Mittwoch, 18. Dezember 2019

Lila - Luna , Anneliese und der Schmetterling im Weihnachtsbaum


 Mit dieser Geschichte möchte ich mich für einige Zeit verabschieden, wann ich wieder komme weiß ich nicht, denn am Samstag kommt meine Tochter und mit ihr mein neuer Laptop mit window 10. 
Wie einige wissen, bin ich vor einigen Tagen 70 geworden  und wie lange ich brauche, um das neue System zu beherrschen wissen die Götter.
Auf jeden Fall sehen wir uns nächstes Jahr wieder. Vielleicht schaffe ich es ja bis zum Reizwortgeschichtentag am 15. Januar.
Ich wünsche euch ein friedliches besinnliches Weihnachtsfest und kommt mir alle gut ins neue Jahr.
Und denkt daran ja kälter die Welt wird, umso mehr Liebe braucht sie, also fangt in eurer Umgebung an. 
Liebe die man gibt, ist niemals verschwendet.

Viel Spaß beim Lesen!
 




Lila-Luna, Anneliese und der Schmetterling im Weihnachtsbaum


Anneliese kehrt die letzten mit Reif überzogenen Blätter auf die Schaufel und leert sie in die Biotonne.
Bi-bi bist du endlich fertig?“
Anneliese sieht sich um und entdeckt Lila-Luna die beide Arme um sich geschlungen auf dem untersten Ast des Kirschbaumes sitzt.
Was machst du denn hier? Solltest du nicht schon längst unter der Erde zum Überwintern sein?
Ja, aber ich möchte diesmal bei dir überwintern, aber nun lass uns schnell hingehen, bevor ich erfriere.“
Wenig später sitzt die kleine Elfe neben dem Ofen und allmählich hört sie auf zu zittern.
Du hast mir soviel letztes Jahr von dem Weihnachtsfest erzählt, dass ich auch einmal eines erleben möchte. 
Die Elfenkönigin hat es erlaubt, besonders weil du ihr letztes Jahr das Leben gerettet hast. Nur meinen Zauberstab durfte ich nicht mitnehmen, da sie nicht eingreifen kann, wenn ich mal wieder einen Fehler mache.“
Anneliese lacht. „Ist auch besser so, du würdest uns bestimmt in eine Klemme bringen.“
Naja,“ dann muss die kleine Elfe aber auch lachen.
Das Telefon klingelt.
Hallo Süße,“ hört sie ihre Mutter. „Bei uns ist der Teufel los, wir haben einige Notfälle herein bekommen und ich kann nicht früher nach Hause
gehen.“
Aber wir wollten doch heute zusammen in die Stadt fahren,“ meint Anneliese traurig.
Morgen habe ich frei, dann holen wir es nach.“
Wann kommst du nach Hause.“
Es kann spät werden.“
Okay, dann bis heute Abend.“ Anneliese legt den Hörer auf.
Was ist los?“ fragt Lila-Luna, als sie das traurige Gesicht ihrer Freundin sieht.
Mama kommt erst heute Abend nach Hause und wir wollten doch in die Stadt.“
Warum gehen wir nicht zusammen.“
Das ist eine gute Idee, dann kann ich auch gleich Mamas Weihnachtsgeschenk besorgen.“
Was willst du denn deiner Mama schenken?“
Den neuesten Krimi von J:D:Robb.“
Hast du denn Geld?“ fragte die kleine Elfe, die wusste, dass ihre Freundin und deren Mutter nicht sehr reich waren.
Ja, in den Sommerferien war ich doch bei meinem Papa und der hat mir zum Abschied 50 € gegeben und die habe ich aufgehoben.“
Magst du jetzt deinen Papa wieder?“
Ja, am Anfang war ich ja schrecklich wütend auf ihn, weil er uns verlassen hat, aber nun ist soviel Zeit vergangen. Seine neue Frau ist eigentlich ganz nett und ich habe zwei Halbgeschwister, Zwillinge Paul und Paula.“
Und deine Mama?“
Die ist auch darüber hinweg. Sie hat mir mal erzählt. Papa und sie hätten viel zu jung geheiratet und dann sich auseinander gelebt. Mama liebt ihren
Beruf als Krankenschwester und ist zufrieden,doch nun lass uns in die Stadt fahren.“
Anneliese zieht sich warm an und lässt die kleine Elfe unter ihre Wollmütze schlüpfen.
Anfangs hielt sie das für eine gute Idee, doch schnell bereute sie es. Während der Busfahrt war es noch ruhig unter ihrer Mütze, aber sobald sie in der Stadt waren, krabbelte Lila-Luna von einer Seite auf die andere, denn es gab soviel zu sehen.
Gib endlich Ruhe!“ zischt Anneliese und geht mit schnellen Schritten in das nächste Kaufhaus direkt in die Spielzeugabteilung. 
Bald hat sie gefunden was sie gesucht hat. Sie bezahlt an der Kasse und geht zu den Damentoiletten. 
Nachdem sie sich vergewissert hat, dass die Kabinen leer sind, zieht sie die Mütze vom Kopf und die Elfe setzt sich auf das Waschbecken. 
Anneliese fährt mit der Bürste kräftig durch ihre Haare.
Ich fühle mich, als wäre eine Kompanie Ameisen über meinen Kopf gewandert.“ brummt sie.



Dann öffnet sie die kleine Geschenkschachtel und hilft der Elfe in den roten warmen Mantel.
Entzückend sah sie aus in dem bodenlangen Mantel mit Kapuze. Wie eine kleine Puppe.
Lila-Luna schlägt begeistert die Hände zusammen, als Anneliese sie hochhebt und sie sich im Spiegel sieht.
So nun kannst du in meine Manteltasche kriechen und viel besser sehen.“
In der Buchabteilung hat Anneliese bald das Buch für ihre Mutter gefunden, das auf dem Tisch für Neuerscheinungen liegt.
Auch ein dickes Geschichtenbuch, hübsch illustriert, liegt auf dem Tisch und Anneliese blättert darin.
Gefällt es dir, ich könnte es dir in deine Tasche zaubern?“
Welch ein Glück, dass du deinen Zauberstab nicht hast, du würdest mich ganz schön in die Klemme bringen, denn sie würden mich als Dieb verhaften.“
Ach ja, habe ich ja ganz vergessen,“ seufzt die Elfe, „ Dabei wollte ich dir doch eine Freude machen.“
Anneliese grinst nur und geht an die Kasse.
Sie bummelt nun durch die Stadt und beantwortet Lila-Lunas unermüdliche Fragen.
Erklärt ihr, warum der Weihnachtsbaum aufgestellt war und was die vielen Holzbuden darum bedeuten.
Die kleine Elfe quiekt vor Freude, als ihr Anneliese berichtet, dass sie Morgen Abend mit ihrer Mutter auf den Weihnachtsmarkt gehen.
Zuhause macht Anneliese für sie beide einen Kakao den Lila -Luna aus einen Fingerhut trinkt und gar nicht genug bekommen kann.
Später kommt die Mutter nach Hause, todmüde und Anneliese umsorgt sie. Die Elfe ab versteckt sich ganz oben auf dem Schrank.
Später schläft sie dann mit Anneliese im Bett, auf dem Kopfkissen.
Am nächsten Tag ist Samstag und die Mutter hat frei. Sie schläft sehr lange und Anneliese und ihre kleine Freundin bereiten das Frühstück.
Als die Mutter noch etwas verschlafen in die Küche taumelt verschwindet die Elfe schnell wieder auf den Schrank.
Abends darf sie dann wieder in ihr hübsches Mäntelchen schlüpfen und die drei machen sich auf den Weg in die Stadt zum Weihnachtsmarkt.



Lila-Luna kommt aus dem Staunen nicht heraus. All diese Lichter und Sterne. Was gab es auch alles zu sehen. Lebkuchen und alle Arten von Süßigkeiten, Kugeln in allen Farben, Glöckchen, Krippenfiguren
und vieles mehr.
Plötzlich bleibt die Mutter stehen und hebt eine Schneekugel hoch. „Genauso eine hatte ich als Kind, dass es die heute noch gibt.“
Was wurde aus deiner Kugel?“ will Anneliese wissen.
Ich weiß nicht, aber irgendwie ist sie verloren gegangen.“
Bedauernd legt ihre Mutter die Kugel zurück, für sie war dies Luxus.
Sie gehen weiter,dann ruft Anneliese.
Ich habe meinen Handschuh verloren.“
Gut wir treffen uns am Würstelstand.“
Das Mädchen läuft zurück.
Da hast doch deinen Handschuh eben in die Manteltasche gesteckt.?“
Ja aber ich brauchte doch eine Ausrede, denn ich möchte die Schneekugel für meine Mama kaufen.“
Oh, noch ein Weihnachtsgeschenk.“
Anneliese gibt keine Antwort, denn sie haben nun den Stand erreicht. Bald ist die Kugel hübsch verpackt in ihrer Tasche.
Ihre Mutter wartet an der Imbissbude und nachdem sie genüsslich eine Bratwurst verspeist haben und einen alkoholfreien Glühwein getrunken, gehen sie
zum Bus.
Am nächsten Tag ist der zweite Advent und Lila-Luna staunt, als Anneliese mitten auf den Tisch einen Adventskranz stellt und zwei Kerzen anzündet.
Als die Mutter in die Küche kommt verschwindet die kleine Elfe wieder auf dem Schrank und sieht mit glücklichen Augen hinunter. Nein sie hat es nicht bereut, dass sie diesen Winter bei ihrer Freundin verbringt. So viel schönes hat sie nun schon erlebt.
Später backen Anneliese und ihre Mutter und ein herrlicher Duft zieht durch die Küche.
Abends als die beiden Freundinnen in Annelieses Zimmer sind darf Lila-Luna ein Plätzchen probieren.
Die Elfe ist etwas traurig, sie wollte doch auch so gerne Plätzchen backen. Doch Anneliese
verspricht ihr morgen wenn die Mutter in der Arbeit ist, mit ihr zu backen.
Vor Aufregung kann Lila-Luna kaum schlafen und sobald Anneliese aus der Schule komm drängt sie ihre Freundin nun endlich mit dem Backen anzufangen.
Gutmütig holt diese die Schüssel aus dem Schrank und was sie sonst noch brauchen.
Die Beiden haben viel Spaß zusammen und albern und kichern. 
Die Elfe wäre beinahe einmal in den Teig geplumpst, wenn Anneliese sie nicht geistesgegenwärtig davor bewahrt hätte.
Aber trotzdem füllten sie eine Dose nach der anderen mit Plätzchen.
Eine davon ist für die alte Kräuterfrau bestimmt, die damals der Elfenkönigin geholfen hatte und die Anneliese seitdem immer wieder einmal besucht.



Die alte Frau lebt ganz allein in einem Häuschen am Rande des Waldes und würde auch Weihnachten allen sein. 
Anneliese will sie am HL. Abend besuchen und ihr ein Geschenk und die Plätzchen vorbei bringen.
Die Tage vergehen sehr schnell und die beiden Freundinnen haben viel Spaß zusammen.
Während das Mädchen in der Schule ist, sitzt die Elfe meistens am Fenster und beobachtet wie der Schnee in dicken Flocken vom Himmel fällt.
Auch den Vögeln, die sich am Futterhäuschen tummeln sieht sie so gern zu.
Trotzdem freut sie sich, wenn Anneliese endlich von der Schule nach Hause kommt.
Einmal fahren sie noch miteinander in die Stadt und das Mädchen kauft in der besten Konditorei Pralinen für ihre Mutter, die diese so gerne aß.
Dann entdeckt sie in einem Schaufenster kleine Jutensäckchen.
Sie nur, das wäre ein Geschenk für die Kräuterfrau.“
Anneliese kauft fünf Stück und noch einen Bogen mit leeren Aufklebern.
Nun habe ich alle Geschenke.“
Dann kannst du doch für dich das Buch kaufen.“
Nein, dazu reicht das Geld nicht mehr.“
Zwei Tage vor Weihnachten wird von der Gärtnerei der Baum geliefert und der Gärtner ist sogar so nett, ihn aufzustellen.
Lila-Luna fühlt sich als wäre sie im Wald.
Sie ist ein bisschen traurig, weil Anneliese mit ihrer Mutter am Abend den Baum schmücken will. Doch das Mädchen verspricht ihr, dass sie dafür am nächsten das Lametta aufhängen darf.
Bei fröhlicher Weihnachtsmusik, bei der sie vergnügt mitsingen schmücken Anneliese und ihre Mutter den Baum.



Lila-Luna hat sich auf die Vorhangstange gesetzt und betrachtet fasziniert das Geschehen. Dabei kann sie keinen Moment stillsitzen und fliegt immer wieder von der Vorhangstange zum Schrank und zurück.
Plötzlich schüttelt die Mutter den Kopf uns sieht sich im Zimmer um.
Hast du das auch gesehen. Ich glaube wir haben einen Schmetterling im Zimmer.“
Anneliese lacht etwas gekünstelt.
Ach Mama, da hast du dich getäuscht.“
Achselzuckend nimmt die Mutter die nächste Kugel und hängt sie an den Baum.
Als sie dann das Lametta im Karton sucht, nimmt Anneliese sie am Arm und führt sie zum Sofa.
Das mache ich Morgen, gleich fängt auch der Weihnachtsfilm an. Ich mache uns nur schnell einen Kakao.“

Am nächsten Tag, während Anneliese in der Schule und die Mutter im Krankenhaus, fliegt die kleine Elfe immer wieder staunend um den geschmückten Baum herum.
Dann setzt sie sich neben die Krippe und betrachtet das kleine Kind, das so lieblich lächelt und von dem ihr Anneliese soviel erzählt hat.
Weihnachten hat viel mit Liebe zu tun, das durch die Geburt diesen Kindes wieder in die Welt gekommen ist. 
Und deshalb beschenken sich auch die Menschen um einander zu zeigen, wie lieb sie sich haben.
Auch Lila-Luna hat sich ein Geschenk für ihre Freundin ausgedacht und hofft so sehr, dass es geklappt hat.
Als Anneliese aus der Schule kommt ruft sie überglücklich.
Wir haben Ferien!“
Wollen wir jetzt das Lametta auf dem Baum verteilen.“
Anneliese lacht.
Nun lass uns erst mal essen.“
In dem Moment klingelt es.
Der Postbote drückt ihr ein großes Paket in die Hand.
Von Papa,“ ruft das Mädchen überrascht. 
Sie unterschreibt den Zettel und stellt das Paket in den Flur.
Willst du es denn nicht aufmachen!“
Lila-Luna ist aufgeregter als ihr Freundin.
Diese lacht. „Das macht Mama heute Abend. Sie legt die Geschenke unter den Weihnachtsbaum.“
Ach das dauert doch soooo lange!“

Am nächsten Morgen weckt die Elfe das Mädchen schon ziemlich früh, sie selbst hat vor Aufregung kaum geschlafen.
Obwohl Anneliese noch müde ist steht sie doch auf, denn sie versteht die kleine Freundin und deren Aufregung.
Ist es doch Lila - Lunas erstes Weihnachtsfest.
Leise schleichen sie in die Küche, um die Mutter nicht zu wecken und bei Kakao und Plätzchen erzählt Anneliese von vergangenen Weihnachten, als sie noch ein kleines Kind war und ihr Vater noch bei ihnen war.
Die Elfe fliegt schnell auf den Schrank als die Mutter in die Küche kommt.
Diese schüttelt den Kopf.
Ich glaube ich habe schon wieder den Schmetterling gesehen.“
Anneliese senkt den Kopf und grinst.
Später gehen die beiden Freundinnen zu der alten Kräuterfrau.



Über Nacht hat es geschneit und es ist wunderschön durch den schneebedeckten Wald zu wandern.
Noch schöner aber ist die Freude der alten Frau über die Geschenke.




Und dann ist es endlich soweit!
Lila-Luna kann sich gar nicht sattsehen an dem leuchtendem Baum. Im Hintergrund ist leise Weihnachtsmusik zu hören.
Die Mutter freut sich so sehr über die Geschenke, besonders über die Schneekugel und immer wieder umarmt sie ihre Tochter.
Doch Anneliese staunt als sie die Geschenke ihres Vaters aufmacht. Neben Winterstiefeln, einem Mantel, sogar einem Muff, ist auch das von ihr so sehr gewünschte Geschichtenbuch.
Sie wirft einen fragenden Blick zu Lila-Luna, die vergnügt grinst und dann ganz nach oben auf den Weihnachtsbaum fliegt und sich direkt neben den Engel sitzt.
Die Mutter ruft.
Ich hatte doch Recht, sieh mal da oben auf dem Weihnachtsbaum sitzt ein Schmetterling.
Später als die beiden Freundinnen in Annelieses Zimmer sind fragt diese:
Hast du etwas mit dem Buch zu tun?“
Die Elfe nickt heftig.
Ich habe einen der Vögel, die am Futterhäuschen sind zur Elfenkönigin geschickt und sie gebeten einen Telepathie -zauber zu deinem Vater zu schicken.“
Anneliese schüttelt staunend den Kopf.
Dann ist das Buch eigentlich ein Geschenk von dir und ich habe gar nichts für dich.“
Du hast mir doch den schönen Mantel und die wunderbare Zeit die wir zusammen verbringen geschenkt.
Hast du nicht gesagt :
Weihnachten bedeutet Liebe und füreinander da zu sein?“


© Lore Platz



Dienstag, 17. Dezember 2019

Als meine Schwester einmal einen Hund retten wollte ( Erinnerungsgeschichte )





Hinter dem Haus, in dem wir damals wohnten war ein langgezogener Garten in dem wir Kinder spielen durften.
Eines Tages wurde am oberen Ende ein Zwinger gebaut und eine schöne Schäferhündin mit dem
Namen Bella zog dort ein.
Meine Schwester Karin war eine absolute Hundefreundin und vollkommen begeistert.
So oft es ihre Zeit zuließ besuchte sie den Hund und ich, die ja immer an ihren Fersen klebte, war dabei.
Doch während meine mutige Schwester in den Zwinger ging, blieb ich lieber draußen.
Wir waren damals zehn und fünf Jahre alt und der ängstlichen kleine Norle kam so ein Schäferhund riesig vor.
Leider wussten wir nicht, dass die alte Magd, die den Hund versorgen sollte, öfter mal vergaß den armen Kerl zu füttern.
Wir hätten bestimmt etwas unternommen.
In den Sommerferien fuhren wir mit unseren Eltern ins Saarland, der Heimat meiner Mutter.
Als wir zurück kamen, erfuhren wir, dass sich Bella durch den Zwinger gegraben hatte und ausgebüxt
war.
Natürlich besuchten wir sie sofort und sie freute sich sichtlich.
Jeden Tag liefen wir nun hinauf zu Bella und nahmen auch unsere Spielkameraden mit, die alle ohne Angst in den Zwinger gingen und oft ihr Butterbrot mit dem Hund teilten.
Nie hat die schöne Bella uns ein Leid getan.
Die Ferien gingen zu Ende und ich wurde eingeschult.
Statt draußen zu spielen saß ich nun in der Küche mit sorgenvoller Miene vor meiner Schiefertafel, den Griffel krampfhaft haltend und versuchte den
störrischen Buchstaben Ordnung bei zu bringen.
Aber immer wieder verspotteten sie mich.
Einmal neigten sie sich nach links oder sie begannen vor Lachen zu zittern und wurden ganz krumm.
Und immer wieder kam der unerbittliche nasse Schwamm in der Hand meines Vaters und wischte die Unholde wieder weg und meine Qual begann von vorne.


Auch Karin musste viel lernen, denn in puncto Schule war mein Vater sehr streng.
So hatten wir wenig Zeit für Bella und eines Tages grub sie sich wieder unter dem Zwinger durch.
Und auf ihrem Streifzug durch die Gegend biss sie eine Frau.
Das war das Todesurteil für Bella.
Und mein Vater wurde zum Henker bestimmt.
Da er Polizist war und der Hund unserem Vermieter gehörte, wurde auf der Gemeinde
beschlossen, dass er ihn erschießen soll.
Als wir davon hörten, fingen wir an zu weinen und flehten unseren Vater an, den Hund doch zu verschonen.
Aber er schüttelte nur den Kopf und meinte, es täte ihm selber leid.
Bella wäre so ein schönes Tier, aber sie sei eine Streunerin und hätte eine Frau angefallen und wäre deshalb eine Gefahr.
Karin aber handelte.
Zusammen mit ihrem Freund Josef entführte sie den Hund und versteckte ihn.
Mir erzählte sie nichts davon, denn sie wusste, dass ich nicht lügen konnte und wenn unsere Eltern zu bohren anfingen, dann bekamen sie alles aus mir heraus.
Vati ahnte, dass Karin den Hund versteckt hatte, aber diese hielt dicht.
Die Polizisten und einige Knechte durchkämmten die Gegend und natürlich fanden sie Bella und ein kurzer Schuss beendete ihr Leben.
Wir schmollten und redeten längere Zeit nicht mehr mit meinem Vater.
Meine Schwester aus Wut und Trotz und ich aus
Solidarität zu Karin.

Dieses Bild von seinem Hund Laky wurde  mir freundlicherweise von Werner Ganter zur Verfügung gestellt.

(C) Lore Platz


Montag, 16. Dezember 2019

Hermann und Herminchen und der Weihnachtself

Ich habe eine Serie von zwei Trollen und ihren Menschenfreunden
geschrieben und gestern eine neue Geschichte dazu erzählt. 
Letztes Jahr schrieb ich auch eine Weihnachtsgeschichte und zwar erzählte ich wie Niki zu den Trolls kam.
Ich habe sie jetzt aus dem Keller meines blogs geholt.
Viel spaß beim Lesen!



 
Eva V.

 
Hermann und Herminchen und der Weihnachtself


Hand in Hand und dick vermummt spazieren Hermann und Herminchen durch den den
tief verschneiten Wald zu ihrem gemütlichen Heim.
Sie haben bei dem Mann ohne Haare und dessen Frau, die man Oma nennt gefrühstückt,
Heute war der erste Advent und das Haus war herrlich geschmückt und duftet nach Wald.
Und auf dem Tisch stand ein runder Kranz aus Tannen und darauf waren vier Kerze.
Während des Frühstücks brannte eine Kerze und die Frau, die man Oma nennt hat ihnen erklärt was es bedeutet.
Ganz eigen wird ihnen danach zumute und beide denken, dass die Bräuche der Menschen doch sehr schön sind.
Plötzlich drückt Hermichen Hermanns Hand.
Hast du das auch gesehen, zwischen den Büschen hat es rot geleuchtet. Da schon wieder!“
Nun sieht auch der Troll es.
Komm heraus, wer immer du bist!“
Die Büsche teilten sich und ein kleiner Wichtel mit spitzen Ohren kam schüchtern hervor.
Was für ein süßer Wichtel!“ ruft Herminchen und klatscht in die Hände vor Freude.
Ich bin kein Wichtel,“ sagt dieser scheu, „ich bin ein Weihnachtself.“
Woher kommst du und was ist ein Weihnachtself?“ will Hermann wissen.
Lass ihn in Ruhe, siehst du nicht, wie der Kleine friert, wir wollen ihn mit zu uns nehmen.“
In Herminchen erwachen mütterliche Gefühle, als sie das kleine Kerlchen sieht.
Staunend sieht sich der Weihnachtself in der Wohnung um, wie gemütlich es hier war.
Unter den gütigen Blick der Trollfrau verliert er seine
Scheu und als sie gar noch Kakao und Plätzchen auftischt da greift er tüchtig zu.
Und er erzählt, dass er vom Himmel immer herunter gesehen hat und die Erde und die Menschen kennen lernen wollte. Deshalb hatte er sich auf dem Schlitten des Nikolaus versteckt und ist mit ihm herunter gefahren. Als sie durch diesen Wald fuhren ist er abgesprungen und hat sich versteckt.
Der Elf reißt auf einmal weit den Mund auf und gähnt ganz laut.



Die Trolle lachen und Herminchen bereitet ihrem kleinen Gast ein Bett und deckt ihn liebevoll zu.
Sie gibt ihm einen Kuss und streicht ihm über den Kopf. Glücklich kuschelt sich der Kleine in die Decke und ist fast sofort eingeschlafen.
Hermann beobachtet sein Herminchen besorgt und als sie zurück zu ihm an den Tisch kommt, nimmt er ihre Hand und sagt leise.
Du weißt, dass wir ihn nicht behalten können.“
Die Trollfrau nickt traurig und seufzt bekümmert.
Es wäre so schön einen Sohn zu haben.“
Ja, aber der Feenkönig wollte alle Trolle für immer auslöschen und nur uns beide hat er verschont, aber wir werden auch die einzigen Trolle bleiben.“
Aber er ist kein Troll, vielleicht könnten wir ihn an Kindes statt annehmen?“
Nein, er muss wieder zurück, sicher wird er vermisst.“
Bald gingen auch die beiden schlafen.
Herminchen schläft sehr unruhig und ist lange vor den anderen wach.
Leise zieht sie sich an und verlässt die Höhle.
Über Nacht hat es wieder geschneit und in Gedanken versunken stapft die Trollfrau durch den den tiefen Schnee.
Um diese Zeit begegnet sie noch niemanden so kann sie ungestört nachdenken.
Hermann hat ja Recht, der kleine Elf gehört in den Himmel.
Leise öffnet sie die Tür und lächelt, als sie Hermanns Schnarchen hört.
Vorsichtig tritt sie an das Bettchen ihres Gastes und fängt gellend an zu schreien.
Hermann setzt sich vor Schreck senkrecht im Bett auf und der kleine Elf sieht sie mit weit aufgerissenen Augen erschrocken an.
Was ist denn los?“
Der Kleine hat ein Stück von seinem Ohr verloren, es liegt auf dem Kissen.“
Der Troll springt aus dem Bett und starrt ebenfalls auf ihren Gast.
Dieser tastet neben sich und greift sich das Stück. Sein Gesicht wird flammenrot.
Er greift sich an das andere Ohr, zieht die Spitze ab und hält sie den beiden Trollen entgegen.
Was soll denn das?“ will Hermann wissen.
Ich bin gar kein Elf und habe auch keine Zauberkräfte, bin nur ein einfacher Wichtel. Der
Weihnachtsmann hat mich als Baby in diesem Wald gefunden, meine Eltern lagen erfroren neben mir, da hat er mich mit in den Himmel genommen. Alle waren sehr nett zu mir. Aber ich fühlte immer, dass ich anders war und hatte auch immer so Sehnsucht nach der Erde. Deshalb wollte ich wenigstens so aussehen wie die anderen Elfen und habe mir spitze Ohren gebastelt und angeklebt. Sie lachten mich anfangs aus, doch dann verstanden sie mich.“
Die Trolle sehen ihn einen Moment erstaunt an, dann prusten sie los.
Der Wichtel verzieht beleidigt das Gesicht, „nun lacht auch ihr mich aus.“
Aber du musst doch zugeben, dass das wirklich eine verrückte Idee ist und ziemlich clever,“ lacht Hermann und Herminchen kichert: „Und ich bin froh, dass deinen Ohren nichts passiert ist, alles nur Pappe!“
Nun muss auch der Wichtel lachen.
Wenig später fordert sie Hermann auf, nun endlich zum Frühstücken zu gehen.
Aber wir können den Kleinen doch nicht hier allein lassen und für draußen ist er viel zu leicht angezogen.“
Das haben wir gleich,“ Hermann schnappt sich eine Decke vom Bett und hüllt den kichernden Wichtel darin ein.
Du wirst den Mann ohne Haare und die Frau, die man Oma nennt gern haben. Wie heißt du überhaupt?“
Niki!“

Oma und Opa Schinkel sind begeistert von dem kleinen Niki und dieser sieht sich staunend in der Wohnung um.
Nach dem Frühstück gehen Hermann, Niki und Opa Schinkel in die Werkstatt.
Oma Schinkel, setzt sich an die Nähmaschine, um für den kleinen Kerl warme Kleidung zu nähen und Herminchen, die inzwischen stricken gelernt hat versucht eine Mütze zu stricken.
Kurz vor dem Mittagessen kommen die drei Männer in die Küche und Niki zeigt stolz seine Stiefel, die der Opa ihm gemacht hat.
Und als er dann später noch die warmen Kleider anzieht, ist er überglücklich.
Als sie gegen Abend wieder nach Hause gehen gibt ihnen Oma Schinkel, noch einen Korb mit leckeren Sachen und eine große Thermoskanne mit heißer Schokolade mit.
Für Niki aber beginnt eine herrliche Zeit. Er lernt die Tiere des Waldes kennen, tobt mit den Hasen im Schnee herum, hilft dem Eichkätzchen beim Suchen seiner Nüsse und darf Opa Schinkel helfen, wenn er Futter für die Tiere bringt.
Dafür hatte dieser im Herbst extra eine schöne Futterkrippe gebaut.
Selbst das Herz der grummeligen Frau Eule hat der kleine Schelm gewonnen.
Am Wochenende lernt Nika auch die zwei Langhaare kennen. Susi und Renate sind begeistert von ihm.
Sie bauen mit ihm einen Schneemann und Hermann und Hermichen stehen am Fenster und sehen glücklich zu.

Sie seufzen leise, 'ach wie schön wäre es'
Niki ist todmüde, als sie abends nach Hause gehen und Hermann muss ihn tragen.
Herminchen bringt den Kleinen ins Bett und Niki denkt kurz vor dem Einschlafen: ' wenn ich doch immer hier bleiben könnte.'
Am nächsten Morgen ganz früh klopft es an der Tür und als Herminchen verschlafen öffnet, erblickt sie Frau Eule.
Hör zu, heute Nacht habe ich beobachtet wie das Sandmännchen auf einem Mondstrahl auf die Erde gekommen ist. Ich habe es gebeten, dem Weihnachtsmann zu sagen, wo sich Niki befindet. Nun aber muss ich schlafen gehen.“
Sie rauscht davon.
Herminchen schließt die Tür und lehnt sich dagegen, Tränen laufen über ihr Gesicht, denn nun mussten sie sich wohl von Niki trennen.
Wer war das?“ fragt Hermann, der inzwischen aufgewacht ist.
Herminchen erzählt es ihm und auch er wird traurig.
Leise treten sie an das Bett und betrachten voller Liebe den Kleinen, dessen Backen vom Schlafen ganz rot sind.
Am Nachmittag desselben Tages klopft es.
Ich geh schon!“ ruft Niki und rennt zur Tür.
Weihnachtsmann!“ jubelt er und springt direkt in die Arme des Weihnachtsmanns.
Hermann und Herminchen treten langsam vor das Haus.
Das Sandmännchen hat mir gesagt, wo der kleine Ausreißer ist und ich danke euch beiden, dass ihr ihn so liebevoll aufgenommen habt. Dann werde ich ihn wohl wieder mitnehmen.“
Die Trolle senken schnell den Kopf, damit man ihre Tränen nicht sehen kann.
Forschend sieht der Weihnachtsmann sie an.
Niki aber flüstert ihm etwas ins Ohr.
Bist du sicher!“
Der alte Mann räuspert sich.
Hört mich an, Niki ist hier in diesem Wald geboren, seine Eltern leben nicht mehr, deshalb habe ich ihn mitgenommen. Aber so richtig heimisch hat er sich bei uns nie gefühlt. Nun hat er mir gesagt, dass er gerne bei euch bleiben möchte. Wollt ihr das auch?“
Ach ja! Wir haben ihn so lieb, als wäre er unser Kind.“
Niki jubelt und springt vom Arm des Weihnachtsmannes direkt in Arme Herminchens, die beinahe rückwärts in den Schnee gekullert wäre.
Lächelnd betrachtet der Weihnachtsmann die glückliche kleine Familie und er weiß, dass Niki endlich heim gefunden hat.
War das eine Freude auch bei der Familie Schinkel und an Weihnachten sitzen die Großeltern, die Eltern und die Trolle neben dem geschmückten Baum und beobachten glücklich lächelnd Susi, Renate und Niki beim Spielen.

© Lore Platz



Sonntag, 15. Dezember 2019

Hermann, Herminchen , Niki und der kleine Engel

Heute geht es um die Reizwörter:


Engelshaar, Stern, glitzern, jubeln, glücklich




Als ich mit dieser Geschichte zu schreiben begann, stolperte ich buchstäblich über den Engel.
Die Engel gibt es nur in der Mehrzahl, ansonsten heißt es der Engel.
Aber nun wollte ich über einen weiblichen Engel schreiben.
Doch wie bezeichnet man dieses Wesen.
Engelin, klingt doch scheußlich.
Also gab ich Nikis kleiner Freundin aus dem Himmel einfach einen weiblichen Namen.








Hermann, Herminchen , Niki und der kleine Engel

Niki, der kleine Wichtel tollt mit den Hasenkindern im Schnee herum.
Die Frau, die man Oma nannte, hat ihm einen dicken warmen Pullover, einen kuscheligen Schal und Handschuhe gestrickt.
Hermann tritt aus der Tür und streckt sich. Bautsch trifft ihn ein Schneeball und er sieht gerade noch wie Niki hinter einem Baum verschwindet.
Na warte du Schlingel!“
Mit zwei Schritten ist der Troll bei seinem Sohn und reibt, den sich kichernd windenden mit Schnee ein.
Herminchen von dem Lärm angelockt kommt vor die Tür und betrachtet kopfschüttelnd ihren Mann.
Männer sie werden doch nie erwachsen.
Wenn ihr fertig seid mit spielen, dann kommt zum frühstücken.“
Den jungen Hasen aber rief sie zu: Sagt eurer Mutter, der Mann ohne Haare hat gestern abend die Futterkrippen neu gefüllt.“
Hurra!“ jubeln diese begeistert und hoppeln wie der Blitz davon.
Ein Kichern ertönt und hinter einem Baum kommt eine kleine Gestalt hervor, barfuß, gekleidet in ein schneeweißes Kleid.
Langes lockiges helles Haar umhüllt die zierliche Gestalt und wenn man genau hinsieht, erkennt man auf dem Rücken leichte fedrige Flügel .
Niki stutzt, dann juchzt er: „Sabrina!“ und umarmt das Wesen stürmisch.
Niki, du erdrückst mich ja!“
Der Wichtel lässt sie los, nimmt ihre Hand und führt sie zu seinen Adoptiveltern.
Das ist Sabrina, meine beste Freundin im Himmel!“




Hermann kratzt sich am Kopf.
Und ich dachte immer, es gibt keine weiblichen Engel!“
Gibt es doch“, ruft Sabrina schnippisch und wendet sich mit blitzenden Augen an ihren Freund.
Du hast ihnen also nichts von mir erzählt, so schnell hast du mich vergessen!“
Niki wird etwas rot.
Ich habe meinen neuen Freunden sehr wenig vom Himmel erzählt, weil,“ er deutet auf sein Herz,
es hier so weh tut.“
Ach ja und ich habe mich in Lebensgefahr gebracht, nur um dich zu besuchen!“
Nun kommt herein zum frühstücken.“ unterbricht Hermine das Geplänkel.
Niki holt für Sabrina, die ihn keines Blickes würdigt, ein Gedeckt und erklärt ihr, dass es hier fast dasselbe Essen gibt wie im Himmel.
Aufgeregt erzählt er nun von seinem Leben auf der
 
Erde und den vielen Freunden, die er hier gefunden hat und bemerkt gar nicht, wie Sabrina immer stiller wird und auf einmal purzeln Tränen aus ihren Augen.
Warum weinst du?“ ruft der Wichtel erschrocken und Hermine fährt tröstend über den Lockenkopf des Engels.
Weil, weil du mich und alle deine Freunde im Himmel vollkommen vergessen hast.“
Das stimmt nicht, ich denke jeden Tag an euch, ich spreche nur nicht darüber, weil ich meinen Eltern nicht weh tun möchte.“
Warum sollte uns das weh tun!“ rufen Hermann und Hermine.
Weil ich dachte, dass es euch traurig macht und vielleicht denkt ihr dann, ich wäre nicht glücklich bei euch.“
Niki umarmt abwechselnd seine Eltern und Hermann brummt.
Du dummer Bub, als St Nikolaus dich als Baby hier im Wald fand, da wurde der Himmel deine Heimat, obwohl du spürtest, dass du nicht dahin gehört.
Als du letztes Jahr zu uns kamst und uns erlaubt wurde, dich als unseren Sohn zu behalten, da waren wir sehr glücklich, denn wir hatten dich lieb gewonnen. Und wir spürten, dass du bei uns glücklich bist.
Wir wunderten uns zwar, weil du nie über dein Leben im Himmel gesprochen hast, aber wir dachten es würde dir weh tun.“
Hermine sieht ihren Mann erstaunt an.
Soviel hat du noch nie gesprochen.“
Naja, wenn der Bub sich doch so unnötige Gedanken macht.“
Sabrina, die eben noch geweint hat, fängt schallend zu lachen an.
Was seid ihr doch komisch, ihr wollt Niki nicht verletzen und Nike wollte euch nicht verletzten.
Da ist es ja gut, dass ich gekommen bin und das geklärt ist.“
Nun fangen sie alle zu lachen an.
Die praktische Hermine steht auf und erklärt:
Niki und Sabrina, ihr räumt den Tisch und spült das Geschirr. Hermann und ich beladen den Schlitten.“
Niki erzählt Sabrina unterdessen von dem Mann ohne Haare, der Frau die man Oma nennt und den beiden Langhaaren Renate und Susanne.
Der Engel ist sehr neugierig auf die Menschen und als sich die Tür öffnet, denkt sie aha. Das ist der Mann ohne Haare und die Dame dahinter, die Frau die man Oma nennt.
Dass sie die beiden Mädchen erst am Wochenende kenne lernen wird hat ihr Niki schon gesagt.
Hermann stellt seinen kleinen Gast seinen Freunden vor. 




Als Sabrina das Zimmer betritt, staunt sie.
Das glitzert ja wie bei uns im Himmel.“
Frau Schinkel strahlt. „Das freut mich, wenn du denkst meine Wohnzimmer ähnelt dem Himmel.“
Als sie alle gemütlich sitzen will Herr Schinkel wissen, wie Sabrina denn auf die Erde gekommen ist.
Diese grinst verschmitzt und erzählt ihnen, dass sie unbedingt Niki besuchen wollte. Also hat sie sich an
eine Sternschnuppe gehängt, die gerade auf den Weg zur Erde.
Leider hatte sie vergessen, dass diese ja unterwegs verdampft und beinahe wäre es schlimm für sie ausgegangen,wenn nicht der gute Papa Mond alles beobachtet hätte und ihr blitzschnell einen silbernen Mondstrahl gesandt hätte, der sie hier Wald absetzte.
Na dann ist ja alles noch einmal gut gegangen.“ lächelt Opa Schinkel.
Sabrina achtet gar nicht auf ihn, sondern beugt sich zu Niki und flüstert. „Warum sieht die Frau, die man Oma nennt, mich immer so an.





Der Wichtel kichert. „Sie nimmt Maß!“
Was?“
Sie strickt für ihr Leben gern und wird dich bald von Kopf bis Fuß neu einkleiden, damit du es schön warm hast.“
Aber Engel frieren doch nicht!“
Das stört die Oma nicht, warte nur ab.“
In dem Moment sagt Frau Schinkel:
Wie wäre es, wenn ihr hier übernachtet,die Mädchen kommen Morgen und würden sich riesig freuen und außerdem könnte ich für unseren kleinen Gast etwas warmes zum Anziehen stricken.“
Sabrina will schon protestieren und erklären, dass Engel nicht frieren, doch Niki wirft ihr einen bittenden Blick zu und flüstert.
Nun lass ihr doch die Freude.“

Sabrina schnaubt nur, folgt aber dann doch der alten Frau ins Nebenzimmer, um sich Maß nehmen zu lassen.

Sie kommen, sie kommen!“ aufgeregt hüpft Niki auf und ab, als das Auto vorfährt.
Sabrina stellt sich neben ihn und beobachtet wie die Mädchen aus dem Wagen springen und ihr Vater ihnen langsam folgt.
Dann sollte ich mich wohl verstecken,“ und schnell schlüpft sie hinter dem langen Vorhang.
Oma, Opa, wir sind daaa!“ erklingt es zweistimmig und die Mädchen stürzen herein.
Hermann, Hermine, oh wie schön ihr seid auch da, ist Niki auch mitgekommen.“
Ja, er ist im Wohnzimmer,“ brummt Opa und begrüßt seinen Sohn mit Handschlag.
Oma küsst ihren Jungen auf die Wange.
Willst du noch mit frühstücken?“
Nein Mama, aber ich und Ulla kommen doch Morgen und ich freue mich schon auf deinen Sauerbraten.“
Ein Kuss, ein Winken und weg ist er .
Renate und Karin haben inzwischen Niki stürmisch begrüßt und die Trolle sitzen bereits am Tisch.
Hermann linst begehrlich zu den Brötchen, doch als er seine Hand ausstreckt, erhält er einen Klaps von Herminchen.
Willst du wohl warten bis alle am Tisch sitzen.“
ja gib‘s ihm nur, lange habe ich versucht ihm Benehmen beizubringen.“ lacht die Oma.
Hermann wird rot.
Hermann kann sich sehr wohl benehmen, er ist ein richtiger Gentleman!“ rufen die Mädchen empört.
Herminchen schnaubt und die Oma kichert.
Lasst den armen Hermann in Ruhe, setzt euch lieber.“ brummt der Opa.
Karin fällt es als erstes auf.
Oma, du hast dich verzählt,oder dachtest du Papa bleibt zum Frühstück.“
Die Oma lächelt geheimnisvoll.
Das Gedeck ist für unseren Gast.“
Wo ist er denn?“
Hier!“ ruft Sabrina und kommt aus ihrem Versteck.
Bist du das, was ich denke,“ flüstert Renate ehrfürchtig und betrachtet staunend die Flügel.
Sabrina nickt lächelnd und die Mädchen springen auf und bestürmen den Engel mit Fragen.
Hermann aber wird immer trauriger, das konnte ja lange dauern und dabei hatte er doch so Hunger.
Opa, der Mitleid mit ihm hat, ruft energisch.
Schluss jetzt, erzählen könnt ihr später, jetzt wird gefrühstückt,“ und an Hermann gewandt, „du hast so lange warten müssen, du darfst dir das erste Brötchen nehmen.“
Hermann strahlt.




Am Nachmittag gehen Opa, die Mädchen , Niki und Sabrina in den Wald.
Es war Tradition im Hause Schinkel, dass am Samstag vor dem ersten Advent, der Weihnachtsbaum im Wald ausgesucht wird.
Opa zieht den Schlitten, der voll beladen mit Futter für die Tiere ist.
Die Kinder helfen ihm voller Freude beim Abladen an der Futterkrippe.
Die Tiere, die schon lange keine Angst mehr vor ihren Menschen haben, kommen herbei und sehen ihnen zu.
Ganz vorwitzige versuchen sogar vom Schlitten zu naschen.
Nan,na,“ brummt Opa Schinkel gutmütig, „so ausgehungert könnt ihr doch gar nicht sein.“
Sabrina betrachtet das alles mit großen Augen und denkt: Nun kann ich verstehen warum es Niki hier unten so gut gefällt, bei diesen netten Menschen.
Und sie wird ein wenig traurig, denn sie weiß, dass Niki und sie nun in zwei verschiedenen Welten leben, denn niemals könnte sie hier auf der Erde glücklich sein. Ihre Heimat ist der Himmel.
Aber wie sollte sie eigentlich in den Himmel zurück kommen?
Aus ihren Gedanken heraus fragt sie die Mädchen:
Kommt St. Nikolaus in der Stadt zu Euch oder hier bei euren Großeltern?“
Er kommt hierher und wenn wir Schule haben, stellen Oma und Opa unsere Schuhe vor die Tür und
wir kommen dann am nächsten Tag mit unseren Eltern.“ erklärt Renate und Karin ruft.
Diesmal fällt der Nikolaustag auf Freitag, sodass Papa uns schon nach der Schule ins Forsthaus bringt und wir unsere Schuhe selber raus stellen dürfen. Warum fragst du?“
Ich dachte, vielleicht könnte ich mit St. Nikolaus in den Himmel zurück kehren.“
Nein! Willst du denn nicht hier bleiben.“ ruft Niki erschrocken.
Das geht doch nicht , meine Heimat ist der Himmel und deine Heimat ist jetzt hier.“
Nun ihr habt doch noch eine ganze Woche, die ihr gemeinsam verbringen könnt.“ tröstet Karin.
Kinder kommt, wir wollen nun den Baum aussuchen,“ ruft Herr Schinkel, der inzwischen fertig ist.
Sie streifen lange durch den Wald, bis sie einen Baum finden der allen gefällt.
Der Mann ohne Haare holt einen Stift aus seiner Hosentasche und kennzeichnet den Baum.
Warum macht er das?“ flüstert Sabrina und Niki erklärt: „Damit die Holzfäller, die den Baum am Samstag vor dem vierten Advent bringen, ihn auch finden.“
Und im Frühjahr dürfen wir helfen Opa einen neuen Baum zu pflanzen.“ erklären die Mädchen.
Auf den fragenden Blick des Engels sprechen sie weiter.
Opa gehört dieser Wald und er muss ihn hegen und pflegen. Jedes mal wenn ein Baum gefällt wird, muss ein neuer Baum gepflanzt werden, so bleibt der Kreislauf der Natur erhalten.“

Als sie nach Hause kommen wartete Oma schon mit Kakao und Plätzchen.
Die Kinder schwärmen von dem schönen Baum und freuen sich schon darauf ihn zu schmücken.
Denn zur Tradition Schinkel gehörte auch, dass am vierten Advent, die gesamte Familie den Weihnachtsbaum schmückt.
Auch Hermann, Herminchen und Niki strahlen, denn sie gehörten inzwischen ja auch zur Familie.
Oma hate sich aus dem Gespräch heraus gehalten, sondern versonnen in ihrer Tasse gerührt.
Nun hebt sie den Kopf und lächelt Sabrina an.
Als ich noch ein Kind war, haben wir den Baum mit Engelshaar geschmückt.“
Haben die Engel euch ihre Haare geschenkt?“
Nein , du bist der erste Engel, denn ich kenne.
Die Haare wurden künstlich hergestellt doch als Kind glaubte ich, dass sie echt wären.“
Das muss sehr schön ausgesehen haben, schade, dass es das heute nicht mehr gibt,“ seufzt Karin.
Ja, es war wunderschön und ich glaubte mich dem Himmel noch näher.“





Niki und Sabrina verbringen eine schöne Woche miteinander, doch viel zu schnell vergeht die Zeit.
Am Freitag treffen sich alle im Forsthaus und jedes der Kinder darf seine Schuhe selbst vor die Tür stellen.
Sabrina würde auf den Nikolaus warten.
Karin, hat bemerkt, dass Nikis Schuhe so klein sind, dass nur ein Bonbon hinein passt.
Sie nimmt Sabrina beiseite und schlägt ihr vor sie den Nikolaus zu bitten doch ein Säckchen neben die Schuhe des Wichtels zu legen.
Der kleine Engel verspricht es.

Das Haus ist still, alle sind schlafen gegangen, nur Sabrina steht am Fenster und blickt hinauf in den sternenklaren Himmel.
Sie lächelt, als sie einen silbernen Mondstrahl zwischen den Bäumen sieht.
Bald würde St. Nikolaus hier sein und schnell eilt sie vor die Tür.
Bald war das lustige Klingeln des Schlittens zu hören und der heilige Mann lacht schon von weitem.
Na, du Racker, habe mir schon gedacht, dass du Niki besuchen wolltest, das nächste Mal frag doch einfach mich, jaja, der Mond hat mir schon berichtet welch gefährlichen Weg du genommen hast.“
Sabrina wird ein wenig verlegen und streichelt den weißen Schimmel, während St. Nikolaus vom Schritten springt.
Als er die Schuhe sieht lacht er schallend.
Wie ich sehe hat Niki auch seine Schuhe heraus gestellt, hm sind ein bisschen klein.“
Ja, deshalb bitten dich auch die Mädchen, dass du doch einen kleinen Sack neben die Schuhe stellst.“
Sind liebe Mädchen, haben den Kleinen wie einen Bruder aufgenommen, deshalb sollen alle drei die gleichen Säckchen bekommen.“
Bald steht neben jedem Schuh ein Säckchen gefüllt mit Leckereien.
Dann schnippt er mit dem Finger und an jeden Sack baumelt links und rechts ein Schuh.
Dann weiß jeder gleich welcher Sack ihm gehört!“
Sabrina winkt ihm, sich zu ihr herunter zum beugen und flüstert ihm etwas ins Ohr, worauf St. Nikolaus herzlich lacht.

Wie freuen sich die drei, als sie am nächsten Morgen ihre Säckchen finden, nur etwas traurig sind sie, dass Sabrina nicht mehr bei ihnen war.
Als Oma ins Wohnzimmer geht, um den Tisch zu decken stößt sie einen überraschten Ruf aus und alle kommen angelaufen und betrachteten erstaunt das große Paket, das mitten auf dem Tisch liegt.
Von wem das wohl ist?“wollen die Mädchen wissen.
Sehen wir doch einfach nach,“ brummte Opa und hebt das Paket an.
Er zieht eine Karte hervor.
Von Sabrina.“
Alle nicken, denn so etwas haben sie schon geahnt.
Liebe Familie ,“
Hermann stößt die Faust in die Luft und ruft, „das sind auch wir.“
Der Mann ohne Haare warf ihm einen strafenden Blick zu und begann von vorne.

Liebe Familie Schinkel,

ich möchte mich von ganzem Herzen bedanken für die liebevolle Aufnahme in eurer Mitte und die schöne Zeit, die ich bei euch erleben durfte. Schade, dass wir den heiligen Abend nicht gemeinsam feiern können. Aber ich schenke euch etwas, das euch immer an mich erinnern wird.

In Liebe Sabrina

Oma öffnet das Paket und goldblonde Locken kommen ihr entgegen.
Sie hat ihr Haare abgeschnitten, damit wir den Baum damit schmücken können.“ flüstert die alte Frau ehrfürchtig.
Und in allen Augen stehen Tränen.






Am Hl. Abend als sie bei Punsch und Plätzchen den wunderschön geschmückten Baum betrachteten, da ist ihnen als würde ein Engel durch den Raum gehen.
Und sie fühlen sich sehr sehr glücklich.

© Lore Platz



Bin gespannt welche Weihnachtsfreude uns

Regina und Martina  schenken.