Freitag, 15. November 2019

Der Spaziergang

Diesmal sind die Wörter


Regenhut Pfütze verzeihen lausig orange


unterzubringen.


Viel Spaß beim Lesen!







Der Spaziergang


Melanie kommt aus dem Bad und geht zu ihrem Kleiderschrank. Schnell hat sie das Kleid mit dem passenden Mantel ausgesucht.
Doch als sie dann den nächsten Schrank öffnet , da wird es schon schwieriger.
Denn Melanie hat einen Huttick und ihr Mann, der sie deshalb immer liebevoll neckte, hatte ihr extra für ihre Hüte einen Schrank gebastelt.
Kurz schweift ihr Blick zu dem Bild ihres Mannes, der nun schon seit drei Jahren tot ist.
Wie hatte sie gelitten und nach der Beerdigung hatte sie sich in ihrer Wohnung verkrochen wie ein waidwundes Tier und nur noch vor sich hin vegetiert.
Bis dann ihre Freundin Jutta auftauchte und sie aus ihrer Lethargie riss und ihr ordentlich die Leviten las.
Jutta war es auch die sie mit den fünf Damen bekannt machte, die ebenfalls vor kurzem verwitwet waren. Seit drei Jahren trafen sie sich nun regelmäßig in einem Café.
Erst hatten sie sich gemeinsam über die Trauer hinweg geholfen und nun sind sie Freundinnen geworden und trafen sich immer noch einmal in der Woche.

Zu diesem Treffen will Melanie nun gehen. Ihr Blick schweift über die Regale, sollt sie den orangen nehmen, nein der passt nicht zu ihrem Mantel.
Aber der blaue, sie setzt ihn auf und schaut in den Spiegel und dann prustet sie los.
Als sie damals mit diesem Hut nach Hause kam, hatte Georg schallend gelacht und gerufen:
Der ist ja so groß wie ein Wagenrad, aber macht nichts, dann kannst du ihn sowohl als Sonnenhut und als Regenhut benutzen.“
Sie hatte ihm die Zunge heraus gestreckt.

Mit einem wehmütigen Seufzer wendet sie sich ab, nimmt ihre Tasche und verlässt die Wohnung.
Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat ist der Himmel heute klar und auch die Sonne wagt sich wieder hervor.
Sie liebt die klare Luft nach dem Regen und schreitet flott dahin, obwohl sie noch genügend Zeit hat.
Schwungvoll umkreist sie eine besonders große Pfütze und muss schmunzeln.
Ihr kleiner Bruder liebte diese Pfützen und hopste und trampelte mit großer Freude darin herum. Einmal war weit und breit keine Wasseransammlung zu finden, obwohl es stark geregnet hatte, da einige Tage vorher frisch geteert und alle unebenen Stellen begradigt worden sind.
Was wurde der kleine Walter wütend, er stampfte mit den Füßen und schrie: „ Ich will mein Quetschebächele haben, ich will mein Quetschebächele haben!!!!!“
Schade dass ihr Bruder mit seiner Familie soweit weg wohnte, so konnte sie ihn nur ab und zu besuchen.
Inzwischen ist Melanie an der Kirche und dem Pfarrheim angekommen.
Angela, deren Mann Pfarrer hier war und plötzlich verstarb, Herzinfarkt, hatte ihnen den Vorschlag gemacht, dass sie sich ein Ehrenamt suchen und tatsächlich hatte es ihnen geholfen mit der Trauer besser zurecht zu kommen.
Angela war es auch, die sie mit dem neuen Pfarrer und der Bürgerhilfe bekannt machte.
Marlies, die Köchin ist und mit ihrem Mann zusammen ein Restaurant führte, arbeitet nun in der Obdachlosenküche.
Patricia, Esther helfen zusammen mit Angela im Pfarrheim aus, organisieren Feste für sozial schwächere Familien und an Weihnachten helfen alle sechs mit und freuen sich über die strahlenden Augen der Kinder.
Renata, eine ehemalige Lehrerin gibt kostenlos Nachhilfe.
Und sie selbst hat sich als Leihoma angemeldet und dies alles wird von der Bürgerhilfe organisiert.
Ach da vorne ist ja ihr Lieblingsladen mit dem sinnigen Namen * Gut behütet* mal sehen, ob es wieder neue Modelle gibt.
Melanie seufzt , ein Hut schöner. als der andere, am liebsten würde sie in den Laden gehen, doch ein Blick auf die Uhr zeigt ihr, dass die Zeit zu knapp ist.
Ihre Freundinnen ziehen sie sowieso immer auf, wegen ihrer Unpünktlichkeit.
Nur ungern trennt sich sich von dem Schaufenster und eilt weiter.





Als sie endlich das Café betritt empfängt sie fröhliches Gelächter und Marlies ruft triumphierend :
Ich habe gewonnen!“
Melanie hängt ihren Mantel an den Haken und sieht fragend in fünf grinsende Gesichter.
Tja wir haben gewettet, um wie viel Minuten du dich verspäten wirst und ich war mit zehn Minuten am nächsten. Es waren genau 11 Minuten und vierzig Sekunden.“
Melanie wird etwas rot, stimmt aber in das fröhliche Gelächter mir ein.
Auch mein Mann hat meine Unpünktlichkeit immer mit Humor genommen, ich hoffe ihr verzeiht mir.“
Marlies winkt ab.
Ich ganz bestimmt, habe ich doch gerade vierzig Euro gewonnen. Aber ich will mal nicht so sein, ich lade euch heute alle ein.“
Nein, das mach ich, schließlich bin ich schuld an der Wette! Aber wie wär‘s, wenn du das Trinkgeld übernehmen würdest. Lieserl würde sich bestimmt freuen, ah da kommt sie ja schon.“
Verschwörerisch zwinkern sich die zwei zu.
Die junge Kellnerin lächelt strahlend als sie an den Tisch tritt.
Sie kennt die Damen nun seit drei Jahren, anfangs waren sie sehr traurig und so freut sich sich umso mehr, wenn sie fröhlich sind wie heute.
Flink nimmt sie die Bestellungen auf und bald hat jede ihren Kaffee und Kuchen.

Patricia schiebt ihren Teller zurück und meint.
Ab Morgen habe ich meine Enkelin bei mir, denn der Kindergarten ist wegen Läusebefall eine Woche geschlossen.“
Ein Glück, dass du gewartet hast, bis wir gegessen,
haben,“ lacht Marlies.
Leute kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten,“ ruft Renata und Esther grummelt, „könnt ihr nicht das Thema wechseln mich juckt es schon am Kopf.“
Die ganz Runde lacht schallend.
Ist es nicht wunderbar, dass wir wieder lachen können,“ japst Angela.
Sie sehen sich an und dann greifen sie sich an Händen.
Gemeinsam haben wir es geschafft wieder nach tiefer Trauer ins Leben zurück zu finden,“ meint Patricia feierlich und die anderen nicken.
Da kommt Lieserl mit dem Rausschmeißer,“ ruft Marlies, der es zu feierlich.
Es gehört zu ihrem Ritual, dass sie bevor sie aufbrechen, ein Gläschen Likör trinken.
Melanie holt ihren Geldbeutel und erzählt Lieserl warum sie heute die Zeche bezahlen muss.
Doch wie strahlt das junge Mädchen, als Marlies ihr den Gewinn der Wette in die Hand drückt.
Die Stühle scharren über den Boden, als die lustige Gruppe aufsteht und ihr Mäntel anzieht.
Lachend und schwatzend verlassen sie das Café und mit einem ‚bis nächsten Dienstag‘ trennen sie sich.
Melanie sieht hinauf in den Himmel, wo sich langsam die Sonne verabschiedet, um der Dämmerung Platz zu machen.

In Gedanken sagt Melanie.

Georg, ich habe durch nette Freundinnen einen Weg gefunden, um das letzte Stück ohne dich erträglich zu machen, bis wir uns wiedersehen.

Ein leichter Wind kommt auf und Melanie kommt es vor, als würde eine Hand sanft über ihre Wange streichen.


© Lore Platz

Sicher wollt ihr wissen, was 


aus den Wörtern gezaubert haben.

Anmerkung:

Der kleine Walter war mein Vater und da er in Pirmasens geboren und aufgewachsen ist, dürte es sich um das Wort  -  Quetschebächele  - um die pfälzische Mundart handeln.





Donnerstag, 14. November 2019

Die teuerste Blume der Welt

Gerne lese ich historische Romane und da stolperte ich neulich über die unglaubliche Geschichte der Tulpenzwiebel.
Neugierig geworden recherierte ich ein wenig im Internet und fand erstaunliches über die uns heute so selbstverständliche Tulpe.
Wusstet ihr, dass die Tulpen den ersten Börschenkrach verursachten?












 Tulpen, die teuersten Blumen der Welt

Die Tulpen sind das Wahrzeichen Hollands.
Ursprünglich stammte diese Blumen aus Zentralasien, schmückte im Mittelalter die Gärten am persischen Hof und gelangte später zu den osmanischen Herrschern in Istanbul.
Dort entdeckte sie im Jahr 1554 der Flame Gislain de Busbecq, der eine österreichische Gesandtschaft zum Sultan begleitete.
Er brachte einige der Blumen unter dem Namen „Tulpian“ zu Carolus Clusius einem berühmten Botaniker, der in Wien die kaiserlichen Gärten verwaltete.
Als Clusius 1593 in Leiden in Südholland die botanischen Gärten übernahm begann eine wahre „Tulpomanie“.
Schnell erregte diese exotische wunderschöne Blume die Gier der Reichen und die Tulpe wurde zum Statussymbol der Vermögenden.
Da die Pflanzen sich aber nicht beliebig vermehren ließen, trieb dies die Preise enorm in die Höhe.
Die ersten Spekulanten und Geschäftemacher witterten das ganz große Geschäft. Kredite zu enorm hohen Zinsen wurden vergeben.
Da die schönsten Flammenmuster zufällig durch einen Blattlaus-Virus entstanden sind, konnten sie nicht gezüchtet werden, sondern galten als Einzelstück.
Das trieb die Preise noch höher.
Der Tulpenwahn wurde immer größer.
1633 wurde in der Hafenstadt Hoorn ein Haus für 3 Tulpenzwiebel verkauft.
Und die teuerste Tulpenzwiebel wechselte den Besitzer im Nov. 1636
für 17 280 Gulden, das entspricht heute 17 Millionen Euro!
Doch immer, wenn die Gier zu groß wird, platzt die Seifenblase.

1637 verdoppelten sich die Preise, doch am 7.2.1637 bei einer Versteigerung in Harlem fanden sich keine Käufer mehr, denn niemand konnte sich noch eine Tulpenzwiebel leisten.
Panik brach aus und jeder wollte seine Zwiebel loswerden. Die Preise fielen um 95%.
Viele verloren ihr gesamtes Vermögen.
Der wohl Prominenteste ist der Maler Rembrandt.
Schließlich verfügt die holländische Regierung am
27.4.1637:
Tulpen sind nur gewöhnliche Blumen und müssen auch als solche behandelt werden.“

So können auch wir gewöhnlich Sterblichen uns an dieser schönen Blume erfreuen.

Die wohl teuerste Mahlzeit verspeiste übrigens 1637 ein Seemann.
Er war zum Fisch essen eingeladen und verspeiste die
25 000 Euro teure Tulpenzwiebel als Beilage.
Der Gastgeber hatte sie wohl auf den Tisch gelegt, um mit seinem Reichtum zu protzen.
Hochmut kommt vor dem Fall!
Ich denke mal, der Seemann wurde nie wieder zum Essen eingeladen.

 (c) Lore Platz  14.11.2019














Dienstag, 12. November 2019

Das geheimnisvolle Licht







Das geheimnisvolle Licht


Sofia saß mit ihren Eltern in der Küche beim Abendbrot.
Draußen heulte und tobte der Sturm um das Haus.
Wütend rüttelte er an den Fensterscheiben, als wollte er Einlass begehren.
Das Licht über dem Küchentisch flackerte und Frau Bergmeister stand auf und murmelte.
Ich werde mal ein paar Kerzen suchen.“
Und ich sehe mal nach dem Not- Strom - Aggregat und du Sofie sieh mal nach, ob auf dem Dachboden die Fenster richtig verschlossen sind.“
Mit diesen Worten verschwand Herr Bergmeister im Keller.
Das Mädchen lief die Treppen nach oben und betrat den Speicher.
Hier oben hörte man das Toben des Sturms noch heftiger.
Sie überprüfte den Riegel an der kleinen Luke und drückte noch mal extra fest dagegen.
Drüben auf der anderen Seite des Bachs sah sie plötzlich ein Licht aufflackern.
Sofia drückte ihre Nase gegen die Scheibe und zwickte die Augen zu.
Da war es wieder!
Im Haus der alten Greta geisterte ein Lichtschein durch die Zimmer und dabei stand das Haus seit zwei Wochen schon leer.
Die alte Frau war gestürzt und lag mit einem komplizierten Bruch im Krankenhaus.



Schon wieder leuchtete es hell auf, als würde ein Irrlicht durch das Haus wandern.
Sofia bekam plötzlich Gänsehaut und verließ schnell den Dachboden.
Der Vater kam gerade von draußen und brachte einen Schwall kalte Luft und wirbelnde Blätter mit herein.
Ich habe noch einmal nach dem Vieh gesehen, alles in Ordnung.“
Als sie in die Küche traten, legte die Mutter gerade den Telefonhörer auf.
Schmunzelnd wandte sie sich ihrer Tochter zu.
Das war Frau Heidenreich, deine Lehrerin. Der Sturm hat das halbe Dach der Schule abgedeckt und für den Rest der Woche ist schulfrei.“
Sofia jubelte und meinte grinsend: „Was sagte Oma immer; es ist nichts so schlimm, als, dass nicht auch was Gutes dabei wäre.“
Später, als das Mädchen im Bett lag und dem Heulen des Sturmes lauschte, fiel ihr das Licht wieder ein.
Gleich Morgen früh, würde sie es ihrem Vater berichten.
Nach einem unruhigen Schlaf voller gespenstischer Irrlichter krabbelte Sofia aus dem Bett.
Während des Frühstücks berichtete sie den Eltern dann von dem Lichtschein im Haus der alten Greta.
Das war bestimmt ein Landstreicher, der Schutz vor dem Sturm gesucht hat. Zu Stehlen gibt es ja nichts bei der armen Alten. Aber ich werde später mal nachsehen,“ versprach der Vater.
Gemeinsam beseitigten sie dann die Schäden, die der Sturm in Hof und Garten angerichtet hatte, dann machte sich der Vater auf den Weg, zu Gretas Haus.
Sofia half ihrer Mutter bei den Vorbereitungen für das Mittagessen.
Da ging die Tür auf und Markus Bergmeister kam herein in Begleitung eines Riesen mit wilden Bart.
Ihr Vater aber grinste. „Wen glaubt ihr wohl habe ich hier mitgebracht?“
Rübezahl!“ entfuhr es Sofia.
Der Hüne lachte dröhnend und die Mutter die ihn mit gerunzelter Stirn betrachtet hatte, rief: „Björn!“
Dieser reichte ihr die Hand.
Ich hoffe, ich bin hier willkommen.“
Aber sicher, setz dich, das Essen ist gleich fertig.“
Das Haus drüben war schon ziemlich baufällig und der Sturm hat ihm den Rest gegeben, deshalb habe ich Björn angeboten, solange bei uns zu wohnen. Oben das Zimmer von Oma ist doch frei.“
Es ist dir doch Recht, Marietta?“
Fragend sah der Gast sein Gegenüber an und meinte dann zögernd.“Es sei denn, du willst mit einem Gauner wie ich es bin nicht unter einem Dach leben.“
Sofias Mutter winkte ab.
Unsinn, du bist und warst immer ein feiner Kerl und deine Jugendeselei hast du doch schon längst wieder gut gemacht.“
Nun wusste Sofia wer der Fremde war.
Der Sohn der alten Greta, der vor zehn Jahren bei Nacht und Nebel verschwunden war und die Kasse seines Lehrherrn mitgenommen hatte.
Der alte Mann hatte ihn nicht angezeigt, sondern immer wieder betont, dass der Junge das Geld nur geliehen hat, um die Welt kennenzulernen und er es bestimmt wieder zurückzahlen wird.
Als dann nach einigen Jahren ein Scheck mit der Summe nebst Zinsen eintraf, dann hat er ihn stolz im Dorf herum gezeigt.
Dies erzählte nun ihre Mutter dem Mann.
Diesem stiegen die Tränen in die Augen.
Der gute alte Schorsch, wie geht es ihm denn?“
Er musste seine Schreinerei schließen, nachdem seine
Augen immer schlechter wurden,aber zum Glück hat er
noch Bärbel und die sorgt für ihn und kümmert sich auch um deine Mutter.“
Sie ist wohl inzwischen längst verheiratet?“ murmelte Björn und spielte mit seiner Gabel.
Marietta schmunzelte: „ Nein, obwohl es ihr an Verehrern bestimmt nicht gefehlt hat, aber wie ihr Vater glaubt sie daran, dass du wieder kommst, wenn du genug von der Welt dort draußen hast.“
Der Hüne reckte seine kräftige Gestalt und seine Augen strahlten.
Sie haben sich nicht in mir getäuscht. 
Ich war jung und hier im Tal war mir alles zu eng und ich träumte von der Welt dort draußen.
Ich habe fast die ganze Welt bereist und viel erlebt, Gutes und Schlechtes, aber meinen Frieden habe ich nicht gefunden. 
Mich plagte das schlechte Gewissen und auch das Heimweh nagte an mir. Erst wenn man etwas verloren hat, weiß mein seinen Wert zu schätzen.
Ich habe etwas Geld gespart, vielleicht kann ich ja die Schreinerei übernehmen, und auch das Haus von Mutter möchte ich wieder herrichten. Und, und...“ jetzt geriet er ins Stottern, „ vielleicht willigt Bärbel ja ein und wird meine Frau.“
Markus schlug ihm auf die Schulter und lachte.
Da hast du dir ja viel vorgenommen, aber willst du denn wirklich hier bleiben?“
Ja, ich weiß jetzt wo ich hingehöre, wenn es auch lange dauerte bis ich das begriffen habe. Denkst du, dass die Dörfler mir wieder vertrauen werden?“
Das werden wir gleich feststellen, begleite mich ins Dorf, wir wollen beim Aufräumen helfen. 
Du kennst ja unsere Leute, anfangs werden sie etwas misstrauisch dir gegenüber sein, aber dann wird die Neugier siegen. Hoffentlich hast du ein paar tolle Geschichten für sie.“
Björn lachte dröhnend: „ Die habe ich!“
Und morgen früh begleitest du die Bärbel und mich ins Krankenhaus zu deiner Mutter,“ bestimmte Marietta, „ aber vorher gehst du zum Frisör, sonst kriegt Greta noch einen Schreck.“
Alle lachten und Björn am lautesten.
Wie Markus voraus gesagt hatte, benahmen sich die Dörfler zuerst sehr reserviert Björn gegenüber, doch als er ohne viele Worte einfach zupackte, wie einer von ihnen, da tauten sie langsam auf.
Und als er dann Bier und Brotzeit für alle spendierte und sie mit lustigen Anekdoten unterhielt, da war das Eis gebrochen.
Später hatte der Heimkehrer noch eine lange Unterredung mit seinem ehemaligen Lehrherrn und dessen Tochter, bei der viele Tränen flossen.

 Wer einige Jahre später in das Dorf kam, der konnte ein schönes großes Haus besichtigen, dass neben einer großen Schreinerei stand.
Auf der Bank vor dem Haus saßen eine alte Frau und ein alter Mann und genossen die Wärme der Sonne.
Glücklich sahen sie ihren Enkeln zu, die im Garten herumtollten.
In der Werkstatt hobelte ein Hüne und lachte mit seinem Gesellen und dem Lehrbuben.
Und durch das offene Küchenfenster konnte man eine hübsche junge Frau sehen, die in ihrer Arbeit immer wieder innehielt, um dem Lachen des Mannes zu lauschen, auf den sie so lange Jahre treu gewartet hatte.

© Lore Platz  12.11.2019


Dienstag, 5. November 2019

Umleitung Liebe






Umleitung Liebe


Genervt lenkte Roxana ihren Wagen in die Nebenstraße und fuhr an den Straßenrand.
Drei Wochen Urlaub lagen vor ihr, die sie am Gardasee verbringen wollte. Aber erst geriet sie in einen Stau und als sie deshalb bei der nächsten Ausfahrt die Autobahn verließ, landete sie auch noch in einem gelben Schilderwald.
Und auf allen Schildern stand das Wort 'Umleitung'.
Inzwischen wusste sie nicht mehr wo sie eigentlich war.
Nun war sie in diesem kleinen Ort gelandet.
Sie fuhr wieder an und bald lag das Dorf hinter hier.
Eigentlich war es ja ganz schön hier und schließlich hatte sie frei, also warum sich die gute Laune verderben lassen.
Rechts und links breiteten sich grüne Wiesen aus, auf denen Kühe standen oder lagen und ihr träge nachsahen.
Schmetterlinge taumelten in fröhlichem Tanz über das Gras und durch das geöffnete Fenster konnte sie das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel aus dem nahe gelegenen Wald, hören.
Aus den Augenwinkel nahm sie ein zusammengekauertes Etwas am Straßenrand wahr.
Sie bremste und stieg aus.
Ein kleiner schwarz-weißer Hund unbestimmter Rasse hob den Kopf und jaulte gar jämmerlich.
Seine rechte Hinterhand war blutverschmiert und als er sich erheben wollte, fiel er winselnd zurück.




Ruhig mein Kleiner, ich helfe dir.“
Roxana streichelte seinen Kopf und der Hund versuchte ihre Hand zu lecken.
Verzweifelt jaulend wollte er sich erheben, als sie zu ihrem Auto ging, um eine alte Decke aus dem Kofferraum zu holen.
Bald lag der Kleine in die Decke gewickelt auf dem Rücksitz und das Mädchen wendete und fuhr zurück in das Dorf.
In dem kleinen Lebensmittelladen fragte sie nach einem Tierarzt und betrat kurze Zeit später mit ihrem Bündel auf dem Arm das Wartezimmer.
Als sie gleich zum Sprechzimmer durchgehen wollte, rief ein alter Mann, der einen Korb mit einer Katze neben sich auf dem Boden stehen hatte.
He, he junge Frau nun drängeln sie mal nicht, wir waren vor ihnen da.“
Roxana drehte sich um und meinte freundlich.
Tut mir leid, aber das ist ein Notfall, der Hund wurde von einem Auto angefahren.“
In dem Moment öffnete sich die Tür zum Sprechzimmer und ein kleiner Junge, der einen Käfig mit einem Kanarienvogel trug, kam heraus.
Die Sprechstundenhilfe, eine etwa fünfzigjährige Frau sah Roxana fragend an.
Ich habe einen Hund gefunden, er wurde angefahren.“
Na dann gehen sie mal durch junge Frau, das ist ein Notfall.“
Und du zu den anderen gewandt meinte sie:
Das versteht ihr doch?“
Roxana aber sah sich einem gut aussehenden jungen Mann, der sich gerade die Hände wusch, gegenüber.
Einen Moment sahen sie sich in die Augen und als er nun lächelte, begann es in Roxanas Bauch zu flattern.
Ich bin Markus Kirchner und wen haben sie denn mitgebracht Frau?“
Roxana Feldner, ich habe einen Hund gefunden, er wurde
wohl angefahren.“
Sofort wurde das Gesicht des jungen Arztes ernst und er nahm dem Mädchen das Bündel ab und legte es auf den Tisch.
Das ist ja Fluffy!“ rief er überrascht und begann vorsichtig den Hund abzutasten.
Roxana dachte, 'was für sensible Hände er hat'.
Fluffy ist der Hund von Bärbel, der kleinen Tochter des Bürgermeisters. Leider reißt er immer aus. Wo haben sie ihn den gefunden?“
Am Ende des Dorfes, in der Nähe des Waldes.“
Wollen sie hier Urlaub machen?“
Nein ich wollte an den Gardasee.“



Wir haben hier auch einen schönen großen See, außerdem herrliche Wanderwege und in der Pension Waldinger sind sie so gut aufgehoben, als wären sie zu Hause.
Außerdem bin ich der perfekte Fremdenführer!“
Sind sie auch noch im Touristikbüro angestellt und außerdem was würde ihre Frau dazu sagen.“
Nichts, da ich keine habe. Ich bin dreißig Jahre alt, ungebunden, in guten finanziellen Verhältnissen, kann also einen Familie ernähren.
So nun muss ich Fluffy röntgen, sie können sich dort auf den Stuhl setzen.“
An der Tür drehte sich Markus noch einmal um und sagte mit einem umwerfenden Lächeln.
Glauben sie an Liebe auf den ersten Blick!“





Roxana sank auf den Stuhl und starrte ihm mit offenen Mund nach.
Ein Kichern klang von der Tür und Katrin die Sprechstundenhilfe kam ins Zimmer.
Sagen sie mal herrscht hier akuter Frauenmangel weil ihr Doktor jede Frau anbaggert die unter dreißig ist.“
Roxana war verwirrt und auch leicht geschockt.
Katrin lachte.
Oh Mädels gibt es hier und auf den umliegenden Bauernhöfen genug, die gerne Frau Doktor werden möchten.
Aber der Markus will eben auf die Richtige warten und wenn er sie trifft, dann erkennt er sie sofort, hat er gemeint.“
Aber er kennt mich nicht mal eine Stunde und weiß gar nichts von mir und ich nicht von ihm,“ stammelte das Mädchen, das reichlich verwirrt wirkte.
Dem kann man doch abhelfen oder sind sie gebunden?“
Roxana schüttelte nur den Kopf.
Markus kam nun mit dem Hund zurück und Katrin eilte an das Spülbecken, schüttete Wasser in eine Schüssel und reichte sie dem Arzt. Dann ging sie hinaus.
Vorsichtig begann er das Fell zu säubern und bat Roxana den Kopf des Tieres zu halten, während er die Wunde nähte.
Schweigend arbeiteten sie zusammen.
Willst du immer noch zum Gardasee?“
Roxana biss sich auf die Lippen und als sie in die fröhlichen braunen Augen sah, schüttelte sie wie unter Zwang den Kopf.
Ein strahlendes Lächeln belohnte sie.
Wie lange dauert dein Urlaub?“
Drei Wochen?“
Prima, das genügt um dich zu überzeugen, dass ich genau der Richtige für dich bin.“
Roxana schüttelte nur den Kopf.
Katrin aber, die an der Tür gelauscht hatte, griff nach dem Telefon um ein Zimmer in der Pension zu bestellen.

© Lore Platz 5.11.2019