Freitag, 15. Februar 2019

Neuanfang

Einmal sagte jemand zu mir:
Das Leben ist wie das Bergsteigen, der Weg zum Gipfel macht dich stark.
Viel Spaß beim Lesen!
 
(c) meine Tochter

Neuanfang


Ein Murren der Enttäuschung ging durch den Saal, als der Richter das Urteil verkündetet.
Freispruch, wegen Mangel an Beweisen!“
Paul war wütend wie alle seine Leidensgenossen ringsum, die der Angeklagte um ihr Geld geprellt hatte.
Zornig ballte er die Faust, am liebsten hätte er damit dem Betrüger das selbstgefällige Lächeln aus dem Gesicht geschlagen.
Wie arrogant und anmaßend hatte er auf die Fragen des Staatsanwalts geantwortet und seine Opfer auch noch beleidigt, wegen ihrer Leichtgläubigkeit.
Wie in Trance ging er nach Hause, das ihm längst nicht mehr gehörte.

 
(c) Werner B.

Mit einem fröhlichem lang anhaltenden Pfiff fuhr der Regionalzug in den kleinen Bahnhof ein.
Die Türen gingen auf und entließ die wenigen Reisenden.
Paul nahm seinen Koffer, schulterte den Rucksack und sprang auf den Bahnsteig.
Er beantwortete den Gruß des Bahnhofvorstehers mit einem stummen Nicken. Sein Gesichtsausdruck war so grimmig, dass dieser nicht wagte ihn anzusprechen.
Kurz vor dem kleinen Häuschen seiner Mutter blieb er stehen.
Hier hatte sich nichts verändert.
Mit welchen Hoffnungen war er damals weg gegangen, mit seinem Meisterbrief und einer kleine Erbschaft seines Onkels in der Tasche.
Seine liebe Mutter wollte er unterstützen, sobald er es geschafft hatte.
Eine Sanitärfirma hatte er aufgebaut und dann Ernie kennen gelernt und geheiratet. 
Sein Leben war perfekt. Seine Mutter hatte er nicht vergessen und ihr regelmäßig Geld geschickt, doch besucht hatte er sie nicht.
Denn Ernie wollte immer an mondäne Orte verreisen und dort lernten sie auch den geschniegelten Affen kennen, der ihn um sein ganzes Geld betrogen hatte.
Und er, der doch alles hinterfragte war auf ihn hereingefallen, hatte sich von dessen Begeisterung anstecken lassen.
Dass Ernie mit ihm auch noch ein Verhältnis hatte, erfuhr er erst als alles schon den Bach herunter gegangen war.
Nun also stand er hier vor dem Haus seiner Mutter, arm wie ein Bettler.
Die alte Frau trat aus der Tür, jubelt und lief auf ihn zu.
Liebevoll umarmte sie den Hünen und dieser schluchzte wie ein kleiner Junge in den Armen der zierlichen Frau.
In der heimeligen Küche erzählte er ihr alles und seine Mutter sah traurig auf ihren Jungen, dessen Gesicht so hart und verschlossen geworden war.
Und als er abends im Bett in seinem alten Zimmer lag, da saß sie unter dem Herrgottswinkel, der Rosenkranz glitt durch ihre Finger und ihre Lippen murmelten ein Gebet für ihren Sohn.
Jeden Tag nun half Paul seiner Mutter bei der kleinen Landwirtschaft.
Er bessert das Häuschen aus, schlug Brennholz für den Winter, mähte die kleine Wiese am Hang, versorgte das Vieh. Anschließend saß er stumm beim Essen und dann ging er hinaus in die Berge.
Mühsam kletterte er den steilen Weg hinauf bis zu dem alten Steinkreuz, an dem er früher immer mit seinem Vater gesessen, wenn sie hier nach der langen Wanderung
Brotzeit gemacht und den herrlichen Ausblick in die Berge genossen hatten.
Doch jetzt hatte er kein Auge für die Schönheit hier. Seine Gedanken waren voller Zorn und Verbitterung.
Immer wieder machte er sich Vorwürfe, Selbstzweifel plagten ihn und Bitterkeit machte sich in seinem Herzen breit.
So vergingen die Tage und die Mutter machte sich Sorgen und sah ihm jedes Mal voller Bangen hinterher, wenn er in die Berge ging.
Doch ohne es zu merken, linderten die täglichen Wanderungen seinen Schmerz.
Und eines Tages, als er wieder am Steinkreuz saß, da sah er sich plötzlich wie aus einem bösen Traum erwachend um.
Er bemerkte wie schön die Natur um ihn herum war.
Die majestätisch aufragenden Berge, die seit tausenden von Jahren schon hier standen und jedem Wetter trotzten.
Die satten grünen Wiesen, die dem Vieh Futter gaben. Die bunten Wildblumen von Schmetterlingen um tanzt und von Bienen um schwirrt.
Es war Sonntag und aus dem Dorf klang das helle Läuten der Glocken und er schmunzelte.
Seine Mutter würde wohl in ihrem Schwarz- seidenen, das Gebetbuch unter dem Arm in die Kirche eilen.
Lange blieb er so sitzen.
Aus dem Wald erklang das rhythmische Klopfen eines Spechts und ein Adler zog hoch am Himmel seine Kreise.
Paul merkte wie Ruhe in sein Herz zog und all die Bitterkeit von ihm abfiel.
Endlich erhob er sich, streckte die Gestalt und lief den Berg hinunter.
Die Mutter hatte sich nach dem Kirchgang umgezogen und saß nun auf dem Bänkchen vor dem Haus und putzte Gemüse, als sie den Sohn heran kommen sah.
Sofort fiel ihr auf, dass etwas anders war.
Sein Gang war beschwingt, seine Augen strahlten und der harte Ausdruck im Gesicht war verschwunden.
Erleichtert atmete sie auf und sah hinauf in den Himmel, um ein leises „Danke“ zu sagen.
Dann schmunzelt sie.
Jetzt war es wohl an der Zeit, um den Jungen zu sagen, dass sie von all dem Geld, das er ihr geschickt hatte, keinen Cent angerührt hatte.
Vielleicht konnte er damit wieder neu anfangen. Nicht so groß wie seine alte Firma in der Stadt.
Aber der alte Johannes wollte seine Werkstatt schließen, da er keinen Nachfolger hatte.
Vielleicht wäre das etwas für ihren Paul, außerdem würde er dann in ihrer Nähe bleiben.
Vielleicht fand er ja auch ein Mädel.
Nicht so eine hochnäsige, wie seine Exfrau, sondern eine die das Herz am rechten Fleck hatte und zu ihrem Mann stand in guten und auch schlechten Zeiten.
Sie stand auf und nahm ihren Sohn in den Arm.

© Lore Platz



Donnerstag, 14. Februar 2019

Venedig, die Stadt ihrer Träume



Venedig, die Stadt ihrer Träume


Mit einem fröhlichem Lächeln verlässt Elke das Reisebüro, in ihrer Tasche zwei Tickets für einen viertägigen Aufenthalt in Venedig.
Da Morgen ein Feiertag und der Freitag dann ein Brückentag hatte sie kurzentschlossen diese Reise gebucht.
Es sollte ein Geschenk für Michael sein, denn heute genau vor einem Jahr hatten sie sich kennen gelernt.
Seit drei Monaten wohnten sie nun zusammen und es war einfach wundervoll!
Beschwingt eilt sie zur S-Bahn und von dort in ihre kleine gemeinsame Wohnung.
Ein Blick auf die Uhr zeigt ihr, dass ihr Liebster bald von der Arbeit kommt.
Aus der Schublade holt sie die Schachtel mit den Teelichtern und schreibt damit „Ich liebe dich!“ auf den Tisch.
Sie pflückt von den dunkelroten Pfingstrosen , die sie gestern von Omas Garten geholt hat, die Blüten und streut sie vom Tisch, durch den Gang bis zur Flurtür.
Schnell schließt sie die Vorhänge und zündet die kleinen Teelichter an.
Nicht zu früh! Denn schon hört sie den Schlüssel und dann ein erstauntes „Nanu?“
Michael bleibt einen Moment stehen und dann als er die Schrift entziffert hat, ist er mit einem langen Schritt bei Elke, nimmt sie in die Arme und murmelt „Ich dich auch.“
Nach einem langen zärtlichen Kuss, fragt er dann aber doch.
Warum diese schöne Liebeserklärung?“
Elke ist etwas enttäuscht. „ Wir haben doch heute unseren Jahrestag, hast du den vergessen?“
Der junge Mann wird etwas verlegen, doch Elke winkt ab und hält ihm die Tickets unter die Nase.
Vier Tage Venedig, morgen früh geht es los!“
Das kommt jetzt aber ein bisschen überraschend,“ brummt Michael unbehaglich.
Die Jungs und ich wollen eine Motorradtour machen.“
Ach und wann hättest du mir das gesagt?“ fragt Elke spitz und dann, sie wussten beide nicht wie es geschah, sind sie mitten in einem erbitterten Streit.
Der damit endet, dass Elke Kopfkissen und Decke auf dem Sofa platziert und die Tür zum Schlafzimmer hinter sich ins Schloss wirft.
Michael seufzt und kratzt sich am Kopf. Er weiß wenn sein Liebling bockt, dann ist nicht mit ihm zu reden.
Er bläst die Teelichter aus und lümmelt sich vor den Fernseher.
Irgendwann schläft er dann ein und bemerkt nicht, wie frühmorgens Elke mit ihrem Koffer an ihm vorbei schleicht.
Ein Ticket lässt sie auf dem Tisch liegen.

Einige Stunden später checkt sie in dem Hotel in Venedig ein. Nachdem sie ihre Kleider im Schrank verstaut und sich ein wenig frisch gemacht hat, nimmt sie ihre Umhängetasche und verlässt das Hotel.
Einen Moment streift ihr Blick eine Gondel, wie gerne wäre sie an Michael geschmiegt darin gefahren.
Entschlossen besteigt sie einen Wasserbus und wandert zum Markusplatz .
Viele Tauben erheben sich, als sie näher kommt, lassen sich aber gleich wieder nieder und streiten sich um die Körner, die die Touristen ihnen zuwerfen.
Die Tische vor dem kleinen Straßencafe sind alle besetzt, und nur noch an einem Tisch an dem ein älterer Herr sitzt, ist ein Stuhl frei.
Elke grüßt höflich und setzt sich, sofort eilt ein Kellner herbei und sie bestellt sich einen Eiskaffee.
Mit strahlenden Augen lässt sie ihre Blicke schweifen und genießt das friedliche Bild.
Gefällt ihnen, was sie sehen?“ hört sie eine amüsierte Stimme.
Begeistert nickt sie und lächelt den alten Mann, der ihr gegenüber sitzt, strahlend an.
Meine Großeltern haben ihre Hochzeitsreise hier gemacht und sie haben so geschwärmt von Venedig, dass es immer schon mein Wunsch war, hierher zu kommen.“
Der alte Mann lächelt wehmütig.
  „ Amore, sie lässt uns vieles durch die rosarote Brille sehen. Hat auch sie die Liebe in unsere schöne Stadt gebracht?“
Elke meint zögernd.
 „ Eigentlich schon, ich habe die Reise gebucht, um unseren Jahrestag zu feiern, aber mein Freund hatte keine Zeit.“
Ihr Gegenüber lächelt nachsichtig. 
„ Streit unter Liebenden, junge Dame, wenn sie einmal in meinem Alter sind, da werden sie feststellen, dass die Zeit zu kostbar wird, um sie mit Streit zu vergeuden.“
Der alte Mann, der wohl viel alleine ist, beginnt nun zu erzählen und so erfährt das Mädchen, dass er gebürtiger Venezianer ist, viele Jahre als Diplomat im Ausland verbracht hat und nun nach Venedig zurück kam,um hier seinen Lebensabend zu beschließen.
Gebannt hört sie ihm zu, als er sehr anschaulich berichtet, wie Venedig inmitten der Lagune eines flachen Binnenmeers auf hundert Inseln gebaut wurde.
Und die ungefähr 150 Kanäle dienen als Straße auf denen der gesamt Verkehr statt findet und selbst Notdienst, Feuerwehr und Polizei sind mit Booten unterwegs.
In den 3000 Gassen darf man nur zu Fuß gehen, nicht einmal Fahrräder sind erlaubt.
Die Häuser stehen auf dem sandigen Boden der Inseln.
Die Fassaden, die am Ufer stehen sind durch Baumstämme gestützt, um ein Abrutschen zu verhindern.
Die Abstände zwischen den Pfeilern sind bis zum Grund des Wassers mit Lehm und Schutt aufgefüllt und bieten somit ein solides Fundament.
Er berichtet auch, dass 1881 die Wasserbusse eingeführt wurden und die Gondoliere aus Widerstand den Canale Grande mit einer Kette blockierten.
Elke lauscht dem allen gespannt und dann kommt sie auf die wunderschönen Masken zu sprechen.
Der alte Mann lächelt.
Ja hinter einer Maske kann man sich gut verstecken. Da wird der König zum Bauern und der Bauer zum König. 
Die Königin zur Schäferin.
Königin Marie Antoinette war so begeistert von den Masken, dass sie auch außerhalb der Maskenbälle ihr zweites Gesicht nicht mehr aufgeben wollte und so ließ sie sich im Schlosspark eine ländliche Idylle schaffen, in der sie von Zeit zu Zeit mit ihrem Hofstaat lebte.
Auch in Venedig dehnte sich das Masken tragen auf den Alltag aus und Adelige aus ganz Europa, wie der österreichische Kaiser Josef II. reisten so inkognito nach Venedig und mischten sich unter das Volk.“
Der alte Mann erhebt sich und stützt sich schwer auf seinen eleganten Spazierstock.
Nun meine junge Dame wünsche ich ihnen noch eine schöne Zeit hier und vergessen sie den kleinen Streit mit ihrem Freund.
Denken sie daran wie vergänglich alles ist, auch Venedig. Jedes Jahr sinkt diese wunderbare Stadt um einige Millimeter und eines Tages wird sie im Meer versinken, wie einst Atlantis. Aber wir beide werden das nicht mehr erleben. Auf Wiedersehen!“
Er verbeugt sich und schreitet langsam davon und lässt eine sehr nachdenkliche Elke zurück.

Plötzlich hat sie das Bedürfnis mit Michael zu telefonieren und macht sich auf den Weg zum Hotel.
Als sie den Wasserbus verlässt, sieht sie vor den Stufen das Hotels eine lange schlaksige Gestalt, die Hände in den Jeans vergraben und einen Rucksack zu seinen Füßen stehen.
Michael!“ jubelt sie und beginnt zu laufen.


© Lore Platz




Mittwoch, 13. Februar 2019

Unsere Miezie Eine Erinnerungsgeschichte

 

 

 

 

Unsere Miezie 

Eine Erinnerungsgeschichte


Sicher hatten viele von euch auch ein Haustier in eurer Kindheit.
Ich finde es schön, wenn man mit einem Tier zusammen aufwächst.
Wir hatten eine Katze, die hieß Miezie.
Ich habe die Endung absichtlich mit „ie“ geschrieben, weil wir die Katze immer Mieziiiiiiiiiii gerufen haben, wenn wir sie suchten.
Eigentlich war sie die Katze meiner Mutter und hat den Rest der Familie nur geduldet.
Da wir auf dem Land lebten, durfte die graue Tigerkatze natürlich über Flur und Feld streifen.
An unserer Wohnungstür war unten eine schmale Luke aus Metall für den Briefträger.
Wenn Miezie von ihren Streifzügen nach Hause kam, klapperte sie mit dem Deckel, bis jemand öffnete.
Dann stolzierte sie mit hoch erhobenen Schwanz wie eine Königin an dem „Türöffner“ vorbei, warf ihm ein kurzes gnädiges „Miau“ zu und schritt dann weiter zur Küche.
Wehe, die Futterschüssel war leer, dann wurde sie solange mit der Pfote bearbeitet bis ein diensteifriger Lakai angelaufen kam und sie füllte.
Miezie war aber auch eine gute Mäusefängerin.
Ich weiß aber nicht, ob sie je eine Maus gefressen hat, denn meisten spielte sie nur mit ihnen, denn an den seltsamsten Orten fanden wir tote Mäuse.
Einmal kam ich nicht in meine im Keller stehenden Gummistiefel, etwas weiches hinderte mich daran.
Als ich den Stiefel ausschüttete, fiel eine tote Maus heraus.
Ein anderes Mal hatten wir Besuch von einem mit meinen Eltern befreundeten Ehepaar.
Die Frau wollte am Sonntag in die Kirche gehen.
Als sie die Wohnungstür öffnete, fing sie entsetzlich zu kreischen an.
Fein säuberlich hatte unsere Miezie drei tote Feldmäuse nebeneinander auf dem Fußabtreter aufgereiht.
Sie wollte uns nur zeigen wie fleißig sie die Nacht gearbeitet hatte.

Meine Schwester bekam wegen unser Katze einmal eine ordentlich mit der Rute gewischt.
Der Bischof Nikolaus und sein scheußlich aussehender Knecht Ruprecht waren gerade bei uns.
Ich durfte den Stab halten, zitterte aber vor Angst und bemühte mich den rauen Gesellen neben dem heiligen Mann nicht zu beachten.
Miezie hatte da kein Bedenken.
Sie sprang auf den Sack, den der Krampus auf dem
Rücken hatte.
Mein Schwester Karin fing an zu kichern und schon hatte sie die Rute im Gesicht.
Zimperlich waren die rauen Gesellen, die den Nikolaus begleiteten, damals nicht.
Überhaupt waren die Sechziger eine rauere Zeit wie heute.
Es war noch nicht üblich die Katzen sterilisieren zu lassen und damit die Vermehrung nicht überhand nahm, wurden die Kleinen gleich nach der Geburt entsorgt.

Unserer Miezie passierte das nur einmal, denn sie war schlau.
Als sie wieder einmal dem betörendem Gesang eines Katers nicht widerstehen konnte und trächtig wurde, verschwand sie eines Tages.
Mutti machte sich große Sorgen um die Katze, aber sie blieb unauffindbar.
Wir dachten schon es wäre ihr was passiert.
Doch als meine Mutter eines Tages aus dem Küchenfenster sah, wer kam da nicht mit hocherhobenem Schwanz mit drei kleinen Katzen die Straße herunter? Miezie!

Als mein kleine Schwester Renate geboren wurde, kam Mutti für einige Tage ins Krankenhaus.
Von diesem Tag an hörte Miezie auf zu fressen.
Wir bettelten, wir schmeichelten und hielten ihr die schönsten Leckereien unter die Nase.
Miezie hob nur kurz den Kopf und ließ ihn dann apathisch wieder sinken.
Wir fürchteten schon, sie würde eingehen.
Kaum aber war Mutti wieder zuhause, kam Leben in die Katze.
Sie schnurrte wieder, sie fraß wieder und lief unserer Mutter auf Schritt und Tritt nach.
Ich denke kein Mensch kann so treu sein, wie ein Tier!

© Lore Platz

Dienstag, 12. Februar 2019

Hermann verliert sein Zuhause

Ich habe einmal mit Regina zusammen eine Geschichte geschrieben und darin kam ein Troll vor. 
Dieser Troll ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich ihn adoptiert habe und eine eigene Serie über ihn geschrieben habe.
Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) meine Tochter


Hermann verliert sein Zuhause


Hermann stapft auf seinen kleinen stämmigen Beinen durch den Wald und hinterlässt im frisch gefallenen Schnee
Fußspuren so klein wie Babyschuhe.
Als er Stimmen hört versteckt er sich schnell hinter einem Busch.
Zornig runzelt der kleine Troll die Stirn. Da war er schon wieder der Grünberockte und diesmal hatte er noch einen Mann dabei. Was wollten die nur hier, sie sollten gefälligst verschwinden.
Hermann presst unwillig die Lippen zusammen.
Die Tanne gehört schließlich ihm, denn darunter liegt seine kleine gemütliche Wohnung.
Es raschelt und der braun gefleckte Jagdhund steht vor Hermann.
Verschwinde!“ zischt dieser und wedelt heftig mit beiden Händen.
Der Hund sieht ihn nur mit seinen braunen Augen aufmerksam an.
Da haut ihm Hermann eins auf die Nase und macht sein schrecklichstes wütendes Trollgesicht. Der Hund jault leise und schiebt sich rückwärts aus dem Gebüsch.
Der Troll aber stapft mit den Füßen auf und schlingt die Arme um sich, denn langsam beginnt er zu frieren.
Endlich, sich leise unterhaltend gehen die beiden Männer
weiter, gefolgt von dem Jagdhund, der noch einmal zurück blickt.
Hermann wartet noch ein wenig, dann läuft er so schnell ihn seine stämmigen Beine tragen können zu der Tanne und schlüpft in seine Wohnung.
Gemütlich hat er es sich eingerichtet. Die Hälfte des Raumes nimmt ein weiches Bett aus Moos ein. Ein Schaukelstuhl, von ihm selbst gezimmert, steht davor und gegenüber auf einem Tisch stehen einige Gläser mit Marmelade, Kirschen, und Mirabellen, daneben liegt ein großer Löffel. Unter dem Tisch sind Nüsse, die er im Herbst gesammelt hat, aufgehäuft
Die Gläser mit der Marmelade und eingemachtem Obst hat ihm der Mann ohne Haare gebracht.
Einmal, es war im Sommer gewesen, hatte Hermann sich in einem Dornbusch verfangen und der alte Mann hatte ihn gerettet. Seit dem sind sie Freunde und ab und zu kommt der Mann ohne Haare vorbei und bringt ihm etwas zu essen, besonders jetzt im Winter, wo im Wald nichts mehr zu finden war.
Hermann nimmt den Löffel und taucht ihn tief in das Marmeladenglas. Genussvoll lässt er dann die süße Köstlichkeit im Mund vergehen. Hmmm! Hermann hat eine große Schwäche für Süßigkeiten.
Zufrieden setzt er sich auf seinen Schaukelstuhl und seine Gedanken schweifen in die Vergangenheit.
Er war der letzte Troll, der nach der großen Katastrophe übrig geblieben war. Der mächtige Feenkönig hatte das Trollreich vernichtet und nur er blieb verschont, wegen seines guten Herzens.
Hermann war der jüngste und schwächste seiner Familie und schon immer etwas anders. Seine Geschwister hänselten und knufften ihn, sein Vater verachtete ihn und seine Mutter schämte sich seiner.
Und auch den anderen Trollen war er ein Dorn im Auge,
besonders nachdem er einen Wichteljungen aus dem See gerettet hatte.
Trolle taten so etwas nicht, sie waren böse, raubten, zerstörten und freuten sich an dem Elend, das sie hinterließen.
Gutsein bedeutete Schwäche und Schwäche war verachtenswert. So hatte Hermann früh gelernt sein gutes Herz hinter einer finsteren Miene zu verbergen.
Das Trollreich lag in einer Schlucht umgeben von riesigen Bergen. Auf einer großen Wiese weideten die Tiere, die sie von ihren Raubzügen bei den Bauern im Tal, mitgebracht hatten.
Schiefe hässliche Häuser reihten sich aneinander in denen die Trolle aber nur schliefen wenn es regnete, ansonsten lagerten sie im Freien.
Wenn sie wieder einmal von einem Raubzug zurück kamen, dann feierten sie ein Fest das tagelang dauerte.
Hermann aber hielt sich abseits. Er fühlte sich nicht wohl unter den grölenden, schmatzenden, rülpsenden Artgenossen.
Eines Tages aber trieben sie es zu weit. Sie brachten von ihren Raubzügen die schöne Tochter des Feenkönig mit. Der Sohn des Anführers wollte sie heiraten, da diese sich aber weigerte, sperrten sie das Mädchen in eine Hütte. Dort wollten sie sie hungern lassen bis sie ja sagte.
Hermann aber hatte Mitleid mit der Feenprinzessin. Als nach einem ausgiebigen Gelage alle wieder schliefen, nahm der den Schlüssel aus der Tasche des schnarchenden Anführers und befreite das Mädchen.
Dies sollte ihm das Leben retten.
Denn bereits am nächsten Morgen kam der Feenkönig und rächte sich fürchterlich. Er ließ die großen Felsen ringsum einstürzen und vernichtet das Trollreich und alle seine Bewohner. Nur Hermann blieb verschont, weil er die Prinzessin befreit hatte.


Ein lautes Klopfen an der Tür holt Hermann aus seinen Gedanken zurück.
Er öffnet die knarrende Tür und steckt seinen dicken zotteligen Kopf heraus.
Draußen steht der Mann ohne Haare und bei ihm die beiden Langhaare, mit denen er in letzter Zeit immer durch den Wald streift.
Was willst du?“ fragt er grimmig.
Du hast ja heute wieder eine Laune!“
Wer sind die Langhaare?“ der Kleine deutet mit dem Finger auf die Mädchen.
Das sind meine Enkelinnen Renate und Susi, sie wollen dich kennen lernen.“
Also nun kennen sie mich ja!“
Der Troll will zurück in seine Wohnung, doch blitzschnell packt ihn der alte Mann am Rockzipfel und hebt ihn hoch.





Hermann zappelt mit den Beinen und schlägt mit den Armen um sich.
Lass mich sofort los, du dummer alter Mann!“ kreischt er wütend.
Du kannst nicht hierbleiben, bald kommen die Waldarbeiter und werden den Baum fällen.“
Niemand wird meine Wohnung fällen, ich werde sie verzaubern.“
Du vergisst, dass dir deine Zauberkräfte genommen wurden,“ meint Opa Schindel leise und setzt Hermann vorsichtig auf den Boden.
Der Troll sieht traurig auf seinen Baum, der solange sein Zuhause war.
Du kannst bei mir im Schuppen wohnen, dort hast du Platz und es ist schön warm.“
Ja und wir werden es dir ganz gemütlich machen,“ versprechen die Mädchen.
Ich will aber nicht bei dir wohnen, ich will hier bleiben, hier unter meinem Baum!“
Wütend stapft der kleine Gnom mit dem Fuß auf, dann setzt er sich in den Schnee und beginnt lauthals zu weinen.
Mitleidig beugen sich die Mädchen zu ihm hinab und Renate nimmt die Plätzchendose aus dem Rucksack und als sie den Deckel öffnet versiegen die Tränen so schnell wie sie gekommen sind.
Die Hand des Trolls fährt blitzschnell in die Dose, packt ein paar Plätzchen und stopft sie in den Mund.
Opa und die Mädchen lachen.
Hermann aber verschwindet in seinem Haus und kommt gleich darauf mit den Einmachgläsern wieder, die er im Schnee abstellt.
Renate und Susi verstauen die Gläser in ihren Rucksäcken.
Hermann läuft zurück und als er wieder kommt zieht er seinen Schaukelstuhl hinter sich her.
Opa Schindel nimmt den Stuhl unter den Arm und dann gehen sie gemeinsam nach Hause.
Sehr viel später, als Hermann in seiner neuen gemütlichen Stube in der Ecke des Schuppens in seinem Schaukelstuhl sitzt, einen Teller voller Plätzchen auf dem Schoß, eine lecker duftende Tasse Kakao auf dem Tisch neben sich, da ist er doch recht zufrieden mit seiner neuen Behausung.
Am nächsten Morgen kommt eine der Langhaare, Susi heißt sie wohl, zu ihm in den Schuppen und fragt, ob er mit ihnen kommen möchte, sie wollen seine Tanne im Dorf bewundern.
Erst will er nicht, doch dann siegt die Neugier, vielleicht waren es ja auch die Plätzchen, die das andere Langhaar bringt und sich der Bitte anschließt.
Hermann wird in Susis Rucksack gesteckt und nun gehen die vier mit dem Troll auf dem Rücken ins Dorf.
Hermann staunt, wie wunderschön seine Tanne aussieht. Sie ist geschmückt mit Kugeln, Strohsternen, Engeln und Lametta und hunderte von Lichtern leuchten.
Als dann die Menschen noch anfangen zu singen, da wird es dem Troll ganz eigenartig ums Herz.

Und er ist stolz auf seinen Baum, er nun in einem wunderbaren Licht erstrahlt.


© Lore Platz





Montag, 11. Februar 2019

Schule - Erinnerungsgeschichte

Am Freitag gab es Zwischenzeugnisse.
Da ich jahrelang Nachhilfe gegeben habe, weiß ich wie Kinder unter schlechten Noten leiden.
Selbst die abgebrühten, die die Schultern zucken und sagen "ist mir doch egal"
Der Druck nicht nur von der Schule, sondern auch vom Zuhause ist enorm.
Wollen viele Eltern doch, dass ihre Kinder es mal besser haben wie sie und die höhere Schule besuchen.
Damals dachte ich mir schon, wenn das Kind in der vierten Klasse Grundschule schon Nachhilfe braucht, wie soll es die höhere Schule schaffen.
Aber gegen ehrgeizige Eltern zu kämpfen ist ein Kampf gegen Windmühlen.
Sie merken gar nicht, dass sie ihren Kindern ein Stück ihrer unbeschwerten Kindheit nehmen.
Nach einer DAK Studie leidet fast jeder zweite Schüler unter Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, infolge Stress, Mädchen noch mehr als Jungen.
Die Gründe sind hoher Leistungsdruck, schlechte Noten oder schlechtes Essen.





Erinnerungen

Auch für mich war das Jahr 1956 ein aufregender Tag und es gab sogar schon eine Schultüte, natürlich nicht so reich gefüllt wie sie heute sind.
Es gefiel mir auch ganz gut in der Schule, wenn nicht der lange Schulweg gewesen wäre.
Das Laufen machte mir nichts aus, denn ich war so ein richtiger "Hans-guck-in-die-Luft"
Meine Mutter schickte mich auch immer früher los, da sie wusste, dass ich eine kleine Trödelliese war.
Meine Schwester fuhr mit dem Rad.
Sie war fünf Jahre älter als ich und ein richtiger Wildfang und ihre Freunde auch.
Ich dagegen war ein schüchternes, ängstliches Dingelchen und eine  furchtbare Heulsuse.
Meine arme Schwester musste mich immer mitschleppen, was nicht leicht für sie war.
Denn meistens wenn ich endlich den Mut aufbrachte mit ihren wilden Spielen mitzumachen, dann passierte mir etwas.
Einmal hatte die ganze Bande ein lustiges Spiel im Heuschober entdeckt.
Sie rannten die hölzernen Stufen hinauf  auf den Heuboden und sprangen durch die Luke mit Geschrei und Hurra auf das darunter
liegende Heu.
Die Stufen hinauf bin ich ja noch gegangen, aber an der Luke blieb ich stehen und schaute schaudernd in die Tiefe.
Meine Schwester forderte mich ständig auf zu springen.
Endlich fasst ich mir ein Herz und sprang.
Aber in meiner Angst verkrampfte ich mich, kam mit dem Knie an meine Nase und fing fürchterlich an zu bluten.
Natürlich flossen meine Tränen reichlich



Und dann war da noch der Schulweg.
Auf meinem Schulweg musste ich an einer Tankstelle vorbei und der Sohn des Besitzers war ein richtiger Rüpel.
Jedes Mal, wenn ich vorbei ging, kam er wie ein "Schachterlteufel"
heraus geschossen und schmetterte frei nach der "Vogelhochzeit"
"Die Neuheule, die Neuheule, die macht ein groß Geheuheule!"
Dieses Geheule verleidete mir den ganzen Schulweg und ich sann, wie ich dem Entkommen konnte.
Als ich wieder einmal auf der Anhöhe stand , auf deren rechter Seite die Tankstelle war, klemmte ich meine Daumen unter die Lederriemen meines Schulranzens und rannte los.
Der Tornister auf meinem Rücken hüpfte auf und ab.
Die Schiefertafel und die Griffelschachtel klapperten, aber ich lief und lief und erst nachdem ich an der Tankstelle vorbei war, ging ich wieder langsamer.
Nach einiger Zeit hörte der "Spottgesang" auf.
Habt ihr schöne Erinnerungen an die Schule?
Meine erste Begegnung mit derLehrerin war fürchterlich.
Ich wurde nach meiner Taufpatin Elisabeth genannt und als zweiten Namen Eleonore, da dieser Name meiner Mutter so gefiel.
Und deshalb nannte mich auch niemand Elisabeth zuhause, sondern Eleonore.
Als wir mit unseren Schultüten aufgeregt in den noch ungewohnten Bänken saßen war die Welt noch in Ordnung.
Doch am nächsten Tag ging der Albtraum los.
Da die Lehrerin meine Geburtsurkunde vorliegen hatte, ging sie natürlich davon aus , dass ich Elisabeth hieß.
Da ich es nicht gewohnt war, reagierte ich nicht auf diesen Namen und fühlte mich nicht angesprochen.
Das machte sie so wütend, dass sie anfing mit Kreide nach mir zu werfen.
Als ich sie nur entsetzt und mit großen Augen ansah, brachte sie das noch mehr in Wut und sie raste wie eine Furie auf mich zu und schlug mir das staubige Kreidehandtuch um die Ohren, bis ich heulte.
Ich war natürlich total eingeschüchtert und verschreckt.
Am nächsten Tag musste meine Mutter in die Schule kommen und die Lehrerin teilte ihr mit,
dass ich bösartig und verstockt sei und nicht hören würde.
Meine Mutter konnte das gar nicht fassen, war ich doch ein schüchternes, verträumtes und vor allem sehr braves Mädchen.
Dann fragte sie einer Eingebung folgend wie Fräulein Hartleitner (nie werde ich diesen Namen vergessen) mich denn rufen würde.
Und dann klärte sich das Missverständnis auf.
Das Verhältnis zwischen der Lehrerin und mir entspannte sich etwas, aber wir wurden uns beide nie sympathisch.

© Lore Platz













Freitag, 8. Februar 2019

Drei gute Freunde

Gestern habe ich ein Pferd auf dem Baum gesehen, was ihr glaubt mir nicht und denkt womöglich ich wäre mit Baron Münchhausen verwandt.
Wirklich ihr könnt mir glauben, es stimmt.
Bei meinem Nachbarn im Garten sind die Bäume voller Schnee, der während des Tages herunter fiel.
Und als ich wieder mal aus dem Fenster sah, hatte der zurück gebliebene Schnee die Form eines Pferdekopfes.
Schade dass ich keine Kamera bei der Hand hatte.

Viel Spaß beim Lesen!



(c) Peter S.



Drei gute Freunde

Der Bauernhof lag etwas abseits in einer schönen Gegend.
Doch wie sah es hier aus. Alte verbogene Milchkannen lagen herum. Verrostete Maschinenteile lehnten an der Wand des Stalles, von der der Verputz bröckelte und aus dem Stall drang ein Gestank, als wäre er schon wochenlang nicht mehr ausgemistet worden.
Eben führt der Bauer, der genauso verwahrlost aussah, wie sein Hof, eine Stute aus dem Stall.
Er zerrte sie mehr, als dass er sie führte.
Das arme Tier sah schrecklich aus. Es war so dünn, dass man die Rippen zählen konnte. Sein glanzloses Fell war total verdreckt und auf der Hinterhand waren Narben zu sehen, die wohl von Schlägen herrührten.
Es trottete traurig neben seinem Herrn, nur als es an seinem Freund, dem Hofhund vorbeikam, der an einer Kette vor seiner Hütte lag, hob es kurz den Kopf.
Der Hofhund bellte zum Gruß, doch der Bauer brüllte:
Halt´s Maul!“
Er spannte das Pferd vor einen voll beladenen Wagen und ließ die Peitsche auf den Rücken des armen Tieres sausen.
Die Stute zuckte zusammen und bemühte sich verzweifelt, den Wagen vorwärts zu ziehen, doch sie war einfach zu schwach.
Der Bauer fluchte und schlug wütend auf das Tier ein, doch der Wagen bewegte sich nicht.
Rot im Gesicht vor Jähzorn schirrte der Bauer das Pferd aus, führte es zur Seite und begann erbarmungslos auf es einzuschlagen.
Die Stute wieherte vor Schmerz und bemühte sich verzweifelt den Schlägen auszuweichen.
Sein Freund der Hofhund bellte lärmend und versuchte ihr zu Hilfe zu kommen, doch die Kette riss ihn immer wieder zurück.
Die Bäuerin von dem Lärm angelockt stürzte aus dem Haus.
Simon, du schlägst sie ja tot!“ rief sie verzweifelt.
Ruf den Abdecker an,“ knurrte der Unhold und wandte sich ab.
Im Vorbeigehen trat er mit dem Fuß nach dem bellenden Hund, stieß seine Frau in den Hausgang und brüllte:
Hab´ich dir nicht gesagt, du sollst den Abdecker anrufen!“
Er gab ihr eine Ohrfeige und beide verschwanden im Haus.
Der Hund, nennen wir ihn Randi, starrte zur Stute, die wir Herta nennen wollen, hinüber.
 
(c) Werner B.

Sie bewegte sich nicht, ob sie wohl tot war?
Er legte sich nieder, den zotteligen Kopf auf den Pfoten und starrte vor sich hin.
Ein kleiner Hase hoppelte über die Wiese, schlüpfte durch das Loch im Zaun und knabberte genüsslich an den Salatblättern.
Erstaunt hob er den Kopf.
Es war ja heute so still. Sonst bellte Randi immer, wenn er ihn sah.
Mit großen Sprüngen überquerte der Hase den Hof und blieb bei Randi stehen.
Weinst du?“ wollte er wissen.
Der Hund sah ihn traurig an.
Der Alte hat Herta tot geschlagen.“
Der Hase erschrak und seine Nase zuckte aufgeregt.
Er hüpfte hinüber zu der Stute und stupste sie mit der Nase an.
Herta öffnete die Lider und sah ihn aus ihren schönen braunen Augen traurig an.

 
(c) R.M.z.V

Der Hase hoppelte zurück.
Sie lebt noch,“ verkündete er.
Randi rührte sich nicht.
Ich kann ihr doch nicht helfen,“ seufzte er mutlos.
Der Hase besah sich die Kette.
Die ist aus Eisen, die kann ich nicht durchbeißen“,
murmelte er vor sich hin, „ aber dein Halsband ist doch aus Leder, leg deinen Kopf zur Seite.“
Rande gehorchte teilnahmslos und der Hase schlug seine kräftigen Zähne in das Lederband.
Plötzlich öffnete sich die Tür und der Bauer stapfte zu seinem alten Auto.
Der Hase war blitzschnell in der Hundehütte verschwunden.
Nach einer Weile spähte er zitternd hervor.
Ist er weg?“ wisperte er.
Ja, er fährt jetzt zum Wirt und wenn er zurück kommt, ist er noch schlimmer.
Der Hase machte sich wieder an die Arbeit und bald war Randi frei.
Er schüttelte seinen zotteligen Kopf sie liefen zu Herta hinüber.
Randi stupste sie an.
Herta, bitte wach` doch auf. Wir müssen hier fort. Wenn der Bauer zurück kommt und sieht, dass du noch lebst, dann schlägt er dich tot.“
Die Stute versuchte verzweifelt auf die Beine zu kommen, doch immer wieder kippte sie um.
Doch Randi gab nicht auf.
Er feuerte sie an, sprach ihr Mut zu, bettelte und flehte.
Endlich stand die Stute zitternd auf ihren vier Beinen.
Der Hund nahm die Zügel ins Maul und führte seine Freundin hinter dem Hasen her, der ihnen im Wald eine geheime Höhle zeigen wollte.
Herta wankte mit halb geschlossenen Augen neben ihren Freunden und Randi war froh, als sie endlich den schützenden Wald erreichten.
Als sie in die Höhle kamen, war es mit Hertas Kraft vorbei und sie stürzte zu Boden.
Ist sie tot?“ fragte ein Eichhörnchen, das neugierig näher gekommen war.
Randi beobachtete die zitternden Flanken seiner Freundin und sah auch, dass ihr Brustkorb sich hob und senkte und schüttelte den Kopf.
Ich muss Hilfe holen!“ In großen Sprüngen eilte er ins Dorf.
Zwei Mädchen spielten im Garten. Das kleinere der Beiden wandte sich schreiend um, als es den Hund kommen sah.
Doch ihre Schwester Karin ging beherzt auf das Tier zu und streckte ihm die Hand entgegen, damit er ihren Geruch aufnehmen konnte und streichelte den Hund dann vorsichtig.
Komm Elli, er ist ganz lieb.“
Ängstlich ging die Kleine näher, doch als der Hund sie liebevoll mit der Nase stupste, legte sie vorsichtig ihre Hand auf seinen Kopf und als er sich nicht bewegte, begann sie ihn behutsam zu streicheln.
Randi, der noch nicht viel Liebe erfahren hatte, genoss es von den beiden Mädchen geknuddelt zu werden.
Doch dann fiel ihm seine schwer verletzte Freundin wieder ein.
Er packte die Kleinere am Rock und zerrte sie Richtung Wald.
Elli schubste ihn lachend weg.
Randi bellte kurz und packte Karin am Rock.
Ich glaube er will uns etwas zeigen,“ meinte diese.
Als hätte der Hund sie verstanden, lief er los, drehte sich um und bellte auffordernd.
Die beiden Mädchen folgten ihm und standen wenig später erschüttert vor dem gequälten Pferd.
Karin liefen die Tränen über die Wangen und auch Elli schluchzte laut.
Sie knieten beide nieder und strichen zart über den Kopf des Pferdes.
Dieses bewegte sich nicht, nur am Heben des Brustkorbs stellten sie fest, dass es noch lebte.
Wer kann nur so grausam sein,“ flüsterte Elli, als sie die offenen, blutenden Striemen betrachtete.
Wir müssen ihm helfen!“
Karin nickte, „ komm wir holen den Tierarzt.“
Die beiden Mädchen nahmen sich an der Hand und liefen durch den Wald ins Dorf.
Atemlos polterten sie ins Wartezimmer.
Eine ältere Frau mit einem Korb auf den Knien, in dem eine siamesische Katze fauchte, sah die Mädchen missbilligend an.
Könnt ihr nicht manierlich ein Zimmer betreten und wie ihr bloß ausseht, schmutzig und zerzaust.“
Ein Junge in Lederhosen, auf dessen rechtem Oberschenkel eine Schildkröte saß, lächelte die Mädchen freundlich an.
Hallo Karin, hallo Elli, wo habt ihr den euer krankes Tier?“
Die Mädchen erzählten ihm aufgeregt von dem verletztem Pferd im Wald.
Anderl sprang so schnell auf, dass die Schildkröte beinahe
auf den Boden gefallen wäre. Doch gekonnt fing er sie auf und rannte gefolgt von den Mädchen in das Zimmer des Arztes.
Dieser verabschiedete sich gerade von einem kleinen Mädchen, das vorsichtig einen Käfig mit einem Wellensittich
vom Tisch hob.
An der Tür erschien die Sprechstundenhilfe mit hochrotem Kopf.
Entschuldigen sie Herr Doktor, die Kinder sind einfach an mir vorbei gerannt.“
Schon gut Margret.“
Die junge Frau verließ mit dem kleinen Mädchen und seinem Sittich das Zimmer.
Der Tierarzt wendete sich an die Kinder.
Wo brennt`s denn?“
Der Junge und die Mädchen erzählten nun von dem misshandelten Pferd im Wald.
Der Doktor nahm mit ernstem Gesicht seine schwarze Tasche und verließ mit den Kindern das Zimmer.
Im Vorbeigehen sagte er seiner Sprechstundenhilfe, dass er zu einem Notfall müsse.
Anderl legte grinsend seine Schildkröte auf den Schreibtisch.
Pass gut auf sie auf!“
Im Hof kletterten sie in den dunkelblauen Geländewagen und waren bald im Wald.
Erschüttert stand der Tierarzt wenig später vor dem übel zugerichteten Pferd.
Das ist die Stute vom Huberbauern, diesmal ist er dran,“ brummte er grimmig.
Er gab dem Pferde eine Spritze und säuberte dann vorsichtig die Wunden.
Die Kinder halfen ihm die Salbe aufzutragen und Randi saß zufrieden daneben und beobachtete alles aus klugen Augen.
Wird es wieder gesund?“ fragte Elli ängstlich.
Ich hoffe es,“ seufzte der Arzt, „aber wir können es nicht hier liegen lassen.“
Ich hol den Vater!“ rief Anderl
Ja und schau auch beim Gendarm vorbei!“
Karin hatte den Kopf des Pferdes in ihren Schoß gebettet und streichelte es liebevoll.
Elli kniete neben Randi und hatte tröstend die Arme um ihn gelegt.
Das Geräusch eines Bulldozers war zu hören und Anderl mit seinem Vater und drei kräftigen Männern, sowie dem Dorfpolizisten betraten die Höhle.
Randi bellte begrüßend und Anderl kraulte ihn hinter den Ohren.
Entsetzt standen die Männer vor dem Pferd und nur die Anwesenheit der Mädchen hinderte sie daran einen kräftigen Fluch auszustoßen.
Der Polizist nahm seinen Block und machte sich Notizen.
Ich werde dafür sorgen, dass der Huberbauer keine Tiere mehr halten darf,“ versprach er grimmig.
Am besten, wir bringen die Stute zu uns,“ meinte Anderls Vater und sah den Polizisten fragend an.
Dieser nickte und Anderl fragte: „Dürfen wir den Hund auch behalten?“
Auch das wurde erlaubt.
Es war einen verflixte Schinderei das Pferd auf den Wagen zu schaffen und die Männer kamen ganz schön ins Schwitzen.
Doch endlich lag es auf der Plane und Randi sprang auf den Wagen und legte sich neben seine Freundin.
Anderl kletterte ebenfalls hinauf und streichelte beruhigend den Hals der Stute, die unruhig mit den Beinen zappelte.
Tuckernd setzte sich der Bulldozer in Bewegung.
Der Gendarm sah ihnen eine Weile nach.
Ich werde jetzt zum Huberbauern gehen,“ brummte er mit grimmigem Gesicht und stapfte davon.
Karin und Elli kletterten zu dem Doktor in den Geländewagen und er fuhr sie nach Hause.
Ein kleiner Hase, der alles aus sicherer Entfernung beobachtete hatte, hoppelte zufrieden davon.
Der Huberbauer aber bekam eine kräftige Geldstrafe und durfte keine Tier mehr halten.
Herta aber wurde wieder gesund und tollte zusammen mit Randi glücklich über die Wiese.
Karin und Elli besuchten sie fast täglich. 

(c) Lore Platz