Montag, 19. Januar 2026

Schule - Erinnerungsgeschichte

Heute habe ich eine Erinnerungsgeschichte von Lore zum Lesen nach oben gestellt. Es gibt ja bald die Halbjahreszeugnisse - Lore hat sich darüber Gedanken gemacht und ein wenig von ihrer Schulzeit erzählt!


 

Am Freitag gab es Zwischenzeugnisse.
Da ich jahrelang Nachhilfe gegeben habe, weiß ich wie Kinder unter schlechten Noten leiden.
Selbst die abgebrühten, die die Schultern zucken und sagen "ist mir doch egal"
Der Druck nicht nur von der Schule, sondern auch vom Zuhause ist enorm.
Wollen viele Eltern doch, dass ihre Kinder es mal besser haben wie sie und die höhere Schule besuchen.
Damals dachte ich mir schon, wenn das Kind in der vierten Klasse Grundschule schon Nachhilfe braucht, wie soll es die höhere Schule schaffen.
Aber gegen ehrgeizige Eltern zu kämpfen ist ein Kampf gegen Windmühlen.
Sie merken gar nicht, dass sie ihren Kindern ein Stück ihrer unbeschwerten Kindheit nehmen.
Nach einer DAK Studie leidet fast jeder zweite Schüler unter Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, infolge Stress, Mädchen noch mehr als Jungen.
Die Gründe sind hoher Leistungsdruck, schlechte Noten oder schlechtes Essen.





Erinnerungen

Auch für mich war das Jahr 1956 ein aufregender Tag und es gab sogar schon eine Schultüte, natürlich nicht so reich gefüllt wie sie heute sind.
Es gefiel mir auch ganz gut in der Schule, wenn nicht der lange Schulweg gewesen wäre.
Das Laufen machte mir nichts aus, denn ich war so ein richtiger "Hans-guck-in-die-Luft"
Meine Mutter schickte mich auch immer früher los, da sie wusste, dass ich eine kleine Trödelliese war.
Meine Schwester fuhr mit dem Rad.
Sie war fünf Jahre älter als ich und ein richtiger Wildfang und ihre Freunde auch.
Ich dagegen war ein schüchternes, ängstliches Dingelchen und eine  furchtbare Heulsuse.
Meine arme Schwester musste mich immer mitschleppen, was nicht leicht für sie war.
Denn meistens wenn ich endlich den Mut aufbrachte mit ihren wilden Spielen mitzumachen, dann passierte mir etwas.
Einmal hatte die ganze Bande ein lustiges Spiel im Heuschober entdeckt.
Sie rannten die hölzernen Stufen hinauf  auf den Heuboden und sprangen durch die Luke mit Geschrei und Hurra auf das darunter
liegende Heu.
Die Stufen hinauf bin ich ja noch gegangen, aber an der Luke blieb ich stehen und schaute schaudernd in die Tiefe.
Meine Schwester forderte mich ständig auf zu springen.
Endlich fasst ich mir ein Herz und sprang.
Aber in meiner Angst verkrampfte ich mich, kam mit dem Knie an meine Nase und fing fürchterlich an zu bluten.
Natürlich flossen meine Tränen reichlich



 


Und dann war da noch der Schulweg.
Auf meinem Schulweg musste ich an einer Tankstelle vorbei und der Sohn des Besitzers war ein richtiger Rüpel.
Jedes Mal, wenn ich vorbei ging, kam er wie ein "Schachterlteufel"
heraus geschossen und schmetterte frei nach der "Vogelhochzeit"
"Die Neuheule, die Neuheule, die macht ein groß Geheuheule!"
Dieses Geheule verleidete mir den ganzen Schulweg und ich sann, wie ich dem Entkommen konnte.
Als ich wieder einmal auf der Anhöhe stand , auf deren rechter Seite die Tankstelle war, klemmte ich meine Daumen unter die Lederriemen meines Schulranzens und rannte los.
Der Tornister auf meinem Rücken hüpfte auf und ab.
Die Schiefertafel und die Griffelschachtel klapperten, aber ich lief und lief und erst nachdem ich an der Tankstelle vorbei war, ging ich wieder langsamer.
Nach einiger Zeit hörte der "Spottgesang" auf.
Habt ihr schöne Erinnerungen an die Schule?
Meine erste Begegnung mit derLehrerin war fürchterlich.
Ich wurde nach meiner Taufpatin Elisabeth genannt und als zweiten Namen Eleonore, da dieser Name meiner Mutter so gefiel.
Und deshalb nannte mich auch niemand Elisabeth zuhause, sondern Eleonore.
Als wir mit unseren Schultüten aufgeregt in den noch ungewohnten Bänken saßen war die Welt noch in Ordnung.
Doch am nächsten Tag ging der Albtraum los.
Da die Lehrerin meine Geburtsurkunde vorliegen hatte, ging sie natürlich davon aus , dass ich Elisabeth hieß.
Da ich es nicht gewohnt war, reagierte ich nicht auf diesen Namen und fühlte mich nicht angesprochen.
Das machte sie so wütend, dass sie anfing mit Kreide nach mir zu werfen.
Als ich sie nur entsetzt und mit großen Augen ansah, brachte sie das noch mehr in Wut und sie raste wie eine Furie auf mich zu und schlug mir das staubige Kreidehandtuch um die Ohren, bis ich heulte.
Ich war natürlich total eingeschüchtert und verschreckt.
Am nächsten Tag musste meine Mutter in die Schule kommen und die Lehrerin teilte ihr mit,
dass ich bösartig und verstockt sei und nicht hören würde.
Meine Mutter konnte das gar nicht fassen, war ich doch ein schüchternes, verträumtes und vor allem sehr braves Mädchen.
Dann fragte sie einer Eingebung folgend wie Fräulein Hartleitner (nie werde ich diesen Namen vergessen) mich denn rufen würde.
Und dann klärte sich das Missverständnis auf.
Das Verhältnis zwischen der Lehrerin und mir entspannte sich etwas, aber wir wurden uns beide nie sympathisch.

© Lore Platz 2022














 
 

Montag, 12. Januar 2026

Magda Maus und der Handschuh

Eine Geschichte von Lore, die ich hier neu beleben möchte, weil sie gerade so schön passt!

Wenn ich aus dem Fenster sehe, dann erinnert mich die Landschaft an mein Kindheit, als es wirklich noch Schnee in Mengen gab.
Sonntags bei unserem obligatorischen Familienausflug stapften wir vergnügt und warm verpackt durch den hohen Schnee. Rote Bäckchen aber mit strahlenden Augen liefen wir voraus. Unsere Jüngste saß in warme Decken gehüllt auf dem Schlitten dessen Rückenlehne verhinderte, dass die Kleine heraus fiel.
Der Blick aus meinem Fenster hat mich zu einer klitzekleinen Geschichte inspiriert.

Magda Maus und der Handschuh

Katrin, Alex und die kleine Jule dürfen das Wochenende bei ihren Großeltern verbringen.
Bei Oma und Opa ist es wunderschön, denn Opa ist Förster und wohnt mitten im Wald.
Seit Tagen hatte es schon geschneit und der Wald sah aus, als hätte jemand eine riesige Zuckerdose ausgeleert.
Katrin und Alex haben vor der Tür im kleinen Vorgarten einen großen Schneemann gebaut, während die kleine Jule auf ihrem Stühlchen in der Küche saß und der Oma beim Backen helfen durfte.
Später gab es dann Kakao für alle und Apfelkuchen.
Anschließend wollte der Opa noch die Futterstellen im Wald kontrollieren, natürlich durften die Kinder mit, selbst Jule wurde auf den Schlitten mit der Rückenlehne gepackt, damit Oma sich etwas ausruhen konnte.
Als sie sich der Futterstelle näherten, legte Opa den Finger auf den Mund und so konnten sie beobachten wie ein Hirsch mit stattlichem Geweih langsam und vorsichtig nach allen Seiten witternd auf die Krippe zu schritt. Ein Rudel Rehe folgte ihm.

Jule, die eingeschlafen war wurde wach und fing fröhlich zu krähen an und wie der Blitz verschwanden die Rehe zwischen den Bäumen.
Opa säuberte nun mit Hilfe von Alex und Katrin, den Weg, der zum Futterplatz führte, während Jule fröhlich vor sich hin plappert.
Dann ging es zurück ins warme Forsthaus.
Niemand bemerkte, dass Jule ihren roten Fausthandschuh verloren hatte.
Gegen Abend fing es heftig zu schneien an und ein kräftiger Wind ließ die Schneeflocken tanzen.Magda Maus war auf dem Weg nach Hause. Sie kämpfte verzweifelt gegen den kräftigen Wind. Wenn sie nur einen Unterschlupf fände bis die Natur sich wieder beruhigt hatte.
Natürlich hatte sie sich wieder verplaudert bei ihrer Kusine Greta und diese hatte ihr ja angeboten zu bleiben bis der Sturm vorbei war.
Aber Magda wollte unbedingt nach Hause, denn sie wusste, dass ihre Mama sich Sorgen machen würde. Und nun sah es so aus, als würde sie es gar nicht mehr nach Hause schaffen. Vor ihr wirbelte der Schnee auf und nahm ihr für einen Moment die Sicht.
Magda duckte sich und schloss die Augen und als sie diese wieder öffnete sah sie etwas Rotes vor sich schimmern.
Vorsichtig trippelte sie näher und beschnüffelte das seltsame Ding und schlüpfte hinein. Herrlich warm war es da drinnen und es war als würde der Wind draußen bleiben.
Zufrieden rollte sich Magda zusammen und schloss die Augen.
Hier wollte sie bleiben, bis das Unwetter vorüber war.

© Lore Platz 4.01.2019



Montag, 5. Januar 2026

Abschied

Liebe Freunde und Leser von Lores Märchenzauber,

heute steht hier im Blog ein virtueller Rosenstrauß für unsere Freundin Lore, die trotz aller Hoffnung am 3. Januar 2026 den Weg über die Regenbogenbrücke nehmen musste.

Sie wäre so gern noch geblieben und als ich das letzte Mal mit ihr telefonierte, sie lag da im Krankenhaus, war ihre Stimme hoffnungsvoll. Sie wollte weiterschreiben, hat sie gesagt. 

"Reginchen", hat sie gesagt, "Wir haben noch so viel zu erzählen!"

Lore war nicht nur eine gute Freundin für mich - sie hat die Welt mit ihren Geschichten bereichert, uns Märchen geschenkt, die gut getan haben - immer mal wieder zum Schmnzeln, aber auch mit einem tiefen wahren Kern, der zum Nachdenken angeregt hat.

Sie selbst war eine Frohnatur - eine Frau, die man selbst aus der Ferne in den Arm nehmen konnte. Wir sind uns nie persönlich begegnet, haben aber häufig miteinander telefoniert und uns alles anvertraut, was man Freunden so anvertrauen kann.

Ich bin sehr froh, dass ihre Tochter Claudia bei ihr war und sie nicht allein sein musste in den letzten Tagen ihres Lebens, das sie tapfer gemeistert hat mit ihrem Frohsinn und ihrer Geduld. 

Sie wird ihrem Mann Kurt nach Berlin folgen und dort im Friedwald beigesetzt, wie sie es sich gewünscht hat.

Ich bin sehr traurig! Mein tiefes Mitgefühl gilt ihrer Tochter Claudia und ihrem Mann Peter!

Dieses Bloghaus werde ich erhalten, damit wir alle nachlesen können, was Lore uns hinterlassen hat. Ihre Geschichten dürfen nicht verloren gehen. Wenn jemand von euch ihr noch etwas sagen möchte, dann kann er das gern unter diesem Beitrag tun. Claudia wird die Worte finden, die an Lore gerichtet sind!

Regina


Der Stein ist von Monika Mandelik aus Dresden - siehe Kommentar. Der Engel, der Lore den Weg weist ...


 

Donnerstag, 1. Januar 2026

Neuanfang

 Ich bin sicher, dass auch Lore gestern an uns gedacht hat und mit uns in ein hoffnungsvolles neues Jahr gestartet ist.

Von hier aus grüße ich sie und euch alle herzlich, habt einen guten Start und bleibt gesund. 

Und damit es in Lores Blog auch etwas zum Lesen gibt, habe ich euch eine kleine Geschichte mitgebracht.



Schulterwärme

„Manchmal wünschte ich, ich wäre ein Hund“, seufzte die Haflingerstute Noemi. „Dann dürfte ich auch im warmen Zimmer sein und auf Renates Schoß sitzen.“
Ihre Freundin Nala wieherte albern. „Du bist wohl von allen guten Geistern verlassen, meine Liebe.“

Noemi stampfte mit einem Huf in den Schnee, dass kleine Kristalle aufstoben. „Ich meine das ernst“, brummte sie. „Hunde bekommen Decken, Streicheleinheiten und warme Worte, während wir hier stehen und uns den Winter aus dem Fell pusten lassen.“
Nala lachte, kam aber näher und schmiegte sich an Noemi. „Du lachst mich aus und kuschelst dich dann an – eine schöne Freundin bist du!“

Noemi grinste ihr breitestes Grinsen, denn das Kuscheln gefiel ihr doch sehr. „Wir haben doch ein dickes Winterfell und müssen gar nicht frieren“, wandte Nala ein und rieb sich an ihr.
Noemi seufzte noch einmal, diesmal leiser. „Vielleicht hast du recht. Zusammen ist es jedenfalls deutlich wärmer als allein.“

„Es ist gut, dass wir uns haben“, sagte Noemi schließlich.
„Oh ja“, stimmte Nala zu. „Ohne dich wäre das Leben nur halb so schön. Und wenn ich könnte, dann würde ich dich auf den Schoß nehmen, wenn du dir das wünschst!“

Nun war es an Noemi, laut aufzulachen. „Das gäbe ein feines Bild, oder?“
Nala prustete los, schüttelte die Mähne, und ein paar Schneeflocken tanzten durch die Luft. Schulter an Schulter standen sie da, atmeten weiße Wölkchen in den Winter und wussten: Manche Wärme braucht keinen Ofen.

 

 

Nicht jeder Platz ist ein Schoß –
aber jede Nähe kann wärmen.

© Regina Meier zu Verl


Samstag, 27. Dezember 2025

Zwischenmeldung

 Liebe Leser und Freunde von Lore,

Lore liegt derzeit im Krankenhaus, es geht ihr aber, den Umstämden entsprechend, gut und sie lässt euch herzlich grüßen.

Sobald sie kann, wird sie sich selbst her melden - solange übernehme ich mal für sie,

Herzliche Grüße

Regina

Montag, 22. Dezember 2025

24 Herr Oskar und der Engel


 

Der Pfarrer der Kirche in dem kleinen Ort St. Veit war ein freundlicher junger Mann, der Mitleid mit der armen Kirchenmaus hatte und ihr jeden Tag ein kleines Stück Käse, oder manchmal Brot vor ihr Mausloch legte.

Und zur Weihnachtszeit sogar ein Plätzchen.

Die alte Pfarrköchin, die schon seinem Vorgänger gedient hatte, schimpfte wie ein Rohrspatz, als sie es eines Tages mitbekam.

Wie können sie nur dieses Ungeziefer auch noch füttern. Mäuse vermehren sich wie die Heuschrecken und bald werden sie über unsere Speisekammer herfallen!“

Nun übertreibe nicht Rosa, soviel ich gesehen habe, handelt es sich um einen alten Junggesellen.“

Ha! Und sie denken weil er in einer Kirche wohnt, lebt er im Zölibat!“

Pfarrer Gietl lachte, doch dann wurde er wieder ernst.

Rosa auch eine Maus ist Gottes Geschöpf. Denk an den Hl. Franziskus, der alle Tiere liebte. Und nun bringe mir bitte eine Tasse Kaffee in mein Studierzimmer.“

Rosa brummte vor sich hin und hantierte ziemlich laut mit ihren Kochtöpfen.

Der Pfarrer verließ schnell die Küche.

Im Grunde ihres Herzens war seine Köchin eine gute Seele, die es nur hinter ihrer poltrigen Art verbarg.

Das bestätigte sich wenige Tage später.

Als Pfarrer Gietl gerade die Kirche betreten wollte, sah er Rosa, wie sie ein Stückchen Apfel vor das Mauseloch legte.

Still zog er sich zurück.

 


 

So war Konrad alles andere als eine arme Kirchenmaus und konnte seinen Vetter Max und dessen Familie öfter einladen und sie aus seiner gut gefüllten Speisekammer bewirten.

Herr Oskar genoss diese Zeit, wenn seine Untermieter bei ihrem Vetter weilten.

Manchmal ging es doch recht turbulent zu, wenn die Kinder durch den Wagen tollten.

Oskar liebte seine Familie, aber er war nicht mehr der Jüngste. So ein bisschen Ruhe ab und zu tat ihm doch gut.

So döste Oskar vor sich, als eine wütende Stimme schimpfte: „Verflixt, wo bin ich denn hier hingeraten!“

Herr Oskar ließ seine Scheinwerfer aufflammen und sah einen seltsam gekleideten Jungen mit blonden Ringellocken, der sich mit finsterem Gesicht umsah.

Geblendet durch das helle Licht der Scheinwerfer, schützte er seine Augen mit der Hand und stapfte auf das Auto zu.

Er klopfte an die Scheibe und Herr Oskar öffnete das Fenster. Der Junge schaute erstaunt in das Innere,

Der Wagen ist ja leer, wer hat dann das Fenster geöffnet?“

Na ich,“ lachte Oskar vergnügt, „aber komm doch herein mein Junge, hier ist es wärmer und gemütlicher.“

Dieser kletterte durch das Fenster und ließ sich auf den Sitz fallen.

Die Scheiben glitten nach oben und sperrten die Kälte aus.

Darf ich mich vorstellen, ich bin Herr Oskar, das kleine rote Auto.“

Toll, ich wollte schon immer einmal in so einem Ding sitzen,“ murmelte der unbekannte Insasse und betrachtete aufmerksam das Armaturenbrett und den Schalthebel.

Hast du eine Automatik eingebaut?“

Oskar lachte, „ nein, die Elfenkönigin hat mich mit einem Zauber belegt, zum Dank, dass ich ihre Tochter gerettet habe. Aber du scheinst noch nie in einem Auto gesessen zu haben. Gibt es, da wo du herkommst keine Autos?“

Entschuldige, ich habe ich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin der Engel Franziskus und gerade frisch aus dem Himmel gepurzelt.“

Wie dass denn?“

Franziskus runzelte die Stirn.

Das weiß ich auch nicht. Eben war ich noch oben und dann stehe ich plötzlich hier mitten in den Einöde.“

Das ist wirklich seltsam, aber nun lass uns schlafen, Morgen sehen wir weiter.“

Wie freuten sich die Tiere, als sie am nächsten Morgen den Engel kennen lernten und aufgeregt erzählten sie ihm , dass letztes Jahr am HL. Abend das Christkind bei ihnen im Wald war.

Und natürlich wollten sie wissen, ob es auch dieses Jahr wieder kommen würde und er deshalb hier wäre.

Franziskus, dem schon der Kopf schwirrte, weil alle durcheinander redeten, wollte gerade antworten, als ein Rauschen in der Luft zu hören war.

Mit einem lautem Knall landete Frau Eule auf Herrn Oskars Dach.

Oho!“ rief dieser empört, „zerkratz mir nicht das Dach mit deinen riesigen Krallen!“

Ach halt die Klappe, Oskar, du bist ein Schrottauto, da macht ein Kratzer mehr oder weniger nichts aus.

Außerdem bist wohl du wieder an dem Höllenlärm hier schuld.“

Sie ließ ihren zornigen Blick über die Tiere gleiten, die plötzlich ganz still waren.

Sagt einmal, könnt ihr keine Rücksicht auf eine alte Frau nehmen, die die ganze Nacht auf war und etwas schlafen möchte?“

Ihr Blick fällt auf den Engel.

Aha, Besuch, du bist wohl für den Spektakel hier verantwortlich.“

Franziskus nickte schüchtern.

Frau Eule‘s Blick wurde milder.

Du siehst aus wie die kleinen Jungen, die letztes Jahr das Christkind begleitet haben. Will es uns auch dieses Jahr besuchen und bist du deshalb hier?“

Franziskus zuckte die Schultern.

Ich weiß nicht, gestern Abend war ich im Himmel und auf einmal stand ich hier mitten im Wald.“

Alles im Leben hat einen Sinn. Hm, vielleicht hat Gott einen Auftrag für dich?“

Aber er hat mir nichts gesagt."

Vielleicht sollst du es selber heraus finden. Wie heißt du denn?“

Franziskus!“

In den Augen der Eule blitzte es auf. Sie breitete ihr Flügel aus, warf einen strengen Blick in die Runde und brummte.

Ich muss jetzt schlafen. Ich hoffe ihr nehmt Rücksicht auf mich.“

Sie rauschte davon.

Oskar wurde sehr nachdenklich. Irgendwie hatte er das Gefühl, als wüsste seine Freundin, die Eule mehr, als sie sagen wollte.

Franziskus streifte mit den Tieren durch den Wald, lernte auch die anderen Waldbewohner kennen, darunter auch die Wichtel. Nur Elfen traf er keine, denn die schliefen tief unter der Erde.

Als er abends wieder ins Auto kletterte, erzählte er aufgeregt von seinen Erlebnissen. Doch plötzlich wurde er still und traurig.

Wenn ich nur wüsste warum ich auf die Erde gekommen bin.“ flüsterte er.

Du wirst es erfahren, Gott hat dich nicht auf die Erde geschickt ohne dafür zu sorgen, dass du Hilfe bekommst. Hab Vertrauen.“ tröstete Oskar.

Der Engel rollte sich auf dem Sitz zusammen und bald ist nur noch sein gleichmäßiges Atmen zu hören.

Am späten Vormittag des nächsten Tages kam Kathrin mit ihrer Familie wieder zurück. Wie staunten sie, als sie den Engel auf dem Beifahrersitz sahen.

Sie schlüpften in das Auto, kletterten auf die Rücklehne und wollten wissen, wie es im Himmel aussah, ob das Christkind auch dieses Jahr wieder zu ihnen kommt.

Herr Oskar hörte schmunzelnd dem Durcheinander zu. Obwohl er die Ruhe genossen hatte, so merkte er doch wie sehr er seine Familie vermisst hatte.

Es klopfte am Fenster und Herr Oskar ließ die Scheibe herunter gleiten.

Frau Eule`s rundes Gesicht wurde sichtbar und quietschend verschwanden die Mäuse im Riss der Rückbank.

Feiglinge,“ brummte die Eule.

Rück rüber Kleiner, ich denke ich weiß warum du hier bist.“

Die Eule machte es sich auf dem Beifahrersitz bequem.

Kommt heraus, ihr kleinen Feiglinge, ihr wollt sicher auch wissen, was ich zu berichten habe. Außerdem habe ich Herrn Oskar versprochen euch nichts zu tun. Und ich pflege meine Versprechen zu halten".

Langsam kletterten die Mäuse aus ihrem Versteck, setzten sich aber vorsichtshalber weit entfernt von der Eule.

Diese kicherte, wurde aber sofort wieder ernst.

Als du mir gestern deinen Namen nanntest, da kam mir die Idee, das könnte vielleicht ein Hinweis sein.“

Ein Hinweis, worauf?“ Etwas ratlos sah der Engel den Vogel an.

Im Dorf lebt ein junger Pfarrer, der den Hl. Franziskus sehr verehrt. Dieser junge Mann ist der Sohn eines reichen Fabrikanten und sollte sein Nachfolger werden.

Doch je älter der Junge wurde, fühlte er, dass er lieber Gott und den Menschen dienen wollte, als die Fabrik zu übernehmen.

Nach einem heftigen Streit warf sein Vater ihn aus dem Haus.

Vor zwei Jahren verarmte der alte Mann, sein Sohn weiß nicht, dass sein Vater jetzt ein kümmerliches ärmliches Leben führt. Vielleicht ist es deine Aufgabe die beiden zusammen zu führen.“

Woher weißt da das alles?“ will Herr Oskar wissen.

Ich komme viel herum.“

Gib doch zu, dass du neugierig bist und die Menschen belauscht.“ rief Klein Oskar, der frechste der Mäusekinder.

Die Eule drehte sich so schnell um, dass alle fünf Mäuse sich erschrocken duckten.

Hör mal zu du Großmaul, ich habe deinem Patenonkel versprochen, euch nicht zu fressen, aber ich habe nicht versprochen, dich so lange zu beuteln, bis dir hören und sehen vergeht.

Herr Oskar, öffnen sie bitte das Fenster. Ich möchte weiter schlafen.“

Die Eule schlüpfte hinaus.

Aber was soll ich denn tun?“ rief der Engel ihr nach.

Das musst du schon selber wissen, ich habe dir gesagt was deine Aufgabe ist.“

Mutlos ließ Franziskus sich auf den Sitz zurück fallen.

Nun, nun" tröstete Herr Oskar, das wird sich alles finden. Als erstes solltest du versuchen, Pfarrer Gietl kennen zu lernen.“

Da kann ich helfen,“ rief Max und kletterte nach vorne. „ Mein Vetter Konrad wohnt doch in der Kirche, ich kann dich zu ihm bringen.“

Können wir gleich zu ihm.“

Max betrachtet zweifelnd die kleinen Flügel des Engels

Kannst mit den Dingern denn fliegen?

Franziskus wird rot. „Nur ganz kurze Strecken, denn sie sind noch klein, aber sie wachsen jedes Jahr ein bisschen.“

Dann werden wir gehen.“


Kurze Zeit später wanderten eine Maus und ein kleiner Engel durch den Wald.

An der Kirche angekommen bat Max den Engel zu warten, denn er wollte erst nachsehen, ob Menschen in der Kirche waren.

Flink schlüpfte die Maus durch die Tür, die einen Spalt geöffnet war und raste kreuz und quer durch die Kirche.

Heinrich betrachtete kopfschüttelnd seinen jungen Verwandten.

Was rast du denn wie ein Verrückter durch die Kirche?“

Ich wollte nur nachsehen, ob Menschen da sind.“

  Heinrich lachte und sein grauer Schnurrbart hüpfte auf und ab,“ da hättest du doch mich fragen können, hast du nicht an meinen Hinterausgang gedacht.“

Das habe ich in der ganzen Aufregung ganz vergessen,“ kicherte Max.

Dann erzählte er seinem Vetter von dem Engel, der auf die Erde geschickt worden ist, um Pfarrer Gietl zu helfen.

  Heinrich begann zu strahlen.

Das wird mein schönstes Weihnachtsfest!

Jede Nacht wenn alle schlafen, kommt der Pfarrer in die Kirche und betet und dabei laufen ihm die Tränen übers Gesicht. Wie gerne würde ich ihm helfen, aber nun hol den Engel herein.“

Staunend sah dieser sich in der kleinen aber hübschen Kirche um. Vor dem Altar war das Krippenspiel nachgestellt. Darüber hing ein großer Adventskranz und bei drei der Kerzen war der Docht schwarz und Morgen würde die vierte Kerze angezündet.

Gefällt dir unsere Kirche. Max hat mir erzählt warum du hier bist, komm setzen wir uns auf eine Bank und reden darüber.“

  Heinrich erzählte nun, dass Pfarrer Gietl jede Nacht weinend in der Kirche betet. Und Franziskus erzählt ihm, was die Eule über seinen Vater berichtet hat.

Nun steckten sie die Köpfe zusammen und beraten.

Erschrocken fuhren sie auseinander, als sie Stimmen hören.

Das sind die beiden Frauen, die die Kirche putzen und die Blumen richten,“ flüsterte Konrad.

Die Mäuse verschwanden in Heinrichs Wohnung. Der Engel aber lief zur Krippe, kniete sich nieder und faltete die Hände.

Ein schlaues Kerlchen,“ grinste Max.


In der Nacht kam der Pfarrer durch die Sakristei in die Kirche, betete und dabei liefen ihm die Tränen über das Gesicht.

Franziskus schlich leise durch die Kirche und setzte sich still neben den Betenden.

Als dieser sich schwerfällig erhob, sah er den kleinen Kerl neben sich.

Was machst denn du so spät noch hier, solltest du nicht Zuhause im Bett liegen. Deine Eltern werden sich Sorgen machen.“

Franziskus kicherte. „Ich bin ein Engel und wurde von Gott gesandt, um dir zu helfen.“

Pfarrer Gietl fuhr sich über die Augen und betrachtete sich den kleinen Gesellen genauer, das weiße Kleidchen und tatsächlich die kleinen Flügel, die hinten am Rücken hervor spitzten.

Träumte er?

Konrad und Max liefen auf der Bank auf sie zu und machten Männchen.

Der junge Mann schlug beide Hände vors Gesicht und murmelte.

Nun macht sich der Schlafmangel bemerkbar. Ich habe Halluzinationen.“

Die Mäuse schlichen sich davon, doch der Engel blieb sitzen.

Du bist ja immer noch da,“ rief der Pfarrer, als er die Hände vom Gesicht nahm.

Franziskus grinste.

Sicher, du glaubst doch an Gott und du glaubst auch an Engel. Warum glaubst du nicht, dass Gott deine Gebete erhört und mich gesandt hat, um dir und deinem Vater zu helfen?“

Ich glaube. Ich brauche erst mal Schlaf. Komm mit, du kannst im Pfarrhaus übernachten, aber lass dich nicht von meiner Haushälterin erwischen.“

Es klopfte an der Tür des Zimmers, in dem der Engel übernachtet hatte und der Pfarrer trat ein.

Hier ich habe dir einige Kleider aus dem Paket für die Kleidersammlung heraus gesucht, die Größe dürfte stimmen. Nach dem Frühstück fahren wir zu meinem Vater, ich habe inzwischen seine Adresse erfahren.“

Der Engel zog die Jeans und den warmen Pullover über und folgte dem jungen Mann. Vor der Küche flüsterte dieser. Ich habe meiner Haushälterin erzählt, du hättest dich verlaufen und ich hätte dich in der Kirche gefunden.“

Rosa hatte den kleinen Jungen sofort in ihr Herz geschlossen und verwöhnte ihn direkt, was dieser sich grinsend gefallen ließ.


Franziskus saß angeschnallt auf der Rückbank des Autos und sah staunend wie die Landschaft an ihm vorüberflog.

Vor einem heruntergekommenen Haus hielt das Auto an und die beiden stiegen aus.

Zweifelnd schaute der Engel auf das baufällige Gebäude.

Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?“

Oliver Gietl nickte sorgenvoll und öffnete die  zerkratzte Haustür.

Der Engel folge ihm die ausgetretenen Stufen nach oben.

Der Pfarrer klingelt. Schlurfende Schritte näherten sich der Tür, die sich langsam öffnet.

Der junge Mann erschrak. Beinahe hätte er seinen Vater nicht erkannt. Die Kleider schlotterten um den einst so stattlichen Mann, die schneeweißen Haaren hingen in Strähnen in das unrasierte Gesicht.

Papa!“ Er nahm den alten Mann in die Arme und beide weinten.

Franziskus setzte sich leise auf das Sofa und am liebsten hätte er auch geweint.

Lange sprachen Vater und Sohn miteinander und alles was zwischen ihnen lag verschwand. Es zählte nur noch das Heute.

Während sein Vater duschte und sich frisch machte, packte sein Sohn einen Koffer.

Sie hatten beschlossen, dass der alte Herr nun im Pfarrhaus bei seinem Sohn leben sollte.

Schon lange hatte er bereut, dass er damals so hart zu seinem Sohn gewesen war, nur sein Stolz hatte ihn daran gehindert sich zu versöhnen. Erst als das Leben ihn in eine harte Schule genommen hatte, war er demütig geworden.

Und Gott hatte zum richtigen Zeitpunkt seinen Engel gesandt.

Als das Auto vor dem Pfarrhaus hielt bemerkt Oliver erst, dass die Rückbank leer war, nur eine kleine weiße Feder lag noch da.

Danke Franziskus,“ flüsterte er.

Rosa nahm den alten Herrn sofort unter ihre Fittiche. Sie würde ihn schon wieder aufpäppeln.

Als Max in den Wald zurück kehrte und seinen Freunden berichtete was sich im Pfarrhaus

inzwischen ereignet hatte, waren allen glücklich und zufrieden.



© Lore Platz 2.12.2014