Donnerstag, 15. Juli 2021

Reizwortgeschichte -heute nur bei den Kolleginnen

 Ihr Lieben,

einen herzlichen Gruß von Lore, die heute leider nicht mit von der Partie ist, weil sie krank ist. Macht euch aber keine Sorgen, sie ist schon auf dem Weg der Besserung und wird sich sicherlich bald wieder hier zu Wort melden.

Derweil lest doch bitte bei uns;

Martinas von-herz-zu-herz-geschichten

und Reginas Geschichten



Mittwoch, 30. Juni 2021

Wie ein Marienkäfer zum Glückskäfer wurde

 


 

ReizwörterMarienkäfer , Dachoden, wirbeln, nervig, witzig.

Die Marienkäfer mit sieben Punkten, nennt man auch Glückskäfer und das wegen der Zahl sieben.

Die Zahl ist nämlich eine Glückzahl, wegen den vier Elementen plus der Dreifaltigkeit.



Lena hüpft vergnügt, die Hände wie zum Gebet gefaltet, in Omas Zimmer. Diese saß mit geschlossenen Augen am offenen Fenster und ließ sich von der Sonne bescheinen.

" Oma guck mal, was ich hier habe."  Lena öffnet langsam die Hände und Oma sieht einen hübschen kleinen Marienkäfer der regungslos auf der kleinen Patschhand ihrer Enkelin sitzt. Doch dann entfaltet er seine Flügel und fliegt aus dem Fenster.

"Ach nein, nun ist er weg und ich wollte ihm doch so eine schöne Wohnung bauen," jammert Lena. Emma zieht ihre Enkelin in die Arme und deutet nach draußen. " Siehts du, das Käferchen hat sich auf einem Löwenzahnblatt nieder gelassen, denkst du nicht, dass er sich draußen im Sonnenschein wohler fühlt, als in einer Schachtel mit Löchern, auch wenn du sie noch so schön einrichtest.

"Aber er sollte mir doch Glück bringen," schmollt Lena. "Brauchst du denn Glück?" Das Mädchen legt den Kopf schief und überlegt. "Eigentlich bin ich sehr glücklich." "Na, dann ist es doch gut, dass der Marienkäfer frei ist und nun kann er zu einem Menschen fliegen, der das Glück nötig hat."

Einen Moment betrachtet Lena ihre Oma, dann lacht sie. "Du hast wieder eine Geschichte im Kopf!" Schnell klettert sie auf den Schoß der alten Frau, kuschelt sich an sie und lauscht.

 


  

Wie ein Marienkäfer zum Glückskäfer wurde

Pünktchen, wie sie liebevoll von ihrer Mutter genannt wurde, war gerade geschlüpft. 

Glücklich betrachtete sie ihre tiefroten schönen Flügel mit den sieben schwarzen Punkten. Dann trippelte sie an den Rand des Löwenzahnblattes, enfaltete die Flügel und schwebte in den Sonnenschein.

Was für ein herrliches Gefühl war das über die bunte Wiese zu schweben. Immer weiter  flog sie und erblickte ein großes Haus, das von oben bis unten mit grünen Blättern bedeckt war.

Plötzlich hörte sie Flügelrauschen und die Ermahnung ihrer Mutter fiel ihr ein , dass frisch geschlüpfte Marienkäfer sich in Acht vor Insekten und Vögel nehmen müssen.

Schnell und immer im Zickzack flog sie auf das schützende Grün zu, schlüpfte durch die Blätter und verkroch sich mit klopfendem Herzen in der hintersten Ecke. 

Erleichtert stellte sie fest, dass der Flügelschlag nicht mehr zu hören war, trotzdem wollte sie ihr schützendes Versteck nicht verlassen.

Langsam kletterte sie nach oben und erreichte ein offenes Fenster. Neugierig sah sie sich um. 

Altes Gerümpel lag oder stand an der Wand und alte verlassene Spinnennetze hingen zwischen den Balken. 

Eine Tür öffnete sich und wirbelte den Staub auf, der den Boden bedeckte. Ein etwa zehnjähriges Mädchen stapfte in den Raum und ließ sich auf die Matratze vor dem Fenster fallen. 

Trübsinnig starrte sie vor sich hin und eine Träne rollte über ihre Wange. Neugierig flog Pünktchen näher. 

Das Mädchen hob den Kopf und staunte."Ein Glückskäfer." 

Vorsichtig streckte es die Hand aus und Pünktchen ließ sich darauf nieder. Es hatte keine Angst vor diesem Menschenkind.

Und nun erzählte Ihr Lotta, so hieß das Mädchen nämlich, dass sie seit fünf Jahren hier im Waisenhaus wohnte, dass niemand sie adoptieren wollte, weil sie so hässlich sei und sie sich doch so sehr eine Familie wünschte. 

 


Pünktchen saß ganz still und betrachtete das kleine Mädchen und dachte, sie ist nicht hässlich, auf der Nase hatte sie Punkte wie sie, nur dass diese Punkte rot und nicht schwarz waren. Wenn das Mödchen nicht so totzig und grimmig schauen würde,  wäre sie sogar sehr hübsch.

"Eva Charlotta!" rief eine Stimme. " Die nervige Alte," grummelte Lotta und sprang auf. 

Vorsichtig setzte sie den Käfer auf die Fensterbank. "Morgen komme ich wieder, vielleicht bist du ja noch da."

Pünktchen aber krabbelte zurück in den Blätterwald und als sie die vielen Blattläuse sah, beschloss sie hierzubleiben, vielleicht konnte sie ihrer neuen Freundin ja Glück bringen.

Jeden Tag kam Lotta und sie erzählt dem aufmerksam lauschenden Pünktchen von ihren Eltern, an die sie sich kaum noch erinnern konnte, von den Verwandten, die sie nicht haben wollten und sie in ein Waisenhaus steckten. Und je mehr sie über ihren Kummer, der seit vielen Jahren auf ihrer Seele lastete, sprach, umso gelöster wurde sie. Der trotzige grimmige Ausdruck verschwand und ihre Augen strahlten.

Lotta fiel es gar nicht auf, doch ihre Umgebung bemerkte ihre Verwandlung. Aus dem aufmümpfigen schwierigen Mädchen war ein freundliches, fröhliches und witziges geworden

Und eines Tages stürmte Lotta auf den Dachboden und erzählte Pünktchen glücklich, dass eine Familie sie adoptieren wollte.

Pünktchen lächelte still und freute sich, dass sie Lotta Glück gebracht hatte. Nun konnte sie nach Hause fliegen zu ihrer Mama und ihren Geschwistern.

 

(c) Lore Platz 


Sicher wollt ihr wissen was Regina und Martina geschrieben haben.

Ich wünsche euch eine schöne Zeit und komme am 15. Juli mit einer neuen Reizwortgeschichte wieder und bis dahin genieße ich den lang ersehnten Besuch meiner Tochter.


 

 




 

Samstag, 19. Juni 2021

Hitzefrei

 


 

Zuerst möchte ich mich herzlich bei euch bedanken und freue mich, dass euch meine Geschichten gefallen.

Aber bei dieser Hitze fällt mir das Schreiben schwer und deshalb werde ich im Moment nur die Reizwortgeschichten schreiben, da ich meine Mitschreiberinnen nicht im Stich lassen will

Ansonsten nehme ich mir Hitzefrei, als Kinder hatten wir das in der Schule, ab 31°👱

Also wir sehen uns wieder hier am 30. Juni! 

Ich wünsche euch eine schöne Zeit.

Dienstag, 15. Juni 2021

Der Wichtel, den niemand verstand

Reizwörter:      Bart - Nasenspitze - vorwitzig - füllig - saugen

 

 


 Der Wichtel, den niemand verstand

 

Winzling war der jüngste seiner Familie und er war anders als seine Geschwister. er war ein Träumer und stellte oft seltsame Fragen. Seine Brüder lachten ihn aus, wenn er fragte, warum die Sonne nur am Tag schien oder der Mond mal dick und mal dünn ist. Auch warum die Blätter im Herbst bunt wurden.

Bertl nannte ihn einen Spinner, Karleman warf sich vor lauter Lachen auf den Boden und Tio schupste ihn und brüllte, dass wüßste keiner, das wär eben so und er solle nicht so nerven, er mache sie zum Gespött aller Wichtel im Dorf, man müsste sich ja schämen.

Nur seine große Schwester Missi verstand ihn und nahm ihn in Schutz. Sie war ein hübsches Mädchen, etwas füllig, aber das stand ihr gut und bald würde sie Wurzel vom Nachbardorf heiraten. Winzling war sehr traurig deswegen. denn dann würde er ganz allein sein, seine Brüder mochten ihn nicht  und seine Eltern schämten sich seiner. Besonders nachdem die Ältesten ihnen geraten hatten ihren vorwitzigen Sohn daran zu hindern die Gemeinschaft durcheinander zu bringen. 

Als Missis und Wurzels Hochzeit gefeiert wurde verkroch sich Winzling im Wald und weinte bitterlich. Dort fand ihn seine Schwester und nahm ihn tröstend in die Arme, doch helfen konnte sie ihm auch nicht.

Nachdem Missi ausgezogen war ging es Winzling sehr schlecht, seine Brüder und deren Freunde quälten und versptotteten ihn und für seine Eltern war er unsichtbar.

 


 

Die meiste Zeit verbrachte der traurige Wichtel im Wald, da gab es so viel zu sehen und staunen und bewundern. Er beobachtet gerade wie eine Spinne in einem Himbberbusch ihr Netz webte, als seine Freundin Ella, das Eichkätzchen sich neben ihn setzte.

Sie erzählte ihm, dass in der Nähe des Elfenreichs ein sehr kluger alter Wichtel leben würde und der ihm vielleicht seine Fragen beantworten könnte. Das Rotkehlen Tilde hätte ihr das erzählt.Sicher könnte sie ihn zu dem alten Mann bringen. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag.

Als Winzling kurz nach dem Morgengrauen das Haus verließ schaute er sich noch einmal Abschied nehmend um, dann lief er los Rotkehlchen und Eichkätzchen erwarteten ihn schon. Als Winzling auf Tildes Rücken saß, fragte ihn diese, ob er seinen Eltern Bescheid gesagt hatte. Der Wichtel schüttelte den Kopf, niemand würde ihn vermissen, doch da fiel ihm seine Schwester ein und er bat den Vogel ihn zu Missi zu bringen, damit er sich von ihr verabschieden konnte.

Seine Schwester staunte nicht schlecht, als plötzlich ein Vorgel an ihre Tür klopfte, auf dessen Rücken ihr Bruder saß. Mit Tränen in den Augen nahmen die Geschwister Abschied und Missi versprach den Eltern Bescheid zu sagen.Traurig winkte sie ihrem Bruder nach und wusste doch tief in ihrem Herzen, dass es das Beste für ihn war.

Tilde setzte Winzling vor der Höhle ab und flog davon. Schüchtern betrat Winzling die Höhle und staunte. Kräuter hingen an einem quer durch die Höhle gespanntem Seil und verströmten ihre aromatischen Düfte. Tiegel, Gläser. Schüsseln und Tassen waren im ganzen Raum zerstreut. An einem Tisch stand mit dem Rücken zu ihm ein weißhaariger Mann und stocherte in einem langen Stiel einer Blume.

Als er sich umdrehte, sah Winzling, dass auch sein Gesicht von einem weißen Bart bedeckt war und man nur zwei kluge fröhliche Augen und die Nasenspitze erkennen konnte. 

"Hallo wer bist denn du, bist du krank?" Winzling schüttelte den Kopf und platzte heraus: "Was machen sie da." Der alte Wichtel lachte vergnügt. " Ich bastle einen Trinkhalm, eine der Elfen ist gestürzt und hat sich schwer im Gesicht verletzt und ihr Mund ist so geschwollen, dass sie nicht richtig trinken kann, also bastle ich für sie einen Trinkhalm, mit dem sie dann saugen kann. Aber wenn du nicht krank bist was willst du dann?"

Und Winzling vertraute Balduin all seine Kummer an. Dieser aber nahm ihn bei der Hand und führte ihn in ein Nebengemach. dort stand ein großer Tisch auf dem viele in Leder gebundene Bücher lagen, Der alte Wichtel schlug eines davon auf und Winzling staunte, als er die bunten Bilder und die vielen verschieden geformten Striche sah.

" Das ist ein Buch und wird alle deine Fragen beantworten." " Kann es sprechen?" Balduin lachte. "Nein du musst es lesen. Willst du  mein Lehrling werden? Ich werde dich schreiben und lesen lehren und auch in die Geheimnisse der Heilkunst einweihen. " 

Als Winzling ganz heftig mit dem Kopf nickt, lachte Balduin vergnügt. 

" Aber nun komm wir wollen dem kleinen Elfenmädchen seinen Trinkhalm bringen damit es endlich den heilenden Tee trinken kann."

 

 



Als Winzling neben dem alten gütigen Wichtel zum Elfenreich ging, fühlte er sich zum ersten Mal in seinem Leben, glücklich und zufrieden und vor allem verstanden.

(c) Lore Platz

Sicher wollt ihr wissen was Martina und Regina geschrieben haben



 

Samstag, 12. Juni 2021

Pinselchen und die goldenen Ringe Ende




Das passte ihm jetzt nun wieder gar nicht, der Geiz war schon lange Herr über ihn geworden und nun überlegte er, wie er um die Zahlung herumkommen könnte und er überlegte und überlegte, aber es wollte ihm einfach nichts Rechtes einfallen.

Doch auf einmal hatte er einen Geistesblitz, aber von einem bösen Geist.

Die Alte, so grinste er vor sich hin, konnte als Finderlohn wohnen bleiben und den Mietzins würde er  um 10% erhöhen, man war ja gar nicht so.

Ja, genau, so würde er es machen, ansonsten müsste sie ausziehen und woanders eine Bleibe finden. Aber wo wollte die schon hin und wer würde sie nehmen.

Tags darauf ging er zu dem Kräuterweiberl. Er hatte seinen guten schwarzen Anzug angezogen, blank polierte schwarze Schuhe ausgewählt, Hut und Gehstock, den mit dem silbernen Knauf genommen.

Forsch schritt er auf die alte Hütte zu. Er bemerkte nicht, dass ein Luchs ,eine Maus und ein Fuchs ihn verfolgten und sich hinter einer großen Hecke versteckten, um notfalls ihrer Freundin zu Hilfe zu eilen.

Hallo, hallo, ist jemand zuhause,“ rief der Mann ganz laut und pochte mit dem Silberknauf an die Tür. Da kam die alte Frau, öffnete die Türe, um zu gucken, wer denn da so schrie und ob er Hilfe brauchte. Als sie sah, wer es war, wurde sie ganz blass.

Doch schnell fing sie sich wieder und grüßte freundlich und bat den Grafen herein.

Während sie Tee aufbrühte sah sich der Graf in der kleinen ärmlichen Hütte um und dann sah er das Bild seiner großen Liebe und es wurde ihm ganz eigenartig zumute. 

Er sprang auf und rief,“ bitte machen sie sich keine Mühe, ich muss nach Hause, ich wollte ihnen nur danke sagen für die Ringe und als Finderlohn, dürfen sie kostenlos hier wohnen bleiben solange sie leben und auch Holz dürfen sie sammeln.“

Und fluchtartig verließ er die Hütte.

In der Villa ging das Leben weiter seinen gewohnten Gang. Jeder tat seine Arbeit, der Gärtner und sein Gehilfe, die Köchin und ihre zwei Helferinnen, das Zimmermädchen, der Wachmann, der Chauffeur wusch gerade den Wagen und der Herr des Hauses beobachtete sie, ob sie auch für den viel zu hohen Lohn genügend taten.

Nur das alte Bild an der Wand ging ihm nicht mehr aus dem Sinn, was hatte die Alte mit seiner großen Liebe zu schaffen, das Mädel, das lachende, im Sommerkleid mit dem Margeritenkranz im Haar war seine große Liebe gewesen. Egal, vorbei, lange her und doch hatte sich die Frage wie eine Laus in einem Pelz in seinem Kopf eingenistet und plagte ihn gar sehr.

Er machte sich auf den Weg zu der alten Hütte im Wald.

Beim Haus angekommen, klopfte er gegen die Türe und rief nach dem Weiblein.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie öffnete und war erstaunt, den alten Grafen zu sehen

Herr Graf, sie und um diese Zeit, was ist passiert, wie kann ich helfen.“

Der alte Mann ließ sich schwerfällig auf die Bank fallen und sah mit traurigen Augen zu dem Bild hinüber.

Wie kommen sie zu dem Bild?“

Das war meine jüngere Schwester, sie ging in die Fremde, weil sie die Liebe ihres Lebens nicht heiraten durfte. Sie ist sehr jung gestorben.“

Erschrocken sah sie auf den Grafen, der die Hände vor das Gesicht geschlagen hatte und heftig weinte.

Nun erfuhr die Kräuterfrau, dass ihre Schwester die große Liebe seines Lebens und die Ringe ihre Freundschaftsringe gewesen waren und deshalb so eine große Bedeutung für ihn hatten. 

Er wollte sie gegen den Willen seines Vaters heiraten, doch dann war Angelika eines Tages verschwunden. Aus übergroßer Liebe hatte sie ihn verlassen, sie wollte nicht zwischen ihm und seinem Vater stehen. Er aber hatte nie geheiratet und war immer verbitterter geworden.


Seit dieser Zeit besuchte der Graf die alte Frau regelmäßg, denn nur mit ihr konnte er über seine große Liebe sprechen.

Im gräflichen Haushalt ging wieder alles in gewohnter Ordnung seinen Gang, doch den Bewohnern fiel auf, dass der Herr immer milder wurde und es richtig schön war jetzt für ihn zu arbeiten.


© Roswitha Borgfeldt






 

Freitag, 11. Juni 2021

Pinselchen und die goldenen Ringe 5

 




So brachte Frau Eule das Geschenk zum Landhaus des Grafen und legte es vorsichtig auf das Fensterbrett vor seinem Schlafzimmer. Rief laut ihr huhuu, huhuuu und flog davon, aber nur in die nächste Tanne. Von dort aus konnte sie verfolgen was geschah. Sie hatte ein gutes Gehör, gute Augen und konnte weit sehen, was so mancher Maus schon zum Verhängnis geworden war.

Durch das unheimliche Rufen der Eule wach geworden, knipste der Graf die alte Nachttischlampe an und stand ärgerlich auf. Wenn er schon mal schlafen konnte, was eh so selten war, dann weckte ihn sicher jemand wieder auf und wenn es auch nur so ein dämlicher Nachtvogel war. Aber seine Neugierde war geweckt, was er wohl so nah am Haus zu schaffen hatte?

Umständlich drehte er den Riegel des Fensters auf und sah nach 

draußen, nichts war zu sehen, alles still und so hell, ach ja 

Vollmond, dachte er bei sich und als er schon wieder das Fenster 

schließen wollte, sah er das kleine Päckchen im Mondschein liegen.

Er starrte es an, ungläubig, unfähig, die Hand danach auszustrecken. Er zitterte leicht, als er es dann doch ergriff und es sich besah. Aber ohne seine Brille sah er schlecht. Also legte er das Päckchen innen auf das Fensterbrett und holte seine Brille.

Staunend drehte er das Päckchen in der Hand, neugierig riss er es auf und vergaß vor lauter Eile das Fenster zu schließen, was Frau Eule schmunzeln ließ.

Denn so konnte sie hören und Eulen hören sehr gut und vor allem sehen, wie es weiter ging.

Der Graf zog das Ahornblatt heraus und bemerkte nicht den kleinen Zettel, der zu Boden fiel.

Das kleine Blümlein das dabei lag, legte, er vorsichtig auf das Kopfkissen . Erinnern ihn doch Gänseblümchen an seine Mutter, die liebte diese kleinen Frühlingsboten.

Nun öffnete er das Ahornblatt und was musste er da sehen und er traute seinen Augen kaum, glaubte, dass er träumte und gleich wach wurde und alles gar nicht wahr war, was er jetzt mit eigenen, Augen zu sehen glaubte.

Vorsichtig als würde er Angst haben die Ringlein zu zerbrechen, nahm er sie in seine Hand und betrachtete sie liebevoll.

Seine Augen wurden feucht, dabei sagte man doch, dass er gar keine 

Gefühle mehr hatte. 

Es waren die gestohlenen Kinderringe, denen er so nachgetrauert 

hatte. 

Freundschaftsringe für eine Liebe, die es nicht geben durfte, 

weil sie nur die Tochter eines Tagelöhners war und seine 

Eltern, besonders sein Vater, jeden Kontakt verboten hatten. 

So hatte er all die Jahre die Ringe wohl verwahrt, eine Art 

Andenken und dann war eingebrochen und unterAnderem 

diese unersetzlichen Liebesbeweise gestohlen worden und nun 

waren sie auf einmal wieder da.

Ein leichter Windstoß ließ den Vorhang erzittern und das noch offene Fenster leicht knarren. Da stand er schnell auf und schloss das Fenster, zog die Vorhänge vor und ging zurück zum Bett.

Schlafen konnte er nun eh nicht mehr. Dann bemerke er den Zettel, der zu Boden gefallen war, hob ihn auf, entfaltete ihn und las was da geschrieben stand.

 

Sehr geehrter Herr Graf,

beim Müllsammeln am Waldesrand hab ich die Ringlein gefunden. Der Jäger hatte mir bei einem Besuch vor langer Zeit davon erzählt, dass bei Ihnen eingebrochen wurde und auch zwei kleine Ringe zum Diebesgut gehörten.“

Weiter wollte er gar nicht mehr lesen.

Was wollte die Alte von ihm, dass sie umsonst sein Holz haben konnte als Dankeschön und warum rückte sie die Ringe erst jetzt raus? Die Freude ob der Ringe wurde vom Geiz überlagert, so dass er nicht mehr klar denken konnte und dass er einen Finderlohn ausgesetzt hatte, daran dachte er vor Wut auch nicht mehr. Immer wollen alle was umsonst von ihm haben. Die Hütte war ihm schon lange ein Dorn im Auge gewesen, diese alte hässliche Kiste, die musste weg und nun hatte er einen Grund, dies zu tun.

Ganz ermattet hatte ihn die Wut und nun legte er die Ringe in ein kleines Kästchen, das mit dunkelblauem Samt ausgeschlagen war und er selber stieg zurück ins Bett.

Schlafen würde er sicher nicht mehr können, aber überlegen, was 

er mit dem frei gewordenen Grund anstellen könnte 

eine Ausflugsgaststätte hin bauen lassen, genau so kam Geld rein. 

 


Er fiel in einen unruhigen Schlaf und auf einmal erschien ihm seine erste Liebe, hob mahnend den Finger und sprach mit feiner, ganz zarter Stimme :

Valentin, wie kannst du nur, dankst du so dem Menschen, der dir eine Freude bereitet hat. Bist du auch so hartherzig wie dein Vater geworden, dann ist es gut, dass aus uns nichts werden konnte.

Sagt man doch: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“

Dicke Tränen liefen dem Mädchen über die Wagen und ihr Bild löste sich auf, wie Nebel in der Sonne.

Da erwachte er und fuhr in die Höhe, sein Gesicht war feucht, waren es seine eigenen Tränen, hatte er etwa geweint?

Kann gar nicht sein, wann hatte er das letzte Mal geweint.Er erinnerte sich nicht mehr daran und was soll die Rührseligkeit.

Er würde nochmals alles überdenken und dann entscheiden, ob die Alte wohnen bleiben konnte oder ...

Aber da fiel ihm plötzlich ein, dass er ja einen Finderlohn versprochen hatte und was man verspricht, das muss man halten.

 

Morgen geht es weiter