Samstag, 30. August 2014

Erinnerung an einen ganz besonderen Menschen



Gestern vor einem Jahr ist mein Mann gestorben. 

Als wir uns kennenlernten waren wir zwei einsame Menschen, in deren Leben es wenig
Menschen gab, denen wir etwas bedeuteten oder die uns liebten.
Dabei hatten wir beide ein übervolles Herz voller Liebe und damit haben wir uns beide beschenkt.




Die Krönung dieser Liebe war unsere Tochter Claudia.



Doch nun da er nicht mehr bei mir ist fühle ich mich wie ein Blatt im Wind, das von seinem starken Ast getrennt wurde, der es 35 Jahre getragen hat.
Und es vergeht kein Tag, an dem ich ihn nicht vermisse.


Ich vermisse:
Wenn du mit grummeligen Gesicht in die Küche kommst und erst nach der ersten Tasse Kaffee mir ein Lächeln schenkst.
Ich vermisse:
Dein aufmunterndes Lachen, wenn ich mal den Kopf hängen lasse.
Ich vermisse:
Deinen spitzbübischen Humor und dein herzliches Lachen
Ich vermisse:
Deine liebevolle Fürsorge und deinen Schutz
Ich vermisse:
Deine liebenswerte Tolpatschigkeit, besonders wenn du mir eine Freude machen willst.
Ich vermisse:
Dein Meckern und Schimpfen über die Politik
Ich vermisse:
Unsere hitzigen Meinungsverschiedenheiten
Ich vermisse:
Das befreiende gemeinsame Lachen, wenn sich unsere Gemüter wieder beruhigt haben.
Ich vermisse:
Deine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft deinen Mitmenschen gegenüber.
Ich vermisse:
Deine Vernarrtheit in dein Auto, die einzige Geliebte, die ich jemals fürchten musste.
Ich vermisse:
Deinen Mut, deine Geradlinigkeit und deine Ehrlichkeit
Ich vermisse:
Einfach nur D I C H

Doch ich bewahre, jede gute und jede schlechte Stunde unserer gemeinsamen 35 Jahren tief in meinem Herzen wie einen Schatz, den mir niemand nehmen kann.

Ich habe meinem Mann versprochen nach seinem Tod nicht zu verzweifeln und meisten gelingt es mir auch, mit Hilfe meiner Lust zu Schreiben und einigen sehr guten Freundinnen.






Dienstag, 26. August 2014

Reizwortgeschichte - Als Opa die Oma freite

Heute gilt es die Reizwörter:
Beinbruch, Zufall, tanzen, elegant, sympathisch
zu verarbeiten.
Geschichte und Bild passen heute wunderbar zu unserem derzeitigen Wetter hier in Bayern.
Viel Spaß beim Lesen, vielleicht bringen euch unsere Geschichten ein wenig Sonne in den Alltag.






Als Opa die Oma freite

 
Der alte Mann sitzt auf der Bank vor dem Haus und reibt sich über sein schmerzendes Bein.
Seit seinem Beinbruch vor einigen Jahren taten ihm die Knochen weh und besonders vor jedem Wetterumschwung.
Er wirft einen nachdenklichen Blick auf den strahlend blauen Himmel.
Eigentlich sah es gar nicht nach Regen aus, doch sein Bein irrte sich nie.
Sein kleiner Enkel Tim stapft über die Wiese auf ihn zu, bleibt mit den Händen in den Hosentaschen vor ihm stehen und betrachtet ihn ernsthaft.
Dann stürzt er plötzlich nach vorne, umklammert das Knie des alten Mannes und presst sein Ohr ganz fest auf dessen Oberschenkel.
Enttäuscht richtet er sich wieder auf und meint:
Sie reden ja gar nicht!“
Wer soll denn reden?“
Deine Knochen! Papa hat gerade zu Mama gesagt, sie braucht die Wäsche gar nicht aufzuhängen, denn es wird sowieso bald regnen, denn deine Knochen hätten dir das erzählt.“
Der alte Mann lacht herzlich und hebt den kleinen Dreikäsehoch auf den Schoß.
Tim meine Knochen können nicht sprechen, sie tun nur sehr weh und besonders wenn das Wetter sich ändert.“
Der Junge überlegt einen Moment, dann nickt er.
Oma hat gerade Kekse gebacken, aber sie haben mich weg geschickt,“ meint er dann übergangslos.
Warum denn das?“
Ach Frau Baumann von gegenüber ist mit ihrer Tochter gekommen und nun heulen die Beiden. Glaubst du, dass sie alle Kekse aufessen.“
Aber nein, die Oma hebt dir bestimmt welche auf.“
Willst du wissen warum die Frau Baumann und Rosemarie geweint haben?“
Der Opa sieht den Jungen streng an.
Hast du wieder gelauscht?“
Tim wird ein wenig rot und murmelt:
Nur ein kleines bisschen. Die Rosemarie bekommt ein Baby!“
Der alte Mann runzelt die Stirn.
Das Nachbarmädchen war erst sechzehn und ging noch auf die Schule.
0pa? Man bekommt doch erst ein Baby, wenn man geheiratet hat, aber Rosemarie hat doch gar keinen Mann.“
Der Opa hustet, dann blickt er in das Gesicht des kleinen Jungen, das vertrauensvoll zu ihm aufschaut.
Ich habe dir doch erzählt, dass oben im Himmel in einem großen Saal viele, viele Seelen wohnen. Und diese Seelen warten darauf, dass sie endlich auf die Erde dürfen und wenn nun eine Seele sich seine Eltern ausgesucht hat, dann wird das Tor geöffnet, damit sie zu seinen neuen Eltern fliegen kann.
Manche Seelen aber sind viel zu ungeduldig und schlüpfen mit hinaus, ohne zu warten bis ihre Eltern verheiratet sind.“
Nicht wahr, ich war eine geduldige Seele und habe gewartet.“
Tim strahlt seinen Großvater an.
Dieser schmunzelt und fragt dann, um den Jungen abzulenken.
Soll ich dir eine Geschichte erzählen?“
Ja, aber eine echte!“
Was ist denn eine echte Geschichte?“
Kein Märchen oder eine erfundene Geschichte, sondern eine Geschichte, die du selbst erlebt hast.“
Dann will ich dir erzählen, wie ich deine Oma kennen gelernt habe.“
Der kleine Junge kuschelt sich an den Großvater und dieser beginnt zu erzählen:

Als ich noch Student war habe ich in den Semesterferien mit meinen Freunden Richard und Bernhard eine mehrtägige Radtour durch unsere schöne Heimat gemacht.
Wenn es regnete haben wir in einer Jugendherberge und bei schönem Wetter im Freien übernachtet.
Eines Abends, es war schon dunkel, schoben wir unsere Räder durch ein kleines Waldstück.
Ein Bauer hatte uns erklärt, dass dahinter ein schöner See sei, an dem wir übernachten konnten.
Als wir die Lichtung erreichten sahen wir das Wasser vor uns liegen und der Mond spiegelt sich darin und tauchte alles in ein gespenstisches Licht.
Aus dem Wasser stieg eine Nixe und schüttelte ihr langes nasses Haar, so jedenfalls kam sie mir vor.
Sie griff nach einem Handtuch und ich erwachte aus meiner Verzauberung.
Bernhard und Richard waren schon weitergegangen und ich hörte sie reden und lachen.
Da erst bemerkte ich den bunt angemalten Bus und die zwei Zelte und das hell lodernde Lagerfeuer.
Vier Jungen und drei Mädchen saßen daran und auch meine Freunde hatten sich dazu gesellt.
Ich trat zu ihnen und nun stellten sie sich alle vor. Sie waren mir sofort alle sympathisch.
Genau wie wir waren sie Studenten, die in den Ferien mit dem Bus durch die Gegend fuhren und mal hier und mal da hielten.
Aus dem Zelt trat meine schöne Nixe. Sie trug nun
ein Kleid und ihre Haare waren noch feucht.
Als sie mir als Marianne vorgestellt wurde, stammelte ich nur dummes Zeug und schämte mich dafür.
Ich war doch sonst nicht auf den Mund gefallen.
Sie aber lächelte mich liebreizend an und setzte sich dann neben einen großen dunkelhaarigen Jungen.
Traurig dachte ich, dass sie schon vergeben sei und wie jubelte mein Herz, als ich nach einiger Zeit mitbekam, dass es ihr Bruder war.
Den ganzen Abend konnte ich kaum den Blick von ihr wenden und wenn sie lachte, hüpfte mein Herz vor Freude.
Sie hatte ein so fröhliches herzliches Lachen.
Wir feierten bis spät in die Nacht mit unseren neuen Freunden, sangen zur Gitarre, brieten uns Würste, die wir an einem langen Stecken ins Feuer hielten und ließen die Rotweinflasche kreisen.
Kein Wunder, dass ich tief, fest und lange schlief.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, waren die Zelte abgebaut und der Bus verschwunden.
Aufgeregt weckte ich meine leise schnarchenden Freunde.
Sie sind weg, wo sind sie hin!“
Wer, was, brüll` doch nicht so!“ Richard rieb sich verschlafen die Augen und auch Bernhard streckte seinen Kopf aus dem Schlafsack.
Unsere neuen Freunde!“ schrie ich panisch.
Die haben doch gestern Abend gesagt, dass sie heute ganz früh bereits wieder losfahren. Aber das hast du ja nicht mitbekommen, warst viel zu beschäftigt die schöne Marianne anzuhimmeln.“
Ich wurde etwas rot und rollte meinen Schlafsack zusammen.
Was war ich doch selten dämlich, hatte mich in ein Mädchen verliebt von dem ich nur den Vornamen kannte.“

Tim hebt den Kopf: „Aber du hast sie dann wiedergefunden, sonst wäre sie ja nicht meine Oma geworden.“
Der alte Mann nickte und streicht dem Jungen über die Haare.

Ja, aber fast zwei Jahre später und das nur durch einen Zufall
Wir steckten mitten im Examen und um uns etwas abzulenken, beschlossen wir die neue Eisbahn auszuprobieren.
Richard hatte sich inzwischen ein Auto angeschafft und wir drei quetschten uns in das kleine Fahrzeug und fuhren in die 15 Kilometer entfernte Stadt.
Ich war noch nie auf der Eisbahn gewesen und staunte.
In den vier Ecken standen große Strahler und beleuchteten die vielen Menschen die sich auf dem Eis tummelten und nach der Musik aus den Lautsprechern mehr oder weniger elegant tanzten.
Der Duft nach Bratwürsten und Glühwein erfüllte die Luft.
Wir setzten uns an den Rand, um unsere Schlittschuhe zu binden.
Ich fädelte gerade die Schnur durch die Öse, da hörte ich ein fröhliches herzliches Lachen.
Es traf mich wie ein elektrischer Schlag.
Dieses Lachen kannte ich, Marianne!
Fieberhaft ließ ich meinen Blick über die Schlittschuhläufer gleiten und dann entdeckte ich sie.
Eine kecke rote Strickmütze auf den goldblonden Locken tanzte sie übermütig mit einem kleinen Mädchen.
Ihre kleine Schwester wie ich später erfuhr.
Ich sprang auf und sauste los.
Meine Freunde riefen mir nach, denn sie wollten mich auf meine nachschleifenden Schnürsenkel aufmerksam machen.
In der Eile hatte ich vergessen meine Schlittschuhe fertig zu binden.
Aber ich hörte sie nicht.
Meinen Gedanken waren nur bei dem Mädchen, dass ich
nie vergessen konnte.
In Windeseile sauste ich über das Eis auf Marianne zu.
Da ging ein Ruck durch meinen Körper.
Die losen Bänder hatten sich in den Kufen verfangen.
Ich hob beide Arme, um die Balance zu halten und fiel auf meinen Allerwertesten.
Durch die Schnelligkeit schlitterte ich noch einige Meter auf dem Eis dahin, direkt auf das erschrockene Mädchen zu.
Da lag ich nun, mit schmerzende Po und rot wie eine Tomate vor Verlegenheit.
Marianne war erschrocken zur Seite gesprungen und sah mich nun an.
Sie erkannte mich, wurde etwas rot, strahlte mich an und begann herzlich zu Lachen.
Seit diesem Moment habe ich meine Marianne nicht mehr aus den Augen verloren und nun sind wir mehr als vierzig Jahre verheiratet.“
Tim grinst:
Das war eine schöne echte Geschichte und Oma Marianne
lacht immer noch so schön, dass man einfach mitlachen muss.“
Das stimmt mein Junge, aber sieh mal nach oben. Meine Knochen haben sich nicht geirrt. Es wird bald regnen.“
Tim kichert, denn ein dicker Regentropfen platscht auf seine Nase.
Hand in Hand laufen sie auf das Haus zu und erreichen es gerade noch bevor der Regen niederprasselt.


© Lore Platz


Anmerkung:
Solche sprechenden Knochen habe ich auch und am lautesten protestieren sie, wenn das Wetter umschlägt.
Das ist wohl ein Privileg des Alters, auf das ich aber gerne verzichten würde.




 


Dienstag, 19. August 2014

Reise in die Vergangenheit - Reizwortgeschichte


Reizwörter:
Vergangenheit, Erlebnis, reizen, vergolden,
verschweigen


Viel Spaß beim Lesen der vier Geschichten






 Dies Reise in die Vergangenheit



Sebastian sitzt neben seinem Freund Rudi in der Schulbank und sieht angestrengt nach vorne.
Frau Kebinger erzählt über das Mittelalter und wie die Menschen damals lebten. Recht anschaulich schildert sie gerade einen mittelalterlichen Markt.
Und Sebastian denkt, was für ein tolles Erlebnis das doch wäre so einen Markt zu besuchen. Oh ja, das würde ihn schon reizen!
Doch ihm fällt es schwer sich zu konzentrieren.
Sein Hals schmerzt, seine Ohren sausen und sein Kopf fühlt sich an wie Gummi.
Hatschi!
Gesundheit!“ ruft die ganze Klasse und auch die Lehrerin schmunzelt.
Doch dann wird ihr Blick ernst und mit drei langen Schritten ist sie bei dem Jungen und legt ihm die Hand auf die Stirn.
Du glühst ja vor Fieber! Rudi begleite Sebastian in das Sekretariat. Frau Hagemann soll seine Mutter anrufen!“
Kurze Zeit später liegt Sebastian zu Hause im Bett, Doktor Waller beugt sich über ihn und der Junge muss bittere Medizin schlucken.
Viel trinken und schlafen,“ hört er noch, dann fallen ihm schon die Augen zu.


Laut gähnend reckte Sebastian beide Arme, öffnete die Augen und staunte.
Er lag auf einem Strohsack in einem kleinen Raum.
In der Mitte war eine Feuerstelle und der Rauch kroch wie eine Schlange nach oben und verschwand durch das Dach.
Ein Tisch und grob gezimmerte Stühle nahmen die Hälfte des Zimmers ein und in der Ecke stand eine große Truhe.
Seine Mutter kam aus einem Nebenraum, aus dem das Muhen einer Kuh und das Grunzen von Schweinen drang.
Guten Morgen, du Faulpelz, nun aber geschwind, treib die Kuh auf die Weide, bring die Schweine in den Pferch, Futter habe ich dir schon vorbereitet. Dann gehst du mit den Gänsen auf die obere Wiese.
Vater ist schon längst auf dem Feld und du weißt, er sieht es gar nicht gern, wenn du so lange schläfst.“
Seufzend kroch Sebastian unter der Felldecke hervor, ging in den Hof und steckte den Kopf unter die Pumpe.
Das kalte Wasser vertrieb den letzten Rest Schlaf und er lief in den Stall.
Er gab der Kuh einen Klaps auf das Hinterteil und sie trottete los. Nachdem er das Gatter der Weide geschlossen hatte, rannte er zurück und trieb die Schweine in den Pferch.
Grunzend und schmatzend stürzten sich diese auf den Trog in den er den Eimer mit Essensresten kippte.
Seine Mutter kam aus dem Haus und reichte ihm einen Lederbeutel mit seinem Frühstück.
Vergnügt pfeifend hängte er sich die Tasche um, riss von einem Busch eine Gerte und öffnete die Tür des Schuppens.
Schnatternd und mit hoch erhobenen Köpfen watschelten die zehn Gänse auf den Hof und Sebastian trieb sie mit der Rute wedelnd vor sich her, den Hang hinauf.
Da er Hunger hat setzte er sich unter einen Baum und biss mit kräftigen Zähnen in den harten Kanten Brot und das Stück Käse, während die Gänse schnatternd und nach
Futter suchend sich auf der Wiese tummelten.
Bäuchlings vor dem kleinen Bach liegend schlürfte er das klare Wasser.
Dann legte er sich ins Gras und guckte in die Wolken.
Er liebte die Stunden am Vormittag, wenn er nur auf die Gänse aufpasste, denn am Nachmittag musste er dann mit dem Vater aufs Feld.
Lautes Bellen war zu hören und die Gänse schnatterten aufgeregt.
Grinsend setzte der Junge sich auf und blickte seinem Freund Rudi und dessen Hund Wolf entgegen.
Der Hund erreichte ihn als erster und begrüßte ihn stürmisch.
Rudi ließ sich neben ihm ins Gras fallen. Rudi war der Sohn des reichen Bürgermeisters und konnte den ganzen Tag durch die Gegend stromern. Er musste nicht mitarbeiten, denn seine Eltern konnten sich Knechte und Mägde leisten. Auch hatte er einen Hauslehrer, der ihm Lesen und Schreiben beibrachte.
Hast du heute keinen Unterricht?“
Rudi grinste.
Mein Lehrer muss heute in der Amtstube helfen.
Stell dir vor ein Ritter ist im Dorf. Er kommt aus dem Morgenland und hat ein gar seltsames Tier dabei, das ein Mann führt, der komisch gekleidet und im Gesicht ganz schwarz ist.
Das kommt von der heißen Sonne im Morgenland.“
Ach das würde ich gerne sehen,“ rief Sebastian voller Sehnsucht.
Rudi sprang auf. „Das kannst du doch, sie wollen das Tier auf dem Markt zeigen. Wenn wir den Weg über den Hang nehmen sind wir in einer Viertelstunde im Dorf!“
Aber die Gänse?“
Rudi winkte ab. „Wolf passt auf sie auf!“
Der Hund, der seinen Namen hörte, sprang
schwanzwedelnd hoch.
Rudi sah ihn ernst an und hob den Finger.
Wolf du passt auf die Gänse auf!“
Der Hund bellte kurz und legte sich wieder nieder.
Als hätte er verstanden was sein Herrchen wollte, ließ er das Federvieh nicht mehr aus den Augen.
Beruhigt lief Sebastian neben seinem Freund den Hang hinunter, denn er weiß, dass Wolf ein guter Wachhund ist.
Etwas atemlos kamen sie auf dem Markt an.
Das Gackern der Hühner und Schnattern der Gänse, die in Käfigen auf dem Boden neben einem Eselskarren standen vermischten sich mit dem Lärmen der Marktschreier, die mit derben Sprüchen ihre Ware anpriesen.
Der Gesang des Bänkelsängers ging dabei fast unter und man musste ihm schon ziemlich nahe sein, um seine in Reim gefassten schaurigen Lieder zu verstehen.
Beim Refrain sangen die Umstehenden lautstark mit.
Auch Sebastian und Rudi blieben eine Weile stehen und betrachteten schaudernd die grausigen Bilder, die der bunt gekleidete Sänger bei jeder Strophe zeigte.
Doch dann zogen sie weiter an Ständen mit Gemüse, Brot, Eiern, Fisch, Geschirr und Kleidern vorbei.
Sogar vergoldete Marienstatuen gab es zu sehen.
An einem Stand kaufte Rudi für sie beide einen der leckeren kleine Honigkuchen und während sie genussvoll das klebrige Gebäck verspeisten, sahen sie den Gauklern und Jongleuren zu.
Das Plärren eines Quacksalbers zog sie in ihren Bann, der während er mit einem Stößel in einer Schale Kräuter zermalmte, seine Wundersalbe anpries.
Doch dann zog Rudi seinen Freund weiter, denn er hatte das seltsame Tier entdeckt.
Und wenig später standen sie staunend vor dem goldbraunen Tier, das ein Mann mit einem breiten Grinsen und rabenschwarzen Gesicht an einer Leine hielt.
Mit offenem Mund starrte Sebastian das komische Tier an.
Auf einem Hals, der wie eine Schlange geformt war befand sich ein kleiner Kopf der spitz nach vorne lief.
Auf seinem Rücken saßen zwei Berge, durch ein tiefes Tal getrennt, die bei jeder Bewegung etwas wackelten.
Das Tier stand mit hoch erhobenem Kopf da und blickte arrogant auf die ihn umgebende Menge.
Der dunkle Mann, der ein seltsam geformtes Tuch auf dem Kopf trug, fragte nun mit einem breiten Grinsen und in gebrochenem Deutsch, ob jemand Lust hätte auf dem Kamel zu reiten, doch niemand traute sich.
Da schwang er sich selber hinauf und verließ den Markt von den johlenden Kindern begleitet.
Sebastian hielt Rudi zurück, denn eben hatte die Turmuhr elf Uhr geschlagen.
Die beiden wollten gerade den Markt verlassen, da sahen sie Lisa, die auch das Tier sehen wollte und Sebastian stellte ihr ein Bein.
Das Mädchen stürzte und heulte los und die Jungen lachten aus vollem Hals.
Da wurden sie plötzlich an den Ohren gepackt und ein Ritter in einem Kettenhemd und einem großen Schwert an der Seite, musterte sie finster.
Junge Herren, das war nicht sehr ritterlich von euch, wisst ihr nicht, die größte Tugend eines Ritters ist es, die Damen zu schützen, zu ehren und vor Gefahren zu bewahren.“
Er reichte Lisa seine Hand und zog sie hoch, dann hielt er ihr ein sauberes weißes Taschentuch, in das ein Monogramm gestickt war, hin.
Trocknet euch die Tränen, holde Maid, das Tuch dürft ihr behalten und ihr...“ wandte er sich an die Buben, die mit betretenem Gesicht zu Boden starrten.
Werdet euch jetzt bei dieser jungen Dame entschuldigen und wehe, ihr tut ihr noch einmal etwas zuleide, dann komme ich über euch.“
Sebastian und Rudi murmelten eine Entschuldigung.
Lisa streifte sie nur mit einem verächtlichen Blick, dem Ritter aber schenkte sie ein strahlendes Lächeln und lief davon.
Der Ritter schmunzelte und gab den beiden einen Klaps auf den Kopf, dann schritt er Sporenklirrend zu seinem Pferd.
Die Jungen aber verließen still und beschämt den Marktplatz.
Bevor sie sich trennten, schworen sie, das Abenteuer zu verschweigen.

Das Fieber ist gesunken, er ist über den Berg,“ hört Sebastian eine Stimme und öffnet die Augen. Seine Mutter beugt sich über ihn und Tränen rinnen aus ihren Augen.
Das blasse sorgenvolle Gesicht seines Vaters erscheint hinter ihr und auch das vergnügte Gesicht von Doktor Waller.
Ich hab Hunger!“
Dröhnend lacht der Arzt: „Na geben sie ihm mal eine kräftige Hühnerbrühe und später etwas Grießbrei!“
Eine Woche später darf Sebastian wieder zur Schule gehen und wird begeistert von seinen Mitschülerin umringt.
Etwas abseits steht Lisa, die von Sebastian immer nur geärgerte wurde.
Der Junge bahnt sich einen Weg zu ihr und streckt dem Mädchen die Hand hin.
Guten Tag, Lisa, es tut mir leid, dass ich dich immer an den Zöpfen ziehe, oder ein Bein stelle.
In Zukunft werde ich mich wie ein echter Ritter benehmen.“
Lisa starrt ihn an, dann prustet sie los.
Du spinnst! Das Fieber ist dir wohl nicht bekommen!“
Alle lachen!

Montag, 18. August 2014

Ein kurzer Gruß








Zur Zeit bin ich wenig hier, aber nächste Woche am 29. jährt sich der erste Todestag meines Mannes und deshalb habe ich mich ein wenig in die Stille zurück gezogen.
Natürlich werde ich morgen meine Reizwortgeschichte, die schon längst fertig ist hier einsetzen.
Will euch doch nicht enttäuschen.
Auch für nächsten Dienstag die Geschichte ist schon im Kopf fast fertig.

Mein Freund "die Nachtigall" ist über achtzig Jahre alt und sieht mittlerweile sehr schlecht, trotzdem schickt er mir jede Woche einige Gedichte, die er verfasst hat.
Dafür danke ich ihm hier mal öffentlich.
Ich bin zwar noch keine achtzig, aber gehöre trotzdem zu der Generation noch, die sich nicht unterkriegen lässt.
Nun wünsche ich euch einen schönen Tag.

Das Bild ist von meiner Tochter Claudia - aufgenommen in Skandinavien


Wolkenbilder


Viele Wolken die am Himmel steh`n,
sind manchmal ganz gut anzuseh`n,
manchmal kann man fürchten sich,
vor schrecklichen Angesicht.

Sie verdunkeln dann das Himmelsblau,
der Wolkenmann und Wolkenfrau,
ihnen macht es aber gar nichts aus,
die machen sich einen Spaß daraus.

Lassen sich vom Wind schön treiben,
sie wollen ja nirgends lange bleiben,
dann ziehen sie auch ganz schnell fort,
und ziehen dann von Ort zu Ort.

Wenn aber oben der Wolkenmann,
hat seinen schwarzen Anzug an,
und die Wolkenfrau ist aus dem Haus,
da kommt nur schlechtes Wetter raus.

Es gibt ein Blitzen und ein Krachen,
darüber kann man gar nicht lachen,
dann tobt der Wolkenmann sich aus,
bis die Wolkenfrau wieder ist im Haus.

Die Wolkenbilder sehen immer anders aus,
wie ein Haus, ein Schiff oder Maus,
wie ein Hund oder auch Erdenteil,
viele Bilder zeichnet das Wolkenteil.

Der dunkle Wolkenmann ist schwer,
der bring uns nur den Regen her,
den Wassermann liebt er auch,
mit seinem runden Wasserbauch.

Schauen wir alle mal nach oben,
wie die Wolken werden geschoben,
Der Wind bläst da seine Backen auf,
damit die Wolken nehmen reisaus.

Dann ist der Himmel wieder blau,
der Wind weht wieder lau,
weiße Wolkenschäfchen sind do oben,
Wolkenmann und Wolkenfrau ist weg geschoben.

Wir freuen uns alle Groß und Klein,
tummeln uns im warmen Sonnenschein,
genießen die schönen Sommertage,
das ist doch herrlich, keine Frage.

Die Nachtigall





Eure Märchenfee, die zur Zeit ein wenig traurig ist.

Dienstag, 12. August 2014

Reizwortgeschichte - Zwurrli und der Professor

Nun sind die zwei schönen Wochen mit meiner Tochter wieder vorbei und der Alltag hat uns beide wieder.


Fisch, Fahrrad, singen, frech, beleibt sind die heutigen Wörter, die es galt zu verarbeiten.
Sie haben sich direkt angeboten, wieder mal ein Abenteuer von Zwurrli zu schreiben.
Viel Spaß beim Lesen!






Zwurrli und der Professor



 
Nach langen Regentagen scheint wieder die Sonne.
Die Luft ist reingewaschen vom Regen und geschwängert vom Duft der Blüten.
Blumen und Pflanzen recken sich den wärmenden Strahlen entgegen und die Käfer und Insekten wagen sich wieder an die Oberfläche.
Das Summen der Bienen übertönt alle Geräusche, denn nach ihrem unfreiwilligem Hausarrest gehen sie nun mit doppeltem Eifer ihrer Arbeit nach.
Auch Zwurrli klettert zwischen den Wurzeln des Birnbaums hervor, unter dem er und seine Familie wohnt.
Aus der Ferne klingt das Klappern von Geschirr. Sicher wird seine Menschenfreundin im Garten frühstücken und bei dem Gedanken an die leckere Erdbeermarmelade läuft ihm das Wasser im Mund zusammen.
So schnell ihn seine kurzen Beine tragen eilt er durch das hohe Gras.
Biggi sitzt auf einem Stuhl einen Zeichenblock auf dem Schoß und ihr Stift fährt schnell über das Papier.
Zwurrli will gerade an ihrem Stuhl hochklettern, da kommt der große Mann aus dem Haus und schnell versteckt sich der Wichtel unter dem Tisch.
Richie stellt eine der Kaffeetassen vor seine Frau und wirft einen Blick auf den Block, dann prustet er los.
Ist das der Wichtel, der angeblich in unserem Garten haust!“
Biggi zieht ärgerlich die Stirn in Falten.
Er existiert tatsächlich und ich werde mein nächstes Buch über ihn schreiben.“
Biggi ist nämlich Kinderbuchautorin und illustriert ihre Geschichten auch selbst.
Richie grinst frech: „Ach Liebes, du hast dir gerade eine Geschichte ausgedacht und Fantasie und Wirklichkeit verwechselt. Denk daran, dass Karl May so mit seinen Figuren verwachsen war, dass er am Ende behauptete er wäre Old Schatterhand.
Aber keine Angst solltest du dich eines Tages als Wichtelfrau fühlen, ich werde dich immer lieben!“ tröstet er feixend.
Oller Döskopp!“ grollt Biggi, muss aber doch grinsen.
Zwurrli seufzt leise, es wäre schön wenn Biggi eine Wichtelfrau wäre, denn er war ein wenig in seine Menschenfreundin verliebt. Und den Mann konnte er gar nicht leiden! Vielleicht war es ja auch Eifersucht.
Der Wichtel läuft hinüber und zwickte Richie kräftig in den nackten Fuß.
Aua!“ ruft der junge Mann und guckt unter den Tisch, doch Zwurrli hat sich schnell hinter einem Stuhlbein versteckt und kichert leise.

Ein beleibter Herr in einem rotkarierten Anzug , einen großen Strohhut auf dem Kopf eilt beschwingt die Straße entlang.
Dabei schweifen seine fröhlichen Augen umher und studieren die Straßennamen.
Amselweg 4, dann muss Amselweg 6 die nächste sein.“ murmelt er.
Gegenüber im Haus Amselweg 5 steht eine alte Frau in gekrümmter Haltung hinter einem Busch und beobachtet den Garten gegenüber aus dem fröhliches Lachen erklingt.
Der Herr schwenkt seinen Hut und grüßt freundlich, „ Guten Morgen!“
Die alte Frau zuckt zusammen, wirft ihm einen giftigen Blick zu und verschwindet ihm Haus.
Kopfschüttelnd betritt der alte Herr den Garten seiner
Nichte Biggi und folgt den fröhlichen Stimmen.
Guten Morgen Biggi, guten Morgen Richie!“
Onkel Theobald wie schön du kommst gerade rechtzeitig zum Frühstück. !“ jubelt die junge Frau und fällt dem Bruder ihrer Mutter um den Hals.
Auch Richie schüttelt ihm kräftig die Hand.
Und bald sitzt Professor Theobald Fleckenstein am Tisch trinkt genüsslich seinen Kaffee und lässt seinen Blick über den Garten schweifen.
Es ist genauso schön wie du es beschrieben hast, liebe Biggi!“
Hat sie dir auch geschrieben, dass bei uns ein Wichtel wohnt!“
Fängst du schon wieder an!“ faucht seine Frau.
Doch der Professor bleibt ernst.
Warum denn nicht, es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde. Außerdem so ein Wichtel ist doch etwas nettes und kann ein freundlicherer Nachbar sein als mancher Mensch.“
Zwurrli unter dem Tisch strahlt, der Professor gefällt ihm.
Ach übrigens Nachbarn, gegenüber lauerte eine alte Frau hinter einem Busch und beobachtet euch und als ich ihr einen freundlichen Gruß zurief, da sah sie mich an als hätte ich ihr ein unsittliches Angebot gemacht.“
Ach das ist Fräulein Kunigunde Neumeier, eine Lehrerin, aber zwangsweise frühzeitig pensioniert.“ erklärt Richie.
Sie hatte ein kleines Mädchen nachsitzen lassen und dann vergessen und die Schule abgeschlossen.
Eine Hundertschaft der Polizei hat mit Spürhunden die Gegend abgesucht, als die Kleine nicht nach Hause kam.
Später fand man das Mädchen völlig verängstigt und verheult im Schulhaus.
Die Lehrerin musste den Einsatz der Polizei bezahlen und wurde pensioniert.
Seitdem spioniert sie ihre Nachbarn aus und schreibt bitterböse Briefe über sie an die Gemeinde.
Doch die nehmen sie nicht ernst.“
Das ist die besondere Spezies des Homo sapiens, von
denen meine Mutter, deine Großmutter, liebe Biggi, immer behauptete, der Herrgott habe sie nur zu unserer Prüfung geschaffen.“
Das fröhliche Lachen, das nun erklingt, lässt die alte Schreckschraube Kunigunde ihren Kopf aus dem Gebüsch strecken.
Später holt Richie sein Fahrrad aus dem Schuppen, klemmt den Anhänger daran und ruft.
Onkel Theobald, ich hole jetzt dein Gepäck vom Bahnhof!“
Pass aber auf mein Angelzeug auf!“
Richie winkt und verlässt einen Gassenhauer singend den Garten.
Du willst angeln?“
Ach Biggi du hast mir so anschaulich die Gegend, in der ihr lebt, beschrieben und als du dann den Bach, in dem es vor Fischen nur so wimmelt, erwähntest, da habe ich kurzentschlossen auch mein Angelzeug eingepackt. Es ist doch erlaubt?“
Ja, der Bach gehört der Gemeinde und meist fischt die Dorfjugend.
Übrigens kannst du morgen angeln gehen, denn Richie und ich machen einen Ausflug mit dem Fahrrad und wenn du was fängst, dann werden wir abends grillen.“
Gut, aber nun möchte ich ein wenig deinen Garten besichtigen.“
Zwurrli folgt dem Professor, der sich immer wieder bückt, um eine Pflanze genauer zu betrachten oder dem Gewurrle der Insekten zuzuschauen, vorsichtig darauf bedacht, keine zu zertreten.
Der Wichtel sieht plötzlich etwas großes rundes auf sich zukommen und dahinter steht ein riesengroßes Auge.
Vor Schreck fällt er auf den Rücken, rappelt sich auf und rennt davon und verschwindet unter der Wurzel des Birnbaums.
Der Professor aber richtet sich langsam auf und lässt sein Vergrößerungsglas in der Tasche verschwinden.
Kopfschütteln geht er zurück ins Haus.
Sollte das etwa Biggies Wichtel gewesen sein?

Am nächsten Morgen rumort es schon sehr früh in dem kleinen Haus. Türen schlagen, Schritte laufen treppauf, treppab und die Schuppentür öffnet sich quietschend.
Angelockt von dem Lärm streckt Zwurrli seinen Kopf aus dem Gewirr der Wurzeln.
Heute war doch Sonntag und da schliefen Biggi und ihr Mann doch immer viel länger.
Neugierig läuft er zum Haus.
Er macht einen großen Bogen um Richie, der zwei Fahrräder aus dem Schuppen geholt hat und daran herum hantiert.
Über die offene Terrassentür schlüpft der Wichtel ins Haus folgt den Stimmen und landet in der Küche. Hier duftet es lecker nach frisch aufgebackenem Baguette.
Biggi bereitete gerade Sandwich und beim Anblick all der leckeren Sachen auf dem Tisch läuft Zwurrli das Wasser im Mund zusammen.
Schritte ertönen und Zwurrli klettert schnell in den Korb, der auf dem Boden steht.
Hast du unser Picknick fertig?“ hört er die Stimme Richies.
Ja, der Korb auf dem Tisch, ich will nur noch den Korb für Onkel Theobald richten, dann können wir fahren.“
Der Deckel öffnet sich und Zwurrli drückt sich in die Ecke.
Eine Thermoskanne, eine Flasche mit Wasser und eine große Plastikdose werden im Korb verstaut, dann fallen noch ein paar Äpfel von oben und Zwurrli muss zur Seite springen, um nicht getroffen zu werden.
Er hört die Stimme des Professors, der nun die Küche betritt.
Guten Morgen, Biggi, ich freue mich schon so auf das Angeln. Am frühen Morgen ist es am schönsten.“
Guten Morgen Onkelchen, du weißt den Weg zum Bach?“
Ja, du hast es mir doch gestern wunderbar erklärt, durch die hintere Tür des Gartens bis zum Rande des Waldes und dann rechts ab.“
Prima, ich muss nun los! Da habe ich dir einen Picknickkorb gerichtet, denn fischen macht sicher hungrig. Wenn du gehst, dann zieh einfach die Tür ins Schloss. Den Hausschlüssel hast du.“
Ja mein Kind, ich bin zwar Professor, aber kein zerstreuter.“
Biggi lacht, umarmt ihn, gibt ihm einen Kuss auf die Wange und verlässt das Haus.
Schmunzelnd nimmt Theobald den Korb und zieht die Tür hinter sich zu.
An der Hauswand lehnt seine Angel und mit Angel und Eimer in der einen Hand und dem Korb in der anderen Hand wandert er vergnügt pfeifend durch den Garten.
Zwurrli wird es ein wenig schwindelig bei dem Geschaukel, dann wird der Korb abgestellt und er atmet erleichtert auf.
Vorsichtig öffnet er die Klappe und späht hinaus.
Der Professor sitzt am Bach und hält seine Angel ins Wasser.
Zwurrli setzt sich neben ihn und starrt gespannt in das klare Wasse,r in dem es vor Fischen nur so wimmelt.
Da! Einer beißt an und der Angler zieht ihn aufgeregt an Land.
Ein prächtiger Bursche!“
Da fällt sein Blick auf Zwurrli. „Du bist doch der kleine Wicht, den ich gestern im Garten sah?“
Der Wichtel nickt heftig grinsend.
Ich heiße Zwurrli!“
Angenehm, ich bin Theobald.“
Da ruckt es wieder an der Angel und der Wichtel springt aufgeregt auf und ab, als der Professor den Fisch an Land zieht.
Nachdem auch der dritte Fisch im Eimer schwimmt, beschließen die beiden, die inzwischen gute Freunde geworden sind, dass es genug ist.
Der Professor packt die Leckereien aus dem Korb und einträchtig sitzen sie nebeneinander und lassen es sich schmecken.
Dabei erzählt Zwurrli dem Professor von seiner Familie und warum sie zu Biggi in den Garten gezogen sind.
Und Theobald erzählt, dass er in Pension ist, seine Haushälterin aber im Krankenhaus liegt und er deshalb so lange bei Biggi wohnen wird.
Später legen sich beide ins Gras, jeder einen Halm im Mund und die Arme hinter dem Kopf verschränkt und gucken in den Himmel.
Und auf einmal sind sie eingeschlafen.
Auf dem Rückweg sitzt Zwurrli auf der Schulter seines neuen Freundes.
Sie lassen den Eimer mit den Fischen im Schuppen stehen und setzen sich dann in den Garten.
Fröhliches Klingeln kündet die Ankunft der jungen Leute und nach einem schnellen Abschied rennt Zwurrli zum Birnbaum und verschwindet zwischen den Wurzeln.
In Richies Gegenwart erzählt der Professor nichts von Zwurrli, denn er fürchtet dessen Spott.
Doch als sein Neffe in den Schuppen geht, um die Fische fürs Grillen herzurichten sagt er leise zu Biggi.
Dein Wichtel heißt Zwurrli!“
Du hast ihn gesehen,“ jubelt die junge Frau und lässt sich auf den Küchenstuhl sinken.
Auch ihr Onkel setzt sich und dann erzählt er, dass Zwurrli in dem Picknickkorb war und dass sie inzwischen gute Freunde geworden sind.
Auch von der Familie des Wichtels und dem gespaltenen
Baum im Park erzählt er und Biggi beschließt darüber eine Geschichte zu schreiben.
Richie verraten sie natürlich nichts, doch ab und zu zwinkern sich Onkel und Nichte verschwörerisch zu.


© Lore Platz


Anmerkung: Die Geschichte mit dem vergessenen Kind im
                    Schulhaus ist vor vielen Jahren tatsächlich
                    passiert. Leider wurde die alte sehr unbeliebte 
                    Lehrerin nur vewarnt und dann wieder auf die
                    Kinder losgelassen.