Dienstag, 29. Juli 2014

Lilaluna, Anneliese und das Löwenzahnfest - Reizwortgeschichte

Heute wurden folgende Reizwörter verwendet:


Dualität, Paradies, regnerisch, gehen, traurig







Lilaluna, Anneliese und das Löwenzahnfest


Voller Konzentration, die Stirn gefurcht, die Zunge zwischen den Lippen beugt sich Anneliese tief über ihr Heft.
Heute ist die Hausaufgabe besonders schwer, denn zur Zeit lernen sie Fremdwörter.
Frau Streit hat ihnen einige Fremdwörter an die Tafel geschrieben und ihre Bedeutung erklärt und nun sollen sie mit jedem Wort einen Satz bilden.
Von den zehn Wörtern machte ihr nur das letzte „Dualität“ Kopfzerbrechen.
Doch dann fiel ihr auch hierzu etwas ein, wenn der Satz sich auch nicht besonders originell anhörte.
Dualität bedeutet, dass alles zwei gegensätzliche Seiten hat, zum Beispiel: stehen – gehen, sonnig – regnerisch,
Paradies – Hölle.
Anneliese schlägt das Heft zu und ruft dann überrascht.
Wie lange bist du denn schon hier?“
Denn Lila-Luna sitzt mit unterschlagenen Beinen auf dem Tisch und ihre Augen funkeln vergnügt.
Du siehst ja schrecklich wütend aus, wenn du schreibst und auf deiner Stirn waren Wellen.“
Das Mädchen lacht: „ Ich war nicht wütend nur sehr konzentriert, denn die Aufgabe war nicht leicht. Ich mag keine Fremdwörter.“
Ich weiß zwar nicht, was Fremdwörter sind, aber wenn du sie nicht magst, dann mag ich sie auch nicht.“
Sie grinsen sich an und Anneliese packt ihren Schulranzen.
Ich will dich abholen, denn heute ist Löwenzahnfest, davon habe ich dir doch erzählt, unsere Schulanfänger dürfen mit den Samensträngen des Löwenzahns fliegen, damit sie ein Gefühl dafür bekommen.“
Anneliese kann sich daran erinnern. Elfen bekommen erst nach dem Abschluss der Schule ihre Flügel, sowie auch ihre Freundin ihre Flügel bekam, als sie sich kennen lernten.
Jetzt ging Lila-Luna in die höhere Schule, um ihre Zauberkunst zu vervollständigen.
Anneliese findet es beruhigend, dass auch Elfen sich in der Schule abplagen müssen.
Sie grinst bei dem Gedanken, dann aber sieht sie sich suchend um.
Hast du denn Brummer nicht mitgebracht.
In dem Moment kommt der Hummel durch das Fenster und landet schwerfällig auf dem Tisch.
Er schenkt dem Mädchen ein etwas dämliches Grinsen und blickt dann verträumt in die Ferne.
Anneliese wirft Lila-Luna einen fragenden Blick zu, die beide Hände auf den Mund gepresst, verzweifelt versucht ein Kichern zu unterdrücken.
Schnell fliegt die Elfe auf Annelieses Schultern und im Schutz der langen Haare bricht sie in ein fröhliches Gelächter aus.
Als sie sich endlich wieder beruhigt hat, flüstert sie ihrer Freundin ins Ohr.
Brummer ist verliebt und er war gerade bei seiner Angebeteten, deshalb kommt er auch so spät.“
Nun muss auch Anneliese schmunzeln. Sie betrachtet den Hummel, der mit einem seligen Grinsen vor sich hinstarrt.
Wir müssen los!“ drängt nun die Elfe, tippt mit dem Zauberstab auf Annelieses Schultern. Diese schrumpft auf die Größe einer Elfe und Brummer, den Lila-Luna mit einem unsanften Stups aus seiner Verzückung geholt hat, nimmt sie auf seinen Rücken.

Wie immer genießt Anneliese den Flug.
Es war einfach herrlich die Welt von oben zu betrachten.
Bald haben sie ihren Garten und die Häuser der Siedlung verlassen, fliegen über weite Felder und dann durch den Wald.
Anneliese späht hinunter, ob sie vielleicht Doktor Wichtel irgendwo entdeckt und tatsächlich er steht vor seinem Häuschen und sie ruft und winkt heftig. Vergnügt grinsend winkt er zurück.
Wie schön war es wieder hier zu sein!
Neben einem großen Löwenzahnfeld setzt Brummer sie ab, wendet und verschwindet ohne Gruß.
Siehst du, mit ihm ist nichts mehr anzufangen, die Liebe hat sein Hirn vernebelt.“
Kichernd fassen sie sich an den Händen und laufen zu den Anderen.
Die Kleinen stehen in einer Gruppe und trippeln aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Sie können es kaum erwarten mit den Samensträngen des Löwenzahns durch die Luft zu segeln.
Die Eltern und Geschwister stehen etwas abseits von ihnen und sind nicht weniger aufgeregt, doch können sie es besser verbergen.
Anneliese begrüßt Lila-Lunas Eltern und will auch Bellinda ihre große Schwester, die die Zauberschule bereits abgeschlossen und nun Lehrerin werden will, begrüßen.
Aber diese bemerkt sie gar nicht, denn sie blickt mit scheuen Augen hinüber zu einem Jungen, der die Hände in den Taschen vergraben auf den Boden starrt und nur ab und zu einen Blick auf das Mädchen wirft.
Bellinda und Angos sind auch ineinander verliebt und seitdem sind sie nicht mehr normal. Die Liebe macht einen tatsächlich zu Narren. Ich werde mich niemals verlieben!“
erklärt Lila-Luna.
Ich auch nicht!“ ruft Anneliese im Brustton der Überzeugung und lachend fallen sie sich in die Arme.
Frau Professor Elektra betritt nun die Wiese und Stille tritt ein.
Mit einigen freundlichen Worten begrüßt sie die Schüler und ihre Verwandten, dann hebt sie ihren Zauberstab und aus den eben noch gelben Löwenzahnblüten entstehen graue zarte Pusteblumen.
Viele kleine Wesen in grauen Kapuzenmänteln fliegen nun auf die Wiese.
Sind das auch Elfen,“ flüstert Anneliese.
Nein, das sind die Kinder des Windes, sie helfen unseren Kleinen beim Fliegen.“ erklärt Lila-Luna, ebenfalls flüsternd.
Frau Elektra hebt nun die Hand und lärmend stürmen die Kleinen los, mitten zwischen die Pusteblumen.
Flink klettern sie die Stängel hoch greifen sich einen der zarten Samen und lassen sich von den Windkindern in die Luft pusten.
Jubelnd und kreischend segeln sie durch die Luft, landen weich im Gras und rennen zurück, um dann wieder erneut zu fliegen.
Stolz von ihren Eltern beobachtet.
Besonders Pito, Lila-Lunas kleiner Bruder erweist sich als besonders mutiger und waghalsiger Flieger, was seinen Vater sehr erfreut.
Frau Elektra aber die in der Nähe steht, murmelt.
Der Kleine wird uns noch eine Menge Ärger bereiten, schlimmer als seine Schwester.“
Lila-Luna, die das gehört hat, errötet und sieht ihre ehemalige Lehrerin herausfordernd an.
Die aber schmunzelt und wendet sich ab.
Anneliese aber legt den Arm um die Schulter ihrer traurigen Freundin.
Mach dir nichts daraus, du hast doch deine Flügel bekommen und auch Pito wird sie bekommen. Frau Elektra ist nicht so böse wie sie tut und im Grunde ihres Herzen mag sie dich, da bin ich ganz sicher.“
Lila-Luna ist wieder getröstet und nun sehen sie voller Freude den Kindern zu.
Später dann wird gefeiert bei Honigmet und Blumenküchlein.
Viel zu schnell vergeht die Zeit.
Da Brummer sich nicht blicken lässt, zaubert Lila-Lunas Mutter sie zurück.


Wenig später steht Anneliese wieder in ihrem Zimmer.
Sie holt unter der Matratze ihr Tagebuch heraus und beginnt ihre Erlebnisse aufzuschreiben.


© Lore Platz





 

Dienstag, 22. Juli 2014

Reizwortgeschichte - Zuflucht in der Bärenhöhle


Reizwörter:
Baum, Sturm, knacken, ruhig , laufen






Zuflucht in der Bärenhöhle


Andabar setzt sich in seinen gemütlichen Ohrensessel und sieht sich in seiner kleinen Stube um. Wie ruhig es doch ist und er genießt es.
Mit Hilfe der Biber hatte er sich diese Stube mitten in einem Baum gebaut, als er damals in den Wald, weit weg von seiner Heimat, kam.
Ein großer Erdrutsch hatte die kleine Zwergenstadt vernichtet und seinen Großvater und seine Großmutter unter Steinen und Geröll begraben.
Die anderen Zwerge, die überlebt hatten, waren ins nächste Dorf zu ihren Verwandten gegangen.
Doch er, Andabar, stand ganz allein auf der Welt und deshalb beschlossen, auf Wanderschaft zu gehen.
Er schmunzelt bei dem Gedanken, was er alles erlebt und gesehen hat. Schließlich war er bei einem alten Einsiedler gelandet und hatte dort die Heilkunst erlernt.
Doch dann trieb es ihn wieder weiter und nach vielen Jahren war er dann hier im Wald gelandet und es hatte ihm gleich gefallen.
Und als dann sein Stübchen im Baum bezugsfertig war und er sich seine Möbel gezimmert hatte und die Tiere des Waldes ihn eines Tages mit einer weichen Decke und einem Kissen für sein Bett überraschten, die Madame Spinne und ihre Helferinnen gefertigt hatten, da fühlte er sich endlich angekommen.
Und seitdem war der Wald seine Heimat und alle Bewohner darin seine Freunde.
Nachdenklich runzelt er die Stirn.
Heute war ein seltsamer Tag, die Vögel waren verstummt und haben sich verkrochen. Die Tiere waren unruhig und manche sogar agressiv. Mehr als einmal musste er einen Streit schlichten oder kleine Wunden verbinden.
In der Luft lag eine Schwüle und ein ungutes Flimmern.
Andabar hebt lauschend den Kopf. Ein Heulen und Rauschen ist plötzlich zu hören.
Er klopft seine Pfeife aus, legt sie auf den Tisch und tritt vor die Tür.
Der Wind haut ihn fast um und schlägt hinter ihm die Tür ins Schloss.
Blätter, kleine Äste und Sand vor sich her treibend jagt der Sturm durch den Wald.
Der Zwerg hört über sich ein knacken und kann gerade noch zur Seite springen, denn ein großer Ast fällt vom Baum.
Seine Mütze fest haltend dreht er sich um und will zurück in seine Wohnung.
Doch der dicke Ast liegt direkt vor seiner Tür.
Aus dem Unterholz stürmen die Tiere und laufen blindlings in Panik an ihm vorbei, aber alle in eine Richtung.
Wo wollt ihr hin!“ ruft Andabar.
Ein Dachs dreht sich kurz um. „Zur Bärenhöhle!“
Nun läuft auch der Zwerg los, doch seine dicken kurzen Beine sind nicht so schnell. Auch bremst ihn der Wind und treibt ihm Sand in die Augen.
Doch dann steht Schlitzohr, der Fuchs auf einmal neben ihm.
Steig auf meinen Rücken, Andabar!“
Der Zwerg klettert auf den Rücken seines Freundes und ab geht die wilde Jagd.
Als sie die schützende Höhle erreichen ist sie voll von Tieren der verschiedensten Art.
Ein Rudel Rehe steht dichtgedrängt beieinander, Dachse sitzen neben Hasen, Marder neben Eichhörnchen, eine Mäusefamilie hat sich eingefunden und selbst die scheue Schlange Millie liegt in einer Ecke, etwas abseits von den
Anderen.
Bruno, der Bär kommt nach vorne und heißt seine unerwarteten Gäste herzlich willkommen.
Andabar bedankt sich im Namen aller, dann setzt er sich mitten in den Raum und langsam kommen die Tiere näher und bilden einen Kreis.
Stumm beobachten sie das Toben vor dem Eingang.
Eine Blätterkugel wird von einem Windstoß herein gewirbelt und bleibt still liegen.
Neugierig beobachten die Tiere die seltsame Kugel, die sich auf einmal bewegt und die Nase und zwei vergnügt funkelnde Augen von Isidor, dem Igel, erscheint.
Guten Tag, alle Miteinander, das war eine Fahrt. Ich konnte nicht so schnell laufen wie ihr und habe mich zum Ausruhen eingeigelt, da packt mich plötzlich der Wind und rollte mich direkt hierher.“ 
Er kichert: „ So schnell bin ich noch nie vorwärts gekommen.“
Alle lachen und die trübe Stimmung ist vorbei. 
Die Tiere machen es sich gemütlich und beginnen fröhlich zu plaudern.
Andebar aber klaubt vorsichtig die Blätter von den Stacheln des Igels und schichtet sie in eine Ecke.
Plötzlich springt Schlitzohr auf und schüttelt seinen buschigen Schwanz.
Eine Ameise fliegt heraus, schlägt einen Salto in der Luft und landet ziemlich unsanft auf dem Boden.
Musst du denn so grob sein!“ schimpft der Ameisenjunge.
Ja Fridolin, wo kommst du denn her, solltest du nicht in eurem Bau sein, dort wärst du doch sicher.“ ruft Andabar erstaunt.
Der Junge errötet, „ich war wohl zu langsam und dann habe ich mich auch noch verirrt.“
Da hast wohl mal wieder geträumt.“
Fridolin nickt verlegen, doch dann lacht er.
Aber es ist doch alles gut gegangen, ich sah wie der Fuchs dich auf seinen Rücken steigen ließ und habe mich schnell in seinen Schwanz gehängt.“
Bin ich ein Ameisentaxi?“ brummt Schlitzohr, doch
niemand beachtet ihn.
Andabar nimmt seine Mütze und legt sie auf den Boden.
Fridolin, klettere auf meine Mütze, da bist du in Sicherheit,“ brummt er gutmütig und meint dann grinsend:
Und dort oben darfst du träumen soviel die willst.“
Die Tiere lachen und der Ameisenjunge klettert schnell auf die rote Mütze, die sich der Zwerg dann wieder auf den Kopf stülpt.
Der Eingang verdunkelt sich und Bertold der Hirsch und seine Frau Felina wanken in die Höhle.
Müde lassen sie sich zu Boden fallen. Bertold fehlt ein Stück seines Geweihs und Felina lehnt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an seine Schulter.
Auf die besorgten Blicke der Tiere erklärt der Hirsch schwer atmend:“ Beinahe hätte uns ein umstürzender Baum unter sich begraben.“
Deshalb fehlt dir ein Stück von deinem Geweih?“ meint Andabar mitfühlend.
Das ist nicht so schlimm,“ wehrte dieser ab, “aber Felina ist verwundet, der Baum hat ihre Hinterhand gestreift.“
Der Zwerg beugt sich über die Wunde.
Sie ist zum Glück nicht tief, aber sie kann sich entzünden. Ich muss sie säubern.“
Bruno, der Bär ruft: „Weiter hinten in der Höhle ist eine Quelle.“
Frau Eichhorn, die Andabar schon oft assistiert hat, nimmt das Taschentuch, das dieser ihr reicht und läuft neben Bruno zur Quelle.
Dankend nimmt der Zwerg das nasse Taschentuch und beginnt vorsichtig die Wunde auszuwaschen.
Obwohl sich in Felinas Augen Tränen sammeln vor Schmerz, gibt sie keinen Laut von sich.
Sie legt nur ihren Kopf an Bertolds Hals und dieser bedeckt
ihn tröstend mit seinem Haupt.
Dann ist Andabar fertig und reicht das Tuch an Mirella Eichhorn, die nochmal zur Quelle springt, um es auszuwaschen.
Andabar aber sieht sich suchend in der Höhle um, dann fällt sein Blick auf die Blätter und er strahlt.
Da waren doch auch Arnikablätter dabei. Schnell wühlt er in dem Haufen und findet was er sucht.
Zwischen den Händen zerreibt er das Arnika, streut es in die Wunde und legt das sauber ausgewaschene Taschentuch darüber.
Felina wirft ihm einen dankbaren Blick zu und schmiegt sich an ihren Mann.
Auch Bertold bedankt sich.
Der Zwerg setzt sich mit gekreuzten Beinen wieder auf den Boden und hört lächelnd der gemurmelten Unterhaltung zu.
Ich habe Hunger!“ quengelt Susi, die jüngste der Hasenkinder.
Schlitzohr springt auf, fixierte sie und fährt mit der Zunge über seine Lippen.
Ich habe auch Hunger,“ meint er gedehnt.
Susi verschwindet quietschend hinter ihrer Mutter, die dem Fuchs einen kampfeslustigen Blick zu wirft.
Andabar aber gibt ihm einen leichten Klaps auf die Schnauze.
Benimm dich, du erschreckst nur die Kleine, hier wird niemand gefressen!“
Spielverderber!“ knurrt Schlitzohr, verzieht sich in die Ecke, rollt sich ein, legt die Schnauze auf seinen buschigen Schwanz und schließt die Augen.
Draußen aber toben noch immer die entfesselten Winde und treiben ihr wildes Spiel, als würden sie niemals müde werden. Langsam senkt sich die Nacht über den Wald.
Die Hasenkinder, die bisher herum getollt haben kuscheln sich müde an ihre Eltern.
Und Frau Hase beginnt erst leise zu summen, dann singt sie mit zarter Stimme ihre Kinder in den Schlaf.
Doch nicht nur die Hasenkinder schlafen ein, auch über die kleine Gesellschaft legt sich die Musik wie ein zarter Schleier und lässt sie den schrecklichen Sturm draußen vergessen und schickt sie ins Land der Träume.
Andabar ist der Erste, der am nächsten Morgen erwacht.
Er tritt vor die Höhle.
Der Sturm hat sich endlich zurück gezogen aber eine schreckliche Verwüstung hinterlassen.
Die Tiere kommen alle aus der Höhle und auch sie betrachten besorgt ihren schönen Wald.
Bald wird der Förster und seine Waldarbeiter kommen und alles wieder in Ordnung bringen,“ tröstet der Zwerg.
Rechts, links, eins, zwei!“ ertönt es plötzlich und eine Schwadron Ameisen  bahnt sich einen Weg durch Äste und Blätter.
General Zack Zack bleibt vor ihnen stehen.
Guten Tag, habt ihr meinen Neffen Fridolin gesehen. Der dumme Junge hat wohl wieder geträumt und nicht mehr zurück in den Bau gefunden. Mache mir große Sorgen!“
Hier bin ich Onkel!“ ruft Fridolin und klettert von Andabars Mütze.
Die Augen des Generals werden einen Moment feucht, doch dann befiehlt er.
Reihe dich ein mein Junge, es geht nach Hause!“
Kehrt marsch, links, rechts, eins zwei...“
Wir sollten auch nach Hause gehen,“ murmelt Bertold und bald steht nur noch der Zwerg neben dem Bären.
Vor meiner Tür liegt ein dicker Ast, ich kann nicht in meine Wohnung.“
Das ist für mich kein Problem, steig auf meinen Rücken,“ brummt Bruno.
Bald sitzt Andabar wieder in seiner kleinen gemütlichen Stube, raucht sein Pfeifchen und ist glücklich.




Montag, 21. Juli 2014

Wieder ist es soweit

Morgen ist Reizwortgeschichtentag und das zeigt uns doch wie schnell so eine Woche vergeht.Diesmal hat meine Krankheit und auch die große Hitze mich beinahe am Schreiben gehindert und ich habe schon befürchtet, keine Geschichte bereit zu haben.
Doch ich habe es geschafft und meine fünf Reizwörter für Morgen doch noch verarbeitet.
Also könnt ihr euch auch morgen wieder auf unsere vier Geschichten freuen.


Heute Morgen fand ich dieses Bild in meinem Mail-Briefkasten.
Meine Tochter und ihr Freund sind gerade in Skandinavien unterwegs und sie schickte mir ein Foto aus Lappland.
Da wäre ich jetzt auch gern, denn dort ist es bestimmt nicht sooooo heiß.

Wünsche euch noch einen schönen Tag und macht das Beste draus.



Sonntag, 20. Juli 2014

Urlaubszeit

Da wartet man das ganz Jahr auf den Urlaub und die Freude ist riesengroß.
Der Anfang ist oft beschwerlich, besonders wenn man mit dem Auto das Urlaubsziel erreichen will. Kilometerlange Staus in sengender Hitze, wie ich gestern im TV gesehen habe.
Doch dann endlich am Ziel genießt man die unbeschwerten Tage.
Doch was ist, wenn der Urlaub vorbei und man wieder daheim ist?
Nicht immer schön, besonders nicht für uns Frauen, wie Christine in ihrer Erzählung humorvoll beschrieben hat.







Die Heimkehr


Wieso war sie eigentlich wieder nach Hause gekommen?
Missmutig starrte Marianne auf das Chaos in ihrem Gästezimmer.
Zwei Koffer, ein riesengroßer, den ihr Mann immer als "Überseekoffer" bezeichnete (das war ihrer) und einer, der kaum größer war als ihre Handtaschen. Der gehörte Gerhard. Das, was dort hineinging, würde ihm problemlos auch für eine dreimonatige Weltreise reichen. Behauptete er jedenfalls.
Vor dem Kleiderschrank lagen zwei Reisetaschen. Eine davon offen. Wie aus einem überfüllten Bauch quollen Badeanzüge und Handtücher heraus.
Auf dem Bett stapelten sich Rucksäcke, Handtaschen und Kleinkram, gnädig zugedeckt von einem ehemals weißen, jetzt aber ziemlich angeschmuddelten Bademantel.
Und das Schlimmste: Neun Stapel Wäsche, nach Farben sortiert, starrten sie vorwurfsvoll an. Sie alle warteten darauf, gewaschen, gebügelt und wieder in den Schrank geräumt zu werden....
Marianne hob mit spitzen Fingern eine blaugestreifte Socke auf, die neben dem Gästebett notgelandet war, warf sie auf einen der Wäschestapel, verließ das Gästezimmer und klappte die Türe hinter sich zu. Sie holte sich aus der Küche ein Glas und einen Piccolo, der seit Wochen im Kühlschrank kalt stand, und marschierte damit auf den Balkon.
Vorbei an ihrem Gatten, der - wie so oft - im Fernsehsessel eingeschlafen war und leise vor sich hin schnorchelte.
Der weiße Plastikstuhl hätte dringend abgewischt werden müssen - aber es war ihr egal. Sie ließ sich einfach hineinfallen, schenkte sich ihren Sekt ein, schloss die Augen, um die Bushaltestelle und die vorbeifahrenden Autos auszublenden. und kehrte in Gedanken zurück an den Ort, an dem sie bis gestern Abend so glücklich gewesen war.....
Vor ihrem geistigen Auge erschien ein weißer Sandstrand, mit Pinien bestanden, in denen Legionen von Zikaden ein Konzert gaben.
Der Motorenlärm der vorbeifahrenden Autos verwandelte sich in Meeresrauschen.
Die Sonne strahlte von einem blauen Himmel, mit weißen Wölkchen getüpfelt.
Sie brauchte nur die Beine auszustrecken, um die Zehen ins Wasser tauchen zu können.... Kinder in niedlichen Badehöschen - mache trugen sogar noch Windeln - spielten im flachen Wasser und versuchten die winzigen Fischchen zu fangen, die in ganzen Schwärmen vorbei schwammen.
Größere bauten mit Unterstützung ihrer Eltern Sandburgen, spielten Wasserball und ließen sich jauchzend von den Wellen davontragen. Die Erwachsenen genossen - genau wie sie und
ihr Mann - lesend, schlafend oder mit Kopfhörer auf den Ohren - im Liegestuhl das Strandleben.
Ein Kellner aus dem Hotel brachte einen großen Eisbecher, den er neben sie auf das kleine Tischchen stellte.
Am Strand entlang liefen die unvermeidlichen fliegenden Händler, die kleingeschnittene Melonen, frisches Gebäck, bunte Badetücher oder Strandkleider verkaufen wollten und beim Auftauchen einer Polizeistreife blitzartig ihre Waren zusammenrafften und sich unsichtbar machten. Der Handel hier am Strand war verboten - aber darum kümmerten sich die fliegenden Händler wenig.
Was war das doch für ein herrliches Leben! Konnte es nicht immer so sein? Am Abend würden sie - wohlig entspannt - in ein aufgeräumtes Zimmer mit glänzend geputztem Bad kommen und sich in schicke Garderobe werfen, um dann das üppig bestückte Büffet zu plündern. Und - wenn sie Lust hatten (oder besser gesagt, wenn Gerhard Lust hatte) - in eine der vielen Standbars zum Tanzen gehen....
Sie wurde abrupt aus ihren Träumen gerissen, als hinter ihr die Balkontür mit einem Ruck geöffnet wurde. "Ach, hier bist Du, Marianne", sagte Gerhard. "Ich habe Dich gesucht - was gibt's denn heute zu essen? Ich falle um vor Hunger!“
Aus der Traum. Nun würde sie in die Küche gehen und irgend etwas aus den im Kühlschrank herumliegenden Resten zusammenrühren. Einkaufen konnte sie erst morgen wieder, heute war Sonntag. Ab morgen war SIE wieder für alles zuständig.
Kein freundliches Hauspersonal würde ihr die verhassten Hausarbeiten abnehmen, Kaffee kochen, Frühstück machen, das Bad putzen, fürs Mittagessen sorgen, Wäsche waschen, bügeln, Einkaufen, aufräumen, abgerissene Knöpfe annähen, verschusselte Schlüssel und Geldbörsen suchen und - und - und....
Wieso war sie eigentlich wieder nach Hause gekommen ?

Copyright Christine Rieger

Donnerstag, 17. Juli 2014

Ich lade gern mir Gäste ein -- Lebensbericht einer Amselmutter

so hieß mal eine Sendung von Rene Kollo, das Lied stammt übrigens aus der Operette " Die Fledermaus".
Und auch ich lade mir ab und zu gerne Gäste ein, nicht zum singen, sondern um ihre schönen Geschichten vorzustellen.
Auf dem Balkon einer Internetfreundin nistete ein Amselpärchen und das hat Brigtitte in einer Geschichte erzählt.
Und zwar hat sie die Begebenheit aus der Sicht der Amselmutter erzählt.
Diese bezaubernde Geschichte will ich euch nun vorstellen und ich denke, sie gefällt auch genauso wie mir.




Lebensbericht einer Amselmutter


Zuerst möchte ich mich euch einmal vorstellen.
Mein Name ist Alma. -- Ja, Alma, ihr habt richtig gehört.
Ich war die Letztgeborene meiner Mutter, die auch Alma heißt. Ihr werdet sagen, dass das kein Vogelname ist.
Aber das ist eine lange Geschichte. Vor zwei Jahren nämlich, als ich in einer großen Blumenschale geboren wurde, inmitten weißer Margeriten und bunten Zauberglöckchen , erzählte meine Mutter mir, dass in unserer Familie die Letztgeborenen immer den Namen der Mutter erhalten.
Es war ein wunderschöner Sonnentag und und ich kam als Vierte zur Welt. Freudig wurde ich von meinen Geschwistern begrüßt, die schon im Nest lagen und mir nicht mehr viel Platz ließen.
Da ich die Kleinste war, wurde ich auch beim Füttern immer etwas benachteiligt, denn meine Geschwister drängelten sich immer vor. Meine Mutter hatte immer Angst um mich, dass ich nicht überleben würde, aber ich war damals schon sehr zäh.
Irgendwann wurden wir dann alle flügge, und unsere Mutter bereitete uns auf das Alleinleben vor. Wenn ich daran zurück denke,hatte ich doch einen ganz schönen Bammel .
Endlich war es soweit. Dieser Tag hat sich ganz tief in mein kleines Vogelhirn eingegraben. 2 Brüder und 1 Schwester hatten sich schon von mir verabschiedet und wollten im Busch, der vor dem Balkon steht, am nächsten Morgen auf mich warten. Ich aber traute mich nicht so recht. „Flieg, Alma ! Flieg !“ Meine Eltern redeten mir gut zu und ich versuchte mit großer Anstrengung zu fliegen. Und oh Schreck, ich landete auf dem Balkonfußboden.
Ganz aufgeregt piepste ich nach meiner Mutter, die dann auch zusammen mit unserem Vater kam und mich beruhigte.
Sie brachten mir erst mal ein paar Würmer und wiesen mir eine Ecke zu, die geschützt war. Dort sollte ich mich erst mal beruhigen und mich vom Schreck erholen.
Auf einmal erschien Brigitte. Ach ja, ich habe euch ja noch gar nicht von Brigitte erzählt. Brigitte ist ein Menschenkind, die unser Zuhause, die Blumenschale so schön gestaltet hat, und aufpasst, dass keine Elster uns was zu leide tut. Und Brigitte ist auch diejenige, die meiner Mutter den Namen Alma gab.
Das erzählte mir meine Mutter ganz stolz. Als also Brigitte mich so auf dem Balkonfußboden sah, bekam sie vor Schreck den Mund gar nicht wieder zu. So ähnlich wie ich meinen Schnabel, weil ich wirklich große Angst hatte so alleine auf dem Fußboden.
Aber dann tat sie das einzig Richtige . Sie macht die Balkontüre einfach wieder von innen zu, um mich nicht noch mehr zu ängstigen.
Meine Eltern fütterten mich weiter und beruhigten mich ein wenig. Irgendwann versuchte ich es von neuem, und da Brigitte mir durch aufeinander gestapelte Blumentöpfe eine Hilfe gab, schaffte ich es Stück für Stück über die Balkonbrüstung zu fliegen. Das war ein ungeheuer erhebendes Erlebnis für mich, zumal unten im Strauch meine Geschwister mir zuguckten und mich mit viel Gepiepse anfeuerten.
Das also war vor 2 Jahren.Inzwischen bin ich erwachsen geworden und habe nun einen Amselmann kennengelernt. Er ist wunderschön. In seine leuchtenden Augen habe ich mich sofort verliebt, sein schwarzes Gefieder glänzend wie Seide, sehr stolz, liebevoll und vor allem verlässlich.
Das hat man ja heutzutage so selten bei Männern. So ganz anders als mein Vater, der immer so ein kleiner Hallodri war, und gern anderen Amseldamen nach guckte. Ich kann mich erinnern, dass deshalb meist nur meine Mutter uns versorgte.
Aber Ansgar ist ungeheuer pflichtbewusst, und nun hat er mich zur Mutter gemacht. Ich bin überglücklich. Als ich ihm die frohe Botschaft zu zwitscherte, brachte er mir sofort einen besonders dicken Regenwurm, (das ist nämlich meine Lieblingsspeise) schnäbelte mich zärtlich und versprach, immer für mich da zu sein.
Doch nun galt es , einen Ort zu suchen, an dem ich brüten konnte. Ich entsann mich meines Geburtsortes, den Balkon von Brigitte. Sie hatte uns ja auch den ganzen Winter, der doch für uns ziemlich lang war, mit Futter versorgt. Auf ihrem Balkontisch lagen immer ein paar leckere Nüsse und Rosinen bereit, an denen wir uns gütlich taten. Ich erzählte Ansgar davon, und er inspizierte sofort diesen Ort. Er war begeistert, denn dort sah es jetzt wie im Paradies aus, und ich konnte mir gut vorstellen, dass meine Babys dort glücklich zur Welt kommen.
Also machte Ansgar sich sofort ans Werk und scharrte in einem besonders schönen Blumenkasten ein kreisrundes Loch. Dann legte er sich hinein und drehte und wendete sich hin und her, bis das Loch die Größe eines Nestes hatte. Dann flogen wir beide los, um Gräser und kleine Zweige zu sammeln , um unseren Kindern ein schönes Zuhause zu bereiten. Nach 3 Tagen hatten wir es geschafft.
Ein wunderschönes Nest war da, über das die Margeriten wie in einem Himmelbett darüber hingen.

Rechts und links davon bunte Zauberglöckchen. Es war wirklich wunderschön.
Brigittes Blick hättet ihr sehen sollen, als sie das Malheur in ihrem schönen Blumenkasten entdeckte. Doch ich kann schwören, dass ein Lächeln in ihrem Gesicht war und als sie mir neben das Nest noch eine kleine Schale mit Wasser stellte, war ich beruhigt. Wir waren also immer noch Freunde.
Nun konnte ich mich ans Brüten machen. Ansgar versorgte mich während dieser Zeit rührend mit Futter und es dauerte nicht lange, da war das erste Ei da. In den nächsten drei Tagen folgten noch drei andere Eier.
Ansgar war so stolz auf mich . Er sah die Eier ganz verliebt an und stimmte einen Jubelgesang an, in den ich natürlich aus voller Kehle einstimmte. Jetzt wurde maßlos geschnäbelt.
Nun begann für mich die langweiligste Zeit, denn ich musste die Eier ja ausbrüten. Das dauert etwa eine Woche.
Aber ich hatte ja meinen Ansgar. Ab und zu löste er mich ab, damit ich meine Flügel mal wieder bewegen konnte.
Die wären ja ganz lahm geworden.
Irgendwann war es endlich so weit.
Mein erstes Baby kam. Ganz plötzlich fühlte ich unter mir, etwas Warmes, was sich bewegt. Ich war so glücklich und zirpte Ansgar der, mich bewachend, auf der Birke saß, die freudige Botschaft zu :
Es ist da !“
Sofort kam er herunter geflogen und bestaunte seinen Sohn. Na, ihr würdet ihn wahrscheinlich nicht hübsch nennen. Er war ja noch ganz nackt. Aber für mich war es das schönste Baby , das ich je gesehen habe.Das Ganze wiederholte sich drei Tage lang und am Ende hatte ich vier kleine Babys im Nest.
Nun galt es vier hungrige Schnäbel zu füttern. Ich hatte mich bei meiner Mutter erkundigt, die mir sagte, dass man zuerst winzige Maden aus der Baumrinde füttern müsse, später dann erst die Würmer.
Brigitte saß oft am Tisch daneben, und guckte uns zu. Ich sah, wie sie es genoss.
Manchmal kam auch eine Freundin von ihr, die sehr neugierig war. Sie kam mir immer etwas zu dicht heran. Wahrscheinlich hatte sie so etwas noch nie gesehen. Da war ich doch ein wenig vorsichtiger und setzte mich auf meine Babys.
So waren wir alle glücklich , bis auf ein Problem . Der Letztgeborene machte uns sehr zu schaffen. So sehr wir uns auch bemühten, er blieb schwächlich. Die Anderen waren immer schneller und fraßen ihm auch noch das Futter weg. Und die Hitze , die gerade herrschte, tat auch noch ihr Übriges. Für uns war es schwierig geworden, Würmer aus er Erde zu picken, denn durch die Hitze war der Boden steinhart geworden.
Aber auch da dachte Brigitte mit und kippte ab und zu ein paar Eimer Wasser über den Balkon, damit wir es leichter hätten. Das war schon eine große Hilfe, aber auch das rettete unser Baby nicht.
Eines Morgens fand ich es tot im Nest. Seine Geschwister hatten es noch nicht bemerkt und ich rief Ansgar, der es mit mir zusammen unter der Birke verscharrte. Wir sangen noch ein leises Abschiedslied und mussten dann zu unseren drei anderen Sprösslingen zurück.
Um unser Elend noch vollkommener zu machen , erschien auch noch Brigitte auf den Balkon um mir wie immer“ Guten Morgen“ zu wünschen.
Sie erfasste sofort das Drama. Ihren traurigen Blick werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Ich glaube, sie hatte alle meine Babys schon in ihr Herz geschlossen. Aber auch sie konnte es ja nicht ändern. Es hat nicht sollen sein. Und nun ist unser Baby im Vogelhimmel.
Natürlich waren auch wir sehr traurig, doch die
drei Anderen ließen uns keine Zeit zum Trauern. Die mussten ja weiter versorgt werden.Und so vergingen die Tage mit Füttern, Nest sauber machen vom Kot und den Eierschalenresten und Aufpassen auf Elstern.
Nun wurden auch meine drei anderen Babys flügge. Es war erstaunlich , wie schnell sie wuchsen. Sie hatten mir so viel Freude gemacht, doch jetzt kam die Zeit für mich, dass ich sie gehen lassen musste. Das Nest wurde auch zu klein für sie.
Schweren Herzens musste ich sie auf das Alleinleben vorbereiten.
In meinen Gute Nacht Geschichten hatte ich ja schon viel von der großen weiten Welt mit ihren Gefahren, aber auch Freuden erzählt. Sie waren schon ganz aufgeregt, und wollten am liebsten gleich davon fliegen.
Ich vertröstete sie auf den nächsten Tag. Nachts konnten sie kaum schlafen und zappelten im Nest herum, bis der morgen graute.
Ansgar ließ es sich nicht nehmen, die drei auch zu verabschieden. Wir schnäbelten alle noch einmal herzhaft, und mit einem Freudengesang segelten sie über die Balkonbrüstung.
Mein größter Wunsch für sie:
Mögen sie ein schönes sorgenfreies Leben haben und nette Menschen kennen lernen, die sie auch im Winter versorgen.
Wir jedenfalls werden sie niemals vergessen.



© Brigitte Homann

 

Dienstag, 15. Juli 2014

Reizwortgeschichte - Hilfe, mir fällt nichts ein!

Reizwörter: 
Rose, Schreibtisch gelb, lieblich, tragen





Hilfe! Mir fällt nichts ein!



Da sitze ich nun an meinem Schreibtisch und starre auf das Blatt Papier auf dem fünf Wörter stehen, aus denen ich eine Geschichte basteln soll.
Das erste Wort ist Rose.
Nun bin ich nicht gerade der Rosenfreund. Ich mag lieber die Blumen, die auf der Wiese blühen, unverfälscht und nicht gezüchtet.
Bin eben ein einfaches Landkind, das sich über die Mohn- und Kornblumen freut, die in das goldgelbe Ährenfeld lustige Farbtupfer malen.
Gibt es etwas schöneres, als das Gänseblümchen, das mit seinen weißen Sternchen eine Wiese zum Paradies macht, oder einen Kranz aus Mageriten im Haar zu tragen.
Mein Blick schweift aus dem Fenster und verliert sich in den Bäumen, die groß und eng miteinander verwachsen,
im Nachbargarten stehen.
Zwei Eichkätzchen jagen sich in den Ästen und die Spatzen lärmen auf dem Kirschbaum.
Ein gelber Schmetterling flattert vor dem Fenster, kommt herein und setzt sich neben das Blatt.
Voller Staunen betrachte ich das kleine liebliche Wesen, das ich für einen Schmetterling gehalten habe.
Es ist eine Elfe.
Hallo, ich bin Butterblume und meine Freundin, die Rosenelfe hat mich zu dir gesandt, um dir zu helfen.
Leider hatte sie selbst keine Zeit, aber ich soll dir liebe Grüße ausrichten.“
Hallo,“ murmle ich immer noch verwirrt.“
Ein silberhelles Lachen erklingt.
Du denkst wohl du hast eine Halluzination!“
Ich nicke mit dem Kopf.
Keine Angst, mich gibt es wirklich. Du schreibst doch immer so schöne Geschichten über uns und deshalb wollen wir dir helfen.“
Das ist nett,“ stammle ich.
Wieder erklingt das fröhliche Lachen, das mich an das Klingen einer kleinen silbernen Glocke erinnert.
Nun höre gut zu, denn ich werde dir von der Rose erzählen und du wirst sehen, dass du dann deine Meinung über sie sicher ändern wirst.“
Sie macht es sich gemütlich und beginnt.
Die Rose gibt es schon sehr lange. 1600 v. Chr. fand man bereits im Palast Knossos auf Kreta eine Zeichnung der Rose.
Bei den alten Griechen war die Rose der Göttin Aphrodite und bei den Römern der Göttin Venus geweiht.
600 v. Chr. besang die Dichterin Sappho die Rose, als die Königin der Blume.
Und in der Römerzeit wurde Rosenwasser als Heilmittel gegen schürfende Wunden, Verbrennungen, Schnittwunden genutzt.
Rosenöl soll auch sehr entspannend wirken.
Für die Römer gehörte die Rose auch zu den Luxusgütern und ihre Festmahle waren von Rosenblüten übersät.
Der Dichter Horaz hat sich sehr darüber aufgeregt, weil die Olivenhaine vernachlässigt und die Felder nur noch mit Rosen bepflanzt wurden.
Karl der Große verordnete 794 den Anbau der Rose als Heilpflanze und sorgte so dafür, dass sie in vielen privaten Gärten gepflanzt wurde.
Die volkstümliche Beliebtheit der Rose ließ auch die christlichen Theologen sich mit dieser Blume beschäftigen.
Und so wurde diese zum Sinnbild der Reinheit und der himmlischen Liebe und zur ständigen Begleiterin der Jungfrau Maria.
Und selbst Goethe hat in seinem Gedicht das Heideröslein als reines Wesen, das von einem bösen Jungen zerstört wurde, verewigt.

Dann gibt man auch den Farben der Rosen noch eine verschiedene Bedeutung:


gelbe: einzeln oder mit roten Rosen zusammen: Eifersucht, Zweifel, Mangelndes Vertrauen


Heinrich Heine schrieb dazu:


Was bedeuten gelbe Rosen
Liebe, die mit Ärger kämpft
Ärger, der die Liebe dämpft
Lieben – und sich dabei erbosen






rote einzeln: du hast meine Herz gewonnen



rosa: Schüchternheit, Du sollst Dir Zeit lassen. Ich liebe dich zärtlich.
silberrosa: Wir treffen uns im Mondenschein







weiße: Zärtlichkeit, zu jung für die Liebe.





Doch auch im Orient wurde die Rose verehrt. Der Legende nach ist sie aus einem Schweißtropfen des Propheten Mohammed entstanden.
Und als Saladin im Jahre 1187 die Kreuzritter besiegte und Jerusalem zurück eroberte, soll er auf 500 Kamelen Rosenwasser mitgebracht haben und hat damit die Säulen und Wände der Moschee reinigen lassen.
Erst dann durften die Gläubigen den Tempel wieder betreten.
Siehst du nun, welch eine Geschichte die Rose hat, sie ist nicht nur ein überzüchtetes Gewächs mit Dornen.“
beendet die kleine Elfe ihren Vortrag.
Ich nicke und sehe, wie sie immer durchsichtiger wird und dann ganz verschwindet.

Als ich die Augen öffne, liege ich mit dem Kopf auf dem Blatt Papier.
Da bin ich doch über dem Grübeln eingeschlafen.
Ich nehme den Kugelschreiber, der mir entfallen ist, in die Hand und beginne alles aufzuschreiben, was mir die kleine Butterblume im Traum erzählt hat.


© Lore Platz