Dienstag, 30. Juni 2015

Nur ein wenig Plaudern - Reizwortgeschichte

Reizwörter:
Schuhe, Kapitel, kurz, verhindert,
nachdenken






Nur ein wenig plaudern

Langsam geht es mir wieder besser, denn heute Nacht konnte ich das erste Mal seit gut einer Woche wieder durchschlafen ohne störenden Husten.
Ja eine böse Sommergrippe hatte mich in den Krallen und deshalb wollte auch die Muse nicht zu mir kommen, denn sie wollte sich nicht anstecken.
Ein bisschen war ich ja gekränkt, denn in meinem lädiertem Zustand fühlte ich mich sowieso von aller Welt verlassen.
Doch dann dachte ich nach, eigentlich hat sie ja Recht, denn sie muss so vielen kreativen Menschen zur Seite stehen, da ist es nur vernünftig wenn sie auf ihre Gesundheit achtet.
Also ist dieses Kapitel für mich erledigt.
Heutzutage sind Schuhe für uns etwas alltägliches und nicht mehr wegzudenken.
Mindestens zwanzig Paar hat jeder von uns doch in seinem Schrank, von den bequem Puschen bis zu den Stöckelschuhen heute nennt man sie ja Highheels.
Es bedeutet wörtlich übersetzt: ' Hohe Fersen'
Und es sind wirklich oft schwindelerregende Höhen auf denen manche Menschen oft durch die Gegend
stöckeln.
Ich zittere immer ein wenig, wenn ich eine Künstlerin in hohen Haken die Showtreppe herunter komme sehe und überlege, welche Schwerkraft wohl verhindert, dass sie nicht stürzt.
Wusstet ihr, dass die Stöckelschuhe Anfang des 20igsten Jahrhundert erfunden wurde und dass Marlene Dietrich eine der ersten war, die sie bei öffentlichen Auftritten trug.
Vor fünfzig Jahren konnte sich noch nicht jeder Schuhe leisten. Eine Bekannte von mir, die ist noch keine sechzig Jahre alt, erzählte mir; dass sie als Kinder so arm waren, dass sie Sommer und Winter barfuß liefen.
Und die Winter damals waren noch ziemlich hart.
Deshalb waren sie immer froh, wenn sie auf der Weide einen frisch gefallenen Kuhfladen fanden, denn darin konnten sie ihre Füße aufwärmen.
Ich war wirklich schockiert, als ich dies hörte.
Dass wir einmal keine Schuhe hatten, daran konnte ich mich nicht erinnern.
Natürlich liefen wir im Sommer barfuß und ich liebte es durch das kühle Gras zu laufen.
Doch einmal bin ich auf eine Biene getreten, ach was hat Klein Norle da geweint. Doch meine Mutter machte einen kühlen Verband mit essigsaurer Tonerde und alles war wieder gut.
Meine Mutter war eine sehr elegante Frau, die wunderbar mit der Nähnadel umgehen konnte und deshalb waren wir trotz der schlechten Zeiten immer gut gekleidet.
Auch besaß sie ein paar Stöckelschuhe, in die ich zu gerne schlüpfte und mich wie ein große Dame dabei fühlte.
Und meine kleine Freundin und ich spielten gerne Schuh verkaufen.
Dazu holten wir sämtliche Schuhe aus dem Schrank und in abwechselnder Kleidung natürlich aus Mutters Schrank kauften wir nun ein.
Einmal als feine Dame, einmal als armes Mädchen unsere Fantasie war grenzenlos.
Übrigens könnt ihr euch noch an die Salamander Schuhe erinnern?
Ich liebte sie und freute mich immer, wenn meine Mutti mit mir zum einkaufen in den Schuhladen ging.
Nicht wegen den Schuhen, sondern weil man immer das Bilderbuch von Lurchi geschenkt bekam.
Mein Vater wurde 1915 in Pirmasens geboren, der Schuhmetropole von einst und er hat als Junge nach der Schule eine Lehre in einer der großen Schuhfabriken als Zuschneider abgeschlossen.
Wusste ihr, dass es die Römer waren, die als erstes einen linken und rechten Schuh fertigten.
Die Herstellung bedeutete zwar einen größeren Aufwand aber es führte zu einem größeren Tragekomfort.
Doch das Wissen verschwand mit dem Untergang des römischen Reiches.
Statt für den rechten und linken Fuß einen eigenen Leisten zu machen, arbeiteten die Schuhmacher mit einem gleichen Leisten für beide Füße.
Diese Lederschuhe waren unangenehm zu tragen und so ließ sich der Adel im Barock die Schuhe von den Bediensteten einlaufen.
Erst Ende des 19ten Jahrhunderts gab es wieder verschieden gefertigte Leisten.
Welch ein Glück, sonst würden wir wohl nicht so bequemes Schuhwerk besitzen.
Obwohl manche Kreationen kommen wir doch manchmal wie ein Folterwerkzeug vor.
Schönheit muss leiden!
Man sagt ja Schuhe unterstreichen die sinnliche Ausstrahlung.
Und ein zierlicher Damenfuß ist ein weit verbreitetes Schönheitsideal.
Besonders in China wurden den Mädchen bereits als Kleinkinder die Füße gebunden, um sie so am wachsen zu hindern.
1000 Jahre hielt sich diese grausame Mode. Verkrüppelte Zehen, gebrochene Knochen und Füße zehn Zentimeter klein wie eine Lotusknospe, das fand der Kaiser erotisch.
Erst im 20igsten Jahrhundert unter Mao Zedong
wurde diese sehr schmerzhafte Behandlung verboten.
Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, es ist zehn Minuten vor neun also will ich es kurz machen und euch nur noch einen schönen Dienstag wünschen.

© Lore Platz





Kommentare:

  1. Liebe Lore, erstmal ganz viel gute Besserung - eine Sommergrippe ist was ganz schreckliches-
    dass du uns dennoch in die Welt der Schuhe entführt hast finde ich klasse - beachtlich finde ich die mindestens 20 Paar Schuhe die jeder so hat? Also ich nicht! Ich hoffe das ist jetzt nicht ganz so tragisch für mich als Frau ;-)

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  2. Liebe Lore,
    es hat Freude gemacht mit Dir zu plaudern. Du hast so viel zu erzählen und ich lausche Dir gerne.
    Schuhe liebe ich auch, auch hohe Absätze, aber nicht so hoch, dass man nicht mehr laufen könnte oder Gefahr läuft sich etwas zu brechen. Auch kann ich es nicht leiden, wenn mein Fuß eingequetscht wird. Allerdings chic sollte der Schuh schon sein und nebenbei auch bequem. Das ist heutzutage nicht immer leicht zu finden. Und manchmal gibt es auch Fehlkäufe.
    Ich wünsche Dir eine gute Besserung und scheuche die Sommergrippe ganz weit weg.
    LG
    Astrid

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  3. Astrid hat recht, deine Plauderei war eine Geschichte und zwar eine sehr interessante, der ich gerne gefolgt bin. - Wie schön, dass es dir wieder besser geht und du einsichtig bist, dass du die Muse besser nicht anstecken sollst. Stell dir vor, am kommenden Dienstag würde keine von uns eine Geschichte veröffentlichen. Das wäre aber seeeehr schade! Weiterhin alles Gute und halt dich kühl, wenn die Hitze kommt! :-) LG Martina

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  4. Liebe Lore,
    gute Besserung und erhol Dich gut. Deine Plauderei fand ich sehr interessant, vor allem, dass der chinesische Kaiser so kleine Füsse erotisch fand, ich habe nämlich kleine Füße.
    LG Elke

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  5. Liebe Lore, gut, dass es langsam besser wird, aber mach langsam! Schön, Dein Schuhspaziergang. Die Reklame von Salamander fand ich immer so toll. Gute Besserung, alles Liebe, Eva

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  6. Liebe Lore,
    eine schöne Plaudergeschichte. Ich hatte auch Salamander Schuhe und den Lurchi habe ich geliebt. Gute Besserung weiterhin!
    Liebe Grüße
    Regina

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  7. Lieeb Lore,
    ich wünsche dir von Herzen gute Besserung. Eine Sommergrippe ist einfach nur fies.
    Deine Schuhgeschichte finde ich toll. Ich glaube, alle kleinen Mädchen lieben es, die
    Schuhe der Mutter anzuziehen.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  8. Liebe Lore,
    dafür, dass Du "nur" plaudern wolltest, ist doch eine ganz tolle Geschichte dabei herausgekommen!
    Meine Mutter hat mir oft erzählt, dass sie nur im Winter Schuhe getragen hat - den ganzen Sommer wurde barfuß gelaufen. Mein Großvater, den ich leider nie kennen gelernt habe, hat die Schuh immer selber repariert - Geld für den Schuster hatte man nicht (so es überhaupt einen gab).
    Die Salamander-Schuhe sind mir auch noch in Erinnerung. Besonders aus der Zeit, als meine Schwester laufen lernte. An meine eigenen Kinderschuhe kann ich mich gar nicht mehr erinnern...
    Übrigens - wenn Schuhe die sinnliche Ausstrahlung unterstreichen - dann ist es damit bei mir nicht mehr weit her. Ich trage fast nur noch Treter vom Typ "latsch-latsch-die Heide blüht" - mit Klettverschluss und Elefantenfußbett. Highheels kann ich vergessen - damit falle ich unweigerlich auf die Nase. Und DAS sieht dann erst dämlich aus ...

    So, jetzt wünsche ich Dir noch gute Besserung, damit auch noch der Rest von Husten und Schnupfen das Weite sucht und Du wieder fit bist wie ein Turnschuh! :-)
    Liebe Grüße
    Christine

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  9. Danke für dieses Plaudern, ahc ja liebe Lore wie erinnere ich mich noch an den Salamanderschuhe und dieses Buch und jedes Kind hatte diese Schuhe an damals und stolz diese Figürchen und das Buch mit heim genommen. Bei mir war das Werk wo ich wohnte da konnte ich für meine Kinder immer billigere bekommen, das war toll.
    Schuhe, stimmt da wirds mir auch schwindelig wenn ich diese hohen Hacken vor mir sehe am Strand mitten im Sand hin und her wackelt und denke o jetzt kippt sie um. O ja das ist nichts für mich die müssen bequem für mich sein und kkeine Blasen.
    Ich wünsche gute Besserung, pass gut auf dich auf bei der Hitze!!
    Lieben Gruss Elke

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  10. Danke, Lore, für Deine Informationen ;)

    In meiner Jugend trug ich Stöckelschuhe.

    Dann nur mehr flache Schuhe :)

    Gute Besserung!

    Alles Liebe
    Eva :)

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.