Mittwoch, 5. November 2025

Armin und der Stift des Glücks

Der Monat November ist der einzige Monat den ich nicht leiden kann,deshalb habe ich ihm  nur einen Eintrag gewidmet. Den Rest des Monats will ich mit positiven Geschichten die dunklen Schleier vertreiben




Armin und der Stift des Glücks


Lena springt aus dem Schulbus und läuft die paar Meter zu dem alten Mietshaus. Ihr Schulranzen auf dem Rücken hüpft dabei fröhlich auf und ab.
Nachdem sie die ausgetretenen Holzstufen bis zum zweiten Stock hinter sich hat, klingelt sie an der Tür von Henriette Ohlsen.
Henriette wohnt gleich gegenüber von Lena und ihrer Mutter und passt auf das Mädchen auf, bis deren Mutter von der Arbeit kommt.
Die alte Frau öffnet und Balduin, der alte Dackel, drängt sich an ihr vorbei und begrüßt das Mädchen freudig.
Er bellt und hechelt etwas kurzatmig und wedelt heftig mit dem Schwanz.
Lena krault ihn zwischen den Ohren und stellt dann ihren Schulranzen ab.
Lena gehst du schon in die Küche, ich möchte nur noch die Glühbirne in meiner Nachttischlampe auswechseln.“
Das Mädchen nickt vergnügt und gefolgt von Balduin hüpft sie in die Küche, in der es herrlich duftet.
Auf dem Ofen blubbert ein Gemüseeintopf und in einem Topf schwimmen Würstchen.
Lena holt zwei Teller aus dem Küchenschrank und deckt flink den Tisch, während Balduin sich in sein Körbchen verzieht und sie von dort aus beobachtet.
Nach dem Essen holt Henriette ihr Strickzeug und das Mädchen macht ihre Hausaufgaben.
Es ist still in der warmen gemütlichen Küche, in der noch ein leichter Essensgeruch liegt. Nur das gleichmäßige Ticken der alten verschnörkelten Uhr und das leise Schnarchen des Dackels ist zu hören.
Lena klappt aufatmend das Heft zu. „Fertig nun muss ich nur noch ein Herbstbild malen.“
Sie holt aus ihrem Schulranzen den Zeichenblock und wühlt in ihrem Schlampermäppchen.
Tante Henriette hast du einen Bleistift?“
Sieh mal in der Krimskrams-Schublade nach Kind.“
Lena springt auf.
Sie liebt die Krimskrams-Schublade, in der Dinge sind, die man nicht mehr, aber vielleicht doch noch einmal gebrauchen konnte.
Eifrig wühlt Lena zwischen den alten Knöpfen, Resten von Garn und einer alten Schnur, einem abgebrochenem Schraubenzieher, Nägeln und noch so allerlei und zieht schließlich einen Bleistiftstummel heraus.
Zweifelnd betrachtet sie ihn.
Ob man den noch benutzen kann?“
Aber sicher,“ meint Henriette lakonisch, die nicht gerne etwas weg warf, bevor es total unbrauchbar war.
Lena schließt die offene Schublade und kommt zurück zum Tisch.
Erzählst du mir eine Geschichte während ich male?“
Henriette überlegt einen Moment und ihr Blick ruht auf dem Mädchen, das mit hochkonzentrierten Gesicht mit dem Stift über das Papier fährt.
Möchtest du die Geschichte von einem Stift hören, der Glück brachte?“
Lena nickt und Henriette beginnt zu erzählen.

In einem alten Mietshaus, ganz oben unterm Dach wohnte  Armin  Notnagel, ein junger Künstler.
Viele Möbel hatte er nicht.
Auf dem Boden lag eine Matratze mit einer Decke. Daneben stand eine alte Holzkiste, auf der ein alter Teller mit einer Kerze stand, denn man hatte ihm mal wieder den Strom abgestellt.
Auf einem alten wackeligen Tisch, dessen linkes Bein mit einem dicken Telefonbuch gestützt war, lagen kreuz und quer eine Menge Zeichnungen, die er angefertigt hatte.
Ein Stuhl, aus dem die Lehne herausgebrochen war, vervollständige die Einrichtung.
Vielleicht sollte man den Eimer in der Ecke noch erwähnen, denn, wenn es regnete, dann regnete es durch das löchrige Dach.
Den jungen Mann störte das Alles nicht. Er war ein fröhlicher Typ mit einem goldenen Herzen und durch kleine Aushilfsjobs verdiente er sich das Wenige, das er zum leben brauchte.
Und die Menschen mochten ihn wegen seiner fröhlichen unbekümmerten Art.
  Armin glaubte fest an seinen großen Durchbruch als Maler und in letzter Zeit mehr denn je, denn er war verliebt und wollte dem Vater seiner Liebsten imponieren.
Der reiche Bäckermeister Gottfried Semmel sah es gar nicht gern, dass der arme Hungerleider seiner Tochter Else schöne Augen machte. Das Mädel war sowieso schon so verdreht, seit sie aus dem feinen Internat zurück gekommen war.
Einen Bäcker sollte sie heiraten, der einmal das Geschäft übernahm.
So hatte das Liebespaar also wenig Aussichten.




Else brachte jeden Morgen einen Korb mit frischen Brötchen und allerlei Leckereien zu dem Kiosk an der Ecke. Denn die alte Berta war ihre Verbündete.
Berta kochte in dem kleinen Raum hinter dem Kiosk einen guten Kaffee und frühstückte mit dem jungen Mann, der dann seufzend den Liebesbrief seiner Else las, der jeden Morgen zwischen den frischen Brötchen steckte.
Bevor er dann in die Arbeit ging, schlenderte er an dem Haus des Bäckers vorbei und Else winkte ihm von ihrem Fenster aus zu.
So vergingen die Tage, der Herbst hatte schon längst die Blätter bunt gefärbt und sein Spießgeselle, der stürmische frostige Wind, hatte sie von den Bäumen gepustet.
Manchmal wollte der junge Mann die Hoffnung aufgeben jemals als Maler berühmt zu werden und überlegte sogar eine Bäckerlehre zu machen, denn er wollte seiner Else nahe sein.
Als er eines Tages von einem seiner zahlreichen Jobs nach Hause ging sah er vor sich eine alte Frau, die tief gebeugt immer wieder kurz stehen bleibend, durch den Park schlurfte.
Mitleidig sprach Armin sie an.
Gute Frau, wohin müssen sie denn gehen, kann ich sie nach Hause bringen.“
Die alte Frau blieb stehen und ihre erstaunlich jungen Augen in dem von Runzeln übersäten Gesicht sahen ihn freundlich an.
Danke junger Mann, wenn sie mir ihren Arm reichen könnten.“
Sie zog fröstelnd das zerschlissene Schultertuch um ihre mageren Schultern.
Der junge Mann zog seine Jacke aus und hängte sie ihr über, dann legte er seinen Arm um die Alte, um sie zu stützen.
Als sie den Park verlassen hatten, blieb die Frau stehen, schlüpfte aus der Jacke und reichte sie ihm.
Danke junger Mann von hier aus kann ich alleine weiter gehen. Aber weil sie so ein gutes Herz haben, will ich ihnen etwas schenken. Denken sie niemals daran ihren Traum aufzugeben, denn sie können Großes erreichen. Hier dieser Stift wird ihnen Glück bringen.“
Armin betrachtete den einfachen unansehnlichen Kohlestift und steckte ihn in die Jackentasche, denn er wollte die alte
Frau nicht kränken.
Als er sich umwandte, um ihr zu danken, war sie verschwunden.



Doch von diesem Tag an, schien das Glück in sein Haus zu kommen.
Berta musste zum Zahnarzt und Ronny wollte in dieser Zeit auf den Kiosk aufpassen.
Es war nicht viel los. Die Menschen hasteten vorbei, ohne stehen zu bleiben und zwei Jungen spielten Fußball mit einer Blechbüchse, während ein Hund sie umsprang.
Und schnell holte er seinen Zeichenblock, um dieses Bild festzuhalten. Und wie durch Zauberhand lag plötzlich der Stift der alten Frau in seiner Hand. Mit schnellen gekonnten Strichen fuhr Hieronymus über das Blatt.
Aufatmend betrachtete er das Bild, das ihm besonders gut gelungen war, da begann der Stift in seiner Hand zu blinken, als würde er ihm zuzwinkern.
Ein Mann in einem teuren Pelz kam auf den Kiosk zu und verlangte eine Tasse Kaffee.
Ronny ließ die Espressomaschine laufen.
Zucker und Milch?“
Als er keine Antwort bekam, drehte er sich um und sah wie der Herr seine Zeichnung betrachtete.
Junger Mann sie haben Talent, das ist wunderschön und sehr detailgetreu. Malen sie auch Porträts?“
Rony nickte.
Auch in Öl?“
Ja.“
Der gut gekleidete Herr reichte ihm eine Visitenkarte.
Ich bin Kommerzienrat Goldner, kommen sie morgen zu dieser Adresse, ich möchte, dass sie ein Porträt meiner Frau malen.“
Dann ging er, ohne seinen Kaffee getrunken zu haben.
  Armin malte das Porträt und es wurde in der feinen Gesellschaft bewundert.
Bald konnte er sich vor Aufträgen nicht mehr retten.
Er heiratete seine geliebte Else und niemand war stolzer auf seinen berühmten Schwiegersohn, als Bäckermeister Semmel.“
 
Das war schön und mein Bild ist auch fertig, gefällt es dir?“
Henriette bewundert das schöne Herbstbild.
Balduin aber verließ sein Körbchen und lief zur Tür.
Ich glaube Lena, wir drehen noch eine Runde mit Balduin, bevor deine Mutter kommt.“

© Lore Platz 20.07.2020




Montag, 3. November 2025

Die Mäuse Max und Moritz

(c) Monika Mandelik


 

Heute erzähle ich euch eine Geschichte von einem 
   lieben alten Mann, der als Archivar die Gerichtsakten im Amtsgericht verwaltet und dabei zwei Freunde findet.
 
Der einzige Lagerist, dem ich begegnet bin, war ein richtiges Ekelpaket.
Nach der Schule fing ich in einer großen Versicherung an zu arbeiten. Damals gab es noch keine Computer und digitalisierten Akten.
Unten im Keller (sechs Stockwerke) war ein großer Lagerraum mit Akten und der Herr des Ganzen war ein Mann in mittleren Jahren.
Er trug einen grauen Kittel, hatte fettige gewellte Haare und stank permanent nach Schweiß.
Als Jüngste in der Abteilung wurde ich von meinen Kollegen öfter als Laufbursche eingesetzt.
Und ich habe es gehasst!
Denn während ich am Tisch die Akten sortierte, rückte mir der unangenehme Mann auf die Pelle. Geschickt versuchte ich seinen widerlichen Annäherung zu entkommen, indem ich zur Seite rückte, raffte schließlich die Papiere und verließ fluchtartig den Raum.
Damals wusste man noch nicht wie man sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wehren kann.


Doch Herr Franz in meiner Geschichte ist ganz anderes, ein lieber freundlicher älterer Herr mit einem großem Herzen für Tiere.


Viel Spaß beim Lesen!


Die Mäuse Max und Moritz



Im Keller des Amtsgerichts war das Archiv untergebracht.
In hohen Regalen, die fast bis zur Decke reichten waren hunderte von Akten verstaut.
Vorne neben dem niedrigen Fenster stand ein alter Schreibtisch, an dem der Archivar Herr Franz immer arbeitete.
Zwei dicke Mäuse saßen zusammen gekauert in einer Ecke und blickten etwas ratlos zur Tür.
Wenn die Uhr der nahestehenden Kirche achtmal läutete, dann kam Herr Franz herein. Die Augen hinter der Brille funkelten vergnügt und er pfiff eine fröhliche Melodie.
Nachdem er die alte verschrammte Aktentasche neben den Schreibtisch gestellt hatte, schlüpfte er in seinen grauen Kittel und setzte sich.




Das war der Zeitpunkt an dem die beiden Mäuse losliefen, flink an dem Schreibtisch emporkletterten und Männchen machten.
Herr Franz lachte dann vergnügt, holte einen Apfel hervor und legte ihnen ganz klein geschnittene Stückchen vor die Nase.
Er selbst aß die andere Hälfte und dabei erzählte er ihnen, was er gestern Abend so erlebt und was seine Frau Trudchen ihm leckeres gekocht hatte.
Dann aber setzte er die beiden Mäuse auf den Boden und das war das Zeichen, dass sie ihn jetzt nicht stören durften.
Zusammengekauert saßen sie dann da und beobachten ihren Ziehvater.
Das ging nun schon so seit zwei Jahren.
Seit ihre Mutter plötzlich ganz still da lag und ihr verzweifeltes Fiepen nicht hörte.
Doch Herr Franz hatte sie gehört und sofort gesehen, was passiert war.
Mitleidig hatte er die beiden Waisen aufgehoben, auf den Schreibtisch gesetzt, ihnen einige kleine Stückchen Äpfel und Käse hin gelegt.
Dann hatte er ihre Mutter auf eine kleine Schaufel geladen und war hinaus gegangen.
Als er zurück kam, saßen sie immer noch etwas verängstigt da, die kleinen Bröckchen aber hatten sie verschluckt.
Herr Franz erzählte ihnen nun, dass ihre Mutter im Mäusehimmel sei und von dort über sie wachen würde und er nun in Zukunft für sie sorgen würde.
Dann erklärte er ihnen, dass sie nun Max und Moritz hießen. Max sei der mit dem schwarzen Punkt unter dem Auge und Moritz der mit dem geringelten Schwanz.
Sie hörten ihm aufmerksam zu und nun freuten sie sich jeden Tag auf das Kommen von Herrn Franz.
Sie beobachteten ihn gerne bei der Arbeit.
Oft klingelte der schwarze Apparat auf dem Schreibtisch und der alte Mann lauschte der Stimme, die daraus erklang.
Dann nahm er das große Buch und schrieb etwas in seiner sauberen akkuraten Schrift hinein.
Anschließend ging er zu den Regalen, zog einige Akten, legte sie auf seinen Wagen und verließ den Raum.
Wenn er dann wieder kam mit dem Wagen voller Akten, die nicht mehr gebraucht wurden, lachte er oft vergnügt und setzte sich an den Schreibtisch.
Das war das Zeichen und Max und Moritz flitzen heran, denn von so einem Rundgang brachte er meist etwas mit.
Obst, Kekse oder selbstgebackenen Kuchen, den ihm die Sekretärinnen zusteckten.
Und während er seine Schätze mit ihnen teilte, erzählte er ihnen von Fräulein Ilona, die wieder mal unglücklich verliebt war, oder von Frau Ulrike, deren Mutter schwerkrank war, oder von dem schüchternen Assessor, der in seine Sekretärin Fräulein Klara verliebt war.
Manchmal aber schimpfte er aber auch über die Schlechtigkeit und Dummheit der Menschen.
Denn davon bekam man hier im Gericht viel zu viele zu sehen.
Dann philosophierte er, wenn Menschen sich wegen einem Stück Zaun oder einem Ast, der in ihr Grundstück ragte schon stritten, wie könnte man dann erwarten, dass ganze Völker sich vertrugen.
Und Max und Moritz hörten aufmerksam zu und lernten viel.
Heute aber war alles anders, schon lange hatte die Uhr achtmal geschlagen und Herr Franz war immer noch nicht da.
Angstvoll kauerten sie sich zusammen und ließen die Tür nicht mehr aus den Augen.
Endlich öffnete sie sich.
Doch wie sah Herr Franz aus?
Statt dem Schlamm braunen Anzug trug er heute einen schwarzen und unter dem Kinn ein seltsames Stück Stoff.
Es sah aus wie ein Schmetterling.
Einmal hatte sich ein solcher hierher verirrt und Herr Franz hatte ihnen erklärt, was für ein Tier das sei.
Aber der alte Mann war nicht nur anders gekleidet, auch seine Augen sahen traurig aus.
Müde schleppte er sich an seinen Schreibtisch.
Max und Moritz sausten los und saßen wenig später vor ihm.
Herr Franz lächelte traurig und berichtete ihnen, dass das
Archiv geschlossen worden sei und man ihn in Frührente geschickt hätte.
Der Herr Obergerichtsrat hatte eine schöne Rede gehalten und ihm eine tolle Uhr überreicht. Alle hatten ihm die Hand gedrückt, doch wenn er heute dieses Haus verließ, würde er morgen schon vergessen sein.
Nachdenklich betrachtet er die beiden Mäuse und meinte erschrocken:
Morgen schon kommt eine Speditionsfirma und holt alle Akten ab, sie werden digitalisiert und dann wird der Keller geschlossen. Aber was wird dann aus euch?“
Herr Franz öffnete die Schubladen und räumte seine persönlichen Sachen in die Aktentasche, dann nahm er Max und Moritz und steckte auch sie dazu.
Am besten, ich bringe euch in den Park,“ murmelte er.
Nachdem er in seinen Mantel geschlüpft, seinen Hut aufgesetzt hatte, warf er noch einen traurigen Blick durch den Raum.
Herr Albrecht, der Pförtner eilte herbei und hielt ihm die Tür auf.
Er tippte sich an seine Mütze und meinte :
Auf Wiedersehen Herr Franz und alles Gute für die Zukunft.“
Der alte Mann drückte ihm stumm die Hand und ging mit müden Schritten die Stufen hinab.
Es war ein verregneter Tag, als würde das Wetter sich seiner Stimmung anpassen.



Im Park setzte Herr Franz sich auf eine Bank und öffnete die Tasche.
Max und Moritz kletterten sofort heraus und flüchteten sich auf seinen Schoß.
Eine lange Zeit saßen sie im Nieselregen, dann aber nahm der alte Mann die beiden Mäuse und setzte sie ins Gras.
 
Nun müsst ihr allein zurecht kommen,“ erklärte er und ging mit langsamen müden Schritten davon.
Max und Moritz aber flüchteten unter die Bank, denn die Nässe war ihnen unheimlich.

 
(c) Irmgard Brüggemann


Als Herr Franz den Flur seines kleinen Häuschens betrat, kam ihm seine Frau, die bereits besorgt aus dem Fenster nach ihm Ausschau gehalten hatte, entgegen.
Sie half ihm aus dem nassen Mantel, reichte ihm die Puschen und lotste ihn in die warme heimelige Küche.
Ich habe einen Gugelhupf gebacken mit extra viel Rosinen, so wie du ihn magst.“
Lächelnd betrachtete Franz sein Trudchen, das in der Küche herum wuselte und dachte liebevoll:
' Ohne sie wäre alles noch viel schlimmer '.
Als sie dann gemeinsam am Tisch saßen, berichtete er seiner Frau, dass er Max und Moritz im Park ausgesetzt hätte.
Du hättest die beiden doch mitbringen können,“ sagte Trudchen leise.
Aber du ekelst dich doch vor Mäusen.“
Sie hätten ja nicht unbedingt hier im Haus wohnen müssen, aber im Schuppen wäre bestimmt ein Plätzchen für sie gewesen. Ich weiß doch wie sehr du an ihnen hängst.“
Franz drückte stumm die Hand seiner Frau.
Er wusste welches Opfer sie ihm damit gebracht hätte und dachte traurig:
' Ach hätte ich das nur früher gewusst. Ob die Zwei wohl im Park zurecht kommen?'
Max und Moritz saßen zitternd unter der Bank. Sie hatten Angst. Alles um sie herum war so fremd und die Nässe war ihnen unangenehm.
Endlich hörte es zu regnen auf und sie wagten einige Schritte hinaus in das Unbekannte.
Dicht beieinander liefen sie durch das nasse Gras.

 
(c) Werner Borgfeldt


Plötzlich stellte sich ihnen ein großes pelziges Ungeheuer in den Weg.
Wen haben wir den da? Ihr seid ja zwei nette fette Kerlchen, gerade was ich brauche.“
Seine Augen verengten sich und er setzte zum Sprung an.
Doch er verschätzte sich.
Jetzt erwachten Max und Moritz aus ihrer Erstarrung und rannten los, bis sie gegen einen großen Erdklumpen prallten.
Wer klopft denn da und stört mich in meiner Mittagsruhe!“
Der Hügel bewegte sich und oben guckte eine schwarze Maus mit einer spitzen Nase heraus.
Sie blinzelte, wie Kurzsichtige das tun, und sah dann die beiden Mäuse streng an.
Warum habt ihr geklopft?“
Ent... Entschuldigung, wir sind nur aus Versehen an ihr Haus gerannt, weil ein riesengroßes Monster uns verfolgte.“
Was geht mich das an, das nächste Mal passt besser auf.“
Der unfreundliche Gesell verschwand.




Ein leises Kichern erklang und Max und Moritz erblickten einen Wichtel der zwischen den Wurzeln eines Baumes stand.
Herr Maulwurf mag es gar nicht wenn man ihn stört.
Hallo ihr zwei, ihr seid wohl neu hier. Habe gesehen, dass ein alter Mann euch gebracht hat. Außerdem scheint ihr ja richtige Grünschnäbel zu sein. Das Monster das euch verfolgt hat war ein Kater.“
Er sah sich vorsichtig um.
Sicher schleicht er noch hier herum. Am besten ist, ihr kommt erst mal zu mir herein, bisschen ungemütlich bei dem Wetter und auch gefährlich.“
Die Mäuse folgten dem Wichtel, der sich als Pietro, aus der Familie der Wurzelwichtel vorstellte, durch das Gewirr von Wurzeln.
Wie staunten sie, als er sie in ein gemütliches mollig warmes Stübchen führte.
Pietro holte aus einem Schrank zwei Handtücher und warf sie ihnen zu.
Trocknet euch lieber ab, damit ihr euch nicht erkältet. Und dann berichtet, ich höre gerne Geschichten.“
Max und Moritz erzählten ihm nun von ihrem Ziehvater und wie sie hier her gekommen sind.
Pietro bot ihnen an, bei ihm zu wohnen, das Nebenstübchen wäre noch frei.
Außerdem könne er zwei so Grünschnäbel nicht allein lassen, denn sonst würden sie die Nacht hier im Park nicht überleben.
Nun waren sie schon einige Wochen hier und hatten viele nette Freunde gefunden, aber auch ihre Feinde hatte der Wichtel ihnen gezeigt.
Doch obwohl es hier schön war und es ihnen gut ging, sehnten sie sich doch nach ihrem Ziehvater.
Herrn Franz ging es nicht anders.
Immer wieder dachte er an Max und Moritz und ob sie überhaupt noch lebten. Manchmal plagte ihn das schlechte Gewissen, dass er sie so einfach ins Unbekannte ausgesetzt hatte.
Und eines Tages machte er sich auf den Weg in den Park.
Er setzte sich auf die Bank und ließ seinen Blick herum schweifen. Viel Hoffnung hatte er natürlich nicht.
Aber wenn er hier auch nur saß so fühlte er sich seinen Lieblingen doch ganz nahe.
Es war Frühling als Max und Moritz in den Park gekommen sind und inzwischen war es Herbst geworden.
Die Blätter hatten sich bunt verfärbt und dann mit Hilfe des Windes die Bäume verlassen.
Auch unter dem Baum, in dem die Mäuse zusammen mit Pietro wohnte lagen eine Menge Blätter.
Max und Moritz liebten es in dem raschelnden Haufen zu spielen.
Auch heute versteckten sie sich darin.

(c) Roswitha Borgfeldt

Pietro, der auf dem Rückweg von seinem Freund, dem Igel war, sah Herrn Franz auf der Bank sitzen und begann zu laufen.
Jungs kommt schnell!“ rief er schon von Weitem und die beiden Mäuse rannten ihm erschrocken entgegen.
Was ist los?“
Vorne auf der Bank, sitzt euer Ziehvater!“Nun waren die Beiden nicht mehr zu halten.
Sie sausten durch das Gras, sprangen Herrn Franz auf den Schoß, machten Männchen, drehte sich im Kreis, liefen an seinen Armen rauf und runter, setzten sich auf seine Schulter und wussten vor Freud nicht ein noch aus.
Dem alten Mann liefen die Tränen über das Gesicht.
Pietro aber, der alles beobachtete hatte, drehte sich langsam um und ging traurig nach Hause.
Er wusste, dass er seine beiden Freunde nicht mehr wiedersehen würde.
Herr Franz aber nahm Max und Moritz mit und richtete ihnen im Schuppen ein lauschiges Plätzchen her.
In die Wand des Schuppens sägte er ein kleines kreisrundes Loch, sodass sie in den Garten konnten.
Und jeden Tag wenn er ihnen etwas zum Fressen brachte, dann setzte er sich zu ihnen und erzählte und philosophierte.
Und wenn er in ihre kleinen klugen schwarzen Äuglein sah, wusste er, dass sie jedes Wort verstanden.


© Lore Platz 10.10.2022






Sonntag, 2. November 2025

Armut - Reichtum



 
 In einem Kindergarten wurde ein Projekt gestartet. Da konnten die Kinder einige Schmetterlinge von den Eiern über die Verpuppung  bis zum Ausschlüpfen der Distelfalter beobachten. Als ich hörte, wie sehr die Kinder sich freuten, als die Schmetterlinge dann freigelassen wurden, da überlegte ich wieder einmal, wie wenig Kinder doch brauchen, um glücklich zu sein.
Das Thema Kinderarmut in unserem Land beschäftigt mich schon seit vielen Jahren , als ich den Artikel "Kinderarmut",  in einem Forum veröffentlichte, schrieb mich eine Bloggerin aus Argentinien an, ob sie diesen in ihrem Blog natürlich unter meinem Namen veröffentlichen dürfte. Ich habe es  ihr erlaubt. Das ist nun schon einige Jahre her.


Neulich hatte ich ein Gespräch mit einer Bekannten, über die Kinderarmut, die in Deutschland immer mehr zunimmt.
Doch wo beginnt Armut und was braucht ein Kind,
Essen, Kleidung und vor allem Sicherheit und Liebe?
Meine Bekannte meinte grimmig:
Es gibt keine armen Kinder, nur faule Mütter!“
Nun so pauschal darf man das nicht sehen, oder?
Ich will mir hier kein Urteil erlauben, aber wenn ich zurückdenke an meine, nach heutiger Ansicht wohl arme Kindheit, dann kann ich nur sagen ich habe es nie so empfunden.
Mein Vater hatte sein Erbe durch die Inflation verloren, meiner Mutter wurde ihre gesamte Aussteuer unterwegs im Zug gestohlen.
Meine Eltern fingen mit nichts an.
Die ersten Möbel zimmerte mein Vater aus leeren Bierkisten.
Wir hatten immer genug zu essen, weil meine Mutter aus nichts wunderbare Gerichte zaubern konnte, Kartoffeln waren immer da und Fleisch gab es nur sonntags,wenn überhaupt.
Spielzeug gab es nicht, aber wir hatten die Natur als Spielplatz und aus Sand und Wasser konnte man wunderbare Kuchen zaubern, mit denen wir dann verkaufen spielten. Wir waren glücklich.
Denn wir hatten Eltern, die uns liebten und uns Geborgenheit schenkten.
Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Klassenfahrt nicht mitmachen konnte, weil meine Eltern das Geld dafür nicht hatten. Aber ich fühlte mich deshalb weder arm noch ausgegrenzt.
Vielleicht liegt heute die Latte zu hoch, was der Mensch braucht, um nicht als arm zu gelten.
 
Da ich alles in Geschichten verarbeite was mich bewegt, habe ich auch zu diesem Thema mir etwas ausgedacht.





Gloria saß auf ihrem Sofa und baumelte lustlos mit den Beinen. Sie trug ein hübsches weißes Kleid,ihre dunkelblonden Locken wurden von einem roten Band gehalten und rote feine Lachschuhe zierten ihre Füße.
Gelangweilt glitt ihr Blick durch das Zimmer, über die hübschen weiß lackierten Möbel, das große Puppenhaus mit dem echten elektrischem Licht, die vielen wunderschönen Puppen, die aufgereiht auf einem Puppensofa saßen, die große Kiste mit Spielsachen. Man hatte den Eindruck als wäre man in der Spielzeugabteilung eines großen Kaufhauses.
Gloria sprang auf und verließ das Zimmer.
Aus dem Salon drangen Stimmen und das Mädchen schlüpfte durch die Tür und stellte sich neben ihre Mutter die mit ihrem Freundinnen Kaffee trank.
Unwillig sah diese auf.
Was willst du?“
Mir ist so langweilig!“
Frau Baumann verdrehte die Augen und meinte zu ihren Freundinnen gewandt.
Dieses Kind hat das ganze Zimmer voller Spielzeug und beklagt sich über Langweile.“
Die jungen Frauen lachten und Gloria wurde rot.
Stirn runzelnd wandte sich ihre Mutter an das Mädchen.
Nun geh spielen, du siehst ja ich habe kein Zeit, du störst.“
Mit gesenktem Kopf verlässt das Kind das Zimmer.
Aus der Küche drang Stimmengewirr, Lachen und Töpfe klappern.
Gloria schlängelte sich durch die Tür.
Eines der Küchenmädchen sah sie und rief:
Was willst du hier, du bist im Weg, außerdem wenn die Gnädige das sieht, dann wird sie sehr ungnädig.“
Die anderen lachten und Gloria schlich sich hinaus.
Mit Tränen in den Augen ging sie über die Terrasse in den Garten.
Sie fühlte sich so schrecklich einsam.
Am Ende des Gartens sah sie eine Bewegung und schnell lief sie hinüber.
Ein Mädchen in Jeans sprang gerade über den Zaun und ihr Pferdeschwanz wippte fröhlich auf und ab, als sie auf dem Boden aufkam.
Wer bist du?“
Erschrocken sah das Mädchen auf und wurde leicht verlegen.
Hanna, bitte verrate mich nicht.“
Warum bist über den Zaun geklettert?“
Das Mädchen wurde etwas rot: „ ich wollte einige der Äpfel aufklauben, die hier am Boden liegen.“
Was willst du denn damit?“
Mein Mutter hat Morgen Geburtstag und ich will ihr einen Apfelkuchen backen.“
Kannst du das denn ?“
Hanna lachte.
Ich bin doch schon zwölf! Weißt du mein Papa ist vor zwei Jahren gestorben und meine Mutter muss jetzt immer soviel arbeiten, da helfe ich im Haushalt soviel ich kann.“
Ich bin acht Jahre, aber ich kann gar nichts und kochen und backen macht unsere Köchin und die Küchenmädchen. Mein Papa ist immer in der Arbeit, aber Mama muss gar nicht arbeiten. Sie muss nur mit ihren Freundinnen Kaffee trinken oder einkaufen gehen.“
Ihr seid ja auch reich.“
Gloria hob die Schultern. Dann lächelte sie.
Wie viele Äpfel brauchst du denn für den Kuchen.“
Fünf.“
Gloria bückte sich und reichte ihr die Äpfel, die Hanna in die Jeanstaschen und oben in ihr Hemd stopfte.
Danke, weißt du was, ich komme Morgen und bringe dir ein Stück von meinem Kuchen.“
Das wäre schön! Aber nicht über den Zaun, klingle an der Tür.“
Am nächsten Tag, trieb sich Gloria immer wieder in der Nähe der Tür herum und wartete sehnsüchtig auf ihre neue Freundin.
Endlich klingelte es und das Dienstmädchen öffnete die Tür, betrachtete das einfach gekleidete Mädchen und meinte naserümpfend: „Betteln ist hier verboten.“
Da drückte sie Gloria zur Seite.
Das ist meine Freundin Hanna.“
Achselzuckend verschwand das Dienstmädchen und
Gloria zog Hanna in die Halle.
Diese sah sich staunend um.
Das ist ja größer, als unsere ganze Wohnung.“
Bald standen sie in Glorias Zimmer und wieder staunte Hanna über die Reichtum und Pracht.
Und trotzdem wunderte sie sich, dass ihre neue Freundin so traurig war und sie sprach ihren Gedanken laut aus.
Die Kleine zuckte die Schultern.
Ich habe alles was ich mir nur wünsche, aber niemand hat Zeit für mich. Mein Vater ist in seiner Fabrik, oder auf Geschäftsreise, meine Mutter hat immer Besuch und dem Personal bin ich immer im Wege. Sonst kümmert sich meine Hauslehrerin um mich, aber da Ferien sind, ist sie verreist.“
Mitleidig setzte sich Hanna neben Gloria und legte ihr den Arm um die Schulter.
Jetzt hast du ja mich, darf ich deine Freundin ..., oh nun hätte es beinahe vergessen, ich habe dir was mitgebracht.“
Sie zog aus ihrer Hosentasche ein etwas zerdrücktes Päckchen.
Mein selbst gebackener Kuchen.“
Gloria biss ein Stück von dem etwas zerquetschtem Gebäck ab und meinte noch nie so etwas köstliches gegessen zu haben.
Der ist aber lecker und den hast du ganz allein gebacken, hat deine Mutter sich sehr gefreut?“
Hanna nickte glücklich und nun erzählt sie, wie tapfer ihre Mutter ist und viel arbeiten muss, seit Papa tot ist. Aber sie erzählt auch wie sie ihr soviel wie möglich im Haushalt hilft. Ach und wie froh diese immer ist, wenn sie nach Hause kommt und alles aufgeräumt und das Abendbrot auf dem Tisch steht und wie ihre Mutter sie immer mein kleines Hausmütterchen nennt. Und abends kuscheln sie auf dem Sofa, erzählen was sie tagsüber erlebt haben, dann zeigt sie noch ihre Hausaufgaben und sie lesen sich abends gegenseitig vor.
Gloria aber laufen die Tränen über das Gesicht.
Deine Mama hat dich so lieb und meine liebt mich gar nicht.“
Unsinn! Deine Mutter hat dich lieb, sonst würde sie dir doch nicht all dies her schenken.“
Aber ich bin doch immer so allein.“
Das bin ich doch auch, weil meine Mutter den ganzen Tag arbeiten muss. Weißt du was, ich werde dich jeden Tag besuchen und dann spielen wir zusammen.“
Gloria nickt glücklich.

© Lore Platz  2.09.2020







Samstag, 1. November 2025

November, die graue Eminenz



November, die graue Eminenz

 

 
 
 
Der November ist der Monat, den ich überhaupt nicht mag.
Sehe ich morgens aus dem Fenster, dann fühle ich mich als wäre ich im Inneren eines riesigen Spinnennetzes, gewebt von Tausenden von Spinnen, gefangen.
Ringsum ist die Landschaft von grauen Nebelschleiern umhüllt und dieses Grau setzt sich nahtlos fort in den Himmel.
Meine Gedanken werden bei diesem Anblick trübe und grau, selbst meine kleinen gefiederten Freunde haben keine Lust mehr zu zwitschern.
Wie vermisse ich das wunderschöne Lied der Amsel, die in einem Baum des Nachbargrundstückes ihr Nest hatte. Selbst das lärmende Tschilpen der Spatzen würde ich zu gerne wieder hören.
Ab und zu ist vielleicht das „Krakra“ eines Raben zu hören, aber sind diese Vögel in den Geschichten nicht die Begleiter von Hexen und Zauberern?
Nun gespenstisch ist er schon dieser November und deshalb ist es wohl auch kein Wunder, dass in Amerika die Nacht vor dem 1. November zur Gespensternacht erklärt wurde.
Bei uns ist der November der Monat unserer Verstorbenen.
An Allerheiligen treffen sich die Angehörigen an den Gräbern, um zu trauern und der Toten zu Gedenken.

Ich habe diesen Tag immer gehasst. Wir trafen uns bei unserer Mutter und während unsere Männer mit den Kindern in der schönen warmen Wohnung bleiben durften mussten meine Schwestern und ich mit unserer Mutter auf den Friedhof.
Während ich auf den marmornen schwarzen Stein starrte, auf dem der Name meines Vaters, sowie sein Geburts- und Todesdatum eingraviert war, empfand ich alles andere als Trauer.
Unmut machte sich in mir breit, ausgelöst von der Kälte die langsam von den Zehen bis zu meinen Knien nach oben kroch.
Warum musste ich hier vor einem leeren Grab stehen und warten bis der Pfarrer begleitet von zwei Ministranten zu uns kam, um das Grab zu segnen und ein Gebet zu sprechen.



Ich habe meinen Vater sehr geliebt, war so ein richtiges Papakind und es verging kein Tag, an dem ich nicht an ihn dachte. Ein Bild von ihm hatte ich vergrößern lassen.
Es hing rechts neben meinem Schreibtisch an der Wand und immer wenn ich dort saß, dann schenkte ich ihm ein Lächeln und schickte einen Gruß in die Welt, wo er jetzt lebt.
Doch zu diesem Grab hatte ich überhaupt keine Verbindung und spürte hier auch nicht seine Nähe.
Längst schon ist sein Körper verwest und eins mit der Erde geworden und seine Seele, die ist doch sowieso nie mitgegangen in das Grab.
Doch dann schämte ich mich meiner Gedanken. Für viele bedeutet so eine Grabstätte doch die einzige Verbindung noch zu ihren lieben Verstorbenen, die letzte Wohnstätte.
Und indem sie diese sauber machen und bepflanzen, können sie auch über den Tod hinaus für den geliebten Menschen sorgen.
Endlich kam der Priester zu uns, murmelte sein Gebet, sprach den Segen und sprengte Weihwasser über das Grab, dann ging er weiter.
Erleichtert wartete ich auf das Zeichen meiner Mutter zum Aufbruch.


Als mich dann die wohlige Wärme der Wohnung empfing, die Kinder uns fröhlich entgegenkamen, aus dem Wohnzimmer die Stimmen unserer Männer drangen, da spürte ich, wie mit der Kälte auch meine trübe Stimmung abfiel.
Und ich dachte daran, dass der November ja nur dreißig Tage dauerte und dann der frostige, polternde Dezember kam, der die Welt in eine schöne weiße Decke hüllte.
Und der Weihnachtsdüfte, Weihnachtfreude und Weihnachtsfrieden mitbrachte.
Auch werde ich dann meinen kleinen gefiederten Freunden wieder begegnen, wenn ich das Vogelhäuschen aufstellte.

© Lore Platz   4.11.14