Montag, 31. Dezember 2012

Silvester


Silvester









Der letzte Tag im Jahr heißt Silvester.
Wir verabschieden das alte Jahr, das uns sowohl Kummer, als auch Freude gebracht hat und begrüßen
voller Hoffnung das neue Jahr mit Fröhlichkeit, Musik und Böllerschüssen.
Doch warum heißt der letzte Tag des Jahres „Silvester?“

Julius Cäsar führte mit dem Julianischen Kalender alle vier Jahre ein Schaltjahr mit 366 Tagen ein.
Das Jahr hatte dadurch 365,25 Tage und entsprach fast dem Sonnenjahr.
Aber leider nur fast, denn die Erde umkreist in 365,2421... Tagen die Sonne.
Im 16. Jahrhundert war diese eigentlich kleine Abweichung auf zehn Tage angewachsen.
Papst Gregor, XIII ließ deshalb die zehn Tage zwischen dem 4. und 15. Oktober 1582 einfach ausfallen. (gregorianischer Kalender)
Dadurch verlagerte sich der letzte Tag im Jahr vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, dem Todestag von Papst Silvester.
Papst Silvester, der Erste war 314 – 335 Papst in Rom und um ihn gibt es viele Legenden.
Eine Legende erzählt, dass er Kaiser Konstantin von der Lepra geheilt und ihn getauft hätte.
Inwieweit er tatsächlich an der Christianisierung von Kaiser Konstantin beteiligt war, ist ungewiss.
Nach historischen Quellen ließ sich Konstantin erst auf dem Totenbett im Jahr 337 taufen.
Da Papst Silvester als Heiliger galt, wurde sein Todestag auch gleichzeitig sein Namenstag.

Deshalb nennt man den 31.Dezember, den letzten Tag des Jahres also Silvester.

Silvesternacht

Silberhell die Gläser klingen
In der klaren Abendluft
Leise, wie auf Engels Schwingen
Rauscht es durch den Winterduft
Still die Nacht und Sterne funkeln
Im Mondenlicht der hohe Dom
Zauberhell steht er im Dunkeln
Nebelschleier über` m Strom

Frohen Mut`s im Sterngeflimmer
Hoffnungsvoll das Herz sich freut
Und der Zukunft heller Schimmer
Tönt wie silbernes Geläut
Das alte Jahr, es geht zu Ende
Unaufhaltsam an der Jahreswende
Pilgern in die Ewigkeit

Mag`s in alle Herzen dringen
Friede in der Neujahrsnacht
Und bei hellem Glockenklingen
Unter goldener Sternenpracht
Löscht aus in dieser Stunde
Den Schmerz, der Begleiter war
Ruft die Glock` mit ehernem Mund
Friede, Glück im neuen Jahr

E. Ammerich


Ich wünschen allen meinen Lesern ein gutes neues Jahre, mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.

Auch bedanke ich mich recht herzlich für Euer Interesse an meinen Geschichten und hoffe ihr bleibt mir auch im neuen Jahr treu.

Ich habe noch einige hübsche Märchen in meiner Schublade für Euch.

Alles Liebe, eure Märchenfee Lore





Mittwoch, 19. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Ende





dreamies.de



Frau Naumann lässt das Buch sinken.
Nun, das ist wohl die letzte Geschichte.
Morgen ist der vierte Advent und ihr werdet eure Basteleien auf dem Weihnachtsbasar verkaufen.“
Ingelore ist etwas enttäuscht.
War jetzt die schöne in der Villa Naumann vorbei?
Als hätte Andrea ihre Gedanken erahnt, meint sie lächelnd.
Kannst du morgen früh um sieben Uhr zu uns kommen, dann frühstücken wir gemeinsam und anschließend bauen wir vor der Kirche unsere Basteleien auf.
Der Verkauf beginnt nach der zehn Uhr Messe, so ungefähr um elf .“
Ach ja, und bring die Oma mit, die kann mir dann Gesellschaft leisten.“ lacht Frau Naumann.
Eine sehr glückliche Ingelore geht heute nach Haus.

Pünktlich um sieben Uhr stehen Marga und ihre Enkelin vor der Villa Naumann.
Beide hatten sich fein gemacht.
Ingelore staunt über ihre Oma, die so anders auf einmal ist.
Sie lacht und scherzt mit Frau Naumann. Verschwunden ist der strenge mürrische Blick und sie sieht auf einmal jünger und schöner aus.
Der Basar wird ein voller Erfolg.
Die Leute scharren sich um ihren Tisch und viele bewundernde Laute ertönen, als sie die hübschen kleinen Krippen und die herrlichen Sterne sehen. Es sind viele Menschen auch aus den Nachbardörfern da und der Stand ist schon halb leer, als Ingelore ihre Oma und Frau Naumann, die Arm in Arm über den Platz schlendern, bemerkt.
Staunend betrachtet Marga die kleinen Krippen. Sie hebt eines der zarten Gebilde hoch und ruft überrascht, „aber da ist ja unsere Minka!“
Ingelore lächelt und freut sich, dass die Oma dies gleich erkannt hat.
Marga stellt die Krippe vorsichtig auf den Tisch und sieht ihre Enkelin stolz und voller Bewunderung an.
Das hast du wunderschön gemacht. Du bist eine richtige Künstlerin.“
Ingelore läuft um den Tisch herum und fällt ihrer Oma um den Hals. Nach kurzem Zögern drückt diese sie fest an sich.
Hallo, wird man hier nicht bedient!“ ruft ein älterer Mann etwas ungeduldig.
Sofort!“
Marga und Christiane sehen noch eine Weile amüsiert zu, wie Ingelore mit dem Mann um den Preis feilscht, dann schlendern sie weiter, um auch die andern Tische zu betrachten.
Ingelore aber legt die Krippe, auf der Minka zu sehen ist, beiseite.
Die sollte die Oma zu Weihnachten bekommen.
Andrea hatte ein längeres Gespräch mit Pfarrer Gietl und kommt nun wieder aus der Kirche.
Um ein Uhr war der Tisch leer.
Alles war verkauft und sie hatten beträchtliche Einnahmen, die für einen guten Zweck bestimmt waren.
Andrea zählte das Geld und liefert es dem Pfarrer ab, dieser kommt heraus und reicht Ingelore die Hand.
Das hast du wirklich gut gemacht. Ich danke dir.“
Das Mädchen errötet vor Freude und macht einen Knicks.
Fräulein Naumann hatte recht, der neue Pfarrer war nicht wie Pfarrer Broderick.
In der Villa Naumann führt Andrea das Mädchen ins Arbeitszimmer.
Hier, ich habe noch weihnachtliches Geschenkpapier, damit kannst du die Krippe für deine Oma einpacken.“
Sie hilft ihr dabei und mit den Sternen, die Ingelore auch zurückbehalten hat, wird das Päckchen geschmückt.
Wie zwei Verschwörer betrachten sie ihr Werk.
Du kannst es ja gleich hier lassen, da ihr sowieso den Heiligen Abend bei uns verbringt.“
Dann gehen sie ins Esszimmer, wo Gretchen bereits aufträgt.
Die vier feiern einen wunderschönen Advent zusammen und als Ingelore glücklich in ihrem Bett liegt, erzählt sie Minka, die geduldig mit geschlossenen Augen zuhört, von ihrem Glück.

Am Mittwoch war Hl. Abend.
Wie staunte Ingelore als sie im Wohnzimmer den großen bis zur Decke reichenden Christbaum sah.
Andrea setzt sich ans Klavier und sie singen Weihnachtlieder und in Ingelores Magen kribbelt es ganz komisch vor Freude und Glück.
Nun darf das Mädchen als erstes ihre Geschenke auspacken und die drei Erwachsenen beobachten sie gespannt.
Jubelnd hält Ingelore den roten Wintermantel an sich und jubelt weiter,als sie die dazu passende Mütze, Schal, Handschuhe und noch einen hübschen kleinen Muff auspackt.
Nun liegt noch ein schweres dickes Paket auf dem Tischchen und als sie das schöne bunte Papier entfernt, kommt das Geschichtenbuch zum Vorschein.
Damit du auch die anderen Geschichten noch lesen kannst.“ meint Frau Naumann lächelnd.
Das glückliche Mädchen fällt den Dreien abwechselnd um den Hals.
Nun ist Marga dran.
Mutter und Tochter Naumann habe sich gegenseitig nichts geschenkt und auch ihre Gäste gebeten, es nicht zu tun.
Zuerst öffnet sie das Geschenk von Ingelore und ist gerührt, als sie die Krippe sieht, die ihr so besonders gut gefallen hat.
Sie nimmt das Mädchen am Kopf und gibt ihr einen liebevollen Kuss.
In dem anderen Paket befindet sich ein Wintermantel und die dazu passende Pelzmütze.
Sie ist ganz stumm vor Freude und hält sich die Mütze an ihre Wange.
Tränen schimmern in ihren Augen und rinnen die Wangen runter, als sie dann den großen Umschlag aufmacht,auf dem ihr Name seht und die beiden Schreiben liest.
Sie umarmt ihre Freundin Christiane.
Das eine war eine Urkunde über eine Grabstätte hier im Ort und das andere eine Bestätigung,
dass am 8. Januar um 10.15 Uhr die Urne der
Dorle Benken von der Kreisstadt P in den Ort S überführt wird.
Marga muss sich setzen und Ingelore sitzt neben ihr und legt ihren Kopf an ihre Schulter.
Die Damen Naumann betrachten die Beiden gerührt.
Vergnügt wird später gefeiert bei, Ingelore zuliebe, Kinderpunsch und Plätzchen.
In der Christmette sitzt Ingelore dann zwischen ihrer Oma und den Damen Naumann.
Nun weiß sie,was das Fest Weihnachten bedeutet.
Es hat mit Liebe zu tun, mit viel Liebe, die man geschenkt bekommt und weiter verschenkt.
Ihr Blick streift Andrea, die sie heute gefragt hat, ob sie sich im Januar taufen lassen will.
Und Andrea wird ihre Taufpatin.
Ingelore lächelt.
Eine Taufpatin war ja auch so etwas ähnliches wie eine Mutter.
Und als sie alle aufstanden und das herrliche Lied:
Stille Nacht, Heilige Nacht... sangen, da sieht Ingelore nach vorne zu dem Jesuskind in der Krippe und ihr Lippen formen: „Danke"



dreamies.de

Montag, 17. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 9







In der Nähe stehen einige Kamele und glotzen sie dumm an.
Die Beiden rappeln sich auf und klopfen den Sand aus ihren Engelskleidchen.
Ein großes Zelt steht nicht weit vor ihnen und sie gehen vorsichtig darauf zu.
Einer alter Mann sitzt davor,um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen und neben sich eine Wasserpfeife.
Er winkt sie heran.
Ihr gehört wohl auch zu den Fremden, die zur Volkszählung nach Bethlehem wollen.“
Nein, wir sind E...!“
Mauritzius gibt Gisbert einen Rempler.
Ist es denn noch weit bis dorthin?“
Zu Fuß drei Tage, ein beschwerlicher Weg, besonders barfuß.“
Er blickt auf die Füße der Engel.
Habt wohl kein Geld!“
Er winkt einer jungen Frau und einem Jungen, die Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren.
Großvater , was willst du, wir wollen die Krüge zu Großmutter bringen,“ fragt das junge Mädchen.
Der Alte zeigt auf die Engel.
Nehmt sie mit, die Großmutter soll ihnen zu Essen geben und Sandalen. Auch soll sie ihnen von der Kleidung von Sali etwas heraus suchen.“
Er wendet sich an die Engel.
So könnt ihr nicht nach Bethlehem.
Diese kurzen Röckchen sind vielleicht dort geeignet, wo ihr herkommt. Aber hier bei uns brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, da braucht ihr schon die richtige Kleidung.“
Das Mädchen und der Junge nehmen die beiden Engel mit und während der Junge Sandalen und Kleidung für sie zusammen sucht, setzt ihnen die alte Frau Fladen und Fisch vor.
Sie schöpft mit einer Kelle Wasser aus einem Krug und lässt sie davon trinken.
Nachdem sie sich dann angezogen haben, reicht ihnen die Frau einen großen Wasserschlauch.
Gute Reise!“ wünscht sie.
Die beiden bedanken sich und als sie am Zelt vorbeikommen, winkt der Alte sie zu sich.
Hier diesen Esel schenke ich euch. Er ist kräftig genug, euch beide zu tragen.“
Jetzt sehen sie Sali, der grinsend einen Esel hinter sich herzieht.
Die Engel steigen auf und der Alte, seine Frau und
ihre Enkelkinder winken ihnen nach und rufen:
Gute Reise.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert:
Diese Menschen waren sehr nett.“
Mauritzius schweigt.
Der Weg führte sie durch die endlose Wüste und sengende Hitze. Nur kurz halten sie an, trinken aus dem Wasserschlauch, gießen etwas in die hohlen Hände und geben dem Esel auch zu trinken.
Als die Sonne wie ein blutroter Ball untergeht, finden sie eine Höhle in der sie schlafen können.
Am nächsten Tag kommen sie in einen Ort.
Am Eingang steht eine kleine Lehmhütte und eine alte Frau tritt gerade heraus.
Sie beschattet die Augen mit der Hand und grüßt.
Salem, seid ihr auch unterwegs nach Bethlehem zur Volkszählung?“
Die beiden Engel bejahen.
Mitleidig sieht sie ihre verstaubte Kleidung.
Ihr werdet sicher Hunger und Durst haben. Dort hinten am Brunnen könnt ihr euch waschen.“
Mauritzius und Gisbert waschen sich und betreten dann die Hütte.
Ein Mann, eine junge Frau und zwei Kinder sitzen auf dem Boden und essen aus einer Schüssel.
Die alte Frau, die sie draußen begrüßt hatte, kommt aus dem Hintergrund der Hütte, in der Hand trägt sie einige Fladen. Sie reicht sie der jungen Frau die sie verteilt.
Die alte Frau aber bricht den Fladen, den sie in der Hand hält und gibt jedem der Engel einen Teil.
Setzt euch und nehmt von dem Hirsebrei.“
Die anderen rückten ein wenig zusammen und still speisen sie, bis die große Schüssel geleert ist.
Der Mann erhebt sich und verlässt die Hütte.
Mein Schwiegersohn muss aufs Feld.“ erklärt die Frau.
Die Kinder sehen ihre Mutter an.
Dürfen wir spielen?“
Lächelnd nickt diese, dann wendet sie sich an ihre Gäste.
Ich werde euren Wasserschlauch füllen und etwas Proviant richten, für eure Weiterreise.“
Und auch sie verlässt die Lehmhütte.
Die alte Frau aber wendet sich mit freundlichem Lächeln an die beiden Engel.
Bis Sonnenuntergang werdet ihr den nächsten Ort erreicht haben.
Am Eingang steht eine ähnliche Hütte wie unsere, dort wohnt meine Schwester Sarah.
Sagt ihr, dass ihre Schwester Judith euch schickt und sie wird euch aufnehmen.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert begeistert.
Die Menschen sind aber nett!“
Wieder schweigt Mauritzius.
Auch bei Sarah werden sie freundlich empfangen, bekommen zu Essen und ein Nachtlager.
Am nächsten Tag reiten sie weiter.
Am Nachmittag kommen sie zu einer großen Schafherde.
Die Hirten winken sie herbei und laden sie ein an ihrem Lagerfeuer Platz zu nehmen.
Großzügig werden sie mit Milch, Käse und Fladen bewirtet.
Auf einmal wird es hell und ein Engel erscheint.
Er verkündet den Hirten, dass der Retter geboren sei und als Kind in Windeln in einem Stall in Bethlehem liegt.
Die Hirten sind erst ganz benommen, doch dann stehen sie auf, nehmen zwei Schafe und Proviant und Milch für das Kind und wandern ins nahe gelegene Bethlehem.
Maurtzius und Gisbert folgen mit dem Esel.
In Bethlehem herrscht großes Gedränge, denn viele Fremde sind in der Stadt und die Hirten stehen etwas ratlos und wissen nicht, in welchem Stall das Kind, das der Messias sein sollte, wohl war.
Mauritzius und Gisbert aber sehen den gesuchten Stern, der über einer Steingrotte schwebt und sie führen die Hirten dorthin.
Staunend scharren sich die rauen einfachen Männer um die Krippe und andächtig sinken sie auf die Knie, denn ein großes Leuchten umgab das kleine Kind.
Der Esel aber stößt ein freudiges „Iaaah“ aus und stellt sich neben die Krippe, auf deren anderen Seite bereits ein Ochse ist.
Plötzlich ist der Erzengel Gabriel da und legt jedem der beiden Engel die Hand auf die Schulter.
Beide werden blass und sehen schuldbewusst zu dem gestrengen Erzengel empor.
Dieser aber lächelt freundlich und erklärt.
Der Stern von Bethlehem ist keineswegs zu früh auf die Erde gekommen. Gott wollte, dass ihr ihm folgt, damit du Mauritzius die Menschen kennen lernst. Denn es sind nicht alle böse und schlecht.
Es gibt viele gute Menschen und diese zu retten, ist das Opfer das Gott und sein Sohn bringen wohl wert.
Zweifle nie mehr an Gottes Weisheit, lieber Mauritzius.“
Dieser nickt errötend.
Was wird aus dem Esel?“ fragt Gisbert, der das Tier lieb gewonnen hat.
Gabriel lächelt.
Das ist der Esel, der die Heilige Familie nach Ägypten bringen wird, um sie vor König Herodes in Sicherheit zu bringen. Nun kommt.“
Und an jeder Hand einen Engel fliegt er in den Himmel.
Und wenn in Zukunft Mauritzius die Menschen durch ein Wolkenloch beobachtet, dann sieht er nicht mehr nur die Bösen, sondern er hält Ausschau nach den Guten.“

Sonntag, 16. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 8







Die nächsten Tage kann Frau Naumann ihnen nicht vorlesen, denn sie hat sich erkältet und muss das Bett hüten.
Andrea und Ingelore basteln an den Krippen und hören dabei Weihnachtlieder.
Wunderschön werden die kleinen Gebilde und Andrea staunt was ihr kleiner Schützling für hübsche Figuren und Tiere schuf.
Keine Krippe gleicht der anderen. Jede weist eine kleine Besonderheit auf.
Kurz vor dem 4. Adventssonntag und auch am letzten ihrer Basteltage, sitzt Frau Naumann wieder in ihrem gemütlichen Sessel mit der Brille auf der Nase und dem Buch auf dem Schoß.


Der Stern von Bethlehem


Seit Tagen schon herrscht Aufregung im Himmel, die Engel schwirren umher, der Erzengel Gabriel ist noch strenger und alles war irgendwie anders als sonst.
Mauritzius ein kleiner Engel kauert auf einer Wolke, den Kopf in die Hand gestützt und grübelt darüber nach, was er gehört hat.
Gottes Sohn sollte als Seele in einen kleinen Jungen schlüpfen, den eine Maria einem Josef gebar.
Es hieß, er wolle die Menschen retten.
Mauritzius schüttelt sich bei dem Gedanken, dass der liebenswürdige und nette Sohn Gottes mitten unter diesen Menschen in Zukunft leben sollte.
Und warum müssen diese dummen Geschöpfe überhaupt gerettet werden.
Er, Mauritzius beobachtet sie öfter durch ein Loch in der Wolke und was er sah gefiel ihm gar nicht. Sie stritten, schlugen sich, betrogen sich und waren alles andere als nett zueinander. Dann führten sie wieder Kriege, um anderen ihr Land zu nehmen.
Man musste wohl so gut wie Gott sein, um sie trotzdem zu lieben.
Er, Maurtzius mochte die Menschen überhaupt nicht und bedauerte den lieben Sohn Gottes.
Gisbert sein Freund setzt sich neben ihn.
Weißt du, dass seit Tagen ein Stern im großen Zimmer eingeschlossen ist.
Er soll den Weisen aus dem Morgenland den Weg zeigen und damit er nicht zu früh los fliegt, hat Gabriel ihn eingesperrt.“
Mauritzius zuckt die Schultern, er hat davon gehört und auch beobachtet wie die Engel sich um das Schlüsselloch scharrten, um einen Blick auf den wunderschönen Stern zu erhaschen.
Ihn interessiert dies nicht, denn er war viel zu traurig über die ganze Sache.
Gisbert zupfte ihn an der Schulter.
Komm Gabriel hat den Schlüssel stecken lassen, wir wollen uns den Stern betrachten.
Lustlos folgt Maurtzius seinem Freund.
Es steckt tatsächlich der Schlüssel in der Tür.
Pass auf, dass niemand kommt,“ flüstert Gisbert, dann dreht er den Schlüssel herum und öffnet vorsichtig die Tür.
Etwas stemmt sich dagegen, der Engel purzelt auf den Boden und der Stern schwebt an ihnen vorbei.
Mit offenem Mund starren die zwei Engel dem Stern hinterher.
Hast du gesehen, wie schön er ist,“ flüstert Gisbert ehrfürchtig.
Mauritzius sieht ihn finster an. „ Ja und hast du bemerkt, dass er entwischt ist und viel zu früh auf der Erde ankommt?“
Auweia!“
Ja, auweia, steh auf, wir müssen ihn suchen, bevor er den Himmel verlässt.“
Sie laufen nun durch den Himmel dem Stern nach, dessen langen Schweif sie in der Ferne sehen können. Doch dann ist er auf einmal verschwunden.
Atemlos erreichen sie ein Loch in den Wolken und legen sich bäuchlings hin und sehen hinunter.
Weit unter ihnen schwebt der Stern der Erde entgegen.
Wir müssen ihm nach und ihn suchen.“ meint Mauritzius entschlossen.
Gisbert wird blass, doch unter dem grimmigen Blick seines Freundes nickt er wenig begeistert.
Sie gehen zusammen zum Sandmännchen.
Natürlich liegt es im Bett und schläft tief und fest.
Schließlich ist es ja die ganze Nacht unterwegs.
Mauritzius rüttelt es sanft.
Das Sandmännchen dreht sich murmelnd um und schläft weiter.
Bitte, Sandmännchen du musst uns helfen!“
Dieses öffnet die Augen und sieht die beiden Engel nicht gerade freundlich an.
Wisst ihr Bengel denn nicht, dass ich die ganz Nacht unterwegs war?“
Doch, aber der Stern von Gottes Sohn ist uns entwischt.“
Nun ist das Sandmännchen hellwach. Es grummelt in seinen Bart und sein Blick ist alles andere als freundlich.
Ich vermute, ihr habt was damit zu tun?“
Die beiden Engel nicken schuldbewusst.
Was wollt ihr dann von mir?“
Kannst du uns helfen auf die Erde zu kommen.“
Seufzend verlässt das Sandmännchen sein warmes Bett, nimmt seinen Sack und folgt den Beiden zu der Wolke.
Er nimmt seinen Sternstaub und lässt ihn durch die Wolken rieseln. Eine breite glitzernde Straße ist zu sehen und die beiden Engel rutschen jubelnd hinunter.
Das Sandmännchen sieht ihnen einen Moment nach, dann dreht es sich um und schlurft zurück in seine Kammer.
Es bemerkt nicht den Erzengel Gabriel der mit verschränkten Armen und einem Lächeln das ganze beobachtet hat.
Mauritzius und Gisbert kommen unten an und landen mitten im Wüstensand.

Samstag, 15. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 7





In diesem Moment pocht es an der Tür, Ketten rasseln und donnernd schlägt etwas blechernes zusammen.
Ingelore zuckt zusammen und blickt erschrocken zur Tür.
Was ist denn da draußen los?“
Frau Naumann tauscht mit ihrer Tochter einen amüsierten Blick.
Gretchen hat es wohl zu sehr übertrieben.
Schmunzelnd meint Andrea.
Nun Ingelore heute hat doch der St. Nikolaus Geburtstag. Vielleicht will er dir einen Besuch abstatten.“
Das Mädchen lacht.
Der Nikolaus ist doch eine Legende und außerdem klang das so,als würden die Köchin und Gretchen einige Töpfe zusammen schlagen.“
Andrea beißt sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen.
Das Kind war einfach zu schlau.
Weißt du was, wir sehen einfach mal nach.
Sie nimmt Ingelore an der Hand und öffnet die Tür.
Es ist niemand im Flur zu sehen.
Gretchen und die Köchin haben sich versteckt und beobachten leise kichernd was jetzt geschah.
Ingelore sucht mit den Augen den Flur ab dann fällt ihr Blick auf ein Paar wunderschöne Stiefel.
Sie lässt vor Freude einen Quietscher los und bückt sich.
Mit den Stiefeln unter dem Arm und einer Leinentasche in der anderen Hand kommt sie ins Zimmer zurück.
Sie stellt die Tasche vorsichtig auf den Tisch und setzt sich auf den Boden, um in die Stiefel zu schlüpfen.
Dann stolziert sie durch die Stube.
Frau Nauman beobachtet sie schmunzelnd.
Und passen sie?“
Das Mädchen nickt begeistert, dann fällt sie abwechselnd Mutter und Tochter Naumann um den Hals.
Danke, danke!“ stammelt sie.
Andrea lächelt. „Hast du denn schon in die Tasche geguckt.“
Ingelore schüttelt den Kopf und eilt zum Tisch. Vorsichtig zieht sie ein Hexenhäuschen aus dem Beutel und betrachtet es entzückt.
Die Hexe stand vor dem Häuschen mit Hänsel und Gretel, auf dem Dach krümmte eine schwarze Katze ihren Rücken und die freie Fläche um die Figuren und zwischen den zwei kleine Tannenbäumen waren mit Süßigkeiten gefüllt.
Dieses Hexenhäuschen bekam ich als Kind und nun bekommst du es von mir.“ sagt Andrea leise.
Ingelore streicht vorsichtig über die Porzellanfiguren und denkt träumerisch, wie schön es doch wäre, wenn Fräulein Naumann ihre Mutter sein könnte.

Abends als sie der Oma ihre Schätze zeigt, tat diese etwas, was sie bisher noch nie getan hatte.
Sie streicht ihr über den Kopf und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn.
An diesem Abend hat Ingelore der Katze Minka viel zu erzählen, als sie zusammen im Bett kuscheln.


Donnerstag, 13. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 6








Am nächsten Tag waren wieder beide Damen da, als Ingelore kam.
Die Oma hatte ihr gestern nur erzählt, dass sie mit Frau Naumann einst in die Dorfschule gegangen ist, bis diese dann ins Gymnasium kam.

Christiane macht es sich im Sessel bequem und öffnet das Buch.

Der Geiger und das Jesuskind


Mit einem dumpfen Knall schließt sich das große Gefängnistor hinter Sebastian.
Fest umfasst seine Hand den Geigenkasten.
Mitten aus der Probe hatte man ihn damals verhaftet, denn er hatte einen Scheck seines Chefs gefälscht. Zwei Jahre war er nun im Gefängnis gewesen.
Er sieht sich um, doch niemand ist da, um ihn abzuholen. Sein Eltern hatten ihn ein paarmal besucht und insgeheim hatte er gehofft, dass sein Vater jetzt hier wäre und ihn mit nach Hause nähme.
Leise beginnt es zu schneien und Sebastian steigt in den Bus, der ihn in die Stadt bringt.
In der Jackentasche steckt ein Zettel mit der Adresse eines Sozialarbeiters, der ihm weiter helfen sollte.
In der Stadtmitte steigt er aus.
Die Schneeflocken waren dicker geworden und die Straßen sind kaum zu sehen, trotzdem bemerkt er, dass alles weihnachtlich geschmückt ist.
Ach ja, morgen war ja der Heilige Abend.
Letztes Jahr hatte er ihn in der JVA verbracht. Sie sangen Weihnachtlieder in dem großen Gemeinschaftsraum und es gab sogar Plätzchen. Von seinen Eltern war ein Paket gekommen.
Was sie morgen wohl machen und ob sie ihn überhaupt sehen wollen?
Auf einmal steht er vor einem Pfandleihhaus.
Sollte er die Geige versetzen? Ein paar Euro würde sie bestimmt bringen und er könnte sich eine ordentliche Mahlzeit kaufen.
Doch dann geht er entschlossen weiter.
Nein, die Geige hatte seinem Großvater gehört,lieber hungern.
Aus den dicken Schneeflocken ist inzwischen ein Schneesturm geworden.
Sebastian schlägt den Kragen seiner Jacke hoch und hastet vorwärts.
Er sieht kaum die Hand vor den Augen.
Plötzlich stößt er an eine Stufe und sieht eine Kirche vor sich.
Dort würde er Schutz finden vor dem grässlichen Wetter.
Mühsam drückt er die schwere Tür auf und schlüpft hinein.
Stille umfängt ihn.
Er setzt sich auf eine der Bänke und legt den Geigenkasten neben sich.
Es riecht nach Weihrauch und Tannen, denn ein großer Adventskranz hängt vorne am Altar von der Wand herunter. Die Dochte aller vier Kerzen sind schwarz. Am Sonntag war ja der vierte Advent gewesen.
Unter dem Adventskranz aber ist die heilige Familie aufgebaut.
Josef in seinem braunen schweren Umhang, den Blick in die Ferne gerichtet, als mache er sich Sorgen über irgendetwas.
Maria in einem blauen langen Kleid einen weißen Schleier über dem Kopf sieht voller Liebe auf ihr Kind.
Das Jesuskind aber liegt in der Krippe, die Hände weit ausgebreitet als wollte es die ganze Welt umarmen.
Auf einmal dringt ein Sonnenstrahl durch die bunte Scheibe des Kirchenfensters und Sebastian ist, als würde das Jesuskind ihn anlächeln.
Wie unter Zwang holt er seine Geige aus dem Kasten
und geht mit langsamen Schritten nach vorne.
Er hebt die Geige, stützt sie unterm Kinn ab und dann beginnt er zu spielen. Lieblich strömen die Töne hervor und er spielt so schön, wie er noch nie gespielt hat.
Die Geige jubelt und jauchzt zu Ehren Gottes und das Jesuskind strahlt ihn freundlich an.
Sebastian wird ganz warm ums Herz und er spürt wie all sein Kummer sich löst und mit den Tönen verschwindet.
Wie aus einem Traum erwachend lässt er die Geige sinken und bemerkt in der Tür zur Sakristei einen Priester, der Tränen in den Augen hat und nun mit schnellen Schritten auf ihn zu eilt und ihm beide Hände entgegenstreckt.
Erschrocken wendet Sebastian sich um und geht mit schnellen Schritten davon.
Der Pfarrer schürzt seine schwarze Soutane und läuft ihm nach.
Junger Mann warten sie doch, sie sind die Erhörung auf meine Gebete.“
Sebastian bleibt stehen und wendet sich um.
Atemlos setzt sich der Priester in eine Bank und winkte ihn an seine Seite.
Man sollte fast an ein Wunder glauben, euch hat der Herrgott geschickt.“
Sebastian lacht bitter auf.
Hochwürden, dann doch eher der Teufel. Ich bin ein Sünder und wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen.“
Der Pfarrer sieht ihm lange in die Augen, dann lächelt er.
Ihr habt gute Augen und wenn ihr gerade aus dem Gefängnis kommt, dann habt ihre eure Strafe verbüßt.“
Ein verschmitztes Lächeln gleitet über sein Gesicht.
Aber Gott liebt doch die Sünder, wisst ihr das nicht? Jesus selbst hat doch gesagt:
Gott freut sich mehr über 99 Sünder, als über einen Gerechten.“

Er packt Sebastian am Arm und zerrt ihn zur Sakristei.
Kommt mit, meine Köchin soll uns einen guten Kaffee kochen und ich kann dir versprechen, sie hat einen prima Stollen und ihre Plätzchen zergehen auf der Zunge. Du kannst mir ja dann erzählen warum du im Gefängnis warst und ich sage dir, warum ich denke dass der liebe Gott dich ausgerechnet heute in meine Kirche geführt hat.“
Als sie dann in der warmen gemütlichen Stube sitzen erzählt ihm Sebastian seine Geschichte.
Wie er Lotte kennen gelernt hat und diese immer nur in die besten Restaurant, schicke Kleider und Schuhe und teure Wochenendreisen wollte. Und wie sein Konto hoffnungslos überzogen war und er dann einen Scheck seines Chefs gefälscht hatte.
Die Enttäuschung seiner Eltern und die Angst sie heute aufzusuchen.
Der Priester hat ihm ruhig zugehört, dann sagt er.
Hast du denn deine Tat bereut?“
Schon tausendmal!“
Siehst du, dann hat Gott dir auch längst vergeben und sonst hätte er dich heute auch nicht zu mir geschickt.“
Auf den fragenden Blick von Sebastian erklärt er ihm, dass vor einigen Tagen die Orgel kaputt gegangen ist und die Reparatur länger dauern wird.
Aber über die Weihnachtstage hatten sie keine musikalische Begleitung.
Und er fragt ihn, ob er den Kinderchor mit seiner Geige begleiten würde.
Mit strahlenden Gesicht nickt Sebastian.
Der Pfarrer bietet ihm sein Gästezimmer an und am Nachmittag ruft er den Chor zusammen, damit sie noch miteinander üben können.
Und am HL. Abend steht Sebastian mit dem Kinderchor vor dem Altar und seine Geige jubelt wie noch nie.
Und als er nach dem wunderbaren Liede:
Stille Nacht, heilige Nacht“ die Geige sinken lässt sieht er in der ersten Bank seine Eltern sitzen, die beide Tränen in den Augen haben.“


Frau Naumann lässt das Buch sinken.
Ingelore hat schon längst mit dem Basteln aufgehört und ist ganz blass im Gesicht.
Stimmt es, dass Gott auch die Sünder liebt?“
Christiane nickt.
Sie hat mit Bedacht extra diese Geschichte gewählt.
Das Mädchen aber atmet auf, als wäre eine schwere Last von ihrer Seele genommen und ein glückliches Leuchten liegt in ihren Augen.




Mittwoch, 12. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 5







Als Ingelore am nächsten Tag in die Villa kommt muss sie ihren Kakao mit Andrea allein trinken.
Etwas sehnsüchtig sieht sie später auf den verwaisten Sessel und das dicke Buch auf dem Tischchen.
Andrea, die den Blick bemerkt hat, lächelt.
Meine Mutter muss heute etwas wichtiges erledigen, aber ich habe eine schöne CD mit Weihnachtsliedern.“
Und bald klingen die herrlichen Töne durch das adventlich geschmückte Zimmer.
Frau Naumann aber steht mit einer großen Tasche in der Hand vor dem ärmlichen Häuschen von Ingelores Oma und klopfte kräftig an die Tür.
Die alte Frau öffnet und sieht sie stumm an.
Willst du mich nicht herein bitten, Marga?“
Diese dreht sich um und geht in Küche.
Frau Naumann folgt ihr schmunzelnd.
Sie zieht ihren eleganten Mantel aus legt ihn auf das Sofa neben dem Ofen und setzt sich an den Tisch.
Marga hat ihr den Rücken zugewendet und hantiert mit etwas herum.
Möchtest du Tee?“
Gerne!“
Bald stehen zwei dampfende Tassen vor ihnen und die alte Frau hat ihr gegenüber Platz genommen.
Nun Marga, morgen ist Nikolaus und ich werde deiner Enkelin ein Paar Winterschuhe schenken, das will ich dir nur sagen, damit du aus deinem dummen Stolz heraus, dem Mädel nicht die Freude verdirbst.“
Marga presst unwillig die Lippen zusammen, doch dann grinst sie.
Christiane versuchst du wieder einmal mit mir dein Pausenbrot zu teilen?“
Die beiden prusten los, wie zwei junge Mädchen und der Bann ist gebrochen.
Und nun geht es ans erzählen, von früher, als sie noch Freundinnen waren.
Weißt du?“ meint Marga versonnen, dass diese vier Jahr mit dir, meine schönsten Jahre waren?“
Christiane erschrickt ein wenig, sie war immer mit Liebe umgeben gewesen, und als sie ins Gymnasium kam hatte sie sofort viele neue Freundinnen gefunden und das kleine Mädchen aus der Dorfschule bald vergessen.
Aus einem Impuls heraus meint sie.
Marga, lass uns unsere Freundschaft wieder erneuern. Wir sind beide nicht mehr jung und diesmal wollen wir keine Minute vergeuden.“
Sie reicht ihr die Hand und nach kurzem zögern schlägt diese ein.
Christiane aber greift in die Tasche und zieht ein Wollknäuel heraus.
Ich möchte dich und Ingelore, die wir sehr ins Herz geschlossen haben für Heilig Abend zu uns einladen. Einen Wintermantel habe ich für deine Enkelin gekauft, er ist rot mit einem weißen Pelzkragen. Da du doch immer so schöne Handarbeiten machen konntest, dachte ich mir, du strickst für das Mädchen einen Schal, eine Mütze und Handschuhe dazu, vielleicht langt die Wolle auch noch für einen Muff.“
Marga nimmt die Wolle und hält sie an ihre Wange.
Schön weich.“ murmelt sie.
Christiane lächelt.
Erinnerst du dich noch, wie du für mich immer die Handarbeiten gemacht hast, wenn ich sie mal wieder total verkorkst hatte?“
Sie lächeln sich an.
Übrigens hat Ingelore deine geschickten Hände geerbt, du sollst sehen welch herrliche Sterne sie gemacht hat für den Weihnachtsbasar. Überhaupt erinnert sie mich oft an dich, sie ist dir sehr ähnlich.“
Marga sieht stumm in ihre Tasse Tee, dann bricht es plötzlich aus ihr heraus.
Ach Christiane, ich habe alles falsch gemacht!
Ich habe Ulli geheiratet weil er so fröhlich war und es ihm gelang mich zum Lachen zu bringen. Du weißt wie streng und ernst mein Vater war und meine Mutter, die sich nie den Mund aufmachen traute.
Doch Ulli war ein Bruder Leichtfuß, dem das Geld nur so zwischen den Fingern verrann und wenn ich ihm Vorhaltungen machte, dann lachte er nur. Dann kam meine Dorle auf die Welt. Sie war ein so schönes Baby und ich liebte sie vom ersten Moment an. Ulli vergötterte seine hübsche Tochter und sie ihn. Er verwöhnte sie wie eine kleine Prinzessin und wenn ich schimpfte, dann war ich immer die böse Mama.
Als Ulli dann verunglückte hat Dorle sich total verändert. Sie redete nicht mehr mit mir und fing an sich mit Jungs herumzutreiben und dann verschwand sie eines Tages bei Nacht und Nebel.
Zehn Jahre später stand sie dann plötzlich mit Ingelore vor meiner Tür. Ich war so verbittert und habe ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen. Und kurz darauf war sie tot!“
Plötzlich fängt Marga zu weinen an, immer heftiger strömen die Tränen aus ihren Augen, als hätte sich ein Damm gelöst und die seit vielen Jahren zurückgehaltenen Tränen losgelassen.
Christiane sitzt ganz still da und legt nur ihre Hände über die verarbeiteten alten Hände ihrer Freundin.
Als das Schluchzen langsam weniger wird, reicht sie Marga ein Taschentuch.
Diese trocknet sich die Tränen und schnäuzt kräftig und steckt es in ihre Schürze, dann lächelt sie.
Du bekommst es wieder, wenn ich es gewaschen habe, aber vielleicht behalte ich es auch, denn so ein schönes Taschentuch hatte ich noch nie.“
Christiane aber nimmt ihre Hand und sieht sie eindringlich an.
Marga, wenn wir unsere Kinder zum ersten Mal im Arm halten, dann wissen wir nicht, ob wir immer alles richtig machen und was im Leben auf sie zu kommt und ob wir sie immer vor allem beschützen können. Deine Dorle hat den unruhigen Geist deines Mannes geerbt und sie ist ständig einem Glück nachgejagt, das es gar nicht gibt.
Dort wo sie jetzt ist, hat sie sicher ihren Frieden gefunden.“
Ich weiß nicht, ob es in der Hölle so friedlich ist!“ meint Marga bitter.
Marga, wie kommst du denn auf die dumme Idee, dein fehlgeleitetes Kind wäre in der Hölle!“
Durch Pfarrer Broderick, er war kurz nach Dorles Tod bei uns und wetterte, dass meine Tochter nicht auf seinem Friedhof beerdigt werden würde. Eine so sündhafte Person, die sicher in der Hölle schmort, wäre eine Beleidigung für die vielen aufrechten und ehrlichen Bürger die dort beerdigt wären.“
Christiane schnaubt und flucht:
So ein verdammter Idiot! Ich konnte den Broderick noch nie leiden, ein Glück dass er in Pension ist, dieser aufgeblasene Wichtigtuer!“
Magda sieht sie verwundert an, dann grinst sie.
Christiane hast du soeben deine gute Erziehung vergessen?“
Die beiden prusten los wie zwei Teenager.
Doch dann wird Marga wieder ernst.
Das schlimmste aber war, dass Ingelore auf einmal in der Tür stand und alles mit angehört hat.
Du musst aber nicht glauben,der alte Pfarrer wäre verlegen geworden und hätte freundlich zu dem Kind gesprochen. Nein, jetzt ging er auf Ingelore los, beschimpfte sie als Heidenkind, weil sie nicht getauft war und Kind der Sünde, das einmal neben ihrer Mutter in der Hölle schmoren würde.
Wochenlang hatte die Kleine danach Albträume.“
Christiane schwieg erschüttert.
Wo liegt denn nun dein Dorle?“
Ich habe in der Kreisstadt ein Urnengrab gekauft.“
Christiane nickt ernst und meint dann:
Der neue Pfarrer Gietl ist ein moderner aufgeschlossener Mann, vielleicht kann man mit ihm reden und dein Dorle hierher überführen lassen.“
Margas Augen leuchten auf.
Lange noch reden die beiden Freundinnen miteinander und als Ingelore nach Hause kommt, ist sie ganz erstaunt Frau Naumann bei ihrer Oma zu sehen.
Diese verabschiedet sich und während sie nach Hause geht, denkt sie, wie viel die kleine Ingelore in ihren neun Jahren schon mitmachen musste und trotzdem so ein wunderbares Geschöpf war. So stark wie ihre Oma.