Montag, 30. Januar 2023

Tumult im Märchenwald Ende

Mit dem Ende meiner Geschichte wünsche ich euch einen schönen Wochenanfang.
Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) C.P.
Es sind Wally und Knolly.
So gut haben sie sich lange schon nicht mehr amüsiert und dann hat Wally eine gute Idee.
Die Elster Esmeralda hat ihr nämlich vor einiger Zeit erzählt, dass die bösen Märchenwesen ziemlich sauer sind, weil es jetzt im Märchenwald so fröhlich und friedlich ist.
Am liebsten würden sie den Märchenwald so richtig durcheinander bringen.
Wally und Knolly stecken kichernd die Köpfe zusammen und schmieden einen Plan.
Auch wird Esmeralda zu den Verbannten auf den Berg geschickt um ihnen zu berichten, was die beiden Hexen vorhaben.
Sie sollten nur gut aufpassen in nächster Zeit würde es im Märchenwald rund gehen.

 
(c) RMzV

Immerzerstreut sitzt im Garten und langweilt sich ein
wenig. Es ist so gar nichts los, niemand kommt, niemand hat irgend ein Problem das sie lösen könnte.
Dabei hat sie so große Freude daran, sie zaubert doch so gerne und bisher waren ihre Sprüche alle richtig gut gelungen.
Hat sie doch schon immer gewusst, es fehlt ihr eben nur die Übung.
Ein Rascheln und ein Schatten drüben im Gebüsch erregt ihre Aufmerksamkeit.
Da war doch jemand?
Entschlossen steht sie auf und verlässt den Garten.
Eine Gestalt schleicht durch die Büsche und Muhme Immerzerstreut meint die Hexe Wally zu erkennen.
Na die hatte doch sicher nichts Gutes vor.
Lilofees Tante folgt der fliehenden Gestalt und bleibt abrupt stehen, als sie flüsternde Stimmen hört.
Vorsichtig schleicht sie näher.
Wally und Knolly, die sie wohl bemerkt haben beginnen nun ihr vorbereitetes Gespräch:
Weißt du schon was im Märchenwald los ist. Wally“
fragt Knolly.
Nein,“ brummt Wally, „ aber du wirst es mir sicher gleich erzählen.“

Der 13. Fee ist es gelungen den Bannkreis des Feenkönigs zu verlassen und sie hat mit einem Zauberspruch die ganze Märchenwelt durcheinander gebracht. Da geht es jetzt vielleicht rund. Alles spielt verrückt“
Die beiden können sich gar nicht mehr beruhigen vor lauter Lachen und Immerzerstreut runzelt nachdenklich die Stirn.
Dann lauscht sie wieder, denn Wally spricht jetzt weiter.
Was für ein Glück, dass Lilofee gerade nicht da ist, die würde den ganzen Spuk sofort beenden.“
Kann sie das denn?“ zweifelt Knolly.
Aber sicher, Lilofee braucht doch nur den Umkehrzauber auszusprechen, dann ist alles wieder wie zuvor.“
Und was ist mit Immerzerstreut, die kennt doch bestimmt diesen Zauberspruch auch?“
Wally winkt ab und grinst.
Pah, die ist doch viel zu dämlich und bringt bestimmt alles noch mehr durcheinander.“
Die Beiden blinzeln sich zu und entfernen sich.
Immerzerstreut ist wütend.
Zu dämlich, pah! Sie würde es denen schon zeigen und dem Märchenwald seinen Frieden zurück bringen.
Sie lenkt ihre Schritte in Richtung Märchenwald, doch dann dreht sie wieder um.
Nein, dämlich war sie nicht, aber doch manchmal etwas zerstreut und vergesslich.
Doch diesmal durfte ihr kein Fehler unterlaufen.
Sie wollte erst in dem Zauberbuch von Lilofee nach dem richtigen Spruch suchen und ihn dann aufschreiben.

Mit forschen Schritten geht sie zurück zu Lilofees Haus und holt aus der Glasvitrine das Zauberbuch.
Sie legte es auf den Schreibtisch, dann setzt sie sich gemütlich hin.
Und nachdem sie noch umständlich ihre Brille aus der Tasche genommen und auf der Nase platziert hat, beginnt sie die vergilbten Seiten des Buches durchzublättern.
Manchmal hält sie inne, wenn sie einen Spruch entdeckt, den sie schon lange vergessen hatte und schmunzelt wenn sie sieht was sie bei manchen Sprüchen verkehrt gemacht hat.
Es war eben schon sehr lange her, dass sie die Zauberschule besucht hatte und als Kind alle diese Sprüche auswendig lernen musste.
Ach hier war er ja!
Schnell reißt sie ein Blatt Papier von dem Notizblock auf dem Schreibtisch ab und notiert sich den Spruch.
Zufrieden klappt sie das Buch zu, legt es zurück in die Vitrine, steckt Brille und Zettel in die große Tasche an ihrem bunten Kleid und verlässt das Haus.
Mit forschen Schritten nähert sie sich dem Märchenwald und bemerkt nicht, dass Wally und Knolly ihr heimlich folgen.
Die beiden Hexen haben sich in der Nähe versteckt, weil sie wissen wollten, was Muhme Immerzerstreut als Nächstes unternehmen wird.
Und so folgen sie ihr leise.
Immerzerstreut ist jetzt am Märchenwald angekommen.
Aufmerksam betrachtet sie das große Gebiet kann aber
nichts auffälliges feststellen.
Alles war ruhig wie immer, erfüllt mit Fröhlichkeit und Lachen.
Wally und Knolly sehen sich an.
Was nun, wenn ihr schöner Plan nicht aufging?
Wally flüstert Esmeralda, die auf ihrer Schulter sitzt etwas ins Ohr und die Elster fliegt hinauf zum Berg der Verbannten und gleich darauf stellt die 13. Fee sich an den Rand des Felsen und ruft mit weithin schallender Stimme:
Ich verzaubere Euch, ihr nichtsnutzigen Märchenwesen und werde euch das Lachen schon austreiben!“
Sie macht geheimnisvolle Handbewegungen und murmelt dabei einige Worte.
Immerzerstreut, die leider nicht weiß, dass ihr Bruder, der Feenkönig, allen bösen Märchenwesen die Zauberkräfte genommen hatte und die 13 Fee überhaupt niemanden mehr verzaubern konnte, fällt auf den Schwindel herein.
Mit grimmiger Miene holt sie den Zettel aus der Tasche und setzt sich die Brille auf die Nase.
Nein! Diesmal wollte sie keinen Fehler begehen.

Mit lauter Stimme beginnt sie zu lesen:

Alles was falsch hier scheint
soll umgekehrt jetzt sein
Mit der Macht meiner Zauberkraft
Umkehr habe ich nun geschafft.“

Sie wirft noch einen zufriedenen Blick hinauf auf den Berg, dann nimmt sie die Brille von der Nase, dreht sich um und marschiert mit energischen Schritten davon.
Arme Immerzerstreut, da hat sie sich soviel Mühe
gegeben, um diesmal alles richtig zu machen und ist auf eine so böse Intrige herein gefallen.
Nicht ahnend welches Chaos hinter ihr ausbricht, verlässt sie den Märchenwald.
Wally und Knolly treten aus ihrem Versteck und warten gespannt, was jetzt geschieht.
Ebenso haben sich oben auf dem Berg die Verbannten versammelt und auch sie warten, welch Unheil nun geschehen wird.
Und dann bricht das Chaos aus!
Die sieben Geißlein jagen mit grimmigen Gesichtern den Wolf und schreien: Wir sind die bösen Geißlein und wollen dich fressen!“
Der Wolf schnauft und stöhnt und erreicht mit letzter Kraft das Haus der Geißlein.
Voller Panik sieht er sich nach einem Versteck um.
Unterm Bett, nein dort hat er das Geißlein damals gefunden.
Unterm Tisch, nein auch nicht gut.
Im Schrank, dieses Geißlein hat er auch erwischt.
Wo hat sich das kleinste Geißlein, das er übersehen hat, versteckt, natürlich im Uhrenkasten.
Schnell öffnet er die große Standuhr und zwängt sich hinein, was bei seiner Größe gar nicht so leicht ist.
Die alte Uhr stöhnt und ächzt.
Endlich hat es der Wolf geschafft und er zieht die Tür zu und jault auf.
Er hat seinen Schwanz eingezwängt.
Schnell holt er ihn in das Uhrgehäuse und schließt die Tür.
Gerade noch rechtzeitig, denn die Geißlein stürmen ins Haus und krabbeln suchend auf dem Boden herum.

Das Rotkäppchen sitzt friedlich mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater, dem Jäger auf der Terrasse, da kommt die Großmutter angstürmt.
Sie schnappt sich das Gewehr des Jägers und schaut sich ängstlich um.
Der Wolf kommt und will mich fressen,“ flüstert sie, dreht sich um und läuft mit dem Gewehr zurück in den Wald.
Als Rotkäppchen und ihre Eltern das Haus der Großmutter erreichen, hat diese alle Fenster und Türen verschlossen.

Ein kleines Mädchen in einem kurzem weißen Hemdchen sitzt weinend auf der Wiese und statt Sterntaler fallen Kohlenstücke vom Himmel.

Schneewittchen aber irrt durch den Wald und sucht ihren gläsernen Sarg.

 
(c) C.P.
Die ehemalige Müllerstochter hat ihr Kind aus der Wiege genommen und irrt klagend herum:
Rumpelstilzchen, wo bist du! Ich bringe dir mein Kind!“
Der kleine Kobold hat sich aber in einer Höhle versteckt, denn er will das Kind nicht mehr.
Hat er doch inzwischen fest gestellt, wie viel Unruhe so ein kleiner Schreihals in sein gemütliches Koboldleben bringt.
Und die goldene Gans?
Die marschiert in das Schloss mitten in eine fröhliche Gesellschaft, springt dem Hans auf den Schoß und auf einmal hängen alle an der Gans fest.
Und sie laufen durch das Schloss, treppauf, treppab.
Schließlich zieht die riesige Menschenschlange über die Freitreppe nach draußen und wandert durch den Märchenwald.

Dornröschen aber ist hinaus in den Garten gelaufen und hat sich unter einen Rosenstrauch gelegt und verkündet:
Ich werde jetzt hundert Jahre schlafen.“
Anklagend deutet sie auf ihren Mann und fordert:
Wage es ja nicht, mich mit einem Kuss zu wecken, bevor die Zeit um ist!“
Dann legt sie sich zurück und presst fest die Augen zu.
Der Froschkönig aber ist in den Park gelaufen.
Er steigt in den Weiher und setzt sich auf den großen Stein, der in der Mitte thront, krümmt seine menschliche Gestalt zu einem Frosch, reißt den Mund auf und ruft laut :
Quack, Quack, Quack!“
Seine Frau und der treue Heinrich aber laufen am Ufer des Weihers entlang und flehen ihn an, doch aus dem Wasser zu kommen.
Hänsel und Gretel aber haben ihre Eltern in den 
Schuppen gesperrt und fassen sich nun an den Händen und tanzen im Kreis herum, dabei singen sie:

Zeigt mir eure Fingerlein,
ob sie nicht noch sind zu klein.
Sind sie fett und wohl geraten,
dann seid ihr fertig zum Braten.
Holla, hi, holla, ho!“
 
(c) Roswitha B.

Und gar die Heinzelmännchen!
Sie stürmen mit Geschrei in die Schusterwerkstatt, reißen die fertigen Schuhe aus den Regalen und beginnen sie auseinander zu nehmen.
Bald fliegen Lederstücke, Nägel und Absätze durch die Gegend.
Dann rasen sie in die Schneiderwerkstatt zerstückeln die Stoffe, trennen die Nähte aus den fertigen Kleidern und hinterlassen ein schreckliches Durcheinander.

Die Fröhlichkeit und der Frieden hat das Märchenland wirklich verlassen wie sich die bösen Märchenwesen das gewünscht haben.
Diese stehen oben auf dem Berg und krümmen sich vor lachen.
Tränen laufen ihnen über das Gesicht und der dicke Gastwirt ist sogar umgefallen und liegt nun auf dem Rücken wie ein Maikäfer .
Vor Begeisterung strampelt er mit den Beinen.


Im Märchenwald aber hört man nur noch Kreischen, Schimpfen, Jammern und Klagen.

Das wäre wohl einige Zeit so weiter gegangen, wenn nicht Lilofee glücklicherweise aus ihrem Urlaub zurück gekommen wäre und alles wieder in Ordnung gebracht hätte.

Knolly und Wally konnten leider nicht bestraft werden, da sie auf länger Zeit in ein unbekanntes Ziel vereist sind.

Immerzerstreut ist traurig und unglücklich.
Diesmal hat sich extra soviel Mühe gegeben, um alles recht zu machen und solches Chaos geschaffen.

Doch Lilofee und auch Purzel trösten sie, denn dass sie auf eine solch böse Intrige herein gefallen ist, das war wirklich nicht ihre schuld.

Die Märchenwesen haben den Wirrwarr bald vergessen und sind fröhlich und glücklich wie zuvor, sehr zum Ärger der Verbannten auf dem Berg.

© Lore Platz



Tumult im Märchenwald Teil 2

 
(c) Nadine F.


Schmunzelnd wandert Frau Sonne weiter.
Doch dann runzelt sie die Stirn.
Sie hat den Verbannungsort der bösen Märchenwesen erreicht.
Die Königin, Stiefmutter von Schneewittchen, steht am Rand des Felsen und ihre Blicke sind alles andere als freundlich.
Voller Zorn hat sie beobachtet wie ihre Stieftochter mit ihren Freundinnen über die Wiese spaziert war und die Schönheit von Schneewittchen erfüllt sie mit Hass.
Die dreizehnte Fee tritt neben sie.
Warum so zornig!“
Sie wird immer schöner!“
Die Fee lacht.
Sie ist jung und vor allem nicht so verbittert wie du.“
Dann geht sie näher an die Königin heran.
Oh, was sehe ich da, ist das nicht ein neues Fältchen unter deinen Augen.“
Wütend zischt die Königin und ballt die Fäuste.
Die Fee lacht schadenfroh und wendet sich ab.
Die Stiefmutter von Aschenputtel tritt neben die Königin.
Hat sie dich wieder geärgert,“ fragt sie mitfühlend.
mach dir nichts daraus, diese Fee ist auch nicht besser wie wir, hat sie doch aus gekränkter Eitelkeit eine Prinzessin in einen hundertjährigen Schlaf gezaubert.“
Die beiden waren Freundinnen geworden hassten sie doch beide ihre Stieftöchter.
Die Stiefschwestern von Aschenputtel treten neben ihre Mutter und klagen:
Ach Mutter, hast du Aschenputtel gesehen, welch herrliches Kleid sie trägt. Und sie wohnt mit ihrem Prinzen in einem schönen Schloss. Und wir sind hier oben , müssen immer die selben Kleider tragen und statt feiern und tanzen sind wir hier mit lauter alten Langweilern eingesperrt.“
Nun, das habt ihr ja verdient, denn ihr wart ja nicht sehr nett zu eurer Schwester,“ meint die Frau des Gastwirts aus „Tischlein deck dich“
Aschenputtels Stiefmutter wirft ihr einen spöttischen Blick zu.
Ach und ihr beide seid nur aus Versehen hier gelandet.“
Die Frau des Gastwirt nickt heftig mit dem Kopf.
Das stimmt, nicht wahr Liebling?“
Sie stößt ihren Mann in die Seite.
Dieser nickt brummig und meint.
Wir haben nichts schlimmes gemacht.“
Ach nein, nur ein bisschen gestohlen,“ feixt die Kammerzofe der „Gänsemagd“, die auch näher gekommen ist.
Dann runzelt sie die Stirn.
Aber es ist schon ärgerlich, dass das Völkchen da unten sich so herrlich amüsiert und wir ...“
Die 13 Fee ist wieder näher gekommen.
Wir müssten einen Weg finden, wie man sie ein
wenig ärgern könnte. So ein kleiner Wirbel wäre nicht schlecht.“
Mutter Sonne wandert sehr nachdenklich weiter.





Lilofee verlässt ihr Häuschen mit einer bunten Reisetasche in der Hand und blickt prüfend zum Himmel.
Ihre Schwester Viola hat sie für einige Tage nach Spanien eingeladen und versprochen ein Einhorn vorbei zu schicken.
Purzel kommt in den Garten, die Stirn sorgenvoll gefurcht.
Lilofee lächelt ihm freundlich entgegen.
Muss das wirklich sein!“ brummt der Zwerg.
Was denn, dass ich verreise?“
Ach nein, du hast ein paar Tage Urlaub wohl verdient und ich wünsche dir eine schöne Zeit mit deiner Schwester. Aber soll denn wirklich Muhme Immerzerstreut dich vertreten, du weißt wie schusselig sie ist und sie wird hier alles durcheinander bringen.“
Nun sei nicht so brummig, Purzel, so schlimm wird es schon nicht werden.
Aber als meine Tante mir anbot mich zu vertreten konnte ich doch schlecht nein sagen.
Sie hat sich gefreut wie ein Kind, dass sie sich nützlich machen konnte.
Und ich habe dir doch einen Zauberspruch aufgeschrieben, mit dem du ihre Fehler wieder rückgängig machen kannst.
Hast du den Zettel.“
Purzel nickt ernst und zieht einen Zettel aus der Tasche.
Ein Rauschen ist in der Luft zu hören und ein Einhorn landet im Garten und verbeugt sich vor Lilofee.
Diese beugt sich zu Purzel hinunter, küsst ihn auf die Stirn und tröstet:


Keine Bange, so schlimm wird es schon nicht werden und ich bin doch bald wieder da.“
Sie steigt auf das Einhorn, hebt ihre Tasche vor sich und winkt Mathilda und Purzel noch einmal zu, dann erhebt sich das geflügelte Pferd und bald ist es nur noch als kleiner Punkt zu sehen.
Ein pinkfarbener Sonnenschirm schießt plötzlich in den Garten und bleibt in den Ästen des Apfelbaumes hängen, der vor Schreck einige seiner Äpfel ins Gras purzeln lässt.
Dem Schirm folgt eine riesige Reisetasche, die gegen den Stamm des Baumes prallt.
Der Verschluss springt auf und eine Fülle von kunterbunten Kleidungsstücken quillt heraus.
Das Känguruh will gerade hinüber hüpfen um sie aufzuheben, da ertönt eine Stimme:
Vorsicht!“ Und Muhme Immerzerstreut landet mitten in dem Kleiderhaufen.
Sie sieht ziemlich ramponiert aus.
Der Hut mit dem künstlichem Obst hängt schief auf ihrem Kopf, die Haare sind leicht zerzaust , die Kleider zerknittert.
Aber mit strahlendem Lächeln erhebt sich sich, rückt den Hut gerade, zupft an ihrem Kleid und richtet den Zauberstab auf die Reisetasche.
Die Kleider steigen in die Höhe, verschwinden in der Reisetasche, die sich hinter ihnen schließt.
Muhme Immerzerstreut nickt zufrieden.
Geht doch!“
Suchend sieht sie sich um.
Wo ist Lilofee?“
Bereits abgereist,“ gibt Purzel Auskunft.
Schade, bin ich doch zu spät, aber dieser dumme Reisezauber wollte mir nicht einfallen. Aber macht nichts, beginnen wir mit der Arbeit.“
Mit energischen Schritten, die schwebende Reisetasche neben sich, trippelt sie zum Haus.
Purzel und Mathilda sehen sich an und beide denken dasselbe.
Wenn das nur gut geht.
Muhme Immerzerstreut aber ist überglücklich und mächtig stolz, dass Lilofee ihr diese so wichtige Aufgabe übertragen hat und sie beschließt ihre Nichte würdig zu vertreten.
Und so sie stürzt sich mit Begeisterung auf die großen und kleinen Probleme, die von den Bewohnern des Zauberwaldes an sie heran getragen werden.
In ihrem Übereifer aber verwechselt sie oft die Zaubersprüche und merkt in ihrer Arglosigkeit gar nicht was für ein heilloses Durcheinander sie anrichtet.




Purzel aber hat keine ruhige Minute mehr seit sie hier ist, muss er sich doch die Klagen der Freunde im Zauberwald anhören und den Zettel mit dem Zauberspruch kann er selten aus der Hand legen, soviel ist wieder gut zu machen.
Einmal musste er sogar seine Freunde aus dem Zwergenreich zu Hilfe rufen, weil er es allein nicht schaffte.
Muhme Immerzerstreut hatte aus Versehen alle Äste der großen Eiche in Schlangen verwandelt.
Den ganzen Nachmittag hatten sie zu tun um die Schlangen alle einzufangen und zurück zu zaubern.
Längst schon kommen die Tiere und Zauberwesen nicht mehr mit ihren Anliegen zu Muhme Immerzerstreut, lieber wollen sie warten bis Lilofee wieder zurück ist.
Muhme Immerzerstreut freut sich sehr, denkt sie doch sie hätte alles so schön geregelt , dass es gar keine Probleme mehr gibt.
Oh ! Ihre Nichte konnte stolz auf sie sein.
Es gibt aber zwei die sich ausschütten vor Lachen über das Durcheinander, das zur Zeit im Zauberwald herrscht und das sind die beiden Hexen, die am Rande wohnen und weil sie eigentlich harmlos waren von Lilofee geduldet werden.
Es sind Wally und Knolly.


Morgen geht es weiter

Tumult im Märchenwald


 
(c) Nadine F.


Ende 1814 erschien der zweite Band der Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm.
In der zweiten Auflage von 1819 befanden sich bereits zwei Zeichnungen, die der Jüngste der Grimm Brüder, Ludwig Emil gefertigt hatte.
Es handelt sich dabei um ein Fantasie Bild zu dem Märchen „Brüderlein und Schwesterchen“, sowie ein Porträt einer Frau, die als Märchenfrau bezeichnet wurde.
Dabei handelte es sich um Dorothea Viehmann, die einzige Quelle der Märchen, die namentlich genannt wurde und der Wilhelm Grimm im zweiten Band in der Vorrede ein Denkmal setzte.
Die Gastwirtstochter hatte schon als Kind den Geschichten der Soldaten und Fuhrleuten gelauscht und sie im Gedächtnis behalten.
Natürlich sind die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm nicht durch die Gegend gewandert und haben Märchen und Sagen gesammelt, wie es oft romantisch dargestellt wurde.
Die meisten Geschichten wurden ihnen in ihrer Wohnung in Kassel erzählt.
Wilhelm Grimm hat dann die oft zerrütteten und schlecht erzählten Märchen restauriert und in einem wunderschönen Stil geschrieben ohne den Originalton zu verändern.
So schuf er ungewollt seinen eigenen Buchmärchenstil.
Wichtige Quellen für die Märchen waren die Pfarrerstochter Friederike Mannel, die befreundete Nachbarsfamilie des Apothekers Wild, dessen Tochter Dorothea, Wilhelm Grimm später heiratete.

Die Familie Haxthausen und Droste-Hülshoff lieferten den Brüdern westfälische Märchen.
Ebenso besaßen die Schwestern Hassenpflug ein reiches Wissen an Märchen von ihrer französischen Großmutter und besonders Marie Hassenpflug konnte ein Vielzahl an Märchen beisteuern.
Zu einem folgenschweren Irrtum, der fast 100 Jahr bestehen sollte, kam es , als Hermann, der Sohn Wilhelms die Aufzeichnungen seines Vaters sichtete.
Wilhelm hatte meist die Vornamen der Erzähler unter die Aufzeichnungen gesetzt.
Und Hermann hielt „Marie“ für eine alte hessische Kinderfrau, während es sich tatsächlich um Marie Hassenpflug handelte.
Warum kamen die Brüder Grimm eigentlich auf die Idee Märchen und Sagen zu sammeln?
Als Brentano und Arnim alte deutsche Lieder für
Des Knaben Wunderhorn“ zusammen trugen, baten sie die Brüder Jakob und Wilhelm um Mithilfe.
Es war hauptsächlich Wilhelm, der keine Anstellung damals hatte, der die Bibliotheken nach Mythen, Sagen und Volksliedern durchforschte.
Später begann dann Clemens Brentano ein neues Projekt und bat wieder die Brüder um Hilfe.
Sie sollten nun Märchen und Sagen für ihn sammeln.
Doch Brentano fand die Texte langweilig und wollte nicht mehr weiter machen.
Glücklicherweise hatten die Brüder für sich selbst eine Abschrift gemacht und Achim von Arnim drängte sie schließlich 1812 die Märchen doch zu veröffentlichen und machte sie mit einem Berliner Verleger bekannt.

Deshalb erschien auch die Widmung:
Für Frau Elisabeth von Arnim für den kleinen Johann Freimund“ in der Erstausgabe.

Warum ich euch wieder ein wenig von der Brüdern Grimm erzähle, das hat seinen Grund.
Als ich vor einigen Monaten über ein neues Märchen nachdachte, kam mir so der Gedanke was eigentlich mit den Figuren der Brüder Grimm nach ihren erlebten Abenteuern geschehen sein könnte.
Und so entstand die Geschichte:
Tumult im Märchenwald“, in der ich die Figuren der Brüder Grimm mit meinen eigenen erfundenen Gestalten vermischte.
Vielleicht gefällt euch ja die Geschichte.
Nun macht es euch bequem und hört gut zu.


 
(c) Irmgard Brüggemann

 

Tumult im Märchenwald
 
Frau Sonne hat die letzten Schleier der Nacht vertrieben und wandert nun über das Land.
Lächelnd bleibt sie beim Märchenwald stehen und beobachtet das fröhliche Treiben.
Lachen und Glück ist hier eingekehrt, nachdem der mächtige Feenkönig alle bösen Wesen aus dem Märchenwald auf den nahegelegenen Berg verbannt hat und mit einem Zauber gefangen hält.
Frau Sonne sieht den Vater von Hänsel und Gretel, der sich gerade von seiner Frau mit einem Kuss verabschiedet.
Auch die Kinder drücken ihre Mutter, haben sie ihr doch längst ihre Verzweiflungstat verziehen.
Vergnügt pfeifend mit geschulterter Axt marschiert der Vater dem Wald zu und Hänsel und Gretel folgen übermütig kichernd.
In den Händen haben sie Körbchen, denn sie wollen Beeren sammeln.
Bevor sie im Gehölz verschwinden wenden sie sich noch einmal um und winken der Mutter zu.
Frau Sonne schmunzelt, dann gleitet ihr Blick hinüber zu den vielen Burgen und Schlössern in denen die Könige mit ihren Prinzessinnen leben.

 
(c) Irmgard Brüggemann

Der Froschkönig mit seiner Gemahlin, die ihn einst erlöst hat,
Schneewittchen mit ihrem Prinz,
König Drosselbart und seine inzwischen so liebenswerte und gar nicht mehr verwöhnte Gattin,
Aschenputtel, die gar nicht mehr schmutzig herum laufen muss und mit ihrem Prinzen sehr glücklich geworden ist,
Rapunzel, deren schönes langes Haar im ganzen Reich berühmt ist, mit ihrem Königssohn,
wohnen hier.
Ebenso ist Dornröschen mit ihrem Prinzen, der sie nach hundert Jahren Schlaf geweckt hat, sehr glücklich in ihrem erlösten Schloss.
Die ehemalige Müllerstochter und ihr Prinz freuen sich, wie prächtig sich ihr kleiner Sohn entwickelt.
Und auch die Prinzessin, die Hans mit seiner goldenen Gans und den Leuten, die an ihrem Schwanz fest klebten, zum Lachen gebracht hatte, lebt glücklich und zufrieden auf ihrer Burg.
Alle Könige und Prinzen sind miteinander befreundet und besonders die Damen pflegen einen herzlich Umgang miteinander und jeden Tag treffen sie sich in einem anderen Schloss zum Frühstück.
Der heutige Treffpunkt ist das Schloss von „Gans kleb an“
und Frau Sonne sieht wie Schneewittchen, Aschenputtel, Rapunzel und Dornröschen Arm in Arm über die Wiese schlendern.
Die sieben Zwerge verlassen eben ihr Häuschen, warten bis der älteste umständlich die Tür schließt, dann marschieren sie im Gänsemarsch in Richtung Bergwerk.
Als sie fröhlich pfeifend an den Prinzessinnen vorbei kommen und Schneewittchen entdecken winken sie vergnügt.
Der kleinste Zwerg löst sich aus der Reihe, purzelt mit seine kurzen Beinen zu Schneewittchen, die sich bückt und ihm einen Kuss auf die Stirn gibt.
(c) Irmgard Brüggemann

Errötend wendet er sich ab, reiht sich ein, und noch einmal fröhlich winkend, geht es im Gleichschritt weiter.
Die jungen Frauen kichern und warten dann, denn von der anderen Seite kommen die Müllerstochter, die Frau von König Drosselbart und des Froschkönigs Liebste.
Gemeinsam betreten sie den Burghof ihrer Gastgeberin.
Die goldene Gans kommt ihnen laut schnatternd entgegen gewatschelt.
Vorsichtshalber machen die jungen Damen einen großen Bogen um das Federvieh.
Die junge Königin kommt freudestrahlend die Freitreppe herunter und begrüßt ihre Freundinnen.
Frau Sonne freut sich über den schönen Anblick der hübschen Mädchen.
Eine Bewegung erregt ihre Aufmerksamkeit und schmunzelnd beobachtet sie die Heinzelmännchen, die purzelnd und stolpernd über die Wiese laufen.
Sie sind auf dem Weg zur Frau des Schusters die wie jeden Morgen für sie ein Frühstück bereit hält.
Diese steht bereits vor ihrer Tür und hält Ausschau nach den kleinen Strolchen.
Die Frau des Schneiders tritt eben aus dem Nachbarhaus und stellt sich neben sie.
Beide runzeln die Stirn als sie die kleinen Wichtel erblicken.
Hält man denn das für möglich!“ schimpft die Frau des Schusters und ihre Nachbarin schüttelt fassungslos den Kopf.
Gestern haben beide die kleinen Kerlchen gebadet und neu eingekleidet und wie sehen sie nun aus?
(c) Bärbel

Total verschmutzt und Höschen und Hemdchen zerrissen.
Nur die kleinen Zipfelmützchen sind noch ganz .
Die Frau des Schusters stemmt die Arme in die Seiten und blickt die kleinen Schmutzfinke wütend an.
Unbeeindruckt von ihrer finsteren Miene schenken die Heinzelmännchen ihr ein strahlendes Lächeln.
Doch die mütterliche Frau lässt sich von ihren unschuldigen Gesichtern nicht beeinflussen.
Sie deutet auf die Tür.
Marsch ins Badezimmer! So schmutzig setzt ihr euch nicht an den Tisch!“
Leise murrend schleichen die kleinen Dreckspatzen an ihr vorbei, drehen sich an der Tür noch einmal um und schneiden hinter dem Rücken der beiden Frauen lustige Grimassen.
Die Frau des Schusters wendet sich seufzend an ihre Freundin.
Da bekommt dein Mann mal wieder viel zu flicken.“
Die Frau das Schneiders nickt.
Unser Lehrjunge muss nur noch für die Heinzelmännchen arbeiten, sonst könnten wir gar keine andere Kundschaft mehr bedienen. Ich werde mal sehen, ob Ersatzkleidchen fertig sind.“
Kopfschüttelnd geht sie ins Nebenhaus.
Als die Frau des Schusters ihr Häuschen betritt sieht sie sich suchend um.
Wo steckten nur diese Schlingel wieder?
Da hört sie kichern und plätschern aus dem Badezimmer.
Voll böser Vorahnung öffnet sie die Tür und schlägt
entsetzt die Arme über dem Kopf zusammen.
Im Waschzuber stehen die kleinen Kerlchen und bespritzen sich kichernd mit Wasser.
Der ganze Boden steht unter Wasser und Seifenschaumwölkchen schweben durch die Luft.
Die geplagte Frau lässt einen Brüller los und augenblicklich
tritt Stille ein und die Wichtel sehen sie erschrocken an.
Wütend schimpfend hebt sie die nassen Kleider auf und wirft sie in einen Eimer, dann wischt sie den Boden.
Die Männchen beobachten sie ein wenig bange, sie hatten es wohl übertrieben, ob es jetzt keinen süßen Kakao gab?
Noch immer finster blickend packt die Schustersfrau einen Wichtel nach dem anderen, schrubbt ihn tüchtig ab und schickt ihn in die Küche.
Als sie dann die Küche betritt, beginnt sie gleich wieder zu schimpfen.
Die Handtücher liegen alle auf dem Boden und die Heinzelmännchen sausen splitterfasernackt und fröhlich kichernd durch den Raum.
Zum Glück kommt eben die Frau des Schneiders und gemeinsam gelingt es ihnen die kleinen Lausbuben einzufangen.
Als sie endlich gestriegelt und geschniegelt am Tisch sitzen und artig ihren Kakao trinken, sehen sie aus, als könnten sie kein Wässerchen trüben.
Die beiden Frauen aber sitzen erschöpft auf ihren Stühlen, sehen sich an und fangen an zu Lachen.
Die Heinzelmännchen strahlen und lachen mit.
Der Friede ist wieder hergestellt.
(c) Irmgard Brüggemann

Schmunzelnd wandert Frau Sonne weiter.
Ach da hinten war das Haus von Rotkäppchen und ihrer Familie.
Das kleine Mädchen deckt gerade auf der Terrasse den Tisch und ihre Mutter kommt eben mit der dampfenden Kaffeekanne, ihr folgt der Jäger, der inzwischen Rotkäppchens Stiefvater ist.
Frau Sonne sieht der glücklichen kleinen Familie ein wenig beim Frühstücken zu, dann wandert sie weiter.
Sie kommt nun tiefer in den Wald und steht bald über dem Häuschen von Rotkäppchens Großmutter.
Türen und Fenster stehen weit auf und ein leckerer Duft dringt nach draußen.
Man hört eine zittrige Altfrauenstimme ein Liedchen singen.
Bald kommt die Großmutter in den Garten und hält eine Schüssel mit Haferbrei, der noch dampft, in den Händen.
Vorsichtig geht sie den Weg in den Wald zu einer Stelle, an der die sieben Geißlein gerade den Wolf ärgern.

 
(c) C .P.
Eines nach dem anderen nimmt Anlauf und springt mit allen Vieren auf den alten Wolf, der bei jedem Sprung schmerzlich stöhnt, und ziehen ihm die Ohren lang.
Die Großmutter verjagt die Geißlein.
Diese verstecken sich kichernd hinter einem Gebüsch.
Dort wollen sie warten, bis die Großmutter weg ist, um dann den Wolf erneut zu ärgern.
Diese stellt die Schüssel auf den Boden und gierig schlabbert der alte Meister Isegrimm die Schüssel leer.
Laut rülpst er und hinter den Büschen kichern die Geißlein.

Dake, as ar ecker,“ (Danke, das war lecker) nuschelt er denn er hat keinen einzigen Zahn mehr im Maul.
Der Elfenkönig hatte ihn nicht verbannt für seine bösen Taten, sondern sämtliche Zähne entfernt.
Wie er so da steht kann man wirklich Mitleid mit dem Häufchen Elend bekommen.
Misstrauisch schielt er ins Gebüsch und auch die Oma wirft einen strengen Blick hinüber.
Geht nach Hause, eure Mutter wartet sicher schon, für heute ist die Spielstunde vorbei!“ fordert sie die Geißlein auf.
Etwas widerwillig gehorchen die Kleinen.
Der Wolf streckt seinen Rücken.
Die kleinen Hufe der Geißlein können ganz schön weh tun.
Dake, iebe oschutter, enn isch eine ähne osch ätte, ann önnte isch isch fffereidigen und sssie ein enisch schicken.“
(Danke liebe Großmutter, wenn ich meine Zähne noch hätte, dann könnte ich mich verteidigen und sie ein wenig zwicken.)
Papperlapapp , du würdest sie nicht nur zwicken, sondern gleich auffressen.
Ich kann es ihnen nicht verdenken, dass sie wütend auf dich sind und es dir jetzt heimzahlen, da du nur noch ein zahnloser Grummelgreis bist.“
Der Wolf senkt beschämt den Kopf
disch und ass odkäppchen abe isch och auch gefeschen, aaruum bisch du ann nischt öse ausch misch?“
(Dich und das Rotkäppchen habe ich doch auch gefressen,
 warum bist du dann nicht böse auf mich?)
 
Ach weißt du ich bin alt und habe schon viel gesehen und außerdem sollte man die kostbare Zeit nicht mit Hass und Zorn verbringen. Was vorbei ist ist vorbei, du bist jetzt ein lieber Wolf, wenn auch nicht ganz freiwillig.
Außerdem bin ich sehr einsam und da kann ich mich doch ein wenig um so einen zahnlosen alten Wolf kümmern.
Komm, wir wollen ein wenig spazieren gehen.“
Zufrieden trabt der alte graue Wolf neben der Oma durch den Wald.


Morgen geht es weiter