Samstag, 30. November 2013

Der Adventskalender


Nur mehr ganz vage kann ich mich an meinen ersten Adventskalender erinnern.
Es war eine bunte schöne Weihnachts- und Winterlandschaft mit 24 Türchen und der ganze Kalender war mit silbern glitzernden Steinchen übersät.
Hinter jedem Türchen befand sich ein buntes Bild, mal war es ein Lebkuchen, eine Kerze, ein Ball oder auch ein Engel.
Aus einem doppelten Tor bestand das 24. Türchen und dahinter befand sich die heilige Familie im Stall.

Der Adventskalender entstand im Laufe des
19. Jahrhundert.
Bei den Katholiken wurde jeden Tag im Advent in der Kirche eine Andacht abgehalten.
Während bei den evangelischen Familien zu Hause aus der Bibel vorgelesen, Lieder gesungen und Verse aufgesagt wurden.
Da für die Kinder die Wartezeit bis zum Heiligen Abend endlos lang war, begannen sich die Eltern etwas auszudenken.
Das war so um 1840 herum.
Einige hängten 24 Bilder auf mit weihnachtlichen Motiven
Andere malten 24 Kreidestriche auf Türstock oder an den Schrank und die Kinder durften dann jeden Tag
einen Strich weg wischen.

In einigen Gegenden wurde für jede gute Tat ein Strohhalm in die Krippe gelegt.

Daran kann ich mich noch erinnern.
In unserer Volksschule stand auf dem Fensterbrett eine Krippe und daneben ein Bündel mit Strohhalmen.
Und wer besonders brav war während des Unterrichts, durfte dann einen Strohhalm in die Krippe legen, bevor wir nach Hause gingen.
Was haben wir uns in dieser Zeit Mühe gegeben besonders still und konzentriert dem Unterricht zu folgen, denn schließlich sollte das Christkind am heiligen Abend besonders weich in der Krippe liegen.

In Österreich erfanden einige Eltern die Himmelsleiter und das Christkind kletterte täglich eine Sprosse abwärts.
Das sollte auch symbolisieren, dass Jesus an Weihnachten auf die Erde kommt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann noch die Weihnachtsuhr.
Das war eine runde Scheibe mit 24 Teilen, in denen Lieder texte oder Bibelverse standen und der Zeiger wurde jeden Tag eine Spalte weiter gestellt.


Der erste gedruckte Weihnachtskalender wurde 1902 in Hamburg in der evangelischen Buchdruckerei Friedrich
Tümpler hergestellt und kostete damals 50 Pfennige.

1904 erschien als Beilage einer Stuttgarter Zeitung
der Weihnachtskalender „Im Land des Christkinds“
Die Idee stammte von Gerhard Lang (1881 – 1974).
Der Kalender hatte noch keine Türchen.
Er bestand aus zwei Teilen, einem Karton mit 24 Feldern und von Gerhard Lang selbst verfassten Versen.
Dazu gab es einen Bogen mit 24 Bildern.
Jeden Tag durfte man dann ein Bild ausschneiden, den Vers lesen und das Bild dann darauf kleben.
Das Bild für den 24. Dezember war das weiß gekleidete Christkind.

Die Mutter von Gerhard Lang hatte ihm die Wartezeit mit 24 Wibeles ( die schwäbische Art von Baisergebäck)
verkürzt.
Deshalb wohl seine Begeisterung immer wieder neue Adventskalender zu erfinden.
Es gab ein Christkindlhaus mit Schokolade gefüllt.
Adventskalender bei denen man die Füllungen heraus brechen konnte.
Wieder andere, da konnte man die Türchen öffnen, dann gab es das Adventsbäumchen mit auf steckbaren Engeln.
Ganz besonders schön war das Adventshaus, mit
23 Fenstern und einer Tür, die mit farbigen
transparenten Papier hinterlegt waren.
Wenn man eine Kerze in die Mitte stellte, dann leuchtet es wunderschön.

Wenige Jahre nachdem Gerhard Lang mit dem Druck der ersten Adventskalendern begonnen hatte folgten andere Verlage seinem Beispiel und Ende der 30iger Jahre musste Gerhard Lang die Produktion einstellen, da er dem Preisdruck nicht mehr standhalten konnte.

Dann begann der zweite Weltkrieg und das Papier wurde knapp und die Bildkalender als unwichtig eingestellt.
1941 wurde dann die kirchliche Presse verboten.
Als Ersatz für den Adventskalender kam nun ein nationalsozialistischer Kalender heraus mit Erzählungen, Liedern, Sprüchen, Mal- und Bastelvorschlägen.
Aus dem Adventskranz wurde nun der Sonnenwendkranz, aus dem Nikolaus der Schimmelreiter und das Christkind war nun das Lichtkind.
Die Vorweihnachtszeit ersetzte den Advent.
Doch bereits 1945 gab es schon wieder Adventskalender, denn die Menschen sehnten sich nach christlichen Werten und alten Traditionen.
Und der Adventskalender begann seinen Siegeszug durch die ganze Welt.
Heute werden in Deutschland millionenfach Adventskalender gedruckt und die Hälfte davon geht ins Ausland. 

Morgen beginne ich mit meinem Adventskalender , den ich extra für euch gebastelt habe.
Wünsche ich heute einen schönen Tag.
Eure Märchenfee 

Sonntag, 24. November 2013

Mäxchen, der Dieb



 
Vor einigen Tagen besuchte mich ein ehemaliges Tageskind.
Ihre Mutter wohnt hier im Ort und wenn sie diese besucht, dann schaut sie auch bei mir vorbei.
Sie nimmt sich die Zeit, um mit mir Rommé zu spielen, denn dieses Spiel liebe ich ganz besonders.
Sicher ich habe es auch im Computer, aber so macht es natürlich noch mehr Spaß.
Wenn Nadine ihre Mutter besucht, dann darf sie sich aussuchen, was ihre Mutter für sie kocht.
Diesmal war es Sauerbraten und Spätzle.
Nach dem herrlichen Mahl lehnten sich die beiden entspannt zurück, da kam der Kater Mäxchen aus der Küche und leckte sich genießerisch mit seiner kleinen roten Zunge das Mäulchen.
Um Himmels Willen!“ rief Nadines Mutter und stürzte in die Küche.
Entsetzt starrten die Beiden auf den Boden, wo noch die Hälfte des großen Stücks Sauerbraten lag.
Mäxchen angelockt von dem verführerischen Duft war auf den Ofen gesprungen hatte das wirklich große Stück Sauerbraten zwischen die Zähne genommen und eine Spur Soße hinterlassend, das Fleisch auf den Boden fallen lassen.
Genüsslich hatte er dann die Hälfte verzehrt.
Nadine durfte also nur noch die Reste der Spätzle und der Soße mit nach Hause nehmen, während Mäxchen am nächsten Tag wieder ein Festmenü erwartete.


Übrigens meine Tochter bekommt auch immer bei ihrem Besuch ihr Leibgericht.
Hähnchen in Weinsoße, nach einem Rezept meiner Schwiegermutter, nur serviere ich dazu bayrische Beilagen, nämlich Semmelknödel und Blaukraut.
Als ich geheiratet habe war meine Kochkunst noch nicht so besonderes ausgeprägt und mein Freund ( mein späterer Mann Kurt) lud mich immer zum Essen ein.
Ich dachte noch, wie spendabel und, dass er mir Arbeit ersparen will.
Bis er mir dann eines Tages, da kannten wir uns schon länger, gestand, dass ihm mein Essen überhaupt nicht schmeckte.
Nach der Hochzeit habe ich mir Tipps bei meiner Schwiegermutter geholt und so wie die Elsass- Bayern -Verbindung als Ehe funktionierte, so  war es auch beim Zusammenstellen der Gerichte


Nun wünsche ich euch einen schönen Sonntag, lasst das schlechte Wetter draußen vor der Tür und macht es euch drinnen bei Kerzen und gutem Kaffee oder auch Tee gemütlich.

Ich mache jetzt  eine kleine Pause, denn ich bin gerade dabei einen Adventskalender mit Wissenwertem, Plaudereien und kleinen Erzählungen zu gestalten.
Am 30. November werde ich euch erzählen, wie der erste Adventskalender entstanden ist und ab 1. Dezember dürft  ihr dann jeden  Tag ein Türchen öffen und euch überraschen lassen.

Eure Märchenfee 

Samstag, 23. November 2013

Vögel im Winter - Gedicht




Für diese Wochenende ist ja Schnee angesagt, mal sehen, ob die
Wetterpropheten Recht behalten.
Auf jeden Fall sollten wir uns langsam Gedanken über unsere gefiederten Freunde machen, die im Winter nicht in den warmen Süden ziehen können und die Futterhäuschen vom letzten Jahr  wieder aufrüsten oder sich ein neues besorgen, wie ich es machen möchte, denn Meisenringe aufhängen kann ich nicht, da der Haken dafür zu hoch ist.
Darum habe ich mir gedacht, stelle ich mal ein Häuschen auf den Tisch auf der Terrasse, da komme ich leicht hin und kann dann vom Wohnzimmer aus die kleinen Freunde beobachten, vielleicht gelingt mir ja auch ein Foto.
Das soll ein kleines Dankeschön sein für die Freude die sie mir im Frühjahr mit ihrem fröhlichen Gezwitscher bereiten.

Mein lieber Freund, den ihr hier unter dem Namen "die Nachtigall"
kennt, hat auch für die "Vögel im Winter" ein schönes Gedicht geschrieben, dass ich euch nun vorstellen möchte.



 
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Das Foto wurde mir freundlicherweise von meiner Freundin Regina zu Verfügung gestellt.




Vögel im Winter

Vögel haben es im Winter schwer
Finden da kein Futter mehr
Warten auf liebe Gaben
Wo sie ein Futterhäuschen haben

Dahin kommen sie tagein, tagaus
Freuen sich über das Futterhaus
Für unser Wintervögel ein Segen
Wir möchten doch alle gern geben

Dann sind sie auch frohe Gesellen
Ihre Rufe sind wie frische Quellen
Sie schwärmen gut gelaunt herbei
Und warten auf den nächsten Mai

Sie kommen schon im Dämmermorgen
Um sich mit Futter zu versorgen
Und schaffen mit einer Emsigkeit 
Genauso wie in der Sommerzeit

Die Meisenvögel sind sehr schön
Ihre Farben sind herrlich anzuseh`n
Sie holen sich Sonnenblumenkerne und Samen
Aus den Bäumen diesen Kahlen

Es anzuschau`n und zu erleben
Wenn wir ihnen  das Futter geben
Dann sind sie voller Munterkeit
In dieser frostigen Zeit

Achten sollten wir auch darauf
Das sauber bleibt ihr Futterhaus
Das machen wir doch selber
Essen auch nicht von einem schmutzigen Teller

Die Nachtigall


Wünsche euch nun ein schönes gemütliches Wochenende

Eure Märchenfee
 



 




Donnerstag, 21. November 2013

Plätzchen backen - Erinnerung





Gestern unterhielt ich mich mit einer Bekannten und sie meinte, dass sie nun bald mit dem Backen von Plätzchen anfangen würde.
Bei unserem Gespräch kamen wir auch auf das uns Unverständliche, dass es bereits im September schon Lebkuchen zu kaufen gibt.
Nimmt das denn nicht den ganzen Zauber und auch die Vorfreude auf den Advent und das Weihnachtsfest.
Wie kann man sich noch auf etwas freuen, wenn man nicht verzichten muss.
Ich kann mich noch errinnern, früher gab es ja nicht jeden Tag feine Milchbrötchen, doch jeden Freitag kochte meine Mutter einen riesigen Topf Kakao und dazu gab es Semmel mit echter Bauernbutter.
Das war dann immer ein besonderer Tag für uns und wir freuten uns darauf.
Ebenso haben wir die Plätzchen am Heiligen Abend genossen, denn für jeden gab es einen extra Teller von diesem herrlichen Gebäck.
Ich kann mich noch erinnern, wie schön die Zeit war und welch herrliche Düfte das Haus durchzogen, wenn meine Mutter Plätzchen backte.

Wir saßen in der Küche, mein Vater las aus einem dicken Märchenbuch vor, oder wir sangen Winterlieder, das Lieblingslied von mir war 
"In Mutters Stüberle, da weht der Wind" und meine Mutter backte und der köstliche Duft schmeichelte unseren Nasen.



Manchmal durften wir die angekokelten essen, doch die guten Plätzchen wurde nach dem Abkühlen in Dosen abgefüllt und diese dann versteckt.
Umso mehr freuten wir uns dann am Heiligen Abend  über unseren Weihnachtsteller und genossen jedes Stück.
Manchmal bin ich traurig, dass unsere Kinder so im Überfluss aufwachsen und vieles gar nicht mehr zu schätzen wissen.
Liegt nicht oft im Verzicht schon die Vorfreude?








Mittwoch, 20. November 2013

Wie Ingelore Weihnachten fand Ende

Am nächsten Tag waren wieder beide Damen da, als Ingelore kam.
Die Oma hatte ihr gestern nur erzählt, dass sie mit Frau Naumann einst in die Dorfschule gegangen ist, bis diese dann ins Gymnasium kam.
Ingelore formt gerade einen Esel, als es heftig an der Tür pocht, Ketten rasseln und donnernd schlägt etwas blechernes zusammen.
Das Mädchen zuckt zusammen und blickt erschrocken zur Tür.
Was ist denn da draußen los?“
Frau Naumann tauscht mit ihrer Tochter einen amüsierten Blick.
Gretchen hat es wohl zu sehr übertrieben.
Schmunzelnd meint Andrea.
Nun Ingelore heute hat doch der St. Nikolaus Geburtstag.
Vielleicht will er dir einen Besuch abstatten.“
Ingelore lacht.
Der Nikolaus ist doch eine Legende und außerdem klang das so,als würden die Köchin und Gretchen einige Töpfe zusammen schlagen.“
Andrea beißt sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen.
Das Kind war einfach zu schlau.
Weißt du was, wir sehen einfach mal nach.
Sie nimmt Ingelore an der Hand und öffnet die Tür.
Es ist niemand im Flur zu sehen.
Gretchen und die Köchin haben sich versteckt und beobachten leise kichernd was jetzt geschah.
Ingelore sucht mit den Augen den Flur ab dann fällt ihr Blick auf ein Paar wunderschöne Stiefel.
Sie lässt vor Freude einen Quietscher los und bückt sich.
Mit den Stiefeln unter dem Arm und einer Tasche aus Leinen in der anderen Hand kommt sie ins Zimmer zurück.
Sie stellt die Tasche vorsichtig auf den Tisch und setzt sich auf den Boden, um in die Stiefel zu schlüpfen.
Dann stolziert sie durch die Stube.
Frau Nauman beobachtet sie schmunzelnd.
Und passen sie?“
Das Mädchen nickt begeistert, dann fällt sie abwechselnd Mutter und Tochter Naumann um den Hals.
Danke, danke!“ stammelt sie.
Andrea lächelt. „Hast du denn schon in die Tasche geguckt.“
Ingelore schüttelt den Kopf und eilt zum Tisch. Vorsichtig zieht sie ein Hexenhäuschen aus dem Beutel und betrachtet es entzückt.
Die Hexe stand vor dem Häuschen mit Hänsel und Gretel, auf dem Dach krümmte eine schwarze Katze ihren Rücken und die freien Fläche um die Figuren und zwischen den zwei kleinen Tannenbäumen waren mit Süßigkeiten gefüllt.
Dieses Hexenhäuschen bekam ich als Kind und nun bekommst du es von mir.“ sagt Andrea leise.
Ingelore streicht vorsichtig über die Porzellanfiguren und denkt träumerisch, wie schön es doch wäre, wenn Fräulein Naumann ihre Mutter sein könnte.
Abends als sie der Oma ihre Schätze zeigt, tat diese etwas, was sie bisher noch nie getan hatte.
Sie streicht ihr über den Kopf und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn.
An diesem Abend hat Ingelore der Katze Minka viel zu erzählen, als sie zusammen im Bett kuscheln
Wunderschön sind die kleinen Gebilde geworden unter Ingelores geschickten Händen.
Auch Andrea staunt was ihr kleiner Schützling für hübsche Figuren und Tiere schuf.
Keine Krippe gleicht der anderen.
Jede weist eine kleine Besonderheit auf.
Morgen ist der vierte Advent und wir werden unsere Basteleien auf dem Kirchenbasar verkaufen.
Ingelore ist etwas enttäuscht.
War jetzt die schöne Zeit in der Villa Naumann vorbei?
Als hätte Andrea ihre Gedanken erahnt, meint sie lächelnd.
Kannst du morgen früh um sieben Uhr zu uns kommen, dann frühstücken wir gemeinsam und anschließend bauen wir vor der Kirche unsere Basteleien auf.
Der Verkauf beginnt nach der zehn Uhr Messe, so ungefähr um elf.“
Ach ja, und bring die Oma mit, die kann mir dann Gesellschaft leisten.“ lacht Frau Naumann.
Eine sehr glückliche Ingelore geht heute nach Haus.
Pünktlich um sieben Uhr stehen Marga und ihre Enkelin vor der Villa Naumann.
Beide haben sich fein gemacht.
Ingelore staunt über ihre Oma, die so anders auf einmal ist.
Sie lacht und scherzt mit Frau Naumann. Verschwunden ist der strenge mürrische Blick und sie sieht auf einmal jünger und schöner aus.
Der Basar wird ein voller Erfolg.
Die Leute scharren sich um ihren Tisch und viele bewundernde Laute ertönen, als sie die hübschen kleinen Krippen und die herrlichen Sterne sehen.
Es sind viele Menschen auch aus den Nachbardörfern da und der Stand ist schon halb leer, als Ingelore ihre Oma und Frau Naumann, die Arm in Arm über den Platz schlendern, bemerkt.
Staunend betrachtet Marga die kleinen Krippen.
Sie hebt eines der zarten Gebilde hoch und ruft überrascht, „aber da ist ja unsere Minka!“
Ingelore lächelt und freut sich, dass die Oma dies gleich erkannt hat.
Marga stellt die Krippe vorsichtig auf den Tisch und sieht ihre Enkelin stolz und voller Bewunderung an.
Das hast du wunderschön gemacht. Du bist eine richtige Künstlerin.“
Ingelore läuft um den Tisch herum und fällt ihrer Oma um den Hals.
Nach kurzem Zögern drückt diese sie fest an sich.
Hallo, wird man hier nicht bedient!“ ruft ein älterer Mann etwas ungeduldig.
Sofort!“
Marga und Christiane sehen noch eine Weile amüsiert zu, wie Ingelore mit dem Mann um den Preis feilscht, dann schlendern sie weiter, um auch die andern Tische zu betrachten.
Ingelore aber legt die Krippe, auf der Minka zu sehen ist, beiseite.
Die sollte die Oma zu Weihnachten bekommen.
Andrea hatte ein längeres Gespräch mit Pfarrer Gietl und kommt nun wieder aus der Kirche.
Um ein Uhr war der Tisch leer.
Alles war verkauft und sie hatten beträchtliche Einnahmen, die für einen guten Zweck bestimmt waren.
Andrea zählt das Geld und liefert es beim Pfarrer ab, dieser kommt heraus und reicht Ingelore die Hand.
Das hast du wirklich gut gemacht. Ich danke dir.“
Das Mädchen errötet vor Freude und macht einen
Knicks.
Fräulein Naumann hatte recht, der neue Pfarrer war nicht wie Pfarrer Broderich.
In der Villa Naumann führt Andrea das Mädchen ins Arbeitszimmer.
Hier, ich habe noch weihnachtliches Geschenkpapier, damit kannst du die Krippe für deine Oma einpacken.“
Sie hilft ihr dabei und mit den Sternen, die Ingelore auch zurückbehalten hat, wird das Päckchen geschmückt.
Wie zwei Verschwörer betrachten sie ihr Werk.
Du kannst es ja gleich hier lassen, da ihr sowieso den Heiligen Abend bei uns verbringt.“
Dann gehen sie ins Esszimmer, wo Gretchen bereits aufträgt.
Die Vier feiern einen wunderschönen Advent zusammen und als Ingelore glücklich in ihrem Bett liegt, erzählt sie Minka, die geduldig mit geschlossenen Augen zuhört, von ihrem Glück.
Am Mittwoch war Hl. Abend.
Wie staunt Ingelore als sie im Wohnzimmer den großen bis zur Decke reichenden Christbaum sieht.
Andrea setzt sich ans Klavier und sie singen Weihnachtslieder und in Ingelores Magen kribbelt es ganz komisch vor Freude und Glück.
Nun darf das Mädchen als erstes ihre Geschenke auspacken und die drei Erwachsenen beobachten sie gespannt.
Jubelnd hält Ingelore den roten Wintermantel an sich und jubelt weiter,als sie die dazu passende Mütze, Schal, Handschuhe und noch einen hübschen kleinen Muff auspackt.
Nun liegt noch ein schweres dickes Paket auf dem Tischchen und als sie das schöne bunte Papier entfernt, kommt ein Geschichtenbuch zum
Vorschein.
Das glückliche Mädchen fällt den Dreien abwechselnd um den Hals.
Nun ist Marga dran.
Mutter und Tochter Naumann habe sich gegenseitig nichts geschenkt und auch ihre Gäste gebeten, es nicht zu tun.
Zuerst öffnet sie das Geschenk von Ingelore und ist gerührt, als sie die Krippe sieht, die ihr so besonders gut gefallen hat.
Sie nimmt das Mädchen am Kopf und gibt ihr einen liebevollen Kuss.
In dem anderen Paket befindet sich ein Wintermantel und die dazu passende Pelzmütze.
Sie ist ganz stumm vor Freude und hält sich die Mütze an ihre Wange.
Tränen schimmern in ihren Augen und rinnen die Wangen runter, als sie dann den großen Umschlag aufmacht,auf dem ihr Name seht und die beiden Schreiben liest.
Sie umarmt ihre Freundin Christiane.
Das eine war eine Urkunde über eine Grabstätte hier im Ort und das andere eine Bestätigung,
dass am 8. Januar um 10.15 Uhr die Urne der
Dorle Benken von der Kreisstadt P in den Ort S überführt wird.
Marga muss sich setzen und Ingelore sitzt neben ihr und legt ihren Kopf an ihre Schulter.
Die Damen Naumann betrachten die Beiden gerührt.
Vergnügt wird später gefeiert bei, Ingelore zuliebe, Kinderpunsch und Plätzchen.
In der Christmette sitzt Ingelore dann zwischen ihrer Oma und den Damen Naumann.
Nun weiß sie,was das Fest Weihnachten bedeutet.
Es hat mit Liebe zu tun, mit viel Liebe, die man geschenkt bekommt und weiter verschenkt.
Ihr Blick streift Andrea, die sie heute gefragt
hat, ob sie sich im Januar taufen lassen will.
Und Andrea wird ihre Taufpatin.
Ingelore lächelt.
Eine Taufpatin war ja auch so etwas ähnliches wie eine Mutter.
Und als sie alle aufstanden und das herrliche Lied:
Stille Nacht, Heilige Nacht... sangen, da sieht Ingelore nach vorne zu dem Jesuskind in der Krippe und ihr Lippen formen: „Danke!“




Dienstag, 19. November 2013

Wie Ingelore Weihnachten fang Fortsetzung 3






Frau Naumann aber steht mit einer großen Tasche in der Hand vor dem ärmlichen Häuschen von Ingelores Oma und klopfte kräftig an die Tür.
Die alte Frau öffnet und sieht sie stumm an.
Willst du mich nicht herein bitten, Marga?“
Diese dreht sich um und geht in Küche.
Frau Naumann folgt ihr schmunzelnd.
Sie zieht ihren eleganten Mantel aus legt ihn auf das Sofa neben dem Ofen und setzt sich an den Tisch.
Marga hat ihr den Rücken zugewendet und hantiert mit etwas herum.
Möchtest du Tee?“
Gerne!“
Bald stehen zwei dampfende Tassen vor ihnen und die alte Frau hat ihr gegenüber Platz genommen.
Nun Marga, morgen ist Nikolaus und ich werde deiner Enkelin ein Paar Winterschuhe schenken, das will ich dir nur sagen, damit du aus deinem dummen
Stolz heraus, dem Mädel nicht die Freude verdirbst.“
Marga presst unwillig die Lippen zusammen, doch dann grinst sie.
Christiane versuchst du wieder einmal mit mir dein Pausenbrot zu teilen?“
Die beiden prusten los, wie zwei junge Mädchen und der Bann ist gebrochen.
Und nun geht es ans erzählen, von früher, als sie noch Freundinnen waren.
Weißt du?“ meint Marga versonnen, dass diese vier Jahr mit dir, meine schönsten Jahre waren?“
Christiane erschrickt ein wenig, sie war immer mit Liebe umgeben gewesen, und als sie ins Gymnasium kam hatte sie sofort viele neue Freundinnen
gefunden und das kleine Mädchen aus der Dorfschule bald vergessen.
Aus einem Impuls heraus meint sie.
Marga, lass uns unsere Freundschaft wieder erneuern.
Wir sind beide nicht mehr jung und diesmal wollen wir keine Minute vergeuden.“
Sie reicht ihr die Hand und nach kurzem zögern schlägt diese ein.
Christiane aber greift in die Tasche und zieht ein Wollknäuel heraus.
Ich möchte dich und Ingelore, die wir sehr ins Herz geschlossen haben für Heilig Abend zu uns einladen.
Einen Wintermantel habe ich für deine Enkelin gekauft, er ist rot mit einem weißen Pelzkragen. Da du doch immer so schöne Handarbeiten machen konntest, dachte ich mir, du strickst für das Mädchen einen Schal, eine Mütze und Handschuhe dazu, vielleicht langt die Wolle auch noch für einen Muff.“
Marga nimmt die Wolle und hält sie an ihre Wange.
Schön weich.“ murmelt sie.
Christiane lächelt.
Erinnerst du dich noch, wie du für mich immer die Handarbeiten gemacht hast, wenn ich sie mal wieder total verkorkst hatte?“
Sie lächeln sich an.
Übrigens hat Ingelore deine geschickten Hände geerbt, du solltest sehen welch herrliche Sterne sie gemacht hat für den Weihnachtsbasar.
Überhaupt erinnert sie mich oft an dich, sie ist dir sehr ähnlich.“
Marga sieht stumm in ihr Tasse Tee, dann bricht es plötzlich aus ihr heraus.
Ach Christiane, ich habe alles falsch gemacht!
Ich habe Ulli geheiratet weil er so fröhlich war und es ihm gelang mich zum Lachen bringen.
Du weißt wie streng und ernst mein Vater war und meine Mutter, die sich nie den Mund aufmachen traute.
Doch Ulli war ein Bruder Leichtfuß, dem das Geld nur so zwischen den Fingern verrann und wenn ich ihm Vorhaltungen machte, dann lachte er nur.
Dann kam meine Dorle auf die Welt.
Sie war ein so schönes Baby und ich liebte sie vom ersten Moment an.
Ulli vergötterte seine hübsche Tochter und sie ihn.
Er verwöhnte sie wie eine kleine Prinzessin und wenn ich schimpfte, dann war ich immer die böse Mama.
Als Ulli dann verunglückte hat Dorle sich total verändert.
Sie redete nicht mehr mit mir und fing an sich mit Jungs herumzutreiben und dann verschwand sie eines Tages bei Nacht und Nebel.
Zehn Jahre später stand sie dann plötzlich mit Ingelore vor meiner Tür. Ich war so verbittert und habe ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen.
Und kurz darauf war sie tot!“
Plötzlich fängt Marga zu weinen an, immer heftiger strömen die Tränen aus ihren Augen, als hätte sich ein Damm gelöst und die seit vielen Jahre zurückgehaltenen Tränen losgelassen.
Christiane sitzt ganz still da und legt nur ihre Hände über die verarbeiteten alten Hände ihrer Freundin.
Als das Schluchzen langsam weniger wird, reicht sie Marga ein Taschentuch.
Diese trocknet sich die Tränen und schnäuzt kräftig und steckt es in ihre Schürze, dann lächelt sie.
Du bekommst es wieder, wenn ich es gewaschen habe, aber vielleicht behalte ich es auch, denn so ein schönes Taschentuch hatte ich noch nie.“
Christiane aber nimmt ihre Hand und sieht sie eindringlich an.
Marga, wenn wir unsere Kinder zum ersten Mal im Arm halten, dann wissen wir nicht, ob wir immer alles richtig machen und was im Leben auf sie zu kommt und ob wir sie immer vor allem beschützen können.
Deine Dorle hat den unruhigen Geist deines Mannes geerbt und sie ist ständig einem Glück nachgejagt, das es gar nicht gibt.
Dort wo sie jetzt ist, hat sie sicher ihren Frieden gefunden.“
Ich weiß nicht, ob es in der Hölle so friedlich ist!“ meint Marga bitter.
Marga, wie kommst du denn auf die dumme Idee, dein fehlgeleitetes Kind wäre in der Hölle!“
Durch Pfarrer Broderich, er war kurz nach Dorles Tod bei uns und wetterte, dass meine Tochter nicht auf seinem Friedhof beerdigt werden würde.
Eine so sündhafte Person, die sicher in der Hölle schmort, wäre eine Beleidigung für die vielen aufrechten und ehrlichen Bürger die dort beerdigt wären.“
Christiane schnaubt und flucht:
So ein verdammter Idiot!
Ich konnte den Broderich noch nie leiden, ein Glück dass er in Pension ist, dieser aufgeblasene Wichtigtuer!“
Magda sieht sie verwundert an, dann grinst sie.
Christiane hast du soeben deine gute Erziehung vergessen?“
Die beiden prusten los wie zwei Teenager.
Doch dann wird Marga wieder ernst.
Das schlimmste aber war, dass Ingelore auf einmal in der Tür stand und alles mit angehört hat.
Du musst aber nicht glauben, der alte Pfarrer wäre verlegen geworden und hätte freundlich zu dem Kind gesprochen.
Nein, jetzt ging er auf Ingelore los, beschimpfte sie als Heidenkind, weil sie nicht getauft war und Kind der Sünde, das einmal neben ihrer Mutter in der Hölle schmoren würde.
Wochenlang hatte die Kleine danach Albträume.“
Christiane schwieg erschüttert.
Wo liegt denn nun dein Dorle?“
Ich habe in der Kreisstadt ein Urnengrab gekauft.“
Christiane nickt ernst und meint dann:
Der neue Pfarrer Gietl ist ein moderner aufgeschlossener Mann, vielleicht kann man mit ihm reden und dein Dorle hierher überführen lassen.“
Margas Augen leuchten auf.
Lange noch reden die beiden Freundinnen miteinander und als Ingelore nach Hause kommt, ist sie ganz erstaunt Frau Naumann bei ihrer Oma zu sehen.
Diese verabschiedet sich und während sie nach Hause geht, denkt sie, wie viel die kleine Ingelore in ihren neun Jahren schon mitmachen musste und trotzdem so ein wunderbares Geschöpf war.
So stark wie ihre Oma.





Montag, 18. November 2013

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 2




Unterwegs trifft sie ein paar Mitschülerinnen und sie liefern sich eine fröhliche Schneeballschlacht.
Nach dem Unterricht nimmt Fräulein Naumann sie zur Seite und fragt sie, ob sie nicht mit ihr für den Weihnachtsbasar, der am 4. Advent vor der Kirche stattfand, etwas basteln wollte.
Ingelore strahlt, doch dann meint sie zaghaft:
Ich weiß nicht, ob Oma es erlaubt.“
Dann frag sie doch einfach. Ich erwarte dich um 15 Uhr.“
Pünktlich um 15 Uhr klingelt es an der Villa Naumann und Gretchen, das Hausmädchen lässt Ingelore ein, führt sie in den Salon, wo Mutter
und Tochter gerade Tee trinken.
Ingelore bekommt einen Kakao und ein Stück Gugelhupf, dann geht Andrea mit ihr ins Arbeitszimmer.
Später kommt Frau Naumann dazu und erzählt von einem Schneemann,der spazieren gehen wollte.
Während Ingelore mit flinken Fingern Sterne bastelt, hört sie aufmerksam zu.
Als es Zeit zum heimgehen ist, fragt Andrea, ob sie morgen wiederkommen will.
Das Mädchen nickt mit strahlenden Augen.
Sein Blick gleitet zum Fenster, wo große Schneeflocken vom Himmel fallen und es springt auf.
Ich muss nach Hause!“
Aber warum so schnell?“
An der Tür dreht sich das Mädchen um.
Ich will einen Schneemann bauen!“
Das Lachen der beiden Frauen verfolgt sie bis auf die Straße.
Daheim angekommen, steckt sie kurz den Kopf durch die Tür und ruft:
Oma, ich bin wieder da!“
Bald steht ein großer stattlicher Schneemann im
Garten.
Später als Ingelore mit Minka im Arm im Bett liegt, denkt sie vor dem Einschlafen:
Ob mein Schneemann heute Nacht auch spazieren geht?“

Als Ingelore am nächsten Morgen mit der Schultasche unterm Arm das Haus verlässt, sieht sie, dass ihr Schneemann einen alten ausgefransten Strohhut trägt.
Das war doch der alte Hut der Oma, den Rosa, die Ziege angefressen hatte.
Das Mädchen blickt zurück zum Haus und sieht die
Oma am Küchenfenster.
Grinsend hebt Ingelore die Hand und winkt und die Oma lächelt leicht und zaghaft winkt sie zurück.
Beschwingt eilt das Mädchen zur Schule.

Nachmittags um 15 Uhr steht sie wieder vor der Villa Naumann.
Immer wieder staunt die Lehrerin welch wunderschöne Gebilde unter Ingelores Händen entstehen.
Auch Frau Naumann bewundert die vielen glitzernden Sterne und meint lächelnd.
Deine Basteleien sind ja wundervoll.“
Andrea blickt auf die zwei großen Kisten mit Sternen und lacht.
Ich denke wir haben genügend für den Weihnachtsbasar.“
Als sie das enttäuschte Gesicht des Mädchens sieht, meint sie schmunzelnd.
Keine Bange, du wirst nicht arbeitslos.
Ich habe mir gedacht, wir basteln kleine Krippen, das ist zwar aufwendiger, aber wenn wir uns ran halten und mit deinen geschickten Händen könnten wir es schaffen.“
Ingelore nickt vergnügt.
Dann werde ich morgen gleich nach der Schule in die Kreisstadt fahren und die Sachen die wir brauchen in dem Bastelladen besorgen.“ lacht Andrea.
Das Mädchen erhebt sich und verabschiedet sich.
Ach Ingelore, gehe doch noch in der Küche vorbei, ich habe die Köchin gebeten, für deine Oma eine Tüte mit Plätzchen zurecht zu machen,,“ ruft Frau Naumann ihr nach.
Später als Ingelore im Bett ist, sitzt ihre Oma am Tisch und knabbert genüsslich die feinen Backwaren und sie denkt an Frau Naumann.
Sie sind zusammen in dieselbe Klasse gegangen und als Christiane Naumann bemerkte, dass Marga nie ein Pausenbrot mitbekam hat sie ihr Brot mit ihr geteilt.
Vier Jahre ging das so, dann kam Christiane ins Gymnasium und sie haben sich aus den Augen verloren.
Und nun ist ihr Tochter fast täglich bei den Naumanns und seitdem wirkt sie so fröhlich und glücklich.
Wie das Leben doch manchmal spielt.
Als Ingelore am nächsten Tag in die Villa kommt muss sie ihren Kakao mit Andrea allein trinken
Das Mädchen ist etwas enttäuscht, denn sie mag die alte Frau Naumann, die immer so schöne Geschichten erzählt.
Andrea, die den Blick bemerkt hat, lächelt.
Meine Mutter muss heute etwas wichtiges erledigen, aber ich habe eine schöne CD mit
Weihnachtsliedern.“
Und bald klingen die herrlichen Töne durch das adventlich geschmückte Zimmer.

Sonntag, 17. November 2013

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 1





Am nächsten Morgen, nachdem Ingelore sich im Waschhaus mit dem eiskalten Wasser gewaschen hat, eilt sie in die Küche und kniet sich vor den Ofen, um Feuer zu machen, wie es ihre Aufgabe ist.
Ihre Oma kommt mit einem Eimer Milch aus dem Ziegenstall und gießt einen Teil davon in den Topf und schiebt ihn auf den Ofen.
Ingelore hat inzwischen zwei Scheiben Brot von dem großen Laib geschnitten und zusammen mit Butter und Marmelade auf den Tisch gelegt.
Frau Benken schüttet die heiße Milch in zwei dicke Tassen und stellt eine davon vor ihre Enkelin.
Die erste Zeit hat Ingelore sich vor der Ziegenmilch geekelt, aber mittlerweile hat sie sich an den seltsamen Geschmack gewöhnt.
Das Frühstück wird wie immer schweigend eingenommen.
Ingelore stört es nicht, so kann sie ihren Gedanken nachhängen.
Heute war der erste Schultag nach den großen Ferien und sie würden eine neue Lehrerin bekommen. Die Tochter vom Apotheker Naumann, der letztes Jahr gestorben war.
Deshalb hatte seine Tochter die Lehrerstelle hier in ihrem Heimatdorf angenommen, um bei ihrer Mutter zu sein.
Wie sie wohl war die neue Lehrerin?
Ingelore war froh, dass Fräulein Hartleitner in Pension gegangen war,denn diese hatte sie immer härter behandelt als die anderen Kinder und war oft ungerecht zu ihr gewesen und mehr als einmal hatte sie Ingelore vor der ganzen Klasse lächerlich gemacht.
Fräulein Naumann erwies sich als sehr freundlich und gerecht.
Zum ersten Mal fühlt Ingelore sich nicht vom Unterricht ausgeschlossen, auch war der Unterricht nicht so langweilig wie bei Fräulein Hartleitner und Ingelore macht es richtig Spaß.
Fräulein Naumann duldet auch nicht, dass die anderen Kinder sie verspotten oder ärgern.
Und als der dicke Karl, der Sohn des Bürgermeisters einmal den langen Zopf von Ingelore in das Tintenfass steckt und ihre Kleider danach voller Tinte sind, wird Fräulein Naumann sehr böse.
Karl muss nachsitzen, bekommt eine saftige Strafarbeit und einen Brief nach Hause.
Der Bürgermeister hat sich persönlich bei Ingelore und ihrer Oma entschuldigt und sein Sohn muss die Reinigung von seinem Taschengeld bezahlen.
Seitdem wagt keiner mehr Ingelore zu ärgern und diese verehrt ihre Lehrerin seit diesem Tag.
Zum ersten Mal in ihrem Leben ist jemand für sie eingetreten.
Der Sohn des Bürgermeisters war ja immer der erklärte Liebling von Fräulein Hartleitner gewesen und wenn er Ingelore etwas antat, dann wurde immer diese bestraft und nicht der Übeltäter.
Das Mädchen merkt, wie gern sie plötzlich in die Schule geht und wie viel Spaß das Lernen macht. Und ihre Noten verbessern sich rapide.
Am Erntedankfest darf sie beim Binden der Garben helfen und Fräulein Nauman bemerkt, was für geschickte Hände das Mädchen zum Basteln hat und wie kreativ sie doch war.
Auch den anderen Mädchen fällt es auf und wenn sie nicht weiter wissen, dann kommen sie zu Ingelore und diese hilft ihnen gerne.
Und so wird das Mädchen stillschweigend in die Klassengemeinschaft aufgenommen.

Mittlerweile ist es schon November und Andrea Naumann sitzt mit ihrer Mutter im Salon bei einer Tasse Tee.
Weißt du Mama, diese Ingelore ist schon ein besonderes Mädchen, klug, sehr begabt, kreativ, aber auch sehr verschlossen.“
Frau Naumann sieht sie aus ihren gütigen Augen an.
Sie hat es nicht leicht die Kleine.
Ihre Mutter hat sie bei der Oma abgeliefert wie ein Paket und die alte Benzen, nun sie ist nicht gerade ein fröhlicher Mensch.“
Andrea nickt.
Weißt du, was mir Fräulein Hartleitner erzählt hat?
Letztes Jahr ließ sie die Kinder einen Aufsatz schreiben, über ihre Erlebnisse an Weihnachten. Und Ingelore hat ein weißes Blatt abgeliefert.
Sie bekam eine Sechs!“
Ihre Mutter nimmt einen vorsichtigen Schluck von dem heißen Tee und sieht versonnen aus dem Fenster.
Ich bin mit Marga,der Großmutter von Ingelore in die Schule gegangen.
Sie hatte keine schöne Kindheit.
Ihr Vater war ein strenger verschlossener Mann und ihre Mutter eine verhärmte verschüchterte Frau.
Sie haben nie Weihnachten gefeiert.
Ich kann mir vorstellen, dass Marga auch heute noch kein Weihnachten feiert.
Wie soll das Kind also über etwas schreiben, das sie gar nicht kennt.
Letztes Jahr hat man sie gesehen, wie sie am heiligen Abend durch das Dorf stromerte und in die hell erleuchteten Fenster sah.
Manche haben sich erschreckt, als sie plötzlich ein Gesicht auftauchen sahen, doch als sie vor die Tür gingen, war sie wie der Blitz verschwunden.“
Andrea schüttelt traurig den Kopf, doch dann erhellt sich ihr Gesicht.
Mama, wie wäre es, wenn wir ihr dieses Jahr ein unvergessliches Weihnachten bereiten würden?“
Gute Idee! Aber nun möchte ich mich etwas hinlegen, meine Knochen schmerzen heute besonders arg“
Frau Naumann blickt aus dem Fenster.
Morgen wird es schneien, ich spür`s in den Knochen!“ lacht sie.
Andrea hilft ihr aus dem Sessel und umarmt sie.
Kleiner Wetterprophet!“
Dann flüstert sie.
Danke, dass du und Papa mir so eine schöne Kindheit gegeben und mir so viel Liebe geschenkt habt.“
Die beiden Frauen sehen sich lächelnd an.
Am nächsten Tag liegt wirklich eine dicke Schneedecke über dem Land.
Ingelore schippt den Weg zum Gartentor frei, bevor sie frühstückt.
Dann schnappt sie sich ihre Schultasche und macht sich auf den Weg.

Dann wünsche ich euch mal einen schönen Sonntag.
Einige werde die Geschichte vom letzten Jahr noch kennen,aber es sind auch viele neue Leser hier,deshalb habe ich gedacht ich setzt sie nochmal hier ein, denn sie gehört zu meinen Lieblingsgeschichten und man kann sie immer mal wieder lesen.