Freitag, 6. Dezember 2019

Der alte Krishna erzählt






Der alte Krishna erzählt


Tobias setzt den letzten Punkt unter seinen Aufsatz. Geschafft! Er stopft das Heft in den Schulranzen und springt auf, um dann polternd die Treppe hinunter zu laufen.
Gerade schnürt er seine Stiefel, als die Mutter mit seiner kleinen Schwester an der Hand vom Keller herauf kommt.
Tobi, bist du so lieb und nimmst Andrea mit, heute kommt Frau von Ützen zur Anprobe und du weißt sie ist immer sehr eigen und vor allem empfindet sie
Kinder als störend.“
Seine Mutter war Schneiderin und der Vater hatte ihr im Keller ein Atelier eingerichtet und sie war sehr erfolgreich.
Warum kann denn Lisa nicht aufpassen!“
Lisa war das Nachbarmädchen.
Lisa schreibt morgen eine Klausur und muss lernen, bitte mein Großer!“
Der Zehnjährige nickt und hilft seiner kleinen Schwester in den Schneeanzug.
Andrea freut sich, sie liebt ihren großen Bruder und geht gerne mit ihm.
Auch Tobias liebt seine kleine Schwester, aber heute wollte er mit seinem Freund Bertram am Hang zum Rodeln gehen, aber mit der Kleinen war das nicht möglich.
Er nimmt Andrea an die Hand und sie gehen den kurzen Weg zum dem Haus, in dem Bertram wohnt.
Dieser öffnet mit missmutigem Gesicht, doch als er Andrea sieht, grinst er.
Du auch? Ich muss Elke mitnehmen, denn meine Mutter muss zum Zahnarzt.“
Frau Mertens kommt in den Flur, ihre Backe ist geschwollen, doch als sie Andrea sieht, lächelt auch sie.
Da wird Elke sich aber freuen und Bertram wird auch nicht mehr so grummelig sein, wenn ihr beide heute Babysitten müsst.“
Die beiden Mädchen laufen Hand in Hand voraus, während die Jungen ihnen langsam folgen.
Etwas sehnsüchtig sehen sie zum Hang hinüber,wo die Kinder johlend auf Schlitten oder Plastiktüten hinunter rutschen.
Was machen wir nun?“ will Bertram wissen.
Tobi zuckt die Schultern, doch dann hat er eine Idee.
Wir gehen zu Krishna!“
Krishna war der alte Schäfer des Dorfes und wohnte mit seinen Schafen in einem umgebauten Schuppen.
Er war früher zur See gefahren und konnte wunderbare Geschichten erzählen, von Haien, Löwen und Tiger, ja, einmal war er sogar im Bauch eines Walfisches gefangen.
Und einmal wäre er fast in dem Suppentopf bei den Kannibalen gelandet.
Bald sitzen sie auf Heuballen bei dem alten Schäfer im Schuppen.
Der alte Mann hat aus dem Nebenraum, in dem sich eine kleine Küche befindet, für alle Kakao geholt und
nun hat jedes der Kinder einen warmen Pott zwischen den Händen und aufmerksam beobachten sie Krishna dabei, wie er seine Pfeife stopft.
Der alte Schäfer lächelt und meint:
Gefällt euch wohl meine Pfeife, joo Kinners die bekam ich mal als junger Mann vom Hl. Nikolaus geschenkt, zum Dank dafür, dass ich den Knecht Ruprecht vertreten habe.
Wollt ihr die Geschichte hören?“
Die Kinder nicken eifrig und selbst die Schafe blöken und drängen näher ans Gatter, als wollten auch sie zuhören.
Arno, der Schäferhund legt sich zu Füßen seines Herrn, der genüsslich an seiner Pfeife zieht und beginnt:




Als junger Mann bin ich zur See gefahren, wie ihr ja wisst, war eine schöne Zeit.
Nur meiner alten Mutter, der war es nicht recht, wenn ich nur alle paar Monate nach Hause kam.
Wieder einmal hatte ich Landurlaub und stapfte mit meinem Seesack auf den Schultern durch den Wald, zum Haus meiner Mutter.
Da hörte ich plötzlich ein komisches Geräusch, leise ging ich weiter, denn man konnte ja nie wissen, was einem so begegnet im Wald.
Da sah ich doch einen Schlitten, der umgekippt im Schnee lag und in einem großen Schneehaufen steckte kopfüber ein Bär!
Nun ging ich vorsichtig näher, bisschen bange war
mir schon, aber ich konnte das arme Tier ja nicht so liegen lassen.
Also fasste ich von hinten an das zotteligen Fell und zog kräftig daran.
Auf einmal gab es einen Ruck und beide saßen wir im Schnee.
Nu fing doch der Bär plötzlich zu sprechen an und ich sah, dass es ein potthässlicher Kerl war, der nur einen zotteligen Mantel anhatte.
Danke Krishna,“ stöhnte er, „ich hätte beinahe keine Luft mehr bekommen.
Woher kennst du mich denn?“ fragte ich perplex.
Ich kenne dich schon seit deiner Kindheit, warst ein wilder Bursche und hast deiner Mutter viel Kummer gemacht, mehr als einmal musste ich die Rute da lassen. Ich bin nämlich Knecht Ruprecht!“
Und wo ist der Hl.Nikolaus?“
Der besucht gerade einige Kinder im Dorf.
Ich sollte im Schlitten warten.
Und weil mir langweilig war, bin ich ein wenig spazieren geflogen, aber nicht hoch genug, habe mich in den Bäumen verheddert und diese Bruchlandung hingelegt. Hilf mir mal hoch!“
Immer noch verdatterte half ich ihm auf die Beine, doch mit einem Stöhnen kippte er wieder um.
Ich konnte ihn gerade noch festhalten und half ihm sich auf meinen Seesack zu setzen.
Er rieb sein Bein.
Da ich etwas Heilkunde von meiner Mutter gelernt hatte, untersuchte ich das stark geschwollene Bein.
Es war nicht gebrochen, aber wohl verstaucht.
Aber wisst ihr was Kinners, der olle Kinderschreck jammerte wie eine Memme.


Dann kam der Hl. Nikolaus in Begleitung zweier Engel zwischen den Bäumen auf uns zu.
Der heilige Mann betrachtete kopfschüttelnd das Häufchen Elend, das da zusammen gekauert auf meinem Seesack hockte, dann sah er hinüber zu dem umgestürzten Schlitten.
Denkst du Krishna, du kannst den Schlitten alleine aufrichten, Ruprecht wird dir wohl nicht helfen können.“
Dieser zog den Kopf ein und wurde tatsächlich rot.
Bald hatte ich den Schlitten wieder startbereit.
Ich warf meinen Seesack auf den Rücksitz und half dem ollen Ruprecht, der keinen Laut von sich gab
und kein bisschen mehr jammert, hinauf.
Die Engel kletterten auch auf den Seesack und hüpften kichernd darauf herum.
Ich selbst aber klemmte mich hinter das Steuer und der Hl. Mann setzte sich neben mich.
Denkst du, du kannst den Schlitten fahren?“ fragte er-
Ich besah mir die vielen Knöpfe und meinte etwas großspurig:
Wer einen großen Dampfer fahren kann, der kann auch so ein kleines Ding vorwärts bringen!“
Na,na!“ meinte der Hl. Nikolaus.
Ich ließ mir von Knecht Ruprecht die vielen Knöpfe erklären, dann drückte ich vorsichtig auf den Startknopf.
Der Schlitten ruckelte ein wenig, hopste in die Höhe und blieb still stehen.
Nach einigen Versuchen hatte ich es raus wie man
das Ding in Bewegung setzte und potzblitz standen wir vor Mutterns Hütte.
Die Gute war ganz aufgeregt, als wir plötzlich alle in der Stube standen.
Sie führte den Bischof zu ihrem Lieblingssessel am Kamin und den Engeln drückte sie jedem einen Keks in die Hand.
Ich hatte Knecht Ruprecht inzwischen bei der Ofenbank abgeladen, der keinen Mucks abgab, denn er schämte sich wohl vor dem hl.Mann
Als ich ihm mit meinem Messer den Stiefel aufgeschnitten hatte, begann das Bein anzuschwellen wie eine rote Melone.
Meine Mutter holte gleich ihre Töpfchen mit Salben und Tinkturen und ich setzte mich an den Tisch und suchte nach meiner Pfeife.
Dann fiel mir ein, dass sie ja auf der letzten Reise über Bord gefallen war und sich nun sicher der Wassermann daran erfreute.
St. Nikolaus aber bat mich, ihn doch anstelle von Knecht Ruprecht zu begleiten, denn so wie es aussieht, wäre der im Moment keine große Hilfe.
Sie müssten nur noch die umliegenden Dörfer besuchen, dann ging es zurück in den Himmel.
Natürlich sagte ich zu und bemerkte, dass meine Mutter mächtig stolz auf mich war.
Ich schlüpfte also in den zotteligen Mantel von Knecht Ruprecht.
Als dieser mich darauf hinwies, dass in der rechten Manteltasche die Rute steckt, schüttelte ich den Kopf.
Ne, ich erschrecke keine kleinen Kinder und schlage sie auch nicht!“
Musst du auch nicht, du kannst im Schlitten draußen warten.
Und Knecht Ruprecht schlägt auch keine Kinder, das würde ich nie erlauben. Er übertreibt es nur manchmal mit seinen Drohungen.“ beruhigte mich der Nikolaus.
Dann ging es los. Schneller als der Wind sausten wir durch die Gegend und es war weit nach Mitternacht, als wir wieder vor Mutterns Hütte standen.
Knecht Ruprecht saß auf der Ofenbank, das dick verbundene Bein auf einem Schemel und schlürfte mit vergnügtem Gesicht eine Tasse Kakao.
Bald hatten auch wir jeder eine Tasse Kakao in der Hand, dazu hatte Muttern eine große Platte mit belegten Broten gemacht und freute sich wie wir reinhauten.
Wir erzählten und lachten bis die Sonne aufging, dann weckten wir die Engel, die auf dem Sofa eingeschlafen waren und ich half Knecht Ruprecht auf den Schlitten.
Diesmal musste er fahren, aber da dank meiner Mutter sein Fuß nicht mehr schmerzte war er ganz fidel.
Bevor sie abfuhren reichte der Hl. Nikolaus mir diese
wunderschöne Pfeife und Muttern bekam ein warmes Wolltuch und eine schöne Schatulle für allerlei Krimskrams.
Wir winkten ihnen noch nach, bis sie nur noch ein kleiner Punkt am Horizont waren.


Die Pfeife aber habe ich bis zum heutigen Tag in Ehren gehalten.“
Eine Weile ist es still, dann seufzen die Mädchen, das war eine schöne Geschichte.
Tobias aber sieht auf seine Armbanduhr und meint bedauernd:
Nun müssen wir leider nach Hause.“
Sie bedanken sich bei Krishna für die heiße Schokolade und die tolle Geschichte, dann verlassen sie die Scheune.
Während die Mädchen kichernd voraus laufen, sind die beiden Jungen auffallend still.
Denkst du, die Geschichte ist wahr?“ fragt Tobi seinen Freund.
Bertram zuckt mit den Schultern.
Mein Vater sagt, dem Krishna darf man nicht alles glauben, er spinnt gerne Seemannsgarn.“
Was ist das?“
Keine Ahnung!“
Da trifft ihn ein Schneeball.
Die Mädchen haben sich kichernd hinter den
Büschen versteckt und bewerfen sie von dort mit Schneebällen.
Na wartet!“
Bald sind sie mitten in einer fröhlichen Schneeballschlacht.

© Lore Platz




Donnerstag, 5. Dezember 2019

Eine Nikolaus Geschichte

Durch die Globalisierung rückt die Welt doch immer mehr zusammen und ich habe mich im Internet auf die Suche nach Weihnachtsbräuchen in anderen Ländern gemacht.
Ist schon etwas Schönes, dieses Internet.
Als ich früher meinen Nachhilfe-Kindern bei einem Referat half, musste ich immer mehrere Bücher wälzen.
Jetzt gebe ich nur noch ein, was ich wissen möchte und erhalte eine Fülle von Informationen.
Dann wollen wir mal sehen, wie die Holländer feiern.





Die Holländer feiern nicht am 24.12. Weihnachten, sondern die große Feier ist am 6. 12.
Ende November kommt der Sinterklaas, bekleidet mit rotem Bischofsmantel, Bischofsmütze und weißen Handschuhen mit einem Schiff in Amsterdam an und reitet auf seinem Schimmel an Land. Dort werden er und sein Begleiter, der Zwarte Piet in einer großen Prozession zum Königspalast geführt und von Königin Beatrix empfangen.
Die Kinder stellen die Stiefel neben den Ofen, dazu einen Eimer Wasser, eine Mohrrübe und etwas Heu für den Schimmel
denn Sinterklaas und der Zwarte Piet reiten nachts über die Dächer der Häuser und verteilen kleine Geschenke.
Am 5.12 wird dann ein großer Sack für Geschenke vor die Tür gelegt und am 6.12.findet ein richtiges großes Familienfest statt, bei der die Kinder und die Erwachsenen beschenkt werden.
Die Geschenke werden aufwendig verpackt, oft steckt eine Schachtel wieder in einer anderen Schachtel und bei jedem Geschenke liegt ein Gedicht, die den Beschenkten verulken.
Die Unterschrift unter dem Gedicht ist Sinterklaas.
Man sieht die Holländer sind ein humorvolles Volk.


Eine Nikolaus Geschichte

Hattet ihr als Kinder auch immer so Angst vor dem Nikolaus?
Mir war immer so bange, denn der begleitende Knecht Ruprecht war ein rauer Geselle und mit der Rute nicht zimperlich.
Einmal ist unsere Katze auf seinen Sack mit den Geschenken gesprungen und meine Schwester Karin kicherte, bautsch , da hatte sie eine mit der Rute bekommen.
Von meinem Mann wurde eine Geschichte überliefert, die mich immer wieder zum Lachen brachte:
Die Familie saß wartend auf den Nikolaus um den Tisch herum, da stellte sich Klein-Kurtl mitten ins Zimmer und prahlte:
Ich habe keine Angst vor dem Nikolaus, wenn der kommt, dann hau ich ihm eine runter, dass er denkt das Christkind ist ein Adler!“
Da klopfte es an der Tür.
Der noch eben so mutige Prahlhans sprang quer über den Tisch
auf den Schoß seiner Oma.






Herrn Brummi kehrt heim


Traurig sieht die kleine Grete aus dem Fenster.
Wo Herr Brummi wohl jetzt war? Es war September gewesen, als sie ihren geliebten Teddybären im Wald vergessen hatte. Schrecklich geregnet hatte es und deshalb wollte Mama nicht mehr zurück laufen. Und am nächsten Tag konnten sie Herrn Brummi nicht mehr finden.
Viele Nächte hatte Grete sich seitdem in den Schlaf geweint und es abgelehnt, als Mama ihr einen neuen Bären kaufen wollte.
Niemand konnte Herrn Brummi ersetzen.





Es ist inzwischen Ende November und es hat zu schneien begonnen.
Herr Brummi war damals von einer alten Kräuterfrau mitgenommen worden und dann zusammen mit deren Pflanzen an eine Gärtnerei verkauft worden.
Dort saß er nun vor der Tür in einem Wagen mitten zwischen allerlei Blumen. Erst freute er sich, denn er dachte vielleicht kommt ja seine Grete vorbei und entdeckt ihn und nimmt ihn wieder mit nach Haus, doch die Tage vergingen und Herr Brummi wurde immer mutloser

Eines Tages wird der Wagen wieder in die Kammer mit den Dekorationsgegenständen geschoben.
Bertl setzt Herrn Brummi auf den Tisch.
So mein Junge, jetzt kommt die Weihnachtsdekoration, da kann ich dich nicht mehr brauchen. Was mache ich nun mit dir?“
Er nimmt den Bären und geht damit in den Verkaufsraum, wo seine Chefin gerade die feine Frau Bergmann bedient.
Chefin, was machen wir mit dem Bären?“
Ach der ist doch ganz niedlich, wissen sie was, ich nehme ihn mit für meine Ludmilla. Was wollen sie dafür?“
Nichts, nehmen sie nur, wir können sowieso nichts mehr damit anfangen.“
Zuhause holt sie den Teddy aus ihrer Tasche und zeigt ihn ihrer Tochter.
Diese verzieht angewidert das Gesicht.
Der ist ja potthässlich und schmutzig ist er auch! Ich will ihn nicht!“
Sie wendet sich ab und schlägt die Tür hinter sich ins Schloss.
Frau Bergmann betrachtet den Bären skeptisch.
Da habe ich mich wohl vertan, du bist wirklich hässlich und schmutzig.“
Sie setzt ihn auf die Fensterbank und verlässt den Raum.
Einige Zeit später kommt Ludmilla in das Zimmer und sieht den Bären auf der Fensterbank sitzen.
Du bist ja immer noch hier!“
Sie öffnet das Fenster, packt Herrn Brummi und schleudert ihn weit hinaus.
Unsanft landet dieser auf dem harten Schnee und bleibt benommen liegen.
Ein Hund beschnüffelt ihn.
Woher kommst denn du plötzlich her?“
Ein Mädchen hat mich aus dem Fenster geworfen.“
Der Hund sieht hinüber zu dem Haus:
Das war bestimmt die verwöhnte Ludmilla, will immer alles haben und ist niemals zufrieden.“
Herr Brummi nickt. „ Meine Gertie war nicht so, ein liebes freundliches Mädchen ist sie.“
Komm mit in meine Hütte, dort ist es schön warm, dann kannst du mir ja erzählen, wieso du hier bist und nicht bei deiner Gertie.“
Der Hund nimmt den Bären in die Schnauze und trägt ihn in seine Hundehütte.
Herr Brummi erzählt ihm nun von seiner langen
Wanderung und seiner Sehnsucht nach zu Hause.
Inzwischen ist es dunkel geworden und es hat wieder zu schneien begonnen.
Lass uns schlafen, morgen früh fragen wir Streuner, der kennt die ganze Umgebung.“
Bevor Herr Brummi noch fragen kann wer Streuner ist, ist der Hund bereits eingeschlafen.
Der Teddy schließt auch die Augen und schläft.
Am nächsten Morgen wird er geweckt durch das Bellen des Hundes, der die Hütte verlassen hat.
Herr Brummi guckt vorsichtig hinaus und sieht wie sein neuer Freund an einem älteren Mann hoch springt, der ihn liebevoll krault.
Der Mann hat die Schüssel mit Futter gefüllt und geht zurück ins Haus, während der Hund fröhlich um ihn herum springt.




Eine getigerte große Katze schlendert zu der Futterschüssel und lässt es sich genüsslich schmecken.
Der Hund kommt zurück und Herr Brummi befürchtet, er würde die Katze angreifen, die überhaupt keine Angst zeigt.
Hallo Streuner.“
Das ist also Streuner, denkt der Bär.
Der Kater schlabbert weiter in der Schüssel, die bereits halb leer ist.
Der Hund drängt ihn zur Seite.
Das genügt, lass mir auch noch etwas.“
Achselzuckend beginnt Streuner sich zu putzen.
Nachdem der Hund die Schüssel leer geleckt hat, setzt er sich hin und fragt.
Du kommst doch weit herum, kennst du ein kleines Mädchen namens Gerti?“
Streuner hört auf sich zu putzen und schüttelt den Kopf, dabei betrachtet er Herrn Brummi, der seinen Kopf aus der Hundehütte streckt und aufmerksam lauscht.
Jetzt sieht er enttäuscht aus.
Streuner streckt sich, macht einen Buckel und gähnt herzhaft.
Lass mich in deiner Hütte schlafen, ich war die ganze Nacht unterwegs.“
Er kriecht neben Herrn Brummi in die Hütte und bald schläft er.
Komm mit, Streuner wird so schnell nicht wieder munter.Wir machen uns auf die Suche.“
Der Hund nimmt den Bären wieder ins Maul und läuft mit ihm durch viele Straßen und Gassen, doch nicht eine kommt Herrn Brummi bekannt vor.
Sie treffen auf einige Finken, die die Körner aufpicken ,die aus einem Vogelhäuschen gefallen sind.
Hallo ihr da, kennt ihr ein Mädchen mit Namen Gerti?“
Die Vögel verneinen, da ruft ein kleiner Spatz vom Ast eines Baumes herunter.
Ist sie etwa fünf Jahre alt und hat dunkelblonde Locken?“
Ja, das ist sie! Weißt du wo sie wohnt?“
Der Spatz verlässt den Baum und landet neben ihnen.
Nein.“
Herr Brummi verzieht enttäuscht das Gesicht, aber der Spatz spricht schon weiter.
Ich weiß wo ihre Oma wohnt.“
Nun ist kein Halten mehr. Der Hund nimmt den Bären wieder ins Maul und folgt dem Spatzen.
Als sie das Häuschen erreichen, erkennt Herr Brummi es wieder, wie oft war er mit seiner Gerti hier zu Besuch gewesen.
Leider ist die Gartentür geschlossen.
Doch der Hund legt die Vorderpfoten auf den Zaun und Herr Brummi klettert an ihm hoch und lässt sich auf der anderen Seite in den weichen Schnee fallen.
Glücklich verabschiedet er sich von seinem Freund,
bedankt sich auch bei dem kleinen Spatz, dann rennt er zum Haus, klettert die Stufen hinauf und setzt sich voller Erwartung vor die Tür.
Nach einiger Zeit öffnet sich diese und die Oma kommt heraus.
Nanu?“ ruft sie, als sie den Bären erblickt, „ wo kommst du den auf einmal her?“
Sie bückt sich und hebt ihn hoch.
Aber das ist ja Herr Brummi!“
Dieser hatte nämlich einmal ein aufgerissenes Ohr und die Oma hat es geflickt und an dieser Naht erkannte sie ihn.
Sie nimmt ihn mit in die Stube und setzt ihn auf die Couch. Dann zieht sie ihren Mantel aus und wirft ihn achtlos über den Stuhl.
Einkaufen konnte sie später gehen.
Nachdenklich betrachtet sie den Bären.
Das wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben, wo du bisher warst und wieso du auf einmal vor meiner Tür sitzt. Schmutzig bist du und riechen kann man dich auch meilenweit.“
Sie hebt ihn auf und nimmt ihn mit ins Bad. Im
Waschbecken badet sie den Bären in einer duftenden Lauge, hüllt ihn in ein weiches Tuch und rubbelt ihn ab.
Dann setzt sie ihn in die Nähe der Heizung, greift nach ihrem Mantel und verlässt das Haus.
Als sie wieder kommt, hat sie einige Einkaufstüten dabei. Die Lebensmittel verstaut sie in der Küche und mit der einen kleineren Tüte kommt sie ins Wohnzimmer.
Weißt du was Herr Brummi, in einigen Tagen kommt der Nikolaus zu unseren kleinen Gertie.
Ich werde dir eine hübsche Latzhose und einen Pullover stricken, dann gebe ich dich dem Nikolaus und der bringt dich zu Gertie.“
Als ihr Schwiegersohn die Oma abholt, damit sie dabei ist, wenn der Nikolaus kommt, ist Herr
Brummi gut versteckt in ihrer Tasche.
Als der Hl Mann mit seinen Begleitern, den Engeln an der Tür klingelt, nimmt die Oma die Tasche die sie bisher nicht aus der Hand gelassen hatte und öffnet dem Nikolaus die Tür.
Mit einigen erklärenden Worten übergibt sie ihm dann die geheimnisvolle Tasche.
Gerti sieht etwas ängstlich dem Hl. Nikolaus entgegen, denn so ganz rein ist ihr Gewissen nicht.
Aber als sie in das freundliche Gesicht sieht und er dann aus dem Buch vorliest, wobei sie seinen goldenen Stab halten darf, verschwindet ihre Angst.



Die Engel reichen ihr einige Süßigkeiten und Obst und der Hl Mann öffnet nun die Tasche und winkt das kleine Mädchen zu sich.
Vor einiger Zeit ist ein kleiner heimatloser Geselle zu mir gekommen, der unbedingt sein kleines Mädchen suchte, dass er verloren hatte.
Willst du ihm eine Heimat geben?“
Er zieht den hübsch gekleideten Herrn Brummi aus der Tasche und Gerti quietscht vor Freude und drückt ihren verloren geglaubten Freund fest an sich.
Abends als Gerti eingeschlafen ist, erzählt Herr Brummi ganz stolz seinem Freund dem Kasperle von seinen aufregenden Abenteuern.“

© Lore Platz















Mittwoch, 4. Dezember 2019

Die Zaubergeige - Ende




Er war so wütend an diesem Tag gewesen.
Als er die Probe mit der Fünf auf den Tisch legte zum Unterschreiben, hatte sein Vater gebrüllt, er hätte einen Versager in die Welt gesetzt!
Und seine Mutter kreischte, genau wie sein Vater und wenn sie damals nicht schwanger gewesen wäre, hätte sie ihn niemals geheiratet.
Und schon waren sie wieder im schönsten Streit.
Arne hatte das Haus verlassen, sie haben es nicht einmal bemerkt.
In ihm aber war soviel Wut, Hass und Verzweiflung und da kam Pascal daher und irgendwie ist dann alles aus dem Ruder gelaufen.
Arne hält es nicht länger im Bett aus, er zieht sich an und springt aus dem Fenster.
Schneidende Kälte umfasst ihn.
Die Hände tief in den Taschen vergraben, den Kopf eingezogen stapft er durch den Schnee.
Sein Weg führt ihn zu den Klippen.
Dort zieht es ihn immer hin, wenn er vor Kummer nicht mehr weiter weiß.
Er lehnt sich an den Felsen und betrachtet den sternenklaren Himmel.
Er spürt die Kälte nicht mehr und dann legt er den Kopf auf die Knie und weint, wie er noch nie in seinem Leben geheult hat.
Und all die Verzweiflung und der Hass von vielen Jahren löst sich und er fühlt, wie die Kruste um sein Herz sich auflöst und er nichts weiter ist als ein verzweifelter kleiner Junge.
Und dann weiß er, was er zu tun hat.
Morgen würde er zum Vater von Pascal gehen und ihm anbieten eine neue Geige zu kaufen.
Nach der Schule wollte er sich einen Job suchen und sie ab stottern.
Mutlos lässt er die Schultern sinken.
Was so eine Geige wohl kosten würde?
Der Mond ist inzwischen aufgegangen und taucht die eisige Landschaft in sein silbernes Licht.
Plötzlich sieht Arne gegenüber etwas aufblitzen.
Er wischt sich über die Augen, die Tränen haben ihm wohl einen Streich gespielt
Wieder ein Blinken, es kommt aus der Höhle in den Felsen.
Arne glaubt nicht an die Legende, dass ein Pirat in einer der Höhlen einen Schatz versteckt hat, aber er ist doch neugierig.
Er umrundet die Klippen und klettert vorsichtig die steile Wand hinunter und springt auf den Absatz, der in die Höhle hinein führt.
Dunkelheit umgibt ihn, denn das Mondlicht dringt nicht bis in das Innere der Höhle.
Vorsichtig tastet Arne sich an den kahlen Wänden entlang.
Enttäuscht will er schon umkehren, als es aus der hintersten Ecke wieder aufblitzt.
Seine Augen haben sich schon ein wenig an das Dunkel gewöhnt und so geht er weiter.
Wieder blinkt es und zwar direkt vor ihm.
Der Junge bückt sich und keucht überrascht auf.
Vor ihm liegt eine Geige, die nun zu strahlen beginnt, als hätte sie nur auf ihn gewartet, um ihr Licht zu entfalten.
Sie ist aus Glas und in ihrem Innern leuchtet es, als wäre die Sonne darin gefangen.
Arne lacht glücklich und die Felsenwände werfen sein Lachen mehrfach zurück.
Schnell bückt er sich, hebt behutsam das Instrument mitsamt dem Bogen auf und schiebt es unter seine Jacke.
Dann macht er sich an den schwierigen Aufstieg.
So schnell er kann läuft er nach Hause und es ist, als würden ihn seine Beine von selber tragen.
In seinem Zimmer wickelt er das kostbare Instrument in eine Decke und schiebt es unter das Bett.
Gleich morgen früh würde er die Geige zu Pascal bringen.
Glücklich schläft er ein.




Als er am nächsten Tag erwacht ist es noch dämmrig draußen.
Aber er fühlt sich frisch und ausgeruht.
Schnell springt er aus dem Bett, bückt sich und zieht das Paket hervor.
Vorsichtig wickelt er die Geige aus der Decke und betrachtet sie staunend.
Wie wunderschön sie ist.
Behutsam fährt er mit der Hand über das Gehäuse und zupft ganz zart mit dem Finger die Saiten.
Er schlüpft in seine Jacke, wickelt die Geige wieder in die Decke und klettert aus dem Fenster.
Es ist noch sehr früh und das Dorf ist wie ausgestorben.
Arne klopft an Pascals Fenster.
Das verschlafene Gesicht des Jungen erscheint und verschwindet wieder.
Verzweifelt klopft Arne noch einmal.
Die Tür öffnet und sich und Pascal sieht ihn wütend an.
Du weckst ja meine Eltern auf. Was willst du?“
Komm mit, ich muss dir was zeigen!“
Pascal knöpft sich seinen Mantel zu und folgt etwas misstrauisch dem Jungen.
Arne wartet unter der großen Kastanie in der Ortsmitte auf ihn.
Etwas verlegen sieht er Pascal entgegen, dann sagt er ernst:
Es tut mit leid, dass ich deine Geige kaputt gemacht habe, es war dumm und gemein von mir und ich danke dir, dass du mich nicht verraten hast. Doch sieh mal,was ich in einer der Höhlen in den Klippen gefunden haben.“
Er wickelt das Instrument aus und Pascal bekommt kugelrunde Augen.
Die ist ja wunderschön,“ flüstert er ehrfürchtig und nimmt die Geige in die Hand.
Sie ist vollkommen aus Glas, wie sie wohl klingt?“
Spiel,“ flüstert Arne.
Pascal stützt die Geige unterm Kinn ab und fährt
sachte mit dem Bogen über die Saiten.
Er zarter heller Ton erklingt.
Und dann beginnt Pascal zu spielen, zuerst ein Menuett von Mozart, dann einen Walzer von Johann Brahms und schließlich die Träumerei von Robert Schumann.
Und die Geige jauchzt, jubelt und singt und es ist als würden die Töne zum Himmel aufsteigen.
Plötzlich ist ein tiefes Grollen zu hören, als würde ein Gewitter aufziehen.
Ein großer weißer Wolf taucht am Ortseingang auf und kommt auf sie zu, die Lefzen zurückgezogen und aus seinen roten Augen schießen kleine Blitze.
Die beiden Jungen rücken ängstlich zusammen.
Auf einmal steht Mutter Erde neben ihnen.
Spiel weiter Pascal!“
Und obwohl sein Magen sich vor Angst verkrampft, lässt der Junge die Geige singen und jubilieren und es ist als würde sie von selber spielen.
Der weiße Wolf bleibt stehen, setzt sich auf die Hinterläufe und beginnt fürchterlich zu heulen.
Pascal aber lässt sich nicht beirren, er spielt weiter.
Das Heulen des Wolfes geht in ein Winseln über, er dreht sich um und läuft davon.
Wir haben sie besiegt, wir haben die Eishexe besiegt!“ jubelt Mutter Erde.
Spiel weiter mein Junge, spiele weiter, vielleicht weckst du meinen Sohn!“
Und Pascal spielt und die Töne umschmeicheln das Land und der Schnee beginnt zu schmelzen.
In den Häusern ringsum gehen die Lichter an und die Menschen kommen aus ihren Häusern.




Ein Rauschen und Brausen ertönt und das Meer beginnt wilde Wellen zu schlagen und aus den Fluten steigt ein junger schöner Mann.
Er ist ganz in Grün gekleidet und in seinem langen goldbraunen Haar sind Blumen geflochten.
Und als er den Boden betritt, erblühen unter jedem seiner Schritte die schönsten Blumen.
Die Menge teilt sich, als er auf sie zu schreitet.
Er verneigt sich vor Mutter Erde und diese nimmt ihn mit Tränen in den Augen in den Arm.
Dann wendet sie sich an die Menschen, die sie voller Staunen betrachten.
Wir alle waren in großer Gefahr. Die Eishexe wollte die Weltherrschaft erringen und hat meinen Sohn, den Frühling gefangen genommen.
Zum Glück konnte er auf der Flucht seine Zaubergeige verstecken.
Diese beiden mutigen Jungen haben sie gefunden und zum Spielen gebracht und so konnte der Bann der Eishexe gebrochen werden.“
Hoch Pascal, hoch Arne!“ rufen die Kinder und die anderen stimmen mit ein.
Pascal sieht zu seinen Eltern, die ihm mit Tränen in den Augen zulächeln.
Auch Arnes Blick gleitet über die Menge, doch er kann sein Eltern nirgends entdecken.
Der Frühling aber beugt sich zu Pascal und streckt die Hand aus.
Nun werde ich weiter spielen und die Natur zum Leben erwecken.“
Fröhliche Weisen spielend dreht er sich um und ringsum beginnt der Schnee restlos zu schmelzen.
Alles fängt an zu blühen und selbst an der großen Kastanie sprießen die ersten Triebe.
Mutter Sonne und ihre Töchter schieben mit ganzer Kraft die dicken Wolken weg und senden ihr Licht und ihre Wärme auf die Erde.
Die Leute jubeln und strecken ihre Gesichter der Sonne entgegen.
Mutter Erde hebt die Hand und Stille tritt ein.
Da diese beiden tapferen Jungen uns alle aus einer großen Gefahr gerettet haben, werde ich jedem einen Wunsch erfüllen. Nun Arne, was wünscht du dir?“
Arne senkt den Kopf und sagt so leise, dass nur Mutter Erde ihn verstehen kann.
Ich habe nichts verdient.“
Mutter Erde beugt sich zu ihm hinunter und flüstert:
Durch deine gute Tat hast du deinen Fehler wieder gut gemacht, aber ich werde mir für dich einen Wunsch ausdenken.“
Sie richtet sich auf und sagt.
Unser Arne ist noch so überwältigt, dass ihm gar nicht einfällt, also werde ich mir für ihn etwas ausdenken.“
Alles lacht.
Und was wünscht du dir denn Pascal?“ fragt Mutter Erde.
Lass dir dein lahmes Bein wegzaubern!“ ruft Arne.
Pascal lächelt, dann sucht sein Blick seine Eltern und langsam schüttelt er den Kopf.
Nein, ich habe mein lahmes Bein schon so lange und es stört mich nicht, aber...“
Er wendet sich an Mutter Erde und murmelt:
Ich hätte so gerne eine neue Geige.“
Lächelnd streckt Mutter Erde die Hand aus und hält auf einmal eine wunderschöne glänzende Geige in den Händen und reicht sie an Pascal weiter.
Sie ist viel viel schöner als seine alte Geige und als er den Bogen ansetzt, erklingen die Töne so zart und so rein.
Pascal lacht fröhlich und beginnt eine übermütige Weise zu spielen und die Menschen tanzen auf der inzwischen grünen blühenden Wiese.
Mutter Erde aber wendet sich um und geht leise davon.

Nun gibt es nicht mehr viel zu erzählen.
Arne und Pascal wurden die besten Freunde.
Und wehe, einer schaute Pascal nur schief an, dann war Arne schon da mit geballten Fäusten.
Arnes Eltern schafften es endlich sich zu trennen und ließen sich scheiden.
Da keiner von beiden aber Arne wollte, ging der Vater von Pascal zum Bürgermeister und setzte es durch, dass Arne bei Ihnen bleiben durfte.
Arne war nun der glücklichste Junge und dachte im Stillen, ob das wohl der Wunsch von Mutter Erde für ihn war.

Pascal wurde, wie nicht anders zu erwarten ein weltberühmter Geiger und Arne?
Nun der wurde … Geigenbauer!
Doch die Freundschaft der Beiden hielt bis an ihr Lebensende.


Dienstag, 3. Dezember 2019

Die Zaubergeige Fortsetzung 1





Kurze Zeit später steht sie vor der Höhle der Eishexe.
Ein tiefes Knurren lässt sie inne halten.
Lautlos ist der weiße Wolf aus der Höhle aufgetaucht und fletscht seine kräftigen Zähne und tief aus seinem Inneren dringt ein bösartiges Knurren.
Mutter Erde bleibt stehen und sieht ihn streng an.
Der Wolf beginnt zu winseln und verschwindet mit eingezogenem Schwanz.
Mutter Erde geht weiter und steht bald der Eishexe gegenüber, die auf ihrem Thron aus Eis lümmelt und ihr spöttisch entgegensieht.
Wie ich sehe bist du an meinem Wächter vorbei gekommen?“
Nun ich bin Mutter Erde!“
Ach und wie komme ich zu der Ehre des Besuches der mächtigen Mutter Erde?“
Was hast du mit meinem Sohn, dem Frühling gemacht?“
Dem Frühling, ich hatte noch nicht die Ehre ihn kennen zu lernen. Wie du weißt, wenn er erwacht, muss ich schlafen gehen.“
Sie gähnt theatralisch.
Ich habe mir schon gedacht, er ist spät dieses Jahr und dabei bin ich doch schon soooo müde.“
Wieder hebt sie die Hand um ein Gähnen zu unterdrücken, doch dabei funkeln ihre Augen vor Vergnügen.
Mutter Erde wendet sich zum Gehen.
Ich weiß nicht, wie du es gemacht hast, aber ich komme dahinter!“
Viel Vergnügen!“
Das schrille Lachen der Eishexe lässt die Eiszapfen an den Wänden erzittern.
Mutter Erde ist sehr besorgt, als sie in ihr Wolkenschloss zurückkehrt.



Ein kleiner Junge steht am Fenster und sieht traurig den tobenden Kindern zu, die sich vergnügt mit Schneebällen bewerfen.
Weiter hinten auf dem zugefrorenen Weiher drehen einige ihre Runden auf Schlittschuhen.
Er seufzt leise, wir gerne würde er auch einmal mit Schlittschuhen über die glatte Fläche gleiten zu den Klängen der Musik, die er im Kopf hören würde.
Ein Lächeln spielt um seine Lippen.
Vor sechs Jahre, im Alter von drei Jahren hatte er Kinderlähmung und seitdem war sein linkes Bein lahm.
Lange war er traurig gewesen, obwohl er es seinen Eltern nie gezeigt hatte, denn er wollte ihnen keinen Kummer machen.
Doch eines Tages hatte er im Radio die
Träumerei“ von Robert Schumann gehört und sie wurde von einem bekannten Violinisten gespielt.
Und seitdem hatte er den Wunsch mit der Geige zu spielen .
Als er seinen Wunsch einmal seinen Eltern anvertraute, lag unter dem Weihnachtsbaum eine wunderschöne rotbraun glänzende Geige.
Seitdem bekam er Unterricht und er lernte schnell dieses Instrument zum Singen zu bringen.
Bald stellte sein Lehrer die außerordentliche Begabung des Jungen fest und legte den Eltern nahe,
diese zu fördern und schlug ihnen Herrn Bellini vor, einen der besten Lehrer.
Deshalb waren sie hierher gezogen.
Pascal, du musst zum Unterricht.“
Die Mutter kommt herein, in der einen Hand seinen Mantel, in der anderen seinen Geigenkasten.
Vor der Haustür legt sie ihm noch einen dicken Schal um den Hals, gibt ihm einen Kuss auf die Stirn und geht zurück ins Haus.
Dies alles wird von Arne beobachtet und es macht ihn wütend , obwohl er nicht sagen kann warum.
Aber eigentlich ist ihm dieser „Krüppel“ vom ersten Augenblick an zuwider gewesen.
Er winkt seinen Freunden, Rudi und Andreas und grinsend stellen sich die drei Pascal in den Weg.
Da kommt ja unser Muttersöhnchen und wie elegant er wieder schreitet.“
Arne ahmt das Hinken des Jungen nach und seine Freunde kichern.
Pascal beachtet ihn nicht und geht unbeirrbar weiter.
Doch plötzlich umkreisen sie ihn und zwingen ihn zum stehenbleiben.
Ich habe dich was gefragt, Hinkebein!“ schnauzt Arne ihn an.
Pascal betrachtet ihn ruhig.
Da ich meine Geige dabei habe, sollte es wohl klar sein, wohin ich gehe.“
Ach natürlich unser Wunderknabe, der besser musizieren, als Laufen kann und außerdem der Liebling der Lehrer ist, geht zu Herrn Bellini!“ spottet Arne und zieht Pascal schnell seine Mütze vom Kopf und wirft sie Rudi zu.
Nun spielen sie mit der Mütze und werfen sie sich gegenseitig zu, während Pascal sich hilflos im Kreis dreht und versucht sie zu erwischen.
Als die Mütze zu Boden fällt kicken die frechen Jungen sie wie einen Fußball durch die Gegend.
Herr Belline, der alles vom Fenster aus beobachtet hat, kommt nun aus dem Haus und auf sie zu.
Lachend laufen die Jungen weg.
Pascal bückt sich, hebt die klatschnasse Wollmütze vom Boden auf und schüttelt sie, dann steckt er sie in die Tasche.
Herr Bellini hat ihn nun erreicht und meint grimmig.
Ein übler Bursche dieser Arne, mit dem nimmt es einmal ein schlechtes Ende. Aber nun komm ins Warme.“
Er legt seinem Lieblingsschüler den Arm um die Schultern und führt ihn ins Haus.
Bald sitzt Herr Bellini in seinem großen Ohrensessel, die Hände über den Bauch gefaltet, die Augen geschlossen und lauscht entzückt , den wundervollen Klängen die Pascal seiner Geige entlockt.



Wieder sind einige Wochen vergangen und Mutter Erde wird immer besorgter.
Die Eisdecke über der Erde hatte sich weiter ausgebreitet und die kalte Luft, die nach oben zieht hält Mutter Sonne und ihre Töchter gefangen.
Die guten Geister haben sich auf die Suche nach dem Frühling gemacht, doch er war nirgendwo zu finden.
Bekümmert betrachtet Mutter Erde ihren Garten und bemerkt voller Schrecken, dass die Frühlingsblumen ihren Glanz verloren hatten und einige sogar schon ihre Köpfe hängen lassen.
Die Zeit drängt.


Die Eishexe lümmelt auf ihrem Thron und blickt voller Spott den Winter an, der mit grimmigem Gesicht vor ihr steht.
Du wagst es mir zu drohen, du kümmerlicher Wicht!“
Wütend funkelt der Winter sie an.
Gib meinen Bruder frei, damit die Welt ihre Ordnung hat. Auch sind wir Wintergeschöpfe müde und möchten endlich schlafen.“
Die Eishexe richtet sich auf.
Willst du mir drohen? “
Mit geballten Fäusten tritt der Winter einen Schritt auf sie zu.
Wo hast du meinen Bruder versteckt, sprich Weib!“
Die Eishexe lacht schrill.
Deine Respektlosigkeit habe ich mir lange genug gefallen lassen. Wenn ich dich nicht brauchen würde, hätte ich dich schon längst vernichtet.
Und glaube nicht deine Mutter kann dich noch lange beschützen, bald wird sie ihre Macht verloren haben!“
Sie schnippt mit dem Finger und der Winter ist in einem Eisblock gefangen.
Verzweifelt schlägt er dagegen.
Die Eishexe tritt dicht an ihn heran.
Du wolltest dich doch ausruhen, nun das kannst du nun tun. Nutze die Zeit und überlege wem du dienen möchtest!“
Ihr Lachen lässt die Eiszapfen klirren.




Was ist denn hier so lustig?“ fragt die Feuerhexe, die zusammen mit ihren Schwestern die Halle betritt.
Die Eishexe betrachtet sie aus zusammen gekniffenen Augen.
Was wollt denn ihr schon wieder hier, was verschafft mit das Vergnügen!“
Aber Schwesterherz,“ kichert die Meerhexe.
erst flehst du uns an, dir zu helfen, damit du die Weltherrschaft antreten kannst und nun nachdem wir dir geholfen haben den Frühling zu fangen, sind wir dir lästig.“
Ach nein, ihr seid mir doch nicht lästig,“ säuselt die Eishexe und beobachtet aus den Augenwinkeln die Feuerhexe, die einzige ihrer Schwestern, die sie fürchtete.
Diese mustert sie spöttisch und deutet dann auf den eingefrorenen Winter.
Sperrst du nun schon deine Helfer ein.“
Die Eishexe wirft einen düsteren Blick auf den Eisblock, in dem der Winter wütend gegen die Innenwand schlägt.
Leider brauche ich ihn noch, aber ich will ihm etwas Respekt beibringen und vor allem soll er lernen, wer hier der Herr ist.“
Ihre Schwestern kichern.
Aber was führt euch zu mir?“
Auf einmal ist sie besorgt:
Ist euch der Frühling entkommen?“
Die Meerhexe winkt ab.
Keine Bange, der schläft tief und friedlich in meinem Reich in einer Höhle, die nicht einmal der Wassermann kennt.“
Aber es gibt trotzdem ein Problem,“ murmelt die Moorhexe und wagt es nicht ihrer Schwester in die Augen zu sehen.
Die Eishexe richtet sich kerzengerade auf ihrem Thron auf und ihre Stimmer klirrt vor Kälte, als sie drohend fragt:
Was für ein Problem?“
Ihre Schwestern sehen sich an, dann ergreift die Feuerhexe das Wort:
Du weißt, dass der Frühling vor uns geflohen ist und es einige Zeit gedauert hat, bis wir ihn eingefangen haben. Während dieser Zeit ist es ihm gelungen seine Zaubergeige zu verstecken.“
Die Eishexe lacht und lehnt sich entspannt zurück.
Und deshalb macht ihr euch Sorgen? Er schläft doch, was kann er mit der Geige schon anrichten.“
Nun Mutter Erde hat sie ihm geschenkt, als er ein kleiner Junge war und er kann damit die Tier und Pflanzen aus dem Winterschlaf wecken,“ erklärt die Moorhexe leise.
Na und, er kann ja wohl jetzt nichts mehr damit anfangen. Pech für die Tier und Pflanzen, sie müssen nun ewig schlafen!“
Die Eishexe lacht trillernd.
Was ist?“ will sie wissen, als sie die verlegenen Blicke bemerkt, die sich ihre Schwestern zuwerfen.
Wieder ist es die Feuerhexe, die das Wort ergreift:
Wenn jemand die Zaubergeige findet, kann sie vielleicht doch eine Gefahr für deine Pläne werden.“
Warum, ich denke nur der Frühling kann darauf spielen?“
Und ein Mensch mit reinem Herzen.“
Erleichtert lehnt sich die Eishexe zurück.
Menschen mit reinem Herzen gibt es nicht!“
Doch Kinder!“
Wieder ist es die Moorhexe , die dies leise ausspricht.
Die Eishexe fängt an zu toben.
Warum bin ich nur mit solchen Schwestern geschlagen, nichts könnt ihr richtig machen!
Macht euch gefälligst auf den Weg und sucht diese verflixte Geige!“
Stopp!“
Die Feuerhexe sieht sie wütend an, hebt den Zeigefinger und der Feuerstrahl, der heraus schießt trifft den Eiszapfen, der dicht neben ihrer Schwester hängt und verwandelt ihn in einen dampfenden Wassertropfen.

Die Eishexe zuckt zusammen und einen kurzen Moment blitzt Angst in ihren Augen auf.
Du hast uns angefleht dir zu helfen die Weltherrschaft zu erlangen und wir haben dir geholfen. Wir haben den Frühling gejagt und er machte es uns bestimmt nicht leicht. Trotzdem haben wir ihn gefangen, eingeschläfert und versteckt. Das mit der Geige ist ein bedauerlicher Fehler, den wir leider nicht mehr rückgängig machen können.“
Die Eishexe wirkt auf einmal ziemlich kleinlaut.
Tut mir leid, dass ich euch beschimpft habe, aber ihr werdet doch nach der Geige suchen?“
Nein! Du beherrscht inzwischen die Hälfte der Erde durch unsere Hilfe. Bisher hast du noch keinen Finger gerührt. Um die Zaubergeige kümmere dich nun selbst!“
Die Feuerhexe dreht sich um und verlässt mit ihren Schwestern den Eispalast.
Die Eishexe schimpft wütend vor sich hin, aber leise, denn sie fürchtet sich vor der Feuerhexe.
Dann begibt sie sich auf die Suche nach dem weißen Wolf.
Der Winter in seinem Eisblock hat sich ganz still verhalten, damit ihm nicht ein Wort entgeht.


Die Eishexe hat ihn nach einigen Tagen aus seinem eisigen Gefängnis befreit.
Und obwohl er seitdem unter Beobachtung steht, ist es ihm doch gelungen seiner Mutter eine Nachricht zu senden und zu berichten, was er erlauscht hatte.
Mutter Erde macht sich sofort auf die Suche nach der Zaubergeige.
Der weiße Wolf hatte dasselbe Ziel im Auftrag der Eishexe.


Mühsam schält sich Pascal aus den vielen Decken in die ihn seine besorgte Mutter gewickelt hat und klettert aus dem Bett.
Einen Moment trifft ihn die Kälte wie eine Faust und er beginnt zu zittern.
Schnell schlüpft er in seine Hausschuhe, nimmt seine Kleider und eilt ins Bad, das seine Mutter extra für ihn geheizt hatte, obwohl dass Heizmaterial immer knapper wird.
Er dreht das eiskalte Wasser auf.
Es kostet ihn immer eine Überwindung sich damit zu waschen, obwohl er ich danach frisch und wach fühlt.
Als der Junge dann in die Küche kommt, sieht er seine Eltern eng umschlungen vor dem Ofen stehen und seine Mutter weint und flüstert.
Der Kohlenhändler hat schon wieder die Preise erhöht, bald werden wir sie nicht mehr bezahlen können. Pascal wird wieder krank werden.“
Mama, ich bin kerngesund hat Doktor Wendel bei der letzten Untersuchung gesagt.“
Die Eltern drehen sich um.
Schnell wischt die Mutter die Tränen ab.
Sie eilt zu ihrem Sohn und umarmt ihn fest und drückt ihn an sich.
Pascal befreit sich aus ihren Armen und meint leise.
Du sollst dir nicht immer Sorgen machen. Ich bin genauso gesund wie die anderen Kinder.
Ich habe nur ein lahmes Bein und das schon seit fünf Jahren. Es stört mich nicht und es tut auch nicht weh. Ich spiele sowieso lieber Geige als Fußball!“
Sein Vater grinst.
Recht so mein Junge.“
Dann zwinkert er und flüstert verschwörerisch:
Aber weißt du mein Sohn, Mütter müssen sich immer sorgen, das liegt bei ihnen in den Genen.“
Seine Frau gibt ihm einen Klaps auf die Schulter.
Lachend wirbelt er sie herum und Pascal kichert.
Fröhlich frühstücken sie zusammen und der Vater bringt die Mutter immer wieder zum Lachen.
Ein kurzes Klopfen und die Tür wird aufgerissen und die Nachbarin Frau Bernhuber stürmt herein und bringt einen Schwall Kälte mit.
Schnell schließt sie die Tür hinter sich und platzt heraus: „Die alte Leni ist in ihrer Hütte erfroren!“
Erst jetzt bemerkt sie Pascal, der sie mit offenem Mund anschaut.
Solltest du nicht schon längst auf den Weg zur Schule sein? Astrid ist schon unterwegs.“
meint sie verlegen.
Die Mutter sieht zu Uhr und springt auf.
Tatsächlich, wir haben heute ein wenig die Zeit vergessen.“
Sie hilft Pascal, der noch den letzten Bisses seines Brotes in den Mund stopft in den Mantel. Setzt ihm die Mütze auf und schlingt den Schal um seinen Hals.
Nachdem der Junge noch die Fäustlinge angezogen hat, nimmt er den Ranzen und verlässt das Haus.
Auf dem Weg zur Schule grübelt er darüber nach, wie es wohl war, wenn man erfriert.
Ob es so ähnlich war wie bei ihm, wenn er abends im kalten Zimmer unter die Decke schlüpft und bibbert, bis ihm endlich warm wird und er dann einschläft.
Hat Leni auch erst gefroren, dann wurde ihr warm und sie ist eingeschlafen?
Nur ist sie dann nicht mehr aufgewacht.
Stimmen und Lachen reißen ihn aus seinen Gedanken.
Bald sitzt er auf seiner Bank in der Schule und für den Moment hat er die alte Leni vergessen.



Fortsetzung folgt