Freitag, 19. Oktober 2018

Pilze sammeln Erinnerungsgeschichte



Der Herbst hat viele schöne Dinge für uns bereit.
Denkt nur an die Kastanien, die wir als Kinder so liebten und aus ihnen mit Hilfe von Streichhölzern kleine Figuren bastelten.
In unserer Kindheit gab es ja noch nicht soviel Spielzeug aber die Natur beschenkte uns verschwenderisch und beflügelte unsere Fantasie.
Die Kürbisse, die erst in den letzten Jahren durch das von Amerika herüber kommende Halloween in Mode kamen wurden zu einem schönen Bestandteil unsere Feste .
Und natürlich hat der Herbst etwas ganz Leckeres für uns angerichtet: Die Pilze!
Ich erinnere mich wie viel Spaß ich beim Pilze sammeln immer hatte.
Mein Vater und ich waren die einzigen Frühaufsteher in unserer Familie und so gingen wir morgens um vier schon los und fuhren in den Wald.
Als ausgesprochenes Papakind war ich glücklich in dieser Zeit meinen Vater ganz für mich allein zu haben.
Damals gab es ja noch nicht so viele Autos und auch wir hatten keines.
Aber mein Vater hatte ein Motorrad.
Das war herrlich!
Mein Vater hatte vor sich einen großen Korb und ich saß hinten und klammerte mich wie ein Äffchen an ihm fest.
Dann ging es durch den frischen Morgenwind hinaus in den Wald zum Schwammerl (Pilze) sammeln.
Damals gab es noch viele Recherl(Pfifferlinge) die ja am besten schmecken und heute doch ziemlich teuer sind.
Mein Vater schnitt die Pilze vorsichtig mit einem kleinen Messer ab, säuberte sie ein wenig und ich durfte sie dann ganz vorsichtig in den Korb legen.
Manchmal wenn der Korb voll war und wir einen Hochsitz in der Nähe fanden, kletterten wir hinauf und saßen ganz still und ließen die Majestät des Waldes auf uns wirken.
Und wenn wir ganz großes Glück hatten sahen wir auch

mal ein Reh oder einen Hirsch mit stolzem Geweih auf die
Lichtung treten.
Ich glaube in diesen Momenten ist die tiefe Liebe zum Wald in mir geboren.
Als wir dann zurück fuhren, hatte mein Vater wieder den Korb vor sich und ich hing wie ein Klammeräffchen hinter ihm.
Später saß ich dann am Tisch und sah meiner Mutter zu, wie sie die Pilze säuberte.
Und während ich dies hier schreibe, fühle ich den leicht erdigen Duft der Schwammerl in meiner Nase.







Pilzberatung


Herr Hut war ein Pilzberater
Das war auch schon sein Vater
Zu ihm kamen zur Herbstzeit viele Leut
Holten über Pilze sich bescheid.

Pilze wuchsen im Wald und auf der Wiese
Leute sammeln jene oder auch mal diese
Dann werden sie nach Haus getragen
Und manche lassen sich beraten

Herr Hut ging selbst öfter in den Wald
suchte seine geliebten Pilze bald
Seine Frau schaute dabei nur zu
Und abends gab es dann Pilzragout.

Dann nahm seine Frau den Stopfpilz zur Hand
Wenn sie in den Socken Löcher fand
Herr Huber studierte Pilzylogogy
Glücklich war er dabei nie

Er ließ sich auch nicht in die Suppe spucken
Sein Fußpilz fing auch an zu jucken
Da fühlte er sich richtig krank
Und er einige Pilsner trank

Die Beatles wurden auch Pilzköpfe genannt
Gekommen waren sie aus England
Zu Herrn Hut kamen sie aber nicht
Denn sie mögen kein Pilzgericht

Eine Pilzvergiftung ist auch nicht zum Lachen
Da kann man schnell den Abflug machen
Schaut lieber ins Pilzbuch im Regal
Giftige Pilze isst man nur einmal  

Die Nachtigall


 

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Herbstzeit - Kartoffelzeit







Herbstzeit - Kartoffelzeit



Vielleicht habt ihr auch schon als Kind am Lagerfeuer gesessen und Kartoffel gebraten.
Wir haben die Kartoffeln ,die auf dem Feld vergessen wurden immer aufgesammelt und dann ein Lagerfeuer gemacht und die Erdäpfel hinein geworfen.

Eine regelrechte Mutprobe war es dann ,die kohlschwarzen Dinger mit spitzen Fingern aus der heißen Glut zu klauben und zum Abkühlen neben sich zu legen.

Aber die Mühe war es wert, wenn auch die Schale verbrannt war, aber das Innere war köstlich.
Zu Hause aber wurden wir in den Waschzuber gestellt und von Kopf bis Fuß abgeschrubbt , denn wir sahen wie kleine Kaminfeger aus.

Doch wo kommt die Kartoffel eigentlich her?
Vor 500 Jahren brachten sie die spanischen Eroberer aus Südamerika mit.
Die Kartoffel hatte in Südamerika so eine große Bedeutung, dass man Kartoffel aus Stein und Tonkrüge in Form einer Kartoffel herstellte, wie Entdeckungen eines 8000 Jahre alten Grabes in Peru
bestätigen.

Obwohl wir in der Volksschule noch das Lied des Dorfschullehrers
Friedrich Sauter (1766-1846) lernen mussten und mit Begeisterung plärrten:
„Frank Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jaaaahren ,“
war der englische Pirat Sir Franicis Drake nicht der Entdecker der Kartoffel.


Eine nette kleine Geschichte wurde überliefert, ich weiß aber nicht ,ob sie stimmt.
Ein englischer Graf kaufte ein paar Kartoffeln und ließ sie in seinem Garten anpflanzen,
Die Kartoffel wurde nämlich anfangs wegen ihrer schönen Blüten als Zierpflanze gehalten.
Eines Tages erzählte ihm ein Spanier, dass man die Kartoffel essen könnte.
Der Graf lud seine Freunde zum Festmahl ein und als besonderes Dessert ließ er die Beeren der Kartoffel servieren.

Die Gäste spuckten diese aus, so scheußlich schmeckten sie.
Zornig befahl der Graf seinem Gärtner die Kartoffeln zu vernichten.
Dieser riss alle Pflanzen aus und verbrannte sie. Doch stieg ihm ein köstlicher Duft in die Nase und er fischte ein Knolle heraus und probierte sie. Sie schmeckte köstlich!
Wenig später lud der Graf wieder seine Freunde ein und diesmal waren alle begeistert von der Kartoffel.
So soll sie sich in Europa verbreitet haben.

Ich denke aber, dass es von Spanien aus ging, denn die Spanier und Italiener waren die ersten ,die die Kartoffel auf ihrem Speiseplan hatten.
Die Deutschen waren der neuen Speise eher skeptisch gegenüber eingestellt.
Der“ Alte Fritz „musste die Bauern 1756 mit einem „Kartoffelbefehl „
zum Anbau zwingen.

Heute gehört die Kartoffel wie selbstverständlich zu unserem Leben und es gibt viele wunderbare Gerichte ,die man aus dieser Knolle zaubern kann.
Aber am besten schmeckt mir immer noch: Eine heiße Pellkartoffel mit ein bisschen Salz und einem Stückchen Butter. Hmmmm!






Mittwoch, 17. Oktober 2018

Der Flug des Drachens

Jetzt ist wieder die Zeit in dem die Kinder begeistert ihre Drachen steigen lassen, in Berlin gab es sogar ein Drachenfestival.
Ich erinnere mich, wie ich vor vielen Jahren mit meinem zwei kleinen Neffen einen wunderschönen gelben Drachen fliegen ließ, doch der Kleinere hielt ihn nicht fest genug.
Der Drache entkam in die Freiheit.
Da flossen die Tränen.





Der Flug des Drachens

Hoch oben in den Wolken liegt die Felsenburg des Windes.
Mutter Wirbelwind huscht durch die Schlafstuben ihrer Kinder.
Ihre Tochter Windsbraut, die ständige Begleiterin des Frühlings schläft mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.
Ihre Mutter betrachtet die zarte liebliche Schönheit zärtlich.
Dann gleitet sie zu dem Bett ihres Sohnes , dem Südwind, der den Sommer unterstützt.
Stolz betrachtet sie die hübsche, stattliche Gestalt.
Etwas bekümmert wandert ihr Blick hinüber zum Nordwind, dem Spießgesellen des Winters.
Er ist ein rauer, ruppiger Geselle und wohl der schlimmste ihrer Kinder.
Leise schwebt sie zu Huijui, dem Freund des Herbstes.
Er ist ein hübscher rothaariger Bursche voller Temperament.
Sie weckt ihn sanft und Huijui fährt hoch und seine Augen funkeln.
"Es geht los?"
Seine Mutter nickt.
"Prima!"
Ein wilder Hauch fährt durch die Höhle und seine Geschwister bewegen sich unruhig im Schlaf.
Huijui folgt seiner Mutter zum Eingang.
"Sei vorsichtig," ermahnt sie ihn.
Er lacht nur und sorgenvoll blickt sie ihm nach.
Er war manchmal zu leichtsinnig, wild und übertrieb gern.
Huijui aber ist schon unterwegs zur Erde.
Kurz hält er noch an Frau Sonne`s Garten an und späht über den Zaun, ob er nicht Prisilla, eine der  Töchter von Frau Sonne sehen kann.
Er hat eine heimliche Schwäche für die kecke Prisilla.
Leider aber scheinen alle noch zu schlafen.
Huijui aber ist kein Freund von Traurigkeit.
Er saust vergnügt die Milchstraße hinab auf die Erde und fährt durch die noch schlafenden Bäume, die vor Schreck ihre Blätter fallen lassen.
Huijui lacht übermütig und lässt die gelben, rostbraunen und roten Blätter wild durch die Luft wirbeln.
Einigen Menschen, die bereits zur Arbeit gehen, reißt er fröhlich die Hüte vom Kopf, plustert die Kopftücher auf und bauscht die Mäntel.
Er pustet den Staub der Straßen hoch und bringt die Menschen zum Husten.



Vergnügt rüttelt er an den Straßenlampen, die vor Angst zittern und ihre Lichter flackern.
Als er müde ist ruht er sich aus, plauscht ein wenig mit Prisilla, bis Frau Sonne ärgerlich nach ihrer Tochter ruft.
Huijui sieht sich um und erblickt einige Jungen, die ihre Drachen aus der Schnur wickeln.
Hier werde ich gebraucht.
In übermütigen Sprüngen saust er den Berg hinauf, wirft im Vorbeisausen noch ein Fahrrad um, verschnauft einen Moment, doch als er sieht, wie die Kinder Anlauf nehmen, um die Drachen zum Steigen zu bringen, stürzt er sich mit Begeisterung auf die Papierflieger.
Eine Freude wie sie in alle Himmelrichtungen auseinander schwirren.
Ein grellgelber Drache mit einem verschmitzten Gesicht hat es ihm besonders angetan.
Er scheucht ihn immer höher, wirbelt ihn dem Himmel entgegen, lässt ihn wieder fallen bis er fast das Gras berührt und reißt ihn im letzten Moment hoch.
Er treibt sein wildes Spiel mit ihm.
Sie genießen beide die wilde stürmische Jagd und bemerken nicht, dass plötzlich die Schnur reißt und weit unten ein kleiner Junge weint.
Doch plötzlich los gelöst von allen Zwängen saust der gelbe Papierdrache angetrieben von seinem Freund Huijui, der mächtig die Backen bläst, über den Berg hinaus, der Stadt entgegen.
Langsam segelt er jetzt über die Häuser, taumelt ein bisschen, denn er ist müde und auch Huijui muss erst wieder zu Atem kommen.
Aber als der Drache  plötzlich an einen Fabrikschornstein stößt saust Huijui schnell herbei und bläst ihn mit letzter
Kraft an dem gefährlichen Hindernis vorbei.
"Ich muss nach Hause, lieber Freund! Vielleicht begegnen wir uns wieder einmal!" ruft der Wind, bläst den Drachen noch einmal kräftig nach oben und verschwindet.
Der gelbe Fetzen genießt noch einmal den Flug, wird immer langsamer, taumelt und landet schließlich auf den kahlen Ästen eines Apfelbaumes.
Müde sackt er zusammen.
Gegenüber des Baumes ist ein Fenster und dahinter sitzt ein trauriger kleiner Junge.
Auf seinem Gesicht sind noch die Spuren von Tränen zu sehen.
Nun hebt er den Kopf und erstarrt.
"Mama! Papa" schreit er gellend,.
 "Mein Drache ist wieder nach Hause gekommen!"

Montag, 15. Oktober 2018

Pension Eulenspiegel Ende


Man hatte vorher schon alles abgesprochen. Die Schafe würden möglichst viel Lärm machen und durcheinander laufen und Gina würde für Ablenkung sorgen, damit sie unbehelligt den Zug verlassen konnten.
Manu und Ninett würden sich auf den Rücken von Sultan setzen, damit sie ihm sagen konnten in welche Richtung er laufen musste und Eulenspiegel ermahnte das Ferkel noch einmal, dass es sich ja dicht bei ihm halten sollte, damit es nicht vor lauter Angst in die falsche Richtung lief.
Kurze Zeit später wurde die Tür geöffnet und sobald die Rampe heran geschoben war und mit einem Klick einrastet, springt Gina dem überraschten Mann in die Arme. Dieser taumelt rückwärts und die Schafe sausen los, hinunter auf den Bahnsteig und verteilen sich nach allen Seiten. Was für ein Spektakel. Menschen schreien und laufen aufgeregt hinter den Schafen her.Gina gibt dem Mann einen Kuss und springt fröhlich kreischend herunter. Dieser ist viel zu verdutzt und erschrocken, um ihr nachzulaufen.
Eulenspiegel aber führt seine kleine Truppe in den Wald und in die Bärenhöhle.

Erschöpft aber auch vergnügt setzen sie sich hin.
Ein Eichkätzchen kommt in die Höhle.
Kiki?” Doch dann schüttelt der Esel den Kopf.
Das Eichkätzchen war viel zu jung.
Hallo!” rief es, “ich sah euch durch den Wald laufen, wo kommt ihr denn her? Seid ihr für die Aufregung auf dem Bahnhof verantwortlich?”
Ja!” rief das Schweinchen stolz, denn es fürchtete sich nicht vor dem freundlichen rothaarigen Tier.
Wir haben einen schönen Aufstand gemacht und keiner hat uns gefangen.”
Das Eichhörnchen aber ging zu dem Esel und fragte neugierig.
Woher kennt du meinen Namen?”
Ich kannte mal eine Kiki und dachte im ersten Moment, das du es wärst.”
Ich heiße nämlich wirklich Kiki nach meiner Uroma, die leider letztes Jahr verstorben ist.”
Dann blitzt es in ihren Augen auf.
Bist du etwa Eulenspiegel?”
Als der Esel nickt, da klatscht sie begeistert in die Hände.
Uroma hat uns soviel erzählt von dir, es ist mir als würde ich dich gut kennen! Weißt du denn ,dass hier ganz in der Nähe ein riesiges Anwesen ist, das nach dir benannt wurde?”
Und das Eichkätzchen beginnt zu erzählen, von Bertls überraschenden Tod, von Patrick, Ellen, Mattias und Marianne und auch von Tobias und Trude und von der Idee einen Gnadenhof für alte und kranke Tiere zu errichten, um sie vor dem Abdecker zu retten. Das Motto des Hofes war. “ Wer den Menschen so lange treu und brav gedient hatte, verdiente es im Alter das Gnadenbrot zu bekommen und friedlich an Altersschwäche zu sterben.”
Das Eichkätzchen hält inne und grinst spitzbübisch.
Und was denkst du wie der Hof heißt?”
Der Esel sieht sie fragend an.
Pension Eulenspiegel!”
Tränen schießen Eulenspiegel in die Augen.
Man hatte ihn nicht vergessen!
Die anderen drängen sich um ihn.
Alle sind sie erleichtert, hatten sie doch einige Bedenken, ob Patrick sie alle aufnehmen würde.
Nun aber gabs kein Halten mehr. Eulenspiegel drängte das Eichkätzchen sie auf den Gnadenhof zu führen.
Am Waldrand halten sie an und schauen hinunter auf das riesige Anwesen, in den in vielen Koppeln Tiere aller Art weiden.
Nun gab es für Eulenspiegel kein Halten.
Er rief Kiki ein “Danke” zu, dann galoppierte er den Abhang hinunter. Die anderen folgten ihm langsamer.
Der Esel stürmte in den Hof und die Leute die dort beschäftigt waren blickten erstaunt hoch, doch dann löste sich ein junger Mann aus der Gruppe und beginnt zu laufen.
Eulenspiegel!” rief er und Patrick und der Esel begegnen sich nach sechs Jahren Trennung wieder und es war als wäre es gestern gewesen.
Mit Tränen in den Augen umarmt der junge Mann immer wieder den Esel. Der Lärm hat auch die anderen angelockt und nun standen sie alle um Eulenspiegel und staunten, dass er nach so vielen Jahren nach Hause gefunden hatte.
Tobias fasste nach dem Lederhalsband, das er ihm einst vor vielen Jahren gemacht hatte und meint gerührt.
Er trägt es immer noch!”
Mattias aber legt seinem Sohn die Hand auf die Schulter und deutet auf die Tiere, die abwartend stehen geblieben waren.
Eulenspiegel hat seine Freunde mitgebracht. Ich denke wir sollten uns um sie kümmern.”
Und nun bekam jedes seinen eigenen Platz.
Sultan wurde zu den anderen alten und kranken Hunden gebracht, die alle irgendwelche Beschwerden hatten und sich gegenseitig ein wenig halfen.
Das Ferkelchen wurde von den alten Schweinen sofort bemuttert und konnte sich nach Herzenslust im Schlamm suhlen und musste nie mehr Angst haben.
Manu und Ninett durften frei herum laufen und Trude hatte in der Küche immer ein Schälchen Sahne für sie bereit.
Eulenspiegel bekam einen besonderen Platz im Stall und da Gina ihm nicht von der Seite wich wurde sie neben ihm einquartiert. Ansonsten durften die beiden frei herumlaufen.
Meistens konnte man den Esel in der Nähe von Patrick finden. Gina hielt sich viel bei den anderen Tieren auf und unterhielt sie mit Geschichten aus Afrika, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte und mit dem lustigen Leben im Zirkus.
Und die alten Tiere, die nie aus ihrem Stall heraus gekommen waren freuten sich über die Geschichten aus einer bunten anderen Welt.
Am ersten Wochenende ihres Hier seins, als die Besucher mit ihren Kindern kamen ,erinnerte das Eulenspiegel und Gina an den Zirkus und sie begannen mitten auf dem Hof ihre Kunststücke und Späße vorzuführen, sehr zur Freude der Kinder.
Patrick aber schüttelte staunend den Kopf und meinte:
Ich glaube gar, du bist in einem Zirkus aufgetreten.”
Und Eulenspiegel bejahte mit einem lauten und fröhlichen “ Iahaaaaa!”
Bald sprach es sich herum, dass auf dem Gnadenhof auch Zirkustiere waren und lockte noch mehr Besucher an und füllte die Spendenkassen.
Auch kamen Anfragen von Zirkussen, die ihre Tiere aus Armut oder Alter nicht mehr behalten konnten. Und auch diese fanden in “Pension Eulenspiegel” einen Platz.
So verging die Zeit und jederTag war für Eulenspiegel ein schöner Tag.
Er erlebte wie Ellen mit ihrem Studium fertig wurde und auf dem Gnadehof zu arbeiten begann. Bei der Hochzeit von Ellen und Patrick durfte er ganz nah mit einem Blumenkranz um den Hals teilnehmen und Mattias meinte lachend, “wenn er sprechen könnte, dann würde er auch noch den Trauzeugen machen.”
Die Kinder Alexander und Sieglinde von Patrick und Ellen machten ihre ersten Reitversuche auf seinem Rücken und er sah sie heran wachsen .
Esel können ja sehr alt werden und so musste er auch Abschied nehmen von seinen Freunden.
Sultan verbrachte noch fünf wundervolle Jahre auf dem Hof, wohl die glücklichsten in seinem Leben.
Aus dem Ferkel wurde ein stattlicher Eber, der aber auch eines Tages gehen musste.
Manu und Ninett hinterließen, als sie starben viele Kinder, Enkel und Urenkel.
Leider werden auch Affen nur halb so alt wie Esel und eines Tages musste er sich auch von Gina verabschieden.
Bevor die Schimpansin starb zwinkerte sie ihm zu und flüsterte:
Ich warte im Paradies der Tiere auf dich.”
Und eines Tages fand Patrick, inzwischen selbst ein alter Mann, Eulenspiegel im Stall.
Er war still und leise für immer eingeschlafen.
Eulenspiegel bekam ein wunderschönes Grab, das mit Vergissmeinnicht bepflanzt wurde, die jedes Jahr wieder in verschwenderischer Pracht erblühten.
Neben seinem Grab wurde eine große Tafel errichtet auf dem die Geschichte des kleinen und doch so großen Esels stand, der ,der eigentliche Begründes des Gnadenhofes war und der
Pension Eulenspiegel” seinen Namen gegeben hatte.




© Lore Platz


Sonntag, 14. Oktober 2018

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 17


Da es zu riskant war, wenn die Schimpansin sich noch einmal im Dorf blicken ließ, wurde die Katze zum Bahnhof gesandt.
Bevor sie ging, ermahnte sie Ninett, ja nicht mehr davon zu laufen. 
Diese war viel zu eingeschüchtert, um Dummheiten zu machen und wich nicht mehr von Sultans Seite.
Es dauerte lange, bis Manu wieder zurückkehrte, aber sie brachte gute Neuigkeiten mit.
Eine Herde Schafe sollte morgen früh nach Bayern verschickt werden. 
Sie wurden heute Abend noch verladen und sie könnten mitfahren. Die Schafe hatten nichts dagegen.
Das einzige Problem bestand darin, wie sie in den Waggon kamen.
Eulenspiegel meinte: “Kommt Zeit, kommt Rat, wir finden eine Lösung. Ruht euch jetzt aus, heute Abend müssen wir munter sein.”
Sie legten sich ins Gras und lauschten den Geschichten , die der Esel noch von Patrick kannte.
Als es dämmerte, macht sich die kleine Gesellschaft auf den Weg zum Bahnhof.
Die Schafe sind nicht mehr in der Koppel und der Bahnhof liegt verlassen da.
Sie marschieren zum Viehwaggon und Gina springt auf den Rücken von Eulenspiegel und versucht den Riegel zurückzuschieben. Er sitzt ziemlich fest und sie muss es mehrmals versuchen. Endlich gibt er nach und rutscht nach hinten.
Doch wie nun die Schiebetür öffnen.
Der Esel drückt mit der Schnauze dagegen und die Schafe helfen von innen.
Die Tür bewegt sich und eine Lücke entsteht.
Gina zwängt sich hindurch und wird von den Schafen freudig begrüßt.
Manu nimmt Ninett am Fell und springt von Eulenspiegels Rücken in den Wagen.
Sultan nimmt Anlauf und landet wohlbehalten zwischen den Schafen.
Nun ist Rosine dran.
Eulenspiegel legt sich zu Boden, damit das Ferkel auf seinen Rücken klettern kann, doch jedes Mal wenn er aufsteht, rutscht es quiekend wieder herunter.
Gina springt hinunter setzt sich hinter das Schwein und hält es fest, während der Esel aufsteht, dann schuppst sie es in den Wagen, wo es laut quiekend zwischen den Schafen landet.
Nun muss nur noch Eulenspiegel in den Waggon.
Er nimmt Anlauf und springt. Mit den Vorderbeinen hat er den Wagen erreicht, aber seine Hinterbeine baumeln draußen und er droht abzurutschen.
Gina springt heran, packt ihn am Halsband und zerrt ihn hinein.
Aufatmend bleibt der Esel einen Moment liegen.
Die Tür müssen sie auflassen, aber es war ja eine warme Sommernacht.
Nun wollen die Schafe wissen, warum sie auf Wanderschaft sind. Und jeder erzählt seine Geschichte.
Als sie den Sturm erwähnen, meint eines der Schafe, das sich als Rowita vorgestellt hat.
Bei uns hat der Sturm auch furchtbar gewütet und das Dach unseres Stalles abgedeckt. Auch wurde unsere Reise verschoben werden, weil die Gleise erst noch geräumt werden mussten.”
Ein Glück für uns , “ schmunzelt Eulenspiegel, “ wisst ihr denn wohin eure Reise geht?”
Nach Neumünster.”
Was !” schreit der Esel, “ aber das ist ja derselbe Ort, von dem ich vor sechs Jahren in den Norden gefahren bin. So ein Zufall!”
Das ist kein Zufall,” lächelt Roswita, die sehr klug ist.
Neumünster und Rodenverde sind Partnerstädte und tauschen öfter ihre Tiere aus, um eine neue Art zu züchten.”
Eulenspiegel wird ganz still und während die anderen miteinander plaudern, verzieht er sich in eine Ecke.
Nach einiger Zeit kommt die Schimpansin zu ihm und setzt sich neben ihn.
Denkst du, dass du Patrick finden wirst?”
Eulenspiegel sinniert eine Weile, dann sieht er seine Freundin an.
Ich fühle es und glaube fest daran.”
Gina nickt und kuschelt sich an ihn und bald schlafen sie ein.
Laute Stimmen wecken sie.
Durch den Spalt schimmert das kalte Morgenlicht.
Jensen, hast du gestern vergessen die Tür zu schließen?” brüllt eine Männerstimme und die Schiebetür wird krachend zurück geschoben.
Unsere Freunde können sich gerade noch zu Boden ducken und werden von den Schafen eingeschlossen.
Ein Mann guckt herein, brummt: “Alles in Ordnung” und schiebt die Tür wieder zu.
Ein Signal ertönt und mit einem Ruck setzt sich der Zug in Bewegung.
Eulenspiegel klopft das Herz.
 Nun geht es zurück zu Patrick und in seine Heimat. Auch die anderen sind aufgeregt, wissen sie doch nicht was sie erwartet.
Um sie abzulenken beginnt der Esel ihnen Geschichten zu erzählen. 
Es ist erstaunlich, wie viele ihm plötzlich wieder einfallen seit er so intensiv an seine Freund Patrick denkt.
So vergehen die Stunden. Der Zug hält öfter einmal an, aber man ließ sie in Ruhe.
Dann wird Fahrt langsamer und aus dem Lautsprecher ertönt die Ansage:
 “Neumünster, Achtung vom Bahnsteig zurück treten!”
Der Esel springt auf. 
Er ist plötzlich sehr aufgeregt auch Sultan stößt ein nervöses Bellen aus und das Schwein quiekt ängstlich nur die Katzen und die Schimpansin bewahren ihre Ruhe.
Man hatte vorher schon alles abgesprochen. 
Die Schafe würden möglichst viel Lärm machen und durcheinander laufen und Gina würde für Ablenkung sorgen, damit sie unbehelligt den Zug verlassen konnten.




Samstag, 13. Oktober 2018

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 16




Der Esel öffnet die Augen.
Etwas hat ihn an der Nase gekitzelt und er muss niesen.
Ninett hüpft vor ihm herum.
Noch immer etwas müde rappelt Eulenspiegel sich auf.
Ninett flitzt zwischen seinen Beinen hindurch, schlägt einen Purzelbaum und saust den Stamm hoch, rutscht ab und landet auf dem leise schnarchenden Sultan.
Dieser schreckt hoch.
“Wer, was, wie?”
Ninett presst sich zärtlich an seine Schnauze.
“Ach der kleine Racker,” murmelt der Hund liebevoll.
Die kleine Katze hat sein Herz im Sturm erobert.
Der Esel war an den Bach gegangen und kommt nun zurück und sieht sich suchend um.
“Wo ist denn Gina?”
Manu unterbricht ihre Morgenwäsche.
“ Die ist ins Dorf gegangen, um Frühstück für Sultan zu holen.
“Wenn das nur gut geht,” murmelt Eulenspiegel und muss doch grinsen.
Sultan hat sofort eine große Zuneigung für das kleine Kätzchen entwickelt und Gina war in eine Art Beschützerrolle für den blinden Hund geschlüpft.
Und ich, denkt er lächelnd fühle mich für die ganze Truppe verantwortlich.
Gina kommt durch das Gebüsch .
Um den Hals trägt sie einen Ring Würste und in beiden Händen einen Apfel.
Sie wirft die Würste vor Sultans Nase und Manu kommt in eleganten Schritten hinüber und lässt sich graziös neben Sultan nieder und gemeinsam verzehren sie die leckeren Würste.
Selbst Ninett gräbt ihre kleinen Milchzähnchen in die Lerckerei.
Gina reicht Eulenspiegel einen Apfel, den dieser genussvoll krachend zermalmt.
Während sie in ihren Apfel beißt, meint sie beiläufig.
“Heute wäre ich beinahe erwischt worden.”
Eulenspiegel blickt besorgt um sich.
“Haben sie dich verfolgt?”

“Kein Bange, ich habe sie in die Irre geführt und
erst als alle wieder ins Dorf zurück kehrten, bin
ich hierher gekommen.

Der Esel ist beruhigt. 
Er kann sich auf die Klugheit seiner Freundin
verlassen.

Lächelnd betrachtet er den Hund und die Katzen,
dann lacht er plötzlich.

Ein Esel, ein Hund, eine Katze, jetzt fehlt nur
noch der Hahn, dann hätten wir die Bremer
Stadtmusikanten zusammen.”
“Darf es auch ein Ferkel sein?” fragt eine
schüchterne Stimme und ein kleiner
rosaRüsseguckt durch das Grün der Blätter..
“ Komm nur heraus, hab keine Angst,” meint
Eulenspiegel freundlich und ein kleines
Schweinchen drückt sich durch die Büsche.

Gina reicht ihm den Rest ihres Apfels und
dankbar schmatzend ist er gleich in dem kleinen


Mund verschwunden.

“Danke schön!” sagt es artig.
“Ich irre nun schon zwei Tage im Wald herum.
Darf ich bei euch bleiben, bitte schön, ich fürchte
mich so alleine.”

“Aber sicher, wo kommst du denn her?” will Gina
wissen.

“ Ich war mit vielen anderen Schweinen in einem
Lastwagen auf den Weg zum Schlachthof. Durch
den  schweren Sturm kippte der Wagen um und
alle liefen durcheinander. Ich bin in den Wald geflüchtet und habe mich versteckt.”

Gina legt den Arm um das Ferkel.
“Bei uns bist du sicher. Wie heißt du denn?”

“Rosine”



“Wir werden nicht zulassen Rosine, dass dich


jemand schlachtet.”



Die anderen nicken bestätigend und die



Schimpansin stellt nun dem Ferkel jeden


einzelnen


Als Rosine zu Eulenspiegel kommt fragt sie


schüchtern:


“Wer sind denn die BremeStadtmusikanten?


Der Esel lacht.

t.

Als ich so ein Knirps war wie du, wohnte ich auf 

einem Bauernhof und mein Freund Patrick hat 

mir abends immer aus einem dicken 

Geschichtenbuch vorgelesen und am besten gefiel 

mir das Märchen von den Br

emer Stadtmusikanten. Willst du es hören?”


Rosine nickt begeistert.


Eulenspiegel setzt sich und auch die Anderen 



gesellen sich zu ihnen und er erzählt ihnen die 


Geschichte von dem Esel, dem Hund, der Katze 

und dem Hahn, die weggelaufen waren, weil sie 

von den Menschen so schlecht behandelt worden 

sind.


An dieser Stelle seufzen Sultan und Rosine 


zustimmend.


Dass die Tiere nach Bremen wollten, um 


Musikanten zu werden, aber im Wald auf böse 

Räuber trafen und diese dann aus dem Haus 

verjagten. Da beschlossen sie, nicht nach Bremen 

zu gehen sondern in der Hütte im Wald zu bleiben.


Rosine seufzt verklärt.


Sultan hebt den Kopf.


“Wo ist Ninett?”


Das kleine Kätzchen hatte sich am Anfang der 


Geschichte an den alten Hund geschmiegt. Doch 

dann war es ihm zu langweilig geworden und 

Sultan, der dem Märchen fasziniert gelauscht 

hatte,bemerkte erst jetzt, dass das warme kleine 

Körperchen verschwunden ist.


Manu sieht sich suchend um.

“Fräulein Naseweis ist wohl wieder auf 


Entdeckungsreise.”


Da erklingt ein angstvolles Miauen.


Manu springt auf und saust los, die Anderen 


folgen ihr.



Ein Fuchs sitzt da und hat unter seiner rechten 
Pfote, die kleine Katze, die verzweifelt faucht und 
miaut und versucht sich unter der groben Tatze 
herauszuwinden.


Manu springt fauchend wie eine Tigerin auf den 
Rücken des Fuchses und verlangt grimmig.


“Gib sofort meine Tochter frei!”


Dieser lacht spöttisch.


“Das wird mein Frühstück und du die Nachspeise!”


Sultan kommt laut bellend auf ihn zu.


“Du hinterhältiger Rotpelz, lass die Kleine los!”


“Ach der alte blinde Sultan, wollte man dich nicht 
einschläfern, nachdem du mich nicht am Stehlen 
der Hühner hindern konntest, weil du immer in 
die falsche Richtung gelaufen bist.”


Der Fuchs will sich ausschütten vor lachen.


Eulenspiegel galoppiert herbei und sieht den 
Fuchs streng an.


“Lass sofort die kleine Katze los!” fordert er.


Meister Reineke betrachtet ihn spöttisch.


“Du kleiner Möchtegernesel kannst mir ganz 
nichts sagen.”


Da stürmt Gina auf ihn zu. Die Hände hoch 
erhoben, die Zähne gefletscht und fürchterlich 
laut kreischend.


Der Fuchs bekommt vor Schreck runde Augen, 
lässt Ninett los, schüttelt Manu von seinem 
Rücken, dreht sich um und rast davon als wären 
zehn Teufel hinter ihm her.


Brüllendes Gelächter folgt ihm.


Rosine kommt mit verklärtem Gesicht und ruft:


“Das war ja wie bei den Bremer Stadtmusikanten, 
wir haben den bösen Räuber verjagt!”


Die Tiere lächeln gutmütig, haben sie doch 
bemerkt, dass das Ferkel sich quiekend hinter 
einem Baum versteckt hat.


Als sie mit der ziemlich kleinlauten Ninett wieder 
zurück gehen, erklärt Eulenspiegel:


“Hier können wir nicht bleiben. Wir werden nach 
Bayern gehen und Patrick suchen.”


“Aber wird er denn noch dort sein?” fragt Gina 
zweifelnd.


Der Esel nickt bestimmt. “Ich weiß, dass sein 
Vater einen Bauernhof kaufen wollte, wenn er aus 
dem Norden zurück kommt.”