Sonntag, 28. Februar 2016

Erich Kästner

Erich Kästner (23.02.1899 – 29.07.1974)


hatte diese Woche Geburtstag und wäre 117 Jahre alt geworden.
Wer kennt nicht ' das doppelte Lottchen', ' das fliegende Klassenzimmer', 'Emil und die Detektive' und ' Pünktchen und Anton.
Ich bin mit diesen Geschichten groß geworden und habe sie geliebt.
Die Geschichte vom 'fliegenden Klassenzimmer' in dem Kästner einen kleinen Auftritt hatte, wurde in dem Internat verfilmt, in dem der Sohn unseres damaligen Hausarztes war.
Erich Kästner stammte aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater war Sattelmeister und seine Mutter Dienstmädchen, Heimarbeiterin und später Friseurin.
Sein Verhältnis zu seiner Mutter war sehr eng und er ihr einziger Lebensinhalt.
Später kamen Gerüchte auf, dass der jüdische Arzt Emil Zimmermann, Hausarzt der Kästners, der wirkliche Vater von Erich wäre.
Diese Gerüchte wurden aber nie bestätigt.
Kästner besuchte 1913 das Dresdner Lehrerseminar, brach aber nach drei Jahren ab.
Viele Details aus dieser Schulzeit findet man im
'fliegenden Klassenzimmer'.
Die Ausbildung 1917 zum Militärdienst war sehr brutal und machte ihn zum Antimilitaristen.
Durch den harten Drill seines Ausbilders Waurich erlitt er eine lebenslange Herzschwäche.
In dem Gedicht Sergeant Waurich hat Kästner späte Rache genommen.


Das ist nun ein Dutzend Jahre her,
da war er unser Sergeant.
Wir lernten bei ihm: „Präsentiert das Gewehr!“
Wenn einer umfiel, lachte er
und spuckte vor ihm in den Sand.

„Die Knie beugt!“ war sein liebster Satz.
Den schrie er gleich zweihundertmal.
Da standen wir dann auf dem öden Platz
und beugten die Knie wie die Goliaths
und lernten den Hass pauschal.

Und wer schon auf allen Vieren kroch,
dem riss er die Jacke auf
und brüllte: „Du Luder frierst ja noch!“
Und weiter ging’s. Man machte doch
in Jugend Ausverkauf...

Er hat mich zum Spaß durch den Sand gehetzt
und hinterher lauernd gefragt:
„Wenn du nun einen Revolver hättst –
brächtst du mich um, gleich hier und gleich jetzt?“
Da hab’ ich „Ja!“ gesagt.

Wer ihn gekannt hat, vergisst ihn nie.
Den legt man sich auf Eis!
Er war ein Tier. Und er spie und schrie.
Und Sergeant Waurich hieß das Vieh,
damit es jeder weiß.
 
Der Mann hat mir das Herz versaut.
Das wird ihm nie verzieh'n.
Es sticht und schmerzt und hämmert laut.
Und wenn mir nachts vorm Schlafen graut,
dann denke ich an ihn.

Erich Kästner


Nach dem ersten Weltkrieg bestand Kästner das Abitur mit Auszeichnung und erhielt das goldene Stipendium der Stadt Dresden.
1919 studierte er in Leipzig Philosophie, Germanistik und
Theaterwissenschaften.
Sein Studium finanzierte er als Journalist und Theaterkritiker.
Er arbeitete in Leipzig für die 'Neue Leipziger Zeitung', ihm wurde 1927 gekündigt, wegen dem frivolen Gedicht.
' Nachtgesang eines Kammervirtuosen'
Kästner zog dann nach Berlin und arbeitete unter dem Pseudonym Berthold Bürger weiter für die Zeitung.
Seine größte Schaffenszeit waren die Jahre 1927 – 1933 und in wenigen Jahren stieg er zu den wichtigsten Intellektuellen auf.
1928 entstand Emil und die Detektive,
1931 Pünktchen und Anton,
1933 Das fliegende Klassenzimmer.

1931 wurde Emil und die Detektive verfilmt, da Kästner aber mit dem Drehbuch nicht zufrieden war, arbeitete er in Zukunft als Drehbuchautor für das Studio Babelsberg.

Kästner hatte eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter, deren einziger Lebensinhalt er war.




In seinem Buch : 'Als ich ein kleiner Junge war', schrieb er

Ihre gesamte Existenz setzte sie auf eine einzige Karte.
Diese Spielkarte war ich, deshalb musste ich gewinnen, durfte sie nicht enttäuschen, wurde der beste Schüler und der bravste Sohn. Ich hätte es nicht ertragen, wenn sie ihr großes Spiel verloren hätte.“
Seine Mutter war wohl auch der Grund warum er während des Krieges nicht emigriert ist, obwohl er mehrmals von der Gestapo verhört und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde.
Auch seine Bücher fielen während der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 den Flammen zum Opfer.
Ein befreundeter Verleger übernahm die Rechte des Berliner Verlags und gründete in der Schweiz einen Verlag, in dem Kästners Bücher erschienen.
Unter dem Pseudonym Berthold Bürger arbeitete Kästner weiter für die Babelsberger Filmstudios und schrieb unter anderem das Drehbuch für 'Baron Münchhausen'.
Vor Einmarsch der 'Roten Armee' verließ Kästner mit einem 60köpfigen Team Berlin und reiste nach Tirol, um dort angeblich einen Film zu drehen.
Pro Forma drehten sie einen Film mit leerer Kamera und warteten das Kriegsende ab.
Nach Ende des Krieges zog er nach München.
Er leitete unter anderem die Kinder und Jugendzeitung
'Pinguin' und arbeitete für das Kabarett 'Die Schaubude' und 'Die kleine Freiheit', sowie für den Hörfunk.
Kästner veröffentlichte aber immer weniger, wozu wohl auch sein zunehmender Alkoholismus beitrug.
Auch fand er sich in der Nachkriegszeit nicht mehr zurecht und wurde 1950 und 1960 hauptsächlich als Kinderbuchautor bekannt.
Am 29. Juli 1974 starb Erich Kästner an Speiseröhrenkrebs und wurde auf dem Friedhof Bogenhausen – München beigesetzt.
Was er uns hinterlassen hat sind wunderbare Kindergeschichten und diese machen ihn unvergessen.

Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    auch ich habe die Bücher und Filme von Erich Kästner gemocht. Auch unserem Sohn habe ich daraus vorgelesen. Besonders Emil und die Dedektive sind unvergessen.
    Das finde ich ja toll, dass der Sohn Eures Hausarztes das besagte Internat besuchte. Bestimmt kannte er jede Ecke. Hat er die Filmaufnahmen selbst mitbekommen oder war das nicht während seiner Schulzeit? Wahrscheinlich erzählt er noch heute davon. ;-)
    LG und einen schönen Restsonntag
    Astrid

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  2. Oh ja, Erich Kästner ist auch mir ein Begriff und natürlich all seine Werke! Schön, dass du an ihn erinnerst! LG Martina

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  3. Liebe Lore,
    das ist hochinteressant, was Du alles über Erich Kästner herausgefunden hast, alle Achtung! Von seinen Büchern habe ich nur "Das doppelte Lottchen" gelesen. Von den anderen kenne ich natürlich die Titel. Aber man begegnet seinen Werken ja immer wieder einmal...
    Liebe Grüße
    Christine

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.