Donnerstag, 17. April 2014

Mein erster Kochversuch - Erinnerungsgeschichte



 Mein erster Kochversuch





Kennt ihr das Märchen vom süßen Brei?
Die Brüder Grimm haben es aufgeschrieben und ich will es kurz skizzieren.
Ein braves Mädchen bekam von einer alten Frau einen Topf geschenkt, der selber kochen konnte.
Als das Mädchen einmal das Haus verließ wollte die Mutter kochen.
Bald blubberte und brodelte der leckere Brei im Topf, doch die Mutter hatte vergessen wie man ihn wieder abstellt und so vermehrte sich der Brei, verließ das Haus und ergoss sich über das Dorf, bis das Mädchen im Einhalt gebot.

So wäre es mir beinahe einmal ergangen.
Meine Mutter hatte ein kleines Handarbeitsgeschäft, das auch am Samstag bis Mittag geöffnet war.
Meine große Schwester half ihr, meine kleine Schwester spielte im Hof mit ihren Freunden und ich fläzte im Sessel und hatte wie immer ein Buch vor der Nase.
Unser Vater übernahm das Kochen.
Es sollte eine Rindfleischsuppe geben, die schon lecker duftend auf dem Ofen köchelte.
Da klingelte das Telefon und mein Vater kam zu mir und meinte, dass er schnell zu Mutti fahren müsste, weil sie seine Hilfe braucht. Er würde bald wiederkommen, ich sollte nur auf die Suppe aufpassen.
Ich nahm also meinen Schmöker und setzte mich in die Küche.
Ab und zu sah ich in den Topf und vertiefte mich wieder in mein Buch.
Die Uhr tickte und der Zeiger wanderte unerbittlich auf
Mittag zu und mein Vater kam nicht.
Er wollte doch die Suppe fertig kochen.
Ich beschloss meinen Eltern eine Freude zu machen und sie zu überraschen.
Was würden sie für Augen machen, wenn sie nach Hause kamen und das Essen wäre fertig.
Schnell lief ich zum Küchenschrank, stellte mich auf die Zehenspitzen und angelte nach dem Karton mit Reis.
Doch als ich diesen dann geöffnet hatte, wurde ich sehr nachdenklich.
Wie viel Reis machte man in die Suppe.
Unschlüssig wanderte mein Blick zwischen dem großen Topf und den mickrigen weißen Körnern hin und her und kurz entschlossen kippte ich allen Reis in die Suppe und rührte mit dem Kochlöffel um.
Vergnügt deckte ich den Tisch.




Als ich wieder in den Topf sah, wurden meine Augen rund vor Schrecken.
Die mickrigen kleinen Körner waren gequollen und jeden Tropfen Flüssigkeit verschlingend an den Rand des Topfes gewandert.
Zum Glück hörte ich in diesem Moment die Flurtür und meine Eltern konnten das Schlimmste verhindern.
An diesem Tag gab es statt Reissuppe einen Reisbrei, gewürzt mit spöttischen Bemerkungen über meinen ersten Kochversuch.

Mit dieser kleinen Geschichte aus meiner Kindheit verabschiede ich mich in die Osterferien.
Voraussichtlich soll ja das Wetter wieder besser werden und der Osterhase kann seine Eier im Garten verstecken.
Ich wünsche euch ein schönes, frohes und gemütliches Osterfest.
Pünktlich am Dienstag treffen wir uns hier wieder zu einer neuen Reizwortgeschichte.
Bis dahin habt eine gute Zeit!

Eure Märchenfee