Mittwoch, 23. Oktober 2019

Die alte Uhr

Eine wahre Geschichte erzählt von Roswitha Borgfeld










Die alte Uhr



Da meine Eltern beide arbeiten mussten, um das Haus abzuzahlen, durfte ich nach der Schule zu meiner Oma zum Mittagessen.
Unsere Schule war oben auf dem Berg neben der Wallfahrtskirche Maria Dorfen.
An dieser musste ich vorbei, über Stufen den Berg hinunter und bis zu einer Straße, die ich vorsichtig überquerte. Schön nach rechts und links schauen, bevor man eine Straße, so hatte man es mir beigebracht.
Vorbei ging es dann an dem Geschäft meiner Tante, einer Schwester meines Vaters. Zu gerne hätte ich die Spielsachen in dem Schaufenster betrachtet, doch ich musste mich sputen.
Zu oft war ich schon geschimpft worden, weil ich so gerne trödelte.
Und heute hatten wir nachmittags auch noch Unterricht, sodass ich um 15Uhr den langen Weg zurück musste.
Also sputen Roswitha!
Vorbei ging es an der Bäckerei Maier, am Kaufhaus Schmederer, doch beim Goldschmied Josef Wilm
konnte ich mir nicht verkneifen vor dem Schaufenster stehen zu bleiben. Es gab hier so schöne glitzernde Dinge zu bestaunen.
Nur mühsam konnte ich mich losreißen.
Weiter ging es an der Marktkirche, am kleinen Supermarkt Fenk, weiter zum Brugger Bäcker, dann über die Straße an der Hubertusapotheke vorbei.
Nachdem ich noch das Schuhgeschäft Schmid, die alte Schmiede und den Bäcker Numberberger, der so tolle Anisplätzchen machte. hinter mir gelassen hatte, musste ich nur noch den ganzen Bahnweg entlang, vorbei beim Omnibus Weber und endlich war ich am Haus meiner Oma.

Warum ich meinen Weg so ausführlich beschreibe, weil ich möchte, dass ihr euch ein Bild machen könnt, wie lang wir damals zur Schule laufen mussten. Und wenn wir nachmittags nochmal Unterricht hatten, mussten wir die Strecke zweimal zurück legen.

Heute undenkbar!







Wenn ich die Augen schließe, sehe ich heute noch die Küche meiner Oma, der Mutter meines Vaters, vor mir.
Die Küche meiner Oma war funktionell, würde man sagen, eingerichtet.
Kam man durch die weiß lackierte Tür stand links das Küchenbuffett, daneben eine kleine Kommode, auf der, der Volksempfänger stand, darüber hing das Soldatenbild von Omas ältestem Sohn Georg, der in Afrika gefallen war und dann das Küchenfenster zur Straße.
Die linke Ecke füllte der quadratische Tisch und die Eckbank aus, eingerahmt von einer Holzvertäfelung in dunklem Holz.
Über dem Tisch hing eine Lampe, die man herunter ziehen konnte.
In der Ecke war der Herrgottswinkel, mit dem Kreuz und einem Heiligenbild.
Links neben der Eckbank stand das Sofa mit Kissen, Omas Lieblingsplatz.
Aus der Schwingkommode daneben konnte man die Schubladen umdrehen und es erschienen zwei große emaillierte Schüsseln, die man heraus nehmen konnte. Man benutzte sie zum Abwaschen.
Der große weiße Küchenherd hatte seitwärts ein Wasserschiff, in dem immer heißes Wasser war.
Auf diesem Ofen, der hauptsächlich mit Holz geheizt wurde entstanden viele leckere Gerichte.
Vorne gab es ein Klappe, das sogenannte Ofenrohr, für Kuchen, Plätzchen oder auch leckeren duftenden Braten.
Der Küchenofen hatte unten eine geteilte Schublade für Holz und Kohle.




Manchmal wurde das Fach für Holz mit Holzwolle ausgepolstert, wenn Oma kleine Enten- oder Hühnerküken aufziehen musste, die von den Müttern abgelehnt wurden.
Am liebsten aber war mir den Regulator, eine Pendeluhr in einem braunen Gehäuse. Jedes Mal wenn ich Omas Küche betrat fiel mein Blick sofort auf diese Uhr.
Und dann eines Tages!
Wie immer fiel mein Blick als erstes auf den Regulator, als ich Omas Küche betrat, aber… er war nicht mehr da.






Statt dessen hing eine weiße quadratische Uhr an der Wand von Junghans, die man nicht mehr aufziehen musste, da sie mit Batterien ging.
Oma strahlte voll Stolz und meinte;
Gell, da schaugst, wie modern i bin und des oide Drum ist im Schupfa, des werd zsammghaut, damit mas verhoazn ko.“
(da schaust wie modern ich bin und das alte Teil ist im Holzschuppen und wird zerkleinert, dass es verheizt werden kann)
Ich drückte meine Hand auf das wild klopfende Herz und fragte : „Ist sie noch ganz?“
Oma zuckt mit den Schulter.
Wenn‘s der Rull (Onkel Rudolf) no net zu Klohoz (Kleinholz) gmacht hoat.“ (gemacht hat)
Als wäre der Teufel hinter mir her, rannte ich aus der Küche, durch den Flur, aus dem Haus und in den Schuppen.
Atemlos und strahlend sah ich sie liegen, unversehrt, inmitten von altem Holz und Sägespänen.
Ich hob sie auf, befreite sie liebevoll von Staub und Dreck, drückte sie an mich und schleppte sie zurück in die Küche.
Meine Oma fragte erstaunt.
Wos wuist denn mit dem oiden Drum?“
(was willst du denn mit dem alten Teil.)
Flehend sah ich sie an.
Bitte Oma lass sie nicht kaputt machen, darf ich sie haben?“
Um Gott‘s Wuin, wenn dei Herz so dro hängt!“
(Um Gottes Willen, wenn dein Herz so dran hängt.)





Ich hätte weinen können vor Glück.
Gleich nach dem Unterricht rannte ich nach Hause und konnte es nicht erwarten, dass meine Eltern von der Arbeit kamen.
Als mein Vater zur Tür reinkam, überfiel ich ihn gleich mit der Bitte, die Uhr zu holen.
Papa sagte:
„Setz dich erst mal und erzähl.“
Meine Mutter war sauer, weil so kurz nach Feierabend wollte sie erst mal eine Tasse Kaffee und sonst nix - heute versteh ich das - damals nicht
Als ich Papa die ganze Geschichte erzählt hatte, sagte er: „Komm wir holen die Uhr gleich.“
Mama war nicht glücklich darüber.






Aber ein Papa, ein Wort.
So fuhren wir in unserem 12er FORD zur Oma.
Die staunte nicht schlecht, als sie uns sah.
Dann lachte sie und sagte:
Des Drum liegt in da Schlafkamma“ ( Das Teil liegt in der Schlafstube)
Papa holte es, legte es vorsichtig auf die Decke im Kofferraum und wir fuhren es nach Hause, das Drum.
Im Keller suchte er nach einem passenden Nagel und dann wurde die Uhr aufgehängt.
Mama bestand darauf, dass sie, wenn sie denn unbedingt aufgehängt werden musste, nur an eine Wand auf dem Speicher .

Das war mir egal. Hauptsache, ich hatte sie gerettet.


Dort hing sie bis ich auszog, umzog und dann wegzog und heute hängt sie hier bei uns.

Ich liebe das alte Teil so sehr und hoffe, der es mal erbt, liebt es ebenso.


© Roswitha Borgfeldt

Dienstag, 22. Oktober 2019

Können Träume wahr werden?






Können Träume wahr werden?


Die Tür flog auf und knallte gegen die Wand.
Frederike stürmte ins Zimmer und Beatrice zuckte erschrocken zusammen.
Mensch Fredy musst du immer so einen Lärm machen!“
Wir warten schon alle, hast du vergessen, dass wir heute zum Blaubeeren pflücken gehen wollen! Nun komm schon Trixi“!
Bedauernd schließt Beatrice die Zeitung „Pflanzenwelt“, eben hatte sie noch einen spannenden Artikel von der
Königin der Nacht“ einer Blume die fünf Jahre brauchte, um zu blühen und das nur für eine Nacht, gelesen.
Das Mädchen liebte Pflanzen und diese dankten es ihr, denn das Stück Garten, das ihr der Vater zur Verfügung gestellt hatte, blühte am schönsten.
Bald saß sie eingequetscht zwischen ihrer Kusine Fredy und deren Freundin Kerstin im Rücksitz des Wagens ihres Onkels.
Während dieser dann einen Parkplatz suchte gingen die Kinder mit der Tante in den Wald.
Jede trug ein Körbchen und bald fanden sie eine Lichtung mit Blaubeersträuchern soweit das Auge reicht.
Trixi hatte ihr Körbchen fast voll und schlenderte suchend immer weiter in den Wald hinein.
Ohne es zu bemerken entfernte sie sich immer mehr von den Anderen.
Ein Käuzchen schrie durchdringend und das Mädchen ließ vor Schreck das Körbchen fallen und rannte durch das Dickicht.
Schwer atmend blieb sie stehen und sah sich um
Sie hatte sich verlaufen!
Tränen liefen ihr über die Wangen und sie rief laut nach ihrer Tante und ihrem Onkel.




Endlich ließ sie sich erschöpft unter einen Baum ins weiche Moos sinken.
Die Vögel, die verstummt waren, als sie durch den Wald stolperte, begannen wieder ihr fröhliches Lied zu singen.
Ein Eichkätzchen betrachtete sie aus neugierigen Augen und huschte den Stamm hinauf und verschwand zwischen den Blättern.
Beatrice hatte auf einmal keine Angst mehr, eine friedliche Stimmung hüllte sie ein.
Müde kuschelte sie sich ins Moos und schlief ein.



Wer sie wohl ist? Sie schläft? Ich finde sie sieht nicht böse aus. Ist sie ein Mensch?“
Trixi hörte feine Stimmen wispern, öffnete die Augen und sah direkt über sich ein Wesen, mit langen spitzen Ohren und einer Zipfelmütze auf dem Kopf und fing an zu schreien.
Das Wesen fuhr zurück und brüllte ebenfalls los.
Jetzt erst sah das Mädchen die Zwerge, die sie aus sicherer Entfernung ängstlich beobachteten.
Bist du ein Mensch oder ein Riesenkind?“ fragte das mollige Zwergenmädchen und trat mutig einen Schritt näher, wurde aber von von einem Zwergenjungen nach hinten gezogen.
Beatrice lächelte. „Ich bin ein Menschenmädchen und ihr müsst keine Angst vor mir haben.“
Pah, haben wir auch gar nicht, „ behauptete der Zwergenjunge, der eben noch so laut gebrüllt hatte.
Das ist mein Bruder Prahlhans,“ das pausbäckige Mädchen trat näher und zögernd folgten ihr die Anderen.
Ich bin Petronella, meinen Bruder Prahlhans kennst du ja.
Der Junge, der meine Schürze nicht loslässt ist Angsthase
und der Kleine ist Schlafmütze.“
Freut mich, ich bin Beatrice auch Trixi genannt.“
Wir waren Kräuter und Pilze sammeln und als wir zurück kamen, lagst du vor unserem Eingang.
Das Mädchen sprang auf und erschrocken wichen die Zwerge wieder zurück.
Schnell setzte sich Trixi auf einen Baumstumpf und zutraulich kamen die kleine Leutchen wieder näher.
Sie setzten sich zu ihren Füßen ins Moos und erzählten aus ihrem Leben unter dem Baum.
Den Kopf in die Hände gestützt lauschte das Mädchen den zwitschernden Stimmen.
Blätter raschelten und Schritte waren zu hören und die Zwerge versteckten sich in den Falten von Trixis Kleid.




Erwartungsvoll beobachtete diese das Gebüsch das sich nun teilte und staunte als ein schneeweißes Pferd mit einem goldenem Horn auf der Stirn die Lichtung betrat.
Eine überirdisch schöne Dame in einem Kleid aus weißer zarter Seide, bestickt mit zahlreichen Blumen, folgte dem Einhorn.
Ihr braunes Haar, dass ihr bis zur Hüfte reichte, zierte ein bunter Blumenkranz.
Die Zwerge krabbelten aus Trixis Rockfalten und jubelten.
Das ist ja die Blumenfee!“ und tanzten ausgelassen um diese herum.
Die Blumenfee betrachtet sie schmunzelnd, dann wandte sie sich an das Mädchen und grüßte freundlich.
Guten Tag Beatrice.“
Diese wurde rot und stammelte: „Ihr kennt mich?“
Aber ja, du hast doch einen kleinen Garten und behandelst meine Blumen und Pflanzen mit besonderer Liebe.“
Trixi lächelte schüchtern: „ Ich liebe Pflanzen.“
Ich weiß und freue mich, dich endlich einmal persönlich zu treffen, um dir zu danken für all die Liebe und Pflege, die du meinen Kindern schenkst.“

Das Mädchen strahlte vor Freude über das Lob und die Zwerge, die sich wieder zur ihren Füßen nieder gelassen hatten, kicherten.
Die Blumenfee kam nun näher und winkte dem Einhorn, ihr zu folgen.
Beatrice, ich möchte dir drei Wünsche erfüllen, als Dank für deine Liebe zur Natur.“
Das Einhorn tänzelte mit graziösen Schritten näher, senkte den Kopf und ein kleiner goldener Ring fiel in Tixis Schoß.
Das ist ein Wunschring, er wird dir drei Wünsche erfüllen. Leider ist die Erfüllung eines jeden Wunsches nur auf eine halbe Stunde begrenzt.“
Bewundernd betrachtete das Mädchen den Ring und steckt ihn an den Finger, dann fiel ihr Blick auf die Zwerge.
Ich möchte gern sehen wie meine kleinen Freunde leben.“
Die Blumenfee lächelte. „Dreh den Ring.“
Kaum hatte Beatrice dies getan, spürte sie ein Kribbeln am ganzen Körper und die Welt ringsum begann zu wachsen.
Jubelnd fiel Petronella ihr um den Hals.
Nun bist du genauso groß wie ich. Ich habe mir schon immer eine Schwester gewünscht!“
Prahlhans hatte das Laub unter der Wurzel des Baumes beiseite gefegt und eine kleine Tür wurde sichtbar.
Trixi kletterte hinter ihren neuen Freunden durch einen schmalen Gang und sie gelangten in ein reizendes kleines Stübchen.




Ein Zwerg mit einem langen weißem Bart saß auf einem Schaukelstuhl und schlief, wobei er leise Schnarchtöne von sich gab und der Bart sich hob und senkte.
Hinter ihm prasselte ein lustiges Feuer im Kamin und eine mollige Zwergin rührte eifrig in einem schwarzen gusseisernem Topf.
Ohne sich umzudrehen rief sie: „Da seid ihr ja endlich, hurtig, hurtig, bringt mir die Pilze und Kräuter!“
Die Kinder stellten ihre Körbe neben den Ofen und die Zwergenmutter schnippelte mit flinken Fingern die Zutaten in die Suppe.
Ein köstlicher Duft zog durch den Raum.
Der Zwergenvater erwachte blinzelnd, hob schnuppernd die Nase und meinte vergnügt: „Ach Tildchen, das duftet wieder köstlich, wann können wir essen?“
Dann wandte er sich an die Kinder.
Ihr habt euch ja reichlich Zeit gelassen, wo habt ihr nur wieder gesteckt, aber Moment mal...?“
Stirnrunzelnd betrachtete er die kleinen Zwerge.
Tildchen, wie viel Kinder haben wir ?“
Vier, Brummbär, ein Mädchen und drei Jungen.“
Kopfschüttelnd begann der Zwergenvater zu zählen.
Eins, zwei, drei, vier … fünf? Tildchen bist du sicher? Es sind drei Jungen und zwei Mädchen.“
Die Zwergenfrau drehte sich um und die Kinder prusteten los.
Papa, das ist unser Menschenfreundin Trixi, sie wollte euch kennen lernen, deshalb hat die Blumenfee ihr für eine halbe Stunde unsere Größe geschenkt.“
Trixi wurde nun herzlich umarmt und musste sich mit an den Tisch setzen und aus Walnussschalen Suppe löffeln und aus Haselnussschalen Honigmet trinken und viele viele Fragen beantworten.
Viel zu schnell verging die Zeit.
Alle waren traurig, doch die Zwergenmutter drängte zur Eile.
Wenn der Zauber vorbei ist während sie noch in unserem Gang steckt, dann...“
Nun begannen alle zu laufen, doch der Eingang war von einer Maus versperrt.
Schlafmütze, hast du wieder vergessen die Tür zu schließen.“ grollte der Zwergenvater.
Der kleine Zwerg wurde rot und begann zu stottern.
Was sollen wir tun! Mein Arme und Beine beginnen bereits zu kribbeln!“ rief Trixi verzweifelt.
Mäuse sind sehr schreckhaft, „überlegte Tildchen, „ wir
müssen nur alle so laut wie möglich schreien.“
Und nun begann ein ohrenbetäubender Lärm!
Die Maus verschwand blitzschnell durch die Tür und Trixi kroch hinterher und blieb stecken, denn sie war bereits ein Stück gewachsen.
Mit vereinten Kräften schoben die Zwerge an und das Mädchen schoss plötzlich durch die Tür und landete mit dem Kopf auf einer Wurzel.
Aua!“
Empört blickte sie zurück.
Die Zwerge winkten fröhlich, dann schloss sich die Tür und wie durch Zauberhand wirbelten Blätter und Sand auf und es war nur noch die Wurzel des Baumes zu sehen.
Das Mädchen aber begann zu wachsen und hatte bald wieder ihre normale Größe.
Hat es dir gefallen?“ fragte die Blumenfee.
Es war schön, alle waren so lieb und herzlich.“
Dein zweiter Wunsch?“
Nachdenklich betrachtete Trixi das Einhorn.
Ich würde gerne mit dem Einhorn reiten.“
Dreh den Ring.“
Und dann saß das Mädchen auf dem Rücken des Pferdes, das seine Flügel ausbreitet und sich in die Luft erhob.
Trixi kreischte und klammerte sich an der Mähne fest.
Das Pferd wandte den Kopf und bleckte grinsend die Zähne.
Vertrau mir, du wirst nicht herunterfallen, außerdem tut es mir weh, wenn du so an meinen Haaren zerrst.“
Entschuldige,“ stammelte das Mädchen und setzte sich aufrecht.
Und langsam begann sie den Flug zu genießen.




Der Himmel kam immer näher, die Erde unter ihnen wurde immer kleiner.
Trixi begann laut zu jubeln und genoss den Wind in ihrem Gesicht.
Das Einhorn tauchte ein in eine weiße Wolke, die weich wie
Watte war und vorbei an funkelnden Sternen flogen sie
dahin, bis der Mond vor ihnen auftauchte.
Das Mädchen umschlang den Hals des Pferdes, als sie landeten.
Mit staunenden Augen sah es sich um, während die goldenen Hufe des Einhorns mit fröhlichem Klick, klack über den steinernen Boden trabten.
Der Anblick des Mondes war enttäuschend. Keine Spur von Romantik und auch der Mann im Mond war nirgends zu sehen.
Soweit das Auge reichte nur steinerne große Ebenen, abgelöst von zackigen Bergmassiven und riesigen Kratern.
Nur Steine und Sand.
Warum ist es so still hier?“ flüsterte Trixi dicht an dem Ohr des Pferdes.
Weil es hier keine Luft gibt, die den Schall überträgt.“
Aber warum können wir dann atmen?“
Weil ich ein Zauberpferd bin und dies hier Zauberei ist.
Wir müssen zurück.“
Das Einhorn breitete die Flügel aus und vorbei an funkelnden Sternen und durch zarte Wolkengebilde ging es zurück auf die Erde.

Die Blumenfee saß im Gras und band einen Blumenkranz.
Wie hat es dir gefallen?“
Ein wunderbares Erlebnis, obwohl auf dem Mond alles kahl und hässlich ist. Wenn man bedenkt, dass die ersten Raketen für den Flug zum Mond drei Tage brauchten und wir dies alles in einer halben Stunde schafften, wow!“
Das glockenhelle Lachen der Fee ließ die Blumen ringsum die Köpfe heben.
Pegasus fliegt mit Lichtgeschwindigkeit und die braucht nur eine Sekunde bis um Mond.“
Die Fee setzte ihr den Blumenkranz auf den Kopf und betrachtete sie kritisch.
Hübsch sieht es aus, hast du dir deinen letzten Wunsch überlegt.“




Trixi nickte heftig.
Ich möchte die Königin der Nacht blühen sehen.“
Dreh deinen Ring!“
Und dann war das Mädchen plötzlich in einem wunderschönen Garten.
Eine Vielzahl von Blumen in allen Farben breitete sich vor ihr aus, umschwirrt von Bienen und Schmetterlingen.
Auf einem kleinen kunstvoll angelegten Teich schwammen Seerosen, zogen Enten ihre Kreisen und silberne Fische schnellten durch das Wasser.
Dahinter breitete sich eine Wiese aus mit roten Klatschmohn, blauen Kornblumen, Ackerlichtnelken und roten Taglichtnelken.
Auf einer Anhöhe stand ein gläserner Pavillon in dem nur eine einzige Pflanze stand.
Die Königin der Nacht!
Langsam stieg das Mädchen den Hang hinauf und wie durch Zauberhand öffneten sich die Glastüren.
Das Mädchen wagte kaum zu atmen und betrachtete ehrfürchtig die Knospe.
Eine kurze ruckartige Bewegung und langsam wie in Zeitlupe öffnete sich die Blüte, Blatt für Blatt.
Die Sonne brach durch die Scheiben und verstärkte das strahlende Leuchten der Blüte.
Trixi hatte die Hände gefaltet und betrachtet staunend das Wunder der Natur.
Vorsichtig streckte sie die Hand aus und berührte die zarte Blüte und diese schmiegt sich leicht an ihre Finger.
Eine Uhr begann zu schlagen.

Trixi, Trixi , wach auf!“
Benommen öffnete diese die Augen und sah direkt in Fredys Gesicht, hinter ihr standen ihr Onkel und ihre Tante und wirkten sehr erleichtert.
Wo ist das Einhorn und die Blumenfee?“ murmelte Trixi und setzte sich langsam auf.

Hahaa sie träumt noch,“ kicherte ihre Kusine.
Ein Traum, alles nur ein Traum, aber es war ein schöner
Traum.
Hier liegt ein Ring!“ rief Kerstin.
Zeig her!“
Nachdenklich betrachtete Trixi den Ring.
Sie lächelte versonnen.
Nur ein Traum?


© Lore Platz



Montag, 21. Oktober 2019

Die alte Vogelscheuche

Mit dieser kleinen Erzählung wünsche ich euch einen schönen Wochenanfang.


Herbstlied


Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

 (Johann Gaudenz von Salis-Seewis 1762-1834, schweizer Dichter)





Die alte Vogelscheuche




Das Weizenfeld war abgeerntet und nur noch Stoppeln ragen aus der Erde.
Die alte Vogelscheuche blickt traurig unter ihrem zerbeulten Hut in die Ferne.
Der Sommer war vorbei und ihre Arbeit getan. Keinem Vogel konnte sie mehr Angst machen, keine Rehe mehr erschrecken.



Hallo, Herr Vogelscheuche“, piepst eine zarte Stimme.
Guten Tag, Frau Feldmaus, ich habe von ihrem Unglück gehört.“
Ach ja, mein armer Mann. Frau Eule hat ihn erwischt und nun bin ich Witwe und muss meine fünf Kinderchen alleine aufziehen.“
Sie wischt sich eilig mit der Pfote über die Augen.
Mein herzlichstes Beileid!“
Danke, ob ich wohl ein paar der abgefallenen Körner nehmen darf?“
fragt sie schüchtern.
Aber sicher, sehen sie dort drüben, nicht weit von ihrer Wohnung liegt eine ganze Ähre.“
Der Wind gibt der Vogelscheuche einen Schubs und sie dreht sich so, dass ihr ausgestreckter Arm auf die herabgefallene Ähre zeigt.
Vielen herzlichen Dank!“
Die kleine Feldmaus trippelt zu der Stelle und nimmt das Ende der Ähre ins Mäulchen und zerrt und schleift sie in ihre Höhle.
Die Vogelscheuche seufzt.
Wie gerne hätte sie geholfen, doch sie muss ja hier stramm und steif stehen.
Zwei Krähen fliegen herbei und setzen sich auf ihre Schultern, ohne sich durch ihren grimmigen Gesichtsausdruck stören zu lassen.
Ein ungehobeltes Volk diese Krähen!
Sie tratschen über alles mögliche und fliegen dann über das Stoppelfeld in den nahe gelegenen Wald.
Wildgänse fliegen kreischend über das Feld und traurig sinniert die Vogelscheuche , wie schön es doch wäre, fliegen zu können und fremde Länder zu sehen.
Maxl, der Sohn des Bauern kommt mit mürrischem Gesicht angelaufen.
Wütend gibt er ihr einen Tritt, dass sie empört ächzt.
Blöder, alter, vergammelter Trampel,“ schimpft der Junge zornig.
Er war kurz davor, Schusserkönig zu werden, als sein Vater ihn rief und befahl die alte Vogelscheuche in den Schuppen zu bringen.
Nun würde wohl der Jokel gewinnen!
Der Gedanke macht ihn noch wütender und er umfasst mit beiden Händen das alte Ding, reißt es aus der Erde und pfeffert es auf den Boden.
Maxl packt nun die Vogelscheuche und schleift sie über Sand und Kies zum Schuppen.
Immer dünner wird diese, denn unterwegs verliert sie das ganze Stroh, mit dem sie gepolstert war.
Der Junge öffnet die Schuppentür und wirft die Vogelscheuche in die Ecke.
Sie knallt gegen einen verrosteten Pflug, streift einige alte Melkeimer und landet, oh Wunder, auf mehreren alten Säcken.
Zufrieden wälzt sie sich in eine bequeme Lage.
Wegen dem Stroh macht sie sich keine Gedanken. Sie weiß , im Frühjahr wird sie wieder frisch ausgestopft.




Maxl, aber hat seine Freunde noch nicht erreicht, da taucht sein Vater auf.
Mit grimmigem Gesicht deutet der auf den Weg.
Vom Feld bis zum Schuppen war alles voller Stroh.
Nimm sofort den Besen und mach den Weg sauber!“knurrt der Bauer.
Maxl seufzt.
Das Schusserspiel konnte er für heute vergessen.

Im Schuppen aber grinst die Vogelscheuche und schließt zufrieden die Augen.



(C) Lore Platz

Sonntag, 20. Oktober 2019

Reizwortgeschichte - ein besonderer Fisch




 Die Reizwörter heute sind:



Zitteraal – Klagelied – ungerecht – zufrieden – vergiften



Wenn ich mir diese Wörter so anschaue, oje daraus ein Märchen basteln,‘ne geht nicht, die Wörter sind ja viel zu traurig.
Was soll ich also machen?

Eine Freundin schlug mir ja vor, ich sollte den Fisch von einem Wichtelteller hüpfen lassen.
Aber selbst bei meiner oft überschäumenden Fantasie kann ich mir das nicht vorstellen.
Aber mir ist nun doch etwas eingefallen.







Ein besonderer Fisch

Die Sonne hat heute wieder große Freude als sie ihren Blick über die große Wiese mit den blühenden Wildblumen schweifen lässt. Bienen fliegen summend von Blüte zu Blüte und sammeln eifrig den Nektar. Eine dicke Hummel lässt sich schwerfällig auf einer Blume nieder, die erschrocken hin und schwankt.
Am Bach hält ein junger Mann eine Angel ins Wasser, neben ihm steht ein kleiner Junge, dessen Angel sich plötzlich bewegt.
Papa, Papa, hilf mir, ich habe einen ganz schweren Fisch.“





Schnell springt sein Vater zu ihm hinüber, stellt sich hinter seinen Sohn und beide ziehen an der Leine.
Das Tier kämpft, dass das Wasser Wellen schlägt.
Man könnte meinen, es wäre ein Zitteraal so wirbelt er das Wasser auf.“ brummt er Vater.
Endlich liegt der Fisch auf dem Gras und schnappt heftig nach Luft.
Der Mann befreit ihn vom Hacken, das kämpferische Tier bäumt sich empört auf, als wollte es davon springen.
Der kleine Junge betrachtet seinen Fang eine Weile und fragt seinen Vater.
Wollen wir ihn nicht wieder ins Wasser werfen, er hat doch so tapfer gekämpft und konnte gegen uns Zwei gar nicht gewinnen. Das ist doch ungerecht.“
Der Mann streicht seinem Sohn liebevoll über den Kopf, hebt den Fisch hoch und wirft ihn zurück ins Wasser.
Die beiden sehen ihm nach, wie er schnell und fröhlich in die Freiheit schwimmt.
Zufrieden atmet Tom auf.
Andreas runzelt die Stirn.
Aber deine Mutter wollte doch einen Fisch zum Mittagessen.“
Der Junge kichert.
Aber Papa, ich habe doch gesehen wie sie aus dem Gefrierschrank ein Stück Fleisch geholte hat.
Mama glaubt gar nicht daran, dass wir einen Fisch fangen.“
So, so sie traut uns ja gar nichts zu.“
Das denke ich nicht, sie wollte nur, dass du deine Ruhe hast, weil du doch so schwer arbeiten musst. Und meine kleine Schwester schreit immer so laut, ich weiß gar nicht warum.
Es ist doch nicht schlimm, dass sie keine Haare hat und auch keine Zähne und dass sie immer stinkt, weil sie nicht aufs Klo gehen kann. Wir haben sie doch trotzdem lieb.“
Andreas presst den Mund zusammen, um nicht laut zu lachen.
Fleur ist ja noch ein Baby und Babys können sich nur durch schreien bemerkbar machen, wenn sie müde sind, Hunger haben oder die Hose voll. Du hast auch viel geweint, als du ein Baby warst.
So da deine Mutter möchte, dass wir uns ausruhen, wollen wir das auch tun.“
Er legt sich ins Gras, die Arme hinter dem Kopf und Tom legt sich neben ihn.
Sie beobachten die Wolken.
Eine Amsel singt ihr schönes Liede und von irgendwo ist das rhythmische Klopfen eines Spechts zu hören.
Papa , was ist ein Zitteraal, ist das so ein geräucherter, den man essen kann, wie Onkel Ludwig ihn neulich mitgebracht hat?“
Andreas lacht:
Nein, man nennt ihn so, weil er so ähnlich aussieht wie ein Aal und er zittert, weil er Strom erzeugen kann.
Den Strom brauchen sie, um im dunklen Wasser besser sehen zu können und Beutefische zu jagen oder sich gegen Feinde zu wehren.“
Hat er denn im Wasser eine Steckdose und steckt seine Nase rein?“
Nein mein Sohn, der Strom wird in seinem Körper produziert, aber wie das geht erkläre ich dir wenn du etwas älter bist. Aber nun komm gehen wir nach Hause.

So nun brauche ich kein Klagelied anzustimmen, weil mir nichts eingefallen ist und vergiften will ich sowieso keinen, nicht mal im Märchen.

© Lore Platz

Mal sehen wie


den Fisch servieren.