Donnerstag, 25. Juli 2024

Die Puppe Namenlos 3

 
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meiner Internet – Freundin Inge bedanken, die mir genau erklärt hat, wie man Puppen repariert und mir außerdem die wunderbare Geschichte erzählt hat, wie sie selbst dazu kam, Puppen zu reparieren.




Namenlos liegt in dem Bettchen und fühlt sich endlich wieder sauber und glücklich.
Sie duftet so frisch und ihr herrlich rotes Haar ist von Schmutz und Blättern befreit.
Neugierig sieht sie sich in der Stube um.
Ringsum in Regalen und Schränken stehen unzählige Puppen.
In einer Ecke sind aufeinander gestapelt Puppenküchen und Kaufläden.
Namenlos gefällt es hier. Seit ihrer Irrfahrt fühlt sie sich
wieder so heimelig wie im Schaufenster von
Marion`s Puppenstube“.
Plötzlich taucht Annas Gesicht vor ihr auf und Augen voller Liebe sehen sie an.
Ein leise Sehnsucht zieht in ihr kleines Puppenherz.
Die Tür öffnet sich und die blonde Frau kommt herein.
Namenlos wird aus der Wiege gehoben und auf einen Tisch gesetzt, der voller Kästchen, Schächtelchen, Töpfchen und Döschen ist.




Inge fährt vorsichtig mit dem Finger über die kaputte Nase, dann öffnet sie ein Döschen, holt Celluloidsplitter heraus und lässt sie behutsam in das Loch rieseln, drückt sie mit den
Fingern fest und streicht die neu geformte Nase glatt.
Sie schraubt ein Gläschen auf und trägt mit dem Pinsel das flüssige Celluloid auf.
Diesen Vorgang wiederholt sie mehrmals.
Dann betrachtet sie ihr Werk.
Nun hast du wieder ein hübsches Näschen. Das Ganze muss
aber jetzt trocknen. Erst dann kann ich mich um deinen Arm kümmern.
Namenlos wird wieder hoch gehoben und in die Wiege gelegt, dann verlässt die Puppendoktorin den Raum.
Die Gedanken der Puppe wandern wieder zu Anna und sie beginnt zu träumen.




Anna und sie laufen zusammen über eine blühende Wiese, setzen sich auf eine Decke und machen ein Picknick.
Dann legen sie sich hin und beobachten die Wolken. Schmetterlinge tanzen im Sonnenschein, Bienen fliegen brummend von Blüte zu Blüte und alles duftet so herrlich und
Namenlos fühlt sich so glücklich.
Und am Abend nimmt Anna sie mit in ihr Bett und sie kuscheln zusammen.



Ein Geräusch schreckt Namenlos aus ihren Träumen und als sie die Augen aufschlägt, sieht sie viele Puppen, die sich um die Wiege drängeln und tuscheln.
Es ist dunkel draußen, nur der neugierige alte Mond blickt durch die Scheibe.
In den Kaufläden und Puppenküchen brennen kleine Lichter.
Jetzt hat eine der Puppen bemerkt, dass Namenlos die Augen geöffnet hat.
Sie ist wach!“ ruft sie und alle drängen an die Wiege, die leicht zu schaukeln beginnt.
Herzlich willkommen bei uns. Bald bist du wieder wie neu
und darfst auch an unseren nächtlichen Teepartys teilnehmen.“
So schwirrt es durcheinander.
Macht Platz! Lasst mich durch!“
Eine große Puppe zwängt sich nach vorne.
Hallo, ich bin Bärbel und wie heißt du?“
Namenlos,“ flüstert diese verschämt.
Mitleidiges Gemurmel ringsum.




Bärbel runzelt die Stirn.
Das heißt, du hattest noch niemals eine Puppenmutti, wie bedauerlich! Meine erste Puppenmutter gab mir den Namen Bärbel und den habe ich behalten, auch wenn ich im Laufe der Jahre mehrere Puppenmütter hatte. Aber du weißt ja, der erste Name von der ersten Puppenmutter bleibt für immer.“
Bärbel lässt einen hoheitsvollen Blick durch die Stube gleiten.
Ich bin eine echte Schildkrötpuppe und die erste, die in diese Stube eingezogen ist. Alle anderen hier haben es mir zu verdanken, dass es die Puppendoktorin gibt.“
Die anderen Puppen stöhnen und verdrehen genervt die Augen.
Schon wieder die alte Geschichte.
Jedes Mal, wenn eine Neue kam, dann erzählte Bärbel die uralte Geschichte.
Still und leise verdrücken sie sich in die Ecke.
 



In der Puppenküche wird schon fleißig Tee gekocht und Kekse gebacken.
Dorthin schleichen die Puppen und bald wird eine fröhliche Party gefeiert.
Bärbel aber holt sich ein Kissen und setzt sich neben die Wiege und beginnt mit ihrer Erzählung.
Ich landete mit einem riesigen Loch im Kopf in einem Trödelschuppen. Dort fand mich Inge und wollte mich reparieren lassen, aber das kostete eine Menge Geld und so beschloss sie, es selbst zu versuchen. Sie hörte sich ein wenig um und hatte das Glück eine alte Dame kennen zu lernen.
Diese besaß vor dem Krieg zusammen mit ihren Eltern ein Spielwarengeschäft mit einer Reparaturwerkstatt .
Die vielen Ersatzteile, die sie über den Krieg retten konnte, schenkte sie Inge und sie brachte ihr bei, wie man Puppen repariert. So wurde aus Inge eine Puppendoktorin.“
Bärbel erhebt sich.
Wenn du wieder gesund bist, darfst du auch an unseren Teepartys teilnehmen. Aber solange nicht alles verheilt ist, musst du liegen bleiben. Wie ist es eigentlich passiert?“
Namenlos erzählt nun ihre Lebensgeschichte und viele
mitleidige Rufe dringen aus der Ecke.
Bärbel gesellt sich zu den anderen und Namenlos ist wieder allein.
Sie hört das Gelächter und Geplauder der Puppen und einmal ist sogar einer der Nussknacker herunter gestiegen, um den Damen ein Ständchen zu bringen.
Doch als sie ihn auslachen, weil er keinen Ton richtig halten kann, verzieht er sich beleidigt wieder auf sein Regal.

Irgendwann schläft Namenlos dann ein.


Morgen geht es weiter




Mittwoch, 24. Juli 2024

Die Puppe Namenlos 2







Namenlos ist plötzlich nicht mehr traurig, das Gespräch mit dem Vogel hat ihr gut getan.
Auch ist die Sonne jetzt höher gewandert und hüllt sie in eine wohlige Wärme.
Sie weiß nicht, wie lange sie gedöst hat, doch plötzlich steht Ramon neben ihr.
In seinen Barthaaren hängen noch einige Tröpfchen Sahne und er wischt sie mit der Pfote weg und leckt dann diese genüsslich ab.
Das war ein Schmaus, Sahne vom Feinsten. Leider kam Prisillas Frauchen heraus und hat mich verjagt.“
Der Kater kichert.
Soviel ich mitbekommen habe, wird Prisilla gerade in die Badewanne gesteckt. Ihr Frauchen denkt sie hätte sich Flöhe bei mir geholt. Pah! Als wenn ein Floh bei mir eine Chance hätte!“
Er wirft stolz den Kopf hoch.
Und wie ist es dir inzwischen ergangen?“
Namenlos erzählt ihm von dem Besuch der Blaumeise und auch von der Frau, die Puppen wieder heilen kann und als sie Hannchen erwähnt, fängt Ramon vergnügt zu grinsen an.
Ach, das gute alte Hannchen. Es ist stocktaub und blind und ich habe ihr schon oft Futter vor der Nase weg geschnappt.“
Er setzt sich, legt seinen Schwanz um die Vorderbeine, was ihm das Aussehen einer Statue gibt.
Die alte Hanna hat ein liebes Frauchen, das lässt sie nicht einschläfern und sorgt rührend für sie. Ja Hanna hat ein schönes Zuhause.“
Aus seiner Stimme klingt eine leise Sehnsucht.
Doch Namenlos beschäftigt noch etwas anderes.
Warum gibst du dich mit einer so hochnäsigen Zicke wie Prissilla ab?“ will sie wissen.
Der Kater grinst frech.
Weil ich eben ein unwiderstehlicher Herzensbrecher bin.“
Doch dann wird er wieder ernst und ganz tief im Hintergrund seiner Augen liegt eine leise Traurigkeit.
Das Leben als Straßenkater ist nicht immer leicht. Ständig bist du auf Nahrungssuche, die du dann meistens noch gegen andere Katzen verteidigen musst.
Auf der Straße herrscht das Recht des Stärkeren. Auch kommen jedes Jahr junge Kater, gegen die du dein Revier verteidigen musst und je älter ich werde, umso schwerer fällt es mir.“
Er streckt sich und hebt stolz den Kopf.
Bisher aber konnte mich noch keiner besiegen und was Prisilla betrifft. Nun diese Hauskatzen werde ja maßlos verwöhnt. Da ist es gut, wenn man ein paar Adressen kennt.
Und meinem Charme kann doch keine widerstehen.“
Namenlos kichert und auch Ramon muss grinsen.
Nun aber zu deinem Problem. Wir werden Hannchens Frauchen einen Besuch abstatten.“
Er fasst das Kleide der Puppe, doch diese fleht:
Geht es nicht auch anders, mir wird von dem Geschaukel immer so schwindelig.“
Der Kater betrachtet sie aus zusammengekniffenen Augen.
Meinst du, du könntest auf meinen Rücken klettern?“
Ramon macht sich ganz lang und schmal auf dem Ast und Namenlos klettert mühsam auf seinen Rücken.
Durch die ausgekugelten Beine ist es etwas schwierig, aber sie schafft es und schlingt beide Arme um den Hals des Katers.
Dieser flitzt den Stamm hinunter.
Unten angekommen stöhnt er krächzend.
Könntest du vielleicht den Griff um meinen Hals etwas lockern, du erwürgst mich ja.“
Entschuldige.“
Namenlos setzt sich auf und hält sich am Fell des Freundes
fest.




In gemächlichem Tempo geht es nun durch die Straßen und Gassen, dann schlüpft der Kater in einen Garten.
Ein Mops verlässt gerade das Haus und trottet schwerfällig durch den Garten.




An einem sonnigen Plätzchen lässt er sich mit einem zufriedenen Schnauben ins Gras plumpsen, legt den Kopf auf die Pfoten und schließt die Augen.
Eine Frau mit langem gelocktem blonden Haar kommt in den Garten, einen Futternapf in der Hand.
Zielstrebig eilt sie auf den Hund zu.
Ramon hebt schnuppernd die Nase, dann setzt er Namenlos direkt vor der Terrassentür ab.
Etwas verlegen sehen sie sich an.
In der kurzen Zeit sind sie gute Freunde geworden und der Abschied fällt ihnen schwer.
Der Kater räuspert sich.
Dann will ich mich mal wieder auf den Weg machen.“
Er wirft einen Blick über die Schulter.
Sie kommt zurück, hier kann sie dich nicht übersehen. Viel Glück!“
Dann grinst er :
Ich glaube, ich muss Hannchen helfen ihre Futterschüssel zu leeren.“
Mit hoch erhobenem Schwanz stolziert er davon.



Die blonde Frau aber eilt durch den Garten dem Haus zu und stutzt, als sie die Puppe entdeckt.
Nanu, du warst doch eben noch nicht hier?“
Suchend sieht sie sich um , kann aber niemanden entdecken.
Sie bückt sich und hebt die Puppe auf.
Armes Hascherl, dich hat man ja übel zugerichtet.“
Mit einem Ruck hat sie die Beine wieder eingerenkt.
Siehst du Schätzchen, die Beine gehören schon wieder dir.“
Ein Mann kommt auf die Terrasse.
Inge, wo bleibst du denn, wir müssen fahren.“
Gleich Hubert, sieh nur, was ich gefunden habe. Ich will sie nur schnell waschen.“
Der Mann wirft einen kurzen Blick auf die Puppe und nickt.
Aber beeil` dich.“
Inge eilt mit der Puppe ins Badezimmer.
Das schmutzige zerrissene Kleid landet im Mülleimer.
Dann wird Namenlos in ein duftendes Schaumbad gesteckt und anschließend in ein kuschelig weiches Handtuch gehüllt.
Sie wird auf liebevolle Arme genommen und in einer Puppenwiege abgelegt.
Inge beugt sich hinunter und sieht sich den kaputten Arm an.
Später werde ich mich um deine Nase und den Arm kümmern, doch nun muss ich zu meinem Mann.


Morgen geht es weiter











Dienstag, 23. Juli 2024

Die Puppe Namenlos Fortsetzung 1


 
(c) Bonmomo


Das Paket bleibt lange Zeit unbeachtet neben dem Hydranten liegen, obwohl viele Menschen vorbei hasten.
Zwei Jungen schlendern gelangweilt über den Bürgersteig.
He, Anderl! Da hat jemand ein Paket verloren!“
Martin schaut sich schnell um, schnappt das Päckchen und die beiden Jungen laufen in einen verlassenen Hinterhof.
Martin reißt die Schachtel auf.
Eine Puppe!“ ruft er enttäuscht.
Lass sehen, vielleicht gefällt sie ja meiner kleinen Schwester.“
Anderl will ihm die Schachtel aus der Hand nehmen.
Martin weicht einen Schritt zurück und zieht feixend die Puppe an den Haaren heraus.
Doch wie sieht sie aus.
Ein Stück von der Nase fehlt, beide Beine baumeln hin und her. Sie sind aus den Gelenken gesprungen.
Ein Arm ist am Ellbogen gebrochen und das einst hübsche Kleid hat einen langen hässlichen Riss.
Pfui Deibel wirf sie weg!“
Martin grinst, wirft die Puppe in die Luft und kickt sie mit dem Fuß in Richtung Mülltonnen.
Diese landet auf einem Häufchen stinkendem Abfall, der aus der überquellenden Tonne gefallen war.
Die Buben laufen wieder hinaus auf die Straße.
Die einstmals so hübsche Puppe aber liegt auf einem Haufen Dreck und dicke Tränen kullern über ihr Gesicht.
Ihre ersten Schritte hinaus in die Welt waren ja nicht gerade schön verlaufen.
Sie war von einem Auto überrollt worden, durch die Luft geschleudert, von groben Bubenhänden an den Haaren gezogen und dann noch als Fußball benützt und letztendlich auf stinkendem Müll gelandet.
Es raschelt in ihrer Nähe und eine dicke fette Ratte trippelt auf sie zu, mustert sie aus kleinen runden Augen, stupst sie mit der Nase an und läuft davon.
Die Puppe betrachtet das Stückchen Himmel über ihr und traurig und voller Sehnsucht denkt sie an das kleine Mädchen, deren Haare genauso rot sind wie ihre.
Nie wieder würde sie es wiedersehen.




Plötzlich hört sie eine sonore Stimme singen.

Der König der Straßen werde ich genannt
Wenn ich nur zwinkere, kommen die Miezen angerannt
Bin so schön, besonders klug und ein vollendeter Kavalier
Und besiege alle Kater in meinem Revier

Ein kräftiger Kater stolziert mit hoch erhobenem Schwanz über den Hof.
Vor der Puppe bleibt er stehen und betrachtet sie nachdenklich.
Du siehst ja scheußlich aus!“
Danke! Du würdest auch nicht besser aussehen, wenn du von einem Auto überfahren und von frechen Buben als Fußball benützt worden wärst!“
Da dürftest du Recht haben. War wohl heute nicht dein Tag?“
Das kann man wohl sagen!“
Oh, Oh,“ der Kater wirft einen Blick über die Schulter,
da kommt der Hausmeister, der kann mich nicht leiden, ich verdrück mich mal wieder.“
Der Kater wendet sich um.
Halt! Du willst mich doch nicht hier lassen!“ ruft die Puppe verzweifelt.
Unschlüssig bleibt der Kater stehen und sein Blick wandert zwischen der Puppe und dem näher kommenden alten Mann hin und her.
Dann beugt er sich hinunter, nimmt das Kleid der Puppe ins Mäulchen und flitzt in großem Bogen um den Hausmeister herum und auf die Straße.
Der Kater läuft mehrere Straßen und Gassen entlang, dann setzt er mit einem eleganten Sprung über einen Zaun in einen Garten und legt seine Last ins Gras.
Die Puppe hat die Augen geschlossen, von dem Geschaukel ist ihr ganz schwindelig.
Der Kater stupst sie an.
Wach auf, wie heißt du eigentlich?“
Ich habe keinen Namen.“
Der Kater überlegt einen Moment, dann grinst er.
Ich werde dich Namenlos nennen. Ich heiße übrigens Ramon.“
Er beginnt eifrig mit seiner kleinen rauen Zungen sein Fell zu putzen.
Freut mich, Ramon, du hast wohl einen Reinigkeitsfimmel?“
lacht Namenlos.
Ramon wirft ihr einen strengen Blick zu.
Katzen sind die reinlichsten Tiere, die es gibt. Außerdem habe ich eine Verabredung.“
Namenlos sieht etwas zwischen den Bäumen blitzen.
Ich glaube deine Verabredung kommt,“ meint sie spöttisch.
Eine weiße Katze schreitet in eleganten geschmeidigen Bewegungen auf sie zu.
Ihr hoch gestellter Schwanz bewegt sich genauso elegant und schreibt kleine Kringel in die Luft.
Vor Ramon bleibt sie stehen.
Du kommst spät mein Lieber.“
Verzeih schönste Prisilla, aber ich wurde leider aufgehalten.
Doch nun bin ich ja bei dir mein göttliches Wesen:“
Namenlos verdreht die Augen. Was für ein Gesülze!
Die Katze streicht schnurrend um den Kater herum, da bemerkt sie die Puppe.
Igitt! Was ist denn das? Hast du diesen Müll in unseren schönen Garten gebracht?“
Aber liebste Prisilla, das ist meine Freundin Namenlos und sie wurde von einem Auto angefahren.“
Die Katze streift die Puppe mit einem verächtlichen Blick.
Schaff sie hier weg und dann komm. Auf der Terrasse steht ein Schälchen mit Sahne.“
Sie dreht sich um und stolziert davon.
Ramon nimmt das Kleid von Namenlos wieder zwischen die Zähne und flitzt mit ihr den Stamm eines Birnbaumes hoch.
Dort setzt er die Puppe auf einen Ast und raunt:
Ich hol dich später ab.“
Namenlos lehnt sich zurück an den Baum.
Schade, Ramon ist so ein lieber Kerl, was der bloß an dieser
eingebildeten Zicke findet.“
Die Puppe lässt ihren Blick schweifen.
Eigentlich ist es interessant, die Welt aus der Höhe zu betrachten.
In der Ferne funkeln die Dächer im Sonnenlicht und ein Fesselballon schwebt langsam über die Stadt.
Sie kann die Menschen in dem Ballon nicht erkennen, dafür ist er zu weit entfernt.
In „Marion`s Puppenstube“ war auch ein kleiner Fesselballon mit Püppchen darin.
Ach wie gerne würde sie wieder im Schaufenster sitzen und darauf warten, dass die kleine Anna ihr süßes Gesichtchen an die Scheibe presst.
Eine leise Sehnsucht schleicht sich in ihr Herz und ihre Augen werden feucht.



Weinst du?“
Eine Blaumeise hat sich neben ihr auf dem Ast nieder gelassen.
Die Puppe lächelt traurig.
Ach weißt du, ich hatte heute einen schweren Tag, bin von einem Auto überfahren worden.“
Ach du Ärmste! Ja diese stinkenden Kisten sind schon ein Greuel und rasen oft viel zu schnell. Ich bin froh, dass ich fliegen kann. Aber weißt du hier in der Nähe wohnt eine Frau, die repariert Puppen. Vielleicht kannst du ja einmal bei ihr vorbei schauen.“
Der Vogel legt den Kopf schief und beäugt die Puppe.
Kannst du denn auch fliegen oder wie bist du auf den Baum gekommen?“
Namenlos lacht.
Nein Ramon hat mich herauf gebracht.“
Das Vögelchen kichert.
Ramon, der Herzensbrecher! Er balzt gerade um Prisilla herum. Aber der Kater ist ein feiner Kerl und lässt uns Vögel in Ruhe. Nun muss ich aber weiter. Schön dich kennen gelernt zu haben.“
Die Blaumeise fliegt davon, dreht sich aber noch einmal um und ruft.
Sag Ramon, die Frau, die Puppen wieder gesund macht ist das Frauchen von dem Mops Hanna!
Dann fliegt er endgültig davon.

Morgen geht es weiter








Montag, 22. Juli 2024

Die Puppe Namenlos

Einen schönen Wochenanfang wünsche ich euch und beginne gleich mit einer längeren Fortsetzungsgeschichte.
Das bedeutet, dass ich auch übers Wochenende schreibe.
(schmunzeln, ich weiß, dass sich jetzt jemand sehr darüber freut.) 
Viel Spaß beim Lesen!


 



Die Puppe Namenlos




In dem kleinen Städtchen Bernsdorf in der Taubengasse 17 im 2. Stock wohnt die kleine Anna.
Anna ist vier Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Zweizimmerwohnung.
An ihren Vater kann Anna sich nicht mehr erinnern, denn der hatte sich in eine andere Frau verliebt und Anna und ihre Mutter verlassen, als das kleine Mädchen kaum laufen konnte.
Anna vermisste ihren Papa, den sie kaum kannte, aber nicht.
Hatte sie doch ihre über alles geliebte Mutter und die Nachbarin Oma Jansen.
Oma Jansen holte sie am Nachmittag immer vom Kindergarten ab und sie durfte dann bei ihr bleiben, bis Mutti von der Arbeit kam.
Bei Oma Jansen war es sehr schön.
Das Wohnzimmer war voll gestellt mit wuchtigen alten Möbeln und überall standen kleine Porzellanfiguren und es
roch so schön nach Lavendel und Rosen.
Manchmal spielte Oma Jansen mit ihr oder sie backten Kekse in der kleinen Küche, doch meistens legte die alte Frau ihre schmerzenden Beine hoch und hielt ein kleines Nickerchen.
Dann legte sich Anna bäuchlings auf den Teppich und malte mit ihren Buntstiften ein schönes Bild für Mama.
Meistens lag Minou die rotbraune Katze neben ihr und schnurrte behaglich.



Anna hatte seit einiger Zeit ein kleines Geheimnis, dass sie niemand anvertraute.
Sie wollte so gerne Puppenmutti werden.
Nicht von irgendeiner Puppe, sondern von einer ganz bestimmten.
Sie hatte sie im Schaufenster von „Marions Puppenstube“
gesehen und diese Puppe hatte genau so rote Haare wie Anna.
Jeden Tag wenn sie in den Kindergarten ging, kam sie dort vorbei.
Am Morgen konnte sie nur kurz einen Blick auf ihr „Kind“ richten, denn Mama lief immer so schnell.
Aber Oma Jansen, die Schwierigkeiten mit ihren Beinen hatte, ging immer sehr langsam und musste sich öfter ausruhen
Und neben „Marions Puppenstube“ stand eine Bank.
Während die alte Frau sich ausruhte, lief Anna zum Schaufenster, drückte ihre kleinen Patschhändchen und ihre Nase an die Scheibe und betrachtete voller Liebe und Sehnsucht „ihr Puppenkind.
Einmal fragte sie Oma Jansen, ob sie ihr bitte vorlesen könnte, wie teuer die Puppe mit dem roten Haar, dem grünen Kleid und den braunen Schnürstiefel wohl war.
Die alte Frau seufzte:
Ach Mädelchen, die Puppe kostet 125 Euro, das ist viel zu teuer für deine Mama.“
Und in Gedanken fügte sie hinzu ,“auch für mich, bei meiner kleinen Rente.“
Traurig senkte Anna den Kopf.
Diesen Satz „ viel zu teuer“ kannte sie und normalerweise machte es ihr nichts aus.
Sie war mit so viel Liebe umgeben, dass sie eigentlich nichts vermisste.
Doch diesmal spürte sie einen kleinen Stich im Herzen.
Zu gern hätte sie „ ihre Puppe“ in die Arme genommen.
Aber dann tröstete sie sich.
Sie konnte doch jeden Tag „ihr Kind“ im Schaufenster sehen.
Und frohgemut hüpft sie neben der alten Frau nach Hause.
Doch eines Tages war die Puppe aus dem Schaufenster verschwunden.
Was war geschehen?



Ein fein gekleideter Herr betrat eines Tages das Geschäft und kaufte die schöne rothaarige Puppe für seine Nichte zum Geburtstag.
Er gab der Verkäuferin eine Adresse und bat , die Puppe hübsch einzupacken und an seine Nichte zu senden.
Die Puppe wird aus dem Schaufenster geholt und in eine hübsche Geschenkschachtel gelegt und mit Packpapier versandfertig gemacht.
Margot, die Verkäuferin, die heute allein im Laden war, macht sich auf die Suche nach dem Lehrmädchen Lilli.
Dieses war ein faules mürrisches Mädchen.
Maßlos verwöhnt von einer nachgiebigen Mutter hatte sie sich noch nie in ihrem Leben anstrengen müssen.
Mit Ach und Krach schaffte sie die Schule und die Lehrstelle
in „Marions Puppenstube“ hatte sie nur bekommen, weil die Inhaberin ihre Tante war, die leider genauso nachsichtig war.
Lilli verkroch sich meistens hinten im Lager und hörte Musik.
Und dort sucht sie Margot auch.
Mit energischen Schritten geht sie auf das Mädchen zu, zieht ihr die Ohrstöpsel raus und schnauzt sie an.
Heb deinen faulen Hintern hoch, du musst ein Paket auf die Post bringen.“
Mit mürrischem Gesicht schlurft das Mädchen hinter der Verkäuferin her, klemmt sich das Paket unter den Arm und verlässt den Laden.
Draußen stöpselt sie sich die Lautsprecher wieder ins Ohr und zottelt langsam dahin.
Da die Musik so laut in ihren Ohren dröhnt, hört sie nicht den Warnruf eines Skateboardfahrers , der den Bürgersteig entlang saust.
Er kann zwar mit einem kurzen Schlenker dem Mädchen ausweichen, rumpelt sie aber doch ein wenig an.
Das Paket fliegt in hohem Bogen auf die Straße.
Ein Quietschen von Rädern und das demolierte Paket mit der Puppe landet auf der anderen Straßenseite neben einen roten Hydranten.
Erschrocken blickt Lilli auf die gegenüber liegende Seite.
Sollte sie hinüber gehen und das zerknautschte Paket holen?
Die Puppe war bestimmt kaputt und wenn sie damit zurück ins Geschäft ging, dann musste sie sich nur die nervige Strafpredigt von Margot anhören.
Wer konnte schon beweisen, dass sie nicht auf der Post war?
Und den Einlieferungszettel hatte sie einfach verloren.
Achselzuckend dreht sie sich um und ihr Blick fällt auf die Eisdiele.
Das war eine Idee!
Sie würde sich ein Eis kaufen und wenn sie dann zurück kommt, meint Margot sie käme geradewegs vom Postamt.


Morgen geht es weiter








Samstag, 20. Juli 2024

Geschichten aus dem Zauberwald Unwirsch Ende


Ich wünsche Euch ein scönes Wochenende





Trulla schickt Kalypso zurück und sieht ihre Freundin fragend an.
Wohin gehen wir nun? Deine Eltern werden dir Fragen stellen, wenn sie deine geschwollene Wange sehen.”
Goldflimmer nickt und meint leise.
Und ich möchte meine Eltern nicht belügen.”
Trübsinnig lassen die beiden Mädchen den Kopf hängen.
Dann lacht Trulla.
Ich habe eine Idee! Wir gehen zu Wurzel. Sie kann deine Wunden heilen und sie wird Unwirsch helfen. Denn obwohl er in letzter Zeit nur Dummheiten gemacht hat, liebt sie ihn. Und sie wird nicht wollen, dass er verbannt wird.”
Prima! Und bestimmt weiß sie auch wie man die schrecklichen Zwillinge los werden kann.” ruft Goldflimmer.
Nur wenn wir durch den Wald gehen, können wir den zwei Unholden in die Arme laufen. Wenn du nur fliegen könntest wie ich.”
Da sieht die kleine Elfe einen Maikäfer der vergnügt brummend durch die Luft taumelt und sie wedelt mit beiden Armen.
Hallo, Herr Maikäfer, könnten sie bitte zu uns kommen, wir brauchen ihre Hilfe.”
Der braune Geselle ändert seine Richtung und landet etwas schwerfällig neben den Mädchen.
Guten Tag, “ grüßt er etwas kurzatmig, “ was kann ich für euch tun? “
Wir müssen auf dem schnellsten Weg zu der Kräuterhexe Wurzel, aber meine Freundin kann leider nicht fliegen, würdet ihr sie auf euren Rücken nehmen?”
Aber gerne, so zwei bezaubernden jungen Damen bin ich mit Freuden behilflich,” meint der Maikäfer galant.
Trulla klettert auf seinen Rücken und los geht es.
Bald sind sie vor der Hütte von Wurzel.
Der Maikäfer bekommt von jedem der Mädchen zum Dank ein Küsschen, was ihn ganz verlegen macht, dann klopft Trulla kräftig an die Tür.
Herein!” tönt es von drinnen.
Die Mädchen sehen sich an, fassen sich an den Händen und betreten den halbdunklen Raum.
Wurzel sitzt am Tisch und sieht sie unter ihren dichten Brauen fragend an.
Was wollen eine Elfe und ein Koboldmädchen bei mir?”
Guten Tag ,Wurzel, wir brauchen deinen Rat und deine Hilfe, “ meint Trulla forsch.
Setzt euch!”
Schüchtern setzen sich die Mädchen und warten.
Wurzel wirft einen scharfen Blick auf Goldflimmer.
Wer hat dich denn so zugerichtet?”
Flip!”

Flip!” donnert eine tiefe grollende Stimme und ein großer bärtiger Mann taucht aus dem Dunkel des Zimmers auf.
Die Freundinnen ducken sich erschrocken.
Wurzel wedelt ungeduldig mit der Hand .
Setzt dich du Ungetüm, du erschreckst mir ja die Mädchen.”
Wollt ihr einen Weidenrindentee?” wendet sie sich an die Freundinnen, dann deutet sie auf den großen Mann, der sich inzwischen an den Tisch gesetzt hat.
Das ist übrigens mein Freund Garlefix, der Zauberer aus dem Reich der Riesen. Er sucht hier zwei Ausreißer , die ihm etwas gestohlen haben.”
Seinen Tarnmantel!” ruft Trulla und der
Zauberer fixiert sie mit grimmigem Blick.
Was weiß du davon?”
Und nun erzählt das Koboldmädchen was sie heute morgen von Unwirsch erfahren hat, auch wie sie Goldflimmer auf des Koboldkönigs Wunsch befreit hat.”
Wurzel hat ihnen inzwischen zwei dampfende Becher mit Tee hingestellt und trägt nun vorsichtig eine Salbe auf die verwundete Wange der Elfe.
In wenigen Minuten ist nichts mehr zu sehen. Du willst also Unwirsch nicht verklagen beim großen Feenkönig?”
Nein” Es waren doch die bösen Buben die mich entführt haben und ich glaube meiner Freundin Trulla, dass Unwirsch nichts davon ahnte. 
 
Außerdem liebt Trulla , warum auch immer, diesen Koboldkönig und ich würde meiner Freundin niemals Kummer bereiten.”
Wurzel fixiert die rot gewordene Trulla.
Du liebst also diesen Dummkopf!”
Das Mädchen hebt stolz den Kopf und blickt der Hexe gerade in die Augen.
Ja, ich liebe ihn und er ist keineswegs ein Dummkopf. Er sehnt sich insgeheim nur nach der schönen Zeit zurück, als seine Eltern noch lebten und die obere und die untere Welt miteinander in Frieden lebten.”




Wurzel nickt langsam und bedächtig.
Du kannst recht haben, Kuddelmuddel hat ihm nicht die Chance gelassen erwachsen und ein guter König zu werden. Du wärst die richtige Königin. Dann hoffen wir, dass er wirklich kein Dummkopf ist und es endlich bemerkt.”
Ich glaube er hat es schon,” gesteht Trulla errötend.
Und Goldflimmer lacht , “und dass ihm noch mehr die Augen aufgeben dafür werde ich sorgen. Ich habe einen Plan.”
Wurzel betrachtet sie nachdenklich, dann lächelt sie.
Es ist gut, dass ihr zwei Freundinnen geworden seid. Gut für Zauberland und seine Bewohner. Ihr könnt gehen, deine Backe ist übrigens geheilt.”
Goldflimmer springt auf.
Dann gehen wir zu mir nach Hause, komm Trulla.”
Wartet ich lasse euch nach Hause bringen.”
Wurzel tritt vor die Tür und stößt einen Pfiff aus.
Es rauscht in der Luft und ein wunderschöner Falke gleitet mit ausgebreiteten Flügel auf sie zu, landet vor Wurzels Füßen und verneigt sich ehrerbietig.
Herrin, ihr habt nach mir gerufen?”
Würdest du bitte meine Gäste nach Haus fliegen in das Land von König Märzenbecher.”
Der Falke neigt stolz den Kopf und als Goldflimmer und Trulla auf seinen Rücken geklettert sind, erhebt er sich in die Luft und schwebt majestätisch gen Himmel davon.
Der Zauberer ist hinter Wurzel aus der Hütte getreten und sieht mit zusammen gekniffenen Augen dem stolzen Vogel nach.
Nette Mädchen und Trulla wird deinem Patensohn gut tun. Scheint sehr energisch zu sein.” brummt er schmunzelnd.
Wurzel nickt.
Garlefix räuspert sich.
Ich werde mich mal auf die Suche nach den beiden bösen Buben machen und dafür sorgen , dass in deine Heimat wieder der Frieden einkehrt.”
Er stapft mit großen Schritten davon.

Flip und Flap aber haben ihren Spaß.
Sie bewerfen die Tiere mit Eicheln, stehlen den Zwergen das Essen vom Tisch. Schupsen kleine Wichtelkinder von der Schaukel. Sie rasen durch Zauberland und hinterlassen nur Schrecken.
Niemand kann sich die unheimlichen Vorgänge erklären.
Es ist als wüte ein unsichtbarer Geist in dem kleinen friedlichen Land.
Kichernd haben sie gerade das Wichteldorf
 verlassen, in dem sie den Kindern mächtig Angst eingejagt haben, da wird der Tarnmantel gepackt und sie stehen im Freien.
Entsetzt starren sie in Garlefix grimmige Augen.
Habe ich euch endlich, ihr Diebe!”
Der Zauberer packt jeden der bösen Buben am Ohr und verschwindet mit ihnen in einer Rauchwolke, die gleich darauf bei Wurzel wieder auftaucht.
Ich habe die Beiden, sie werden in Zukunft als Diener in meinem Schloss arbeiten, da wird ihnen die Lust auf böse Streiche wohl vergehen.”
Die Kräuterhexe betrachtet Flip und Flap, die beide ziemlich entsetzt aussehen.
Trotzdem meint Flap frech.
Dein Patensohn hat Goldflimmer entführt, was wird der Feenkönig dazu wohl sagen.”
Schweig!” schimpft Wurzel, “Goldflimmer ist schon längst wieder frei und Unwirsch hat uns von eurer Erpressung erzählt.”
Dieser Narr! Er bleibt eben immer ein Langweiler!” ruft Flip verächtlich.
Wer der Narr ist wird sich noch herausstellen, schaff sie mir aus den Augen, Garlefix!”
Mit lautem Knall, eine dunkle Wolke hinter sich lassend verschwindet der Zauberer mit seinen Gefangenen.
 
Wurzel aber macht sich auf den Weg, um Unwirsch die gute Neuigkeit zu überbringen.
Der Falke kreist über dem Blumenland und sucht mit seinen scharfen Augen einen sicheren Landeplatz.
Die Elfen laufen erschreckt durcheinander und suchen Schutz unter den Blumen, als sie den dunklen Schatten des Vogels über sich auftauchen sehen.
Der Falke landet und die Mädchen klettern von seinem Rücken.
Dann verneigt er sich und steigt in die Lüfte.
Goldflimmer aber nimmt Trulla an der Hand und läuft mit ihr auf die Blumenwiese.
Langsam kommen die Elfen wieder aus ihren Verstecken.
Misstrauisch mustern sie Trulla, doch da Goldflimmer keine Angst zu haben schien, treten sie näher.
Das ist Trulla meine Freundin, sie ist ein ganz liebes Mädchen und ihr braucht keine Angst vor ihr zu haben.”
Wispernd und neugierig umringen die kleinen zarten Wesen das Koboldfräulein, zupfen an ihren Haaren und betasten den groben Stoff ihres Kleides.

Ein kleines Elfenmädchen ruft. “Die hat aber ein hässliches Kleid an!”
Trulla wird knallrot.
 
Goldflimmer sieht die Kleine streng an.
Butterblume, das war sehr unhöflich, geh und hole Frau Fingerhut!”
Dann betrachtet sie den braunen Sack, den Trulla als Kleid trägt.
Wer schneidert eure Kleider?”
Meister Kutte, seine Frau webt die groben Stoffe aus Hanf und der Meister näht für die Frauen ein Kleid, und für die Männer Hosen und Jacken.”
Bestimmt alle nach demselben Schnittmuster,” murmelt Goldflimmer.
Sie ergreift Trullas Hand und zieht sie mit in ihr Zimmer.
Staunend sieht diese sich um.
Wie schön und hell es hier war und alles zierlich und zart.
Doch Trulla bekommt gar keine Zeit mehr zum denken. Die Elfen die sie begleitet haben, ziehen ihr das Kleid über den Kopf. Eine große Wanne mit Wasser wird herein getragen. Kleine Lavendelmädchen trippeln eilig ins Zimmer und halten den Kopf in das warme Wasser und bald zieht ein zarter wunderbarer Duft durch den Raum.
Trulla muss sich nun in die Wanne setzen und ein Elfenmädchen wäscht ihr den Rücken und ein anders schäumt ihre Haare mit süß duftenden Rosenschaum ein.

Dann wird sie in ein weiches Tuch gehüllt und muss sich aufs Bett setzen.
Nun kommt Frau Fingerhut mit einem roten Stoff aus Rosenblättern gewebt und zusammen mit ihren Helferinnen wird in kurzer Zeit ein schönes Kleid genäht.
Trulla kommt gar nicht mehr zum denken. Bald steht sie in dem Rosenkleid, das in mehreren übereinander liegenden Bahnen zu einem bauschigen Rock gearbeitet war, etwas verwirrt und schüchtern vor Goldflimmer.
Diese lacht übermütig, fasst sie an den Händen und tanzt mit ihr im Zimmer herum.
Du bist so wunderschön, Unwirsch wird Augen machen! Komm du musst dich unbedingt ansehen.”
Sie zieht Trulla hinaus zu dem Brunnen und staunend sieht diese auf das schöne Mädchen , das ihr aus dem Wasser,entgegen sieht.
Bin das ich?”
Ja!” lacht Goldflimmer , “aber da fehlt noch was.”
Sie zieht ein kleines Döschen aus der Tasche.
Feenstaub, von meiner Patentante der Sonnenfee!”
Sie nimmt eine kleine Prise und wirft sie über Trulla.
Und diese beginnt auf einmal zu strahlen und leuchten, wie eine kleine Sonne.
Nun bist du Goldflimmers Schwester !” ruft die kleine Elfe Butterblume und Goldflimmer lacht.
Komm mit, ich möchte dich meinen Eltern vorstellen!”

Unwirsch und Harro sitzen zusammen und beraten. Der Koboldkönig hat seinem Freund und Minister alles erzählt und nachdem ihn dieser erst einmal kräftig ausgeschimpft hat, hat er ihm aber sofort angeboten zu helfen.
Es war nicht einfach einen Weg aus dieser misslichen Lage zu finden und mehr als ein Plan wurde schon verworfen.
Wurzel betritt den Raum und geht mit ihren energischen Schritten auf die beiden jungen Männer zu.
Na, was habt ihr denn so wichtiges zu bereden?”
Unwirsch sieht seine Patentante erschrocken an und Harro neigt grüßend den Kopf.
Wurzel schaut spöttisch auf den König.
Willst du deiner alten Patentante denn keinen Platz anbieten?”
Harro springt auf und holt einen Stuhl herbei .
Wurzel setzt sich und meint beiläufig:
Worüber habt ihr denn geredet, geht es um Flip und Flap?”
Sie weiß es!” stöhnt Unwirsch, lässt sich in seinen Sessel zurück fallen und schließt die Augen.”
Ja ich weiß es, dank der klugen Schwester von Harro! Sie und Goldflimmer haben mich um Hilfe gebeten.”
Trulla?”
Ja, Trulla, ein sehr kluges Mädchen und sehr hübsch! Der Zauberer aus dem Riesenland war gerade bei mir. Er war auf der Suche nach den Ausreißern.

Er hat sie mitgenommen auf sein Schloss und wird dafür sorgen, dass sie nie mehr ausreißen können.”
Harro und Unwirsch atmen erleichtert auf.
Ein Lärm entsteht auf dem Flur.
Trulla tritt ein und die Kobolde drängen hinter ihr in den Raum.
Doch wie sieht Trulla aus. Sie trägt ein rotes Kleid, das wie eine Rose geformt ist und strahlt wie eine kleine Sonne.
Ein süßer Duft nach Lavendel und Rosen breitet sich im Saal aus.
Harro starrt seine völlig veränderte Schwester mit offenen Mund an und Unwirsch springt auf und geht Trulla entgegen.
Du bist wunderschön!”
Trulla errötet vor Freude.
Unwirsch kniet sich nieder und sagt feierlich:
Trulla, willst du meine Frau werden?”
Die Kobolde halten den Atem an.
Trulla aber verschränkt die Arme vor der Brust und fragt spöttisch.
Warum, weil ich nun aussehe wie eine Elfe?”
Nein!




Unwirsch schüttelt heftig den Kopf.
Ich habe dich schon immer geliebt, es ist mir nur nicht bewusst gewesen. Erst als du böse auf mich warst und mich tagelang nicht mehr besucht hast, habe ich gemerkt wie sehr du mir fehlst und dass ich dich liebe.”
Ein strahlendes Lächeln zieht über Trullas Gesicht.
Nun, wenn das so ist, dann nehme ich deinen Antrag gerne an.”
Unwirsch springt auf und nimmt sie stürmisch in die Arme.
Die Kobolde jubeln und Wurzel lächelt still
Mit diesem klugen und energischen Mädchen an der Seite würde Unwirsch ein guter König werden und bestimmt nicht mehr auf Abwege geraten.

Goldflimmer und Trulla feierten eine Doppelhochzeit bei der die Wesen der unteren Welt und die Wesen der oberen Welt eingeladen waren.
In das Koboldreich kehren Fröhlichkeit, Licht und bunte Farben ein.
Denn begeistert von den neuen schönen Kleidern der Königin wollten nun alle Koboldamen auch so gekleidet sein.
Und die Frau von Meister Kutte heizte ihm ganz schön ein, damit der sich mehr Mühe gäbe und schönere Schnittmuster anfertigte.

Die aus Blumen gewebten Stoffe lieferten die Elfen und bald hatte jede der Koboldfrauen und Mädchen ein schönes buntes Kleid und die einstmals graue triste Höhle war bunt und hell, denn Trulla hatte von Goldflimmer ein Döschen mit Feenstaub bekommen und leuchtete wie eine kleine Sonne.
So lebten die untere Welt mit der oberen Welt wieder in Freundschaft und Frieden, weil ein Elfenmädchen und ein Koboldmädchen Freundinnen wurden.

Ihr wollt wissen was aus Flip und Flap geworden ist?
Vortreffliche Diener! Das Schloss des Zauberers glänzt von oben bis unten vor Sauberkeit.
Am Anfang wollten die bösen Buben immer wieder ausreißen, doch bei jedem Schlupfloch, das sie fanden prallten sie an eine unsichtbare Mauer.
Dann weigerten sie sich zu arbeiten, doch jede Arbeit, die sie ablehnten, verdoppelte sich auf wunderbare Weise und sie hatten noch mehr zu tun.
Dann streikten sie, verschränkten ihre Arme und wollten gar nichts mehr tun.
Da löste sich ein grober Stock von der Wand und versohlte ihnen den Hintern.
Heute sind die beiden die perfekten Diener, trotzdem lässt der Zauberer sie nicht aus den Augen, denn so ganz vertraut er ihnen doch nicht.

(c) Lore Platz