Tür steht, sie hat noch gar nicht bemerkt, dass die Kleine weg war.
Der Pfarrer lädt sie ein, nach der Kindermette am Heiligen Abend, doch zu der Weihnachtsfeier zu kommen und Frau Berger verspricht es.
Endlich kommt der lang ersehnte Tag und voller Freude öffnet Gritele das Päckchen, das unter dem kleinen Plastikbaum liegt.
Bei der Strickmütze, dem Schal und den Handschuhen liegt auch ein putziger gestrickter Teddybär.
Frau Berger beobachtet etwas ängstlich ihre kleine Tochter, doch diese drückt voller Freude den kleinen Bären an ihr Herz.
Dachte sie doch, das Christkind hätte ihr keine Puppe gebracht, weil sie einen viel größeren Wunsch erfüllen würde. Verschmitzt blickt sie zu ihrem Vater.
Was er wohl sagen würde, wenn das Christkind ihm eine neue Arbeit schenkt.
Nach der Mette geht es hinüber ins Gemeindehaus.
Unter einem großen, bis zu Decke reichender Baum
der herrlich geschmückt ist mit bunten Kugeln, Engeln, und Lametta liegen viele bunte Päckchen.
Nachdem sich alle an die großen Tische gesetzt
haben, die auch weihnachtlich dekoriert sind, tritt Pfarrer Jürgens ans Mikrofon.
Wie ihr seht war das Christkind bei uns und hat für jedes Kind ein Geschenk da gelassen.
Ich werde jetzt jeden einzelnen aufrufen und ihm sein Paket überreichen.
Es dauerte etwas bis auch Gritele aufgerufen wird. Sie bedankt sich mit einem Knicks und trägt vorsichtig das Paket an den Tisch zu ihren Eltern.
Was da wohl drin war.
Als sie das Papier entfernt lacht ihr eine Puppe entgegen.
Sie erschrickt ein wenig, würde nun Papa sein Geschenk nicht erhalten?
Sie schiebt die Puppe weg, nein sie will sie gar nicht haben.
Gefällt sie dir nicht?“ flüstert ihre Mama und Papa will schon wieder los schimpfen, von wegen undankbar, aber da klopft der Herr Pfarrer an das Mikrofon und ruft:
Bitte um eure Aufmerksamkeit!
Heute ist Weihnachten, die Zeit der Wünsche und Wunder.
Und heute hat das Christkind nicht nur die Kinder beschenkt, es hat auch an die Erwachsenen gedacht.
Die Firma Grossmann und Co hat einen Käufer gefunden und wird nächstes Jahr wieder eröffnet
und jeder erhält seinen Arbeitsplatz zurück.“
Jubel brandet auf und Gritele schmiegt sich erschrocken an ihre Mutter.
Warum brüllen die denn alle so?“
Kind dein Vater wird wieder seine Arbeit bekommen,“ jubelt die Mutter und drückt Gritele ganz fest.
Die aber beginnt zu strahlen und nun endlich nimmt sie ihre Puppe in den Arm.
Das Christkind hatte ihr beide Wünsche erfüllt.



© Lore Platz


Freitag, 21. Dezember 2018

Die Puppe, die das Christkind zweimal bringen musste

Ich bin ja froh, dass ich nicht Einzelkind war, aber manchmal können Geschwister auch nervig sein(zwinkern)

21. Türchen







Die Puppe, die das Christkind zweimal bringen musste

Das Jahr 1956 war für mich ein ganz besonderes Jahr.
Im Juli kam unsere Nachzüglerin meine kleine Schwester Renate zur Welt.
Im September wurde ich eingeschult.
Und am heiligen Abend brachte mir das Christkind eine Puppe.
Bei uns war es Brauch, wenn das Glöckchen zur Bescherung  läutete, dass die ganze Familie singend das Wohnzimmer betrat und vor dem Weihnachtsbaum stehen blieb, um dort weiter zu singen.
Bereits beim Betreten des Zimmers habe ich sie gesehen.
Sie war wunderschön, trug ein lindgrünes Ballkleid, war blond und hatte einen Evita Peron Knoten (Evita Peron, die First Lady von Argentinien 1919 - 1952).
Ich konnte mich gar nicht mehr auf das Singen konzentrieren.
Immer wieder schielte ich zu dem herrlichen Geschöpf.
Und den ganzen Abend hielt ich die Puppe im Arm und spielte mit ihr.
In meiner Kindheit gab es nur wenig Spielzeug und deshalb ging man damit sehr sorgsam um.
Das ging fast ein ganzes Jahr lang, dann geschah ein entsetzliches Unglück.
Während ich in der Schule war, hatte mein kleine Schwester, die inzwischen laufen konnte, in einem unbeobachteten Moment, meine heiß geliebte Puppe skalpiert.
Ich war am Boden zerstört und weinte bittere Tränen, außerdem hatte ich eine Stinkwut auf diese kleine Puppenmörderin.
Mein Kummer war riesengroß und eines Tages war die Puppe verschwunden.
Dann kam der Hl. Abend und schon beim Betreten des Zimmers sah ich Sie!
Und obwohl sie eine neue Frisur und neue Kleider hatte, erkannte ich sie sofort!

© Lore Platz


Donnerstag, 20. Dezember 2018

Kann man sich vom Christkind eine Mutter wünschen? Geht das denn?

Vor kurzem hörte ich von einem Vater und seinen fünf Kindern, deren Mutter vor einem Jahr an Weihnachten verstarb.
Das ist sehr sehr schlimm und taurig.
Wie viele Kinder werden diese Weihnachten allein sein?
Große Geschenke sind nicht das wichtigste für ein Kind, sondern jemand, der sie liebevoll in den Arm nimmt.

Nun lasst uns gemeinsam wieder das nächste Türchen öffnen.


20. Türchen


 
bonmomo


Kann man sich vom Christkind eine Mutter wünschen?
Geht das denn?



Das Waisenhaus in der Amselgasse ist hell beleuchtet.
Rechts und links neben den breiten Stufen steht auf der einen Seite ein großer Weihnachtsmann und auf der anderen Seite Rudolf das Rentier, dessen rote Nase lustig blinkt.
Die doppelseitige Eingangstür ist von einer Lichterkette, deren Lämpchen in verschiedenen Farben blinken, eingerahmt.
Auch das Innere des Hauses ist festlich geschmückt und aus der großen Halle dringt Musik, fröhliche Stimmen und lautes Kinderlachen.
Angelika, eines der Mädchen, das seit zwei Jahren im Waisenhaus ist, wurde adoptiert und darf bereits Weihnachten mit ihren neuen Eltern verbringen.
Es sind auch ihre Adoptiveltern , die dieses Abschiedsfest mit ihren Freunden hier im Waisenhaus, geben.
Alle haben sich in der Halle versammelt, um gemeinsam zu feiern.
Nur im zweiten Stock sitzt Lotta in ihrem kleinen Zimmer, das sie mit Angelika teilt und sieht traurig auf das Bett und den gepackten Koffer ihrer besten Freundin.
Leise wird die Tür geöffnet und Angelika schlüpft herein.
Lotta willst du denn nicht zu meiner Abschiedsparty kommen?“
Das Mädchen schüttelt den Kopf.
Ich bin so traurig!“
Angelika setzt sich neben sie und legt ihren Kopf an Lottas Schulter.
Ich auch, schade, dass sie dich nicht auch adoptiert haben.“
Die achtjährige Lotta seufzt kummervoll.
Mich adoptiert keiner, ich bin viel zu hässlich und mein Temperament bringt mich doch immer wieder in Schwierigkeiten.“
Weißt du was, du könntest doch das Christkind bitten, dass es dir eine Mutter bringt.“
Geht das denn?“ fragt Lotta erstaunt.
Angelika nickt eifrig.
Sicher, ich habe jeden Abend gebetet, dass ich eine Familie bekomme und dann wurde ich adoptiert.“
Sie springt auf und umarmt ihre Freundin.
Ich muss wieder hinunter, kommst du mit?“
Lotta schüttelt den Kopf.
Später vielleicht!“
Als Angelika das Zimmer verlassen hat, stützt Lotta ihren Kopf in die Hände und überlegt.
Vielleicht wäre es doch keine so schlechte Idee mit dem Christkind.
Sie wollte gegenüber in die Kirche gehen, wo das Christkind wohnt und persönlich mit ihm sprechen.
Sie springt auf, schlüpft in ihre warme Jacke und schleicht die Treppe hinunter.
Niemand bemerkt, dass sie das Haus verlässt.
 
Foto meiner Tochter

In der Kirche ist es still und es riecht nach Weihrauch.
In der ersten Bank sitzt eine Frau, ganz in schwarz gekleidet und Lotta stellt sich auf die Zehenspitzen, um ganz leise an ihr vorbei zu gehen, denn sie will ja zur Krippe mit dem Jesuskind.
Als sie an der Bank vorbei kommt, sieht sie wie die Frau bitterlich weint und erschrocken bleibt sie stehen.
Leise setzt sie sich neben die Unglückliche.
Diese blickt auf und sieht das Mädchen.
Hallo, ich bin Lotta!“
Die Frau putzt sich die Nase, wischt sich die Tränen aus den Augen und lächelt.
Hallo, ich bin Frau Bergmeister.“
Warum weinst du denn?“
Ich bin traurig, weil meine Tochter gestorben ist.“
Das tut mir leid, ist sie schon beerdigt?“
Ja, sie ist nun schon zwei Jahre tot!“
Und so lange weinst du schon, weißt du denn nicht, dass du dein Kind ganz unglücklich machst und es gar nicht mit den Engeln fröhlich herumtollen und spielen kann.“
Die Frau sieht sie erstaunt an und Lotta erklärt.
Schwester Martina hat uns ein Märchen vom Tränenkrüglein vorgelesen und da hat die Mutter auch so geweint und das Kind im Himmel musste den großen Eimer mit Tränen herumschleppen und konnte gar nicht mit den anderen Engeln spielen.“

Frau Bergmeister ist ganz still und nun fällt ihr auch das Märchen von Ludwig Bechstein ein, dass sie vor vielen, vielen Jahren gelesen hat und es wird ihr ganz eigen zumute.
Eine Weile sitzen die Beiden ganz still da, dann steht Lotta auf.
Nun muss ich aber zum Christkind nach vorne, denn ich habe etwas Wichtiges mit ihm zu besprechen.“
Die Dame sieht das komische kleine Mädchen mit den roten kurzen Stoppeln auf dem Kopf lächelnd an.
Du bist wohl vom Waisenhaus auf der anderen Seite und willst deinen Wunsch dem Christkind persönlich sagen.
Verrätst du mir denn auch was du dir wünscht?“
Lotta setzt sich wieder und meint ernsthaft:
Meine beste Freundin Angelika ist adoptiert worden und feiert eben ihre Abschiedsparty, aber ich konnte nicht hinunter gehen, weil ich so traurig bin und will das Christkind nun fragen, ob es nicht auch eine Mutter für mich finden könnte. Aber es wird wohl schwer sein, denn ich bin eine Heimsuchung!“
Frau Bergmeister zuckt etwas zusammen.
Wie kommst du auf diese Idee?“
Der Niklas ist ein ganz böser Junge und ärgert und schlägt immer die kleineren Kinder.
Er hat dem kleinen Rudi seinen Lutscher weggenommen, da bin ich auf ihn losgegangen, denn vor mir fürchtet der Niklas sich.
Der Feigling ist dann auch davon gelaufen und ich hinterher.
In der Küche dann bin ich über das Fass mit Mehl gestolpert und alles war weiß, als hätte es in der Küche geschneit.“
Lotta kichert.
Schwester Edeltraud hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und gerufen:
Dieses Kind ist eine Heimsuchung mit ihrem höllischen Temperament!“
Dann hat sie ganz komisch die Augen verdreht und gestöhnt:
Es liegt an den roten Haaren!“
Ich wurde dann auf mein Zimmer geschickt, damit ich nachdenken konnte und ich habe nachgedacht.
Wenn es nur an meinen roten Haaren liegt, dass ich immer in Schwierigkeiten gerate, dann brauchte ich sie doch nur abzuschneiden.
Doch das war dann auch wieder nicht Recht und ich bekam eine Woche keinen Nachtisch.“
Lotta seufzt tief.
Die Erwachsenen sind schon komisch, nie kann man es ihnen recht machen.“
Frau Bergmeister sieht diese seltsame kleine Person an und ihr Blick fällt auf die roten kurzen Haare, die, wie die Stacheln eines Igels, vom Kopf abstehen und dann beginnt sie zu lachen.
Fröhlich und befreiend lacht sie, wie schon seit langem nicht mehr.
Lotta blickt sie erstaunt an.
Erwachsene sind wirklich manchmal seltsam.
Als Frau Bergmeister sich endlich wieder beruhigt hat, streicht sie Lotta über den Kopf und sagt liebevoll.
Lotta dich hat mir der liebe Gott geschickt oder meine Klara, damit ich endlich zur Vernunft komme.“
Das Mädchen nickt, obwohl sie nicht ganz versteht, aber sie mag diese Frau.
Weißt du, ich bin an Weihnachten ganz allein und du bist auch allein, weil deine beste Freundin nicht mehr da ist.
Wir könnten doch Weihnachten gemeinsam feiern?“
Geht das denn?“
Und ob das geht!“ sagt Frau Bergmeister energisch.
Schließlich saß sie im Vorstand der Stiftung, die das Waisenhaus unterstützt.
Vorsichtig schiebt sie Lotta aus der Kirchenbank und nimmt ihre Hand.
Wir gehen jetzt zusammen auf die Abschiedsparty deiner Freundin und anschließend sprechen wir mit der Schwester Oberin.“
Und Hand in Hand gehen die beiden einsamen Gestalten, die ein Zufall zusammengeführt hat, zum Ausgang.
War es wirklich der Zufall?
Oder hatte doch das Christkind die Hand im Spiel?
Vielleicht geht es manchmal doch!

© Lore Platz