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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Nicht standesgemäß

Ich gehörte nie zu den Lieblingen der Lehrer, aber das machte mir wenig aus, denn da ich aus einem gebildeten Elternhaus stammte, nahm das auf meine Leistungen keinen Einfluss. Die schlimmste meiner Lehrerinnen verwende ich in meinen Geschichten immer als böse Frau. 
Passt also gut auf ihr werdet sie finden (schmunzeln)
Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Tag.
Viel Spaß beim Lesen!


(c) Elli M.


Nicht standesgemäß

Elena betritt neben Direktor Zimmermann das Klassenzimmer und sieht sich zweiundzwanzig erwartungsvollen Gesichtern gegenüber.
Fräulein Hartleitner, das ist ihre neue Schülerin Elena von Straten. Ihre Eltern haben das Gut Waldblick übernommen und den dazu gehörigen Ponyhof.“
Freundlich nickt die Lehrerin dem Mädchen zu, trotzdem war sie Elena nicht sehr sympathisch.
Sie setzt sich auf den ihr angewiesenen Platz und packt ihre Schultasche aus.
Die Tür wird leise geöffnet und ein Mädchen drückte sich herein.
Entschuldigung,“ murmelt sie und hastet in die hinterste Bank.
Das ist Bärbel, sie ist strohdoof und außerdem hässlich angezogen.“ flüstert Rita Elena zu.
Das Mädchen betrachtet unauffällig das Mädchen, dessen Kleider geflickt sind, und die Haare unordentlich aus den Zöpfen hängen.
Direktor Zimmermann hat inzwischen das Zimmer verlassen und der Unterricht beginnt.
Elena beobachtet, dass die Lehrerin das Mädchen in der letzten Bank vollkommen ignoriert und in der Pause wird sie von den anderen Kindern gehänselt.
Elena gefällt das gar nicht und sie fragt Rita „ was hat euch das Mädchen denn getan?“
Ach,“ meint diese schnippisch, „ schau sie dir doch an wie hässlich sie angezogen ist, bestimmt hat sie auch Läuse, außerdem wohnt sie in einer ärmlichen Hütte mit ihrer Oma und mein Opa, der ja Bürgermeister ist, hat gesagt, die beiden sind der Schandfleck in unserem schönen Dorf.“
Elena runzelt die Stirn und nimmt sich fest vor zu Bärbel besonders nett zu sein.
Doch das war nicht so einfach, denn Bärbel lässt niemand an sich heran und so gibt Elena allmählich auf.

Nach einigen Wochen hat Elena sich eingewöhnt und viele Freunde gefunden. Jeder möchte ihre Freundin sein, war sie doch die Tochter des reichen Gutsbesitzer und die Kinder durften auf den Ponys reiten, wenn sie Elena besuchten.
Bärbel kam jeden Morgen zu spät und huschte schnell auf ihren Platz von niemand beachtet. Die Kinder hänselten sie auch nicht mehr, hatten sie doch schnell gemerkt, dass das Elena gar nicht gefiel und mit dieser wollte es sich keiner verderben.
Und die Lehrerin kümmerte sich überhaupt nicht um das Mädchen. Bärbel wurde niemals aufgerufen und selbst ihre Hausaufgaben wurden nicht eingesammelt.
Als wäre sie überhaupt nicht anwesend.
Manchmal warf Elena einen heimlichen Blick nach hinten und sah, dass das Mädchen sehr aufmerksam verfolgte was vorne geschah. Wenn ihre Blicke sich trafen sah Bärbel scheu weg und spielte mit ihrem Bleistift.
 
(c) Elli M.



Elena war gerade von der Schule nach Hause gekommen und lief in die Küche, wo Martha, die Köchin ihr lächelnd das Essen servierte und erzählte, dass ihre Mutter in die Stadt gefahren war und ihr Vater eine Besprechung mit dem Bürgermeister hatte.
Martha sah dabei sehr grimmig aus und Elena fragte sie
was denn los sei.
Ach den Bürgermeister hier kann ich gar nicht leiden, so ein Unmensch, will das arme Weiblein und ihre Enkelin aus dem Haus werfen. Sind ein Schandfleck für das Dorf behauptet er.“
Was will er denn von Papa?“
Der Wald gehört doch zu dem Gut und das alte Häuschen ist nur gemietet. Also soll der Herr seine Macht als Vermieter demonstrieren und ihnen kündigen.“
Das wird doch Papa nicht machen!“ rief Elena erschrocken.
Als der Bürgermeister abgefahren war, schlüpfte Elena in das Arbeitszimmer ihres Vaters.
Lächelnd sah Herr von Straten sein Töchterlein an. „Was hast du denn auf dem Herzen?“
Papa, du willst doch nicht Bärbel und ihre Oma aus dem Haus werfen?“
Kennst du sie denn?“
Ja, Bärbel geht mit mir in dieselbe Klasse.“ Und dann erzählt sie ihrem Papa, was ihr aufgefallen war und wie die Lehrerin und auch die Kinder mit dem armen Mädchen umgehen.
Ihr Vater nickte nachdenklich.
Die Menschen vergessen viel zu schnell, wenn es ihnen gut gut, dass nicht jeder soviel Glück hat.“
Aber hast du nicht immer gesagt, wir sollen dankbar sein, dass es uns so gut geht und die nicht vergessen, denen es nicht so gut geht.“
Ja, meine Kleine und daran wollen wir uns auch halten, habe keine Angst um deine Freundin.“
Elena widerspricht nicht, denn eigentlich wollte sie gerne mit Bärbel befreundet sein.



Im Stall trifft sie auf Justus, den Stallmeister, der an seiner alten Pfeife kaut. Er wollte sich nämlich das Rauchen abgewöhnen, aber von seiner geliebten Pfeife konnte er sich nicht trennen.
Na Prinzessin willst wohl ausreiten, Triumph muss bewegt werden.“
Elena ging an die Box, holte aus ihrer Hosentasche ein Stück Zucker und hielt es auf der flachen Hand dem weißen Pony hin.
Bald trabten die beiden über den Hof, begleitet von Gina dem gefleckten Mischling.
Der Hund umsprang sie freudig bellend, dann spitzte er plötzlich die Ohren und sauste los und verschwand im Wald.
Ärgerlich rief Elena den Hund,natürlich hörte er nicht, sicher hatte er wieder ein Kaninchen aufgestöbert.
Das Mädchen band das Pony an einen Baum und folgte dem Hund in den Wald.
Sie hörte ein komisches Geräusch, das konnte nur Gina sein.
Als sie den seltsamen Lauten folgte, sah sie Bärbel, die auf einem Baumstamm saß, Tränenspuren auf dem Gesicht, und mit offenen Mund Gina betrachtete.
Die Hündin hatte die Schnauze nach oben gerichtet und heulte Herz erweichend.
Als Bärbel Elena sah wollte sie aufspringen, doch dann fiel ihr Blick wieder auf den Hund und sie prustete los.
Elena ließ sich neben ihr auf dem Baumstamm nieder und auch sie konnte sich nicht mehr halten.
Weißt du, Gina ist ein besonders mitfühlender Hund, wenn sie jemand weinen sieht, weint sie gleich mit.
Wieder prusten sie los und der Hund, der die Beiden lachen sieht, drängt sich schwanzwedelnd zwischen sie.

 
(c) Werner B.

Die Mädchen streicheln den Hund.
Warum hast du geweint?“
Bärbel wird rot und wendet das Gesicht ab.
Elena ergreift ihre Hand.
Du brauchst keine Angst haben, mein Vater hat nicht vor euch zu vertreiben, auch wenn der Bürgermeister es so will.“
Er war gestern bei meiner Oma und hat ihr angedroht, dass der neue Besitzer uns rausschmeißen wird. Wir sind der Schandfleck des Dorfes. Aber meine Oma hat doch nur eine kleine Rente. Außerdem hat sie Arthritis und kann nicht mehr so arbeiten. Ich helfe ihr so gut ich kann, deshalb komme ich auch morgens immer zu spät in die Schule. Eigentlich will ich gar nicht mehr in die Schule gehen. Frau Hartleitner will sowieso nichts mit mir zu tun haben, sie mag nur die reichen Kinder.“
Elan umarmte Bärbel spontan. „ Ich mag dich und wäre so gerne deine Freundin.“
In diesem Moment entstand eine Freundschaft fürs Leben und für Bärbel und ihre Oma begann eine Zeit des Glücks.
Herr von Straten hatte auf seinem Besitz ein kleines unbewohntes Häuschen, das er herrichten ließ und in dem Bärbel und ihre Oma in Zukunft leben konnten.
Zuerst aber schickte er die alte Frau in ein Heilbad zur Erholung und während dieser Zeit durfte Bärbel bei Elena wohnen.
Martha, die Köchin verwöhnte das arme Mädchen mit Leckerbissen und Elenas Mutter sorgte für passende Kleider.
Elena und Bärbel aber waren unzertrennlich und mit Elenas Hilfe wurden auch deren Leistungen in der Schule besser.
Nichts erinnerte mehr an das zerlumpte Kind, das der Außenseiter in der Schule war.
Anfangs zögernd, aber dann wurde Bärbel in die Klassengemeinschaft aufgenommen.


© Lore Platz  C2016)




Sonntag, 12. Oktober 2025

Nachts im Pfandhaus


Wünsche euch einen schönen Sonntag.
 
 

 
Langsam geht es mir wieder besser,  aber das ist bestimmt nicht das Verdienst derjenigen die eigentlich für mich da sein müßten. Sie haben sich so unprofessionell verhalten, dass sie alles nur noch schlimmer machten. Doch da ich ja ein ziemlicher Sturkopf bin, habe ich beschlossen, jetzt ist Schluss, Zeit, dass ich meine Leben wieder selbst in die Hand nehme. Es wird schwer, aber wer sagt, das Leben wäre leicht. 
Konrad Adenauer sagte einmal: Nehmen sie die Menschen wie sie sind, andere gibt es nicht. 
 
Ich muss sagen zur Zeit fällt mir das schwer, denn die Menschen haben sich verändert, wie  ich gerade auch in meinem Umfeld. feststellen musste. Meine Nachbarin zum Beispiel die nach dem Tode meines Mannes  mir geholfen hat, wird meine Wohnung nicht mehr betreten, weil ich mich gegen Corona impfen ließ und jetzt den Virus in mir trage und sie ihre Familie schützen muss. Ich habe aufgehört mit Menschen zu diskutieren, denn was einmal  in den Köpfen steckt geht  nicht mehr raus.

Auch im Internet, halte ich mich von allem, fern, was negative Nachrichten verbreitet, vom Geschimpfe über die Politiker, die ja auch nur Menschen sind , oder von Journalisten die die Angst der Menschen schüren durch ihre schlechten Nachrichten und Vermutungen von noch nicht ausgegorenen Plänen.

Manchmal denke ich sechzig Pronzent der Deutschen haben sich in eine Ziegenherde verwandelt

Meckern, Meckern , Meckern,
 
Loriot sagte:  
In einer Krise sucht der Kluge nach einer Lösung, der Dumme nach einem Schuldigen 

Wir gehen schweren Zeiten entgegen, aber dieses auf und ab gibt es doch schon immer und jedes Mal haben wir es geschafft. Dieses Mal wird es es erschwert weil der russische Bär beschlossen hat in die Geschichtsbücher einzugehen. Dafür opferte er Menschen und zerstört ein blühendes Land,
Ja auch ich habe Angst, doch ich versuche damit umzugehen. Denn gerade in diesen Zeiten muss man den Kopf hoch halten und auch postiv denken.
Als der Krieg in der Uraine begann wurden die Passanten auf der Straße befragt und ein junges Mädchen sagte : "Die Liebe wird siegen." Für viele klingt das naiv, aber auch ich glaube daran. Denn daran glauben gibt Hoffnung und Hoffnung macht stark.
 
Die nachfolgende Geschichte habe ich in den neunzigern geschrieben, wo es uns Deutschen nicht so gut ging.


Viel Spaß beim Lesen!






Nachts im Pfandhaus


Obwohl es noch nicht 18 Uhr war dämmerte es bereits und es war für September auch schon empfindlich kühl.
Die alte Frau, die langsam die Straße entlang ging, fröstelte und sie zog das wollene Tuch fester um ihre Schultern.
Eine kleine Glocke über der Tür bimmelte leise, als sie das alte Pfandhaus betrat.
Der Pfandleiher, Herr Pfefferkorn, sah der Kundin abwartend entgegen.
Diese holte aus ihrer Tasche einen in grobes Papier eingeschlagenen Gegenstand hervor.
Vorsichtig löste sie das Packpapier und es kam eine wunderschöne Spieluhr aus Porzellan hervor.
Eine zierliche Ballerina stand in der Mitte auf Zehenspitzen, als warte sie nur darauf, dass sie zu tanzen beginnen dürfe.
Herr Pfefferkorn setzte seine Brille auf und betrachtete das kleine Kunstwerk von allen Seiten. Den Stempel einer namhaften Firma sah er sich sehr genau an.
Hundert Euro,“ brummte er.
Die alte Frau nickte und der Geldschein wechselte den Besitzer.
Etwas traurig sah sie dann auf die Spieluhr und strich wie Abschied nehmend der kleinen Tänzerin über den Kopf.
Dann drehte sie sich um und verließ schnell den Laden.





Herr Pfefferkorn aber trug den Neuzugang in das große Buch ein.
Er bekam tagtäglich soviel Elend zu sehen, dass er sich Mitleid nicht leisten konnte.
Die Zeiten waren schlecht.
Wieder bimmelte die Tür und ein junger Mann stürmte herein. Er trug einen fadenscheinigen Anzug und einen dicken Wollschal um den Hals und seine Haare waren vom Wind zerzaust.
Der Pfandleiher schmunzelte.
Der Künstler Adalbert Kernhaus kam so oft zu ihm, dass er schon ein lieber Bekannter war.
Der junge Mann legte einige Geldscheine auf den Tresen.
Lieber Herr Pfefferkorn ich habe ein neues Engagement und einen Vorschuss bekommen. Ich möchte meine Geige auslösen.“
Als der etwas abgeschabte Geigenkasten vor ihm auf dem Tisch lag, holte er das Instrument hervor und bald war der Raum erfüllt von einschmeichelnden Melodien.
Die Geige verschwand wieder im Kasten und der junge Mann verließ mit einem fröhlichem Gruß den Laden.
 
(C) meine Tochter


Von der nahen Turmuhr ertönten nun sechs voll tönende Schläge und Herr Pfefferkorn nahm eine lange Stange, öffnete die Tür und zog das große eiserne Gitter herunter.
Dann versperrte er die Tür, nahm die bereit liegende Geldkassette und schlurfte die Stufen zu seiner Wohnung hinauf.
Das Licht erlosch und der Laden lag im Dunkel.
Die Menschen auf der Straße wurden immer weniger, bis sie ganz verschwanden.
Die Nacht legte ihre dunklen Schleier über das Land und die Straßenlampen schalteten sich ein und warfen ihren Lichtschein durch die Gitter in das Pfandhaus.
Auch der Mond hatte sich aus seinem Bett gewälzt, was ihm heute besonders schwer fiel, da er wieder mal beträchtlich zugenommen hatte.

Dafür schien er aber besonders hell.
Die kleine Ballerina sah sich in dem halbdunklem Raum um. Wo war sie hier nur gelandet und musste sie nun für immer hier bleiben?
Sie stieß einen tiefen Seufzer aus.
Jeder von uns hat am ersten Tag Heimweh, aber du wirst sehen so schlimm ist es bei uns gar nicht,“ hörte sie eine mitfühlende Stimme neben sich.
Sie wandte ihren Kopf und sah einen dicken kuscheligen Teddybären neben sich sitzen.
Wo bin ich hier denn?“
Das ist ein Pfandhaus, da tragen Menschen ihre wertvollen
Dinge hin und bekommen dafür Geld, damit sie sich was zu essen kaufen können.“
Hahaaa, was ist denn an dir so wertvoll, du bist doch nur ein ausgestopftes altes Fellbündel. Und wenn ich mich recht erinnere hat der alte Pfefferkorn dem Jungen nur fünf Euro für dich gegeben.“ ertönte eine spöttische Stimme über ihnen.


(c) Bonmomo

Und so weit ich mich erinnere hat man für dich auch nur zehn Euro bezahlt,“ meinte Teddy gutmütig.
Was eine Frechheit ist, denn ich bin schließlich ein Sammlerstück!“ zeterte die Puppe.
Nun gib doch Ruhe, musst du immer streiten,“ meldete sich ein alter Kontrabass, der in einer Ecke lehnte.
Was willst du alter Brummkasten, bist doch schon längst von den deinen verlassen und vergessen.
Außerdem streite ich nicht, sondern sage nur meine Meinung und das wird ja wohl nicht verboten sein.“
Der Kontrabass schloss die Augen und gab keine Antwort.




Letztes Jahr an Weihnachten hat Thomas, der Junge dem ich gehörte mich hierher gebracht. Er brauchte das Geld, um seiner Mutter ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen.“ erklärte Teddy.
Jeder von uns hier hat seine eigene Geschichte, willst du uns nicht deine erzählen?“




 Die Ballerina lächelte versonnen.
Mareike, die Frau die mich gestern hierher gebracht hat, und ich sind schon seit mehr als fünfzig Jahren zusammen.
An ihrem siebzehnten Geburtstag bekam sie mich als Geschenk von ihrem Verlobten. Wie oft habe ich seitdem für sie getanzt. Wir lebten in einem schönen großen Haus mit vielen Dienstboten und Mareike hat so gern gelacht und getanzt. Die Hochzeit war wunderschön und sie nahm mich mit in die Villa ihres Mannes, der ein Fabrikant war und sehr reich.
Die beiden haben sich sehr geliebt und nur manchmal war Mareike traurig, weil sie keine Kinder bekommen konnte, aber wenn ich dann für sie tanzte, dann lachte sie wieder.
So lebten wir viele viele Jahre zusammen. 
Und auch wenn meine liebe Mareike inzwischen graue Haare hatte, so war sie doch immer noch das fröhliche junge Mädchen geblieben und ihr Mann liebte sie wie am ersten Tag.
Doch dann vor einigen Jahren wurde alles anders. 
Wir mussten aus der schönen großen Villa ausziehen und wohnten seitdem in einer kleinen Wohnung in einem großen alten Haus.
Weltwirtschaftskrise hörte ich die Leute sagen.“
Ein vielstimmiger Seufzer kam aus einer Vitrine und im Chor riefen die Schmuckstücke, die dort ausgestellt waren:
Weltwirtschaftskrise, dieses schreckliche Wort kennen wir auch, es hat uns hierher gebracht.“
Die kleine Ballerina nickte und erzählte weiter.
Sie hatten alles verloren und der Mann war sehr sehr traurig, doch Mareike machte ihm Mut und sagte sie würden das schon schaffen. 
Doch nur ich sah ihre heimlichen Tränen, und ich tanzte für sie!
Dann aber wurde der Mann schwer krank und sie brauchten teure Medikamente.
Gestern Abend durfte ich noch einmal für sie tanzen, dann streichelte sie mich zärtlich und flüsterte:
'Du bist das letzte kostbare Stück, das ich noch habe.'
Und heute brachte sie mich hierher.“
Eine Weile war es still und kleine Tränen flossen aus den Augen der zierlichen Ballerina.
Um sie auf andere Gedanken zu bringen fragte Teddy.
Willst du nicht für uns tanzen?“
Gern, aber dazu brauche ich deine Hilfe. Unten an dem Podest, auf dem ich stehe, ist ein kleiner Stahlstift, den musst du drücken.“
Teddy beugte sich hinunter und betrachtete zweifelnd das zierliche kleine Ding und drückte mit seiner dicken Pfote dagegen.
Nichts bewegte sich.
Meine Pfote ist wohl zu groß,“ brummte er verlegen.
Ein spöttischen Lachen über ihm ertönte.
Vielleicht kann ich ja helfen?“ piepste eine schüchterne Stimme und eine Maus kam aus einer dunklen Ecke.
Versuche es!“
Flink kletterte das Mäuschen an dem Regal hoch und ließ sich auf das Brett neben die Spieluhr fallen.
Vorsichtig drückte es dann mit seiner spitzen Nase gegen den Stahlstift und eine wunderschöne Melodie erklang und die Ballerina begann sich zu drehen.
Alle Gegenstände reckten die Köpfe, um sie tanzen zu sehen.
Die Musik endete und die Ballerina blieb mit hoch erhobenen Armen stehen.
Plötzlich ging das Licht auf der Treppe an und Herr Pfefferkorn kam herunter. Er trug ein langes weißes Nachthemd und eine Zipfelmütze.
Stirn runzelnd sah er sich im Raum um, schüttelte den Kopf, murmelte etwas vor sich hin und schlurfte die Treppe hinauf.
Das Licht erlosch.

© Lore Platz  15.10.22

Als ich damals diese Geschichte schrieb, wurde ich von einigen meiner Leser gebeten, eine Fortsetzung zu schreiben. Die könnt ihr Morgen lesen.
Denn eigentlich bringe ich meine Geschichten immer zu einem guten glücklich Ende. (zwinkern)

Freitag, 6. Dezember 2024

6. Türchen Fritz und Elfie treffen den Nikolaus 1

 

 


 

6. Türchen



In die Zeit um den Nikolaus herum fällt der Adventsbrauch des Anklöpfelns. Früher klopften arme Leute an die Türen des Dorfes, um Essen für die Festtage zu erbitten. Zum dank sangen sie Weihnachtslieder oder trugen Gedichte vor.


Fritz und Elfie treffen den Nikolaus  1


Vor vielen vielen Jahren lebten in einem Dorf zwei Kinder. Ihre Eltern waren gestorben und sie hausten zusammen mit ihrer Großmutter in einer alten halb verfallenen Hütte, die ihnen der Bauer, bei dem Hias, der Vater der Kinder, als Knecht gearbeitet hatte zur Verfügung stellte.

Aus Barmherzigkeit tat er es bestimmt net, aber er fürchtete das Gred der Leit.

Außerdem kümmerte er sich nicht weiter um sie und wenn die Mägde und Knechte nicht gewesen wären, dann wären die drei längst verhungert.

Eben saßen sie auf dem alten Sofa um sich gegenseitig aufzuwärmen.

Es war wieder mal einer dieser besonders kalten Winter.

Es klopfte und die Mirl und der Martin kamen herein. Der Knecht stellte den großen Topf, aus dem es köstlich duftete, auf den Tisch. „De schickt eich, die Köchin ,heit san ma a weng spat dro.“

„Ja, stellst eich vor, heit gehts drunter und drüber,“fiel ihm die Mirzl ins Wort, der der Martin viel zu langsam redete und schon schnatterte sie weiter:

“Haus und Hof musste schee putzt wern, denn beim Bürgermeister ist a ganz feiner Mann zu Bsuch. a Bischof aus Myyy“ „Myra, „ brummte Martin und als Mirl weiter sprechen wollte, hielt er ihr den Mund zu.

„Jetzt red i!“ Die Magd warf ihm einen wütenden Blick zu, schwieg aber. Der Knecht aber wandte sich an die beiden Kinder:“ könnt ihr Weihnachtsgedichte aufsagen und Weihnachtslieder singen.“

Als diese eifrig nicken, spricht er weiter ,“warum geht ihr dann am Nachmittag nicht beim Anklöpfeln mit. Heute werden die Großkopferden es doppelte geben weil sie vor dem feinen Herrn gut dastehen wollen.“

Dann nimmt er die Mirl beim Arm und zerrt sie zur Tür, dort dreht er sich um,“um vier Uhr sammeln sich alle am Dorfplatz.“

Kurz vor vier Uhr sind die Kinder am Treffpunkt und werden herzlich empfangen.

Dann ziehen sie gemeinsam los.

Ihr erstes Ziel ist wie immer das Haus des Bürgermeisters.

Sie stellen sich gerade auf, um zu singen, da wird die Tür geöffnet und der Bürgermeister und ein fein gekleideter Mann treten heraus. Der feine Herr spricht:“ liebe Leute bevor ihr uns mit euren Vorträgen erfreut tretet ein, wärmt euch auf und stärkt euch.

Verschüchtert folgen ihm die Weihnachtssänger und bleiben staunend an der Tür des Speisezimmers stehen.

Tische und Bänke standen dort die festlich gedeckt waren.

Und nun saßen die armen Leute in ihren armseligen Lumpen und wurden bedient wie die Fürsten.


Der feine Herr aber nahm Fritz und Elfie bei der Hand und führte sie hinaus. „ kring wir nix zum essn,“ maulte Fritz. Der Bischof. lachte, „Für euch ist der Tisch woanders gedeckt, doch vorher wollen wir noch die Oma abholen.“


© Lore Platz Juni 2024

 

 Fortsetzung folgt Morgen



 

 

Dienstag, 4. Oktober 2022

Die Perlen des Herzogs

Im Dezember werde ich 73 und habe bemerkt, dass je älter man wird, umso einsamer man auch wird. 
Viele Weggefährten verliert man durch den Tod.  
Aber auch andere ziehen sich zurück, besonders wenn man wie ich behindert und krank ist. 
Eine Bekannte sagte vor Jahren mal leise vor sich hin, als ich nach einer fast tödliche verlaufenden Krankeit im Bett lag: " Man muss sich hier seinen Kaffee selber kochen."  
Nun sie spielt schon lange keine Rolle mehr in meinem Leben, wie manch andere. 
Zum Glück habe ich noch einige handverlesene Freunde um mich. und das ist ein großes Glück.
 
Viel Spaß beim Lesen! 



Die Perlen des Herzogs


Der Zirkus Bellandini gastierte in H.
In einem der bunt bemalten Wohnwägen saß eine alte Dame vor dem Schminktisch und sah traurig in den Spiegel.
Das Leben hatte viele Falten in das einst schöne Gesicht gegraben.
Carmelita di Pavlio, unter diesem Künstlernamen sang sie auf den größten Bühnen der Welt. 
Von den Kritikern hochgejubelt, vom Publikum geliebt und von den Männern begehrt.
Doch ihr Herz gehörte nur einem, Archibald! Mit seinem jungenhaften Charme hatte sich der englische Adelige in ihr Herz gestohlen und es im Sturm erobert.
Es machte ihm nicht aus, dass sie fünf Jahre älter war. Auf all ihren Reisen begleitet er sie, war immer für sie da und der ruhende Pol in ihrem hektischen Leben.
Einen Moment schloss die alte Dame träumend die Augen und ließ noch einmal die unbeschwerte glückliche Zeit Revue passieren.
Doch Fortuna ist neidisch und kein Glück dauert ewig.
Der Vater von Archibald starb und er musste zurück nach England und die Frau heiraten, die ihm seine Familie ausgesucht hatte. Es war undenkbar, dass er als Herzog eine Künstlerin heiratete.
Es war hier in H., als sie für immer Abschied genommen hatten. Archie hatte ihr ein rotes Etui mit einer wunderschönen Perlenkette überreicht, damit sie ihn niemals vergaß.
Als ob das nötig gewesen wäre.
Vor einigen Jahren war er gestorben.
Die alte Dame öffnete eine Schublade an ihrem Tischen und zog ein rotes Etui heraus.
Zärtlich fuhr sie mit den Fingern die Perlen entlang.
Perlen bedeuten Tränen. Für jede einzelne dieser Perlen hatte sie hundert Tränen vergossen.
Sie stürzte sich in die Arbeit und die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, denn ihr Gesang war noch besser, noch gefühlvoller
geworden und niemand ahnte den großen Schmerz, der hinter all diesen Tönen lag.




Doch eines Tages brach ihre Stimme und sie musste die Bühne verlassen.
Zuerst musste sie ihre wunderschöne Villa verkaufen, dann ihren Schmuck.
Doch von der Perlenkette konnte sie sich nicht trennen.
Schließlich landete sie in einer kleinen schäbigen Pension und fürchtete sich jeden Tag davor, dass ihre Ersparnisse zur Neige gingen.
Und dann war sie dem Zirkusdirektor Martinsen begegnet. Er hatte sie sofort erkannt und ihr eine Stelle an der Kasse angeboten.
Viele Jahre reiste sie nun schon mit dem Zirkus durchs Land und sie waren wie eine kleine Familie.
Doch Direktor Martinsen starb vor einigen Monaten und sein arroganter Sohn übernahm die Leitung und heute hatte er sie in den Bürowagen bestellt und erklärt, dass ab sofort seine Freundin an der Kasse sitzen würde.
Außerdem wäre er nicht so dumm wie sein Vater und würde nutzlose alte Leute mit durchfüttern.
Sie solle sich eine andere Bleibe suchen, denn wenn der Zirkus weiterzöge, würde sie nicht mitkommen.
Die alte Dame seufzte, dann steckte die das Etui in ihre Handtasche und stand auf.
Gerade als sie ihren Mantel anzog, öffnete sich die Tür und die alte Lissy ,die beiden Clowns Pippo und Peppo und der alte Sam, der seit einem Unfall auf dem Trapez hinkte, drängten sich herein.
Als die alte Dame Lissys verweintes Gesicht sah, fragte sie nur:
Ihr auch?“
Schweigend nickten die Vier.
Dann polterte Pippo wütend: „Unsere Späße seien veraltet, niemand könne darüber noch lachen. Und er will den Zirkus verjüngen und wir Alten sollen verschwinden.
Lissy schluchzte laut auf. „Ich habe doch niemanden, wohin soll ich?“
Die alte Dame nahm sie liebevoll in die Arme. „Wir sind deine Familie.“
Fragend sah sie die drei Männer an und diese nickten und bestätigten.
Wir bleiben zusammen!“
Siehst du, du kleiner Angsthase, nun hast du eine Schwester und drei Brüder. Wir werden uns eine Wohnung suchen und unsere kleinen Renten zusammen schmeißen. Dann können wir wunderbar
leben. Aber nun muss ich noch etwas erledigen. Wartet doch hier auf mich ich bin bald zurück.“
Kurze Zeit später stand sie vor dem Juweliergeschäft, in dem Archie damals die Perlen für sie gekauft hatte.
Wenig später kam sie mit einem Scheck in der Tasche aus dem Geschäft, dessen Höhe sie noch immer erbleichen ließ.
Diesmal leistete sie sich ein Taxi zurück in den Zirkus.
Wie staunten und strahlten ihre Freunde, als sie ihnen den Scheck zeigte und ihnen erklärte, dass sie für sich und ihre kleine Familie ein Haus kaufen wollte und gleich darauf machten sie sich auf den Weg zu einem Makler.
Es dauerte auch nicht lange bis sie ein passendes kleines Häuschen mit fünf Zimmern und einer großen Wohnküche und einem schönen Garten gefunden hatten.
Sie bekamen es sogar ziemlich günstig, da es schon lange leer stand und die Renovierungsarbeiten wollten sie selber machen.
So blieb noch eine schöne Summe über als Notgroschen.

Ein Jahr war vergangen.
Es war eine laue Sommernacht.
Auf der Terrasse saß Lissy deren Stricknadeln lustig klapperten. Zu ihren Füßen lag der Kater Merlin.
Pippo, Peppo und Sam spielten Karten und die alte Dame trat eben aus der Tür und ging die kleinen Stufen hinunter in den Garten.
Auf der Bank unter der Ulme setzte sie sich und sah hinauf in den Sternenhimmel.
Nun hast du wieder einmal für mich gesorgt Archibald. Dein großzügiges Geschenk hat uns allen einen ruhigen Lebensabend beschert.
Einige Jahre muss ich noch hier bleiben, denn meine Freunde brauchen mich, doch dann komme ich zu dir und keine Macht der Welt wird uns wieder trennen können!“
Sie schüttelte den Kopf und blinzelte verwirrt.
Es war ihr, als hätte einer der Sterne geblinkt, doch als sie wieder nach oben sah, zogen die Sterne gleichmäßig ihre Bahn.
Lächelnd stand sie auf. Das war wohl eine Sinnestäuschung.
Wer weiß!


© Lore Platz  4.10.2022