Dienstag, 15. August 2017

Keine Reizwortgeschichte






Da die letzen zwei Wochen meine Tochter bei mir war, kam ich nicht zum schreiben.
Seit gestern ist sie nun wieder in Berlin, denn ihr Urlaub ist vorbei und der Alltag hat sie wieder.
Gerade weil wir uns so selten sehen können, genießen wir unser Beisammensein ganz besonders.

Aber bestimmt haben meine lieben Mitschreiberinnen zu den Wörtern

Kartoffelsalat – Treppenstufe – verschwinden – öde – glühend

schöne Geschichten, wie ihr sie gewohnt seid, geschrieben.

Viel Spaß beim Lesen bei



Da heute bei uns Feiertag ist, bekomme ich gleich lieben Besuch.
Wünsche euch einen schönen Tag

Dienstag, 1. August 2017

Hermann und Herminchen

Nun ist bereits der 1. August und der Sommer hat bald seinen Höhepunkt erreicht und dann dauerte es nicht lange bis die ersten Lebkuchen in den Geschäften auftauchen.
"Kinder wie die Zeit vergeht" hieß es in einem Lied aus den dreißigern, dem kann mich nur anschließen.
Aber heute geht es ja um unsere Reinzwortgeschichten und zwar um die Wörter:
Amtsschimmel, Schreck, salzig, vergessen, überlegen



Hermann und Herminchen


Keuchend läuft die kleine dralle Gestalt den Feldweg entlang, verfolgt von einer Schar johlender Kinder. Wieder trifft sie ein Stein an der Schulter und sie zuckt zusammen.
Wenn sie nur endlich den schützenden Wald erreichen würde.
Plötzlich ein Rauschen in der Luft, die kleine Gestalt wird von zwei Krallen gepackt.
Ein mehrstimmiger Wutschrei ertönt und enttäuscht sehen die aufgebrachten Kinder der entschwindenden Gestalt nach.
Dem kleinen Geschöpf aber wird vor Schreck schwindelig, als sie jetzt durch den Wald rauscht und schließlich auf einen Ast plumpst.
Mit geschlossen Augen liegt es mitten in den Blättern und seine Brust hebt und senkt sich.
He, du bist in Sicherheit,“ knarrt eine
Stimme , „ du kannst also die Augen ruhig wieder aufmachen, Herminchen.“
Diese richtet sich auf. „Du kennst mich!“
Ja, sicher, du bist Herminchen, die einzige Trollfrau, die der Vernichtung der Trolle durch den Feenkönig entgangen ist.“
Das Trollmädchen nickt traurig,
Besser wäre es gewesen, ich wäre damals auch umgekommen.“
Dicke Tränen laufen über ihr Gesicht.
Was für ein Unsinn, sei froh, dass du lebst!“
Herminchen wischt mit beiden Händen die salzigen Tränen ab und hinterlässt eine Schmutzspur auf den Wangen.
Warum, wohin ich komme erschrecken die Menschen oder jagen mich. Sicher meine Eltern und Brüder waren auch nicht nett zu mir aber wenigstens hatte ich eine Familie und war nicht so allein.“
Traurig sieht sie vor sich hin und lächelt auf einmal.
Der Einzige der nett zu mir war, ist Hermann gewesen, aber der lebt ja auch nicht mehr.“
Wer sagt denn das, Hermann lebt.“ schmunzelt die Eule.
Mit großen Augen sieht das Mädchen den Vogel an. „Weißt du wo er ist?“
Ja, aber nicht jetzt. Ich muss schlafen, denn das Geschrei hat mich aufgeweckt, zu deinem Glück. Und wenn ich dir raten darf, sollst du dich auch ausruhen. Du kannst zu mir in meine Höhle kommen. Wir werden uns heute Nacht auf den Weg machen.“
Die Eule schlüpft in ihre Baumhöhle. Herminchen aber bleibt noch eine Weile sinnend auf dem Ast sitzen, dann klettert auch sie durch das runde Loch, sucht sich ein gemütliches Plätzchen und ist bald eingeschlafen.

Himmeldonnerwetter, da hat der Amtsschimmel ja mal wieder laut gewiehert!“
poltert Opa Schinkel und fährt sich über seine Glatze. Renate und Susanne, die gerade bei ihren Großeltern zu Besuch sind, kichern.
Die Oma aber, die den Braten aus dem Ofen holt, verdreht nur genervt die Augen.
Hört euch das bloß an, eine EU-Verordnung bestimmt wie stark eine verkaufsfähige Gurke gekrümmt sein darf. Jetzt wollen die dem Gemüse schon vorschreiben wie es wachsen soll.“
Ja,ja nur reg dich ab, ich habe schon längst aufgehört mich zu wundern was in den Köpfen da Oben vorgeht. Leg die Zeitung weg, die Kinder wollen den Tisch decken.“
Opa grummelt noch ein wenig, doch dann
lenkt ihn das lecker Essen ab.
Während sie ihren Schokoladenpudding löffelt will Susanne wissen, was ein Amtsschimmel
ist.
Der Opa erklärt nun den aufmerksam lauschenden Kindern, dass früher die Bekanntmachungen durch berittene Amtsboten
überbracht wurden. Natürlich waren das nicht nur Schimmel. Dieses Wort stammt vielmehr von der „Simile“ einem Standard-Vordruck aus der österreichischen Monarchie, mit der sich ähnlich lautende Anliegen schneller erledigen ließen. So hat sich wohl das spöttische Wort Amtsschimmel entwickelt.
Die Oma steht auf und der Opa verzieht sich in sein Arbeitszimmer um gemütlich seine Pfeife zu rauchen.
Die Kinder aber laufen hinaus in den Garten, um zu spielen. Schnell sehen sie noch bei Hermann vorbei, doch der ist nicht da.

Dieser spaziert vergnügt in den nahegelegenen Wald um ein Schwätzchen mit seiner Freundin der Blaumeise zu halten.
Leider ist sie nicht zu Hause und so lehnt sich der Troll an den Stamm eines Baumes und genießt die Stille des Waldes. Er liebte den Wald, den Duft nach Tannen, das Rascheln der kleinen Tiere und das Zwitschern der Vögel.
So schön es bei dem Mann ohne Haare ist, so einsam fühlte er sich auch und während er so
überlegt fällt ihm seine Jugendgespielin Herminchen, die Einzige die im Trollland nett zu ihm war, ein.
Aber sie war ja tot wie alle Trolle, die es ja verdient hatten, nur Herminchen, die war gut und hatte ihm auch geholfen, die Feenprinzessin zu retten.
Er seufzt und wünscht sich, sie würde noch leben.
Als hätte sein Wunsch sie herbeigezaubert, teilt sich das Gebüsch zu seiner Linken und ein Trollmädchen tritt heraus.
Hermann fährt sich über die Augen, es kann sich doch nur um ein Trugbild handeln.
Doch die kleine dralle Person kommt immer näher und flüstert schüchtern. „Hermann?“
Herminchen, jubelt dieser und sie fassen sich an den Händen und betrachten sich fassungslos. Beide hatten sich nicht vergessen.
Wenig später sitzen sie unter dem Baum und erzählen sich was sie erlebt haben.
Als Herminchen von den bösen Menschen berichtet, tröstet Hermann das Mädchen und erzählt, dass er bei ganz lieben Menschen wohnt und nicht alle dieser Gattung böse seien.
Er nimmt sie mit in den Schuppen und zeigt ihr stolz seine gemütliche Wohnung.
Du kannst bei mir bleiben und in meinem Bett schlafen, ich schlafe dann auf dem Boden, aber nun komm mit, ich stelle ich dem Mann ohne Haare, der Frau mit dem Namen Oma und den beiden Langhaaren vor.“
Wie staunen diese, als die beiden Trolle in die Küche kamen, in der die Familie gerade beim Nachmittagstee saß.
Oma holt gleich zwei Tassen und besonders Herminchen lässt sich den Kuchen schmecken, hat sie doch außer Beeren unterwegs nichts gegessen.
Staunend hören sie Herminchens Geschichte und als Hermann sagte, dass sie jetzt bei ihm bleiben wird und in seinem Bett schlafen kann, während er auf dem Boden nächtigt, da meint Opa.
Kommt gar nicht infrage, ich gehe gleich in die Werkstatt und zimmere ein neues Bett, Bretter genug habe ich ja.“ Und schon eilt er hinaus.
Die Oma aber verspricht, sich sofort an die Nähmaschine zu setzten und Bettwäschen zu nähen.
Die Mädchen aber bleiben in der Küche und immer wieder wollen sie von Herminchen wissen, wie es ihr ergangen ist.
Und Herminchen hat sich seit ihrer Flucht noch nie so wohl gefühlt.
Sie spürt, dass ihre Irrfahrt zu Ende ist.

Sie ist angekommen.

© Lore Platz





Samstag, 15. Juli 2017

Wie kann man Opa helfen

Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell zwei Wochen doch vergehen.
Wieder ist Reizwortgeschichtentag und man höre und staune ich kann sogar mit einer kleinen Geschichte dazu beitragen.
Viel Spaß beim Lesen!

 Kneipe, Fest, glücklich, raten, folgen




Wie kann man Opa helfen?




Die kleine Kneipe in unserer Straße ...“
tönt es aus dem Radio und Renate laufen die Tränen über das Gesicht.
Mama!“ die zehnjährige Gerlinde eilt zu ihr und schlingt die Arme um ihre Mutter.
Oma hat Peter Alexander so gerne singen gehört.“
Zärtlich schmiegt das Mädchen ihre Wange an das Gesicht er Mutter.
Oma Erika war vor eineinhalb Jahren gestorben.
Opa Karl hat bald Geburtstag. Will er ihn feiern? Er ist doch jetzt immer so traurig.“
Renate wischt sich die Tränen ab, schnäuzt kräftig und seufzt.
Er will nicht feiern und schon gar kein großes Fest, dabei wollte ich alle seine Freunde einladen, um ihn aus seiner Trauer zu reißen. Ich mach mir solche Sorgen um ihn.“
Ein Klingel ertönt und Renate lacht.
Der Kuchen ist fertig.“
Sie holt den duftenden Apfelkuchen aus dem Backofen und Gerlinde holt sich eine Nase voll von dem köstlichen Duft.
Das ist der berühmte Apfelkuchen von Oma, bekomme ich später ein Stück davon.“
Ich mach dir einen Vorschlag, wenn er abgekühlt ist kannst du ja Opa einige Stücke vorbeibringen und mit ihm Kaffee trinken, das würde ihn bestimmt freuen.“
Prima!“
Kurze Zeit später radelt Gerlinde über den Waldweg an dessen Ende Opas Haus steht.
Ein klagender Laut ertönt und die Vögel ringsum zwitschern aufgeregt. Das Mädchen bremst so scharf, dass das Rad schleudert.
Neugierig und ein wenig ängstlich sieht sie sich um, was war das. Richtig unheimlich!
Und wieder erklingt ein lautes grausliches Heulen. Gerlinde lehnt das Rad an einen Baum und folgt den klagenden Tönen und was sie dann sieht lässt ihr fast das Herz stehen.
Ein mittelgroßer sandfarbener Hund liegt auf dem Boden und eine seiner Pfoten steckt in einem verrosteten Fangeisen.
Vorsichtig tritt das Mädchen auf das Tier zu, doch ein Knurren lässt sie zurück weichen.
Sie dreht sich um läuft zu ihrem Rad, verfolgt von einem verzweifelten schmerzvollen Jaulen.
Opa Karl steht in seinem Garten als das Mädchen mit Karacho in den Hof prescht.
Nanu ist der Teufel hinter dir her!“ lacht er und wird dann ernst, als ihm seine Enkelin von dem armen Tier erzählt.
Er holt das Auto, legt eine alte Decke auf den Rücksitz und als Gerlinde sich vorne neben ihn setzt, drückt er ihr einen Maulkorb in die Hand.
Der ist noch von unserm Harras, der verletzte Hund
wird vor Schmerz vielleicht um sich beißen, wenn wir ihn befreien.“
Erschüttert steht er wenig später vor dem Tier, das knurrend die Zähne zeigt.
Schnell und geschickt streift der Mann den Maulkorb über den Kopf des Hundes.
Traust du dir zu Linde, die Pfote heraus zu ziehen, wenn ich die Falle öffne?“
Das Mädchen nickt mit bleichem Gesicht und kniet sich neben den verletzten Hund.
Bereit!“
Ja!“
Der alte Mann drückt die zwei Eisen auseinander und schnell zieht das Mädchen die verletzte Pfote heraus.
Die Falle schnappt wieder zu und nachdem er sie unschädlich gemacht hat schleudert sie Opa Karl ins Gebüsch.
Das müssen wir dem Förster melden,“ brummt er.
Der Hund liegt mit geschlossen Augen da und nur das Heben der Brust zeigt, dass er noch lebt.
Bald haben sie die Tierarztpraxis erreicht.
Mit seiner Last auf den Armen durchquert er das Wartezimmer und ruft der herbei eilenden Sprechstundenhilfe zu. „Ein Notfall!“
Der Herr Doktor ist gerade bei einer Operation!“
Dann holen sie seinen Vater, schnell. In welches Zimmer kann ich.“
Zimmer 2,“ stammelt die junge Frau und eilt davon.
Opa Karl zwinkert seiner Enkelin zu.
Dann suchen wir mal Zimmer 2.“
Vorsichtig legt er das verletzte Tier, das sich ganz ruhig verhält, als spürte es, dass man ihm helfen
will, auf den blanken Tisch.
Die Tür öffnet sich.
Na, du hast ja der armen Christine einen schönen Schrecken eingejagt, alter Schwede!“
Ha Viehdokter, hoffe du kannst es noch, auch wenn
du schon lange in Rente bist.“
Grinsend tritt der alte Arzt näher, doch dann wird sein Blick ernst. „Armer Kerl!“
Er wendet sich an die blasse Gerlinde.
Mädchen es ist besser, du gehst hinaus zu Christine, das wird keine schöne Sache.
Nachdem das Mädchen das Zimmer verlassen hat beugen sich die beiden Männer über den Hund.
Eine halbe Stunde später ruft Opa Karl Gerlinde herein.
Der Hund liegt mit geschlossen Augen, ohne Maulkorb und einen weißen Gips am Bein, auf dem Tisch.
Wir konnten das Bein retten,“ erklärt Doktor Brandstetter., dann zwinkert er dem Mädchen zu, „sag mal stimmt das, dass dein Opa bald einen runden Geburtstag hat.“
Gerlinde nickt ernsthaft, „ ja, aber er will ihn nicht feiern.“
So so, du bist wohl zu geizig, um deinen Freunden einen auszugeben. In unserem Alter muss man die Feste feiern wie sie fallen.“
Naja, wer sagt denn, dass ich das nicht will,“ brummt Karl,“ aber seht doch der Hund kommt zu sich.“
Dieser hebt beim Klang der Stimme den Kopf. Vorsichtig tritt der alte Mann an den Tisch, noch wagt er nicht das Tier zu streicheln. Doch kein Knurren ertönt und auch die Augen blicken nicht mehr aggressiv vor Schmerzen.
Vorsichtig streichelt Opa Karl den Hund und freut sich als eine raue Zunge über sein Hand fährt, als hätte der Hund seinen Retter erkannt.
Was wird nun aus ihm?“ fragt Gerlinde.
Pankratz zuckt mit den Schultern.
Einen Chip habe ich nicht gefunden, wird schwer sein den Besitzer ausfindig zu machen. Ich befürchte ja, dass er oben an der Autobahn ausgesetzt wurde, wie es leider jetzt in der Urlaubszeit öfter vorkommt. Er muss wohl ins Tierheim.“
Nein !“ ruft Gerlinde entsetzt.
Opa Karl zwinkert ihr beruhigend zu.
Kommt gar nicht infrage ich habe genug Platz, ich nehme ihn zu mir.“
Jubelnd fällt das Mädchen ihrem Großvater um den Hals.
Der alte Arzt aber grinst.
Sag mal Karl, hast du eigentlich noch ein paar Flaschen von dem guten Roten in deinem Keller?“
Ein paar dürften noch da sein.“
Dann werde ich öfter mal bei dir einen Hausbesuch machen und nach dem Hund sehen und bei der Gelegenheit könnten wir ja mal wieder eine Partie Schach spielen.“
Abgemacht!“

Renate aber ist glücklich , dass ihr Vater nun doch seinen 70igsten feiern wollte.
Ratet mal, wer an diesem Tag dem Geburtstagskind fast die Schau gestohlen hat?
Ein sandfarbener Hund mit einem Gipsbein.

© Lore Platz


Eva

Samstag, 1. Juli 2017

Reizwortgeschichte





Tut mir leid, ich habe keine Geschichte, die Hitze hatte mich im Griff, und wenn es auch im Moment angenehm kühl ist, so  macht meine Muse doch Ferien am Meer.
Geduldig warte ich bis sie wieder kommt, bleibt mir ja wohl auch nichts anderes übrig, denn ich bin auf sie angewiesen.
Aber schaut doch mal was meine Mitschreiberinnen so bringen.

Regina
Martina
Christine
Eva

Donnerstag, 15. Juni 2017

Wieder etwas plaudern - Reizwortgeschichten


Reizwörter:

Krämerladen - Bierflaschen - suchen - lesen – staubig.


Sicher habt ihr schon gemerkt, dass es mir schwer fällt in letzter Zeit Geschichten zu schreiben. 
Ich muss gestehen, mir fällt  nix ein, denn irgendwie habe ich manchmal das Gefühl schon alles geschrieben zu haben.
Ich werde weiter suchen bis mir was einfällt und ihr wieder hier eine Geschichte lesen könnt.
Doch heute  will ich  einfach nur plaudern.

Meine große Schwester Karin

Heute ist ja Fronleichnam und als Kind fand ich das immer wunderschön, besonders als ich ein Kommunionkind war und an Fronleichnam dieses 
schöne weiße Kleid noch einmal tragen durfte.
Der Pfarrer schritt unter dem Himmel, das war ein golddurchwirkter schwerer Stoff, der durch  vier  Stangen zu einem Rechteck gespannt wurde.
Die vier Stangen wurden von kräftigen Männern getragen und unser Pfarrer schritt in seinem schönen prächtigen Gewand mit beiden Händen die sternenförmige Monstranz haltend.
Voran gingen zwei Weihrauch schwenkende Minstrianten.
Hinter dem 'Himmel' kamen die Kommunionkinder, die Mädchen in ihren weißen Kleider und dann die Buben in schwarzen Anzügen, frisch gerubelten Gesichtern und straff gekämmt.
So sauber habe ich die Dorfbuben selten gesehen.
Dann folgten die restlichen Dorfbewohner in ihren
Festtagskleidern, singend und betend.
Auch das Dorf war festlich aufgeputzt. 
Die staubige Straße gekehrt, die Häuser festlich geschmückt, vor dem Krämerladen waren die Bierflaschen entfernt und alles erstrahlte im festlichen Kranz.
In Abständen waren Altäre aufgestellt und an jedem wurde gebetet, bis man dann am Schluss singend in die Kirche zurück kehrte.
Ach ja und wir Mädchen durften auch noch Blumen streuen.
War das schön!

Ich wünsche euch einen schönen Feiertag!











Donnerstag, 1. Juni 2017

Das Mädchen Narges Reizwortgeschichte

Hilfe mein Computer spinnt. Er hüpft, bleibt stehen, verträgt wohl die Hitze nicht.
Hoffe er nimmt meine Geschichte an.

Reizwörter
Elan – Triumph – kümmern – provozieren – neidisch





Das Mädchen Narges

Voller Elan verlässt Ellen die Schwimmhalle.
Als sie ihren Freundinnen begegnet, hebt sie voller Triumph die Faust.
Ich habe es geschafft! Ich bin die Beste !“
Lilly und Mia kichern,“ Ja hast du die Neue gesehen, ängstlich wie ein Kaninchen starrte sie ins Wasser und wollte nicht hinein springen.“
Ellen grinste, „sie ist wohl wasserscheu“.
Rita schlendert aus der Umkleidekabine.
Da wo die herkommt gibt es bestimmt kein Wasser, das sieht man doch an ihrer dreckigen Haut und den hässlichen schmuddeligen Kleidern.“
Ellen sieht sie ernst an.
Das ist gemein. Narges ist nicht schmutzig, sie hat nur eine dunklere Haut und ihre Kleider sind sauber und ordentlich.“
Rita mustert sie spöttisch. „ Sie ist ein Flüchtling und hat hier bei uns nichts verloren. Soll sie doch dahin gehen wo sie herkommt. Wir wollen sie hier nicht haben.“
Ellen stemmt die Arme in die Hüfte.
In ihrem Land ist Krieg. Wie würdest du dich fühlen, wenn hier die Bomben fielen und du ständig um dein Leben bangen müsstest.“
Rita tritt einen Schritt auf sie zu, sodass ihre Nasen sich fast berührten.
Wir sind nicht die Wohlfahrt und müssen all den Pöbel aufnehmen, der sich hier bloß von uns durchfüttern lassen will.“
Ach ich habe nicht gemerkt, dass dir etwas abgeht. Dein Pausenbrot war vom feinsten und du trägst nur Markenkleidung.“
Wir können uns das ja auch leisten!“
Ellen ballt die Fäuste, doch Mia und Lilly ziehen sie zurück.
Lass dich nicht provozieren, kümmere dich nicht um ihr dummes Geschwätz, die ist doch bloß neidisch, weil Narges in manchen Fächern besser ist wie sie, außerdem müssen wir zurück ins Klassenzimmer.“
Frau Sandmann betrachtet sie Stirn runzelnd.
Schön, dass ihr auch noch kommt. Setzt euch, ich habe gerade erklärt, dass ihr bis nächsten Dienstag ein Referat vorbereiten sollt. Ihr arbeitet immer zu zweit und das Thema dürft ihr jeweils selbst bestimmen“.
Natürlich wollen die drei Freundinnen am liebsten zu dritt das Referat halten, doch die Lehrerin bestimmt, dass Mia und Lilly sich zusammen taten und da Ellen die beste Note in Deutsch hatte sollte sie Narges helfen.
Nach der Stunde gibt Ellen dem Mädchen einen Zettel mit ihrer Adresse und bittet sie heute Nachmittag am 15Uhr zu ihr zu kommen.
Etwas scheu und ängstlich betritt Narges das schöne Einfamilienhaus und folgt Ellen in ihr Zimmer.
Staunend sieht sie sich in dem großen hellen freundlichen Raum um.
Gehört dies ganz allein dir?“
Ellen nickt. „Hast du kein Zimmer?“
Wir haben im Wohnheim einen viel kleineren Raum und dort leben wir zu sechst. Meine Eltern, ich und meine drei Schwestern.“
Allmählich verliert das Mädchen ihre Scheu und als Ellen sie fragt, warum sie so wasserscheu sei, erzählt sie, dass sie bei der Flucht auf dem Meer beinahe ertrunken wäre.
Und Ellen denkt beschämt und wir haben sie ausgelacht.
Nach und nach erfährt sie Narges Geschichte.
Narges war gerade elf Jahre als ein Mann der Taliban
zu ihrem Vater kam und sie mit einem seiner Krieger verheiraten wollte.
Da haben ihre Eltern noch in derselben Nacht das nötigste eingepackt und sind mit ihren vier Mädchen geflohen.
Gespannt und entsetzt lauscht Ellen den Schilderungen der Flucht und dann kommt ihr eine Idee.
Sie sollten das Referat über die Geschichte von Narges halten, damit sich ihre Schulkameraden ein Bild von ihrem Schicksal machen konnten.
Narges ist sofort einverstanden.
Als die beiden Mädchen in der folgenden Woche ihr Referat halten schwimmen Tränen in den Augen der
Kinder und selbst Rita macht ein betroffenes Gesicht.

© Lore Platz

Eva


+