Donnerstag, 15. September 2016

Pause und Plaudern

Ich brauche eine schöpferische Pause dieses Jahr und werde auch bei den Reizwortgeschichten diesmal pausieren.
Gesundheitlich haben sich bei mir in diesem Jahr einige Wewechen mehr dazu gesellt und ich muss erst sehen wie ich diesen neuen Herausforderungen begegnen kann.
Auch die grauen Wolken über dem Weltgeschehen hält mich in der Realität gefangen und hindert mich am Träumen und Träumen muss ich wenn ich Märchen schreiben will.
Aber ich habe die letzten Jahre so viiiiieeele Geschichten geschrieben, dass eine Pause vielleicht einfach mal sein muss und ich hoffe, die Freude am Schreiben kommt wieder.
Ein Glück, dass ich meine Gastautoren habe und so werde ich in den nächsten Tagen eine neue Fortsetzung von 'Pinselchen' hier einstellen, Heide Marie hat schon herrliche Bilder dazu gezeichnet.

Am Samstag beginnt ja das Oktoberfest und nicht nur Regen ist angesagt neine es steht auch unter dem Einfluss der Terrorgefahr.
Hoffentlich geht alles gut und endet nich so wie 1980, bei dem ich ja wie durch ein Wunder dem Tode entronnen bin.
Ich habe es ja geschrieben und setzte hier den Link, für die, die meine Erinnerungsgeschichte noch nicht gelesen haben.

Oktoberfest Erinnnerungsgeschichte.html 









Nun wünsche ich euch noch einen schönen Tag, macht das Beste draus.




Mittwoch, 7. September 2016

Prinzessin Wildfang - Reizwortgeschichte

Sicher habt ihr schon bemerkt, dass ich alte Geschichten wieder aus der Versenkung hole. Vielleicht macht es euch ja Freude sie noch einmal zu lesen und die neuen Leser brauchen auch nicht so lange zu  suchen. (schmunzeln)
Nun wünsche ich euch noch einen schönen Altweibersommertag!
Viel Spaß beim Lesen!




Prinzessin Wildfang

Eine schwarz gekleidete ältere Dame lief in raschen Schritten durch den Garten. Sie blieb vor einem Rosenbusch stehen unter dem der Teil eines weißen bauschigen Rockes und kleine feine Schuhe hervorlugten.
Nun bewegte sich das Ganze und schob sich rückwärts.
Zwei stark durch die Dornen beschädigte Ärmel wurden sichtbar, rote wallende Locken und schließlich eine Hand, die ein kleines verängstigtes Kätzchen hielt.
Die Hofdame stemmte beide Hände in die Hüften und runzelte die Stirn.
Prinzessin Beatrix, wie seht ihr wieder aus!“
Oh!“ Erschrocken sah das Mädchen an sich herunter und wurde rot.
Der Hund von Prinz Adalbert hat Ginger unter den Rosenbusch gejagt und sie wagte sich nicht mehr heraus.“
Hättet ihr denn nicht einen Diener beauftragen können?“
Die haben doch alle keine Zeit, wegen dem Festbankett heute Abend!“
Eine Schar junger Leute kam in den Park.
Die jungen Damen fingen an zu kichern und die jungen Herren feixten.
Einer dieser Herren hielt sein Monokel an das Auge und näselte: „Ach Prinzessin Leonore ist dieses Lumpenkind etwa eure Schwester, die man Prinzessin Wildfang nennt.“
Alle fingen schallend zu lachen an.
Beatrix aber drehte sich um und lief mit Tränen in den Augen davon.
Sie verließ den Schlossgarten und lief hinaus auf die freie Ebene zu einem großen Weidenbaum.
Hierher flüchtete sie immer wenn sie Kummer hatte.
Wütend ließ sie sich sich ins Gras fallen.
Warum weinst du?“
Beatrix sah auf und erblickte eine ältere Dame.
Sie war bekleidet mit einem bunten Rock, einer ebenso bunten Bluse, derben braunen Schuhen und drückte eine riesengroße Tasche an sich. Eine runde kleine Brille saß auf ihrer Nase.
Beatrix sah sie finster an und meinte trotzig:
Ich weine ja gar nicht!“
Die alte Dame setzte sich neben sie und sah hinauf in den wolkenlosen Himmel.
Dann haben dich wohl ein paar Regentropfen gestreift.“
Nun musste das Mädchen kichern.
Ich habe geweint, weil ich wütend und traurig bin,“ gestand sie.
Nun es schadet nicht ab zu mal zu weinen. Tränen reinigen die Augen und spülen Zorn und Kummer von der Seele. Du solltest dich also nicht schämen, wenn du mal weinst.“
Beatrix lächelte.
Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, ich bin Prinzessin Beatrix, auch Prinzessin Tolpatsch oder Prinzessin Wildfang genannt.“
Wütend begann sie das Gras neben sich auszureißen.
Nun was haben dir die armen Pflanzen denn getan, dass du sie so behandelst?“
Verlegen ließ das Mädchen ihre Hand sinken.
Die alte Frau aber hob einen Finger und die Wiese sah aus wie vorher.
Oh“
Ja ich bin eine Fee, wusstest du das nicht.
Die Prinzessin schüttelte den Kopf.
Ich dachte immer...“ Verlegen verstummte sie.
Du dachtest Feen seien schön und ewig jung. Meist stimmt das auch, die Blumenfeen und Sternenfeen sind es jedenfalls. Aber ich bin eine, naja Fee für alle Fälle.
Du musst nicht denken, dass ich in meiner Jugend nicht auch schön war, aber immerhin bin ich jetzt 878...“, sie runzelte die Stirn, „ … oder sind es 879 Jahre, ach egal, nun erzähle mir aber deinen Kummer.“
Beatrix hob hilflos die Schultern.
Ich bin eine einzige Enttäuschung für meine Eltern und auch für meine Schwester. Immer wieder gerate ich in irgendeine Klemme, zerreiße oder beschmutze meine Kleider, falle hin, weil ich ich zu schnell laufe und außerdem bin ich entsetzlich hässlich!“
Paperlapap, du bist doch nicht hässlich, mein liebes Kind.“
Doch, seht doch meine Nase ist voller Sommersprossen und...“
Aber die sehen doch hübsch aus und passen zu deinem roten Haar“, unterbrach sie die Fee.
Ja meine Haare, Juliane, meine Zofe, gibt sich die größte Mühe, aber ich verliere immer wieder die Nadeln und dann sehe ich aus wie eben ein Wildfang.“
Die Fee betrachtete sie prüfend und ließ eine Strähne des wirklich schönen Haares durch ihre Finger gleiten.
Deine Haare sind wunderschön, aber viel zu dick, um sie mit Nadeln zu bändigen. Hast du es schon mal mit einem Haarnetz versucht? Ich müsste doch...“
Sie wühlte in ihrer riesigen Tasche.
Hier ist es ja!“
Sie reichte Beatrix ein goldenes mit Perlen besticktes Haarnetz.
Das ist ja wunderschön.“
Ganz leicht zu machen!“
Nicht für mich, das ist auch etwas was ich nicht kann, feine Handarbeiten.
Meine Stickereien sehen aus wie ein Schlachtfeld und wenn ich häkle, entsteht immer eine andere Form als es sollte. Ich bin eben keine Prinzessin.“
Papperlapap, wer sagt denn, dass eine Prinzessin unbedingt Handarbeiten muss. Du bist sehr wohl eine Prinzessin, du hast das mutige Herz einer Kriegerin, du achtest nicht auf deine Kleidung, wenn es gilt ein verletztes oder in Not geratenes Tier zu retten, auch scheust du dich nicht in die ärmsten Hütten zu gehen, um den Leuten Essen aus der Schlossküche zu bringen. Du wirst mal eine gute Königin werden. Darf ich dein Haar richten?“
Beatrix nickte und presste die Augen zusammen, um auf die Schmerzen vorbereitet zu sein.
Die Fee aber holte aus den unendlichen Tiefen ihrer Tasche einen großen Kamm hervor und fuhr nun durch das lange dichte Haar.
Das ziept ja gar nicht!“ rief die Prinzessin erstaunt.
Nein, das liegt wohl an dem Kamm. Ich nenne ihn, der Kamm, der nicht ziept. Du kannst ihn gerne behalten.“
Danke!“
Gerne geschehen, verrätst du mir, warum so viele Prinzen aus alle Welt zu euch kommen. Seit einer Woche ist ein ständiges Kommen und Gehen im Schloss.“
Mein Vater hat sie eingeladen, um mich und meine Schwester Leonora zu verheiraten. Dabei hat mich bisher keiner der Prinzen auch nur eines Blickes gewürdigt, höchstens um sich über mich lustig zu machen.“
Gefällt dir denn einer der Prinzen.“
Nein! Einige sind ja ganz nett, aber die haben nur Augen für meine Schwester. Aber manche Prinzen sind schon sehr seltsam. Zum Beispiel Prinz Wohlgemut!“
Ein eigenartiger Name!“
Beatrix kicherte.
Eigentlich heißt er Prinz Leopold, aber er fläzt den ganzen Tag nur auf dem Sofa herum und formt Verse auf die
Schönheit meiner Schwester. Und jeder Vers endet mit dem Wort wohlgemut.“
Da klingt, äää, etwas seltsam.“ kicherte die Fee.
Beatrix grinste.
Dann gibt es noch Prinz Pfau!“
Ich vermute, das ist auch nicht sein richtiger Name?“
Nein, er heißt Prinz Alfonso, aber wenn er durch das Schloss oder über den Hof stolziert dann begleitet ihn immer ein Diener, der einen Spiegel trägt, damit der Prinz sich jederzeit bewundern kann.“
Was für ein Prinz würde dir denn gefallen?“
Es wäre mir egal wie er aussehe, er müsst nur mutig sein, ein gutes mitleidiges Herz für Tiere und Menschen haben und vor allem mich so akzeptieren wie ich bin.“
Das sind ja bescheidene Wünsche, muss er reich sein?“
Das ist unwichtig!“
Gut, ich bin fertig, willst du es sehen?“
Sie kramte einen Spiegel aus ihrer Tasche.
Das ist ja wunderschön!“ jubelte die Prinzessin.
Und vor allem hält es, selbst wenn du mal wieder auf einen Baum steigst, um einen verletzten Vogel zu retten.
Oh, da kommt ein Reiter, ich werde wohl besser gehen!“
Der Reiter kam näher und sprang vom Pferd, einen Moment betrachtete er das junge Mädchen, dann grinste er.
Habt ihr mit einem Drachen gekämpft!“
Einen Moment stutzte Beatrix, dann fiel ihr der zerrissene Ärmel ein und sie musste lachen.
Nein mit einem Dornenbusch, eine kleine Katze hat sich darin verirrt und wagte sich nicht mehr heraus.“
Der junge Mann lächelte.
Ich habe mich auch verirrt und wollte zum Schloss. Darf ich mich vorstellen: Prinz Niklas von Armenia!“
Ihr wollt sicher auch Prinzessin Leonora heiraten.“
Beatrix war etwas enttäuscht, denn der Prinz gefiel ihr.
Nein, ich komme wegen Prinzessin Beatrix!“
Dem Wildfang, niemand will sie heiraten, sie steckt ständig in irgend welchen Klemmen und immer sind ihre Kleider schmutzig oder zerrissen.“
Gerade deshalb finde ich sie so interessant und denke, dass sie genau die richtige Frau für mich ist.“
Er wirft einen schmunzelnden Blick auf die zerrissenen Ärmel.
Ihr habt mich erkannt?“
Ja an den Ärmeln und dem wunderschönen roten Haar.“
Aber weshalb wollt ihr denn gerade mich, niemand will mich,“ stammelt Beatrix verlegen.
Weil ihr beherzt und tapfer seid, weil ihr ein großes mitfühlendes Herz habt und euch für Menschen und Tiere einsetzt, obwohl ihr euch damit ständig Ärger einhandelt.
Außerdem seid ihr von einer ganz besonderen Schönheit, denn sie ist nicht nur äußerlich.“
Als Beatrix ihn nur fassungslos anschaute, lächelte er wieder und dieses Lächeln schlich sich in das Herz der Prinzessin.
Der Prinz aber ließ seinen Blick versonnen in die Ferne schweifen.
Armenia ist ein sehr armes Land. Wir haben keine Bodenschätze und leben von der Landwirtschaft und sind sehr vom Wetter abhängig. Es hat schon Winter gegeben, da wäre mein Volk fast verhungert.
Ich bin einige Jahre durch die Welt gereist, um eine Lösung zu finden, habe bei einem Schafbauer gearbeitet und von der Schafschur bis zum Weben der Wolle alles gelernt.
Auch hat mir ein Freund von einer Raupe erzählt, aus der man Seide gewinnen kann.
All diese Neuerungen möchte ich in meinem Land einführen aber der Weg wird hart und steinig sein und dazu brauche ich eine Frau an meiner Seite mit dem Herzen einer Löwin, so wie ihr Prinzessin Beatrix, wollt ihr diese Frau sein?“
Diese hatte dem Prinzen staunend zugehört, das wäre eine wundervolle Aufgabe und außerdem der Prinz gefiel ihr sehr gut und seine Worte berührten ihr Herz.
So nickte sie nur und ihre Augen trafen sich und für einen Moment schien die Erde still zu stehen.
Hoheit, Hoheit!“
Man hat mich gefunden,“ bedauerte der Prinz.
Gewährt ihr mir heute Abend die Ehre des ersten Tanzes , Prinzessin Beatrix?“
Diese nickte mit einem strahlendem Lächeln und Prinz Niklas schwang sich übermütig lachend auf das Pferd, hob grüßend die Hand und galoppierte davon.
Er gefällt dir?“
Wie aus dem Nichts war die Fee wieder aufgetaucht.
Das junge Mädchen nickte noch immer etwas benommen.
Das ist gut, denn Prinz Niklas ist ein besonderer junger Mann und er passt zu dir, aber nun beeile dich, die Sonne geht bald unter. Du willst dich doch sicher noch schön machen für den Ball. Nanu, ich sehe noch einen Schatten in deinen Augen, was bedrückt dich?“
Ich habe ihm den ersten Tanz versprochen, aber ich kann doch gar nicht tanzen, immer stolpere ich oder trete meinen Tanzpartnern auf die Füße.“
Papperlapap , sicher kannst du tanzen, du hattest bisher nur die falschen Schuhe, warte mal.“
Wieder wühlte sie in ihrer Tasche und zog mit einem triumphierenden Lächeln ein paar goldene Slipper hervor.
Sie drückte die Schuhe dem Mädchen in die Hand.
Nun aber lauf!“
Beatrix lief los, drehte sich aber dann wieder um und kam zurück.
Stürmisch umarmte sie die Fee und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
Kopfschüttelnd sah diese ihr nach.
Albernes Ding!“
Aber dann lächelte sie und murmelte:
Sie wird sehr glücklich werden.“
Beatrix aber erreicht atemlos ihr Zimmer.
Während sie im Badezuber saß und Ihre Zofe Juliane ihr mit dem Kamm, der nicht ziept, die Haare kämmte, erzählte sie ihre Erlebnisse.
Unter viel Gelächter suchten die beiden Mädchen dann das schönste Kleid aus.
Und als die Prinzessin dann wenig später den Ballsaal betrat, da waren alle Augen auf sie gerichtet, denn so schön hatte man Prinzessin Wildfang noch nie gesehen.
Prinz Niklas aber eilte ihr mit leuchtenden Augen entgegen und da gerade die Musik einsetzte führte er sie zum Tanz auf das Parkett.
Der König aber sah staunend den Tanzenden zu.
Ist das unsere Tochter, der Wildfang? Ein Wunder, sie sieht ja wunderschön aus und stolpert nicht und ist bisher kein einziges Mal ihrem Partner auf die Füße getreten?“
Kein Wunder! Das ist die Liebe,“ meinte die Königin mit einem feinem Lächeln.
Prinz Niklas? Aber er ist der ärmste der Freier.“
Du willst ihnen doch keinen Ärger bereiten?“
Nein, nein,nicht nachdem er dieses Wunder vollbracht hat und unseren Wildfang glücklich macht. Im Gegenteil, ich werde ihre Mitgift verdoppeln, das wird ihnen den Start etwas erleichtern.“
Sein Blick fiel hinüber zu Leonora, die inmitten ihrer Bewunderer stand und sich nicht entscheiden konnte, welchen von ihnen sie die Gunst eines Tanzes gewähren sollte.
Es würde mich nicht wundern, wenn unser Wildfang noch vor ihrer Schwester verheiratet wäre.“
Und so war es auch.
Es wurde eine wunderschöne Hochzeit und alle freuten sich und dem Brautpaar strahlte die Liebe und das Glück aus den Augen.
Was besonders die beiden Mütter des jungen Paares immer wieder zum Taschentuch greifen ließ.
Nach dem Fest aber gingen alle in den Schlosshof, wo bereits die hoch beladene Kutsche wartete, die Beatrix und und ihren Gemahl in ihre Heimat bringen sollte.
Die Zofe Juliane und der Kammerdiener des Prinzen saßen bereits wartend in dem Gefährt.
Prinz Niklas aber kam auf den Hof und führte zwei Pferde am Zügel.
In dem Moment rannte Beatrix aus dem Schloss in einem einfachen Reitdress und einem loses Band in den Haaren.
Stürmisch umarmte sie ihren Vater, ihre Mutter und ihre Schwester und lief dann zu ihrem Mann, der ihr auf das Pferd half.
Er war noch nicht auf seinem Pferd, da galoppierte Beatrix mit einem Jubelruf schon los.
Das Band flatterte zu Boden und die reiche Fülle ihres Haares breitete sich wild über ihrem Rücken aus.
Die Kutsche setzte sich in Bewegung und folgte in gemächlichen Tempo.
Der König aber sah kopfschüttelnd den wilden Reitern nach.
Sie wird wohl immer ein Wildfang bleiben.“
Lächelnd hakte sich die Königin bei ihm unter, als sie ins Schloss gingen.
Sicher, aber sie hat einen Mann gefunden, der dies akzeptiert.“

© Lore Platz