Freitag, 15. Oktober 2021

Ein schöner Tag

 Reizwörter:

 Feuerwehrauto, Bier, wachsen, schnappen, schrumpelig

 


Ein schöner Tag 

 

Anna drehte sich vor dem Spiegel und ließ den weiten Rock ihres Dirndls schwingen. Sie hatte es von ihrem Mann vor einigen Tagen zum Geburtstag bekommen und heute hatte sie Gelegenheit es zum ersten mal zu tragen. Heute war das alljährliche Feuerwehrfest. Leichtfüssig lief sie die Treppe hinunter und sah wie ihren beiden Männer vor Staunen der Mund offen stehen blieb. Fips ihr fünfjähriger Sohn rief : "Mama was bist du schön!" Andreas ihr Mann aber sah sie mit einem Blick an, dass sie wie ein junges Mädchen errötete.

Als sie auf die Festwiese kamen wurden sie mit lautem Hallo begrüßt. Fips durfte neben seinem Paten, dem Wildmoser Erich, der Hauptmann bei der Feuerwehr, war sitzen. Der Erich hatte einen riesigen Walrossbart und lustig zwinkernde Augen und bei ihm gab es immer etwas zu lachen. 

Und jetzt lachte er besonders laut und hielt seine Mass Bier dem Andreas unter die Nase, "wuist moi richa." Vor dem Fest wurde nämlich ausgelost wer Bier trinken durfte, denn fünf Männer mussten nüchtern bleiben, sollte irgendwo ein Brand ausbrechen. Und Fips Vater war unter den Verlierern, dem machte dies aber gar nichts aus, er packte seine Anna bei der Hand und schlenderte über den Festplatz. 

Erich fragte Fips: "Gema zum Feuerwehrauto" Der Junge nickte begeistert und folgte seinem Paten zu dem ausrangierten alten roten Wagen, auf dem bereits einige Kinder herumturnten unter der Aufsicht von Jungfeuerwehrmännern. Schmunzelnd betrachtete Erich die Kinder die auf dem roten Auto herumkletterten. Nach einiger Zeit aber rief er Fips, denn es gab ja noch viel auf der Festwiese zu sehen. Strahlend kam der Junge angelaufen und rief schon von weitem. " Onkel Erich, ich will auch mal Feuerwehrmann werden,  wie du und Papa. Der Hüne lachte dröhnend und strubbelte ihm durchs Haar. " Do muast aber no wachsen."  

Vergnügt stromerten sie über die Festwiese. Immer wieder wurden sie angehalten, denn Erich war sehr beliebt. Fips durfte mit dem Karusell fahren, Pony reiten und als sie mit einem Ball auf Konserven zielten und trafen da jubelten sie laut. An einem Stand gab es naturnachgebaute Feuerwehrautos und Fips durfte sich eins aussuchen. Der Verkäufer schenkte ihnen noch einen feuerrroten Luftballon mit den Buchstaben FW und sie banden diesen an dem Auto fest, damit er nicht davon fliegen konnte. 

Doch allmählich wurde Fips müde und Hunger hatte er auch. Also gingen sie zurück zu ihrem Tisch und Onkel Erich bestellte eine Schweinshaxe mit Knödel für sich und für seinen Patensohn Bratwürste mit Pommes. Hand in Hand kamen Andreas und Anna an den Tisch und auch sie bestellten sich etwas zu essen. 

Nach dem Essen spielte die Musi zum Tanz auf und während seine Eltern tanzten, spielte Fips mit den Dorfkindern. Erich aber paffte seine Pfeife und beobachtete das fröhliche Treiben, bis ihn die Wildgruber Vroni schnappte und zum Tanzboden zerrte. 

Als die Dämerung ihre Schleier über die Wiese legte und die Augen des Jungen immer kleiner wurden, nahm ihn sein Vater auf den Arm. Sein Auto fest an sich gepresst legte Fips müde seinen Kopf an die Schulter des Vaters, winkte Onkel Erich zu und die kleine Familie machte sich auf den Heimweg. Als sie vor dem Haus ankamen und die Mutter aufschloss hob Fips den Kopf und kicherte: " Mama, Papa schaut mal mein Ballon hat Luft verloren und sieht aus wie eine schrumpelige Birne!"

(c) Lore Platz


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Mittwoch, 13. Oktober 2021

Plauderecke







 
Vielleicht habt ihr auch schon als Kind am Lagerfeuer gesessen und Kartoffel gebraten.
Wir haben die Kartoffeln ,die auf dem Feld vergessen wurden immer aufgesammelt und dann ein Lagerfeuer gemacht und die Erdäpfel hinein geworfen.
Eine regelrechte Mutprobe war es dann ,die kohlschwarzen Dinger mit spitzen Fingern aus der heißen Glut zu klauben und zum Abkühlen neben sich zu legen.
Aber die Mühe war es wert, wenn auch die Schale verbrannt war, aber das Innere war köstlich.
Zu Hause aber wurden wir in den Waschzuber gestellt und von Kopf bis Fuß abgeschrubbt , denn wir sahen wie kleine Kaminfeger aus.
Doch wo kommt die Kartoffel eigentlich her?
Vor 500 Jahren brachten sie die spanischen Eroberer aus Südamerika mit.
Die Kartoffel hatte in Südamerika so eine große Bedeutung, dass man Kartoffel aus Stein und Tonkrüge in Form einer Kartoffel herstellte, wie Entdeckungen eines 8000 Jahre alten Grabes in Peru
bestätigen.
Obwohl wir in der Volksschule noch das Lied des Dorfschullehrers
Friedrich Sauter (1766-1846) lernen mussten und mit Begeisterung plärrten:
Frank Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jaaaahren ,“
war er nicht der Entdecker der Kartoffel.
Eine nette kleine Geschichte wurde überliefert, ich weiß aber nicht ob sie stimmt.
Ein englischer Graf kaufte ein paar Kartoffeln und ließ sie in seinem Garten anpflanzen,
Die Kartoffel wurde nämlich anfangs wegen ihrer schönen Blüten als Zierpflanze gehalten.
Eines Tages erzählte ihm ein Spanier, dass man die Kartoffel essen könnte.
Der Graf lud seine Freunde zum Festmahl ein und als besonderes Dessert ließ er die Beeren der Kartoffel servieren.
Die Gäste spuckten diese aus, so scheußlich schmeckten sie.
Zornig befahl der Graf seinem Gärtner die Kartoffeln zu vernichten.
Dieser riss alle Pflanzen aus und verbrannte sie. Doch stieg ihm ein köstlicher Duft in die Nase und er fischte ein Knolle heraus und probierte sie. Sie schmeckte köstlich!
Wenig später lud der Graf wieder seine Freunde ein und diesmal waren alle begeistert von der Kartoffel.
So soll sie sich in Europa verbreitet haben.
Ich denke aber, dass es von Spanien aus ging,
denn die Spanier und Italiener waren die ersten, die die Kartoffel auf ihrem Speiseplan hatten.
Die Deutschen waren der neuen Speise eher skeptisch gegenüber eingestellt.
Der“ Alte Fritz „musste die Bauern 1756 mit einem „Kartoffelbefehl „
zum Anbau zwingen.
Heute gehört die Kartoffel wie selbstverständlich zu unserem Leben und es gibt viele wunderbare Gerichte ,die man aus dieser Knolle zaubern kann.
Aber am besten schmeckt mir immer noch: Eine heiße Pellkartoffel mit ein bisschen Salz und einem Stückchen Butter. Hmmmm!
 
 
                      
 
 

Fritz und der Kartoffelkönig

Missmutig schlug Fritz die Decke zurück und schlüpfte ins Bett.
Seine Mutter kam herein und setzte sich auf die Bettkante.
Na, mein Großer, immer noch wütend?“
Beim Abendessen hatte es Ärger gegeben, denn Fritz wollte seine Kartoffeln nicht essen, denn die mochte er überhaupt nicht.
Der Vater hatte geschimpft und Großvater hatte auf die hungrigen Kinder hingewiesen, die froh wären wenn sie solche guten Kartoffeln essen dürften.
Fritz hätte sie ja nur allzu gern den hungrigen Kindern gegeben.
Die Großmutter hatte die Geschichte vom Kartoffelkönig erzählt, der davon gelaufen war, um in die Welt zu ziehen, doch als er zwei hungrigen Kindern begegnet ist, sich geopfert hat damit sie sich satt essen konnten.
Als wenn ihm deshalb die Kartoffel besser schmecken würden.
Nur die Mutter hatte ihn bittend angesehen und leise auf den Nachtisch hingewiesen.
Daran musste Fritz jetzt denken und so grinste er seine Mutter an.
Der Schokoladenpudding mit dem Sahnehäubchen war Klasse!“
Dann ist es ja gut!“ lachte die Mutter und strubbelte ihm das Haar.
Gute Nacht meine Junge, schlaf' gut:“
Sie strich ihm über das Haar, da er keinen Gute Nacht Kuss mehr wollte, löschte das Licht und verließ das Zimmer.
Fritz drehte sich um und war bald eingeschlafen.
Mitten in der Nacht wurde er plötzlich wach, da etwas auf seinen Bauch drückte.
Er öffnete die Augen und sah im fahlen Schein des Mondes
einen seltsamen kleinen Kerl, der auf seinem Bauch saß.
Fritz blinzelte und rieb sich die Augen, doch das Männchen war immer noch da.
Es sah aus wie eine dicke große Kartoffel, hatte eine rote Nase, pfiffige Augen, einen breiten Mund und kleine Arme und Beine und auf dem Kopf trug es ein kleines Krönchen.
Der Kartoffelkönig!“
Ja, du hast mich erkannt!“
Was willst du hier? Außerdem könntest du mal von meinem Bauch herunter gehen, du erdrückst mich ja!“
Der Kartoffelkönig sprang herunter und setzte sich neben Fritz auf das Kopfkissen.
Dieser drehte sich um und knurrte:
Lass mich in Ruhe, ich will schlafen!“
Da aber zog ihn der Dicke energisch an den Haaren.
Aufwachen, ich brauche deine Hilfe!“
Nun wurde Fritz neugierig und drehte sich wieder seinem Besucher zu.
Du musst mit mir kommen, zieh dich an.“
Das Männlein sprang vom Bett und lief zum Stuhl auf dem die Kleider des Jungen lagen.
Langsam folgte ihm Fritz und zog sich an, doch als er in seine Turnschuhe schlüpfen wollte, rief der König:
Zieh feste Schuhe an, dort wohin wir gehen ist es schlammig, besonders nach Regen und nimm die Jacke mit den großen Taschen.
Warum?“
Damit ich hinein schlüpfen kann,“ lachte der Kartoffelkönig und schwups saß er in der Tasche und grinste vergnügt.
Es kann los gehen!“
Auf einmal waren sie in einem Dorf.
Es sah sehr ärmlich aus, die alten Holzhäuser hätten einen Anstrich gebraucht, die Straßen waren wirklich riesige Schlammfelder, Hühner liefen gackernd umher und ein struppiger Hund schlich sich heran und entsetzt verschwand der Kartoffelkönig in der Jackentasche.
Feigling!“ zischte Fritz.
Ein Mann kam aus einem der Höfe, stutzte als er den Jungen sah und ging auf ihn zu.
Der sieht ja aus wie mein Großvater!“ flüsterte Fritz.
Ist ja auch dein Urahn, aber still er kommt näher!“
Der Mann betrachtete den seltsam gekleideten Jungen, er selbst trug nur einen groben Leinenkittel.
Woher kommst du?“
Von weit her, wo bin ich hier?“
Weißt du das nicht, in Pommern im Land von Friedrich dem Großen.“
Oh, und welches Jahr schreiben wir?“
Der Mann schüttelte den Kopf ob der seltsamen Frage.
Ob der Junge nicht richtig im Kopf war?
Wir haben das Jahr 1744. Wie heißt du denn?“
Fritz Ungerer!“
Da haben wir ja denselben Namen, ich heiße Karl Ungerer, sind wir verwandt!“
Fritz zuckte die Schultern.
Na dann komm mal mit, Vetter, kannst auf dem Heuboden schlafen, viel zu essen kann ich dir nicht anbieten, die Getreideernte war diesmal nicht gut. Und die meisten Felder hier sind sandig und eignen sich nicht zum Anbau.“
Vier kleine Kinder zwischen 3 Jahren und 10 Jahren blickten ihnen neugierig entgegen.
Eine junge Frau kam aus einem Nebenraum mit einem Eimer Milch.
Die Kuh gibt nicht mehr viel Milch, es fehlt an genügend Futter.“ seufzte sie mutlos.
Ich werde mal auf die höher gelegene Wiese gehen und
Gras mähen, hier ist ein Vetter von mir, er kann auf dem Heuboden schlafen.“
Die Frau nickte nur.
Und ich werde in den Wald gehen und Beeren pflücken,“ erklärte das zehnjährige Mädchen.
Ihr Vater runzelte die Stirn.
Mariechen, ich möchte nicht, dass du allein in den Wald gehst, dort treibt sich allerhand Gesindel herum.“
Dann hellte sich seine Miene auf.
Vetter Fritz wird dich begleiten!“
Fritz nickte und bald haben sie ihr Körbchen voll mit leckeren Beeren, auch einige Kräuter für eine Suppe pflückte Mariechen.
Auf dem Rückweg kamen sie an einem Bach vorbei und Fritz sah einige Forellen darin schwimmen.
Warte, Mariechen!“
Er krempelte seine Hosenbeine hoch und stieg ins Wasser.
Sein Freund Rudi hatte ihm einmal gezeigt wie man Fische mit den Händen fing.
Man braucht nur Geduld, ein gutes Auge und Schnelligkeit.
Bald lagen drei Forellen zappelnd im Gras und Mariechen packte sie in den Korb.
Der Vater war auch schon zurück und fütterte gerade die Kuh.
Anerkennend klopfte er Fritz auf die Schulter und ging mit den Fischen hinters Haus, um sie auszunehmen.
An diesem Abend gingen alle mal satt ins Bett.
Fritz bekam von Frau Gertrude noch eine Decke aus groben Stoff und ging hinauf auf den Heuboden.
Der Kartoffelkönig hüpfte aus der Tasche und streckte sich.
Bisher ist es doch gut gelaufen,“ meinte er zufrieden.
Was soll ich eigentlich hier, obwohl es ja interessant ist meine Vorfahren kennen zu lernen.“
Nun Morgen wirst du es erfahren, aber zuerst muss ich dir
erklären wie man Kartoffel anbaut, du wirst es brauchen.“
Ich werde bestimmt keine Kartoffeln anbauen,“ brummte Fritz, doch dann wurde er nachdenklich, „obwohl sie dann nicht mehr hungern müssten.“
Siehst du, also dann höre genau zu!“
Aufmerksam verfolgte der Junge was der Kartoffelkönig ihm erklärte, doch dann fielen ihm die Augen zu.
Am nächsten Morgen saßen sie gerade beim Frühstück, einer Schüssel Haferbrei mit Beeren, da hörten sie Lärm von draußen.
Mariechen lief ans Fenster.
Die Soldaten des Königs!“ rief sie aufgeregt.
Die Familie und Fritz eilten hinaus und gesellten sich zu den anderen Bauern die neugierig die Soldaten umstanden.
Einer der Soldaten hielt einen großen Pergamentbogen in der Hand und las laut vor:
Befehl des Königs, unseres verehrten 'Friedrich den Großen'! Alle Bauern müssen Kartoffel pflanzen, auf dass sie im Winter nicht hungers sterben. Das ist ein Befehl und muss sofort ausgeführt werden!“
Der Soldat winkte und ein Fuhrwerk fuhr heran auf dem mehrere Säcke standen.
Zwei Männer sprangen von der Pritsche und hoben die Säcke vom Wagen und stellten sie an eine Hauswand.
Die Bauern drängten sich neugierig näher und fingen schallend an zu Lachen.
Einer hielt eine verschrumpelte Kartoffel, die bereits zu keimen begann, in die Höhe und schrie:
Was soll denn das sein, will der König uns zum Narren halten, das ist weder ein Samen noch eine Wurzel!“
Verächtlich warf er die Knolle zurück und wandte sich ab.
Die Soldaten aber drehten ihre Pferde und galoppierten davon.
Murrend gingen die Bauern nach Hause.
Nur Karl, Fritz und Mariechen standen noch bei den Säcken.
Auch Frau Gertrude war zurück in den Hof gegangen und die drei kleineren Kinder spielten mit dem Hund.
Karl hatte eine der Kartoffel in die Hand genommen und drehte sie nachdenklich zwischen den Fingern.
Kann mir nicht vorstellen, dass unser König uns verspotten will?“
Nein! Kartoffel sind sehr nahrhaft und sättigend!“ erklärte Fritz.
Du hast schon mal eine gegessen?“
Der Junge nickte heftig und meinte: „ Ja sie schmecken mir zwar … Aua!“
Der Kartoffelkönig hatte ihn gezwickt.
Karl betrachtete ihn amüsiert.
Sie schmecken Aua?“
Nein ich meine sie schmecken ausgezeichnet.“
Fritz schlug kräftig auf seine Jackentasche und grinste als er ein leises Stöhnen hörte.
Weißt du denn wie man sie anbaut?“
Als der Junge nickte, hob Karl einen der Säcke auf und warf ihn sich über die Schulter.
Auch Fritz nahm einen der Säcke und selbst Mariechen zog einen Sack hinter sich her.
Während sie zurück zum Haus gingen erklärte er dem aufmerksam lauschenden Karl was er von dem Kartoffelkönig erfahren hatte.
Man musste Furchen in den Acker ziehen, die ungefähr 40cm auseinanderlagen, dann musste man eine Kartoffel, die bereits gekeimt hatte, hineinlegen und Erde darüber häufen.
Gießen sollte man sie nicht, denn das würde ihnen schaden. Da die Kartoffel eine sehr robuste Pflanze ist schadet ihr auch längere Trockenheit nichts, außerdem gedeiht sie prächtig in sandigem Boden.
Davon haben wir ja genug,“ brummte Karl, der aufmerksam gelauscht hatte.
Inzwischen hatten sie den Hof erreicht, stellten die Säcke vor der Tür ab und betraten das Haus.
Wir werden diese Kartoffeln pflanzen!“ verkündete Karl als er die Küche betrat.
Er deutete auf Fritz.
Unser junger Vetter weiß wie man es macht und hat auch schon solche Dinger gegessen.“
Dann kratzte er sich am Kopf.
Aber wie sollen wir solche Furchen in den Acker machen?“
Habt ihr denn keine Harke?“
Karl schüttelte den Kopf und brummte:
Wie sieht so ein Ding denn aus?“
Fritz holte ein angebranntes Holz von der Feuerstelle und zeichnete auf den Tisch ein Harke.
So was kann ich bauen!“
Karl verschwand im Schuppen.
Mariechen und Fritz luden mit Hilfe der Mutter die Säcke auf einen Leiterwagen und als Karl mit zwei Harken aus dem Schuppen kam, gingen sie zu dem brach liegenden Acker.
Während Karl und Fritz lange Furchen zogen, legten Frau Gertrude und Mariechen die Kartoffel hinein und die drei Kleinen durften die Erde darüber häufen.
Während sie arbeiteten kamen die Leute aus dem Dorf neugierig näher und Karl erklärte ihnen was sie machen sollten.
Und bald sah man auf allen Feldern die Bauern fleißig Furchen ziehen.
Nun hieß es warten. Jeden Tag ging Karl nun zu seinem Feld um nachzusehen.
Eines Tages kam er freudestrahlend zurück, denn das Feld hatte zu blühen begonnen.
Fritz, der inzwischen wieder vom Kartoffelkönig unterrichtet worden war, erklärte ihm, sobald die Blüten und das wuchernde Kraut abgestorben sei, könnte man die Kartoffel unter der Erde heraus holen.
Karl erklärte es auch den Dorfbewohnern und dann war es eines Tages soweit.
Die Kartoffelernte begann.
Als alle ihre reichliche Ernte in den Scheunen hatten, bat Karl seinen Vetter Fritz auf den Marktplatz.
Und der Junge erklärte den Dorfbewohner nun wie man die Kartoffel kochte und was man daraus alles machen konnte.
Während er noch redete verschwamm alles um ihn herum wie in einem Nebel.
Eine Hand rüttelte ihn an der Schulter.
Fritz, Fritz, wach auf, du musst zur Schule!“
Der Junge öffnete die Augen.
Wo ist der Kartoffelkönig?“
Nicht hier!“ lachte die Mutter, „ aber nun beeile dich!“
Mama, ich habe geholfen Kartoffel an zu bauen und zu ernten!“
Die Mutter verließ Kopf schüttelnd das Zimmer.
'Nun verfolgten die Kartoffeln den Jungen schon im Schlaf'
Noch mehr aber wunderte sie sich, als Fritz beim Abendessen eine doppelte Portion Kartoffel auf seinen Teller lud.

© Lore Platz

Montag, 11. Oktober 2021

Zuflucht in der Bärenhöhle












Zuflucht in der Bärenhöhle




Andabar setzt sich in seinen gemütlichen Ohrensessel und sieht sich in seiner kleinen Stube um. Wie ruhig es doch ist und er genießt es.
Mit Hilfe der Biber hatte er sich diese Stube mitten in einem Baum gebaut, als er damals in den Wald weit weg von seiner Heimat kam.
Ein großer Erdrutsch hatte die kleine Zwergenstadt vernichtet und seinen Großvater und seine Großmutter unter Steinen und Geröll begraben.
Die anderen Zwerge, die überlebt hatten, waren ins nächste Dorf zu ihren Verwandten gegangen.
Doch er, Andabar, stand ganz allein auf der Welt und deshalb beschlossen auf Wanderschaft zu gehen.
Er schmunzelt bei dem Gedanken, was er alles erlebt und gesehen hat. Schließlich war er bei einem alten Einsiedler gelandet und hatte dort die Heilkunst erlernt.
Doch dann trieb es ihn wieder weiter und nach vielen Jahren war er dann hier im Wald gelandet und es hatte ihm gleich gefallen.
Und als dann sein Stübchen im Baum bezugsfertig war und er sich seine Möbel gezimmert hatte und die Tiere des Waldes ihn eines Tages mit einer weichen Decke und einem Kissen für sein Bett überrascht hatten, das Madame Spinne und ihren Helferinnen gefertigt hatten, da fühlte er sich endlich angekommen.
Und seitdem war der Wald seine Heimat und alle Bewohner darin seine Freunde.
Nachdenklich runzelt er die Stirn. 
Heute war ein seltsamer Tag, die Vögel waren verstummt und hatten sich verkrochen. 
Die Tiere waren unruhig und manche sogar agressiv. 
Mehr als einmal musste er einen Streit schlichten oder kleine Wunden verbinden.
 In der Luft lag eine Schwüle und ein ungutes Flimmern.
Andabar hebt lauschend den Kopf. Ein Heulen und Rauschen ist plötzlich zu hören.
Er klopft seine Pfeife aus, legt sie auf den Tisch und tritt vor die Tür.
Der Wind haut ihn fast um und schlägt hinter ihm die Tür ins Schloss.
Blätter, kleine Äste und Sand vor sich her treibend jagt der Sturm durch den Wald.
Der Zwerg hört über sich ein knacken und kann gerade noch zur Seite springen, denn ein großer Ast fällt vom Baum.
Seine Mütze fest haltend dreht er sich um und will zurück in seine Wohnung.
Doch der dicke Ast liegt direkt vor seiner Tür.
Aus dem Unterholz stürmen die Tiere und laufen blindlings in Panik an ihm vorbei, aber alle in eine Richtung.
Wo wollt ihr hin!“ ruft Andabar.
Ein Dachs dreht sich kurz um. „Zur Bärenhöhle!“
Nun läuft auch der Zwerg los, doch seine dicken kurzen Beine sind nicht so schnell. Auch bremst ihn der Wind und treibt ihm Sand in die Augen.
Doch dann steht Schlitzohr, der Fuchs auf einmal neben ihm.
Steig auf meinen Rücken, Andabar!“
Der Zwerg klettert auf den Rücken seines Freundes und ab geht die wilde Jagd.
Als sie die schützende Höhle erreichen ist sie voll von Tieren der verschiedensten Art.
Ein Rudel Rehe steht dichtgedrängt beieinander, Dachse sitzen neben Hasen, Marder neben Eichhörnchen, eine Mäusefamilie hat sich eingefunden und selbst die scheue Schlange Millie liegt in einer Ecke, etwas abseits von den anderen.
Bruno, der Bär kommt nach vorne und heißt seine unerwarteten Gäste herzlich willkommen.
Andabar bedankt sich im Namen aller, dann setzt er sich mitten in den Raum und langsam kommen die Tiere näher und bilden einen Kreis.
Stumm beobachten sie das Toben vor dem Eingang.
Eine Blätterkugel wird von einem Windstoß herein gewirbelt und bleibt still liegen.
 Neugierig beobachten die Tiere die seltsame Kugel, die sich auf einmal bewegt und die Nase und zwei vergnügt funkelnde Augen von Isidor, dem Igel, erscheint.
Guten Tag, alle Miteinander, das war eine Fahrt. Ich konnte nicht so schnell laufen wie ihr und habe mich zum Ausruhen eingeigelt, da packt mich plötzlich der Wind und rollte mich direkt hierher.“
Er kichert: „ So schnell bin ich noch nie vorwärts gekommen.“
Alle lachen und die trübe Stimmung ist vorbei. Die Tiere machen es sich gemütlich und beginnen fröhlich zu plaudern.
Andebar aber klaubt vorsichtig die Blätter von den Stacheln des Igels und schichtet sie in eine Ecke.
Plötzlich springt Schlitzohr auf und schüttelt seinen buschigen Schwanz.


(c) Elli M.
Eine Ameise fliegt heraus, schlägt einen Salto in der Luft und landet ziemlich unsanft auf dem Boden.
Musst du denn so grob sein!“ schimpft der Ameisenjunge.
Ja Fridolin, wo kommst du denn her, solltest du nicht in eurem Bau sein, dort wärst du doch sicher.“ ruft Andabar erstaunt.
Der Junge errötet, „ich war wohl zu langsam und dann habe ich mich auch noch verirrt.“
Da hast wohl mal wieder geträumt.“
Fridolin nickt verlegen, doch dann lacht er.
Aber es ist doch alles gut gegangen, ich sah wie der Fuchs dich auf seinen Rücken steigen ließ und habe mich schnell in seinen Schwanz gehängt.“
Bin ich ein Ameisentaxi?“ brummt Schlitzohr, doch
niemand beachtet ihn.
Andabar nimmt seine Mütze und legt sie auf den Boden.
Fridolin, klettere auf meine Mütze, da bist du in Sicherheit,“ brummt er gutmütig und meint dann grinsend:
Und dort oben darfst du träumen soviel die willst.“
Die Tiere lachen und der Ameisenjunge klettert schnell auf die rote Mütze, die sich der Zwerg dann wieder auf den Kopf stülpt.
Der Eingang verdunkelt sich und Bertold der Hirsch und sein Frau Felina wanken in die Höhle.
Müde lassen sie sich zu Boden fallen. Bertold fehlt ein Stück seines Geweihs und Felina lehnt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an seine Schulter.
Auf die besorgten Blicke der Tiere erklärte der Hirsch schwer atmend:“ Beinahe hätte uns ein umstürzender Baum unter sich begraben.“
Deshalb fehlt dir ein Stück von deinem Geweih?“ meint Andabar mitfühlend.
Das ist nicht so schlimm,“ wehrte der Hirsch ab ,“aber Felina ist verwundet, der Baum hat ihre Hinterhand gestreift.“
Der Zwerg beugt sich über die Wunde.
Sie ist zum Glück nicht tief, aber sie kann sich entzünden. Ich muss sie säubern.“
Bruno, der Bär ruft: „Weiter hinten in der Höhle ist eine Quelle.“
 
(c) meine Tochter

Frau Eichhorn, die Andabar schon oft assistiert hat, nimmt das Taschentuch, das dieser ihr reicht und läuft neben Bruno zur Quelle.
Dankend nimmt der Zwerg das nasse Taschentuch und beginnt vorsichtig die Wunde aus zu waschen.
Obwohl sich in Felinas Augen Tränen sammeln vor Schmerz, gibt sie keinen Laut von sich.
Sie legt nur ihren Kopf an Bertolds Hals und dieser bedeckt
ihn tröstend mit seinem Haupt.
Dann ist Andabar fertig und reicht das Tuch an Mirella Eichhorn, die nochmal zur Quelle springt, um es auszuwaschen.
Andabar aber sieht sich suchend in der Höhle um, dann fällt sein Blick auf die Blätter und er strahlt.
Da waren doch auch Arnikablätter dabei. Schnell wühlt er in dem Haufen und findet was er sucht.
Zwischen den Händen zerreibt er das Arnika, streut es in die Wunde und legt das sauber ausgewaschene Taschentuch darüber.
Felina wirft ihm einen dankbaren Blick zu und schmiegt sich an ihren Mann.
Auch Bertold bedankt sich.
Der Zwerg setzt sich mit gekreuzten Beinen wieder auf den Boden und hört lächelnd der gemurmelten Unterhaltung zu.


(c) Irmgard Brüggemann

Ich habe Hunger!“ quengelt Susi, die jüngste der Hasenkinder.
Schlitzohr springt auf, fixierte sie und fährt mit der Zunge über seine Lippen.
Ich habe auch Hunger,“ meint er gedehnt.
Susi verschwindet quietschend hinter ihrer Mutter, die dem Fuchs einen kampfeslustigen Blick zu wirft.
Andabar aber gibt dem Fuchs einen leichten Klaps auf die Schnauze.
Benimm dich, du erschreckst nur die Kleine, hier wird niemand gefressen!“
 
 

 
Spielverderber!“ knurrt Schlitzohr, verzieht sich in die Ecke, rollt sich ein, legt die Schnauze auf seinen buschigen Schwanz und schließt die Augen.
Draußen aber toben noch immer die entfesselten Winde und treiben ihr wildes Spiel, als würden sie niemals müde werden. Langsam senkt sich die Nacht über den Wald.
Die Hasenkinder, die bisher herum getollt haben kuscheln sich müde an ihre Eltern.
Und Frau Hase beginnt erst leise zu summen, dann singt sie mit zarter Stimme ihre Kinder in den Schlaf.
Doch nicht nur die Hasenkinder schlafen ein, auch über die kleine Gesellschaft legt sich die Musik wie ein zarter Schleier und lässt sie den schrecklichen Sturm draußen vergessen und schickt sie ins Land der Träume.
Andabar ist der Erste, der am nächsten Morgen erwacht.
Er tritt vor die Höhle.
Der Sturm hat sich endlich zurück gezogen aber eine schreckliche Verwüstung hinterlassen.
Die Tiere kommen alle aus der Höhle und auch sie betrachten besorgt ihren schönen Wald.
Bald wird der Förster und seine Waldarbeiter kommen und alles wieder in Ordnung bringen,“ tröstet der Zwerg.
Rechts, links, eins, zwei!“ ertönt es plötzlich und eine Schwadron Ameisen bahnt sich einen Weg durch Äste und Blätter.
General Zack Zack bleibt vor ihnen stehen.
Guten Tag, habt ihr meinen Neffen Fridolin gesehen. Der dumme Junge hat wohl wieder geträumt und nicht mehr zurück in den Bau gefunden. Mache mir große Sorgen!“
Hier bin ich Onkel!“ ruft Fridolin und klettert von Andabars Mütze.
Die Augen des Generals werden einen Moment feucht, doch dann befiehlt er.
Reihe dich ein mein Junge, es geht nach Hause!“
Kehrt marsch, rechts um, links, rechts, eins zwei...“
Wir sollten auch nach Hause gehen,“ murmelt Bertold und bald steht nur noch der Zwerg neben dem Bären.
Vor meiner Tür liegt ein dicker Ast, ich kann nicht in meine Wohnung.“
Das ist für mich kein Problem, steig auf meinen Rücken,“ brummt Bruno.
Bald sitzt Andabar wieder in seiner kleinen gemütlichen Stube, raucht sein Pfeifchen und ist glücklich.


© Lore Platz


Freitag, 8. Oktober 2021

Mein erster Kochversuch - Erinnerungsgeschichte



 Mein erster Kochversuch





Kennt ihr das Märchen vom süßen Brei?
Die Brüder Grimm haben es aufgeschrieben und ich will es kurz skizzieren.
Ein braves Mädchen bekam von einer alten Frau einen Topf geschenkt, der selber kochen konnte.
Als das Mädchen einmal das Haus verließ wollte die Mutter kochen.
Bald blubberte und brodelte der leckere Brei im Topf, doch die Mutter hatte vergessen wie man ihn wieder abstellt und so vermehrte sich der Brei, verließ das Haus und ergoss sich über das Dorf, bis das Mädchen im Einhalt gebot.

So wäre es mir beinahe einmal ergangen.
Meine Mutter hatte ein kleines Handarbeitsgeschäft, das auch am Samstag bis Mittag geöffnet war.
Meine große Schwester half ihr, meine kleine Schwester spielte im Hof mit ihren Freunden und ich fläzte im Sessel und hatte wie immer ein Buch vor der Nase.
Unser Vater übernahm das Kochen.
Es sollte eine Rindfleischsuppe geben, die schon lecker duftend auf dem Ofen köchelte.
Da klingelte das Telefon und mein Vater kam zu mir und meinte, dass er schnell zu Mutti fahren müsste, weil sie seine Hilfe braucht. Er würde bald wiederkommen, ich sollte nur auf die Suppe aufpassen.
Ich nahm also meinen Schmöker und setzte mich in die Küche.
Ab und zu sah ich in den Topf und vertiefte mich wieder in mein Buch.
Die Uhr tickte und der Zeiger wanderte unerbittlich auf Mittag zu und mein Vater kam nicht.
Er wollte doch die Suppe fertig kochen.
Ich beschloss meinen Eltern eine Freude zu machen und sie zu überraschen.
Was würden sie für Augen machen, wenn sie nach Hause kamen und das Essen wäre fertig.
Schnell lief ich zum Küchenschrank, stellte mich auf die Zehenspitzen und angelte nach dem Karton mit Reis.
Doch als ich diesen dann geöffnet hatte, wurde ich sehr nachdenklich.
Wie viel Reis machte man in die Suppe.
Unschlüssig wanderte mein Blick zwischen dem großen Topf und den mickrigen weißen Körnern hin und her und kurz entschlossen kippte ich allen Reis in die Suppe und rührte mit dem Kochlöffel um.
Vergnügt deckte ich den Tisch.






Als ich wieder in den Topf sah, wurden meine Augen rund vor Schrecken.
Die mickrigen kleinen Körner waren gequollen und jeden Tropfen Flüssigkeit verschlingend an den Rand des Topfes gewandert.
Zum Glück hörte ich in diesem Moment die Flurtür und meine Eltern konnten das Schlimmste verhindern.
An diesem Tag gab es statt Reissuppe einen Reisbrei, gewürzt mit spöttischen Bemerkungen über meinen ersten Kochversuch.

Mit dieser kleinen Geschichte aus meiner Kindheit wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

Eure Märchenfee



Mittwoch, 6. Oktober 2021

Plauderecke

 
 

 
 
Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde von denen sich eure Schulweisheit nichts träumen lässt:“
William Shakespeare (1564 – 1616)

Vor kurzem fand ich im Internet eine Geschichte, die mich sehr berührte.
Ein Ehepaar verlor durch einen unverschuldeten Unfall ihre drei kleinen Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen.
Monate später wurde die junge Frau wieder schwanger und bekam Drillinge, ein Junge und zwei Mädchen.
Als wären die Seelen zurück gekehrt.
Diese Begebenheit hat mich zu einer kleinen Geschichte inspiriert.
Vielleicht gefällt sie euch.




Die große Sehnsucht

Ach Mama müssen wir denn schon gehen, nur noch einmal Karussell fahren,“ bat die kleine Marnie und sah ihre Mutter flehend an. Doch diese schüttelte bedauernd den Kopf. Auch Bernd und Angela waren enttäuscht aber sie wussten, wenn die Mutter nein sagte, dann hieß es nein.
Nachdem Frau Dorfner die drei auf dem Rücksitz angeschnallt hatte, setzte sie sich hinters Steuer und fuhr los. Um diese Zeit war wenig Verkehr und sie kam zügig voran. Auf einmal schoss aus einer Nebenstraße ein Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit.
Ein entsetzliches Knirschen und Krachen. Dann Stille!
Die hintere Tür des total verbeulten Wagens öffnete sich und die drei Kinder schlüpften heraus.
Verwundert sahen sie sich um. Die Straße glich einem Schlachtfeld. Zerfetzte Reifen und Autoteile lagen herum und Gestank und Rauch lag in der Luft.
Eine mollige Frau in einem weißen Gewand stand am Straßenrand und lächelte ihnen entgegen. Einladend streckte sie die Hand aus. „Kommt mit mir.“
Bernd nahm seine Schwestern an der Hand und ging einem inneren Zwang folgend mit ihnen zu der Frau hinüber.
Wohin gehen wir?“
An einen schönen Ort, wo ihr viele Kinder treffen werdet. Es wird euch gefallen.“
Und Mama?“ flüsterte Marnie.
Keine Sorge, es wird ihr geholfen werden.“
In dem Moment waren Sirenen zu hören und Polizei, Feuerwehr und ein Sanitätswagen sauste die Straße entlang.
Die Kinder aber fühlten sich auf einmal leicht und schwebten nach oben und verschwanden in den Wolken.
Wie staunten sie, als sie auf einer wunderschönen riesengroßen Wiese landeten. In der Ferne konnte man viele kleinen Häuser erkennen, etwas größer als Puppenhäuser.
Viele Kinder liefen herum, singend, lachend, fröhlich. Manche hatten ganz altmodische Kleider an, als stammten sie aus einem anderen Jahrhundert, aber alle sahen glücklich aus.
Wo sind wir hier?“
Im Kinderparadies, kommt ich zeige euch eure Zimmer.“
Staunend folgten die Geschwister Tante Elfriede, wie sie die nette Dame nennen sollten, in ein wunderschönes kleines Häuschen, ein kleiner Hund lief ihnen entgegen.
Tante Elfriede lächelte: „ Das ist Schnurzel, er gehört euch, habt ihr euch nicht immer einen Hund gewünscht?“
Glücklich lächelten die Kinder und streichelten den Hund, der aufgeregt zwischen ihnen herum sprang.
Wie staunten sie aber, als sie ihre Zimmer sahen, denn alles was sie sich immer schon gewünscht hatten, war vorhanden. Kein Wunsch blieb offen.
Tante Elfriede führte sie dann in ein riesiges Haus, in dem alle Kinder des Paradieses sich zum Essen trafen.
Und nun lernten die Geschwister auch die anderen kennen.
Essen durften sie was sie wollten, was besonders Bernd freute. Durfte er nun endlich all die Dinge essen, die ungesund waren, denn im Himmel wurde niemand krank.
So verging die Zeit und jeder Tag brachte etwas Neues.
Die kleine Marnie aber wurde immer trauriger, oft saß sie irgendwo versteckt unter einem Busch und weinte bitterlich.
Dort fand sie eines Tages Tante Elfriede.
Was hast du denn, meine Kleine, gefällt es dir nicht hier?“
Ich will zu meiner Mama!“ heulte das Mädchen auf und warf sich dem Engel in die Arme.
Bernd und Angela, die ihre Schwester gesucht hatten, standen traurig und betroffen neben den Beiden und auch ihnen liefen die Tränen über die Wangen.
Tapfer hatten sie ihre Sehnsucht nach den Eltern unterdrückt, doch bei dem Schmerz ihrer kleinen Schwester konnten auch sie sich nicht mehr zurück halten.
Tante Elfriede sah bestürzt von einem zum anderen.
Sie war etwas ratlos, doch dann stand sie entschlossen auf.
Mit Marnie auf dem Arm, winkte sie Bernd und Angela ihr zu folgen.
Sie flogen eine Wolke höher und standen plötzlich vor einem goldenem Tor.
Der Engel klopfte und das Tor öffnete sich wie von unsichtbarer Hand.
Elfriede ging zielstrebig mit den Kindern zu einer großen Kirche und bat die Kinder hier zu warten, während sie in einer Seitentür verschwand.
Es dauerte lange bis sie wieder kam, aber sie strahlte über das ganze Gesicht.
Ich habe mit dem Herrn gesprochen, ihr dürft wieder zurück zu euren Eltern.“
Jubelnd fielen die Kinder ihr in die Arme.
Einige Monate später bekam das Ehepaar Dorfner Drillinge. Zwei Mädchen und einen Jungen.

© Lore Platz