Montag, 17. Januar 2022

Nur ein Lächeln


Vor einiger Zeit schickte mir eine ganz liebe Freundin ein Buch mit dem Titel „Ich schenke dir ein Lächeln“.
Und dieses Geschenk zauberte mir sofort ein Lächeln
ins Gesicht und machte mich froh und der Tag erschien mir plötzlich schöner.
Wie oft stehen wir am frühen Morgen auf, mit den Gedanken schon beim Tagesablauf und während der Kaffee durch die Maschine läuft sind unsere Gedanken schon einige Stunden weiter.
Sollten wir uns nicht auf den Moment besinnen, den erwachenden Tag mit einem Lächeln begrüßen, die erste Tasse Kaffee bewusst genießen und dann mit dem Gefühl: „ich schaffe alles“ sich erst dem Tag und seinen Problemen stellen.
Probiert es mal aus und schenkt gleich am Morgen, wenn ihr aufsteht eurem Spiegelbild ein Lächeln.




Wie ansteckend ein Lächeln sein kann, habe ich als junges Mädchen mal erlebt.
Ich musste eine ziemlich weite Strecke vom Bahnhof in München zu meinem Arbeitsplatz laufen.
Meistens begegnete ich um diese frühe Uhrzeit nur Menschen die mit mürrischen Gesichtern an mir vorbei liefen.
Eines morgens aber sah ich ringsum nur freundlich lächelnde Gesichter.
Ich war damals frisch verliebt und ging wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Straßen.
Und dieses glücklich verliebte Lächeln spiegelt sich in den Gesichtern aller die mir begegneten.
Ein Lächeln kann ein Echo erzeugen.
Nun wünsche ich euch, dass ihr diese Woche mit einem Lächeln beginnt und alles wird leichter, ihr werdet sehen.




Samstag, 15. Januar 2022

Prinzessin Wildfang

Mein Mann und ich haben spät geheiratet, ich war 30 und mein Mann 38. 
Zwei eigenständige Menschen, die auch schon ihre Macken hatten.
Trotzdem waren wir mehr als dreißig Jahren glücklich, denn keiner wollte den anderen ändern und akzeptierten uns so wie wir waren.
Sind es nicht die kleinen Fehler, die einen Menschen erst liebenswert machen? 


In meiner Geschichte geht es auch um dieses Thema und damit wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
Viel Spaß beim Lesen!







Prinzessin Wildfang


Eine schwarz gekleidete ältere Dame lief in raschen Schritten durch den Garten. Sie blieb vor einem Rosenbusch stehen unter dem der Teil eines weißen bauschigen Rockes und kleine feine Schuhe hervorlugten.
Nun bewegte sich das Ganze und schob sich rückwärts.
Zwei stark durch die Dornen beschädigte Ärmel wurden sichtbar, rote wallende Locken und schließlich eine Hand, die ein kleines verängstigtes Kätzchen hielt.
Die Hofdame stemmte beide Hände in die Hüften und runzelte die Stirn.
Prinzessin Beatrix, wie seht ihr wieder aus!“
Oh!“ Erschrocken sah das Mädchen an sich herunter und wurde rot.
Der Hund von Prinz Adalbert hat Ginger unter den Rosenbusch gejagt und sie wagte sich nicht mehr heraus.“
Hättet ihr denn nicht einen Diener beauftragen können?“
Die haben doch alle keine Zeit, wegen dem Festbankett heute Abend!“
Eine Schar junger Leute kam in den Park.
Die jungen Damen fingen an zu kichern und die jungen Herren feixten.
Einer dieser Herren hielt sein Monokel an das Auge und näselte: „Ach Prinzessin Leonore ist dieses Lumpenkind etwa eure Schwester, die man Prinzessin Wildfang nennt.“
Alle fingen schallend zu lachen an.
Beatrix aber drehte sich um und lief mit Tränen in den Augen davon.




Sie verließ den Schlossgarten und lief hinaus auf die freie Ebene zu einem großen Weidenbaum.
Hierher flüchtete sie immer wenn sie Kummer hatte.
Wütend ließ sie sich sich ins Gras fallen.
Warum weinst du?“
Beatrix sah auf und erblickte eine ältere Dame.
Sie war bekleidet mit einem bunten Rock, einer ebenso bunten Bluse, derben braunen Schuhen und drückte eine riesengroße Tasche an sich. Eine runde kleine Brille saß auf ihrer Nase.
Beatrix sah sie finster an und meinte trotzig:
Ich weine ja gar nicht!“
Die alte Dame setzte sich neben sie und sah hinauf in den wolkenlosen Himmel.
Dann haben dich wohl ein paar Regentropfen gestreift.“
Nun musste das Mädchen kichern.
Ich habe geweint, weil ich wütend und traurig bin,“ gestand sie.
Nun es schadet nicht ab zu mal zu weinen. Tränen reinigen die Augen und spülen Zorn und Kummer von der Seele. Du solltest dich also nicht schämen, wenn du mal weinst.“
Beatrix lächelte.
Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, ich bin Prinzessin Beatrix, auch Prinzessin Tolpatsch oder Prinzessin Wildfang genannt.“
Wütend begann sie das Gras neben sich auszureißen.
Nun was haben dir die armen Pflanzen denn getan, dass du sie so behandelst?“
Verlegen ließ das Mädchen ihre Hand sinken.
Die alte Frau aber hob einen Finger und die Wiese sah aus wie vorher.
Oh“
Ja ich bin eine Fee, wusstest du das nicht.
Die Prinzessin schüttelte den Kopf.
Ich dachte immer...“ Verlegen verstummte sie.
Du dachtest Feen seien schön und ewig jung. Meist stimmt das auch, die Blumenfeen und Sternenfeen sind es jedenfalls. Aber ich bin eine, naja Fee für alle Fälle.
Du musst nicht denken, dass ich in meiner Jugend nicht auch schön war, aber immerhin bin ich jetzt 878...“, sie runzelte die Stirn, „ … oder sind es 879 Jahre, ach egal, nun erzähle mir aber deinen Kummer.“
Beatrix hob hilflos die Schultern.
Ich bin eine einzige Enttäuschung für meine Eltern und auch für meine Schwester. Immer wieder gerate ich in irgendeine Klemme, zerreiße oder beschmutze meine Kleider, falle hin, weil ich ich zu schnell laufe und außerdem bin ich entsetzlich hässlich!“
Paperlapap, du bist doch nicht hässlich, mein liebes Kind.“
Doch, seht doch meine Nase ist voller Sommersprossen und...“
Aber die sehen doch hübsch aus und passen zu deinem roten Haar“, unterbrach sie die Fee.
Ja meine Haare, Juliane, meine Zofe, gibt sich die größte Mühe, aber ich verliere immer wieder die Nadeln und dann sehe ich aus wie eben ein Wildfang.“
Die Fee betrachtete sie prüfend und ließ eine Strähne des wirklich schönen Haares durch ihre Finger gleiten.
Deine Haare sind wunderschön, aber viel zu dick, um sie mit Nadeln zu bändigen. Hast du es schon mal mit einem Haarnetz versucht? Ich müsste doch...“
Sie wühlte in ihrer riesigen Tasche.
Hier ist es ja!“
Sie reichte Beatrix ein goldenes mit Perlen besticktes Haarnetz.
Das ist ja wunderschön.“
Ganz leicht zu machen!“
Nicht für mich, das ist auch etwas was ich nicht kann, feine Handarbeiten.
Meine Stickereien sehen aus wie ein Schlachtfeld und wenn ich häkle, entsteht immer eine andere Form als es sollte. Ich bin eben keine Prinzessin.“
Papperlapap, wer sagt denn, dass eine Prinzessin unbedingt Handarbeiten muss. Du bist sehr wohl eine Prinzessin, du hast das mutige Herz einer Kriegerin, du achtest nicht auf deine Kleidung, wenn es gilt ein verletztes oder in Not geratenes Tier zu retten, auch scheust du dich nicht in die ärmsten Hütten zu gehen, um den Leuten Essen aus der Schlossküche zu bringen. Du wirst mal eine gute Königin werden. Darf ich dein Haar richten?“
Beatrix nickte und presste die Augen zusammen, um auf die Schmerzen vorbereitet zu sein.
Die Fee aber holte aus den unendlichen Tiefen ihrer Tasche einen großen Kamm hervor und fuhr nun durch das lange dichte Haar.
Das ziept ja gar nicht!“ rief die Prinzessin erstaunt.
Nein, das liegt wohl an dem Kamm. Ich nenne ihn, der Kamm, der nicht ziept. Du kannst ihn gerne behalten.“
Danke!“
Gerne geschehen, verrätst du mir, warum so viele Prinzen aus alle Welt zu euch kommen. Seit einer Woche ist ein ständiges Kommen und Gehen im Schloss.“
Mein Vater hat sie eingeladen, um mich und meine Schwester Leonora zu verheiraten. Dabei hat mich bisher keiner der Prinzen auch nur eines Blickes gewürdigt, höchstens um sich über mich lustig zu machen.“
Gefällt dir denn einer der Prinzen.“
Nein! Einige sind ja ganz nett, aber die haben nur Augen für meine Schwester. Aber manche Prinzen sind schon sehr seltsam. Zum Beispiel Prinz Wohlgemut!“
Ein eigenartiger Name!“
Beatrix kicherte.
Eigentlich heißt er Prinz Leopold, aber er fläzt den ganzen Tag nur auf dem Sofa herum und formt Verse auf die
Schönheit meiner Schwester. Und jeder Vers endet mit dem Wort wohlgemut.“
Da klingt, äää, etwas seltsam.“ kicherte die Fee.
Beatrix grinste.
Dann gibt es noch Prinz Pfau!“
Ich vermute, das ist auch nicht sein richtiger Name?“
Nein, er heißt Prinz Alfonso, aber wenn er durch das Schloss oder über den Hof stolziert dann begleitet ihn immer ein Diener, der einen Spiegel trägt, damit der Prinz sich jederzeit bewundern kann.“
Was für ein Prinz würde dir denn gefallen?“
Es wäre mir egal wie er aussehe, er müsst nur mutig sein, ein gutes mitleidiges Herz für Tiere und Menschen haben und vor allem mich so akzeptieren wie ich bin.“
Das sind ja bescheidene Wünsche, muss er reich sein?“
Das ist unwichtig!“
Gut, ich bin fertig, willst du es sehen?“
Sie kramte einen Spiegel aus ihrer Tasche.
Das ist ja wunderschön!“ jubelte die Prinzessin.
Und vor allem hält es, selbst wenn du mal wieder auf einen Baum steigst, um einen verletzten Vogel zu retten.
Oh, da kommt ein Reiter, ich werde wohl besser gehen!“
Der Reiter kam näher und sprang vom Pferd, einen Moment betrachtete er das junge Mädchen, dann grinste er.
Habt ihr mit einem Drachen gekämpft!“
Einen Moment stutzte Beatrix, dann fiel ihr der zerrissene Ärmel ein und sie musste lachen.
Nein mit einem Dornenbusch, eine kleine Katze hat sich darin verirrt und wagte sich nicht mehr heraus.“
Der junge Mann lächelte.
Ich habe mich auch verirrt und wollte zum Schloss. Darf ich mich vorstellen: Prinz Niklas von Armenia!“
Ihr wollt sicher auch Prinzessin Leonora heiraten.“
Beatrix war etwas enttäuscht, denn der Prinz gefiel ihr.
Nein, ich komme wegen Prinzessin Beatrix!“
Den Wildfang, niemand will sie heiraten, sie steckt ständig in irgend welchen Klemmen und immer sind ihre Kleider schmutzig oder zerrissen.“
Gerade deshalb finde ich sie so interessant und denke, dass sie genau die richtige Frau für mich ist.“
Er wirft einen schmunzelnden Blick auf die zerrissenen Ärmel.
Ihr habt mich erkannt?“
Ja an den Ärmeln und dem wunderschönen roten Haar.“
Aber weshalb wollt ihr denn gerade mich, niemand will mich,“ stammelt Beatrix verlegen.
Weil ihr beherzt und tapfer seid, weil ihr ein großes mitfühlendes Herz habt und euch für Menschen und Tiere einsetzt, obwohl ihr euch damit ständig Ärger einhandelt.
Außerdem seid ihr von einer ganz besonderen Schönheit, denn sie ist nicht nur äußerlich.“
Als Beatrix ihn nur fassungslos anschaute, lächelte er wieder und dieses Lächeln schlich sich in das Herz der Prinzessin.
Der Prinz aber ließ seinen Blick versonnen in die Ferne schweifen.
Armenia ist ein sehr armes Land. Wir haben keine Bodenschätze und leben von der Landwirtschaft und sind sehr vom Wetter abhängig. Es hat schon Winter gegeben, da wäre mein Volk fast verhungert.
Ich bin einige Jahre durch die Welt gereist, um eine Lösung zu finden, habe bei einem Schafbauer gearbeitet und von der Schafschur bis zum Weben der Wolle alles gelernt.
Auch hat mir ein Freund von einer Raupe erzählt, aus der man Seide gewinnen kann.
All diese Neuerungen möchte ich in meinem Land einführen aber der Weg wird hart und steinig sein und dazu brauche ich eine Frau an meiner Seite mit dem Herzen einer Löwin, so wie ihr Prinzessin Beatrix, wollt ihr diese Frau sein?“
Diese hatte dem Prinzen staunend zugehört, das wäre eine wundervolle Aufgabe und außerdem der Prinz gefiel ihr sehr gut und seine Worte berührten ihr Herz.
So nickte sie nur und ihre Augen trafen sich und für einen Moment schien die Erde still zu stehen.
Hoheit, Hoheit!“
Man hat mich gefunden,“ bedauerte der Prinz.
Gewährt ihr mir heute Abend die Ehre des ersten Tanzes , Prinzessin Beatrix?“
Diese nickte mit einem strahlendem Lächeln und Prinz Niklas schwang sich übermütig lachend auf das Pferd, hob grüßend die Hand und galoppierte davon.
Er gefällt dir?“
Wie aus dem Nichts war die Fee wieder aufgetaucht.
Das junge Mädchen nickte noch immer etwas benommen.
Das ist gut, denn Prinz Niklas ist ein besonderer junger Mann und er passt zu dir, aber nun beeile dich, die Sonne geht bald unter. Du willst dich doch sicher noch schön machen für den Ball. Nanu, ich sehe noch einen Schatten in deinen Augen, was bedrückt dich?“
Ich habe ihm den ersten Tanz versprochen, aber ich kann doch gar nicht tanzen, immer stolpere ich oder trete meinen Tanzpartnern auf die Füße.“
Papperlapap , sicher kannst du tanzen, du hattest bisher nur die falschen Schuhe, warte mal.“
Wieder wühlte sie in ihrer Tasche und zog mit einem triumphierenden Lächeln ein paar goldene Slipper hervor.
Sie drückte die Schuhe dem Mädchen in die Hand.
Nun aber lauf!“
Beatrix lief los, drehte sich aber dann wieder um und kam zurück.
Stürmisch umarmte sie die Fee und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
Kopfschüttelnd sah diese ihr nach.
Albernes Ding!“
Aber dann lächelte sie und murmelte:
Sie wird sehr glücklich werden.“
(c) meine Tochter

Beatrix aber erreicht atemlos ihr Zimmer.
Während sie im Badezuber saß und Ihre Zofe Juliane ihr mit dem Kamm, der nicht ziept, die Haare kämmte, erzählte sie ihre Erlebnisse.
Unter viel Gelächter suchten die beiden Mädchen dann das schönste Kleid aus.
Und als die Prinzessin dann wenig später den Ballsaal betrat, da waren alle Augen auf sie gerichtet, denn so schön hatte man Prinzessin Wildfang noch nie gesehen.
Prinz Niklas aber eilte ihr mit leuchtenden Augen entgegen und da gerade die Musik einsetzte führte er sie zum Tanz auf das Parkett.
Der König aber sah staunend den Tanzenden zu.
Ist das unsere Tochter, der Wildfang? Ein Wunder, sie sieht ja wunderschön aus und stolpert nicht und ist bisher kein einziges Mal ihrem Partner auf die Füße getreten?“
Kein Wunder! Das ist die Liebe,“ meinte die Königin mit einem feinem Lächeln.
Prinz Niklas? Aber er ist der ärmste der Freier.“
Du willst ihnen doch keinen Ärger bereiten?“
Nein, nein,nicht nachdem er dieses Wunder vollbracht hat und unseren Wildfang glücklich macht. Im Gegenteil, ich werde ihre Mitgift verdoppeln, das wird ihnen den Start etwas erleichtern.“
Sein Blick fiel hinüber zu Leonora, die inmitten ihrer Bewunderer stand und sich nicht entscheiden konnte, welchen von ihnen sie die Gunst eines Tanzes gewähren sollte.
Es würde mich nicht wundern, wenn unser Wildfang noch vor ihrer Schwester verheiratet wäre.“
Und so war es auch.
Es wurde eine wunderschöne Hochzeit und alle freuten sich und dem Brautpaar strahlte die Liebe und das Glück aus den Augen.
Was besonders die beiden Mütter des jungen Paares immer wieder zum Taschentuch greifen ließ.
Nach dem Fest aber gingen alle in den Schlosshof, wo bereits die hoch beladene Kutsche wartete, die Beatrix und und ihren Gemahl in ihre Heimat bringen sollte.
Die Zofe Juliane und der Kammerdiener des Prinzen saßen bereits wartend in dem Gefährt.
Prinz Niklas aber kam auf den Hof und führte zwei Pferde am Zügel.
In dem Moment rannte Beatrix aus dem Schloss in einem einfachen Reitdress und einem loses Band in den Haaren.
Stürmisch umarmte sie ihren Vater, ihre Mutter und ihre Schwester und lief dann zu ihrem Mann, der ihr auf das Pferd half.
Er war noch nicht auf seinem Pferd, da galoppierte Beatrix mit einem Jubelruf schon los.
Das Band flatterte zu Boden und die reiche Fülle ihres Haares breitete sich wild über ihrem Rücken aus.
Die Kutsche setzte sich in Bewegung und folgte in gemächlichen Tempo.
Der König aber sah kopfschüttelnd den wilden Reitern nach.
Sie wird wohl immer ein Wildfang bleiben.“
Lächelnd hakte sich die Königin bei ihm unter, als sie ins Schloss gingen.
Sicher, aber sie hat einen Mann gefunden, der dies akzeptiert.“

© Lore Platz




Mittwoch, 12. Januar 2022

Hilfe bringt die Feuerwehr - Erinnerungsgeschichte

Als ich unlängst in meiner Fotokiste kramte, fiel mir ein Bild von einer Gruppe Schäffler aus dem Jahre 1949, übrigens meinem Geburtsjahr, in die Hände.
Ob mein Vater deshalb diese Gruppe aufgenommen hat?
Der Legende nach wurde der erste Tanz der Schäffler in München im Jahre 1517 während einer Pestepidemie aufgeführt, als sich die Menschen nicht mehr auf die Straße wagten.
Doch erstmals nachgewiesen ist der Schäfflertanz im Jahre 1702.
Die Legende dürfte im 19. Jahrhundert entstanden sein.
Denn ob 1517 in München wirklich eine Pestepidemie war, kann nicht nachgewiesen werden.
In den Sterberegistern dieser Zeit standen keine auffälligen Todesraten.
Die Tanzfiguren der Schäffler bestehen neben den Tänzern, aus dem Vortänzer, dem Fass -Schlager
( Sie schlagen mit dem Hammer auf die Fässer) und den Reifenschwinger, die einen Holzreifen in dem auf einer kleiner Vertiefung ein volles Weinglas (oder Schnapsglas) steht schwingen, ohne einen Tropfen zu verschütten.
Vergessen darf man auch natürlich den Kasperl nicht, der mit Gstanzl (gesungene Reime) die Leute derblekkt (verspottet)

Das Dreimädelhaus
Einmal war sogar meine große Schwester Karin Ziel ihres gutmütigen Spottes.
Meine Schwester arbeitete im Sommer nebenbei in einem Biergarten als Kellnerin.
Eines nachts, nachdem sie noch abgerechnet hatte setzte sie sich ins Auto und fuhr die etwa 15 Kilometer nach Hause.
Ich kann mich noch erinnern, es war eine hellblauer Opel mit weißem Dach und gehörte meinem Vater.
Zu Hause angekommen stellte meine Schwester fest, dass sie die Schlüssel liegen gelassen hatte.
Wie nun ins Haus kommen, ohne alle rebellisch zu machen.
Sie sammelte einige Kieselsteine und bombardierte mein Fenster.

 
 Aber ich schlief natürlich so tief wie ein Bär im Winter und hörte nichts.
Es war zwar Sommer, aber im Auto schlafen wollte meine Schwester nun doch nicht, auch zurückfahren hatte keinen Sinn.
Denn auch in dem Gasthof würden alle jetzt friedlich schlafen.
Sie schaute sich um, als ein herzhaftes Lachen hinter ihr ertönte.
Über den Dorfplatz kamen zwei Floriansjünger geschlendert, die ihre Bemühungen schon eine Zeitlang feixend beobachtet hatten.
Karin schilderte kurz ihre blöde Situation.
Dann wollte sie wissen, was die beiden zu so später Stunde noch hier machten.
Die beiden jungen Männer deuteten hinüber zum Sparkassenplatz wo ein wunderschöner Altar aufgebaut worden war und drei weitere Floriansjünger eifrig winkten.
Morgen war nämlich Primiz und die jungen Burschen mussten den Altar bewachen.
Karin schlenderte mit ihnen hinüber und mit großem Hallo wurden sie begrüßt.
Für die Feuerwehrmänner war dies eine willkommene Abwechslung in der langweiligen Nachtwache.
Karin wurde eine Leberkässemmel in die Hand gedrückt und auch aus der kreisenden Bierflasche durfte sie einen Schluck nehmen.
Als die Kirchturmuhr aber dreimal schlug, bekam meine Schwester doch einen Schrecken.
Nun wurde beratschlagt, wie man dem Mädchen helfen konnte und dann kam einer auf die glorreiche Idee das Feuerwehrauto zu holen und Karin sollte dann über die ausgefahrene Leiter in das offen stehende Wohnzimmerfenster im ersten Stock klettern.
Vergnügt machten sich alle auf den Weg zum Spritzenhaus.
Für die Jungs war das eine Riesengaudi.



Unter viel Gelächter wird das große rote Feuerwehrauto geholt und vor unserer Wohnung dann die Leiter ausgefahren.
Unter den leisen anfeuernden Rufen der jungen Männer kletterte Karin hinauf.
Bevor sie im Zimmer verschwand warf sie ihren freundlichen Kavalieren noch eine Kusshand zu.
Beim nächsten Schäfflertanz wurde diese Geschichte dann als Gstanzl gesungen.
Und erst da haben meine Eltern alles erfahren.
Übrigens sind die Schäffler auch auf dem Rathaus von München zu sehen.






Montag, 10. Januar 2022

Als Opa die Oma freite








Als Opa die Oma freite

 
Der alte Mann sitzt auf der Bank vor dem Haus und reibt sich über sein schmerzendes Bein.
Seit seinem vor einigen Jahren taten ihm die Knochen weh und besonders vor jedem Wetterumschwung.
Er wirft einen nachdenklichen Blick auf den strahlend blauen Himmel.
Eigentlich sah es gar nicht nach Regen aus, doch sein Bein irrte sich nie.
Sein kleiner Enkel Tim stapft über die Wiese auf ihn zu, bleibt mit den Händen in den Hosentaschen vor ihm stehen und betrachtet ihn ernsthaft.
Dann stürzt er plötzlich nach vorne, umklammert das Knie des alten Mannes und presst sein Ohr ganz fest auf dessen Oberschenkel.
 

Enttäuscht richtet er sich wieder auf und meint:
Sie reden ja gar nicht!“
Wer soll denn reden?“
Deine Knochen! Papa hat gerade zu Mama gesagt, sie braucht die Wäsche gar nicht aufzuhängen, denn es wird sowieso bald regnen, denn deine Knochen hätten dir das erzählt.“
Der alte Mann lacht herzlich und hebt den kleinen Dreikäsehoch auf den Schoß.
Tim meine Knochen können nicht sprechen, sie tun nur sehr weh und besonders wenn das Wetter sich ändert.“
Der Junge überlegt einen Moment, dann nickt er.
Oma hat gerade Kekse gebacken, aber sie haben mich weg geschickt,“ meint er dann übergangslos.
Warum denn das?“
Ach Frau Baumann von gegenüber ist mit ihrer Tochter gekommen und nun heulen die Beiden. Glaubst du, dass sie alle Kekse aufessen.“
Aber nein, die Oma hebt dir bestimmt welche auf.“
Willst du wissen warum die Frau Baumann und Rosemarie geweint haben?“
Der Opa sieht den Jungen streng an.
Hast du wieder gelauscht?“
Tim wird ein wenig rot und murmelt:
Nur ein kleines bisschen. Die Rosemarie bekommt ein Baby!“
Der alte Mann runzelt die Stirn.
Das Nachbarmädchen war erst sechzehn und ging noch auf die Schule.
0pa? Man bekommt doch erst ein Baby, wenn man geheiratet hat, aber Rosemarie hat doch gar keinen Mann.“
Der Opa hustet, dann blickt er in das Gesicht des kleinen Jungen, das vertrauensvoll zu ihm aufschaut.
Ich habe dir doch erzählt, dass oben im Himmel in einem großen Saal viele, viele Seelen wohnen. Und diese Seelen warten darauf, dass sie endlich auf die Erde dürfen und wenn nun eine Seele sich seine Eltern ausgesucht hat, dann wird das Tor geöffnet, damit sie zu seinen neuen Eltern fliegen kann.
Manche Seelen aber sind viel zu ungeduldig und schlüpfen mit hinaus, ohne zu warten bis ihre Eltern verheiratet sind.“
Nicht wahr, ich war eine geduldige Seele und habe gewartet.“
Tim strahlt seinen Großvater an.
Dieser schmunzelt und fragt dann, um den Jungen abzulenken.
Soll ich dir eine Geschichte erzählen?“
Ja, aber eine echte!“
Was ist denn eine echte Geschichte?“
Kein Märchen oder eine erfundene Geschichte, sondern eine Geschichte, die du selbst erlebt hast.“
Dann will ich dir erzählen, wie ich deine Oma kennen gelernt habe.“
Der kleine Junge kuschelt sich an den Großvater und dieser beginnt zu erzählen:

                                                       Regina Meier zu Verl

"Als ich noch Student war habe ich in den Semesterferien mit meinen Freunden Richard und Bernhard eine mehrtägige Radtour durch unsere schöne Heimat gemacht.
Wenn es regnete haben wir in einer Jugendherberge und bei schönem Wetter im Freien übernachtet.
Eines Abends, es war schon dunkel, schoben wir unsere Räder durch ein kleines Waldstück.
Ein Bauer hatte uns erklärt, dass dahinter ein schöner See sei, an dem wir übernachten konnten.
Als wir die Lichtung erreichten sahen wir das Wasser vor uns liegen und der Mond spiegelt sich darin und tauchte alles in ein gespenstisches Licht.
Aus dem Wasser stieg eine Nixe und schüttelte ihr langes nasses Haar, so jedenfalls kam sie mir vor.
Sie griff nach einem Handtuch und ich erwachte aus meiner Verzauberung.
Bernhard und Richard waren schon weitergegangen und ich hörte sie reden und lachen.
Da erst bemerkte ich den bunt angemalten Bus und die zwei Zelte und das hell lodernde Lagerfeuer.
Vier Jungen und drei Mädchen saßen daran und auch meine Freunde hatten sich dazu gesellt.
Ich trat zu ihnen und nun stellten sie sich alle vor. Sie waren mir sofort alle sympatisch.
Genau wie wir waren sie Studenten, die in den Ferien mit dem Bus durch die Gegend fuhren und mal hier und mal da hielten.
Aus dem Zelt trat meine schöne Nixe. Sie trug nun ein Kleid und ihre Haare waren noch feucht.
Als sie mir als Marianne vorgestellt wurde, stammelte ich nur dummes Zeug und schämte mich dafür.
Ich war doch sonst nicht auf den Mund gefallen.
Sie aber lächelte mich liebreizend an und setzte sich dann neben einen großen dunkelhaarigen Jungen.
Traurig dachte ich, dass sie schon vergeben sei und wie jubelte mein Herz, als ich nach einiger Zeit mitbekam, dass es ihr Bruder war.
Den ganzen Abend konnte ich kaum den Blick von ihr wenden und wenn sie lachte, hüpfte mein Herz vor Freude.
Sie hatte ein so fröhliches herzliches Lachen.
Wir feierten bis spät in die Nacht mit unseren neuen Freunden, sangen zur Gitarre, brieten uns Würste, die wir an einem langen Stecken ins Feuer hielten und ließen die Rotweinflasche kreisen.
Kein Wunder, dass ich tief, fest und lange schlief.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, waren die Zelte abgebaut und der Bus verschwunden.
Aufgeregt weckte ich meine leise schnarchenden Freunde.
Sie sind weg, wo sind sie hin!“
Wer, was, brüll` doch nicht so!“ Richard rieb sich verschlafen die Augen und auch Bernhard streckte seinen Kopf aus dem Schlafsack.
Unsere neuen Freunde!“ schrie ich panisch.
Die haben doch gestern Abend gesagt, dass sie heute ganz früh bereits wieder losfahren. Aber das hast du ja nicht mitbekommen, warst viel zu beschäftigt die schöne Marianne anzuhimmeln.“
Ich wurde etwas rot und rollte meinen Schlafsack zusammen.
Was war ich doch selten dämlich, hatte mich in ein Mädchen verliebt von dem ich nur den Vornamen kannte.“

Tim hebt den Kopf: „Aber du hast sie dann wiedergefunden, sonst wäre sie ja nicht meine Oma geworden.“
Der alte Mann nickte und streicht dem Jungen über die Haare.

Ja, aber fast zwei Jahre später und das nur durch einen Zufall.
Wir steckten mitten im Examen und um uns etwas abzulenken, beschlossen wir die neue Eisbahn auszuprobieren.
Richard hatte sich inzwischen ein Auto angeschafft und wir drei quetschten uns in das kleine Fahrzeug und fuhren in die 15 Kilometer entfernte Stadt.
Ich war noch nie auf der Eisbahn gewesen und staunte.
In den vier Ecken standen große Strahler und beleuchteten die vielen Menschen die sich auf dem Eis tummelten und nach der Musik aus den Lautsprechern mehr oder weniger elegant tanzten.
Der Duft nach Bratwürsten und Glühwein erfüllte die Luft.
Wir setzten uns an den Rand, um unsere Schlittschuhe zu binden.
Ich fädelte gerade die Schnur durch die Öse, da hörte ich ein fröhliches herzliches Lachen.
Es traf mich wie ein elektrischer Schlag.
Dieses Lachen kannte ich, Marianne!
Fieberhaft ließ ich meinen Blick über die Schlittschuhläufer gleiten und dann entdeckte ich sie.
Eine kecke rote Strickmütze auf den goldblonden Locken tanzte sie übermütig mit einem kleinen Mädchen.
Ihre kleine Schwester wie ich später erfuhr.
Ich sprang auf und sauste los.
Meine Freunde riefen mir nach, denn sie wollten mich auf meine nachschleifenden Schnürsenkel aufmerksam machen.
In der Eile hatte ich vergessen meine Schlittschuhe fertig zu binden.
Aber ich hörte sie nicht.
Meinen Gedanken waren nur bei dem Mädchen, dass ich
nie vergessen konnte.
In Windeseile sauste ich über das Eis auf Marianne zu.
Da ging ein Ruck durch meinen Körper.
Die losen Bänder hatten sich in den Kufen verfangen.
Ich hob beide Arme, um die Balance zu halten und fiel auf meinen Allerwertesten.
Durch die Schnelligkeit schlitterte ich noch einige Meter auf dem Eis dahin, direkt auf das erschrockene Mädchen zu.
Da lag ich nun, mit schmerzende Po und rot wie eine Tomate vor Verlegenheit.
Marianne war erschrocken zur Seite gesprungen und sah mich nun an.
Sie erkannte mich, wurde etwas rot, strahlte mich an und begann herzlich zu Lachen.
Seit diesem Moment habe ich meine Marianne nicht mehr aus den Augen verloren und nun sind wir mehr als vierzig Jahre verheiratet.“
Tim grinst:
Das war eine schöne echte Geschichte und Oma Marianne lacht immer noch so schön, dass man einfach mitlachen muss.“
Das stimmt mein Junge, aber sieh mal nach oben. Meine Knochen haben sich nicht geirrt. Es wird bald regnen.“
Tim kichert, denn ein dicker Regentropfen platscht auf seine Nase.
Hand in Hand laufen sie auf das Haus zu und erreichen es gerade noch bevor der Regen niederprasselt.


© Lore Platz


Anmerkung:
Solche sprechenden Knochen habe ich auch und am lautesten protestieren sie, wenn das Wetter umschlägt.
Das ist wohl ein Privileg des Alters, auf das ich aber gerne verzichten würde.




 


Freitag, 7. Januar 2022

Zwischen den Zeiten

Ich hoffe ihr seid alle gut in das neue Jahr gekommen, ich bin hinein geschlafen.

Den bayrischen Dialekt habe ich verfeinert, damit ihr ihn auch versteht. (zwinkern)
Viel Spaß beim Lesen!








Zwischen den Zeiten



Draußen tobt der Sturm und wütend treibt er die Schneeflocken vor sich her.
Die frostigen Gesellen treiben es heute besonders arg und die alte Frau mit der Kraxen auf dem Rücken kommt nur mühsam voran. Das Tuch tief in die Stirn gezogen kämpft sie sich durch die wild wirbelnden Flocken, die ihr die Sicht nehmen.
Vor sich sieht sie ein Licht aufblinken, das muss der Sternerhof sein.
Aufatmend überquert sie den Hof und drückt die Tür auf und betritt die warme Bauernstube.
Sie schüttelt sich den Schnee ab und blickt sich um.
Guten Abend zusammen.“
Ein junges Mädchen kommt ihr entgegen und hilft ihr die Kraxe vom Rücken zu heben.
Dank dir Veverl, das ist ein vielleicht ein Wetter.“
Komm setz dich an den Ofen, ich bring dir einen Tee.“
Während das Mädchen in die Küche eilt, schlurft die Alte zum Kachelofen und lässt sich schwer atmend neben der Magd nieder.
Sie reibt sich die Hände und blickt auf das Strickzeug in der Hand der jungen Frau neben sich.
Was wird denn des Annamierl.“
A Schal für mei Mam, der Bauer hoat mir über Weihnachten frei gem. Und waos treibt di bei dem Wetter no aussi?“
Am Schneider seine Kinder ham Fiaber, hoab a paar Kräuter vorbei bracht und am Rückweg bin i vom Wetter überrascht worn.“
So Gretl, da hast du einen warmen Tee, hab dir a bisserl Honig rein dan.“
Dank der Veverl.“
Sie deutet mit dem Kinn auf den alten Mann, der in einer Ecke des Sofas saß, den Mund etwas geöffnet und leise schnarchte.
Der Sepp is aber ganz schee müad.“
Ja, der Arme,“ sagt Veverl mitleidig., „er hat wieder es Reißen, bei dem Wetter is es ganz bsonders schlimm. Vielleicht hast ja a paar Kräuter dabei, die ihm helfen können.“
Wo ist denn der Bauer?“
Annamierl lacht, „der ist mit dem Brandner Konrad und dem Roserl in der guten Stube.“
Sie zwinkert der alten Frau zu.
Die Tür wird aufgestoßen und ein junger Bursche kommt herein und bringt einen Schwall kalter Luft mit. Er zieht sich die Mütze vom Kopf.
Das Vieh ist versorgt.“
Gretl bemerkt wie Veverls Augen aufleuchten und eine leicht Röte ihr ins Gesicht steigt.
Ich bring dir ein heißen Tee, „ ruft sie und eilt hinaus.
Gretl schmunzelt und beugt sich zum Annnamierl.“
Wer ist das?“
Der neie Knecht, Anderl, stammt ausm bergischen.“
ich glaub das Veverl sieht ihn recht gern.“
Ja und er sie auch.Aber sie ham hoat beide nix.“ seufzt Annamierl traurig.
Moanst net, dass der Bauer ihr a Heiratsgut gibt, ist doch seine Nichte.“
Die Magd zuckt die Schulter.
Der aolde Bauer hat ja sei Tochter damals rausgschmissen, als den armen Lehrer gheirat hoat. Wenn er no leben dat, hät die Veverl hier nach dem Tod der Eltern koa Heimat gfunden.“
Die Tür wird aufgerissen und knallt gegen die Wand.
Die Tochter des Hauses stürmt ins Zimmer, mit wütend funkelnden Augen, die Hände zu Fäusten geballt.
Veverl, Veverl!“
Das kommt kommt erschrocken aus der Küche.
Bring mir an Schnaps.“
Ich werd dir lieber an Tee bringen.“
Roserl lässt sich auf den Stuhl fallen und knirscht mit den Zähnen.
Was hat die denn so aufgregt.“ Veverl schiebt ihr die Tasse hin.
Ausgelacht haoat a mi, der Hallodrie, richtig ausgelacht,“ schnaubt das Mädchen.
Wissen wollt er ob ich kochen kann, na hoabe gesagt, dafür hama schließlich die Mägde, dann wollt er wissen, ob i die Melkmaschine bedienen kann und bevor er auch no fragen könnt, ob i den Stall asumisten koa, hoabn angschnauzt; ich denk du suchst a Frau und koa Magd.Da hoat er schallend zum lacha aogfangt, der der ausgschamte Flegel.
Am liabsten hätte erm Pest an Hoas gwüntscht.“
Vorsicht mit dem Wünschen, bald kommen die Rauhnächte,“ warnt Gretl.
Roserl knallt die Tasse auf den Teller, springt auf und poltert die Treppe hinauf. Erst als die Tür zu ihrem Zimmer zuschlägt, prusten sie los.
Annamierl wischt sich die Tränen aus den Augen.
Da hoat oane ihrn Meister gfunden.“
Veverl wischt den verschüttetenTee auf und trägt die Tasse in die Küche. 





Als sie zurück kommt blickt sie fragend die Gretl an.
Was sind den die Rauhnächte, du weiß ich habe vor kurzem noch in der Stadt gelebt.“
Gretl sieht sie mit gerunzelter Stirn an.
Rauhnächte, das ist eine besondere und bedeutsame Zeit voller Magie und Wunder.“
Sie wirft einen ärgerlichen Blick auf den schlafenden Knecht.
Ich kann net weiterreden, wenn der do so schnarcht.“
Anderl gibt dem neben ihm sitzenden einen leichten Rempler.
Der alte Mann fährt hoch.
was, was ist los?“
Es schnarche sosst aufhern, de Gretl will uns was von de Rauhnächte erzähln und da müss ma mucksmäuschenstill sein.“
Ah, de Rauhnächt, a gefährliche Zeit, da gehen Geister um.“
Veverl, wennst Angst hoast, dann setz de zu mir,“ grinst der junge Knecht und klopft neben sich auf das Sofa.
Als endlich Stille eintritt, selbst die frostigen Gesellen rütteln nicht mehr an Fenster und Türen, als würden sie innehalten, um zu lauschen, fragt Gretl.
Ververl, du weißt aber schon was die Zwischenzeiten sind.“
Ja, die Sonnwende zwischen Winter und Frühling und auch die Dämmerung zwischen Morgen und Abend.“
Richtig und die Rauhnächte ist die längste Zwischenzeit, die zwölf Tage zwischen dem Jahreswechsel.
Die erste Rauhnacht ist die vom 24.12. auf den 25.12 und man behauptet in dieser Nacht können die Tiere sprechen.
Anderl lacht vergnügt. „Ich habs no nie ghört.“
Gretl wirft ihm einen strafenden Blick zu.
Die Nacht vom 31.12. auf den 1.1. hat eine besondere Wirkung auf die Wahrsagerei und daher kommt auch der Brauch vom Bleigießen.
Und die Nacht vom 5.1. auf den 6.1. ist besonders wichtig, um alles überflüssige und belastende aus der Vergangenheit zu vertreiben.
Deshalb wird auch am sechsten Januar die Weihnachtsdekoration und der Christbaum entsorgt.
Auch sollte man man diesem Tag die Fenster weit öffnen, um die bösen Geister hinaus zu lassen und die guten herein bitten.“
Gretl zwinkert dem jungen Mädchen zu.
Aber weißt du in den Rauhnächten werden auch Wünsche erfüllt. Man muss auf zwölf Zetteln jeweils einen Wunsch schreiben und den gefaltet in ein Kästchen legen jeden Tag zieht man einen Zettel und ohne ihn anzusehen, muss man ihn verbrennen.“
Aber wenn man keine zwölf Wünsche hat?“
Dann schreibst du eben einige Wünsche mehrmals auf. Wichtig ist, du musst jeden Tag einen Zettel verbrennen und darfst ihn vorher nicht anschauen. Sonst wirkst nicht.“
Die alte Frau steht auf. „Der Wind hat nachgelassen, denn werde ich mal gehen.“
Sitz de wieder hin, ich richte dir ein Zimmer her, bei dem kalten Wetter sollst doch nimmer raus gehen.“
Veverl eilt hinaus.

Die frostigen Gesellen haben sich zurück gezogen und das volle pausbäckige Gesicht des Mondes leuchtet am Himmel und taucht den Schnee in geisterhaftes Licht.
Im Haus ist es dunkel, alle schlafen.
Leise wird die Tür zu Veverls Zimmer geöffnet und eine Gestalt schlüpft herein, beugt sich über das schlafende Mädchen und rüttelt es an der Schulter.
Die Schlafende fährt erschrocken hoch.
Ich bins Roserl.“
Was willst du denn mitten in der Nacht?“
Ich brauche deine Hilfe, komm rutsch a bisserl, mi frierts an die Füß.“
Veverl rückt zur Seite und macht ihrer Kusine Platz.
Weißt,“ flüstertet diese, „am zweiten Weihnachtsfeiertag kommt der Konrad mit seinen Eltern und ich will dann das Essen kochen. Kannst du es mir bis dahin beibringen.“
Gerne, du wirst es schnell lernen, du warst nur bisher zu faul.“
Da hast wohl recht und in der Schul hat mirs kochen sogar gefallen.“
Siehst, die Grundkenntnisse hast du scho, den Rest bring ich dir bei.“
Aber bitte die andern dürfens net mitkriegn, di Lachen mi bloß aus.“
Des is ko Problem, Annamierl fahrt morgen sowieso zu ihre Eltern und die Mannsbilder, die gehen nur in die Küche, wenns was zum Essen gibt.“
Die Mädchen schweigen, dann fragt Veverl leise.
Hast ihn wohl sehr gern den Konrad.“
Ja, wenn er mi so oschaut mit seine frechen Augen, dann wirds mir ganz komisch im Bauch, wenn er bloß net so a Sturkopf wär.“
Bsonders weil du so ein sanftes Lamperl (Lämmchen) bist,“ lacht Veverl.
Die Mädchen kichern, Roserl umarmt ihr Kusine, flüstert leise „Danke“, schlüpft aus dem Bett und huscht aus dem Zimmer.

Veverl winkt Annamierl nach, die zu Anderl ins Auto steigt, der sie zum Bahnhof bringt, dann geht sie zu Roserl in die Küche, die sie schon erwartet.

Am Morgen des Heiligen Abends sitzt Veverl in ihrem Zimmer und schreibt auf zwölf vorbereitete Zettel ihr Wünsche, faltet sie sorgfältig zusammen und legt sie in das Kästchen in denen sie kleine Andenken an ihre Eltern aufbewahrt.

Sie betrachtet das Hochzeitsbild ihrer Eltern und es ist ihr als würden sie sie anlächeln und mit einem kleinem Hoffnungsschimmer im Herz eilt sie nach unten.
Anderl steht unten im Hausflur, den Rucksack auf dem Rücken, als hätte er auf sie gewartet.
Ich geh jetzt zu meiner Mutter, am 7. Januar komm ich wieder, wollt mich noch von dir verabschieden.
Wirst denn heut Nacht deinen ersten Wunsch verbrennen.“
Das Mädchen wird rot, „Woher weißt,“ stammelt es.
Ich habs mir gedacht, ich habe nämlich auch zwölf Zettel. Was hälts davon, wenn wir jede Nacht um zehn unsere Zettel verbrennen, vielleicht treffen sich dann unser Wünsche.“
Veverl nickt schüchtern.
Der junge Mann schaut sich um und beugt sich dann zu dem Mädchen.
Darf ich meinem Mutterl erzählen, dass ich a Madl gfunden hab, das ich liab hoab.“
Das Mädchen nickt und Anderl gibt ihr einen schnellen Kuss auf den Mund, stößt einen Juchzer aus und verlässt das Haus.

Das Essen am zweiten Weihnachtsfeiertag wird ein voller Erfolg. Konrad aber sieht Roserl mit aufleuchtendem Blick an, als er erfährt, dass sie ganz allein dieses gekocht hat.
An Neujahr ist Verlobung.

Anderl kommt 7. Januar und geht gleich zum Bauern.
Dieser ruft das Veverl und zu dritt gehen sie in die gute Stube zu Roserl und Konrad.
Jubelnd fällt diese ihrer Kusine um den Hals und schlägt gleich eine Doppelhochzeit vor.
Konrad holt Wein aus dem Keller und füllt die Gläser.
Roserl aber flüstert ihm etwas ins Ohr und als ihr Bräutigam nickt, geht sie zu ihrem Vater und flüstert auch diesem ins Ohr.
Der alte Mann strahlt und wendet sie an die frisch Verlobten.
Veverl, mein Vater war ein harter Mann und als deine Mutter nicht von deinem Vater lassen wollte, der nur ein armer Lehrer war, da hat er sie einfach aus dem Haus geworfen. Nicht mal ihr Heiratsgut hat er ihr mitgem. Dies steht jetzt dir zu, dir gehört die Hälfte des Hofes und die andere Hälfte will Roserl dir zur Hochzeit schenken.“
Fassungslos sehen die jungen Leute ihn an, dann springt Veverl auf und umarmt ihren Onkel und Anderl drückt ihm die Hand.
Dem alten Mann steht das Wasser in den Augen, denn trotz all seiner Brummigkeit, hat er doch ein butterweiches Herz.
Eins bitt ich mir aus, dass ihr mir ein warmes Plätzchen an eurem Ofen lasst und die Mutter vom Anderl holen wir auch zu uns. Nun lasst uns auf die Zukunft trinken.“

Ich weiß nicht, was die beiden auf ihren Wunschzetteln hatten, aber besser konnte es doch gar nicht kommen.

© Lore Platz