Freitag, 31. Mai 2013

Das Hohnsteiner Kasperle


Bestimmt seid ihr auch als Kind vor einem Kasperletheater gesessen und habt mit gezittert, wenn der böse Räuber, die Hexe oder das Krokodil dem Kasperle übel wollten.
Ab und zu kommt im Fernsehen noch eine Aufführung des österreichischen Kaspertheaters und wenn die Kamera dann auf die Kinder schwenkt, das ist einfach zum Niederknien schön.
Wie sie mitfiebern, die einen kämpferisch, die anderen ein wenig ängstlich und manche warnen auch lautstark das Kasperle.


 




















Das älteste Kasperle dürfte wohl das Hohnsteiner Kasperle sein.
1921 wanderte Max Jacob aus Hartenstein im Erzgebirge mit den Puppen im Rucksack durch die Gegend und führte seine Stücke vor.
Dann wurden er und sein Kasperle sesshaft und zwar auf der Burg Hohenstein in der Sächsischen Schweiz.
Das war 1928.
Wenige Jahre später und zwar 1936 wurde er für den Film entdeckt und trat in 30 Filmen auf, das Kasperle nicht der
Max.
Auf der Weltausstellung 1937 in Paris erhielt er sogar eine Goldmedaille.
Dann kam der Krieg und Max und sein Kasperle beschlossen, den Soldaten ein bisschen Freude zu schenken.
Doch dann war alles zerstört und auch einem Kasperle vergeht manchmal wegen der Dummheit der Menschen das Lachen.
Doch 1945 beschloss er mit seinem Freund Max Jacob in Hamburg wieder neu anzufangen.
1949 war das Kasperle der erste deutsche Künstler, der nach Schweden eingeladen wurde.
Und 1971 feierte er das 50jährige Bühnenjubiläum.
Menschen kommen, Menschen gehen, aber so ein Kasperle mit seinem Lachen bleibt für immer.

Morgen erzähle ich euch eine kleine Geschichte vom Kasperle Hieronymus, die ich geschrieben habe.

Mittwoch, 29. Mai 2013

Der Schmetterling (Gedicht)






Es regnet und regnet, als käme bald die nächste Sintflut.
Das könnte einem wirklich auf das Gemüt schlagen, wenn wir es zu ließen, aber das machen wir  nicht.
Was hat eine Schulfreundin mir einmal ins Poesiealbum geschrieben?

"Hab`Sonne im Herzen,
Ob`s stürmt oder schneit
Ob der Himmel voll Wolken
Die Erde voll Streit
Hab`Sonne im Herzen,
Ob`s stürmt oder schneit
Dann komme was mag
Es leuchtet voll Licht dir 
den dunkelsten Tag

Erst viel später habe ich erfahren, dass dies 
die erste Strophe eines Gedichts von 
Cäsar Flaischlein (1864-1920) ist.

Um Euch ein bisschen aufzuheitern habe ich in meinem Schatzkästlein gekramt und und nach einem heiteren Gedicht von Frau Ammerich  gesucht.
Und was kann schöner und heiterer sein als ein bunter Schmetterling, der von Blume zu Blume gaukelt.





Der Schmetterling



Einem kleinen bunten Falter
Schaut ein junges Mädchen zu
Wie er sorglos und auch heiter
Hier und her schwebt ohne Ruh
All die Blumen, die da blühen
Laden ihn zum Rasten ein
Wie kann er da widerstehen
In dem Duft und Sonnenschein
In dem Rausch des jungen Lebens
Fliegt er um die Blumen hin
Sollen sie doch nicht vergebens
Auf ihn warten, für ihn blüh`n
Kannst du kosen, kannst du flirten
Schmetterling, du kleiner Wicht
Aber meinem Herzgeliebten
Möcht`ich so was raten nicht
Ich will nicht mit anderen teilen
Dazu brauch ich keinen Mann
Der da meint, dass nach Belieben
Überall er küssen kann.“
Ganz verwundert schaut der Falter
Auf die junge schöne Maid:
Ach was seid ihr Menschen komisch,
Ihr tut mir wahrhaftig leid.
Soll ein Mann in seinem Leben
Eine Blume küssen nur?
Treue tun sie alle schwören
Aber keiner hält den Schwur!“

E. Ammerich




Montag, 27. Mai 2013

Als meine Schwester einmal einen Hund retten wollte ( Erinnerungsgeschichte )





Hinter dem Haus, in dem wir damals wohnten war ein langgezogener Garten in dem wir Kinder spielen durften.
Eines Tages wurde am oberen Ende ein Zwinger gebaut und eine schöne Schäferhündin mit dem
Namen Bella zog dort ein.
Meine Schwester Karin war eine absolute Hundefreundin und vollkommen begeistert.
So oft es ihre Zeit zuließ besuchte sie den Hund und ich, die ja immer an ihren Fersen klebte, war dabei.
Doch während meine mutige Schwester in den Zwinger ging, blieb ich lieber draußen.
Wir waren damals zehn und fünf Jahre alt und der ängstlichen kleine Norle kam so ein Schäferhund riesig vor.
Leider wussten wir nicht, dass die alte Magd, die den Hund versorgen sollte, öfter mal vergaß den armen Kerl zu füttern.
Wir hätten bestimmt etwas unternommen.
In den Sommerferien fuhren wir mit unseren Eltern ins Saarland, der Heimat meiner Mutter.
Als wir zurück kamen, erfuhren wir, dass sich Bella durch den Zwinger gegraben hatte und ausgebüxt
war.
Natürlich besuchten wir sie sofort und sie freute sich sichtlich.
Jeden Tag liefen wir nun hinauf zu Bella und nahmen auch unsere Spielkameraden mit, die alle ohne Angst in den Zwinger gingen und oft ihr Butterbrot mit dem Hund teilten.
Nie hat die schöne Bella uns ein Leid getan.
Die Ferien gingen zu Ende und ich wurde eingeschult.
Statt draußen zu spielen saß ich nun in der Küche mit sorgenvoller Miene vor meiner Schiefertafel, den Griffel krampfhaft haltend und versuchte den
störrischen Buchstaben Ordnung bei zu bringen.
Aber immer wieder verspotteten sie mich.
Einmal neigten sie sich nach links oder sie begannen vor Lachen zu zittern und wurden ganz krumm.
Und immer wieder kam der unerbittliche nasse Schwamm in der Hand meines Vaters und wischte die Unholde wieder weg und meine Qual begann von vorne.


Auch Karin musste viel lernen, denn in puncto Schule war mein Vater sehr streng.
So hatten wir wenig Zeit für Bella und eines Tages grub sie sich wieder unter dem Zwinger durch.
Und auf ihrem Streifzug durch die Gegend biss sie eine Frau.
Das war das Todesurteil für Bella.
Und mein Vater wurde zum Henker bestimmt.
Da er Polizist war und der Hund unserem Vermieter gehörte, wurde auf der Gemeinde
beschlossen, dass er ihn erschießen soll.
Als wir davon hörten, fingen wir an zu weinen und flehten unseren Vater an, den Hund doch zu verschonen.
Aber er schüttelte nur den Kopf und meinte, es täte ihm selber leid.
Bella wäre so ein schönes Tier, aber sie sei eine Streunerin und hätte eine Frau angefallen und wäre deshalb eine Gefahr.
Karin aber handelte.
Zusammen mit ihrem Freund Josef entführte sie den Hund und versteckte ihn.
Mir erzählte sie nichts davon, denn sie wusste, dass ich nicht lügen konnte und wenn unsere Eltern zu bohren anfingen, dann bekamen sie alles aus mir heraus.
Vati ahnte, dass Karin den Hund versteckt hatte, aber diese hielt dicht.
Die Polizisten und einige Knechte durchkämmten die Gegend und natürlich fanden sie Bella und ein kurzer Schuss beendete ihr Leben.
Wir schmollten und redeten längere Zeit nicht mehr mit meinem Vater.
Meine Schwester aus Wut und Trotz und ich aus
Solidarität zu Karin.

Dieses Bild von seinem Hund Laky wurde  mir freundlicherweise von Werner Ganter zur Verfügung gestellt.




Donnerstag, 23. Mai 2013

Der Märchenkönig und Richard Wagner

Zum 200 Geburtstag Richard Wagners möchte auch ich ein wenig von dem großen Komponisten berichten und zwar seine Beziehung zu Bayern.





Der bayrische Kabinettssekretär Franz Seraph von Pfistermeister verließ am 14. April 1864 die Hauptstadt München mit einem schwierigen Auftrag.
Er sollte Richard Wagner zu König Ludwig II.
bringen.
Doch das war gar nicht so einfach, denn der Komponist war vor seinen Gläubigern aus Wien geflohen.
Erst zwei Wochen später fand ihn der Beauftragte des Königs in Stuttgart und brachte ihn am 3. Mai nach München.
Am Nachmittag des 4. Mai kam es dann zu der ersten Begegnung des 51jährigen Komponisten und dem 18jährigen König.
Noch am gleichen Tag schreibt Richard Wagner
an eine Freundin:

Sie wissen, dass mich der junge König von Bayern aufsuchen ließ.
Heute wurde ich zu ihm geführt.
Er ist leider so schön und geistvoll, seelenvoll
und herrlich, dass ich fürchte sein Leben müsse wie ein flüchtiger Göttertraum an dieser gemeinen Welt zerrinnen.
Er liebt mich mit der Innigkeit und Glut der ersten Liebe und weiß alles von mir.
Von dem Zauber seines Auges können sie sich keinen Begriff machen.
Wenn er nur leben bleibt.“

Man hat Richard Wagner oft als Scheusal bezeichnet, doch dies sind nicht die Worte eines Scheusals.




Am 1o. Juni 1865 wird im Hof und Nationaltheater in München die Oper
Tristan und Isolde „ aufgeführt.
11 Jahre hat der Komponist darauf gewartet.
Nachdem erst in Karlsruhe und Wien die Uraufführung nicht zustande kam, hatte nun München die Chance für 56 500 Gulden.
Auch plante Ludwig ein Theater für seinen verehrten Freund zu bauen wofür der
Architekt Gottfried Semper die Pläne zeichnete.
Doch die Münchner wehrten sich gegen das
5 Millionen teure Wagner-Theater.
Der König gab auf.


Richard Wagners Zeit in München war nur von kurzer Dauer.
Schon lange war er den Münchnern ein Dorn im Auge.



Die teuren Geschenke, die Ludwig ihm machte, das Haus das er ihm mietete und
dann auch noch das geplante Theater passte den Münchnern gar nicht.
Doch als Richard Wagner begann sich auch noch in die bayrische Politik einzumischen, musste der König seinen Freund bitten das Land zu verlassen.
Aber er ließ ihn nicht im Stich.
Er schickte ihm Geld, damit er den
Ring der Nibelungen“ beenden konnte.
Das Theater wurde nun in Bayreuth gebaut.
Am 22.4. 1872 wurde unter strömendem Regen der Grundstein gelegt.
Da weder Bismarck noch der Kaiser sich sonderlich interessiert zeigten, scheiterte der Bau beinahe an Geldmangel.
Und wieder war es Ludwig, der dem Freund aus der Patsche half.
Er schickte 100 000 Taler.



Am 13.8.1876 werden mit der Oper„Rheingold“
die Bayreuther Festspiele eröffnet.
Hinter der Bühne aber saß Richard Wagner in seinem Zimmer und weigerte sich vor das
applaudierende Publikum zu treten, denn zu viele peinliche technische Pannen waren während der Aufführung passiert.
Obwohl die ersten Festspiele mit viel Erfolg und Applaus stattfanden, so endeten sie doch
mit 148 000 Talern Schulden.
Und wieder war es Ludwig der half.

Richard Wagner starb am 13.2.1883 in Venedig an Herzversagen.
Als König Ludwig vom Tod seines Freundes erfährt kann er mit Recht sagen:
Den Künstler, um den die ganze Welt jetzt trauert habe ich zuerst erkannt und der Welt gerettet.“




Mittwoch, 22. Mai 2013

Schiff Ahoi ! Gedicht


Meine Tochter arbeitet in Berlin in einem evangelischen Kindergarten und während der Kirchentage in Hamburg hat sie sich als freiwillige Helferin gemeldet.
Am letzten Tag, bevor sie nach Hause fuhr schickte sie mir mit Handy dieses Bild.





Es ist die Cap San Diego, die als Museumsschiff am Hamburger Hafen steht.
Da kam Heimweh auf bei meinem Mann und mir, denn die ersten Jahre unserer Ehe ist er noch zur See gefahren.
Und zwar mit dem Schwesterschiff Cap San Augustin und immer wenn das Schiff am Hamburger Hafen auf Reede ging, dann habe ich ihn besucht.
Ach was waren wir verliebt damals und wie schön war das Wiedersehen.
Schön ist die Jugendzeit.
Wie ich ein bayrisches Mädel aus der tiefsten Provinz einen Seemann kennenlernte, das werde ich Euch irgendwann mal erzählen.

Doch nun habe ich ein passendes Gedicht aus meinem Schatzkästlein für Euch.





Schiff   Ahoi  !


In die Ferne zieht`s den Knaben
In die Weite auf das Meer
Mutter! Seemann möcht ich werden
Junge mach mir das Herz nicht schwer
Nimmer könnte ruhig ich schlafen
Wüsst ich dich im Sturmgebraus
Soviel Schönes magst du lernen
Geh nicht auf das Meer hinaus
All ihr Reden ist vergebens
Gräm dich nicht lieb Mütterlein
Sei getrost, denn eines Tages
Werd ich wieder bei dir sein
Bei der Mutter Abschiedstränen
Wie wird ihm so bang zu Mut
Und so weh ist ihm zu Herzen
Und so jung sein Blut
Doch der Anker ist gelichtet
Und das Schiff auf hoher See
Lustig singen die Matrosen
Liebchen lebe wohl – Ade -
In der Runde froher Zecher
Bald das Heimweh er vergisst
Leerte manchen vollen Becher
Hat manch roten Mund geküsst
In der Heimat jeden Abend
betet fromm ein Mütterlein
Lieber Gott, tu ihn behüten
Wo mag jetzt mein Junge sein
Viele bunte Kartengrüße
Aus der Welt so bunt und schön
Doch sie seufzt, wenn statt der Karten
Nur der Junge einmal selber käm
Doch es zieht ihn immer wieder
In die See auf große Fahrt
Ahnt nicht wie die Mutter
Voller Sehnsucht auf ihn harrt



E. Ammerich












Samstag, 18. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Ende

 

Man hatte vorher schon alles abgesprochen. Die Schafe würden möglichst viel Lärm machen und durcheinander laufen und Gina würde für Ablenkung sorgen, damit sie unbehelligt den Zug verlassen konnten.
Manu und Ninett würden sich auf den Rücken von Sultan setzen, damit sie ihm sagen konnten in welche Richtung er laufen musste und Eulenspiegel ermahnte das Ferkel noch einmal, dass es sich ja dicht bei ihm halten sollte, damit es nicht vor lauter Angst in die falsche Richtung lief.
Kurze Zeit später wurde die Tür geöffnet und sobald die Rampe heran geschoben war und mit einem Klick einrastet, springt Gina dem überraschten Mann in die Arme. Dieser taumelt rückwärts und die Schafe sausen los, hinunter auf den Bahnsteig und verteilen sich nach allen Seiten. Was für ein Spektakel. Menschen schreien und laufen aufgeregt hinter den Schafen her.Gina gibt dem Mann einen Kuss und springt fröhlich kreischend herunter. Dieser ist viel zu verdutzt und erschrocken, um ihr nachzulaufen.
Eulenspiegel aber führt seine kleine Truppe in den Wald und in die Bärenhöhle.

Erschöpft aber auch vergnügt setzen sie sich hin.
Ein Eichkätzchen kommt in die Höhle.
Kiki?” Doch dann schüttelt der Esel den Kopf.
Das Eichkätzchen war viel zu jung.
Hallo!” rief es, “ich sah euch durch den Wald laufen, wo kommt ihr denn her? Seid ihr für die Aufregung auf dem Bahnhof verantwortlich?”
Ja!” rief das Schweinchen stolz, denn es fürchtete sich nicht vor dem freundlichen rothaarigen Tier.
Wir haben einen schönen Aufstand gemacht und keiner hat uns gefangen.”
Das Eichhörnchen aber ging zu dem Esel und fragte neugierig.
Woher kennt du meinen Namen?”
Ich kannte mal eine Kiki und dachte im ersten Moment, das du es wärst.”
Ich heiße nämlich wirklich Kiki nach meiner Uroma, die leider letztes Jahr verstorben ist.”
Dann blitzt es in ihren Augen auf.
Bist du etwa Eulenspiegel?”
Als der Esel nickt, da klatscht sie begeistert in die Hände.
Uroma hat uns soviel erzählt von dir, es ist mir als würde ich dich gut kennen! Weißt du denn ,dass hier ganz in der Nähe ein riesiges Anwesen ist, das nach dir benannt wurde?”
Und das Eichkätzchen beginnt zu erzählen, von Bertls überraschenden Tod, von Patrick, Ellen, Mattias und Marianne und auch von Tobias und Trude und von der Idee einen Gnadenhof für alte und kranke Tiere zu errichten, um sie vor dem Abdecker zu retten. Das Motto des Hofes war. “ Wer den Menschen so lange treu und brav gedient hatte, verdiente es im Alter das Gnadenbrot zu bekommen und friedlich an Altersschwäche zu sterben.”
Das Eichkätzchen hält inne und grinst spitzbübisch.
Und was denkst du wie der Hof heißt?”
Der Esel sieht sie fragend an.
Pension Eulenspiegel!”
Tränen schießen Eulenspiegel in die Augen.
Man hatte ihn nicht vergessen!
Die anderen drängen sich um ihn.
Alle sind sie erleichtert, hatten sie doch einige Bedenken, ob Patrick sie alle aufnehmen würde.
Nun aber gabs kein Halten mehr. Eulenspiegel drängte das Eichkätzchen sie auf den Gnadenhof zu führen.
Am Waldrand halten sie an und schauen hinunter auf das riesige Anwesen, in den in vielen Koppeln Tiere aller Art weiden.
Nun gab es für Eulenspiegel kein Halten.
Er rief Kiki ein “Danke” zu, dann galoppierte er den Abhang hinunter. Die anderen folgten ihm langsamer.
Der Esel stürmte in den Hof und die Leute die dort beschäftigt waren blickten erstaunt hoch, doch dann löste sich ein junger Mann aus der Gruppe und beginnt zu laufen.
Eulenspiegel!” rief er und Patrick und der Esel begegnen sich nach sechs Jahren Trennung wieder und es war als wäre es gestern gewesen.
Mit Tränen in den Augen umarmt der junge Mann immer wieder den Esel. Der Lärm hat auch die anderen angelockt und nun standen sie alle um Eulenspiegel und staunten, dass er nach so vielen Jahren nach Hause gefunden hatte.
Tobias fasste nach dem Lederhalsband, das er ihm einst vor vielen Jahren gemacht hatte und meint gerührt.
Er trägt es immer noch!”
Mattias aber legt seinem Sohn die Hand auf die Schulter und deutet auf die Tiere, die abwartend stehen geblieben waren.
Eulenspiegel hat seine Freunde mitgebracht. Ich denke wir sollten uns um sie kümmern.”
Und nun bekam jedes seinen eigenen Platz.
Sultan wurde zu den anderen alten und kranken Hunden gebracht, die alle irgendwelche Beschwerden hatten und sich gegenseitig ein wenig halfen.
Das Ferkelchen wurde von den alten Schweinen sofort bemuttert und konnte sich nach Herzenslust im Schlamm suhlen und musste nie mehr Angst haben.
Manu und Ninett durften frei herum laufen und Trude hatte in der Küche immer ein Schälchen Sahne für sie bereit.
Eulenspiegel bekam einen besonderen Platz im Stall und da Gina ihm nicht von der Seite wich wurde sie neben ihm einquartiert. Ansonsten durften die beiden frei herumlaufen.
Meistens konnte man den Esel in der Nähe von Patrick finden. Gina hielt sich viel bei den anderen Tieren auf und unterhielt sie mit Geschichten aus Afrika, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte und mit dem lustigen Leben im Zirkus.
Und die alten Tiere, die nie aus ihrem Stall heraus gekommen waren freuten sich über die Geschichten aus einer bunten anderen Welt.
Am ersten Wochenende ihres Hier seins, als die Besucher mit ihren Kindern kamen ,erinnerte das Eulenspiegel und Gina an den Zirkus und sie begannen mitten auf dem Hof ihre Kunststücke und Späße vorzuführen, sehr zur Freude der Kinder.
Patrick aber schüttelte staunend den Kopf und meinte:
Ich glaube gar, du bist in einem Zirkus aufgetreten.”
Und Eulenspiegel bejahte mit einem lauten und fröhlichen “ Iahaaaaa!”
Bald sprach es sich herum, dass auf dem Gnadenhof auch Zirkustiere waren und lockte noch mehr Besucher an und füllte die Spendenkassen.
Auch kamen Anfragen von Zirkussen, die ihre Tiere aus Armut oder Alter nicht mehr behalten konnten. Und auch diese fanden in “Pension Eulenspiegel” einen Platz.
So verging die Zeit und jederTag war für Eulenspiegel ein schöner Tag.
Er erlebte wie Ellen mit ihrem Studium fertig wurde und auf dem Gnadehof zu arbeiten begann. Bei der Hochzeit von Ellen und Patrick durfte er ganz nah mit einem Blumenkranz um den Hals teilnehmen und Mattias meinte lachend, “wenn er sprechen könnte, dann würde er auch noch den Trauzeugen machen.”
Die Kinder Alexander und Sieglinde von Patrick und Ellen machten ihre ersten Reitversuche auf seinem Rücken und er sah sie heran wachsen .
Esel können ja sehr alt werden und so musste er auch Abschied nehmen von seinen Freunden.
Sultan verbrachte noch fünf wundervolle Jahre auf dem Hof, wohl die glücklichsten in seinem Leben.
Aus dem Ferkel wurde ein stattlicher Eber, der aber auch eines Tages gehen musste.
Manu und Ninett hinterließen, als sie starben viele Kinder, Enkel und Urenkel.
Leider werden auch Affen nur halb so alt wie Esel und eines Tages musste er sich auch von Gina verabschieden.
Bevor die Schimpansin starb zwinkerte sie ihm zu und flüsterte:
Ich warte im Paradies der Tiere auf dich.”
Und eines Tages fand Patrick, inzwischen selbst ein alter Mann, Eulenspiegel im Stall.
Er war still und leise für immer eingeschlafen.
Eulenspiegel bekam ein wunderschönes Grab, das mit Vergissmeinnicht bepflanzt wurde, die jedes Jahr wieder in verschwenderischer Pracht erblühten.
Neben seinem Grab wurde eine große Tafel errichtet auf dem die Geschichte des kleinen und doch so großen Esels stand, der ,der eigentliche Begründes des Gnadenhofes war und der
Pension Eulenspiegel” seinen Namen gegeben hatte.

Ende



Ich hoffe, die Geschichte hat Euch gefallen.

Ich wünsche euch ein schönes Pfingstfest, auch ich werde 

ein paar Tage Ferien machen.



Eure Märchenfee 
 

Freitag, 17. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 17


Da es zu riskant war, wenn die Schimpansin sich noch einmal im Dorf blicken ließ, wurde die Katze zum Bahnhof gesandt.
Bevor sie ging, ermahnte sie Ninett, ja nicht mehr davon zu laufen. 
Diese war viel zu eingeschüchtert, um Dummheiten zu machen und wich nicht mehr von Sultans Seite.
Es dauerte lange, bis Manu wieder zurückkehrte, aber sie brachte gute Neuigkeiten mit.
Eine Herde Schafe sollte morgen früh nach Bayern verschickt werden. 
Sie wurden heute Abend noch verladen und sie könnten mitfahren. Die Schafe hatten nichts dagegen.
Das einzige Problem bestand darin, wie sie in den Waggon kamen.
Eulenspiegel meinte: “Kommt Zeit, kommt Rat, wir finden eine Lösung. Ruht euch jetzt aus, heute Abend müssen wir munter sein.”
Sie legten sich ins Gras und lauschten den Geschichten , die der Esel noch von Patrick kannte.
Als es dämmerte, macht sich die kleine Gesellschaft auf den Weg zum Bahnhof.
Die Schafe sind nicht mehr in der Koppel und der Bahnhof liegt verlassen da.
Sie marschieren zum Viehwaggon und Gina springt auf den Rücken von Eulenspiegel und versucht den Riegel zurückzuschieben. Er sitzt ziemlich fest und sie muss es mehrmals versuchen. Endlich gibt er nach und rutscht nach hinten.
Doch wie nun die Schiebetür öffnen.
Der Esel drückt mit der Schnauze dagegen und die Schafe helfen von innen.
Die Tür bewegt sich und eine Lücke entsteht.
Gina zwängt sich hindurch und wird von den Schafen freudig begrüßt.
Manu nimmt Ninett am Fell und springt von Eulenspiegels Rücken in den Wagen.
Sultan nimmt Anlauf und landet wohlbehalten zwischen den Schafen.
Nun ist Rosine dran.
Eulenspiegel legt sich zu Boden, damit das Ferkel auf seinen Rücken klettern kann, doch jedes Mal wenn er aufsteht, rutscht es quiekend wieder herunter.
Gina springt hinunter setzt sich hinter das Schwein und hält es fest, während der Esel aufsteht, dann schuppst sie es in den Wagen, wo es laut quiekend zwischen den Schafen landet.
Nun muss nur noch Eulenspiegel in den Waggon.
Er nimmt Anlauf und springt. Mit den Vorderbeinen hat er den Wagen erreicht, aber seine Hinterbeine baumeln draußen und er droht abzurutschen.
Gina springt heran, packt ihn am Halsband und zerrt ihn hinein.
Aufatmend bleibt der Esel einen Moment liegen.
Die Tür müssen sie auflassen, aber es war ja eine warme Sommernacht.
Nun wollen die Schafe wissen, warum sie auf Wanderschaft sind. Und jeder erzählt seine Geschichte.
Als sie den Sturm erwähnen, meint eines der Schafe, das sich als Rowita vorgestellt hat.
Bei uns hat der Sturm auch furchtbar gewütet und das Dach unseres Stalles abgedeckt. Auch wurde unsere Reise verschoben werden, weil die Gleise erst noch geräumt werden mussten.”
Ein Glück für uns , “ schmunzelt Eulenspiegel, “ wisst ihr denn wohin eure Reise geht?”
Nach Neumünster.”
Was !” schreit der Esel, “ aber das ist ja derselbe Ort, von dem ich vor sechs Jahren in den Norden gefahren bin. So ein Zufall!”
Das ist kein Zufall,” lächelt Roswita, die sehr klug ist.
Neumünster und Rodenverde sind Partnerstädte und tauschen öfter ihre Tiere aus, um eine neue Art zu züchten.”
Eulenspiegel wird ganz still und während die anderen miteinander plaudern, verzieht er sich in eine Ecke.
Nach einiger Zeit kommt die Schimpansin zu ihm und setzt sich neben ihn.
Denkst du, dass du Patrick finden wirst?”
Eulenspiegel sinniert eine Weile, dann sieht er seine Freundin an.
Ich fühle es und glaube fest daran.”
Gina nickt und kuschelt sich an ihn und bald schlafen sie ein.
Laute Stimmen wecken sie.
Durch den Spalt schimmert das kalte Morgenlicht.
Jensen, hast du gestern vergessen die Tür zu schließen?” brüllt eine Männerstimme und die Schiebetür wird krachend zurück geschoben.
Unsere Freunde können sich gerade noch zu Boden ducken und werden von den Schafen eingeschlossen.
Ein Mann guckt herein, brummt: “Alles in Ordnung” und schiebt die Tür wieder zu.
Ein Signal ertönt und mit einem Ruck setzt sich der Zug in Bewegung.
Eulenspiegel klopft das Herz.
 Nun geht es zurück zu Patrick und in seine Heimat. Auch die anderen sind aufgeregt, wissen sie doch nicht was sie erwartet.
Um sie abzulenken beginnt der Esel ihnen Geschichten zu erzählen. 
Es ist erstaunlich, wie viele ihm plötzlich wieder einfallen seit er so intensiv an seine Freund Patrick denkt.
So vergehen die Stunden. Der Zug hält öfter einmal an, aber man ließ sie in Ruhe.
Dann wird Fahrt langsamer und aus dem Lautsprecher ertönt die Ansage:
 “Neumünster, Achtung vom Bahnsteig zurück treten!”
Der Esel springt auf. 
Er ist plötzlich sehr aufgeregt auch Sultan stößt ein nervöses Bellen aus und das Schwein quiekt ängstlich nur die Katzen und die Schimpansin bewahren ihre Ruhe.
Man hatte vorher schon alles abgesprochen. 
Die Schafe würden möglichst viel Lärm machen und durcheinander laufen und Gina würde für Ablenkung sorgen, damit sie unbehelligt den Zug verlassen konnten.




Donnerstag, 16. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 16


Der Esel öffnet die Augen.
Etwas hat ihn an der Nase gekitzelt und er muss niesen.
Ninett hüpft vor ihm herum.
Noch immer etwas müde rappelt Eulenspiegel sich auf.
Ninett flitzt zwischen seinen Beinen hindurch, schlägt einen Purzelbaum und saust den Stamm hoch, rutscht ab und landet auf dem leise schnarchenden Sultan.
Dieser schreckt hoch.
Wer, was, wie?”
Ninett presst sich zärtlich an seine Schnauze.
Ach der kleine Racker,” murmelt der Hund liebevoll.
Die kleine Katze hat sein Herz im Sturm erobert.
Der Esel war an den Bach gegangen und kommt nun zurück und sieht sich suchend um.
Wo ist denn Gina?”
Manu unterbricht ihre Morgenwäsche.
Die ist ins Dorf gegangen, um Frühstück für Sultan zu holen.
Wenn das nur gut geht,” murmelt Eulenspiegel und muss doch grinsen.
Sultan hat sofort eine große Zuneigung für das kleine Kätzchen entwickelt und Gina war in eine Art Beschützerrolle für den blinden Hund geschlüpft.
Und ich, denkt er lächelnd fühle mich für die ganze Truppe verantwortlich.
Gina kommt durch das Gebüsch .
Um den Hals trägt sie einen Ring Würste und in beiden Händen einen Apfel.
Sie wirft die Würste vor Sultans Nase und Manu kommt in eleganten Schritten hinüber und lässt sich graziös neben Sultan nieder und gemeinsam verzehren sie die leckeren Würste.
Selbst Ninett gräbt ihre kleinen Milchzähnchen in die Lerckerei.
Gina reicht Eulenspiegel einen Apfel, den dieser genussvoll krachend zermalmt.
Während sie in ihren Apfel beißt, meint sie beiläufig.
Heute wäre ich beinahe erwischt worden.”
Eulenspiegel blickt besorgt um sich.
Haben sie dich verfolgt?”
Kein Bange, ich habe sie in die Irre geführt und erst als alle wieder ins Dorf zurück kehrten, bin ich hierher gekommen.
Der Esel ist beruhigt.
Er kann sich auf die Klugheit seiner Freundin verlassen.
Lächelnd betrachtet er den Hund und die Katzen, dann lacht er plötzlich.
Ein Esel, ein Hund, eine Katze, jetzt fehlt nur noch der Hahn, dann hätten wir die Bremer Stadtmusikanten zusammen.”
Darf es auch ein Ferkel sein?” fragt eine schüchterne Stimme und ein kleiner rosa Rüssel guckt durch das Grün der Blätter..
Komm nur heraus, hab keine Angst,” meint Eulenspiegel freundlich und ein kleines Schweinchen drückt sich durch die Büsche.
Gina reicht ihm den Rest ihres Apfels und dankbar schmatzend ist er gleich in dem kleinen Mund verschwunden.
Danke schön!” sagt es artig.
Ich irre nun schon zwei Tage im Wald herum. Darf ich bei euch bleiben, bitte schön, ich fürchte mich so alleine.”
Aber sicher, wo kommst du denn her?” will Gina wissen.
Ich war mit vielen anderen Schweinen in einem Lastwagen auf den Weg zum Schlachthof. Durch den schweren Sturm kippte der Wagen um und alle liefen durcheinander. Ich bin in den Wald geflüchtet und habe mich versteckt.”
Gina legt den Arm um das Ferkel.
Bei uns bist du sicher. Wie heißt du denn?”
Rosine”
Wir werden nicht zulassen Rosine, dass dich jemand schlachtet.”
Die anderen nicken bestätigend und die Schimpansin stellt nun dem Ferkel jeden einzelnen vor.
Als Rosine zu Eulenspiegel kommt fragt sie schüchtern:
Wer sind denn die Bremer Stadtmusikanten?”
Der Esel lacht.
Als ich so ein Knirps war wie du, wohnte ich auf einem Bauernhof und mein Freund Patrick hat mir abends immer aus einem dicken Geschichtenbuch vorgelesen und am besten gefiel mir das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten. Willst du es hören?”
Rosine nickt begeistert.
Eulenspiegel setzt sich und auch die Anderen gesellen sich zu ihnen und er erzählt ihnen die Geschichte von dem Esel, dem Hund, der Katze und dem Hahn, die weggelaufen waren, weil sie von den Menschen so schlecht behandelt worden sind.
An dieser Stelle seufzen Sultan und Rosine zustimmend.
Dass die Tiere nach Bremen wollten, um Musikanten zu werden, aber im Wald auf böse Räuber trafen und diese dann aus dem Haus verjagten. Da beschlossen sie, nicht nach Bremen zu gehen sondern in der Hütte im Wald zu bleiben.
Rosine seufzt verklärt.
Sultan hebt den Kopf.
Wo ist Ninett?”
Das kleine Kätzchen hatte sich am Anfang der Geschichte an den alten Hund geschmiegt. Doch dann war es ihm zu langweilig geworden und Sultan, der dem Märchen fasziniert gelauscht hatte,bemerkte erst jetzt, dass das warme kleine Körperchen verschwunden ist.
Manu sieht sich suchend um.
Fräulein Naseweis ist wohl wieder auf Entdeckungsreise.”
Da erklingt ein angstvolles Miauen.
Manu springt auf und saust los, die Anderen folgen ihr.
Ein Fuchs sitzt da und hat unter seiner rechten Pfote, die kleine Katze, die verzweifelt faucht und miaut und versucht sich unter der groben Tatze herauszuwinden.
Manu springt fauchend wie eine Tigerin auf den Rücken des Fuchses und verlangt grimmig.
Gib sofort meine Tochter frei!”
Dieser lacht spöttisch.
Das wird mein Frühstück und du die Nachspeise!”
Sultan kommt laut bellend auf ihn zu.
Du hinterhältiger Rotpelz, lass die Kleine los!”
Ach der alte blinde Sultan, wollte man dich nicht einschläfern, nachdem du mich nicht am Stehlen der Hühner hindern konntest, weil du immer in die falsche Richtung gelaufen bist.”
Der Fuchs will sich ausschütten vor lachen.
Eulenspiegel galoppiert herbei und sieht den Fuchs streng an.
Lass sofort die kleine Katze los!” fordert er.
Meister Reineke betrachtet ihn spöttisch.
Du kleiner Möchtegernesel kannst mir ganz nichts sagen.”
Da stürmt Gina auf ihn zu. Die Hände hoch erhoben, die Zähne gefletscht und fürchterlich laut kreischend.
Der Fuchs bekommt vor Schreck runde Augen, lässt Ninett los, schüttelt Manu von seinem Rücken, dreht sich um und rast davon als wären zehn Teufel hinter ihm her.
Brüllendes Gelächter folgt ihm.
Rosine kommt mit verklärtem Gesicht und ruft:
Das war ja wie bei den Bremer Stadtmusikanten, wir haben den bösen Räuber verjagt!”
Die Tiere lächeln gutmütig, haben sie doch bemerkt, dass das Ferkel sich quiekend hinter einem Baum versteckt hat.
Als sie mit der ziemlich kleinlauten Ninett wieder zurück gehen, erklärt Eulenspiegel:
Hier können wir nicht bleiben. Wir werden nach Bayern gehen und Patrick suchen.”
Aber wird er denn noch dort sein?” fragt Gina zweifelnd.
Der Esel nickt bestimmt. “Ich weiß, dass sein Vater einen Bauernhof kaufen wollte, wenn er aus dem Norden zurück kommt.”