Freitag, 29. März 2019

Frühlingszauber

Langsam wird es Zeit, dass er kommt und bleibt, ob ich ihn mit diesem Gedicht hervorlocken kann, den Frühling?
Mit diesem kleinen Gedicht wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
Viel Spaß beim Leben! 





Frühlingszauber

Ein schöner Jüngling schwebt über das Land
Als Frühling ist er überall bekannt
Wo vor kurzem noch wirbelten die
Schneeflocken
Gelingt es ihm mit frohem Lied die Blüten hervor zu locken
Welch eine Pracht, der Farben bunter Reigen
Dazu spielt der Wind mit seinen Geigen
Die Sonne sie strahlt vom wolkenlosen Firmament






Eine Elfe tanzt selbstvergessen nach einer Melodie, die nur sie kennt

Die Vögel zwitschern voll Übermut
Ja, die Sonne ist für alle gut
Kein Langschläfer will jetzt mehr länger im Bette bleiben.
Sich lieber in der Natur die Zeit vertreiben
Tief einatmen den herrliche Duft
Von Blüten und Frühling geschwängerter Luft
Unbarmherzig und garstig kann heute keiner sein
Da wäre man wohl gänzlich allein
Der Frühling bereitet mit kundiger Hand
Über die Herzen sein wundersames fröhliches Band
Nun atmet auch ihr meine Lieben tief ein
Und denkt daran dieses Jahr kann nur einmal Frühling sein

© Lore Platz



Donnerstag, 28. März 2019

Nicht standesgemäß

Ich gehörte nie zu den Lieblingen der Lehrer, aber das machte mir wenig aus, denn da ich aus einem gebildeten Elternhaus stammte, nahm das auf meine Leistungen keinen Einfluss. Die schlimmste meiner Lehrerinnen verwende ich in meinen Geschichten immer als böse. 
Passt also gut auf ihr werdet sie finden (schmunzeln)
Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Tag.
Viel Spaß beim Lesen!


(c) Elli M.


Nicht standesgemäß

Elena betritt neben Direktor Zimmermann das Klassenzimmer und sieht sich zweiundzwanzig erwartungsvollen Gesichtern gegenüber.
Fräulein Hartleitner, das ist ihre neue Schülerin Elena von Straten. Ihre Eltern haben das Gut Waldblick übernommen und den dazu gehörigen Ponyhof.“
Freundlich nickt die Lehrerin dem Mädchen zu, trotzdem war sie Elena nicht sehr sympathisch.
Sie setzt sich auf den ihr angewiesenen Platz und packt ihre Schultasche aus.
Die Tür wird leise geöffnet und ein Mädchen drückte sich herein.
Entschuldigung,“ murmelt sie und hastet in die hinterste Bank.
Das ist Bärbel, sie ist strohdoof und außerdem hässlich angezogen.“ flüstert Rita Elena zu.
Das Mädchen betrachtet unauffällig das Mädchen, dessen Kleider geflickt sind, und die Haare unordentlich aus den Zöpfen hängen.
Direktor Zimmermann hat inzwischen das Zimmer verlassen und der Unterricht beginnt.
Elena beobachtet, dass die Lehrerin das Mädchen in der letzten Bank vollkommen ignoriert und in der Pause wird sie von den anderen Kindern gehänselt.
Elena gefällt das gar nicht und sie fragt Rita „ was hat euch das Mädchen denn getan?“
Ach,“ meint diese schnippisch, „ schau sie dir doch an wie hässlich sie angezogen ist, bestimmt hat sie auch Läuse, außerdem wohnt sie in einer ärmlichen Hütte mit ihrer Oma und mein Opa, der ja Bürgermeister ist, hat gesagt, die beiden sind der Schandfleck in unserem schönen Dorf.“
Elena runzelt die Stirn und nimmt sich fest vor zu Bärbel besonders nett zu sein.
Doch das war nicht so einfach, denn Bärbel lässt niemand an sich heran und so gibt Elena allmählich auf.

Nach einigen Wochen hat Elena sich eingewöhnt und viele Freunde gefunden. Jeder möchte ihre Freundin sein, war sie doch die Tochter des reichen Gutsbesitzer und die Kinder durften auf den Ponys reiten, wenn sie Elena besuchten.
Bärbel kam jeden Morgen zu spät und huschte schnell auf ihren Platz von niemand beachtet. Die Kinder hänselten sie auch nicht mehr, hatten sie doch schnell gemerkt, dass das Elena gar nicht gefiel und mit dieser wollte es sich keiner verderben.
Und die Lehrerin kümmerte sich überhaupt nicht um das Mädchen. Bärbel wurde niemals aufgerufen und selbst ihre Hausaufgaben wurden nicht eingesammelt.
Als wäre sie überhaupt nicht anwesend.
Manchmal warf Elena einen heimlichen Blick nach hinten und sah, dass das Mädchen sehr aufmerksam verfolgte was vorne geschah. Wenn ihre Blicke sich trafen sah Bärbel scheu weg und spielte mit ihrem Bleistift.
 
(c) Elli M.



Elena war gerade von der Schule nach Hause gekommen und lief in die Küche, wo Martha, die Köchin ihr lächelnd das Essen servierte und erzählte, dass ihre Mutter in die Stadt gefahren war und ihr Vater eine Besprechung mit dem Bürgermeister hatte.
Martha sah dabei sehr grimmig aus und Elena fragte sie
was denn los sei.
Ach den Bürgermeister hier kann ich gar nicht leiden, so ein Unmensch, will das arme Weiblein und ihre Enkelin aus dem Haus werfen. Sind ein Schandfleck für das Dorf behauptet er.“
Was will er denn von Papa?“
Der Wald gehört doch zu dem Gut und das alte Häuschen ist nur gemietet. Also soll der Herr seine Macht als Vermieter demonstrieren und ihnen kündigen.“
Das wird doch Papa nicht machen!“ rief Elena erschrocken.
Als der Bürgermeister abgefahren war, schlüpfte Elena in das Arbeitszimmer ihres Vaters.
Lächelnd sah Herr von Straten sein Töchterlein an. „Was hast du denn auf dem Herzen?“
Papa, du willst doch nicht Bärbel und ihre Oma aus dem Haus werfen?“
Kennst du sie denn?“
Ja, Bärbel geht mit mir in dieselbe Klasse.“ Und dann erzählt sie ihrem Papa, was ihr aufgefallen war und wie die Lehrerin und auch die Kinder mit dem armen Mädchen umgehen.
Ihr Vater nickte nachdenklich.
Die Menschen vergessen viel zu schnell, wenn es ihnen gut gut, dass nicht jeder soviel Glück hat.“
Aber hast du nicht immer gesagt, wir sollen dankbar sein, dass es uns so gut geht und die nicht vergessen, denen es nicht so gut geht.“
Ja, meine Kleine und daran wollen wir uns auch halten, habe keine Angst um deine Freundin.“
Elena widerspricht nicht, denn eigentlich wollte sie gerne mit Bärbel befreundet sein.



Im Stall trifft sie auf Justus, den Stallmeister, der an seiner alten Pfeife kaut. Er wollte sich nämlich das Rauchen abgewöhnen, aber von seiner geliebten Pfeife konnte er sich nicht trennen.
Na Prinzessin willst wohl ausreiten, Triumph muss bewegt werden.“
Elena ging an die Box, holte aus ihrer Hosentasche ein Stück Zucker und hielt es auf der flachen Hand dem weißen Pony hin.
Bald trabten die beiden über den Hof, begleitet von Gina dem gefleckten Mischling.
Der Hund umsprang sie freudig bellend, dann spitzte er plötzlich die Ohren und sauste los und verschwand im Wald.
Ärgerlich rief Elena den Hund,natürlich hörte er nicht, sicher hatte er wieder ein Kaninchen aufgestöbert.
Das Mädchen band das Pony an einen Baum und folgte dem Hund in den Wald.
Sie hörte ein komisches Geräusch, das konnte nur Gina sein.
Als sie den seltsamen Lauten folgte, sah sie Bärbel, die auf einem Baumstamm saß, Tränenspuren auf dem Gesicht, und mit offenen Mund Gina betrachtete.
Die Hündin hatte die Schnauze nach oben gerichtet und heulte Herz erweichend.
Als Bärbel Elena sah wollte sie aufspringen, doch dann fiel ihr Blick wieder auf den Hund und sie prustete los.
Elena ließ sich neben ihr auf dem Baumstamm nieder und auch sie konnte sich nicht mehr halten.
Weißt du, Gina ist ein besonders mitfühlender Hund, wenn sie jemand weinen sieht, weint sie gleich mit.
Wieder prusten sie los und der Hund, der die Beiden lachen sieht, drängt sich schwanzwedelnd zwischen sie.

 
(c) Werner B.

Die Mädchen streicheln den Hund.
Warum hast du geweint?“
Bärbel wird rot und wendet das Gesicht ab.
Elena ergreift ihre Hand.
Du brauchst keine Angst haben, mein Vater hat nicht vor euch zu vertreiben, auch wenn der Bürgermeister es so will.“
Er war gestern bei meiner Oma und hat ihr angedroht, dass der neue Besitzer uns rausschmeißen wird. Wir sind der Schandfleck des Dorfes. Aber meine Oma hat doch nur eine kleine Rente. Außerdem hat sie Arthritis und kann nicht mehr so arbeiten. Ich helfe ihr so gut ich kann, deshalb komme ich auch morgens immer zu spät in die Schule. Eigentlich will ich gar nicht mehr in die Schule gehen. Frau Hartleitner will sowieso nichts mit mir zu tun haben, sie mag nur die reichen Kinder.“
Elan umarmte Bärbel spontan. „ Ich mag dich und wäre so gerne deine Freundin.“
In diesem Moment entstand eine Freundschaft fürs Leben und für Bärbel und ihre Oma begann eine Zeit des Glücks.
Herr von Straten hatte auf seinem Besitz ein kleines unbewohntes Häuschen, das er herrichten ließ und in dem Bärbel und ihre Oma in Zukunft leben konnten.
Zuerst aber schickte er die alte Frau in ein Heilbad zur Erholung und während dieser Zeit durfte Bärbel bei Elena wohnen.
Martha, die Köchin verwöhnte das arme Mädchen mit Leckerbissen und Elenas Mutter sorgte für passende Kleider.
Elena und Bärbel aber waren unzertrennlich und mit Elenas Hilfe wurden auch deren Leistungen in der Schule besser.
Nichts erinnerte mehr an das zerlumpte Kind, das der Außenseiter in der Schule war.
Anfangs zögernd, aber dann wurde Bärbel in die Klassengemeinschaft aufgenommen.


© Lore Platz




Mittwoch, 27. März 2019

Braunfuß, der Bruchpilot

Seit ich schreiben kann, erfinde ich Geschichten.
Als ich ungefähr elf Jahre alt war, entstand  die Geschichte von Susi und Peter, die den Osterhasen besuchen wollten und dabei  von einer Fee beschützt wurden.
Sie kamen ungehindert beim Osterhasen und seiner Familie an, spielten vergnügt mit den Hasenkindern und erlebten auch den Absturz des Hubschraubers.
Viele Jahre später, als Claudia geboren wurde und ich wieder Zeit hatte zum schreiben, entdeckte ich auch die kleine Geschichte wieder.
Aus Susi und Peter wurden Vanessa und Peter die viele Abenteuer erlebten. Ich werde sie euch im Laufe der Zeit vorstellen.
Und aus dem Hubschrauberunglück wurde: Braunfuß der Bruchpilot.
Viel Spaß beim Lesen!

 
(c) Irmgard Brüggemann




Braunfuß, der Bruchpilot



Irgendwo in einem fernen Land steht das eiförmige Haus
des Osterhasen.
Herr Langohr und seine Frau haben drei Kinder.
Den Hasenjungen Stummelschwänzchen, das Hasenmädchen Schnucki und das Baby, den kleinen Pipsi.
Neben dem Häuschen ist ein Schuppen und hier sind in vielen Regalen Eier aufgereiht.
Meister Langohr bemalt diese, damit die Menschenkinder am Ostersonntag ihre bunt gefärbten Eier finden können.
In zwei Tagen ist Ostern und Herr Langohr ist fertig mit dem Bemalen der Eier und zufrieden sieht er sich noch einmal im Schuppen um.
Viele hunderte von bunten Eiern warten nur noch darauf auf den großen Wagen verladen und dann in der Welt der Menschen in Häusern und Gärten versteckt zu werden.
Zufrieden geht der Osterhase ins Haus, wo seine Frau schon mit einem leckeren Löwenzahnsalat, einem knusprigen Möhrenschnitzel und einem guten kühlem Glas Quellwasser, auf ihn wartet.
Bist du fertig?“
Müde nickt Herr Langohr und setzt sich an den Tisch.
Fragend sieht er sich um: „Wo sind die Kinder?“
Die sind schon im Bett. Nun iss und dann ruhe dich ein wenig aus, hast viel gearbeitet die letzten Tage.“
Der Osterhase lächelt.
Ich male gerne, denn ich weiß, wie sehr sich die Kinder über die bunten Eier freuen.
Morgen kommen Braunfell und Grauohr mit dem Wagen und am Abend werden wir dann in die Menschenwelt fahren.“
Er gähnt.

Ich denke, ich gehe auch schlafen.“
Er gibt seiner Frau noch einen Kuss und geht ins Bett.
Frau Langohr räumt noch die Küche auf, dann geht auch sie nach oben.
Am nächsten Tag fährt die Familie Langohr noch schnell zu Familie Eichhorn, um ein Geburtstagsgeschenk vorbei zu bringen.
Nur Stummelschwänzchen kann nicht mitkommen, da er ja zur Schule muss.
Doch Professor Kauz ist krank und so haben sie schulfrei und Stummelschwänzchen marschiert vergnügt nach Hause.
Als er am Wichteldorf vorbei kommt, läuft er schnell hinein, um seinen Freund Knirps zu begrüßen.
Dieser springt gerade mit seinen Freunden auf Heupferden über Hindernisse.
Stummelschwänzchen sieht ihnen eine Weile zu, dann geht er weiter.
Der Wichtelvater Kalle gießt gerade seine Pflanzen und der Mäusejunge Karlchen, sowie der Maulwurf Kunibert helfen beim Umgraben.
Stummelschwänzchen winkt ihnen im Vorbeigehen fröhlich zu und fröhlich winken sie zurück.
Vorsicht!“
Ein Wägelchen voller Erdbeeren schießt den Berg herunter und ein Wichtel versucht verzweifelt zu bremsen.
Stummelschwänzchen springt schnell zur Seite, gerade noch rechtzeitig.
Der Wagen kommt ins schleudern und kippt um.
Alle Erdbeeren kullern auf die Erde.
Stöhnend und ächzend erhebt sich der Wichtel.
Schnell hilft ihm Stummelschwänzchen den Wagen wieder aufzurichten und die Erdbeeren einzusammeln.
Zum Dank schenkt ihm dieser einige Beeren und vergnügt wandert der Hasenjunge weiter.


Zu Hause angekommen, stellt er erst einmal seinen Schulranzen in die Ecke, dann guckt er in den Kühlschrank und findet einen leckeren Karottenkuchen.
Nachdem er sich ein ziemlich großes Stück abgeschnitten hat, setzt er sich gemütlich an den Tisch.
Das Brummen eines Hubschraubers ist zu hören und gleich darauf ein entsetzlicher Krach, als würde das Haus zusammen stürzen.
Stummelschwänzchen verschluckt sich vor Schreck und muss entsetzlich husten.
Noch immer hustend stürmt er aus dem Haus.
Ein schreckliches Bild bietet sich seinen Augen.
Ein Hubschrauber ist in den Schuppen mit den Eiern gestürzt und gerade schält sich ein Hase aus den Trümmern.
Mit einem kläglichen Lächeln humpelt er auf den Hasenjungen zu.
Tut mir leid.“
Stummelschwänzchen, der sich inzwischen den Schaden betrachtet hat, wirft ihm einen finsteren Blick zu.
Die Eier sind kaputt und übermorgen ist Ostern!“
Braunfuß nickt bedrückt.
Hilf mir bitte den Hubschrauber freizulegen, dann will ich auf der Hühnerfarm neue Eier besorgen.“
Hoffentlich schaffst du es, sie heil hier herzubringen,“ murmelt Stummelschwänzchen spöttisch.
Der Bruchpilot wird rot.
Schweigend beginnen sie die Trümmer beiseite zu räumen
und bald hat Braunfuß den Hubschrauber wieder startklar und fliegt los.
Stummelschwänzchen holt sich den großen Besen und fegt die zerbrochen Eier auf einen Haufen.
Dann sammelt er die, die noch ganz sind auf und legt sie beiseite.
Das Auto mit Familie Langohr kommt den Hügel herunter und bleibt mit quietschenden Bremsen vor
Stummelschwänzchen stehen.
Mutter Langohr springt aus dem Wagen und schlägt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen.
Herr Langohr schüttelt nur fassungslos den Kopf.
Ein Lastwagen voll mit Eiern rattert den Weg herunter, ihm folgt ein weiterer auf dem viele Osterhasen sitzen.
Es ist Braunfuß mit seinen Freunden.
Die Hasen klettern aus dem Wagen.
Mit vereinten Kräften geht es nun ans Werk.
Familie Eichhorn kommt angerannt, der Specht hat ihnen von dem Unglück erzählt.
Während Herr Eichhorn sich zu den Männern gesellt, nimmt Frau Eichhorn ihre Jungen Knix und Knax beiseite.
Sie bittet sie den Tieren und Wichteln von dem Unglück zu berichten und sie um Hilfe zu bitten.
Dies erzählt sie ihrer Freundin Frau Langohr während sie gemeinsam den großen Kessel hinter dem Haus mit Wasser füllen.
Als das Wasser kocht, werden von einigen Hasen die Eier herbei geschleppt.
Vorsichtig, damit kein Ei zerbricht werden sie mit einem großen Löffel in das brodelnde Wasser gelegt.
Knix und Knax aber laufen durch das Osterhasenland und treffen auf die Vögel.
Diese versprechen, die Tiere des Waldes zu verständigen und zu Familie Langohr zu schicken.
Die Jungen aber laufen weiter zu den Wichteln.
Am Eingang finden sie Schlafmütze, der friedlich schnarchend unter einem Haselnussstrauch liegt.
Leise schleichen sie sich heran und bewerfen den Schlafenden mit Haselnüssen.
Wie, was, wo …?“ Erschreckt fährt der alte Wichtel hoch und blickt grimmig die beiden Eichkätzchen an.
Freche Bande, einen alten Mann so zu ärgern!“
Knax grinst entschuldigend.
Wir konnten einfach nicht widerstehen.“
Und Knix meint:
Auch ich entschuldige mich, eigentlich sind wir gekommen, weil der Osterhase Hilfe braucht.“
Und die beiden Lausbuben erzählen ihm von dem Unglück des Osterhasen.
Schlafmütze ist sofort bereit zu helfen und läuft gleich los.
Die beiden Eichkätzchen aber laufen weiter ins Dorf und kommen zu Opa Knuddel, der gerade mit seinen Enkeln blinde Kuh spielt und auch er ist sofort bereit zu helfen und läuft mit den Wichtelkindern los.
Im Dorfkrug feiert Emely mit Freunden und Familie ihren Geburtstag und auch sie unterbrechen ihre Feier und machen sich auf den Weg zum Osterhasen.
Dort haben die Hasen inzwischen den Schuppen wieder aufgebaut und die Eier in die Regale geräumt, aber nun müssen die vielen vielen gekochten Eier noch bemalt werden.
Ein großer Lärm entsteht.
Die Tiere des Waldes kommen den Berg herunter.
Hinter ihnen ein langer Zug mit Wichteln.
Alle sind gekommen, um zu helfen.
Es geht recht vergnügt zu und jeder bekommt einen Pinsel in die Hand gedrückt und darf darauf los malen.



Es wird gelacht, geschwatzt, gekichert und gesungen.
Es war eine riesengroße Party!
Manche Eier sehen vielleicht etwas seltsam aus und sind kunterbunt.
Aber den Menschenkindern würden sie bestimmt gefallen.
Und vor allem, das Osterfest ist gerettet und kein Kind würde vergeblich nach seinen Eiern suchen müssen.
Es ist spät in der Nacht, als die fleißigen Helfer fertig sind.
Die Tiere verabschieden sich und laufen oder fliegen nach Hause.
Die Wichtelfrauen bringen die müden Kinder heim.
Die Wichtelmänner aber helfen den Hasen beim Beladen des Autos und klettern dann auf die Ladefläche und
machen es sich zwischen den Körben mit bunten Eiern gemütlich.
Sie wollen den Osterhasen begleiten und beim Verstecken der Eier helfen, denn er war doch sehr spät dran.
Dann fährt das Auto mit Herrn Langohr am Steuer wie der
Blitz los.
Der Osterhase fährt ja mit Lichtgeschwindigkeit, sodass er für das menschliche Auge nicht sichtbar ist.
Mit seinen vielen flinken und fleißigen Helfern hat er es dann doch noch geschafft, die Eier überall zu verstecken.
Und als die Kinder am Ostersonntag sich auf die Suche machten, wurde keines enttäuscht.

Diese Geschichte ist ja glücklicherweise noch einmal gut ausgegangen.


© Lore Platz

Dienstag, 26. März 2019

Hermann und der verwirrte Hase

 Viel Spaß beim Lesen!





Hermann und der verwirrte Hase


Mit überhöhter Geschwindigkeit raste ein schnittiger Sportwagen die Straße entlang und das auf dem Dach befestigte Kajak schlenkerte gefährlich hin und her und die Halterung knirschte, als wollte sie protestieren.
Die vier Insassen in dem Auto kümmerte das nicht. Lautstark sangen sie den Text des Liedes, das aus dem Autoradio erklang, mit.
Pass auf, Jochen!“ rief die Beifahrerin, denn aus einem Seitenweg kam ein Traktor.
Der junge Mann trat erschrocken auf die Bremse und der Wagen kam schlingernd zum Stehen.
Durch die Wucht löste sich das Boot, donnerte auf die Straße und traf mit der Spitze einen Hasen, der sich überschlug und regungslos auf der Wiese liegen blieb.



Hermann saß in seiner Stube im Schuppen und genoss die heiße Schokolade und das Marmeladenbrot, das ihm die Frau, die von den Langhaaren Oma genannt wurde, eben gebracht hatte.
Der Troll schmunzelte, es gefiel ihm hier. Vor einiger Zeit hatte ihn der Mann ohne Haare gefragt, ob er lieber wieder im Wald in einem Baum leben wollte, oder hier bei ihm.
Obwohl es ihm große Überwindung gekostet hatte, das zuzugeben, hatte er geantwortet, dass er gerne hier bliebe.
Das war doch glasklar, besser als hier ging es ihm nirgendwo.
Natürlich hatte er dabei sein aller grimmigstes Trollgesicht gemacht.
Der Mann ohne Haare aber hatte nur vergnügt gelacht.
Er hatte dann zwischen seiner Werkstatt und Hermanns
Stube eine Mauer aus Brettern eingezogen, sodass der Troll eine eigene kleine Wohnung hatte. 
Selbst ein kleines Fenster wurde eingesetzt und die Frau mit dem Namen Oma hatte hübsche Gardinen aufgehängt.
Der Mann ohne Haare aber brachte eines Tages ein Bett, das er selbst gezimmert hatte, in die Stube und die Langhaare, die wieder mal zu Besuch waren kamen mit Kissen und Decken und einem kleinen Teppich.
Hermann war es wirklich sehr schwer gefallen, seine finstere Miene beizubehalten, denn so wunderschön und gemütlich war seine kleine Stube geworden.
Und der Mann ohne Haare hatte wirklich an alles gedacht. Er hatte sogar an die Tür einen tiefer gelegenen Griff angebracht, extra nur für ihn.
Und die Langhaare hatten für ihn Bilder gemalt und an die Wand gehängt.
Ein Klopfen an der Scheibe riss ihn aus seinen Gedanken. 
 
(c) Elli M.
Seine Freundin Amalia Blaumeise flatterte vor dem Fenster und schwirrte in die Stube, als Hermann öffnete.
Sie landetet auf dem Tisch und machte sich sofort über die Brösel auf dem Teller her.
Hermann setzte sich und wartete.
Der Vogel plusterte sich auf und zupfte an seinen Federn.
Das war lecker, du hat es schön hier.“
Anerkennend sah sie sich um.
Ja, sie sind sehr nett zu mir,“ grinste Hermann.
Aber wie ich dich kenne zeigst du ihnen nur dein grimmiges Gesicht.“
Schließlich bin ich ein Troll und bin das meinem Namen schuldig.“
Die beiden kicherten.
Doch dann wurde die Blaumeise ernst.
Wir brauchen deine Hilfe!“
Was ist los?“
Auf der Wiese vor dem Wald liegt ein riesengroßer Hase, wie ich noch keinen gesehen habe. 
Er ist nicht tot, aber lebt auch nicht. Sein Herz klopft noch, aber er bewegt sich nicht.“
Ich will ihn mir mal ansehen,“ brummte der Troll, schlüpfte in seine Jacke und verließ mit Amalie den Schuppen.
Familie Mümmel mit ihren Kindern, das Eichkätzchen Ulrike, der Igel Rudi und die Maus Graufellchen standen bei dem wirklich sehr großen Hasen.
Hermann beugte sich über das Tier und fühlte seinen Puls.
Mit der Hand fuhr er über das Fell und über den Kopf.
Er hat eine große Beule am Kopf, deshalb wohl die lange Ohnmacht. Ich hole den Mann ohne Haare. Er muss uns helfen.“
So schnell ihn seine kurzen stämmigen Beine trugen eilte er zurück zum Haus und klingelte Sturm.
Gemach, gemach,“ rief Großvater Schinkel, als er öffnete und den kleinen Kerl herein ließ.
Hermann stemmte seine Hände auf die Knie und musste erst mal heftig atmen.
Dann erzählte er Opa Schinkel und seiner Frau, die auch in den Flur gekommen war von dem verletzten Hasen.
Natürlich ging Opa Schinkel gleich mit und seine Frau wollte den Tierarzt verständigen.
Bald standen die beiden vor dem Hasen und der alte Mann hüllte ihn in die mitgenommene Decke und trug ihn zum Schuppen, wo er ihn auf die Werkbank legte.
Der Hase war noch immer nicht aufgewacht und besorgt runzelte Herr Schinkel die Stirn.
Da wurde mit einem Schwung die Schuppentür aufgestoßen und Hermann konnte gerade noch hinter einem Holzstapel verschwinden, bevor der Tierarzt eintrat.

(c) RMzV

Polternd begrüßte er seinen Freund und untersuchte dann fachmännisch das verletzte Tier.
Innere Verletzungen hat er keine und die lange Ohnmacht kann von dem Schlag auf den Kopf kommen. Ich gebe ihm
eine Kreislauf stärkende Spritze, den Rest muss die Natur übernehmen.“
Danke dir Erich.“
Das wirst du nicht mehr denken, wenn du meine Rechnung bekommst,“ lachte dieser dröhnend und gab ihm einen kräftigen Schlag auf die Schulter unter der Opa Schinkel zusammen zuckte.
Mitten in der Nacht wurde Hermann wach durch ein Stöhnen und Poltern. Schnell lief er nach nebenan und drückte auf den Lichtschalter.
Der Hase lehnte an der Werkbank und sah sich verwirrt um.
Wo bin ich hier?“
Im Schuppen von dem Mann ohne Haare. Du lagst auf der Wiese vor dem Wald und er hat dich hierher getragen. Wie fühlst du dich?“
Ich habe Kopfschmerzen und ein flaues Gefühl im Magen.“
Hermann grinste: „ Die Kopfschmerzen kommen von deiner Beule und das flaue Gefühle, ich denke mal du hast Hunger.“
Wie zur Bestätigung fing der Magen des Hasen laut zu grummeln an.
Die beiden lachten.
Komm in meine Stube, die Frau mit dem Namen Oma hat schon gedacht, dass du vielleicht Hunger hast, wenn du aus deiner Ohnmacht erwachst und hat vorgesorgt.“
Wer sind denn alle diese Leute, die du erwähnst?“
Während der Hase von dem reich gefüllten Teller aß, erzählte ihm der Troll von Opa und Oma Schinkel, ihren Enkelinnen, den Langhaaren, und wie er hierher gekommen ist.
Zufrieden lehnte sich der Hase zurück. Er fühlte sich wohl, außer den pochenden Schmerzen im Kopf.
Aber nun erzähle mir, wie kommst du auf die Wiese, hat ein Auto dich angefahren?“
Der Hase überlegte, dann schüttelte er verwirrt den Kopf.
Ich weiß es nicht?“
Woher kommst du und wie heißt du?“
Ich weiß es nicht!“
Hm, das kommt wohl von dem Schlag auf den Kopf, aber dein Gedächtnis wird bestimmt bald wieder funktionieren. Komm wir wollen schlafen, du kannst dich dort auf dem Teppich legen.“
Die nächsten Tagen vergingen und der Hase wurde von Tag zu Tag kräftiger und dank Omas Arnika - Salbe wurde auch
die Beule kleiner, nur sein Gedächtnis kam nicht wieder.
Am Wochenende kamen Renate und Susi und natürlich waren sie begeistert von dem neuen Mitbewohner.
Als sie hörten, dass er sich an nichts mehr erinnern konnte, beschlossen sie ihm zu helfen.
 
(c) RMzV

Zu viert wanderten sie zu der Wiese, wo man ihn gefunden hatten, überquerten gemeinsam die Straße und wanderten durch den Wald.
Vielleicht trafen ja jemand der ihn kannte.
Doch niemand wusste wer der fremde Hase war.
Am Sonntagabend mussten die Mädchen nach Hause. Doch sie versprachen nächstes Wochenende wieder zu kommen und dann würden sie auch länger bleiben, denn es begannen die Osterferien.
Bei diesem Wort blitzte ein Gedanke auf im Kopf des Hasens, der aber sofort wieder verschwand.
In der Nacht träumte er von bunten Eiern, einer Häsin und Hasenkindern, die alle besorgt schauten.
 
(c) Irmgard Brüggemann

Am nächsten Morgen überraschte er Hermann mit den Worten.
Ich bin der Osterhase!“
Der Troll starte ihn überrascht an, dann grinste er.
Du erinnerst dich?“
Ja, als die Mädchen von der Osterferien sprachen, da klingelte es in meinem Kopf. Jetzt weiß ich wieder alles, ich wollte zu den Hühnern am Berghof und Eier holen. Meine Familie wird sich schon sorgen machen. Ich muss sofort los. Danke dir mein Freund und sag auch den Langhaaren und ihren Großeltern noch einen schönen Gruß. Ich habe soviel Zeit verloren durch den Unfall, muss mich sputen, sonst fällt Ostern ins Wasser. Lebe wohl mein Freund!“
Und weg war er.
Susi und Renate waren enttäuscht, als sie am Wochenende wieder kamen, hatten sie sich doch gefreut auf den Hasen.
Doch als sie erfuhren, dass es der Osterhase war, waren sie stolz ihn persönlich kennengelernt zu haben.
Und an Ostern fanden sie ein besonders großes Nest mit Leckereien im Garten.
Hermann aber bekam am Abend vor Ostern Besuch von seinem Freund dem Osterhasen und seiner Familie.

© Lore Platz







Montag, 25. März 2019

Zuflucht in der Bärenhöhle


Nach einem herrlichen Frühlingswochenende, kommt der Winter wieder vorbei. er will einfach nicht aufgeben, aber sein Besuch wird bestimmt kurz sein, wie jedes Jahr.
Er braucht eben immer ein wenig länger, der schwerfällige Kerl bis er begreift, dass er jetzt schlafen darf.

Das norwegische Schiff ist auch in Sicherheit, war ein kräftiger Sturm.

Viel Spaß beim Lesen!








Zuflucht in der Bärenhöhle



Andabar setzt sich in seinen gemütlichen Ohrensessel und sieht sich in seiner kleinen Stube um. Wie ruhig es doch ist und er genießt es.
Mit Hilfe der Biber hatte er sich diese Stube mitten in einem Baum gebaut, als er damals in den Wald weit weg von seiner Heimat kam.
Ein großer Erdrutsch hatte die kleine Zwergenstadt vernichtet und seinen Großvater und seine Großmutter unter Steinen und Geröll begraben.
Die anderen Zwerge, die überlebt hatten, waren ins nächste Dorf zu ihren Verwandten gegangen.
Doch er, Andabar, stand ganz allein auf der Welt und deshalb beschlossen auf Wanderschaft zu gehen.
Er schmunzelt bei dem Gedanken, was er alles erlebt und gesehen hat. Schließlich war er bei einem alten Einsiedler gelandet und hatte dort die Heilkunst erlernt.
Doch dann trieb es ihn wieder weiter und nach vielen Jahren war er dann hier im Wald gelandet und es hatte ihm gleich gefallen.
Und als dann sein Stübchen im Baum bezugsfertig war und er sich seine Möbel gezimmert hatte und die Tiere des Waldes ihn eines Tages mit einer weichen Decke und einem Kissen für sein Bett überrascht hatten, das Madame Spinne und ihren Helferinnen gefertigt hatten, da fühlte er sich endlich angekommen.
Und seitdem war der Wald seine Heimat und alle Bewohner darin seine Freunde.
Nachdenklich runzelt er die Stirn. 
Heute war ein seltsamer Tag, die Vögel waren verstummt und hatten sich verkrochen. 
Die Tiere waren unruhig und manche sogar agressiv. 
Mehr als einmal musste er einen Streit schlichten oder kleine Wunden verbinden.
 In der Luft lag eine Schwüle und ein ungutes Flimmern.
Andabar hebt lauschend den Kopf. Ein Heulen und Rauschen ist plötzlich zu hören.
Er klopft seine Pfeife aus, legt sie auf den Tisch und tritt vor die Tür.
Der Wind haut ihn fast um und schlägt hinter ihm die Tür ins Schloss.
Blätter, kleine Äste und Sand vor sich her treibend jagt der Sturm durch den Wald.
Der Zwerg hört über sich ein knacken und kann gerade noch zur Seite springen, denn ein großer Ast fällt vom Baum.
Seine Mütze fest haltend dreht er sich um und will zurück in seine Wohnung.
Doch der dicke Ast liegt direkt vor seiner Tür.
Aus dem Unterholz stürmen die Tiere und laufen blindlings in Panik an ihm vorbei, aber alle in eine Richtung.
Wo wollt ihr hin!“ ruft Andabar.
Ein Dachs dreht sich kurz um. „Zur Bärenhöhle!“
Nun läuft auch der Zwerg los, doch seine dicken kurzen Beine sind nicht so schnell. Auch bremst ihn der Wind und treibt ihm Sand in die Augen.
Doch dann steht Schlitzohr, der Fuchs auf einmal neben ihm.
Steig auf meinen Rücken, Andabar!“
Der Zwerg klettert auf den Rücken seines Freundes und ab geht die wilde Jagd.
Als sie die schützende Höhle erreichen ist sie voll von Tieren der verschiedensten Art.
Ein Rudel Rehe steht dichtgedrängt beieinander, Dachse sitzen neben Hasen, Marder neben Eichhörnchen, eine Mäusefamilie hat sich eingefunden und selbst die scheue Schlange Millie liegt in einer Ecke, etwas abseits von den anderen.
Bruno, der Bär kommt nach vorne und heißt seine unerwarteten Gäste herzlich willkommen.
Andabar bedankt sich im Namen aller, dann setzt er sich mitten in den Raum und langsam kommen die Tiere näher und bilden einen Kreis.
Stumm beobachten sie das Toben vor dem Eingang.
Eine Blätterkugel wird von einem Windstoß herein gewirbelt und bleibt still liegen.
 Neugierig beobachten die Tiere die seltsame Kugel, die sich auf einmal bewegt und die Nase und zwei vergnügt funkelnde Augen von Isidor, dem Igel, erscheint.
Guten Tag, alle Miteinander, das war eine Fahrt. Ich konnte nicht so schnell laufen wie ihr und habe mich zum Ausruhen eingeigelt, da packt mich plötzlich der Wind und rollte mich direkt hierher.“
Er kichert: „ So schnell bin ich noch nie vorwärts gekommen.“
Alle lachen und die trübe Stimmung ist vorbei. Die Tiere machen es sich gemütlich und beginnen fröhlich zu plaudern.
Andebar aber klaubt vorsichtig die Blätter von den Stacheln des Igels und schichtet sie in eine Ecke.
Plötzlich springt Schlitzohr auf und schüttelt seinen buschigen Schwanz.


(c) Elli M.
Eine Ameise fliegt heraus, schlägt einen Salto in der Luft und landet ziemlich unsanft auf dem Boden.
Musst du denn so grob sein!“ schimpft der Ameisenjunge.
Ja Fridolin, wo kommst du denn her, solltest du nicht in eurem Bau sein, dort wärst du doch sicher.“ ruft Andabar erstaunt.
Der Junge errötet, „ich war wohl zu langsam und dann habe ich mich auch noch verirrt.“
Da hast wohl mal wieder geträumt.“
Fridolin nickt verlegen, doch dann lacht er.
Aber es ist doch alles gut gegangen, ich sah wie der Fuchs dich auf seinen Rücken steigen ließ und habe mich schnell in seinen Schwanz gehängt.“
Bin ich ein Ameisentaxi?“ brummt Schlitzohr, doch
niemand beachtet ihn.
Andabar nimmt seine Mütze und legt sie auf den Boden.
Fridolin, klettere auf meine Mütze, da bist du in Sicherheit,“ brummt er gutmütig und meint dann grinsend:
Und dort oben darfst du träumen soviel die willst.“
Die Tiere lachen und der Ameisenjunge klettert schnell auf die rote Mütze, die sich der Zwerg dann wieder auf den Kopf stülpt.
Der Eingang verdunkelt sich und Bertold der Hirsch und sein Frau Felina wanken in die Höhle.
Müde lassen sie sich zu Boden fallen. Bertold fehlt ein Stück seines Geweihs und Felina lehnt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an seine Schulter.
Auf die besorgten Blicke der Tiere erklärte der Hirsch schwer atmend:“ Beinahe hätte uns ein umstürzender Baum unter sich begraben.“
Deshalb fehlt dir ein Stück von deinem Geweih?“ meint Andabar mitfühlend.
Das ist nicht so schlimm,“ wehrte der Hirsch ab ,“aber Felina ist verwundet, der Baum hat ihre Hinterhand gestreift.“
Der Zwerg beugt sich über die Wunde.
Sie ist zum Glück nicht tief, aber sie kann sich entzünden. Ich muss sie säubern.“
Bruno, der Bär ruft: „Weiter hinten in der Höhle ist eine Quelle.“
 
(c) meine Tochter

Frau Eichhorn, die Andabar schon oft assistiert hat, nimmt das Taschentuch, das dieser ihr reicht und läuft neben Bruno zur Quelle.
Dankend nimmt der Zwerg das nasse Taschentuch und beginnt vorsichtig die Wunde aus zu waschen.
Obwohl sich in Felinas Augen Tränen sammeln vor Schmerz, gibt sie keinen Laut von sich.
Sie legt nur ihren Kopf an Bertolds Hals und dieser bedeckt
ihn tröstend mit seinem Haupt.
Dann ist Andabar fertig und reicht das Tuch an Mirella Eichhorn, die nochmal zur Quelle springt, um es auszuwaschen.
Andabar aber sieht sich suchend in der Höhle um, dann fällt sein Blick auf die Blätter und er strahlt.
Da waren doch auch Arnikablätter dabei. Schnell wühlt er in dem Haufen und findet was er sucht.
Zwischen den Händen zerreibt er das Arnika, streut es in die Wunde und legt das sauber ausgewaschene Taschentuch darüber.
Felina wirft ihm einen dankbaren Blick zu und schmiegt sich an ihren Mann.
Auch Bertold bedankt sich.
Der Zwerg setzt sich mit gekreuzten Beinen wieder auf den Boden und hört lächelnd der gemurmelten Unterhaltung zu.


(c) Irmgard Brüggemann

Ich habe Hunger!“ quengelt Susi, die jüngste der Hasenkinder.
Schlitzohr springt auf, fixierte sie und fährt mit der Zunge über seine Lippen.
Ich habe auch Hunger,“ meint er gedehnt.
Susi verschwindet quietschend hinter ihrer Mutter, die dem Fuchs einen kampfeslustigen Blick zu wirft.
Andabar aber gibt dem Fuchs einen leichten Klaps auf die Schnauze.
Benimm dich, du erschreckst nur die Kleine, hier wird niemand gefressen!“
Spielverderber!“ knurrt Schlitzohr, verzieht sich in die Ecke, rollt sich ein, legt die Schnauze auf seinen buschigen Schwanz und schließt die Augen.
Draußen aber toben noch immer die entfesselten Winde und treiben ihr wildes Spiel, als würden sie niemals müde werden. Langsam senkt sich die Nacht über den Wald.
Die Hasenkinder, die bisher herum getollt haben kuscheln sich müde an ihre Eltern.
Und Frau Hase beginnt erst leise zu summen, dann singt sie mit zarter Stimme ihre Kinder in den Schlaf.
Doch nicht nur die Hasenkinder schlafen ein, auch über die kleine Gesellschaft legt sich die Musik wie ein zarter Schleier und lässt sie den schrecklichen Sturm draußen vergessen und schickt sie ins Land der Träume.
Andabar ist der Erste, der am nächsten Morgen erwacht.
Er tritt vor die Höhle.
Der Sturm hat sich endlich zurück gezogen aber eine schreckliche Verwüstung hinterlassen.
Die Tiere kommen alle aus der Höhle und auch sie betrachten besorgt ihren schönen Wald.
Bald wird der Förster und seine Waldarbeiter kommen und alles wieder in Ordnung bringen,“ tröstet der Zwerg.
Rechts, links, eins, zwei!“ ertönt es plötzlich und eine Schwadron Ameisen bahnt sich einen Weg durch Äste und Blätter.
General Zack Zack bleibt vor ihnen stehen.
Guten Tag, habt ihr meinen Neffen Fridolin gesehen. Der dumme Junge hat wohl wieder geträumt und nicht mehr zurück in den Bau gefunden. Mache mir große Sorgen!“
Hier bin ich Onkel!“ ruft Fridolin und klettert von Andabars Mütze.
Die Augen des Generals werden einen Moment feucht, doch dann befiehlt er.
Reihe dich ein mein Junge, es geht nach Hause!“
Kehrt marsch, rechts um, links, rechts, eins zwei...“
Wir sollten auch nach Hause gehen,“ murmelt Bertold und bald steht nur noch der Zwerg neben dem Bären.
Vor meiner Tür liegt ein dicker Ast, ich kann nicht in meine Wohnung.“
Das ist für mich kein Problem, steig auf meinen Rücken,“ brummt Bruno.
Bald sitzt Andabar wieder in seiner kleinen gemütlichen Stube, raucht sein Pfeifchen und ist glücklich.


© Lore Platz