Dienstag, 17. September 2019

Die Puppe Namenlos Fortsetzung 1


 
(c) Bonmomo


Das Paket bleibt lange Zeit unbeachtet neben dem Hydranten liegen, obwohl viele Menschen vorbei hasten.
Zwei Jungen schlendern gelangweilt über den Bürgersteig.
He, Anderl! Da hat jemand ein Paket verloren!“
Martin schaut sich schnell um, schnappt das Päckchen und die beiden Jungen laufen in einen verlassenen Hinterhof.
Martin reißt die Schachtel auf.
Eine Puppe!“ ruft er enttäuscht.
Lass sehen, vielleicht gefällt sie ja meiner kleinen Schwester.“
Anderl will ihm die Schachtel aus der Hand nehmen.
Martin weicht einen Schritt zurück und zieht feixend die Puppe an den Haaren heraus.
Doch wie sieht sie aus.
Ein Stück von der Nase fehlt, beide Beine baumeln hin und her. Sie sind aus den Gelenken gesprungen.
Ein Arm ist am Ellbogen gebrochen und das einst hübsche Kleid hat einen langen hässlichen Riss.
Pfui Deibel wirf sie weg!“
Martin grinst, wirft die Puppe in die Luft und kickt sie mit dem Fuß in Richtung Mülltonnen.
Diese landet auf einem Häufchen stinkendem Abfall, der aus der überquellenden Tonne gefallen war.
Die Buben laufen wieder hinaus auf die Straße.
Die einstmals so hübsche Puppe aber liegt auf einem Haufen Dreck und dicke Tränen kullern über ihr Gesicht.
Ihre ersten Schritte hinaus in die Welt waren ja nicht gerade schön verlaufen.
Sie war von einem Auto überrollt worden, durch die Luft geschleudert, von groben Bubenhänden an den Haaren gezogen und dann noch als Fußball benützt und letztendlich auf stinkendem Müll gelandet.
Es raschelt in ihrer Nähe und eine dicke fette Ratte trippelt auf sie zu, mustert sie aus kleinen runden Augen, stupst sie mit der Nase an und läuft davon.
Die Puppe betrachtet das Stückchen Himmel über ihr und traurig und voller Sehnsucht denkt sie an das kleine Mädchen, deren Haare genauso rot sind wie ihre.
Nie wieder würde sie es wiedersehen.




Plötzlich hört sie eine sonore Stimme singen.

Der König der Straßen werde ich genannt
Wenn ich nur zwinkere, kommen die Miezen angerannt
Bin so schön, besonders klug und ein vollendeter Kavalier
Und besiege alle Kater in meinem Revier

Ein kräftiger Kater stolziert mit hoch erhobenem Schwanz über den Hof.
Vor der Puppe bleibt er stehen und betrachtet sie nachdenklich.
Du siehst ja scheußlich aus!“
Danke! Du würdest auch nicht besser aussehen, wenn du von einem Auto überfahren und von frechen Buben als Fußball benützt worden wärst!“
Da dürftest du Recht haben. War wohl heute nicht dein Tag?“
Das kann man wohl sagen!“
Oh, Oh,“ der Kater wirft einen Blick über die Schulter,
da kommt der Hausmeister, der kann mich nicht leiden, ich verdrück mich mal wieder.“
Der Kater wendet sich um.
Halt! Du willst mich doch nicht hier lassen!“ ruft die Puppe verzweifelt.
Unschlüssig bleibt der Kater stehen und sein Blick wandert zwischen der Puppe und dem näher kommenden alten Mann hin und her.
Dann beugt er sich hinunter, nimmt das Kleid der Puppe ins Mäulchen und flitzt in großem Bogen um den Hausmeister herum und auf die Straße.
Der Kater läuft mehrere Straßen und Gassen entlang, dann setzt er mit einem eleganten Sprung über einen Zaun in einen Garten und legt seine Last ins Gras.
Die Puppe hat die Augen geschlossen, von dem Geschaukel ist ihr ganz schwindelig.
Der Kater stupst sie an.
Wach auf, wie heißt du eigentlich?“
Ich habe keinen Namen.“
Der Kater überlegt einen Moment, dann grinst er.
Ich werde dich Namenlos nennen. Ich heiße übrigens Ramon.“
Er beginnt eifrig mit seiner kleinen rauen Zungen sein Fell zu putzen.
Freut mich, Ramon, du hast wohl einen Reinigkeitsfimmel?“
lacht Namenlos.
Ramon wirft ihr einen strengen Blick zu.
Katzen sind die reinlichsten Tiere, die es gibt. Außerdem habe ich eine Verabredung.“
Namenlos sieht etwas zwischen den Bäumen blitzen.
Ich glaube deine Verabredung kommt,“ meint sie spöttisch.
Eine weiße Katze schreitet in eleganten geschmeidigen Bewegungen auf sie zu.
Ihr hoch gestellter Schwanz bewegt sich genauso elegant und schreibt kleine Kringel in die Luft.
Vor Ramon bleibt sie stehen.
Du kommst spät mein Lieber.“
Verzeih schönste Prisilla, aber ich wurde leider aufgehalten.
Doch nun bin ich ja bei dir mein göttliches Wesen:“
Namenlos verdreht die Augen. Was für ein Gesülze!
Die Katze streicht schnurrend um den Kater herum, da bemerkt sie die Puppe.
Igitt! Was ist denn das? Hast du diesen Müll in unseren schönen Garten gebracht?“
Aber liebste Prisilla, das ist meine Freundin Namenlos und sie wurde von einem Auto angefahren.“
Die Katze streift die Puppe mit einem verächtlichen Blick.
Schaff sie hier weg und dann komm. Auf der Terrasse steht ein Schälchen mit Sahne.“
Sie dreht sich um und stolziert davon.
Ramon nimmt das Kleid von Namenlos wieder zwischen die Zähne und flitzt mit ihr den Stamm eines Birnbaumes hoch.
Dort setzt er die Puppe auf einen Ast und raunt:
Ich hol dich später ab.“
Namenlos lehnt sich zurück an den Baum.
Schade, Ramon ist so ein lieber Kerl, was der bloß an dieser
eingebildeten Zicke findet.“
Die Puppe lässt ihren Blick schweifen.
Eigentlich ist es interessant, die Welt aus der Höhe zu betrachten.
In der Ferne funkeln die Dächer im Sonnenlicht und ein Fesselballon schwebt langsam über die Stadt.
Sie kann die Menschen in dem Ballon nicht erkennen, dafür ist er zu weit entfernt.
In „Marion`s Puppenstube“ war auch ein kleiner Fesselballon mit Püppchen darin.
Ach wie gerne würde sie wieder im Schaufenster sitzen und darauf warten, dass die kleine Anna ihr süßes Gesichtchen an die Scheibe presst.
Eine leise Sehnsucht schleicht sich in ihr Herz und ihre Augen werden feucht.



Weinst du?“
Eine Blaumeise hat sich neben ihre auf dem Ast nieder gelassen.
Die Puppe lächelt traurig.
Ach weißt du, ich hatte heute einen schweren Tag, bin von einem Auto überfahren worden.“
Ach du Ärmste! Ja diese stinkenden Kisten sind schon ein Greuel und rasen oft viel zu schnell. Ich bin froh, dass ich fliegen kann. Aber weißt du hier in der Nähe wohnt eine Frau, die repariert Puppen. Vielleicht kannst du ja einmal bei ihr vorbei schauen.“
Der Vogel legt den Kopf schief und beäugt die Puppe.
Kannst du denn auch fliegen oder wie bist du auf den Baum gekommen?“
Namenlos lacht.
Nein Ramon hat mich herauf gebracht.“
Das Vögelchen kichert.
Ramon, der Herzensbrecher! Er balzt gerade um Prisilla herum. Aber der Kater ist ein feiner Kerl und lässt uns Vögel in Ruhe. Nun muss ich aber weiter. Schön dich kennen gelernt zu haben.“
Die Blaumeise fliegt davon, dreht sich aber noch einmal um und ruft.
Sag Ramon, die Frau, die Puppen wieder gesund macht ist das Frauchen von dem Mops Hanna!
Dann fliegt er endgültig davon.

Morgen geht es weiter








Montag, 16. September 2019

Die Puppe Namenlos

Einen schönen Wochenanfang wünsche ich euch und beginne gleich mit einer längeren Fortsetzungsgeschichte.
Das bedeutet, dass ich auch übers Wochenende schreibe.
(schmunzeln, ich weiß, dass sich jetzt jemand sehr darüber freut.) 
Viel Spaß beim Lesen!


 



Die Puppe Namenlos




In dem kleinen Städtchen Bernsdorf in der Taubengasse 17 im 2. Stock wohnt die kleine Anna.
Anna ist vier Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Zweizimmerwohnung.
An ihren Vater kann Anna sich nicht mehr erinnern, denn der hatte sich in eine andere Frau verliebt und Anna und ihre Mutter verlassen, als das kleine Mädchen kaum laufen konnte.
Anna vermisste ihren Papa, den sie kaum kannte, aber nicht.
Hatte sie doch ihre über alles geliebte Mutter und die Nachbarin Oma Jansen.
Oma Jansen holte sie am Nachmittag immer vom Kindergarten ab und sie durfte dann bei ihr bleiben, bis Mutti von der Arbeit kam.
Bei Oma Jansen war es sehr schön.
Das Wohnzimmer war voll gestellt mit wuchtigen alten Möbeln und überall standen kleine Porzellanfiguren und es
roch so schön nach Lavendel und Rosen.
Manchmal spielte Oma Jansen mit ihr oder sie backten Kekse in der kleinen Küche, doch meistens legte die alte Frau ihre schmerzenden Beine hoch und hielt ein kleines Nickerchen.
Dann legte sich Anna bäuchlings auf den Teppich und malte mit ihren Buntstiften ein schönes Bild für Mama.
Meistens lag Minou die rotbraune Katze neben ihr und schnurrte behaglich.



Anna hatte seit einiger Zeit ein kleines Geheimnis, dass sie niemand anvertraute.
Sie wollte so gerne Puppenmutti werden.
Nicht von irgendeiner Puppe, sondern von einer ganz bestimmten.
Sie hatte sie im Schaufenster von „Marions Puppenstube“
gesehen und diese Puppe hatte genau so rote Haare wie Anna.
Jeden Tag wenn sie in den Kindergarten ging, kam sie dort vorbei.
Am Morgen konnte sie nur kurz einen Blick auf ihr „Kind“ richten, denn Mama lief immer so schnell.
Aber Oma Jansen, die Schwierigkeiten mit ihren Beinen hatte, ging immer sehr langsam und musste sich öfter ausruhen
Und neben „Marions Puppenstube“ stand eine Bank.
Während die alte Frau sich ausruhte, lief Anna zum Schaufenster, drückte ihre kleinen Patschhändchen und ihre Nase an die Scheibe und betrachtete voller Liebe und Sehnsucht „ihr Puppenkind.
Einmal fragte sie Oma Jansen, ob sie ihr bitte vorlesen könnte, wie teuer die Puppe mit dem roten Haar, dem grünen Kleid und den braunen Schnürstiefel wohl war.
Die alte Frau seufzte:
Ach Mädelchen, die Puppe kostet 125 Euro, das ist viel zu teuer für deine Mama.“
Und in Gedanken fügte sie hinzu ,“auch für mich, bei meiner kleinen Rente.“
Traurig senkte Anna den Kopf.
Diesen Satz „ viel zu teuer“ kannte sie und normalerweise machte es ihr nichts aus.
Sie war mit so viel Liebe umgeben, dass sie eigentlich nichts vermisste.
Doch diesmal spürte sie einen kleinen Stich im Herzen.
Zu gern hätte sie „ ihre Puppe“ in die Arme genommen.
Aber dann tröstete sie sich.
Sie konnte doch jeden Tag „ihr Kind“ im Schaufenster sehen.
Und frohgemut hüpft sie neben der alten Frau nach Hause.
Doch eines Tages war die Puppe aus dem Schaufenster verschwunden.
Was war geschehen?



Ein fein gekleideter Herr betrat eines Tages das Geschäft und kaufte die schöne rothaarige Puppe für seine Nichte zum Geburtstag.
Er gab der Verkäuferin eine Adresse und bat , die Puppe hübsch einzupacken und an seine Nichte zu senden.
Die Puppe wird aus dem Schaufenster geholt und in eine hübsche Geschenkschachtel gelegt und mit Packpapier versandfertig gemacht.
Margot, die Verkäuferin, die heute allein im Laden war, macht sich auf die Suche nach dem Lehrmädchen Lilli.
Dieses war ein faules mürrisches Mädchen.
Maßlos verwöhnt von einer nachgiebigen Mutter hatte sie sich noch nie in ihrem Leben anstrengen müssen.
Mit Ach und Krach schaffte sie die Schule und die Lehrstelle
in „Marions Puppenstube“ hatte sie nur bekommen, weil die Inhaberin ihre Tante war, die leider genauso nachsichtig war.
Lilli verkroch sich meistens hinten im Lager und hörte Musik.
Und dort sucht sie Margot auch.
Mit energischen Schritten geht sie auf das Mädchen zu, zieht ihr die Ohrstöpsel raus und schnauzt sie an.
Heb deinen faulen Hintern hoch, du musst ein Paket auf die Post bringen.“
Mit mürrischem Gesicht schlurft das Mädchen hinter der Verkäuferin her, klemmt sich das Paket unter den Arm und verlässt den Laden.
Draußen stöpselt sie sich die Lautsprecher wieder ins Ohr und zottelt langsam dahin.
Da die Musik so laut in ihren Ohren dröhnt, hört sie nicht den Warnruf eines Skateboardfahrers , der den Bürgersteig entlang saust.
Er kann zwar mit einem kurzen Schlenker dem Mädchen ausweichen, rumpelt sie aber doch ein wenig an.
Das Paket fliegt in hohem Bogen auf die Straße.
Ein Quietschen von Rädern und das demolierte Paket mit der Puppe landet auf der anderen Straßenseite neben einen roten Hydranten.
Erschrocken blickt Lilli auf die gegenüber liegende Seite.
Sollte sie hinüber gehen und das zerknautschte Paket holen?
Die Puppe war bestimmt kaputt und wenn sie damit zurück ins Geschäft ging, dann musste sie sich nur die nervige Strafpredigt von Margot anhören.
Wer konnte schon beweisen, dass sie nicht auf der Post war?
Und den Einlieferungszettel hatte sie einfach verloren.
Achselzuckend dreht sie sich um und ihr Blick fällt auf die Eisdiele.
Das war eine Idee!
Sie würde sich ein Eis kaufen und wenn sie dann zurück kommt, meint Margot sie käme geradewegs vom Postamt.


Morgen geht es weiter








Sonntag, 15. September 2019

Der vorwitzige Wichtel


 Reizwörter für heute sind:



 Paradies, Adlerhorst, Abenteuer, vorwitzig, laufen

Die reizenden Bilder dazu wurden von meiner 

Freundin Regina gemalt.




Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und viel 

Spaß beim Lesen!




Der vorwitzige Wichtel



Frau Sonne gähnt noch mal herzhaft, streckt ihre 

goldenen Arme und steigt aus ihrem Bett nach oben.

Lächelnd gleitet ihr Blick über das Wichteldorf.

Wie schön es hier ist, die kleinen schmucken Häuser 

mit ihren blauen Türen und grünen Fensterläden, die 

noch geschlossen sind. Ein kleines Paradies voll 

Harmonie und Frohsinn.

Doch da öffnet sich doch eins der Fenster und ein 

Kopf mit einem verschmitztem Grinsen ist zu sehen.


Frau Sonne schmunzelt, natürlich Quirlifix, der 

neugierigste aller Wichtel. Immer wollte er etwas 

wissen und wenn zwei zusammen standen, pirschte 

er sich heran, damit ihm ja kein Wort entging.

Sein größter Wunsch war ein Abenteuer zu erleben 

und als großer Held gefeiert zu werden.

Inzwischen hat der Kleine einen Fuß über das 

Fensterbrett geschwungen, doch bevor der zweite 





folgen kann, öffnete sich die Tür und eine mollige 


Wichtelfrau baut sich vor dem Fenster auf.


Die Hände in die Hüften gestemmt mustert sie 

finster ihren Sohn.

Wohin willst du so früh, was oder wen willst du um 

diese Zeit wieder ausspionieren.“

Sie packt ihn und setzt ihn auf den Boden.
Na, wenn du so früh schon munter und voller 

Energie bist, habe ich eine wunderbare Aufgabe für 

dich. Heute ist Waschtag und die Männer haben 

gestern Abend bereits den großen Waschtrog auf der 

Wiese aufgebaut. Du kannst schon mal beginnen, 

Wasser vom Bach zu holen!“

Missmutig und leise vor sich hin maulend macht 

Quirlifix sich auf den Weg.

Seine Arme schmerzen von den schweren Eimer und 

der Boden des Wassertrogs war erst bedeckt.

Da kommt seine kleine Schwester Wuschelkopf 

angerannt.

 „Quirlifix, du sollst zum Frühstück kommen, die 

andern werden später weiter machen. Wir dürfen 

 Opa besuchen und ihm einen Kuchen bringen.“

Prima!“ Der Wichtel wirft die leeren Eimer ins Gras 

und dann laufen die beiden Geschwister nach Hause 

und sitzen bald vergnügt am Tisch.

Nach dem gemütlichen Schmaus nehmen sie den 

Korb, den die Mutter für ihren Vater mit allerlei 

Leckereien gefüllt hat.




Der Opa lebt dicht am Wald in einem großen 

Steinpilz. Er hatte als junger Mann das Wichteldorf 

verlassen, um die Welt dahinter kennen zu lernen.

Bei einer Kräuterhexe war er in die Lehre gegangen 

und kam zurück als Wichteldoktor.

Da er auch die Tiere des Waldes verarztete, hatte er 

sich am Waldrand ein Häuschen gebaut, seine 

Jugendliebe Rotschopf geheiratet, die ihm fleißig zur 

Seite stand.

Später hatten sie dann eine Tochter bekommen, die 

dann mit ihrem Mann ins Dorf gezogen ist.

Ihre beiden Enkel Quirlifix und Wuschelkopf machten 

den Großeltern große Freude.

Doch vor einem Jahr nach einem sehr harten Winter 

starb Rotkopf.

Seine Familie und das Dorf, ebenso die Tiere des 

Waldes kümmerten sich rührend um ihren Doktor. 

Auch half ihm seine Arbeit über den Kummer hinweg.

Doch wenn er abends auf der kleinen Bank vor 

seinem Haus seine Pfeife rauchte, dann dachte er 

wehmütig an seine Frau.

Gemeinsam den Korb zwischen sich hüpfen die 

Geschwister über die Wiese dem Wald zu.

Bleib mal stehen, ich will dem Opa noch ein paar 

Blumen mitbringen.“





Gutmütig stellt Quirlifix den Korb auf den Boden und 

während seine Schwester summend die schönsten 

Blumen pflückt, sieht er sich um.

Schön war seine Heimat.

Mit der Hand die Augen schützend beobachtet er 

einen Adler, der hoch oben dem Felsen zufliegt, auf 

dem er seinen Adlerhorst hat.




Ach wenn man doch auch fliegen könnte.


Quirlifix , träume nicht, ich bin fertig, lass uns 

weiter gehen.“

Der alte Mann begrüßte sie fröhlich.

Ihr kommt gerade recht, ich will mir einen Tee 

kochen.“

Quirlifix stellt den Korb ab und Wuschelkopf deckt 

flink den Tisch.

Während sie vergnügt schmausen, erzählt ihnen der 

Opa von seinen Reisen. Von diesen Geschichten 

können sie nie genug bekommen, besonders der 

kleine Wichtel fragt immer wieder, bis der Opa 

lachend meint.

Junge, jetzt ist genug, du fragst mir ja ein Loch in 

den Bauch.“

Wuschelkopf verdreht die Augen.

Mein Bruder ist so was von neugierig!“

Neugierde ist ja nicht verkehrt, wer offen für alles ist , 
kann viel lernen.“

Ja, aber durch Schlüssellöcher gucken und andere 

ausspionieren ist das vielleicht richtig?“

Nein das ist die verkehrte Art von Neugier,“ lacht 

der alte Mann.

Quirlifix wird rot und um abzulenken fragt er.

Kommst du Morgen auch zum Sommerfest?“

Ja, ich bin doch Schiedsrichter beim Schnecken 

Rennen.“






Am nächsten Tag ist schon früh am Morgen ein 

Gewusel und Gerenne auf der großen Wiese vor dem 

Wichteldorf.

Das Blüten - karusell wird aufgebaut.

Vier Wichtel heben unter lautem „Hauruck“ dicke 

Halme auf, und  fliegenden Käfer befestigen daran 

ein Tuch auf dem Start auf der einen  und Ziel auf     

der anderen Seite geschrieben steht.


Das ist für das Schnecken - Rennen, die eine Runde drehen müssen.
Wichtelmänner holen Tische und die Frauen bringen 

leckeren Kuchen und Gebäck, Honigmet und 

Brombeerlikör, während die Kinder Stühle 

anschleppen.

Die Grillen stimmen ihre Geigen.

Es herrsche ein geschäftiges fröhliches Treiben.

Die Vögel proben ihre Lieder und die 

Wichtelmädchen, unter denen auch Wuschelkopf ist 

üben ihren Tanz ein.

Aus dem Wald kommen die Tiere, die auch 

eingeladen sind, allen voran Eduardo mit stolz 

erhobenen Kopf, auf dem sein mächtiges Geweih 

thront.

Seine Damen schreiten graziös neben ihm.

Nachdem der Bürgermeister eine Rede gehalten und 

die Gäste begrüßt hat, kann das Fest beginnen.

Jubelnd stürzen die Kleinsten zum Karussell, die 

Männer feuern die Schnecken an und jeder hofft 

dass die Schnecke auf die er gewettet hat, gewinnt.

Die Frauen betrachten kichernd ihre Männer, die sich 

heute aufführen wir kleine Kinder und genießen 

dabei den sehr köstlichen Brombeerlikör.

Später tanzen die Wichtelmädchen ihren Reigen und 

die Vogel singen fröhlich ihre Lieder.

Nach Honigmet und Kuchen spielen die Grillen zum 

Tanz und die Wichtelmännchen holen sich ihr 

Wichtelfrauchen und schwofen über die Wiese.

Alle sind sich einig es ist ein wunderbares Fest.

Bedauernd zieht Frau Sonne sich zurück, sie wäre 

noch so gern geblieben.

Der Mond der ihre Stelle einnimmt, strahlt über das 

ganze Vollmondgesicht.

Quirlifix lehnt an einem Busch, die Augen halb 

geschlossen. Vor ihm liegen seine Schuhe im Gras.




Ein Geräusch schreckt ihn auf und er bemerkt wie 

einige Wichteljungen verstohlen die Köpfe 

zusammen stecken und flüstern.

 Sofort ist er wach und seine Neugier ist geweckt.

Vorsichtig schleicht er sich an und spitzt die Ohren, 

doch er kann nichts verstehen, also rückt er noch 

etwas näher.

Er zuckte zusammen, als Bertl laut sagt:

Wir treffen und uns also in einer Viertelstunde bei 

der alten Hütte im Wald.“

Die Jungen laufen davon.

Quirlifix kennt die alte Hütte, ein alter weiser Mann 

lebte vor vielen Jahren darin , doch inzwischen ist er 

im Wichtelhimmel.

So schnell er kann läuft er in den Wald, denn er will 

noch vor den anderen dort sein.

Wenn er sich in der Hütte versteckt kann er am 

besten lauschen und erfahren was seine Freunde für 

ein Geheimnis haben.

Die Tür knarrt leise, als er in die Hütte schlüpft.

Es ist dunkel, denn die Fenster sind mit Brettern 

vernagelt und der kleine Naseweis tastet sich 

vorwärts.

Er unterdrückt einen Schmerzensschrei, als er mit 

dem Zeh gegen einen Stuhl rempelt.In der Eile hat 

er seine Schuhe vergessen.

In der Ecke hinter dem Ofen versteckt er sich und 

wartet.

Ein Kichern draußen ist zu hören und Quirlifix drückt 

sich tiefer in die Ecke.

Die Tür schlägt zu und der Riegel schiebt sich vor.

 Erschrocken springt der Junge auf.

Man hat ihn eingesperrt.

Er rüttelt an der Tür und am Fenster.

Eine hohle Stimme erklingt und er kann durch die 

Ritzen eine weiße hell leuchtende Gestalt erkennen.

Quirlifix, Quirlifix weißt du wer ich bin?“

Und wieder erklingt das lang gezogene hohle Heulen.

Ich bin der Sammler und fange unartige Kinder, 

besonders die neugierigen, die mag ich am liebsten, 

huhuuuuhuuuuuhuuuuuuu.“

Quirlifix sinkt auf den Boden, er zittert am ganzen 

Körper und Tränen laufen über sein Gesicht.

Quirlifix, wo bist du?“ ertönt ein Ruf und fünf kleine 

Schlingel mit einem weißen Tuch und einer Lampe 

laufen schnell davon.

Im Dorf ist das Verschwinden von dem kleinen 

Wichtel aufgefallen und der Opa und die Männer 

machen sich auf die Suche.

Wieder rufen sie und Quirlifix hebt den Kopf, das ist 

doch Opas Stimme.

Er springt auf und rüttelt am Fenster.

Hier bin ich Opa!“

Die Tür wird geöffnet und der kleine Wichtel springt 

seinem Opa in die Arme, dass diese stolpert.

Bitte Opa bring mich nach Hause.“





In der Nacht öffnet sich die Tür zu Wuschelkopfs 

Zimmer und Quirlifix schlüpft herein.

Darf ich bei dir schlafen, ich fürchte mich so.“

Glücklich kuschelt er sich an seine große Schwester 

und dann erzählt er ihr alles.

Wuschelkopf lächelt, denn sie ahnt wer der Geist war.

Glaubst du der Sammler wird mich holen?“

Nein,wenn du dich besserst und nicht mehr so 

neugierig bist.“

Ob ich das schaffe?“

Du musst es versuchen.“

Ja,“ seufzt Quirlifix, schließt die Augen schläft ein.

© Lore Platz


Wenn ihr wissen wollt was meine Mitschreiberinnen 

aus den Wörtern gezaubert haben, müsst ihr nur auf 

ihre Namen drücken, dann kommt ihr auf ihre Blogs.