Donnerstag, 28. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 14



Na,na,“ brummt eine Möwe, die auf einem Schneehaufen sitzt und verlegen mit den Flügeln schlägt.
Wer wird denn gleich weinen.“
Ich habe mein Amulett verloren, das Meeresheld mir gegeben hat, wie soll ich denn je wieder nach Hause finden?“ klagt die junge Frau.
Nun hier kannst du sowieso nicht ins Wasser. Es ist das Gebiet der Meerhexe und selbst der Wassermann kann dir nicht helfen, wenn sie dich in ihre Finger bekommt.“
Ich weiß, ich war in ihrer Gefangenschaft!“
Nun, an Land kannst du hier auch nicht bleiben. Das ist das Gebiet der Eishexe, der Schwester, der Meerhexe und wenn die Eishexe dich mit ihrem Finger berührt, erstarrst du zu Eis.“
Ich fühle mich jetzt schon wie ein Eiszapfen,“ Lucinda reibt ihre Arme, „ aber was soll ich denn nur tun?“
Aufhören zu flennen und jammern!“
Du bist sehr unhöflich!“ beleidigt dreht Lucinda der Möwe den Rücken zu.
Und du bist sehr dumm! Wie konntest du nur in das Gebiet der Meerhexe gehen, hat man dich nicht gewarnt?“
Aber ich wurde entführt!“ ruft die junge Frau empört.
Dann warst du eben dumm, weil du dich entführen hast lassen.“
Wütend stapft Lucinda davon.
Die Möwe flattert hinterher und zerrt sie an den Haaren.
Bleib stehen du dummes Ding!
Du läufst ja geradewegs auf den Palast der Eishexe zu!“
Au! Du tust mir weh!“
Zornig schlägt die Wasserprinzessin nach dem Vogel.
Kreischend fliegt dieser in die Höhe.
Du bist doch ein undankbares Geschöpf, ich sollte dich deinem Schicksal überlassen.“
Leise vor sich hin schimpfend setzt sich die Möwe auf einen kahlen Ast und zerrt an ihrem zerzausten Gefieder.
Plötzlich hebt sie den Kopf und blickt in die Ferne.
Oh weh! Die Eishexe hat deine Ankunft bemerkt.“
Ängstlich blickt Lucinda sich um.
Wo ist sie?“
Sie ist in ihrem Eispalast, aber sie hat ihren weißen Wolf ausgesandt, dich zu holen. Komm mit!“
Lucinda rafft ihren zerrissenen Rock und läuft schnell hinter dem Vogel her.
Ihre Schuhe sind im Wasser geblieben und die Kälte sticht sie wie spitze Nadeln und der harsche Schnee verletzt ihre Füße.
Immer wieder wirft sie ängstliche Blicke zurück zu dem weißen Wolf, der immer näher kommt.
Die Möwe setzt sich auf einen Eisberg, der aus dem Wasser ragt und winkt aufgeregt mit den Flügeln einem Pinguin zu, der gemütlich auf einer Eisscholle dahintreibt.
Pingu hilf uns, der weiße Wolf ist hinter uns her!“
Der Pinguin gibt der Eisscholle einen kräftigen Schubs und als sie das Ufer erreicht springt Lucinda ohne lange zu überlegen auf die schwankende Eisplatte.
Mit einigen Flügelschlägen ist auch die Möwe bei ihnen und zu dritt paddeln sie mit ihrem Boot aus Eis aufs offene Meer hinaus.
Am Ufer aber steht der weiße Wolf, den Kopf erhoben und sieht ihnen nach.
Dann wendet er sich um und verschwindet.


Mittwoch, 27. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 13



Zum Glück ist sie eine geübte Schwimmerin und der Abstand zu der Grotte wird immer größer.
Hinter sich hört sie einen schrillen Schrei.
Ihre Flucht ist entdeckt worden.
Sie spürt wie das Wasser hinter ihr in Schwingungen gerät und als sie zurück blickt, sieht sie die beiden Muränen, die ihre Verfolgung aufgenommen haben.
Lucinda versucht noch schneller zu schwimmen, aber sie spürt, wie langsam ihre Kraft nachlässt.
Plötzlich, wie aus dem Nichts taucht neben ihr ein Delfin auf.
Halt dich an mir fest, ich bringe dich ans Ufer.“
Wie ein Pfeil schnellt er durch das Wasser und die jung Frau hält sich verzweifelt an seiner Flosse fest.
Dann tauchen Friss und Schnapp neben ihnen auf und umkreisen sie mit tödlich blitzenden Augen.
Der Delfin schreit auf einmal qualvoll auf und Blut sickert ins Wasser.
Silvanas Haustierchen haben ihn gebissen.
Schwimm nach oben, ich lenke sie ab!“ stöhnt der Fisch und Lucinda lässt ihn los und paddelt nach oben.
Friss folgt dem Delfin, der ohne das Mädchen nun viel schneller ist und Schnapp verfolgt Lucinda.
Lucinda nimmt alle ihre Kraft zusammen und taucht auf.
Sie spürt einen scharfen Schmerz am Hals, dann ist sie im seichten Wasser, wohin ihr die grässliche Kreatur nicht folgen kann.
Die wenigen Schritt bis zum Ufer taumelt die junge Frau, dann bricht sie zusammen.

Lucinda ist vor Erschöpfung eingeschlafen.
Als sie erwacht friert sie entsetzlich und als sie sich umsieht, liegt sie auf einem schneebedeckten Strand.
Entsetzt betrachtet sie ihre zerfetzten Kleider und der Albtraum der vergangenen Stunden fällt ihr wieder ein.
Mit einem Griff an den schmerzenden Hals stellt sie fest, dass das Amulett, das Meeresheld ihr gegeben hat nicht mehr da ist.
Die Muräne muss es ihr abgerissen haben und nun liegt es auf dem Grund des Meeres.
Doch ohne das Amulett konnte sie nicht zurück.
Fröstelnd schlägt sie die Arme um ihren eiskalten Körper und Tränen der Verzweiflung strömen über ihr Gesicht.




Dienstag, 26. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 12



Einige Zeit später.
Liana ist es gelungen sich in die Herzen aller einzuschmeicheln.
Perlweiß behandelt sie wie ihre eigene Tochter, Lucinda fand in ihr eine verständnisvolle Freundin.
Für Meeresheld war sie wie eine kleine Schwester und selbst Algengrün betrachtete sie wohlwollend.
Nur Seerose begegnete ihr mit gemischten Gefühlen.
Und dann brach das Unglück über den kleinen See.

Liana ist es gelungen Lucinda durch den Tunnel in das offene Meer zu locken, wo sie von einigen Piraten gepackt und in die dunklen Gründe des schwarzen Meeres gebracht wird.
Liana aber kehrt schnell in den See zurück, bevor jemand ihre Abwesenheit auffällt.
Lucinda liegt gut verschnürt in der Ecke einer Grotte und blickt angstvoll auf die beiden Muränen, die mit boshaft funkelnden Augen und hämisch grinsend um sie herum schwimmen.
Ihr spitzen kleinen Zähne blitzen in dem brackigen Wasser.
Friss, Schnapp, verschwindet!“
Silvana betritt die Höhle und betrachtet die junge Frau spöttisch.
Nun meine Schöne, bald ist es aus mit euch und euer geliebter Gemahl wird euch nicht retten können.
Er wird euch bald vergessen haben und meine bezaubernde Liana heiraten und durch sie werde ich die Macht über diesen hochnäsigen Algengrün bekommen. Hahahahaaaa!
Sie gibt ihren Haustieren einen Wink.
Bewacht sie, aber tut ihr nichts zu leide.
Vielleicht brauchen wir sie noch.
Später dürft ihr sie dann verspeisen, erst mal sehen wie es meinem Täubchen geht.“
Sie verlässt die Grotte und die beiden Muränen kommen wieder bedrohlich näher.
Lucinda drückt sich angstvoll in die Ecke
Der „Schwarzer Tiger“ torkelt in die Felsengrotte, eine Flasche Rum in der Hand.
Verschwindet!“
Mit einer Handbewegung jagt er die Muränen aus dem Raum, dann stellt er sich schwankend vor die Gefangene.
Wie schön du bist! Fast so schön wie meine liebliche Eloise.
Ach sie war so wundervoll und wenn sie sang, dann musste man weinen.
Doch dann verlor sie ihre Stimme und ihre Schönheit und Silvana hat sie ihren Haustieren zum Fraß vorgeworfen.
Oh, meine herrliche Eloise!“ ruft er mit weinerlicher Stimme.
Er taumelt, dann beugt er sich zu Lucinda hinunter.
Diese wendet schnell den Kopf ab, um seinem stinkendem Atem auszuweichen.
Du bist auch wunderschön und wenn du lieb zu mir bist, dann werde ich dich vor Silvana beschützen.
Plötzlich zuckt ein Dolch auf und leise schreit die Wasserprinzessin auf.
Der Pirat lächelt dümmlich und säbelt ihre Fesseln durch.
Lucinda verhält sich ganz still, doch sobald sie frei ist, gibt sie dem Piratenkapitän einen Stoß.
Dieser stolpert und bleibt benommen liegen.
Vorsichtig späht die junge Frau hinaus ins das trübe schlammige Wasser und als sie niemanden bemerkt
schwimmt sie los.
Zum Glück ist sie eine geübte Schwimmerin und der Abstand zu der Grotte wird immer größer.

Montag, 25. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 11





Nachdenklich verlässt Seerose das Schloss, schwimmt durch den friedlichen ruhigen See und klettert in der Nähe einer Trauerweide, deren Zweige fast den Boden berühren, ans Ufer.
Zufrieden lehnt sich das Mädchen an den Baum und beobachtet wie die Sonne helle Kringel durch die dichten goldgrünen Zweige wirft und diese sich im Wasser widerspiegeln.
Hier ist ihr Lieblingsplatz und sie kommt oft hierher, wenn sie in Ruhe über etwas nachdenken will.
Seerose schlingt die Arme um die Knie und stützt das Kinn auf.
Verträumt sieht sie den bunten Schmetterlingen zu, die unbeschwert über die Wiese tanzen, den Bienen, die summend eine gelbe Blüte nach Nektar untersuchen.
Ein Eichkätzchen flitzt den Stamm herunter, beobachtet sie aus großen dunklen Augen und verschwindet blitzschnell wieder im Gewirr der Äste, als Schritte zu hören sind.
Seerose hebt den Kopf, als Erkan einige der langen Zweige beiseite schiebend zu ihr tritt.
Darf ich?“
Das Mädchen nickt errötend und der junge Prinz setzt sich neben es ins Gras.
Eine Weile schweigen beide und genießen die Stille und Schönheit der Natur, doch dann vertraut Seerose dem Bruder ihrer Schwägerin ihre Sorgen an.
Erkan schmunzelt.
Mach dir keine Sorgen. Was soll so eine kleine Nixe schon anstellen. Dein Vater ist schließlich der mächtige Wassermann.“
Seerose muss lachen und nimmt die Hand von Erkan, der ihr aufhilft.
Komm, lass uns ein wenig spazieren gehen, das bringt dich auf andere Gedanken.“
Und ohne ihre Hand loszulassen wandern sie am Seeufer entlang und Seerose vergisst ihre Sorgen.

Sonntag, 24. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 10

Sie sitzen mit Perlweiß, Seerose und Algengrün zusammen und scherzen und lachen.
Nur der Wassermann scheint heute mit den Gedanken woanders.
Finster hat er die Stirn gerunzelt und seine Augenbrauen sind drohend gewölbt.
Lucinda wirft ihm einen verstohlenen Blick zu.
Sie hat immer noch etwas Furcht vor ihrem Schwiegervater.
Auch Perlweiß wirft einen liebevoll besorgten Blick zu ihrem Mann.
Sacht legt sie ihm die Hand auf den Arm.
Lieber, was bedrückt dich?“
Der Wassermann seufzt.
Ich weiß nicht, irgendetwas braut sich zusammen. Es kommen schlechte Nachrichten aus dem schwarzen Meer.“
Er wendet sich an seinen Sohn.
Komm, mein Junge, wir machen einen Ausflug.“
Passt auf, mit der Meerhexe ist nicht zu spaßen.“
bittet Perlweiß.
Keine Angst, meine Liebe, sie ist nicht stärker als ich und gegen meinen Dreizack hat sie sowieso keine Chance.“
Er wirft ihr eine Kusshand zu und zwinkert frech.
Perlweiß sieht ihm kopfschüttelnd nach.
Lucinda aber sieht verträumt vor sich hin.
Ob Meeresheld und sie nach so vielen Jahren auch noch so glücklich sein werden.
Plötzlich ertönt ein lieblicher Gesang.
Perlweiß wird kreidebleich.
Eloise!“ ruft sie und eilt nach draußen.
Seerose und Lucinda sehen sich verblüfft an und folgen ihr langsam.
Auf einem großen Stein sitzt eine wunderschöne Nixe und singt so überirdisch schön, dass es einem ganz eigen ums Herz wird.
Die Frau des Wassermannes tritt auf die Nixe zu und fragt aufgeregt.
Mädchen, wer bist du? Ich kenne nur eine Nixe, die so wunderschön singen kann und das ist meine beste Freundin Eloise. Leider ist sie vor vielen Jahren verschwunden.“
Liana, den sie ist es, lächelt liebenswürdig und meint in singendem Tonfall:
Ich kenne eure Freundin leider nicht“
Und das war nicht einmal gelogen, denn ihre Mutter starb ja schon kurz nach der Geburt.
Ich komme von den grünen Inseln und eine Sturmflut hat mich hierher gespült und diese freundliche Nixe,“
sie deutet auf eine junge verlegen lächelnde Meerjungfrau,
zeigte mir den Weg durch den Tunnel. Ich hoffe ihr seid ihr deswegen nicht böse.“
Liana lächelt voll liebenswürdiger Unschuld.
Perlweiß runzelt die Stirn und wirft der jungen Nixe einen strafenden Blick zu, die sich schnell hinter einem Nixenmann versteckt.
Dann wendet sich die Frau des Wassermannes an Liana.
Nun, wir sehen es nicht gern, wenn Fremde unser Gebiet betreten, denn wir haben viele Feinde.“
Die Nixe lacht trillernd.
Aber ihr werdet euch doch vor mir nicht fürchten!“
Perlweiß schmunzelt.
Nein und wenn ihr schon mal da seid, begleitet mich ins Schloss und erzählt mir, wer euch so wunderbar singen gelehrt hat.“
Liana senkt schnell den Blick, damit man das triumphierende Leuchten nicht sah.
Bescheiden und sittsam folgt sie den Damen in den Kristallpalast.
Seerose hält sich etwas abseits.
Sie hat ein ungutes Gefühl, als könnte man der Nixe nicht vertrauen.
Gerade betritt Meeresheld den Raum und Lucinda läuft ihm freudig entgegen.
Seerose, die noch immer Liana beobachtet, sieht wie deren Augen freudig aufblitzen und sie ihren Bruder gierig betrachtet.
Schnell aber senkt sie wieder die Augen und niemand außer Seerose hat etwas bemerkt.


Samstag, 23. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 9



Silvana, die Meerhexe sitzt auf einem Felsen und blickt grimmig in ihre Glaskugel.
Ihre Augen sprühen zornige Blitze.
Und als nun der Piratenkapitän „Schwarzer Tiger“ begleitet von seiner Tochter Liana, näher kommt, schwimmen die Haustiere der Hexe, zwei Muränen aufgeregt auf sie zu und lecken sich genießerisch die Lippen.
Silvan hebt den Kopf und wirft den Tieren einen strafenden Blick zu, worauf sich diese in eine Ecke verziehen.
Die Hexe lächelt ihr Patenkind liebevoll an.
Den Pirat beachtet sie gar nicht.
Täubchen, wie schön du bist,“ gurrt Sivana und die junge Nixe lächelt geschmeichelt.
Sie beugt sich hinunter und gibt ihrer Patin einen Kuss, dabei fällt ihr Blick auf die Glaskugel und sie hält einen Moment die Luft an.
In der Kugel ist Meeresheld zu sehen, der gerade liebevoll seine junge Frau küsst.
Mach das sofort aus!“ kreischt Liana.
Die Hexe schnippt mit den Fingern und das Bild verschwindet.
Liana liegt inzwischen schluchzend in den Armen ihres Vaters.
Der Pirat tätschelt hilflos ihre Schultern.
Ach Goldstück, warum musst du dich auch unbedingt in den Wasserprinzen verlieben.“
Liana löst sich aus seinen Armen und stampft wütend mit den Füßen auf.
Hör sofort auf!“ befiehlt Silvana und die Nixe beruhigt sich.
Ihre Patin ist die Einzige, auf die sie hört.
Du, du hast mir versprochen, dass ich ihn bekomme,“ schnieft das Mädchen.
Komm her, mein Täubchen, setzt dich zu mir, schmeichelt die Hexe.
Liana lässt sich nieder, ringelt ihren Nixenschwanz um die Füße der Alten und legt ihren Kopf an derer Knie.
Gedankenverloren streichelt Silvana ihr Haar.
Liana ist das einzige Geschöpf, das die alte Hexe wirklich liebt.
Mein Liebchen, ich habe dir versprochen, dass du den Wasserprinzen bekommst und du wirst ihn bekommen.“
Versprich ihr doch nicht so einen Unsinn, grollt
der „Schwarze Tiger“.
Das ist keine Unsinn,“ zischt die Hexe und wirft ihm einen giftigen Blick zu.
Schnapp und Friss rücken näher an den Piraten und zeigen boshaft grinsend ihr spitzen Zähne.
Habe ich dir nicht auch geholfen, als du liebeskranker Narr unbedingt die Nixe mit der schönen Stimme haben wolltest.“
Der alte Pirat seufzt, als er an seine wunderschöne Frau denkt, die so herrlich singen konnte.
Leider aber aber ist sie bald welk und traurig geworden und hat all ihren Zauber verloren.
Das einzig gute, das dieses nutzlose Geschöpf hervor gebracht hat, ist deine wunderbare Tochter.“
hört er Sivana sagen.
Die Hexe streicht liebevoll über das seidenweiche Haar der Nixe und diese schmiegt sich an sie wie ein kleines Kätzchen.
Der Blick der Hexe wird hart, als sie den Piraten wieder ansieht.
Schade, dass Eloise durch deine Grobheit all ihren wunderbaren Zauber verloren hat und ich sie an meine Haustier verfüttern musste.
Doch nun zu dir mein Täubchen, du wirst den Wasserprinzen bekommen, dafür werde ich sorgen.“

Hätten Meeresheld und Lucinda geahnt, welch finstere Pläne in den dunklen Gewässern des schwarzen Meers geschmiedet wurden, dann wären sie wohl nicht so vergnügt gewesen.




Freitag, 22. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 8



Drohend trat er einen Schritt auf mich zu.
Seltsamerweise fürchtete ich mich nicht vor ihm.
Ja ich fand ihn sehr attraktiv und mein Herz begann verräterisch zu klopfen.
Wer bist du!“ brüllte er, „bist du eine der bösen Hexen, die alles was schön ist, zerstören wollen!“
Ich schnappte empört nach Luft.
Was bildete sich dieser Flegel eigentlich ein?
Ich eine böse Hexe!
Ich spürte, wie die Wut langsam wieder in mir hoch kroch und meine Umgebung sich gequält duckte und der See unruhige Wellen warf.
Plötzlich packte mich dieser Flegel, warf mich über seine Schulter und versank mit mir im See.
Das Wasser war schwarz vom aufgewühltem Schlamm.
Ich konnte einige Fische sehen, die verzweifelt versuchten vorwärts zu kommen.
Nixenfrauen und Nixenmänner klammerten sich verzweifelt an einen Felsen und der Kristallpalast
wankte und die Kristalle klirrten wie tausend misstönende Glocken.
Dies Alles hatte meine Wut angerichtet.
Der Wassermann setzte mich auf einen Stuhl, verschränkte die Arme und musterte mich finster.
Ich versuchte tief durchzuatmen und meine Gefühle zu kontrollieren.
Langsam wurde alles um mich herum ruhiger und der Palast hörte auf zu wanken.
Das Klirren der Kristalle wurde immer leiser, das Wasser hörte auf Wellen zu schlagen und wurde wieder klarer, da der Schlamm sich senkte.
Seepferdchen, Fische und Schildkröten schwammen ziellos durcheinander und die Nixen lehnten erschöpft an dem Felsen.
Ich bekam ein schlechtes Gewissen.
Alles war meine Schuld!
Beschämt schloss ich die Augen.
Was ist mit dir? Ist dir übel?“ hörte ich den Wassermann besorgt fragen.
Hier trink das!“
Misstrauisch beäugte ich das grünliche Zeug, das in dem Glas blubberte.
Was ist das?“
Algensaft, er beruhigt,“ grinste er und zwinkert mir frech zu.
In diesem Moment war es um mich geschehen.“
lachte Perlweiß.
Ach wie romantisch,“ seufzt Lucinda,“ bist du seitdem nicht mehr wütend geworden?“
Oft! Aber ich versuche mich zu beherrschen bis ich durch den Tunnel ins offene Meer gelange, dort kann ich nicht soviel Schaden anrichten und unser See bleibt verschont.“
Die beiden Frauen kichern vergnügt.
Nun will ich dich aber über die Gefahren hier unter Wasser aufklären.
Du bist ja sehr behütet aufgewachsen und noch keinem bösem Menschen begegnet,“ meint Perlweiß wieder ernst werdend.
Hier unter Wasser sind es die Piraten und bösen Menschen aus den untergegangenen Schiffen.
Du weißt die Seele stirbt nicht und wenn ein Schiff untergeht wird Algengrün verständigt.
Er prüft die Ertrunkenen.
Die guten Seelen dürfen sich aussuchen in welcher Gestalt sie im Wasser leben möchten und die bösen Seelen müssen ihre menschliche Gestalt behalten und werden in das Gebiet der Meerhexe verbannt.
Sie können das Wasser nie mehr verlassen und dürfen auch unser Gebiet niemals betreten.
Leider gelingt es manchmal, dass einige von ihnen sich einschleichen.
Deshalb sind Algengrün und Meeresheld ständig unterwegs, um die Grenzen zu kontrollieren.
Darum passe auf wenn du unterwegs bist.
Hier im See bist du in Sicherheit, aber schwimme niemals allein durch den Tunnel.“
Lucinda nickt.
Meeresheld hat mir ein Amulett geschenkt, es soll mich beschützen.“
Ja, vor dem Ertrinken, du darfst es niemals verlieren.
Du bist ein Menschenkind und kannst nur mit dem Amulett hier unten leben.
Aber nun genug von ernsten Dingen.
Komm wir sehen mal was Seeröschen macht und wegen den Nixen ärger dich nicht.
Sie sind verspielt, albern aber herzensgut!“




Donnerstag, 21. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 7



Ein zärtliches Lächeln liegt auf ihrem Gesicht.
Ja, mein Vater ist der Zauberer Hokuspokus und sein Schloss liegt mitten im Wald auf einem Berg, weit und breit kein Wasser.
Ich wäre Algengrün nicht begegnet, wenn mich meine Tante nicht eingeladen hätte.
Ich war froh, denn ich langweilte mich schrecklich zu Hause.
Mein Vater ist ja mehr Gelehrter als Zauberer und seit meine Mutter ins andere Reich gewechselt ist
wurden keine Feste mehr gefeiert.
Vater, der sehr traurig über Mamas Tod war vergrub sich nur noch hinter seinen Büchern.
Auch ich vermisste meine Mutter, aber ich war jung und wollte was erleben.“
Wie kam deine Mutter um?“
Perlweiß betrachtet traurig die Statue in der Halle, die von einem versunkenen Schiff stammt und ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit.
Es tat immer noch weh, obwohl soviel Zeit vergangen ist.
Meine Mutter war die Tochter des Windes und sie und mein Vater waren sehr glücklich.
Eines Tages, ich war noch ein kleines Mädchen, wurde ich auf einem Spaziergang von der Blitzhexe angegriffen.
Meine Mutter wollte mich beschützen und kämpfte mit der fürchterlichen Feuerhexe und wurde dabei getötet.
Ich konnte ihr nicht helfen, denn sie schickte mich weg, meinen Vater zu holen, doch wir fanden sie nur noch sterbend vor.“
Eine einsame Träne läuft über ihre Wange und Lucinda legt liebevoll ihren Arm um die Schulter.
Perlweiß lächelt.
Ich wollte dir ja erzählen, wie ich Algengrün zum ersten Mal begegnet bin.
Meine Patentante hatte mich eingeladen. Ihre Tochter ist ein dummes, boshaftes Ding, heute noch!
Ich hatte mich wieder einmal fürchterlich mit ihr gezankt und verließ schnell das Haus, bevor ich wütend wurde.“
Auf Lucindas fragenden Blick lächelt sie kläglich.
Wenn ich wütend werde, dann entsteht ringsum ein entsetzlicher Wirbel, ein Erbe meiner Verwandten den Winden.“
Lucinda lacht herzlich, es klingt wie eine helle Glocke.
Jetzt weiß ich, was der Kapitän eines Schiffes meinte, als er bei meinem Vater zu Besuch war.
Er sagte, dieses Mal hatten wir eine fürchterliche Fahrt, das ganze Meer bebte.
Die Frau des Wassermannes hat wieder schlechte Laune.“
Perlweiß lacht und ihre Augen funkeln.
Manchmal kann ich mein verflixtes Temperament nicht zügeln, doch nun zurück zu meiner ersten Begegnung mit Algengrün.
Ich lief also hinab zum See, um mich bogen sich die Bäume, Gräser und Blumen lagen flach, vom Wind gepeitscht.
Ich merkte es nicht.
Am See angekommen, lehnte ich mich an einen Baum und versuchte mich zu beruhigen.
Doch immer wenn mir die verletzenden Worte meiner Kusine wieder in den Sinn kamen, wallte die Wut erneut in mir auf.
Das Wasser des Sees kräuselte sich und warf wilde Wellen, die über das Ufer schwabbten.
Ich merkte es nicht, so sehr war ich von meinen wütenden Gedanken beherrscht.
Plötzlich stand ein Mann vor mir und funkelte mich zornig an.
Bist du von Sinnen,“ brüllte er, „ mein Palast bricht bald auseinander und meine Untertanen wirbeln hilflos im Wasser.“
Mit offenem Mund starrte ich ihn an und meine Wut war plötzlich verflogen.
Im Gegenteil, ich verspürte einen furchtbaren Lachreiz und prustet auch schon los.



Mittwoch, 20. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 6



Durch einen schmalen Felsenspalt gelangen sie hinaus aufs offene Meer.
Hier ist die Welt unter Wasser noch bunter.
Teppiche aus Seeanemonen, winzige Muscheln, leuchtend blühende Pflanzenstränge und Seesterne bedeckten die Steine, Mauerwerke und untergegangene Schiffe.
Ein Schwarm silbrig-brauner Fische huscht aus einem Seegrasgestrüpp.
Ein scharlachroter Fisch schoss unter einem Felsen hervor.
Eine Schildkröte paddelte träge an ihnen vorbei.
Als sich aus einem Loch im Riff ein dicker grantig ausschauender Kopf mit einem großen Maul heraus schob, klammert sich Lucinda voller Angst an ihren Mann.
Meeresheld lacht, „ das ist doch nur ein Zackenbarsch!“
Mit einer Handbewegung verscheucht er den Fisch.
Durch die Felsenspalte schwimmen sie zurück in den friedlichen See.
Im Kristallpalast erzählt Lucinda mit leuchtenden Augen von ihrem Ausflug und den Herrlichkeiten, die sie gesehen hat.
Perlweiß und Seerose lauschen lächelnd und auch Meeresheld betrachtet seine Frau voller Stolz und Liebe.
Nur Algengrün meint stirnrunzelnd:
Unsere Welt ist wunderschön, aber auch voller Gefahren, also verlasse niemals alleine den See durch die Felsenspalte.“
Lucinda errötet und alle Freude verschwindet aus ihrem Gesicht.
Sie fürchtet sich etwas vor dem strengen Wassermann.
Meeresheld will zu seiner Frau eilen, doch Algengrün verlässt den Raum und fordert ihn auf, ihm zu folgen.
Perlweiß setzt sich neben Lucinda und legt ihr den Arm um die Schultern.
Algengrün ist manchmal barsch, aber er meint es nicht so. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben.“
Die junge Frau lächelt schüchtern.
Merkt man das so deutlich?“
Perlweiß schmunzelt.
Mit den Gefahren hat er allerdings recht. Nicht alle Bewohner in der Unterwasserwelt sind freundlich.
Im schwarzen Meer wohnt Drisulla, die Meerhexe.
Sie hat alle untergegangenen Piraten um sich versammelt. Eine böse Bande, wehe dem der denen in die Hände gerät.
Aber keine Angst, solange du die Grenze nicht überschreitest kann sie dir nichts anhaben.“
Lucinda seufzt.
Ich muss noch soviel lernen, alles ist mir so fremd und ich möchte Meeresheld doch eine gute Frau sein.
Ach, ich vermisse meine Eltern und meinen Bruder.“
Perlweiß gibt ihr einen Kuss auf die Wange.
Du kannst deine Eltern jederzeit besuchen und du wirst sehen mit der Zeit wirst du dich in der Unterwasserwelt wie zu Hause fühlen.
Auch ich musste mich erst eingewöhnen und bei meinem Temperament war das gar nicht so einfach.“
Neugierig sieht Lucinda ihre Schwiegermutter an.
Dein Vater ist doch der Zauberer Hokuspokus, wie hast du Algengrün eigentlich kennengelernt?“
Perlweiß lehnt sich zurück und dreht gedankenverloren an ihrem Ring.




Dienstag, 19. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 5




Es war eine wunderschöne Hochzeitsfeier und Lucinda schwebte im siebten Himmel.
Wie gut Meeresheld in seiner Uniform aussah und wie viel Liebe in seinen Augen leuchtete.
Alle Erd-Luft- und Wassergeister waren zu dem Fest geladen.
Spät in der Nacht geleitete die ganze Gesellschaft das Brautpaar zum See hinunter.
Königin Sonja umarmte ihre Tochter mit Tränen in den Augen und auch König Winfried fiel der Abschied von seinem Sonnenschein schwer.
Erkan klopfte Meeresheld kräftig auf die Schulter, drückte Lucinda brüderlich und zwinkert Seerose zu, die zart errötete.
Dann verschwanden die Wassergeister im See.
Wie staunte Lucinda, als sie das Kristallschloss sah, das im Mondlicht funkelte und glitzerte.
Es schien, als würde der Mond, der durch die Wasseroberfläche drang, sich ganz besondere Mühe geben.
Stolz führte der Wasserprinz seine junge Frau durch das Schloss.

Am nächsten Morgen, als Lucinda die Augen aufschlägt, muss sie erst überlegen, wo sie sich befindet.
Sie hört leises Kichern und Wispern und bemerkt einige Nixen, die anmutig durch das Zimmer gleiten, ihre Kleider hoch heben und staunend betrachten.
Als sie bemerken, dass sie wach ist, kommen sie ans Bett und berühren ihr Nachthemd und zerren an ihren Locken.
Wütend setzt Lucinda sich auf und schlägt mit beiden Händen nach den lästigen Geschöpfen.
Diese weichen etwas zurück und lachen, wispern und kichern noch mehr.
Lasst sie in Ruhe und verschwindet!“
Meeresheld betritt den Raum und die wunderschönen Nixen gleiten aus dem Zimmer, nicht ohne ihm schelmisch zuzuzwinkern.
Der Wasserprinz schüttelt lachend den Kopf, dann wendet er sich an seine Frau und sein Lächeln wird zärtlich.
Guten Morgen, meine wunderschöne Liebste.“
Lucinda verzieht schmollend den Mund.
Warum hast du mich allein gelassen mit diesen albernen Geschöpfen?“
Meeresheld gibt ihr einen Kuss.
Sie meinen es nicht böse. Sie sind nur furchtbar verspielt und Lachen gern.“
Wo sind meine Kleider, ich möchte mich anziehen,“ mault Lucinda noch immer nicht versöhnt.
Doch ihr Mann lacht nur.
Liebste, deine Kleider haben wir im Schloss deines Vaters gelassen.“
Als seine Frau wütend werden will, legt er ihr den Finger auf den Mund.
Scht, mein kleiner Trotzkopf, deine Kleider wären hier im Wasser nicht geeignet. Komm ich zeige dir etwas.“
Er nimmt ihre Hand und zieht sie ins Nebenzimmer.
Der Raum ist voller wunderschöner Kleider, Tüchern, Umhängen, Schuhen, eben alles, was eine Prinzessin braucht, um noch schöner zu sein.
Seerose lächelt ihr entgegen.
Guten Morgen Lucinda, ich helfe dir beim Ankleiden, bis du dich an die Nixen gewöhnt hast.
Später kannst du dir eine der Nixen als Zofe auswählen.“
Meeresheld gibt seiner Frau einen Kuss, dann lässt er die Beiden allein.
Fröhlich plaudern suchen sie unter all der Pracht ein lavendelfarbenes Kleid aus.
Seerose zaubert aus Lucindas Locken eine schöne Frisur, dann wandern sie Arm in Arm durch den Palast.
Lucinda ist tief beeindruckt von alle der Schönheit unter Wasser, von der man nichts ahnt, wenn man am Ufer des Sees steht.
Später treffen sie Perlweiß, Algengrün und Meeresheld im Speisesaal und nach einem wohlschmeckendem Frühstück zeigt der junge Prinz seiner Gemahlin die Welt unter Wasser.




Montag, 18. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 4








Erkan sitzt auf der Kante des Schreibtisches und lässt seine Beine baumeln.
Lucinda lehnt auf dem Sofa und streichelt gedankenverloren ihre weiße Katze.
Was willst du tun, wenn ein anderer als Meeresheld den Ring findet. Du liebst ihn doch?“
Lucinda errötet und will es abstreiten, doch sie hat noch nie ein Geheimnis vor ihrem Bruder gehabt.
Ja, ich liebe ihn, aber keine Angst, den Ring kann nur er finden.“

Meeresheld schlendert gedankenverloren hinunter zum See und setzt sich ans Ufer.
Goldene Sonnenstrahlen spiegeln sich in der Wasseroberfläche.
Eine Libelle schwirrt über einem Seerosenblatt und lauert auf Beute.
Ein dicker Frosch hat es ebenfalls auf die Fliege abgesehen, patscht aber daneben und plumpst ins Wasser.
Die Libelle fliegt enttäuscht davon.
Blasen steigen im Wasser auf und Seeröschen taucht auf.
Sie setzt sich neben ihren Bruder.
Hast, du Erfolg gehabt?“
Der junge Mann seufzt.
Ach, Röschen, ich weiß es nicht. Manchmal denke ich, sie liebt mich, dann behandelt sie mich wieder so kalt!“
Einen Moment ist Seerose böse auf Lucinda, weil sie ihren Bruder so leiden lässt, doch dann siegt ihr gutes Herz.
Es wird schon alles gut,“ tröstet sie.
Eben nicht,“ stöhnt Meeresheld, „sie hat uns eine Aufgabe gestellt.
Wir sollen den Ring ihres Großvaters suchen und wer ihn findet, den wird sie heiraten.“
Hm und da hast keine Ahnung...?“
Sie hat mich so seltsam angesehen, als wollte sie mir etwas mitteilen.“
Natürlich!“ ruft Seerose, „sie wollt dir zu verstehen geben, das sie den Ring so versteckt hat, dass nur du ihn finden kannst.“
Wie kommst du darauf?“
Ich habe sie gestern am Ufer gesehen.“
Meeresheld springt auf, umarmt seine Schwester und hechtet in den See.
Umgeben von vielen Fischen, die ihn herzlich begrüßen gleitet er durch das Wasser.
Schnell erklärt er seinen kleinen Freunden, was er sucht und sie schwärmen aus, um ihm zu helfen.
Meeresheld sucht den Boden ab, hebt jeden Stein und untersucht jeden Algenstrauch.
Plötzlich taucht Seerose auf und deutet ihm, ihr zu
folgen.
Sie schwimmen zu einer kleinen Höhle, in der die Muschel Maxim wohnt.
Mit bitterbösem Blick beobachtet sie wie die beiden Geschwister näher kommen.
Ich vermute, dass sie den Ring hat, „ flüstert Seerose.
Maxim, ich glaube, du hast etwas was mir gehört, würdest du es mir bitte geben,“ fordert Meeresheld freundlich.
Maxim schüttelt trotzig den Kopf und presst die Muschelschalen fest zusammen.
Unbemerkt schwimmt Seerose heran und kitzelt die Muschel mit einem Bund Seegras.
Diese kichert und dabei öffnen sich die Schalen und Meeresheld nimmt blitzschnell den Ring heraus.
Verfolgt von Maxims wütendem Kreischen verlassen sie die Höhle.

Am späten Abend nach einem festlichen Gelage erhebt sich Lucinda mit klopfendem Herzen.
Bang huscht ihr Blick zu Meeresheld.
Hatte er den Ring gefunden?
Doch dieser sitzt mit unbeteiligtem Gesicht zwischen den jungen Männern.
Lucinda seufzt leise und fragt mit zitternder Stimme.
Meine Herrn, hat jemand von ihnen den Ring gefunden?“
Nein, nein, wir konnten ihn nirgendwo entdecken,“
rufen alle durcheinander.
Meeresheld erhebt sich, schlängelt sich durch die Reihen, kniet vor der Prinzessin nieder und reicht ihr den Ring.
Lucinda strahlt.

Am nächsten Morgen verlassen die jungen Edelmänner das Schloss.

Sonntag, 17. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 3




So vergingen die Tage.
Die jungen Männer vergnügten sich mit Spielen, Essen und Trinkgelagen.
Meeresheld beteiligt sich nicht an an lärmenden Spielen.
Still und unaufdringlich umwirbt er seine große Liebe.
Immer wieder findet Lucinda neben ihrem Teller
eine hübsche Muschel oder Seerose.
Und wenn sie den Kopf hebt und den edlen Spender sucht, sieht sie seine strahlenden Augen voller Liebe und Zärtlichkeit und ihr wird ganz eigen ums Herz,
Es ist ihr selbst noch nicht bewusst, doch auch sie liebt ihn.
Wenn sie im Park mit ihren Freundinnen und dem Hund Bobby herum tollt, lehnt Meeresheld an einem Baum und schaut ihnen zu.

So vergeht die Woche.
Lucinda hat schon längst bereut, dass sie eine Aufgabe stellen will.
Doch sie muss Wort halten.
Auf einmal hat sie eine Idee und wenn sie gelingt, dann wird Meeresheld der Sieger sein.
Die jungen Männer haben sich im Saal versammelt.
Eine vergnügte Woche liegt hinter ihnen mit Ritterspielen und Zecherei.
Keiner hat einen Gedanken an Lucinda verschwendet.
Doch als sie nun zusammen mit ihren Eltern den Saal betritt, da geht ein Aufatmen durch die Reihen.
Die Prinzessin ist wunderschön.
Meeresheld lehnt etwas abseits an einer Säule und betrachtet versonnen das liebliche Mädchen.
Zwei Diener tragen ein Bild in den Saal auf dem ein alter Herr mit langen grauen Haaren, königlich gekleidet, zu sehen ist.
Dies ist mein Großvater, König Egmund. Wie sie sehen trägt er einen Siegelring mit unserem Wappen.
Diesen Ring ließ ich verstecken im Umkreis von zehn Kilometern.
Wer ihn binnen 24 Stunden findet, den nehme ich zum Mann.“

Der König und die Königin stehen oben am Fenster
und betrachten belustigt die jungen Männer.
Sieh sie dir an! Sie balgen sich wie junge Hunde.
Ihnen ist das Spiel wichtiger, als unsere Tochter.
Und einen von ihnen soll ich meinen Sonnenschein anvertrauen.“
König Winfried seufzt.
Königin Sonja legt ihm die Hand auf den Arm.
Liebster, dir wird nie ein Mann gut genug sein für deine Tochter.
Doch einmal musst du sie hergeben.
Hast du den Sohn des Wassermannes beobachtet.
Ein ernster junger Mann und er liebt unser Mädchen.
Aber lassen wir den Dingen ihren Lauf.“




Samstag, 16. Februar 2013

Der Sohn des Wassermannes Teile 2





Als der letzte Freier sich vorgestellt hat, erhebt sich die Prinzessin.
Mit freundlichen Worten bedankt sie sich bei den Gästen.
Sie werden sicher verstehen, dass ich noch keine Entscheidung treffen kann, da wir uns noch nicht so gut kennen.
Ich heiße sie als Gäste meines Vaters herzlich willkommen und werde nach Ablauf einer Woche eine Aufgabe stellen und wer diese löst, wird mein Gemahl.“
Hurra! Es lebe die Prinzessin!“ jubeln die jungen Männer und heben ihre Weinpokale.
Stolz betrachtet der König seine Tochter und tauscht einen lächelnden Blick mit seiner Frau.
Lucinda aber wirft einen verstohlenen Blick zu Meeresheld.
Wie männlich er aussah, ihr Herz beginnt zu klopfen und als sich ihre Blicke begegnen, errötet sie heftig.
Prinz Erkan beobachtet dies schmunzeln und beschließt den Wasserprinzen näher kennenzulernen.
Er schlendert scheinbar ohne Ziel durch den Saal, bleibt bei einem Freund stehen, begrüßt einen Fürst aus dem Nachbarland und lacht herzlich über die etwas derben Witze der jungen Männer.
Meeresheld hält sich etwas abseits.
An den Kamin gelehnt betrachtet er das fröhliche Treiben ringsum.
Immer wieder aber sucht sein Blick die heimlich Geliebte.
Erkan hat nun den Wasserprinzen erreicht.
Nun gefällt es dir?“
Meeresheld lächelt ihn freundlich an.
Er hat auch Erkan aufwachsen sehen und ihn oft durch seine Kristallkugel beobachtet und weiß, dass er ein netter Junge ist, der seine Schwester aufrichtig liebt.
Und dann fragt er voller Vertrauen:
Erkan, ich liebe Lucinda, denkst du denn, dass ich überhaupt eine Chance habe?“
Der junge Prinz klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter.
Er deutet auf die lärmenden jungen Männer, die immer wieder die Weinflasche kreisen lassen und dabei lauter und derber werden.
Der König und sein Frau haben zusammen mit Lucinda den Saal bereits verlassen.
Siehst du, sie sind jung, fröhlich, übermütig, aber keiner liebt Lucinda wirklich.
Die einen lieben ihre große Schönheit, die anderen die Macht, die eine Heirat mit einer Königstochter bringt und wieder andere sind auf ihre große Mitgift angewiesen.
Nur in deinen Augen habe ich die aufrichtige Liebe zu meiner Schwester gesehen.“
Meeresheld nickt.
Ich liebe sie, seit ich sie das erste Mal sah.“
Erkan denkt, hoffentlich ist meine verwöhnte kleine Schwester klug genug und wählt Meeresheld.
Komm, wir gehen in den Garten und üben mit den Waffen, das bringt dich auf andere Gedanken.“
Die beiden jungen Männer bieten ein prachtvolles Bild, als sie mit dem Florett üben.
Listigerweise hat  Erkan es so eingerichtet, dass sie direkt unter dem Fenster von Lucinda fechten.
Er kennt seine Schwester.
Versteckt hinter dem Vorhang beobachtet die Prinzessin mit leuchtenden Augen wie geschickt Meeresheld den Degen führt.
Er ist der einzige der Freier, der ihr Herz zum klopfen bringt und sie bereut, dass sie eine Aufgabe stellen will.
Wenn nun ein anderer als Meeresheld diese Aufgabe löst?
Nicht wahr, ein hübscher junger Mann? Und er liebt euch.“
Leise war die alte Kinderfrau herein gekommen und auch sie beobachtet die beiden jungen Männer.
Pah!“ meint Lucinda schnippisch und lässt sich auf das Bett fallen.
Er muss erst einmal beweisen, dass er mich verdient hat!“
Kind, Kind!“ tadelt die alte Frau.