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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Nicht standesgemäß

Ich gehörte nie zu den Lieblingen der Lehrer, aber das machte mir wenig aus, denn da ich aus einem gebildeten Elternhaus stammte, nahm das auf meine Leistungen keinen Einfluss. Die schlimmste meiner Lehrerinnen verwende ich in meinen Geschichten immer als böse Frau. 
Passt also gut auf ihr werdet sie finden (schmunzeln)
Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Tag.
Viel Spaß beim Lesen!


(c) Elli M.


Nicht standesgemäß

Elena betritt neben Direktor Zimmermann das Klassenzimmer und sieht sich zweiundzwanzig erwartungsvollen Gesichtern gegenüber.
Fräulein Hartleitner, das ist ihre neue Schülerin Elena von Straten. Ihre Eltern haben das Gut Waldblick übernommen und den dazu gehörigen Ponyhof.“
Freundlich nickt die Lehrerin dem Mädchen zu, trotzdem war sie Elena nicht sehr sympathisch.
Sie setzt sich auf den ihr angewiesenen Platz und packt ihre Schultasche aus.
Die Tür wird leise geöffnet und ein Mädchen drückte sich herein.
Entschuldigung,“ murmelt sie und hastet in die hinterste Bank.
Das ist Bärbel, sie ist strohdoof und außerdem hässlich angezogen.“ flüstert Rita Elena zu.
Das Mädchen betrachtet unauffällig das Mädchen, dessen Kleider geflickt sind, und die Haare unordentlich aus den Zöpfen hängen.
Direktor Zimmermann hat inzwischen das Zimmer verlassen und der Unterricht beginnt.
Elena beobachtet, dass die Lehrerin das Mädchen in der letzten Bank vollkommen ignoriert und in der Pause wird sie von den anderen Kindern gehänselt.
Elena gefällt das gar nicht und sie fragt Rita „ was hat euch das Mädchen denn getan?“
Ach,“ meint diese schnippisch, „ schau sie dir doch an wie hässlich sie angezogen ist, bestimmt hat sie auch Läuse, außerdem wohnt sie in einer ärmlichen Hütte mit ihrer Oma und mein Opa, der ja Bürgermeister ist, hat gesagt, die beiden sind der Schandfleck in unserem schönen Dorf.“
Elena runzelt die Stirn und nimmt sich fest vor zu Bärbel besonders nett zu sein.
Doch das war nicht so einfach, denn Bärbel lässt niemand an sich heran und so gibt Elena allmählich auf.

Nach einigen Wochen hat Elena sich eingewöhnt und viele Freunde gefunden. Jeder möchte ihre Freundin sein, war sie doch die Tochter des reichen Gutsbesitzer und die Kinder durften auf den Ponys reiten, wenn sie Elena besuchten.
Bärbel kam jeden Morgen zu spät und huschte schnell auf ihren Platz von niemand beachtet. Die Kinder hänselten sie auch nicht mehr, hatten sie doch schnell gemerkt, dass das Elena gar nicht gefiel und mit dieser wollte es sich keiner verderben.
Und die Lehrerin kümmerte sich überhaupt nicht um das Mädchen. Bärbel wurde niemals aufgerufen und selbst ihre Hausaufgaben wurden nicht eingesammelt.
Als wäre sie überhaupt nicht anwesend.
Manchmal warf Elena einen heimlichen Blick nach hinten und sah, dass das Mädchen sehr aufmerksam verfolgte was vorne geschah. Wenn ihre Blicke sich trafen sah Bärbel scheu weg und spielte mit ihrem Bleistift.
 
(c) Elli M.



Elena war gerade von der Schule nach Hause gekommen und lief in die Küche, wo Martha, die Köchin ihr lächelnd das Essen servierte und erzählte, dass ihre Mutter in die Stadt gefahren war und ihr Vater eine Besprechung mit dem Bürgermeister hatte.
Martha sah dabei sehr grimmig aus und Elena fragte sie
was denn los sei.
Ach den Bürgermeister hier kann ich gar nicht leiden, so ein Unmensch, will das arme Weiblein und ihre Enkelin aus dem Haus werfen. Sind ein Schandfleck für das Dorf behauptet er.“
Was will er denn von Papa?“
Der Wald gehört doch zu dem Gut und das alte Häuschen ist nur gemietet. Also soll der Herr seine Macht als Vermieter demonstrieren und ihnen kündigen.“
Das wird doch Papa nicht machen!“ rief Elena erschrocken.
Als der Bürgermeister abgefahren war, schlüpfte Elena in das Arbeitszimmer ihres Vaters.
Lächelnd sah Herr von Straten sein Töchterlein an. „Was hast du denn auf dem Herzen?“
Papa, du willst doch nicht Bärbel und ihre Oma aus dem Haus werfen?“
Kennst du sie denn?“
Ja, Bärbel geht mit mir in dieselbe Klasse.“ Und dann erzählt sie ihrem Papa, was ihr aufgefallen war und wie die Lehrerin und auch die Kinder mit dem armen Mädchen umgehen.
Ihr Vater nickte nachdenklich.
Die Menschen vergessen viel zu schnell, wenn es ihnen gut gut, dass nicht jeder soviel Glück hat.“
Aber hast du nicht immer gesagt, wir sollen dankbar sein, dass es uns so gut geht und die nicht vergessen, denen es nicht so gut geht.“
Ja, meine Kleine und daran wollen wir uns auch halten, habe keine Angst um deine Freundin.“
Elena widerspricht nicht, denn eigentlich wollte sie gerne mit Bärbel befreundet sein.



Im Stall trifft sie auf Justus, den Stallmeister, der an seiner alten Pfeife kaut. Er wollte sich nämlich das Rauchen abgewöhnen, aber von seiner geliebten Pfeife konnte er sich nicht trennen.
Na Prinzessin willst wohl ausreiten, Triumph muss bewegt werden.“
Elena ging an die Box, holte aus ihrer Hosentasche ein Stück Zucker und hielt es auf der flachen Hand dem weißen Pony hin.
Bald trabten die beiden über den Hof, begleitet von Gina dem gefleckten Mischling.
Der Hund umsprang sie freudig bellend, dann spitzte er plötzlich die Ohren und sauste los und verschwand im Wald.
Ärgerlich rief Elena den Hund,natürlich hörte er nicht, sicher hatte er wieder ein Kaninchen aufgestöbert.
Das Mädchen band das Pony an einen Baum und folgte dem Hund in den Wald.
Sie hörte ein komisches Geräusch, das konnte nur Gina sein.
Als sie den seltsamen Lauten folgte, sah sie Bärbel, die auf einem Baumstamm saß, Tränenspuren auf dem Gesicht, und mit offenen Mund Gina betrachtete.
Die Hündin hatte die Schnauze nach oben gerichtet und heulte Herz erweichend.
Als Bärbel Elena sah wollte sie aufspringen, doch dann fiel ihr Blick wieder auf den Hund und sie prustete los.
Elena ließ sich neben ihr auf dem Baumstamm nieder und auch sie konnte sich nicht mehr halten.
Weißt du, Gina ist ein besonders mitfühlender Hund, wenn sie jemand weinen sieht, weint sie gleich mit.
Wieder prusten sie los und der Hund, der die Beiden lachen sieht, drängt sich schwanzwedelnd zwischen sie.

 
(c) Werner B.

Die Mädchen streicheln den Hund.
Warum hast du geweint?“
Bärbel wird rot und wendet das Gesicht ab.
Elena ergreift ihre Hand.
Du brauchst keine Angst haben, mein Vater hat nicht vor euch zu vertreiben, auch wenn der Bürgermeister es so will.“
Er war gestern bei meiner Oma und hat ihr angedroht, dass der neue Besitzer uns rausschmeißen wird. Wir sind der Schandfleck des Dorfes. Aber meine Oma hat doch nur eine kleine Rente. Außerdem hat sie Arthritis und kann nicht mehr so arbeiten. Ich helfe ihr so gut ich kann, deshalb komme ich auch morgens immer zu spät in die Schule. Eigentlich will ich gar nicht mehr in die Schule gehen. Frau Hartleitner will sowieso nichts mit mir zu tun haben, sie mag nur die reichen Kinder.“
Elan umarmte Bärbel spontan. „ Ich mag dich und wäre so gerne deine Freundin.“
In diesem Moment entstand eine Freundschaft fürs Leben und für Bärbel und ihre Oma begann eine Zeit des Glücks.
Herr von Straten hatte auf seinem Besitz ein kleines unbewohntes Häuschen, das er herrichten ließ und in dem Bärbel und ihre Oma in Zukunft leben konnten.
Zuerst aber schickte er die alte Frau in ein Heilbad zur Erholung und während dieser Zeit durfte Bärbel bei Elena wohnen.
Martha, die Köchin verwöhnte das arme Mädchen mit Leckerbissen und Elenas Mutter sorgte für passende Kleider.
Elena und Bärbel aber waren unzertrennlich und mit Elenas Hilfe wurden auch deren Leistungen in der Schule besser.
Nichts erinnerte mehr an das zerlumpte Kind, das der Außenseiter in der Schule war.
Anfangs zögernd, aber dann wurde Bärbel in die Klassengemeinschaft aufgenommen.


© Lore Platz  C2016)




Donnerstag, 19. Dezember 2024

Türchen 19 Hexe Liliput erlebt Weihnachten

 

 

 


 

Türchen 19  2024


Hexe Liliput erlebt Weihnachten



Tinchen saß auf der Fensterbank und beobachtete die dicken Schneeflocken. Waldprinz, der am Tisch saß ,betrachtete schmunzelnd die Schildkröte. „mach dir keine Sorgen, sie kommt schon durch den Schneesturm. „Zu Fuß bestimmt, aber ich fürchte, sie wird den Besen nehmen.“ 

In diesem Moment geht die Tür auf und eine strahlende Liliput stürmt herein.“Puh war das ein Flug, herrlich!“ 

Tinchen und Waldprinz sehen sich an. Tinchen Kopfschüttelnd, Waldprinz grinsend. 

Liliput wirft den Besen in die Ecke und setzt sich neben Waldprinz. 

 Neugierig betrachtet sie die Zahlen in seinem Heft. 

„Was ist das?“

„Das ist eine Zahlungsart, man nennt sie Wurzel 

ziehen."

 Einen Moment sieht Liliput ihn verblüfft an, dann beginnt sie schallend zu Lachen. „Ihr Menschen seid schon komische Geschöpfe, wir gehen zum Wurzel ziehen in den Wald.“ 

Doch dann wird sie wieder ernst. „Frau Kassandra hat uns erklärt, dass in einigen Tagen die Menschen unten im Dorf Weihnachten feiern und wir uns fernhalten sollen.

 “Aha und jetzt willst du hinunter, weil es verboten ist,“ brummt Tinchen. „Nein Tinchen, du weißt, dass meine Mutter eine Hexe und mein Vater ein Mensch war und ich will beide Seiten kennen lernen. Und ich habe schon einen Plan.

Ich werde mich wie ein Menschenmädchen kleiden und als Mariannes Kusine mit ihrer Familie Weihnachten feiern und du kommst mit.“ 

Waldprinz sieht sie entsetzt an. „Niemals!“

 „Ein guter Plan.“ 

 

 


Frau Kassandra steht an der Tür. Tolpatsch läuft ihr entgegen kleine Rauchwölkchen ausstoßend. Lächelnd betrachtet die Hexe den Drachen, den sie in die Größe einer Eidechse verwandelt hatte, damit er keinen Schaden mehr anrichten konnte und krault ihn hinter den Ohren.

 „Nun Liliput, da du zur Hälfte Mensch bist solltest du auch deren Bräuche kennen lernen und endlich auch den Hass auf die Menschen vergessen. Und du Waldprinz musst dich den Dorfbewohnern stellen. sechs Jahre ist es nun her, seit Marianne und Lukas dich gerettet haben, als dein Vater dich fast zu Tode geprügelt hat, du bist jetzt vierzehn. 

Groß, selbstbewusst und sehr klug, doch erst wenn du dich der Vergangenheit stellst bist frei.“ 

Waldprinz strafft die Schultern. „Ich begleite Liliput!“ 

Doch nun war Liliput dagegen.“Nein, die Menschen da unten sind böse, es ist zu gefährlich!“

 „Frau Kassandra hat recht, ich bin kein hilfloses Kind mehr und nicht alle im Dorfe sind böse, denk nur an deine Freundin Marianne und ihre Familie. Weißt du was meine Mutter immer gesagt hat, wenn ich mich weinend zu ihr geflüchtet habe und geklagt habe, alle Menschen wären böse: Nicht alle Menschen sind böse, fünf bösen Menschen stehen fünf guten Menschen gegenüber, das ist Gottes Ausgleich.“ 

 Frau Kassandra legt beiden die Hand auf die Schulter. 

„Viele Leute im Dorf waren nicht einverstanden, wie dein Vater nach dem Tod deiner Mutter mit dir umging, doch was sollten sie gegen den reichsten Bauern des Dorfes und den ketzerischen Pfarrer tun.“

 „Lebt er noch?“ will Waldprinz wissen. „Nein, es ist jetzt ein junger netter freundlicher Pfarrer im Ort. Aber nun macht euch bereit. 

 


Sie hebt den Zauberstab und Liliput steht in einem warmen Pelzmantel, eleganten Winterstiefeln,und einer schicken Pelzmütze, da. Sie dreht sich jubelnd im Kreis und bleibt überrascht stehen, als sie ihren Bruder entdeckt. „Nun siehst du wirklich wie ein Prinz aus.“ 

Neben Liliput steht ein Koffer und als diese ihn aufhebt, schüttelt sie den Kopf, „der ist ja ganz leicht.“ 

 Frau Kassandra lacht „der ist ja auch leer.“ 

Waldprinz schaut sie verwirrt an. „Was sollen wir mit einem leeren Koffer?“ Das ist ein Zauberkoffer, da ihr einige Tage bleiben werdet, braucht ihr Kleider zum wechseln und auch Weihnachtsgeschenke. Der Koffer wird euch jeden Wunsch erfüllen, wenn er es erlaubt. 

Und du Waldprinz bekommst eine Geldbörse, schließlich sollst du als reicher junger Mann auftreten. Du kannst jede Summe bekommen. 

Und du Liliput zügle dein Temperament keinen Zauber, du würdest deiner Freundin Marianne und ihrer Familie damit sehr schaden. Und nun kommt, ich setzte euch direkt vor der Tür von Marianne und Lukas ab. 

Sie schnippt mit den Fingern und ein Umhang schwebt durch die Luft, umhüllt die drei und sie sind unsichtbar. Die Tür öffnet sich und schließt sich. Tinchen seufzt kummervoll. Ob das gut geht.  

Waldprinz klopft und Josef Waller öffnet und sieht die beiden fein gekleideten jungen Leute fragend an. „Sie wünschen?“ Liliput kichert, “Josef wir sind es Liliput und Waldprinz. 

Josef zerrt sie ins Haus, lässt ihnen kaum Zeit die Mäntel abzulegen und führt sie in die gute Stube. Marianne springt auf, „ Liliput, Waldprinz!“ und umarmt sie stürmisch. 

 


Bald sitzen sie alle am Tisch und lassen sich die selbst gebackenen Plätzchen und den Tee schmecken. Liliput hat sich staunend umgesehen, nun bleibt ihr Blick verträumt an dem Adventskranz hängen, auf dem drei Kerzen brennen. Die anderen sehen sich lächelnd an. 

Waldprinz nippt an seinem Tee und bittet,“könnten wir bei euch wohnen. Frau Kassandra hat gemeint, wenn ich glücklich werden will in der Zukunft, muss ich mich der Vergangenheit stellen und mit ihr abschließen.“

Eine kluge Frau,“brummt Josef. „Und deshalb hat sie mich auch so vornehm ausgestattet und auch genügend Geld mit gegeben, um die ärgste Armut im Dorf zu lindern. Und dazu brauche ich deine Hilfe Josef. 

Bei meinen nächtlichen Besuchen bei euch bin ich oft am Armenhaus vorbeigekommen, es sieht schrecklich aus und hält sicher auch die Kälte nicht ab. Kennst du einen guten Schreiner, der ehrlich ist?“ 

„ja den Angerer Karl, ein armer Kerl, der seine Familie kaum ernähren kann, weil seine Auftraggeber nicht zahlen. Natürlich kann er deshalb auch den Holzhändler nicht bezahlen, der will ihn nach Weihnachten pfänden und ihn und seine Familie von Haus und Hof jagen.“ „Das müssen wir natürlich verhindern. Wer sind die Schuldner?“

 Naja die Großkopferden, dein Vater ist auch dabei.“Kurz blitzt es in Waldprinz Augen auf.“ „Josef willst du einmal Nikolaus spielen?“ „Der 6. Dezember ist zwar vorbei doch um jemanden Freude zu bereiten zählt nicht das Datum, ich soll zum Angerer?“

 


 „ Ja lass dir die nicht bezahlten Rechnungen geben, dann bezahle sie und wirf sie ins Feuer. Dann sagst du ihm, dass im Frühjahr das Armenhaus abgerissen und ein neues gebaut und er den Auftrag erhält. Er soll einen Kostenvoranschlag machen. 

Und lass dir die Rechnung vom Holzhändler geben, bezahle sie und verlange eine Quittung."

 „Was soll ich sagen, wenn der Angerer fragt wer der großzügige Auftraggeber ist.“ „Die Wahrheit und dem Holzhändler sagst, der Angerer hat einen sehr guten Auftrag bekommen und sein Auftraggeber zahlte einen großzügigen Vorschuss. 

Ach und sag dem Angerer, am Samstag findet beim Sonnenwirt im großen Saal eine Weihnachtsfeier statt.“  

Waldprinz zieht aus dem Beutel ein Bündel Geld und reicht es Sepp. Anamirl, die den Raum vor einiger Zeit verlassen hat, kommt herein mit Sepps Rucksack. „Hier ich hab etwas zu Essen und ein ein Päckchen Tee. Die Angerer werden nicht viel zu Hause haben.“ Die beiden verlassen das Zimmer. 

Liliput hat den Kopf in die Arme gestützt und sieht Waldprinz an. „Was ist?“ Die kleine Hexe grinst. „In all den vier Jahren die du nun bei uns auf dem Berg oben wohnst hast du noch nicht soviel gesprochen.“ 

Marianne kichert. „Du wirst ihn schon nicht zu Wort kommen lassen. „Wenn es nur das wäre, aber ich muss ständig aufpassen, dass sie nicht in die Klemme gerät.“ „Paah!“ Alle drei fingen zu lachen an. 

Anamirl kommt herein. „Na hier geht es aber lustig zu.“ Als sie es ihr erzählten musste auch sie lachen. 

Doch dann wurde Waldprinz ernst. „In fünf Tagen ist Heilig Abend und es gibt noch viel zu tun. „Wie können wir helfen?“ „Erstellt eine Liste wer und wie viel Menschen bedürftig sind und du Lukas gehst zum Sonnenwirt mietest den großen Saal. Er soll ihn weihnachtlich schmücken und ein großes Weihnachtsessen vorbereiten. 

Und ihr beide wendet er sich an die Frauen, „werdet die geladenen Gäste aufsuchen, bringt etwas zu essen mit und in Gesprächen versucht ihr herauszufinden was sie sich vom Christkind wünschen.“ „Das wird eine lange Liste.“ „Das schafft ihr schon,“ tröstet Waldprinz.“ 

„Ach ja und was macht ihr?“ „Wir ziehen uns schick an und mischen uns unter das Volk. Das ist der zweite Grund warum wir da sind, denn Liliput will die Welt ihres Vaters kennen lernen.“



Wenig später schlendern sie durch das Dorf, bewundern den großen geschmückten Weihnachtsbaum und wandern dann an den Ständen vorbei, um die geschnitzten Figuren zu betrachten. 

„Dein Vater,“ flüstert Liliput. Waldprinz versteift sich, und dreht sich um. Sein Vater bleibt vor ihm stehen und betrachtet ihn von Kopf bis Fuß. 

„ Es stimmt also, du bist nach sechs Jahren als reicher Junge zurück gekommen und wirfst nur so mit dem Geld um dich. Wie kommt ein vierzehnjähriger Junge innerhalb von sechs Jahren zu so viel Geld. Oder bist du doch eine Teufelsbrut und hast das Geld vom Teufel,“ sagt er gehässig. 

Inzwischen haben sich eine Menge Leute hinter den beiden eingefunden. Waldprinz sieht seinen Vater spöttisch an . „Glaubst du der Teufel würde mir erlauben, dass ich mit seinem Geld Gutes tue.“

 „Da hat er Recht.“ rief einer. Ein anderer schrie. „Er hat den Angerer vor der Pfändung gerettet und ihm auch die Schulden der drei bezahlt, die ihn erst ins Unglück stürzten.“ 

Eine Frauenstimme rief, „Und er hat alle Armen am heiligen Abend zum Sonnenwirt eingeladen!“ Waldprinz verbeugt sich vor seinem Vater, der immer stiller geworden ist, nimmt Liliputs Arm und schlendert davon.

War es schwer?“ „ja, aber auch befreiend.“ Schweigend gehen sie weiter.



Beim Sonnenwirt herrscht eine tolle Stimmung, es wird gegessen gelacht Weihnachtlieder gesungen und überall sieht man glückliche Gesichter. Waldprinz erhebt sich und sofort sind alle still. „Meine lieben Gäste ich hoffe es hat euch allen geschmeckt und auch die Geschenke, die das Christkind gebracht hat.“

Ja und wir danken auch dem edlem Spendern Waldprinz und dem Christkind!“ 

Jemand zupft ihn am Arm und als er hinunter sieht, steht ein kleines Mädchen mit einer Puppe vor ihm. „ Die Puppe hat mir das  Christkind gebracht.“

 


„Dann bist du aber sehr brav gewesen.“ „Nicht immer,“ gibt sie ehrlich zu. „Ich habe gehört, du bist früher sehr gemein behandelt worden, weil dein rechtes Gesicht anders aussieht als dein linkes. Das waren doch nur dumme böse Menschen. Meine Mutter sagt, man braucht kein schönes Gesicht, um hübsch zu sein, man braucht ein schönes Herz. Dein Herz ist wunderschön, deshalb bist du wunderschön.“ Sie winkt mit dem Zeigefinger.

Du bist so groß, bück dich mal.“ Zart streicht sie über seine rechte Wange und drückt ein Küsschen drauf, dann dreht sie sich um stapft zu ihren Eltern. Nicht nur Waldprinz hat Tränen in den Augen. Und dann sagt jemand.


Kindermund tut Wahrheit kund



© Lore Platz 1.10.2024

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