Freitag, 30. August 2013

Trauer



Liebe Freunde, da mein Mann gestern verstorben ist, werde ich eine zweiwöchige Pause machen.



Helligkeit



Es kommt ein Licht ganz leise nur
Doch groß genug zu strahlen
Dem Lichtschein folgt ein Schatten nur
Nicht groß genug zu prahlen

Man sieht dem Schein jetzt ins Gesicht
Ein Neubeginn steht jetzt bereit
Die Strahlen das Dunkel durchbricht
Fröhliche Helligkeit

Alle Ängste werden klein
Und Wünsche die man lang geträumt
werden bald wahr nun sein
Herzklopfen ist ausgeräumt

Wärme strömt durch die Herzen schnell
Es ist doch bald geschafft
Und plötzlich wird es wieder hell
Die Dunkelheit ist weggerafft

Das Licht das nur ganz leise kam
Und Freude uns gebracht
Allen Kummer von uns nahm
Im Geist wirds niemals wieder Nacht

Gefühle die noch in uns weilen
Die vergessen wir nicht
Denken nur an schöne Zeiten
Denn in der Zukunft steht das Licht


Die Nachtigall






 

Donnerstag, 29. August 2013

Griseldis - Ende




Die Freude ist riesengroß als der Prinz mit Griseldis nach Hause kommt.
Überglücklich schließt der König die lang vermisste Tochter in die Arme.
Die Zofe der Prinzessin und Julika nehmen sich der Prinzessin an, bereiten ihr ein duftendes Bad und hüllen sie in seidene Kleider.
Julika hat Tränen in den Augen, als sie bemerkt, dass ihr Freundin sie nicht mehr erkennt.
Auch König Hartmut ist erschüttert, nachdem ihm Ricardo alles erzählt hat und lässt sofort nach seiner
Frau suchen, doch diese ist längst nicht mehr im Schloss.

Traurig sitzt Niko im Park auf einem Baumstumpf.
Seine liebe Prinzessin hatte das Gedächtnis verloren und musste alles wieder von vorne lernen.
Wie schrecklich war das.
Sie hat ihn gar nicht erkannt und machte auch nicht mehr ihr lustigen Späße mit ihm.
Sie lächelte immer nur traurig.
Flocki schießt heran, umspringt den kleinen Pagen bellend und sein kleines Stummelschwänzchen wedelt aufgeregt.
Niko schlingt beide Arme um das weiße Wollknäuel und vergräbt schluchzend sein rundes Gesicht in dem weichen Fell.
Empört strampelt sich der kleine Hund frei und purzelt davon.
Doch nach einer kleinen Weile saust er aufgeregt bellend zu Niko zurück, zerrt an seiner Jacke und gebärdet sich wie verrückt.
Aufmerksam beobachtet der kleine Page das seltsame Gebaren des Hundes.
Willst du etwas zeigen mir?“
Flocki wirft sich herum und bellt auffordernd.
Als Niko sich erhebt, stürmt er davon.
Der Junge folgt ihm und bleibt dann plötzlich wie geblendet stehen.
An der hundertjährigen Eiche steht eine wunderschöne Dame und winkt ihm mit ihrer weißen feinen Hand.
Mit weit aufgerissenen Augen stolpert Niko vorwärts.
Freundlich lächelnd reicht ihm die Frau ein kleines Päckchen.
Hier, Niko, gib dieses Pulver in Griseldis Tee. Es wird sie wieder gesund machen.“
Und plötzlich ist sie wieder verschwunden.
Niko wischt sich benommen über die Stirn, als wäre er aus einem Traum erwacht.
Nachdenklich blickt er auf das Päckchen in seiner Hand, dann saust er in die Küche.
Das Tablett mit dem Tee für die Prinzessin steht schon auf der Anrichte bereit.
Darf ich Griseldis den Tee bringen?“ fragt Niko.
Meinetwegen, aber verschütte nichts,“ brummt der Koch.
Der Junge nimmt vorsichtig das Tablett und steigt die Treppe hinauf.
Nach kurzem Anklopfen betritt er das Zimmer.
Griseldis steht am Fenster.
Freundlich lächelt sie dem kleinen Pagen entgegen, dann wendet sie sich wieder um.
Vorsichtig stellt der Junge das Tablett auf dem kleinen Tischchen ab und wirft einen kurzen Blick auf die Prinzessin, die sinnend aus dem Fenster blickt.
Zögernd öffnet er das Päckchen, in dem sich ein weißes Pulver befindet.
Wenn es nun Gift war?
Aber nein, er hatte die schöne Dame erkannt.
Es war Lilofee, die Patin seiner Prinzessin und die würde ihr nie etwas Böses antun.
Schnell bevor er es sich anders überlegen konnte schüttet er das Pulver in den Tee.
Griseldis kommt lächelnd an den Tisch und setzt sich.
Niko bleibt an der Tür stehen und beobachtet was geschieht und erschrickt zu Tode, als die Prinzessin plötzlich mit geschlossenen Augen zurück in die Kissen sinkt.
So schnell ihn seine Füße tragen können rast er in König Hartmuts Arbeitszimmer.
Der König und Ricardo springen erschrocken auf, als der kleine Page mit weit aufgerissenen Augen ins Zimmer stürmt.
Was ist denn dir begegnet?“ ruft der König erschrocken.
Die Prinzessin sein tot, ich haben sie umgebracht!“
Die beiden Männer laufen hinauf in Griseldis Zimmer
und finden diese schlafend vor.
Erleichtert wendet sich König Hartmund um und winkt den Pagen, der mit verweinten Augen ins Zimmer lugt, zu sich heran.
Langsam stolpert dieser in den Raum.
Sein sie tot?“
Lächelnd schüttelt der König den Kopf.
Doch nun erzähl mir, wie kommst du auf die Idee, du hättest meine Tochter umgebracht?“
Und nun sprudelt Niko sein Erlebnis mit Lilofee heraus.
König Hartmut tauscht einen Blick mit Ricardo und meint hoffnungsvoll:
Die Fee Lilofee ist Griseldis Patin, vielleicht wird mein Mädchen durch das Pulver wieder gesund.“
Und er sollte Recht behalten.
Als die Prinzessin nach einem mehrstündigen Schlaf erwachte, konnte sie sich wieder an alles erinnern.

Nach einigen Monaten gab es eine prächtige Hochzeit auf dem Schloss.
Griseldis und Ricardo heirateten und die Sonne strahlte mit dem Brautpaar um die Wette.
In der schwarzen Schlucht aber stehen zwei steinerne Statuen.
Die eine zeigt eine gebückte alte Frau und daneben stolz aufgerichtet ihre Tochter.
Das war die Strafe des Zauberers Hokuspokus.




Mittwoch, 28. August 2013

Griseldis - Fortsetzung 8



Früh am nächsten Morgen, als sie alle beim Frühstück sitzen und überlegen wie sie ihrem Gast helfen können, ruft Purzel plötzlich: „Hokuspokus!“
Ricardo lacht:
Möchtest du zaubern?“
Nein, nein!“ rufen alle durcheinander, „ er meint den Zauberer Hokuspokus, er wohnt gar nicht weit von hier, den wollen wir fragen!“
Und schon springen sie auf und wuseln nach draußen.
Der Prinz folgt ihnen kopfschüttelnd.
Sie finden den Zauberer in seinem Arbeitszimmer, wo er die Beine weit von sich gestreckt, die Hände
über dem kleinen Bäuchlein gefaltet mit leicht geöffnetem Mund leise schnarcht.
Leise treten die Besucher näher, da stolpert Brummer über einen Schemel und erschrocken öffnet der Zauberer seine Augen und sieht sich erschrocken um.
Wie, wo, was wer...?“
Dann erblickt er die Zwerge und ein Strahlen geht über sein Gesicht.
Ach ihr seid es, mein kleinen Freunde.
Wie schön dass ihr mich in meinem bescheidenen Heim besucht.
Wie sehr erfreut und ergötzt es mein Herz. Und wie ich sehe, habt ihr mir noch einen Gast herbeigeführt.
Wollt ihr ihn mir nicht vorstellen?“
Ricardo tritt nach vorn und verbeugt sich, dabei kann er nur mit Mühe sein Lachen verbeißen, denn Purzel hatte ihn heimlich in die Seite gestoßen und geflüstert:
Musst dir nichts denken, der quatscht immer so geschwollen.
Doch dann wird der junge Mann wieder ernst, als er dem Zauberer von Griseldis Verschwinden erzählt.
Hokuspokus wiegt bedenklich das Haupt und murmelt leise vor sich hin, dann dreht er sich um und läuft mit langen Schritten in das Nebenzimmer.
Die Zwerge stürzen hinter ihm her, dabei fallen sie fast übereinander in ihrer Eile.
Der Zaubermeister aber eilt zu einem Schreibpult auf dem ein großes Buch liegt und öffnet es.
Neugierig drängen sich die Zwerge um das Pult.
Doch wie enttäuscht sind sie, als sie nur leere Seiten entdecken.
Hokuspokus wendet sich an den Zwergenältesten.
Verehrter Meister Brummer, würdet ihr bitte die Vorhänge schließen lassen, damit ich dieses Buch befragen kann, in der Hoffnung, es möge mir Auskunft geben über das so traurige Verschwinden der Prinzessin Griseldis, die von diesem jungen Mann ach so schmerzlich vermisst wird.“
Ricardo presst fest die Lippen zusammen, um nicht laut loszulachen, denn Purzel hat ihm begeistert gegen das Schienbein getreten.
Schnell eilt er zum Fenster und zieht die Vorhänge zu.
Der Zauberer aber beugt sich über das leere Buch, lässt die Hände kreisen und murmelt dabei beschwörende Worte.
Das Buch leuchtet auf und eine schwarze Schrift erscheint.
Die Zwerge rücken noch näher an das Pult heran, dabei stupsen und stoßen sie sich und der kleine Purzel stürzt zu Boden bei dem Gerangel.
Schnell bückt sich Ricardo und hebt ihn auf, dann sehen beide über die Schulter des Zauberers und Purzel liest laut vor.
Die Prinzessin Griseldis wurde Opfer einer bösen Verschwörung von der Hexe Esmeralda und deren Tochter.
Sie gaben ihr das Pulver „Vergissdichselbst“ und dann nahm Esmeralda sie zu ihrer Hütte mit, wo sie als Dienstmagd seitdem arbeitet.“
Die Schrift verschwindet.
Ricardo ist ganz blass geworden und setzt Purzel vorsichtig auf den Boden.
Wer sind diese Esmeralda und ihre Tochter?“
Das ist eine Hexe, die nicht weit von hier in der schwarzen Schlucht ihre Hütte hat,“ rufen die Zwerge.
Und Purzel zupft Ricardo am Wams.
Und, und ihre Tochter hat einen König geheiratet.“
Nun ist dem Prinzen alles klar.
Sie ist Griseldis Stiemutter.“
Fragend sieht er den Zauberer an, der bis jetzt noch nichts gesprochen, sondern nur finster vor sich hin gestarrt hatte.
Nun nickt er langsam mit dem Kopf und grollt:
Gewarnt habe ich sie schon mehrmals, dass sie nicht in meinem Reich böse verbotene Zauber ausführen darf. Nun ist das Maß voll, folgt mir meinen geehrten Freunde.“
Er eilt ihnen voraus mit wehendem Mantel und sie müssen sich beeilen, um ihm zu folgen.
Bald stehen sie vor der Hütte der Hexe und Hokuspokus brüllt:
Komm heraus, du elendes Frauenzimmer!“
Vorsichtig öffnet sich die Tür und Griseldis späht heraus.
Ach wie sieht sie aus.
Schmutzig sind ihr Wangen, ängstlich ihre Augen. Ihre Haare sind wirr und verstrubbelt und und das graue Kleid voller Flicken und Flecken.
An den Füßen trägt sie grobe Holzpantoffeln und in der Hand hält sie einen Besen.
Meine Herrin ist nicht zu Hause,“ flüstert sie.
Ricardo will zu ihr gehen, doch der Zauberer hält ihn zurück und sagt mit freundlicher Stimme zu dem Mädchen.
Komme sie mit uns, ehrbare Jungfrau und diene sie nicht mehr diesem scheußlichem Weib. Geht mit diesem jungen Mann er wird euch zu eurem Vater bringen.Ich werde jetzt suchen nach der Hexe und ihrer Tochter, um sie für immer zu bestrafen, auf dass sie nie mehr anrichten können ein Unheil.“
Und schon war er verschwunden.
Aber der Vergessenszauber!“ ruft der Prinz.
Er ist weg,“ meint Purzel bedauernd und zuckt die Schulter.
Seid froh, dass ihr eure Prinzessin wieder habt, bringt sie nach Hause zu ihrem Vater. Sicher wird alles wieder gut,“ trösten die Zwerge.
Einer der Zwerge bringt das Pferd des Prinzen.
Dieser schwingt sich hinauf, nimmt die Prinzessin vor sich, hebt grüßend die Hand und reitet davon.
Die Zwerge winken ihnen lange nach.



Dienstag, 27. August 2013

Griseldis Fortsetzung 7




Früh am nächsten Morgen reitet Ricardo los.
Viele Monate zieht er durch das Land, reitet von einem Ort zum anderen.
Überall wohin er kommt zeigt er das kleine Miniaturbild von Griseldis, das ihm der König mitgegeben hat, doch keiner hat sie gesehen oder weiß wo das Mädchen ist.
Wieder einmal stapft er müde neben seinem Pferd durch einen tiefen Wald.
Leise senkt sich die Nacht herab und wirft ihre Schleier über die Bäume.
Ricardo bemerkt es gar nicht, denn er ist traurig und mutlos.
Erst als sein treues Pferd schnaubt, bleibt er stehen und bemerkt, dass sie direkt vor einem kleinen Häuschen stehen.
Er klopft.
Niemand meldet sich oder öffnet die Tür, dabei sieht er durch den Spalt der Vorhänge eine Licht schimmern.
Vorsichtig drückt er die Türklinke.
Sie gibt nach und er betritt ein sauberes kleines Stübchen.
Ein grüner Kachelofen verströmt wohlige Wärme und auf einem Herd brodelt ein Topf aus dem verführerische Düfte aufsteigen.
Auf einem langen Tisch, der von einer Eckbank umgeben ist, stehen sieben Teller, sieben Bestecke und sieben Gläser.
Doch niemand ist zu sehen.
Etwas ratlos blickt der junge Mann sich um.
Hallo?“
Er sieht hinauf zur Treppe , und betrachtet die sieben Betten die dort im ersten Stock neben einander aufgereiht.
Als er seinen Blick wieder über den gedeckten Tisch streifen lässt, bemerkt er wie das Tischtuch sich bewegt.
Schnell bückt er sich und greift unter den Tisch.
Als er seine Hand zurückzieht, hält er eine rote Zipfelmütze in derselben und vor ihm sitzt ein kleines putziges Männchen und sieht ihn mit vor Angst geweiteten Augen an.
Freundlich grüßt der junge Prinz.
Guten Abend, kleiner Mann.“
Misstrauisch wird er von dem Zwerg gemustert.
Du willst mir nichts tun?“
Lächelnd schüttelt Ricardo den Kopf und zaghaft gibt der Zwerg das Lächeln zurück und langsam verschwindet der furchtsame Ausdruck in seinem Gesicht.
Er kriecht unter dem Tisch hervor und erzählt dem jungen Mann von seinen Brüdern, die im Bergwerk
nach Edelsteinen suchen.
Jede Woche hat einer von ihnen Küchendienst und diesmal ist Purzel, so hat er sich vorgestellt, an der Reihe.
Draußen erklingt nun fröhlicher Gesang und durch die Tür kommen sechs kleine Männchen, die über der Schulter Hacken, Spaten und Seile tragen.
Sie sind etwas erstaunt, als sie den Gast erblicken, aber bald haben sich alle miteinander bekannt gemacht und fröhlich plaudernd wird nun gegessen.
Ricardo erzählt nun dem Verschwinden seiner Liebsten und die Zwerge sind sehr traurig.
Zu gerne würden sie ihm helfen, aber sie wussten nicht wie sie das machen sollten.
Als Purzel weit seinen Mund aufreißt und zu gähnen beginnt, beschließen sie schlafen zu gehen.
Ricardo macht es sich auf einer Decke auf dem Küchenboden vor dem Kamin bequem.


Montag, 26. August 2013

Griseldis Fortsetzung 6




Die Nacht senkt sich über das Land und hüllt alles in einen dichten schwarzen Schleier.
Die Bewohner des Schlosses liegen in einem tiefen Schlummer.
Doch nicht alle schlafen.
Leise wird die Tür zu Griseldis Schlafgemach geöffnet, das Licht flammt auf und füllt den Raum mit blendender Helle.
Verwirrt richtet das Mädchen sich auf und sieht ihre Stiefmutter vor ihrem Bett stehen.
Mutter?“ Ist etwas geschehen?“
Nein, mein Kind, verzeih, dass ich dich geweckt habe, aber ich kann nicht schlafen.
Möchtest du mir nicht etwas Gesellschaft leisten?“
Griseldis schwingt sich aus dem Bett, angelt nach ihren Pantoffeln, schlüpft in ihren Morgenmantel und
folgt der Königin in deren Salon.
Griseldis schmiegt sich in den weichen Sessel, während ihre Stiefmutter zwei Tassen dampfenden Tee an den Tisch bringt.
Ein beruhigender Tee, sicher trinkst du mit mir ein Tässchen.“
Das Mädchen lacht.
Eine ungewöhnliche Zeit, um Tee zu trinken, aber wenn ich dir damit eine Freude machen kann.“
Vergnügt plaudern sie, wobei die Königin ihre Stieftochter immer wieder zum Lachen bringt.
Griseldis aber wird immer müder, ihre Lider werden schwer, ihre Arme und Beine fühlen sich wie Blei an.
Vor ihren Augen beginnt es zu flimmern, dann wird es dunkel um sie.
Die Königin beugt sich hämisch grinsend über das schlafende Mädchen, dann eilt sie ans offene Fenster und lässt dreimal den Ruf eines Käuzchens ertönen.
Ein schauerliches Heulen und Pfeifen zerreißt die nächtliche Stille und die alte Hexe steht plötzlich im Salon.
Sie wirft einen boshaften Blick auf das schlafende Mädchen.
Nun mein Täubchen nun bist du am Ziel deiner Träume, wenn deine Stieftochter erwacht, dann hat sie ihren Namen und ihre Vergangenheit vergessen.“
Schaff sie mir aus den Augen!“
Mit einem schrillen Lachen verschwindet die Hexe mit Griseldis in einem dichtem Nebel.

Julika war die Erste, die Griseldis Verschwinden am nächsten Morgen entdeckte.
 
Eine aufgeregte Suche beginnt.
König Hartmut sitzt in seinem Arbeitszimmer und starrt betrübt aus dem Fenster.
Verzweifelt fragt er sich, was wohl mit seinem Kind geschehen ist.
Es klopft leise und erwartungsvoll sieht er dem eintretenden Spielmann entgegen.
Hat man sie gefunden?“
Ricardo schüttelt traurig den Kopf.
Hätten sie einen Moment Zeit für mich?“
Der König deutet auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Doch der junge Mann bleibt stehen.
Majestät ich bin der Sohn ihres Freundes, des Königs von Urbanien.“
König Hartmut springt auf.
Was, aber warum diese Maskerade dann als Spielmann!“
Ricardo lächelt leise.
Mein Vater erzählte mir von euren gemeinsamen Plänen, Griseldis und mich zu verheiraten.“
Ja, aber nur wenn mein Mädchen einverstanden ist!“
Genauso denkt auch mein Vater, doch bevor ich mir eine endgültige Meinung bildete, wollte ich Griseldis unverbindlich kennen lernen.“
Kopfschüttelnd betrachtet der König den jungen Mann.
Ihr jungen Leute, was für verrückte Flausen ihr manchmal im Kopf habt.“
Dann meint er verschmitzt.
Und wie gefällt euch meine Tochter?“
Die Augen Ricardos leuchten auf.
Sie ist ein bezauberndes Mädchen, schön, fröhlich und voller Herzensgüte. Ich liebe eure Tochter und es wäre mir eine Ehre, wenn sie meine Frau werden würde.“
Das Gesicht des Königs wird wieder traurig.
Doch nun ist sie verschwunden.“
Majestät, ich werde Griseldis finden und müsste ich bis ans Ende der Welt reisen,“ verspricht Ricardo.
Die beiden Männer drücken sich stumm die Hand

Sonntag, 25. August 2013

Griseldis - Forsetzung 5




Es ist kurz nach dem Mittagessen.
Vorsichtig schleicht Griseldis über den Korridor, während Julika an der Treppe Wache hält.
Eben will die Prinzessin die Türklinke zu Miss Bakers Zimmer herunter drücken, als ein leiser Pfiff ihrer Komplicin sie warnt.
Griseldis hebt den weiten Rock ihres Kleides etwas hoch und stolziert mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt zu Julika hinüber.
Franz, der Kammerdiener kommt mit einem Tablett die Treppe herauf, wirft einen erstaunten Blick auf die beiden Mädchen und stolziert dann mit gemessenen Schritten weiter.
Kaum ist er verschwunden, huscht Griseldis in das Zimmer ihrer Lehrerin.
Nach wenigen Minuten ist sie wieder da, winkt ihrer Freundin und kichernd verschwinden beide in Julikas Zimmer.
Miss Baker kommt wenige Minuten später die Treppe herauf.
Wie immer um diese Zeit will sie ihr Schläfchen halten.
Sie betritt ihre Kammer, zieht die Vorhänge zu und trippelt zu ihrem Bett.
Mit einem Ruck wirft sie die Decke zurück und fängt an zu kreischen.
Ein kleiner grüner Frosch sitzt auf dem blütenweißen Linnen und starrt sie unschuldig an.
Jetzt durch das Kreischen erschreckt macht er einen großen Satz auf die alte Dame zu.
Das ist zu viel für die Gute.
Sie verlässt fluchtartig den Raum.
Prustend sinken die beiden Mädchen auf das Sofa.
Julika, ich wusste gar nicht, dass Miss Baker so schön kreischen kann,“ stöhnt Griseldis und vergräbt
das Gesicht in einem Kissen, von einem neuem Lachanfall geschüttelt.
Horch, es kommt jemand,“ flüstert Julika und sie eilen zur Tür und spähen hinaus.
Miss Baker und der König kommen die Treppe herauf, begleitet von zwei kräftigen Dienern.
Julika, wollen wir nicht hinüber gehen, vielleicht können wir behilflich sein?“
Die beiden Mädchen prusten los und laufen dann Hand in Hand über den Korridor.
Was sucht ihr denn,“ fragt Griseldis unschuldig, als sie das Zimmer von Miss Baker betreten.
Miss Baker wollte ihren Mittagsschlaf halten, da wurde sie von einem riesigen Tier angegriffen,“ gibt der König Auskunft.
Eifrig beteiligen sich die beiden Mädchen an der Suche nach dem „großen schrecklichen Tier.“
Während Miss Baker händeringend im Zimmer steht und ängstlich um sich blickt.
Endlich hat Griseldis das völlig verängstigte Tier gefunden und lässt es schnell in ihrer Tasche verschwinden.
Wenn nämlich der König den kleinen Frosch entdeckt, könnte er leicht unangenehme Fragen
stellen.
Unauffällig verlassen sie das Zimmer und eilen kichernd die Treppe hinunter.
Im Park setzen sie den Frosch ins Gras.
Froh, das unangenehme Abenteuer heil überstanden zu haben, hüpft er mit großen Sprüngen in den Teich.
Übermütig lachend fassen sich die Mädchen an den Händen und tanzen im Kreis herum, dann laufen sie hinüber zur Laube, wo Ricardo auf sie wartet.
Immer wieder von Lachanfällen unterbrochen erzählen sie ihm von Miss Bakers herrlichem Kreischen.
Die drei jungen Leute verleben noch einen vergnügten Nachmittag mit Federball spielen, singen und viel Gelächter.
Glücklicherweise ahnen sie nichts von den dunklen Plänen der Königin.





Samstag, 24. August 2013

Giseldis - Fortsetzung 4





Es ist noch früh am Morgen, als Griseldis die Augen öffnet.
Ein Sonnenstrahl hat sie an der Nase gekitzelt, als wollte er sagen, wie kann man nur so lange schlafen.
Das Mädchen läuft ans Fenster und öffnet es weit.
Der Spielmann ist ist auch schon auf.
Er lehnt an einem Baum und starrt verträumt in den blau schimmernden See.
Die Prinzessin beugt sich aus dem Fenster und winkt ihm fröhlich zu.
Ricardo hebt die Hand und winkt zurück.
Ich komme gleicht,“ ruft das Mädchen und läuft schnell ins Nebenzimmer, um sich anzuziehen.
Wie der Blitz stürmt sie die Treppe hinunter und in den Park.
Guten Morgen, sie sind ja auch Frühaufsteher!“ ruft sie schon von weitem.
Guten Morgen, Prinzessin, wie kann man bei so einem herrlichen Wetter auch im Bett bleiben.“
Das Mädchen betrachtet ihn schelmisch.
Warum denn heute so förmlich, gestern nannten sie mich noch Griseldis.“
Der junge Mann lächelt verlegen.
Wenn sie erlauben, dann werde ich sie auch weiterhin Griseldis nennen.“
Aber sicher doch, aber nun kommen sie mit ins Schloss, ich möchte sie gerne meinem Vater vorstellen!“
Die Prinzessin nimmt den jungen Mann an der Hand
und zieht ihn mit sich fort.
Als sie das Schloss betreten, kommt der König gerade aus seinem Arbeitszimmer.
Guten Morgen, meine Kleine!“ begrüßt er sie gut gelaunt.
Neugierig mustert er den Mann an ihrer Seite und Griseldis macht die Beiden miteinander bekannt.
Der König drückt dem jungen Mann freundschaftlich die Hand.
Im oberen Stockwerk wird eine Tür geöffnet und Miss Baker, die Lehrerin, kommt die Treppe herunter.
Sofort verschwindet der freundliche Ausdruck im Gesicht des Königs und er nimmt eine strenge Miene an.
Und was ich dir noch sagen wollte, mein liebes Kind, was du dir gestern geleistet hast, das war ein starkes Stück, einfach so den Unterricht schwänzen. Da hört sich doch alles!“ donnert der König, doch er zwinkert seiner Tochter verstohlen zu.
Griseldis zwinkert heimlich zurück.
Der König wettert nun munter drauf los, dann verschwindet er in seinem Arbeitszimmer, wobei er laut die Tür hinter sich ins Schloss fallen lässt.
Miss Baker war auf der Treppe stehen geblieben und hatte der Strafpredigt zufrieden gelauscht, nun kommt sie vollends herunter und bleibt vor der Prinzessin stehen.
Das Mädchen presst fest die Lippen zusammen, um nicht laut loszulachen.
Das haben sie nun davon, Prinzessin, einfach den Unterricht zu schwänzen! Ihr Vater ist sehr böse auf sie! Ich erwarte sie Punkt zehn Uhr im Unterrichtszimmer!“
Mit hoch erhobenem Gesicht rauscht sie davon.
Kaum ist sie außer Hörweite da prustet Griseldis auch schon los und auch Ricardo stimmt in ihr Lachen mit ein.
Wie ein Wirbelwind kommt Julika die Treppe herunter.
Hat die alte Schreckschraube dich verpetzt!“
Griseldis kann nur nicken, denn vor lauter Lachen laufen ihr die Tränen über das Gesicht.
Julika grinst spitzbübisch.
Du bist auch der Meinung, dass die olle Petze eine Strafe verdient?“
Und ob, das kostet Rache!“
Nun, dann kommt mit in den Garten!“



Freitag, 23. August 2013

Griseldis Fortsetzung 3





Die Turmuhr schlägt dreimal.
Eine dunkle Gestalt huscht durch den Schlosspark.
Es ist die Königin.
Sie hat sich einen weiten dunklen Umhang umgeworfen und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.
Jetzt bleibt sie stehen und lässt dreimal den Ruf eines Käuzchens ertönen.
Es raschelt im Gebüsch und ein altes Weib tritt heraus.
Sie zieht die Königin nahe zu sich heran und betrachtet sie kichernd.
Weit hast du es gebracht, Täubchen, bist gar Königin geworden.“
Unwillig löst diese sich aus ihrem Griff.
Ja,ja, Mutter, das ist jetzt unwichtig, ich habe mein Ziel erreicht, aber eines stört mich, meine Stieftochter!“
Wieder lässt die Alte ihr meckerndes Lachen hören.
Ja die Prinzessin ist wunderschön und vor allem noch sehr jung und das allein ist schon Schönheit genug, nicht wahr mein Täubchen,“ feixt sie boshaft.
Die Königin wirft ihr einen bösen Blick zu.
Das weiß ich alles selbst, sag mir lieber was gedenkst du zu tun, das Mädchen muss verschwinden!“
Sie ballt die Fäuste und in diesem Moment sieht ihr verzerrtes Gesicht alles anderes als schön aus.
Ihre Mutter betrachtet sie einen Moment spöttisch, dann meint sie:
So einfach wird es nicht sein, denn ich kann deine Stieftochter weder verzaubern noch töten.“
Wütend funkelt die Königin ihre Mutter an.
Was soll das heißen, hat das Alter dir deine Kräfte geraubt!“
Wieder kichert die Alte.
Das wohl nicht, aber die Patin deiner reizenden Stieftochter ist die Fee Lilofee und ein großer Schutzzauber umgibt sie.“
Warum bist du dann überhaupt gekommen, wenn
du mir sowieso nicht helfen kannst!“
Die Königin knirscht mit den Zähnen.
Aber sie muss fort! Ich kann ihren Anblick nicht ertragen!“
Die alte Frau tritt näher und grinst verschlagen.
Täubchen, hat deine Mutter dich schon einmal im Stich gelassen. Außerdem ist Lilofee gerade nicht im Lande, das passt gut.
Ich habe hier ein Pulver, das wird sie nicht verzaubern, nicht töten aber sie wird das Gedächtnis verlieren. Gib es ihr morgen Abend in den Tee.
Ich komme dann und bringe sie weit weg.“
Sie kichert noch einmal hämisch, dann verschwindet sie in einem Nebel.
Die Königin steht noch einen Moment sinnende da, dann lächelt sie triumphierend und geht zurück ins Schloss.



Donnerstag, 22. August 2013

Griseldis - Fortsetzung 2




Währenddessen wandert die Königin erregt in ihrem reizend eingerichteten Zimmer auf und ab.
Die Hände sind zu Fäusten geballt und die dunklen Augen funkeln hasserfüllt.
Eine alte Frau steht am Tisch und ordnet einige Rosen in die Vase.
Unter halb gesenkten Lidern wirft sie einen spöttischen Blick auf die junge Frau.
Denkst du, du kannst etwas ändern, wenn du wie ein aufgescheuchtes Huhn hier herum läufst?“
Unbeherrscht trommelt die Königin mit beiden Fäusten gegen die Wand.
Ich hasse sie, ich hasse sie!“
Mit einem Ruck wendet sie sich um und starrt Meridia ihre langjährige Dienerin an.
Das Mädchen muss verschwinden, noch heute gehst du in den Wald zu meiner Mutter!“
Die alte Frau schlurft durch das Zimmer, nimmt ihr Tuch und wirft es sich über die Schultern, dabei murmelt sie:
Es ist ziemlich weit in den Wald, meine alte Füße wollen nicht mehr so.“
Nun jammere nicht, geh schon!“
Ein herrischer Wink und die Alte verlässt schlurfend und grummelnd das Zimmer.
Die Königin aber setzt sich vor ihren Spiegel und betrachtet selbstverliebt ihr hübsches Gesicht.
Dann lächelt sie zufrieden.


Nachdem sie gefrühstückt hat wandert Griseldis vergnügt durch den Park.
Fröhlich trällert sie ein Liedchen und die Vögel zwitschern begeistert mit.
Ein Eichkätzchen auf dem Weg nach unten, bleibt auf einem Ast stehen und hebt lauschen den Kopf.
Ein schrilles Gebimmel zerreißt die friedliche Stimmung.
Griseldis sieht sich suchend nach dem kleinen Hund um.
Flocki, komm wir müssen zurück, Schulstunde bei Miss Baker.“
Bedauernd trennt sich der Hund von dem Maulwurfshügel, dessen unterirdischen Bewohner er gern aufgestöbert hätte.
Mit langen Sprüngen folgt er seiner Herrin, die zum Schloss zurück hastet.
Miss Baker konnte sehr böse werden, wenn man nicht pünktlich war.
In ihrer Eile bemerkt sie gar nicht den jungen Mann, der ebenfalls zum Schloss möchte und prallt gegen ihn.
Oh, entschuldigen sie bitte, ich habe sie gar nicht gesehen,“ ruft Griseldis errötend.
Der junge Mann verbeugt sich galant und schmunzelt.
Ich denke es war meine Schuld, ich hätte ja ausweichen können.“
Das Mädchen lacht fröhlich.
Ich denke mal wir haben beide nicht aufgepasst,
aber nun muss ich weiter, meine Lehrerin kann sehr böse werden, wenn ich zu spät komme.“
Dann sieht sie die Laute, die der junge Mann an er Seite hängen hat und ruft erfreut:
Wunderbar sie sind Spielmann, werden sie uns etwas vorspielen?“
Wenn der König es erlaubt.“
Ach Paps erlaubt es ganz bestimmt, er liebt Musik!“
In den Augen des jungen Mannes blitzt es freudig auf und unter seinem bewundernden Blick wir das Mädchen ganz verlegen.
Errötend wendet sie sich ab und sieht ihre Freundin Julika die Treppe herunter laufen.
Schnell Griseldis, verschwinde durch den Dienstboteneingang. Miss Baker rennt wie ein aufgescheuchtes Huhn durch das Schloss und sucht dich.“
Ja, ich habe das schreckliche Gebimmel der Schulglocke gehört, dabei dachte ich heute würde der Unterricht ausfallen, nachdem das Hochzeitsfest doch bis spät in die Nacht gedauert hat.“
seufzt Griseldis ein wenig unglücklich.
Julika verzieht das Gesicht und meint spöttisch.
Diese vertrocknete alte Jungfer weiß doch gar nicht was feiern ist, die ist nur glücklich wenn sie uns mit ihren trockenen Unterricht quälen kann.“
Griseldis stellt sich kerzengerade hin, hebt mahnend den Zeigefinger und ahmt ihre Lehrerin nach:
Miss Julika, sie müssen noch sehrrr an ihrer Ausdrucksweise arbeiten.“
Kichernd verschwinden sie im Dienstboteneingang.
Der junge Spielmann sieht ihnen einen Augenblick überrascht nach, dann folgt er schmunzelnd den beiden Mädchen.
Bald sitzen sie alle in der Küche und das reizende Plaudern der beiden Mädchen erfreut das Küchenpersonal und den jungen Spielmann, der sich als Ricardo vorgestellt hat.
Immer wieder fliegt sein bewundernder Blick zu Griseldis, die jedes mal errötet, wenn sie es bemerkt.
Sie bleiben auch noch zum Mittagessen in der Küche und der Küchenmeister steht in der Nähe, die Hände über dem dicken Bauch gefaltet und freut sich, wie gut es den jungen Menschen schmeckt.
Nach dem Essen nimmt Ricardo seine Laute und sie singen zusammen fröhliche Lieder.
Als der Küchenjunge Karl, der gerade im Stimmbruch ist, mitgerissen von seiner Begeisterung, zu singen anfängt, ist das Gelächter groß.
Noch lange sitzen sie zusammen plaudern, singen und lachen.

Mittwoch, 21. August 2013

Griseldis Fortsetzung 1


Am anderen Morgen.
Wohlig reckt Griseldis die Arme und gähnt herzhaft.
War sie noch müde!
Das Fest gestern hatte aber auch so lange gedauert
und sie war ziemlich spät ins Bett gegangen.
Das Mädchen wirft einen Blick zum Fenster, die Sonne lacht gar zu einladend herein.
Mit einem Schwung wirft sie die Bettdecke beiseite und angelt nach ihren Pantoffeln.
Dann öffnet sie weit die Fensterflügel und atmet tief die frische Morgenluft ein.
Drunten im Park glitzert der See im Sonnenlicht.
Ein Bad wäre jetzt herrlich!
Leise verlässt die Prinzessin das Schloss über die Terrasse und eilt zum See.
Die Schwäne lassen sich nicht stören, kam sie doch jeden Morgen, um sie mit Brot zu füttern.
Bald tummelt sich das Mädchen im Wasser.
Flocki, der kleine Schlosshund kommt Schweif wedelnd und laut bellend ans Ufer.
Übermütig bespritzt ihn Griseldis mit Wasser.
Flocki gefällt das gar nicht.
Er schüttelt sich und geht vorsichtshalber hinter einem Baum in Deckung.
Vergnügt lachend verlässt das Mädchen den See, hüllt sich in einen Bademantel und läuft durch den Park zurück ins Schloss.
Flink eilt sie die wenigen Stufen zur Terrasse hinauf, als sie ein klägliches Winseln hinter sich hört.
Flocki, sieht sie vorwurfsvoll an, als wollte er sagen.
Wie soll ich mit meinen kurzen Beinen da hinauf kommen?“
Lächelnd beugt sich das Mädchen hinunter, hebt ihn hoch und setzt ihn dann vorsichtig wieder auf den Boden.
Das weiße Wollknäuel saust los, bleibt vor der Tür stehen und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz.
Als Griseldis diese öffnet saust er laut bellend zur Treppe.
Da wird er hochgehoben, baumelt einen Moment in der Luft und verschwindet dann in einem Gedicht von Seide.
Wie herrlich weich es hier war und wie gut es duftete.
Du willst wohl das ganze Haus aufwecken?“ tadelt seine junge Herrin.
Warum schimpfte sie nur mit ihm? Er wollte doch gar nichts Böses, nur seine Freude ausdrücken.
Ganz zerknirscht guckt er sie an.
Griseldis lächelt und drückt ihm einen Kuss auf das weiche Fell.
Flocki gibt einen zufriedenen Laut von sich und kuschelt sich an das Mädchen.
Im Zimmer der Prinzessin angekommen wird er auf das Sofa verfrachtet und während Griseldis sich summend anzieht und ihre langen Haare bürstet, fallen dem kleinen Hund die Augen zu und leise regelmäßige Atemzüge zeigen, dass er eingeschlafen ist.
Mit einem lächelnden Blick auf das schlafende Hündchen verlässt das Mädchen das Zimmer.
Ihr Weg führt sie in die Küche, in der schon reger Betrieb herrscht.
Der Küchenmeister, der erst seit kurzem im Schloss arbeitet, eilt herbei und verbeugt sich tief vor der Prinzessin.
Vor Aufregung bekommt er ganz rote Ohren.
Welche Ehre,“ stammelt er , „Hoheit wünschen?“
Griseldis blitzt ihn übermütig an.
Lieber Küchenmeister, ich habe einen Bärenhunger.“
Bärenhunger, sehr wohl, „ und was wünschen ihre Hoheit zu speisen?“
Griseldis kraust nachdenklich das Näschen.
Schinken und Spiegelei, dazu gutes Bauernbrot und abschließend Tee und Kuchen.“
Schinken, sehr wohl, Eier, sehr wohl, Bauernbrot, sehr wohl, Tee, sehr wohl, Kuchen, sehr wohl,“
wiederholt der Beherrscher der Küche und bei jedem
sehr wohl“ macht er eine tiefe Verbeugung.
Griseldis betrachtet ihn vergnügt, dann fragt sie freundlich:
Sag mal Küchenmeister, schmerzt dich nicht der Rücken bei soviel Bücklingen?“
Verwirrt blickt dieser sie an, dann färbt sich sein Vollmondgesicht langsam purpurrot.
Das Mädchen verlässt schnell die Küche, denn sie kann sich das Lachen nicht länger verbeißen.
Die Küchenjungen und anderen Köche sind nicht so zartfühlend und prusten los.
Die Köche halten sich die Bäuche vor Lachen und die Küchenjungen klopfen sich begeistert auf die Schenkel.
Mensch, Meester, bei unserer Prinzessin brauchst du nicht so viele Bücklinge machen, die ist in
Ordnung!“ quietscht Karl der jüngste Küchenjunge.
Wieder wird er von einem Lachanfall geschüttelt.
Ruhe!“ gebietet der Chef, „ die Prinzessin will ihr Frühstück, also an die Arbeit!“