Dienstag, 24. Juni 2014

Reizwortgeschichte - Können Träume wahr werden

Reizwörter Träume, Zeit, wahr, fröhlich, fliegen







Können Träume wahr werden?


Die Tür flog auf und knallte gegen die Wand.
Frederike stürmte ins Zimmer und Beatrice zuckte erschrocken zusammen.
Mensch Fredy musst du immer so einen Lärm machen!“
Wir warten schon alle, hast du vergessen, dass wir heute zum Blaubeeren pflücken gehen wollen! Nun komm schon Trixi“!
Bedauernd schließt Beatrice die Zeitung „Pflanzenwelt“, eben hatte sie noch einen spannenden Artikel von der
Königin der Nacht“ einer Blume die fünf Jahre brauchte, um zu blühen und das nur für eine Nacht, gelesen.
Das Mädchen liebte Pflanzen und diese dankten es ihr, denn das Stück Garten, das ihr der Vater zur Verfügung gestellt hatte, blühte am schönsten.
Bald saß sie eingequetscht zwischen ihrer Kusine Fredy und deren Freundin Kerstin im Rücksitz des Wagens ihres Onkels.
Während dieser dann einen Parkplatz suchte gingen die Kinder mit der Tante in den Wald.
Jede trug ein Körbchen und bald fanden sie eine Lichtung mit Blaubeersträuchern soweit das Auge reicht.
Trixi hatte ihr Körbchen fast voll und schlenderte suchend immer weiter in den Wald hinein.
Ohne es zu bemerken entfernte sie sich immer mehr von den Anderen.
Ein Käuzchen schrie durchdringend und das Mädchen ließ vor Schreck das Körbchen fallen und rannte durch das Dickicht.
Schwer atmend blieb sie stehen und sah sich um
Sie hatte sich verlaufen!
Tränen liefen ihr über die Wangen und sie rief laut nach ihrer Tante und ihrem Onkel.
Endlich ließ sie sich erschöpft unter einen Baum ins weiche Moos sinken.
Die Vögel, die verstummt waren, als sie durch den Wald stolperte, begannen wieder ihr fröhliches Lied zu singen.
Ein Eichkätzchen betrachtete sie aus neugierigen Augen und huschte den Stamm hinauf und verschwand zwischen den Blättern.
Beatrice hatte auf einmal keine Angst mehr, eine friedliche Stimmung hüllte sie ein.
Müde kuschelte sie sich ins Moos und schlief ein.
Wer sie wohl ist? Sie schläft? Ich finde sie sieht nicht böse aus. Ist sie ein Mensch?“
Trixi hörte feine Stimmen wispern, öffnete die Augen und sah direkt über sich ein Wesen, mit langen spitzen Ohren und einer Zipfelmütze auf dem Kopf und fing an zu schreien.
Das Wesen fuhr zurück und brüllte ebenfalls los.
Jetzt erst sah das Mädchen die Zwerge, die sie aus sicherer Entfernung ängstlich beobachteten.
Bist du ein Mensch oder ein Riesenkind?“ fragte das mollige Zwergenmädchen und trat mutig einen Schritt näher, wurde aber von von einem Zwergenjungen nach hinten gezogen.
Beatrice lächelte. „Ich bin ein Menschenmädchen und ihr müsst keine Angst vor mir haben.“
Pah, haben wir auch gar nicht, „ behauptete der Zwergenjunge, der eben noch so laut gebrüllt hatte.
Das ist mein Bruder Prahlhans,“ das pausbäckige Mädchen trat näher und zögernd folgten ihr die Anderen.
Ich bin Petronella, meinen Bruder Prahlhans kennst du ja.
Der Junge, der meine Schürze nicht loslässt ist Angsthase
und der Kleine ist Schlafmütze.“
Freut mich, ich bin Beatrice auch Trixi genannt.“
Wir waren Kräuter und Pilze sammeln und als wir zurück kamen, lagst du vor unserem Eingang.
Das Mädchen sprang auf und erschrocken wichen die Zwerge wieder zurück.
Schnell setzte sich Trixi auf einen Baumstumpf und zutraulich kamen die kleine Leutchen wieder näher.
Sie setzten sich zu ihren Füßen ins Moos und erzählten aus ihrem Leben unter dem Baum.
Den Kopf in die Hände gestützt lauschte das Mädchen den zwitschernden Stimmen.
Blätter raschelten und Schritte waren zu hören und die Zwerge versteckten sich in den Falten von Trixis Kleid.
Erwartungsvoll beobachtete diese das Gebüsch das sich nun teilte und staunte als ein schneeweißes Pferd mit einem goldenem Horn auf der Stirn die Lichtung betrat.
Eine überirdisch schöne Dame in einem Kleid aus weißer zarter Seide, bestickt mit zahlreichen Blumen, folgte dem Einhorn.
Ihr braunes Haar, dass ihr bis zur Hüfte reichte, zierte ein bunter Blumenkranz.
Die Zwerge krabbelten aus Trixis Rockfalten und jubelten.
Das ist ja die Blumenfee!“ und tanzten ausgelassen um diese herum.
Die Blumenfee betrachtet sie schmunzelnd, dann wandte sie sich an das Mädchen und grüßte freundlich.
Guten Tag Beatrice.“
Diese wurde rot und stammelte: „Ihr kennt mich?“
Aber ja, du hast doch einen kleinen Garten und behandelst meine Blumen und Pflanzen mit besonderer Liebe.“
Trixi lächelte schüchtern: „ Ich liebe Pflanzen.“
Ich weiß und freue mich, dich endlich einmal persönlich zu treffen, um dir zu danken für all die Liebe und Pflege, die du meinen Kindern schenkst.“
Das Mädchen strahlte vor Freude über das Lob und die Zwerge, die sich wieder zur ihren Füßen nieder gelassen hatten, kicherten.
Die Blumenfee kam nun näher und winkte dem Einhorn, ihr zu folgen.
Beatrice, ich möchte dir drei Wünsche erfüllen, als Dank für deine Liebe zur Natur.“
Das Einhorn tänzelte mit graziösen Schritten näher, senkte den Kopf und ein kleiner goldener Ring fiel in Tixis Schoß.
Das ist ein Wunschring, er wird dir drei Wünsche erfüllen. Leider ist die Erfüllung eines jeden Wunsches nur auf eine halbe Stunde begrenzt.“
Bewundernd betrachtete das Mädchen den Ring und steckt ihn an den Finger, dann fiel ihr Blick auf die Zwerge.
Ich möchte gern sehen wie meine kleinen Freunde leben.“
Die Blumenfee lächelte. „Dreh den Ring.“
Kaum hatte Beatrice dies getan, spürte sie ein Kribbeln am ganzen Körper und die Welt ringsum begann zu wachsen.
Jubelnd fiel Petronella ihr um den Hals.
Nun bist du genauso groß wie ich. Ich habe mir schon immer eine Schwester gewünscht!“
Prahlhans hatte das Laub unter der Wurzel des Baumes beiseite gefegt und eine kleine Tür wurde sichtbar.
Trixi kletterte hinter ihren neuen Freunden durch einen schmalen Gang und sie gelangten in ein reizendes kleines Stübchen.
Ein Zwerg mit einem langen weißem Bart saß auf einem Schaukelstuhl und schlief, wobei er leise Schnarchtöne von sich gab und der Bart sich hob und senkte.
Hinter ihm prasselte ein lustiges Feuer im Kamin und eine mollige Zwergin rührte eifrig in einem schwarzen gusseisernem Topf.
Ohne sich umzudrehen rief sie: „Da seid ihr ja endlich, hurtig, hurtig, bringt mir die Pilze und Kräuter!“
Die Kinder stellten ihre Körbe neben den Ofen und die Zwergenmutter schnippelte mit flinken Fingern die Zutaten
in die Suppe.
Ein köstlicher Duft zog durch den Raum.
Der Zwergenvater erwachte blinzelnd, hob schnuppernd die Nase und meinte vergnügt: „Ach Tildchen, das duftet wieder köstlich, wann können wir essen?“
Dann wandte er sich an die Kinder.
Ihr habt euch ja reichlich Zeit gelassen, wo habt ihr nur wieder gesteckt, aber Moment mal...?“
Stirnrunzelnd betrachtete er die kleinen Zwerge.
Tildchen, wie viel Kinder haben wir ?“
Vier, Brummbär, ein Mädchen und drei Jungen.“
Kopfschüttelnd begann der Zwergenvater zu zählen.
Eins, zwei, drei, vier … fünf? Tildchen bist du sicher? Es sind drei Jungen und zwei Mädchen.“
Die Zwergenfrau drehte sich um und die Kinder prusteten los.
Papa, das ist unser Menschenfreundin Trixi, sie wollte euch kennen lernen, deshalb hat die Blumenfee ihr für eine halbe Stunde unser Größe geschenkt.“
Trixi wurde nun herzlich umarmt und musste sich mit an den Tisch setzen und aus Walnussschalen Suppe löffeln und aus Haselnussschalen Honigmet trinken und viele viele Fragen beantworten.
Viel zu schnell verging die Zeit.
Alle waren traurig, doch die Zwergenmutter drängte zur Eile.
Wenn der Zauber vorbei ist während sie noch in unserem Gang steckt, dann...“
Nun begannen alle zu laufen, doch der Eingang war von einer Maus versperrt.
Schlafmütze, hast du wieder vergessen die Tür zu schließen.“ grollte der Zwergenvater.
Der kleine Zwerg wurde rot und begann zu stottern.
Was sollen wir tun! Mein Arme und Beine beginnen bereits zu kribbeln!“ rief Trixi verzweifelt.
Mäuse sind sehr schreckhaft, „überlegte Tildchen, „ wir
müssen nur alle so laut wie möglich schreien.“
Und nun begann ein ohrenbetäubender Lärm!
Die Maus verschwand blitzschnell durch die Tür und Trixi kroch hinterher und blieb stecken, denn sie war bereits ein Stück gewachsen.
Mit vereinten Kräften schoben die Zwerge an und das Mädchen schoss plötzlich durch die Tür und landete mit dem Kopf auf einer Wurzel.
Aua!“
Empört blickte sie zurück.
Die Zwerge winkten fröhlich, dann schloss sich die Tür und wie durch Zauberhand wirbelten Blätter und Sand auf und es war nur noch die Wurzel des Baumes zu sehen.
Das Mädchen aber begann zu wachsen und hatte bald wieder ihre normale Größe.
Hat es dir gefallen?“ fragte die Blumenfee.
Es war schön, alle waren so lieb und herzlich.“
Dein zweiter Wunsch?“
Nachdenklich betrachtete Trixi das Einhorn.
Ich würde gerne mit dem Einhorn reiten.“
Dreh den Ring.“
Und dann saß das Mädchen auf dem Rücken des Pferdes, das seine Flügel ausbreitet und sich in die Luft erhob.
Trixi kreischte und klammerte sich an der Mähne fest.
Das Pferd wandte den Kopf und bleckte grinsend die Zähne.
Vertrau mir, du wirst nicht herunterfallen, außerdem tut es mir weh, wenn du so an meinen Haaren zerrst.“
Entschuldige,“ stammelte das Mädchen und setzte sich aufrecht.
Und langsam begann sie den Flug zu genießen.
Der Himmel kam immer näher, die Erde unter ihnen wurde immer kleiner.
Trixi begann laut zu jubeln und genoss den Wind in ihrem Gesicht.
Das Einhorn tauchte ein in eine weiße Wolke, die weich wie
Watte war und vorbei an funkelnden Sternen flogen sie
dahin, bis der Mond vor ihnen auftauchte.
Das Mädchen umschlang den Hals des Pferdes, als sie landeten.
Mit staunenden Augen sah es sich um, während die goldenen Hufe des Einhorns mit fröhlichem Klick, klack über den steinernen Boden trabten.
Der Anblick des Mondes war enttäuschend. Keine Spur von Romantik und auch der Mann im Mond war nirgends zu sehen.
Soweit das Auge reichte nur steinerne große Ebenen, abgelöst von zackigen Bergmassiven und riesigen Kratern.
Nur Steine und Sand.
Warum ist es so still hier?“ flüsterte Trixi dicht an dem Ohr des Pferdes.
Weil es hier keine Luft gibt, die den Schall überträgt.“
Aber warum können wir dann atmen?“
Weil ich ein Zauberpferd bin und dies hier Zauberei ist.
Wir müssen zurück.“
Das Einhorn breitete die Flügel aus und vorbei an funkelnden Sternen und durch zarte Wolkengebilde ging es zurück auf die Erde.
Die Blumenfee saß im Gras und band einen Blumenkranz.
Wie hat es dir gefallen?“
Ein wunderbares Erlebnis, obwohl auf dem Mond alles kahl und hässlich ist. Wenn man bedenkt, dass die ersten Raketen für den Flug zum Mond drei Tage brauchten und wir dies alles in einer halben Stunde schafften, wow!“
Das glockenhelle Lachen der Fee ließ die Blumen ringsum die Köpfe heben.
Pegasus fliegt mit Lichtgeschwindigkeit und die braucht nur eine Sekunde bis um Mond.“
Die Fee setzte ihr den Blumenkranz auf den Kopf und betrachtete sie kritisch.
Hübsch sieht es aus, hast du dir deinen letzten Wunsch überlegt.“
Trixi nickte heftig.
Ich möchte die Königin der Nacht blühen sehen.“
Dreh deinen Ring!“
Und dann war das Mädchen plötzlich in einem wunderschönen Garten.
Eine Vielzahl von Blumen in allen Farben breitete sich vor ihr aus, umschwirrt von Bienen und Schmetterlingen.
Auf einem kleinen kunstvoll angelegten Teich schwammen Seerosen, zogen Enten ihre Kreisen und silberne Fische schnellten durch das Wasser.
Dahinter breitete sich eine Wiese aus mit roten Klatschmohn, blauen Kornblumen, Ackerlichtnelken und roten Taglichtnelken.
Auf einer Anhöhe stand ein gläserner Pavillon in dem nur eine einzige Pflanze stand.
Die Königin der Nacht!
Langsam stieg das Mädchen den Hang hinauf und wie durch Zauberhand öffneten sich die Glastüren.
Das Mädchen wagte kaum zu atmen und betrachtete ehrfürchtig die Knospe.
Eine kurze ruckartige Bewegung und langsam wie in Zeitlupe öffnete sich die Blüte, Blatt für Blatt.
Die Sonne brach durch die Scheiben und verstärkte das strahlende Leuchten der Blüte.
Trixi hatte die Hände gefaltet und betrachtet staunend das Wunder der Natur.
Vorsichtig streckte sie die Hand aus und berührte die zarte Blüte und diese schmiegt sich leicht an ihre Finger.
Eine Uhr begann zu schlagen.
Trixi, Trixi , wach auf!“
Benommen öffnete diese die Augen und sah direkt in Fredys Gesicht, hinter ihr standen ihr Onkel und ihre Tante und wirkten sehr erleichtert.
Wo ist das Einhorn und die Blumenfee?“ murmelte Trixi und setzte sich langsam auf.
Hahaa sie träumt noch,“ kicherte ihre Kusine.
Ein Traum, alles nur ein Traum, aber es war ein schöner
Traum.
Hier liegt ein Ring!“ rief Kerstin.
Zeig her!“
Nachdenklich betrachtete Trixi den Ring.
Sie lächelte versonnen.
Nur ein Traum?


© Lore Platz





Kommentare:

  1. Liebe Lore, das war wieder eine sehr schöne Geschichte. Deine Ideen sind einfach "märchenhaft"
    Vielen Dank dafür. Ich freu mich schon auf die nächste Woche.
    Liebe Grüße von Christa

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  2. Liebe Lore,
    was für eine schöne Geschichte, ich fühlte mich, als sei ich bei Trixi und ihren Erlebnissen direkt dabei!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  3. Wunderschön, Lore, ich hab so richtig mitgelebt, danke!
    Besonders das Ende gefällt mir ;)

    Alles Liebe
    Eva :)

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  4. Jetzt werde ich auch zum 'Prahlhans' - genau wie meine Vorgänger!
    Eine ganz herrliche, märchenhaft schöne Geschichte, liebe Lore!!!
    Ich freue mich schon jetzt auf die kommende Woche mit einer
    - mir dann auch völlig - neuen Geschichte! LG Martina

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  5. Guten Tag liebe Lore
    Das Wort " Märchenzauber" ist völlig richtig für Dich eingestuft, denn Du zauberst die Märchen und auch andere Geschichten nur so aus Dir heraus.
    Es ist Dir ja wieder vollständig gelungen. Danke
    Ganz liebe Grüße von Joachim

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  6. Sehr schön, liebe Lore!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen und glücklichen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  7. Liebe Lore,
    das ist wieder eine deiner feinen Geschichten, die so viel Freude machen,
    Ich freue mich immer darauf.
    Liebe Grüße
    Irmi

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.