Dienstag, 30. September 2014

Ein Geschenk zum Verlieben - Reizwortgeschichte


Wieder mal haben wir Dienstag und das bedeutet es gibt  viermal eine Reizwortgschichte.
Diesmal sind es die Wörter:

Brillanz, Geschenk, melancholisch, schreiben, freudig






Ein Geschenk zum Verlieben


Das fröhliche Klingeln einer Fahrradglocke ließ die alte Dame, die vor einem Gemüsebeet kniete, aufblicken.
Du bist aber heute früh, mein Kind,“ lachte sie ihre Enkelin vergnügt an.
Durfte früher gehen, dafür habe ich aber eine Mammutaufgabe von meinem Chef bekommen.“
Franziska, kurz Franzi genannt, verzog das Gesicht und nahm den Kopf Salat entgegen, den die Oma ihr reichte.
Zusammen gingen sie ins Haus.
Während die alte Frau den gefüllten Schweinebraten übergoss und dann die Knödel ins Wasser legte, zerpflückte Franzi mit flinken Fingern den Salat.
Als ihre Eltern starben kam die damals Zwölfjährige zu ihrer Großmutter und dann als sie die Wirtschaftsschule erfolgreich abgeschlossen hatte, bekam sie die Stelle auf dem hiesigen Rathaus.
Mittlerweile war sie so etwas wie die rechte Hand des Bürgermeisters, Franzi bezeichnete sich aber „als Mädchen für alles“.
Weißt du was er,“ damit meinte sie ihren Chef, „mir wieder aufgedrückt hat. Ich soll für die da oben auf dem Berg ein Geburtstagsgeschenk besorgen.“
Die alte Frau wusste, wen sie meinte.
Auf dem Berg stand die Villa des längst verstorbenen Fabrikanten Kleinholz. Vor ungefähr zwei Jahren hatte seine Tochter nach dem Tode ihres Mannes die Villa wieder bezogen und lebte nun mit einer alten Haushälterin allein
in dem riesigen Haus.
Was soll man denn einer Frau schenken, die schon alles hat?“ stöhnte das junge Mädchen.
Warum will der Bürgermeister das überhaupt?“
Weil sie und ihr Mann berühmte Forscher waren und am selben Tag doch die 500 Jahresfeier unseres Ortes ist.
Und du weißt ja unser Bürgermeister will unseren Ort berühmt machen und der 70igste Geburtstag einer so berühmten Einwohnerin, das ist doch das gefundene Fressen für ihn. Wäre mir auch alles wurscht, wenn er nur nicht mich mit der Suche nach einem Geschenk beauftragt hätte.“
Franzi zog ein ulkig verzweifeltes Gesicht und ihre Oma lachte herzlich.
Oma, ihr beide seid doch im selben Alter, kannst du mir denn keinen Tipp geben?“
Frau Hermes schüttelte den Kopf und meinte:
Weißt du die da oben auf dem Berg, die waren immer für sich und Magda hat auch nicht die Dorfschule besucht, sondern hatte einen Privatlehrer, später kam sie dann ins Internat und ging dann in G. auf die Universität, dort hat sie dann ihren Professor, der zwanzig Jahre älter war, geheiratet und sie sind in alle Herren Länder auf Forschungsreisen gegangen.
Sie war fast vierzig als sie schwanger und die Beiden sesshaft wurden.“
Dann gibt es also ein Kind, aber es hat seine Mutter bisher noch nicht besucht, lebt es denn noch?“
Ach der Professor war ein ungemein schwieriger Mensch und fast sechzig, als der Junge geboren wurde.
Ich hörte munkeln, dass es ein Zerwürfnis zwischen den beiden gab. Aber weißt du was, frag doch die alte Leni, ihre Haushälterin, die war damals die Kinderfrau des Jungen.Vielleicht kann sie dir auch helfen bei einem Geschenk.
Aber nun deck den Tisch, die Knödel sind fertig.“
Am nächsten Vormittag wartete Franzi in der Nähe der Villa und als sie Leni mit den Einkaufstaschen den Berg herauf kommen sah, eilte sie ihr entgegen und half ihr beim Tragen.
Sie folgte der Alten in die geräumige Küche.
Moagst an Kaffää?“
Franzi nickte und dann fing sie vorsichtig an die Leni auszufragen.
Dazu brauchte es gar nicht viel, denn Leni redete für ihr Leben gern, war es doch sehr einsam hier in der Villa für sie.
Ja woast, der gnädige Herr war hoalt a ganz extraer, war eben a Wissnschaftler und seine Vorträg waren voller Brillianten.“
Franzi sah sie verblüfft an, hatte der Professor denn mit Edelsteinen zu tun, dann dämmerte es ihr, dass die gute Alte wohl „Brillanz“ meinte.
Das bestätige sich dann, denn die Leni stand mit Fremdwörtern auf Kriegsfuß.
Ja, der war ganz a Gscheider, aber a schwierig, die gnä Frau hoat s net immer leicht ghabt mit eam, trotzdem , is sie sehr melandolisch“ – Franzi registrierte bei sich, dass sie wohl melancholisch meinte – „ seit er doat is, aber des is woi a weger dem Tobias“.
Leni schnäuzte sich kräftig und wischte sich die Tränen aus den Augen und dann erzählte sie von dem lieben Bub, der nach einem bösen Streit mit seinem Vater fortgegangen war. Wissenschaftler sollte er werden, aber er wollte Kunst studieren, jetzt sei er ein gefragter Resttadeur.
Franzi grinste, die Gute meinte wohl Restaurator.
Sie erfuhr nun, dass Leni mit ihrem Bub seit zehn Jahren in Verbindung stand, doch die Gnädigen durften davon nichts wissen.
Franzi kam eine Idee und die teilte sie gleich der guten Alten mit.
Sie wollte den Tobias ausfindig machen und ihn zum Geburtstag seiner Mutter einladen, das wäre doch ein tolles Geschenk.
Leni schlug die Hände zusammen.
Döes wär a Freid für die Gnädige, denn sie hoat sehr under dem Streit glitten, aber gegen den Professor kams net oa, der war ja sovuil älter wia sie und hoats oft bhandlt wie a kloans Kind.“
Franzi fragte nach der Adresse von Tobias van der Meeren und Leni gab sie ihr.

Zuhause setzte sich das junge Mädchen sofort an den Computer und recherchierte.
Gleich am nächsten Tag machte sie sich auf den Weg, denn das schien ihr sicherer, als zu schreiben.
Ein junges hübsches Mädchen saß in dem Büro der Firma van der Meeren und erklärte auf ihre Frage, der Chef wäre in der Werkstatt.
Franzi betrat diese und blieb einen Moment stehen und beobachtet den jungen gutaussehende Mann der tief versunken über einem alten Schreibtisch stand vorsichtig mit einem Pinsel darüber fuhr.
Jetzt richtete er sich auf und bemerkte das junge Mädchen, das ihn fasziniert betrachtete.
Hallo!“ Er grinste und Franzi spürte plötzlich ein Kribbeln im Bauch.
Einen schönen Gruß von der Leni!“
Der junge Mann wurde ernst. „Geht es ihr gut, ist alles in Ordnung?“ fragte er besorgt.
Ja, ja, aber ich hätte gerne mit ihnen über ein besonderes Anliegen gesprochen, nichts berufliches, eher privat.“
Nun wurde Franzi doch verlegen und überlegte, ob das ganze nicht doch eine verrückte Idee war.
Sie drehte sich um und wollte gehen.
Doch da wurde sie am Arm gepackt und festgehalten.
Jetzt haben sie mich neugierig gemacht, also was ist los?“
Ehe sich das Mädchen versah, saß sie auf einem Stuhl, einen Kaffeebecher in der Hand und blickte in die erwartungsvollen Augen des jungen Mannes, der ihr Herz soviel schneller schlagen ließ.
Sie wusste nicht wie sie anfangen sollte, doch dann sprudelte sie die ganze Geschichte heraus.
Der siebzigste Geburtstag seiner Mutter, der Auftrag des Bürgermeisters wegen eines Geschenkes und dass sie bei der Leni sich Hilfe holen wollte, diese dann von ihm erzählt und sie beide beschlossen hätten, ihn als Geschenk zu überbringen.
Eine Weile blieb es still und Franzi wagte nicht ihr Gegenüber anzusehen.
Plötzlich fing dieser zu lachen an.
Ich soll also ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter sein, wollen sie mich einpacken und eine große rote Schleife um mich binden?“
Franzi wurde flammend rot und stammelte.
Entschuldung, es war eine dumme Idee.“
Der junge Mann wurde ernst und nahm ihre Hand.
Nein, so dumm war die Idee gar nicht, Leni will schon längst, dass ich mich mit meiner Mutter versöhne, aber ich habe es bisher nicht geschafft.
Vielleicht ist dies eine gute Gelegenheit.
Wissen sie, meine Eltern waren schon sehr alt, als ich zur Welt kam und beide Wissenschaftler, die mit einem kleinen Kind wenig anfangen konnten. So war ich meist Leni überlassen und ohne sie, wäre meine Kindheit sehr lieblos geworden. Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf, sie konnten wohl nicht anders. Mein Vater nahm erst von mir Notiz, als ich nach dem Abitur aus dem Internat kam. Er wollte, dass ich in seine Fußstapfen trete, doch das machte ich nicht mit. Ich wollte Kunst studieren. Das hat uns entzweit und von da ab existierte ich nicht mehr für ihn.
Ich zog aus, finanzierte mein Studium selbst, durch Nebenjobs. Und dann bekam ich einen Job als Aushilfsfahrer bei einem Restaurator und dessen Arbeit faszinierte mich. Ich wusste nun was ich werden wollte.
Als mein Vater starb hatte ich gerade einen Auftrag in Amerika und konnte nicht zur Beerdigung kommen. Irgendwie tut es mir leid, dass ich mich vor seinem Tod nicht mehr mit ihm versöhnt habe. Ich möchte nicht, dass dies auch mit meiner Mutter geschieht und Leni bittet mich schon lange, doch endlich zu kommen, aber bisher fand ich nicht den rechten Mut. Vielleicht aber ist ihr Geburtstag die Gelegenheit, vorausgesetzt sie verzichten auf die rote Schleife.“ grinste er.
Als Franzi sich auf den Weg machte sang sie vergnügt und seltsamerweise handelten alle Lieder von der Liebe.

Die Festgäste waren alle eingetroffen und Franzi blickte immer wieder zum Eingang. Würde er auch kommen?
Da sah sie ihn und ihr Herz begann freudig zu schlagen.
Schnell schlängelte sie sich durch die Tischreihen zum und zog ihren Ehrengast aus dem Festzelt.
Wie schön, dass sie gekommen sind, warten sie, ich muss sie erst anmelden.“
Und schon lief sie zurück zur Bühne, klopfte an das Mikrofon und erzählte nun in launigen Worten, wie der Bürgermeister ihr aufgetragen hatte für ihren Ehrengast ein Geschenk zu suchen.
Liebe gnädige Frau van der Meeren, sehen sie bitte zum Eingang, dort kommt ihr Geschenk.“
Alle Augen wandten sich dem Zelteingang zu, durch das jetzt Tobias van der Meeren trat.
Leni quietschte und legte beide Hände aufs Herz und Frau van der Meeren wurde abwechselnd rot und blass.
Sie stand auf und eilte ihrem Sohn entgegen.
In der Mitte trafen sie sich und lagen sich weinend in den Armen.
Ringsum herrschte Stille und manche Träne floss, dann aber brauste Beifall auf.
Franzi aber setzte sich still neben die Oma und über ihre Wangen liefen die Tränen.
Später holte Tobias sie und ihre Oma an ihren Tisch.
Als Franzi dann alle Pflichttänze mit den Honoratioren hinter sich hatte, wobei ihr der dicke Bäcker Strudel kräftig auf die Zehen trat, konnte sie mit dem geliebten Mann über die Tanzfläche wirbeln.
Drei Augenpaare beobachteten sie und Leni sprach aus, was die anderen zwei sich dachten.
O mei, is des a schens Paar und wia verliabt s si oschaun.
Deee passn guat zsamm!“

© Lore Platz

Anmerkung: 
Ich hoffe ihr versteht den bayrischenKauderwelsch von Leni!



Sonntag, 28. September 2014

Der Herbst - Gedicht







Nun ist er also endlich da der Herbst mit kalten Nächten, sonnig,
aber doch nicht mehr so kuschelig warm. Auch die Blätter färben sich bunt und die Kürbisse sind reif.
Übrigens wenn ihr gerne Herbstgeschichten lesen wollt, dann könnt ihr das auf  "Herbstzeit"
Wunderschöne Geschichten findet ihr da, ihr braucht nur auf den Link rechts in meiner Blogliste zu drücken.
Wer Märchen und die Fantasiewelt liebt, der kommt dort voll auf seine Kosten.
Ich liebe ja den Herbst, ist er doch einer der Farbenfroheste und es ist auch nicht mehr so heiß.
Aber eigentlich hat jede Jahreszeit ihren ganz besonderen Charme.
Nun möchte ich  euch noch  mit einem Gedicht meines Mail-Freundes "Die Nachtigall" zu diesem Thema erfreuen und wünsche euch einen schönen behaglichen Sonntag.


Der Herbst

Wenn die Felder abgeerntet sind,
Und es weht ein rauer Wind,
Zeigt der Herbst sich in seiner Pracht
Die Natur schön bunt gemacht 

Wenn das Laub fällt von den Bäumen,
Und die Nebelfelder steigen.
Kräftige Winde singen ihr Lied,
Die Schwalben es nach Süden zieht.

Dann die warmen Tage gehen,
Sonne ist nicht viel zu sehen,
Der Gedanke an den Sommer schmerzt,
Dann merkt man, es ist Herbst.

Der Herbst in seiner Farbenpracht,
Wenn die Sonne noch dazu lacht,
Besser, als ein Maler malen kann,
Herbst malt die Natur in allen Farben an.

Manche Bäume sind schon kahl,
Nebelschwaden ziehen über das Tal,
Am Wegrand kann man noch einige Blumen finden,
Über uns Kraniche den Winter ankünden.

Ein schöner Herbsttag schnell vergeht,
Wie ein Blatt das vom Winde verweht,
Bald gibt der Herbst dem Winter die Hand,
Und Schneestürme fegen über das Land.

Doch auch der Winter hat seine Reize,
Wenn die Sonne nicht gar zu Geize,
In jeder Jahreszeit freut sich Groß und Klein,
Ob mit oder ohne Sonnenschein.

Wir können und wollen der Natur nicht befehlen,
Wir als winzig kleine Wesen,
Wir müssen alle halten still,
Die Natur macht es, wie sie will.

Die Nachtigall

 
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Samstag, 27. September 2014

Ich Lade gern mir Gäste ein - Schubsi die kleine Fliege

Wieder hat mir eine liebe Internetfreundin ihre vor kurzem geschriebene Geschichte über eine kleine Fliege zugesandt und ich möchte sie gerne mit euch teilen.
Ich wünsche euch genauso viel Freude am Lesen, wie ich ich sie hatte.








Schubsy, die kleine Fliege


Soeben ist die kleine Fliege, Schubsy, geschlüpft.
Schubsy stellt sich vorsichtig auf ihre Beinchen, bewegt die Flügel hin und her und schaut sich um.
Die Sonne geht gerade strahlend auf und scheint hell in das große Zimmer.
Sie will den ersten Flug ausprobieren.
Die kleinen Flügel schwingen und summen, Schubsy fliegt direkt zum großen Fenster, bleibt total außer Atem erst einmal auf der Scheibe sitzen und lässt sich von der Sonne wärmen.
"Oh, war das schön", ruft Schubsy, die kleine Fliege.
Noch ein bisschen wackelig, dreht sie gleich noch einmal eine große Runde und stellt fest, dass die Wohnstube sehr nett ist.
Eine große Obstschale auf dem Tisch sieht einladend aus und Schubsy setzt sich auf einen duftenden, dicken roten Apfel.
Der pelzige Pfirsich ist auch nicht schlecht.
Sie wird von dicken, fleischigen Händen verjagt. "Frechheit, das war so lecker!"
Sie macht einen Schlenker und schwupps landet sie auf den roten, zuckersüßen Trauben.
Patsch, dann schlägt etwas gelbes Flaches auf sie ein.
Entsetzt ergreift Schubsy die Flucht an die Decke.
Sie beäugt erst einmal die Situation, plötzlich passiert etwas Schreckliches.
Eine dicke bunte Fliege wird von der gelben Fliegenpatsche tot gequetscht.
Panische Angst überfällt Schubsy, die kleine Fliege; "hier will ich nicht bleiben." ruft sie und fliegt im Sturzflug direkt aus dem offenen Fenster und landet auf den Buschweidenröschen.
Bunte Mücken, kleine Schwebewespen, fleißige Bienen und dicke Hummeln fliegen herum; überall ein Summen und Brummen.
Eine wunderschöne Blumenwiese mit wogenden Gräsern, bunten Wicken, gelben Pantoffelblumen, weißer Schafgarbe, süß, duftenden Bockklee, blauen Vergissmeinnicht, liegt ein Stück weiter und viele Insekten tummeln sich darin.
Ganz berauscht wandert Schubsy, die kleine Fliege, von Blume zu Blume und schaukelt mit dem Wind, der den Geruch eines Komposthaufens mitbringt, auf einem Grashalm hin und her.
Hier gibt es alles, was das Herz einer kleinen Fliege höher schlagen lässt und sie schwingt sich Mitten auf den Haufen.
Ganz viele ihrer Artgenossen tummeln sich in Gemüse- und Obstresten, klein geschredderten Pflanzenteilen, leicht am verfaulen und gären.
Die kleine Fliege labt sich am Kompost, krabbelt hin und her, kann gar nicht genug davon bekommen. Die Sonne geht langsam am tiefroten Himmel unter und die Dunkelheit bricht herein.
Nachts sollen Fliegen auf einer Stelle verharren, aber Schubsy ist so neugierig und will nicht auf dem Komposthaufen verweilen.
Schnell einen Flug zur Hauslampe, dort will sie ruhen.
Es sei im Dunkeln sehr gefährlich, warnt sie ein dicker Brummer.

Schubsy ist schon auf dem Weg zu dem hell grellen Licht, will sich neben der Lampe niederlassen und wird dabei abrupt von einem Fädengewirr gestoppt; sie zappelt und schlägt heftig mit ihren Flügeln, aber verheddert sich immer mehr.
Sie sieht die dicke, eckelige Spinne in der Ecke, die sie aussaugen und töten will.
Ihr wird bewusst, dass sie in einem Spinnennetz gefangen ist.
So jung sterben zu müssen, ergibt sich Schubsy, die kleine Fliege, ihrem Schicksal hin, und fällt vor Todesangst in Ohnmacht

Sophie schließt die Haustür auf und sieht das Spinnennetz an der Hauslampe, sie kommt von einem Kinobesuch nach Hause. Sie kann Spinnen nicht ausstehen.

Schnell wischt sie das Netz von der Lampe, das in die darunter stehende, mit Wasser gefüllte Gießkanne fällt.
Aus der Haustür stürmt der Bernhardinerhund Leo, der freudig sein Frauchen um schwänzelt; die Gießkanne fällt um und Schubsy landet auf einem Erdhaufen, das Wasser hat die Spinnenfäden aufgelöst. Die kleine Fliege öffnet die Augen, bewegt die Beinchen und die Flügel.
Morgengrauen erscheint am Himmel und bald kommen die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen. " Die Spinne hat mich nicht getötet. Hurra, ich lebe!"
Für Schubsy, die kleine Fliege, beginnt wieder ein neuer, wundervoller Tag.

© Eva V.
 

Dienstag, 23. September 2014

Als Elke ihrem Opa mit einer Geschichte geholfen hat -- Reizwortgeschichte

Heute ist es nun die 30. Reizwortgeschichte und diesmal sind es die Wörter:

Leben, Muster, gefangen, perfekt, strukturieren






Wie Elke ihrem Opa mit einer Geschichte geholfen hat.





Gefangen in einem immer gleichen Muster, gelang es ihm nicht sein Leben perfekt zu strukturieren!“
Aufatmend schloss Elke das Heft und gab es Lukas, der durch die Reihen ging, um die Diktate einzusammeln.
Endlich Wochenende.
Vergnügt lief sie nach Hause, stellte im Flur den Schulranzen ab und trat in die Küche.
Die Oma ließ gerade den Strudelteig auf das Brett krachen und knetete wütend darauf herum.
So ein alter Sturkopf, da lässt er sich nicht operieren, nur weil der Professor ihm keine hundertprozentige Garantie geben kann.“
Wieder hob sie den Teig und knallte ihn nieder.
Schmunzelnd von der Mutter beobachtet, die gerade Äpfel schälte.
Sie lächelte ihrer Tochter zu.
Du kommst ja früh, das Mittagessen dauert noch ein bisschen.“
Die letzte Stunde ist ausgefallen, wo ist Opa?“
Der sitzt draußen im Garten,“ antwortete die Mutter.
Die Oma schnaubte nur und klatschte auf den Teig.
Grinsend hüpfte das Mädchen nach draußen.
Doch dann wurde sie nachdenklich. Sie wusste warum die Oma sich ärgerte.
Vor einiger Zeit waren Opas Augen immer schlechter geworden und er war von Arzt zu Arzt gelaufen, doch niemand konnte ihm helfen.
Mittlerweile war er fast blind.
Da hatte die Oma von einem berühmten Professor gehört, der eine neue Operationstechnik in der Augenheilkunde entwickelt hatte. Doch Opa weigerte sich, denn er hatte die Nase voll von den Ärzten und war nicht sicher, ob die OP ihm helfen könnte.
Außerdem hatte er sich mit seiner Blindheit inzwischen abgefunden.
Elke ging zu ihrem Opa der auf der Bank an der Hauswand saß und nun lauschend den Kopf hob.
Hallo, meine Kleine.“
Woher weißt du, dass ich es bin?“
Seit ich nicht mehr so gut sehe, habe sich meine anderen Sinne verschärft und ich kann euch an den Schritten auseinander halten. 
Willst du mir aus der Zeitung vorlesen?“
Ach nöööö, da steht immer so langweiliges Zeug drin. Ich erzähle dir lieber eine Geschichte.“




Sie setzte sich neben ihn und begann.

In einem großen Wald wohnten die Tiere friedlich und freundschaftlich zusammen.
Auch ein großer Bär hauste dort in einer Höhle und alle liebten ihn. Er passte auf die Tierkinder auf, wenn die Eltern keine Zeit hatten. Gutmütig legte er sich auf den Boden und die kleinen Eichhörnchen und Hasenkinder hüpften auf ihm herum.
Manchmal brummte er, wenn sie es gar zu toll trieben, aber er tat ihnen nichts zuleide.
Die Jahre vergingen und der Bär wurde immer älter. Graue Haare waren in seinem Fell zu sehen und er bemerkte, dass seine Augen immer schlechter wurden.
Bald konnte er nur noch einen schwachen Schimmer wahrnehmen und wenn er durch den Wald lief, stieß er sich oft an den Bäumen.
Seine Freunde waren sehr besorgt und jeden Tag wurde
nun eines der Tiere bestimmt, das ihn begleiten musste.
Auch führten sie ihn zu den Sträuchern mit den süßesten Beeren. Und der Dachs brachte ihm die Fische, die die Biber an Land warfen in seine Höhle.
So ging das einige Zeit und obwohl es beschwerlich für die Waldtiere war sich um den alten Bären zu kümmern, beklagte sich doch keiner.
Hatte er doch früher auch ihnen geholfen und besonders liebevoll auf ihre Kinder aufgepasst.
Doktor Pillendreher, der in dem nahe gelegenen Wichteldorf wohnte und den sie um einen Rat baten konnte ihnen auch nicht helfen.
Eines Tage kam die Eule Eusebia von einem ihrer Rundflüge zurück und erzählte aufgeregt von einem Einsiedler, der wahre Wunder in der Heilkunst vollbrachte.
Die Tiere machten sich auf den Weg zu dem Heiler.
Lange mussten sie laufen und besonders beschwerlich war der Weg den steilen Berg hinauf, doch endlich standen sie vor der Hütte des Einsiedlers.
Sie erzählten ihm von dem blinden Bären und er fragte sie genau über die Krankheit des Bären aus.
Er versprach eine Kräutermixtur zu bereiten, womit er die kranken Augen auswaschen wollte und würde damit morgen zu ihnen in den Wald kommen.
Glücklich und zufrieden liefen die Tiere zurück und in die Höhle des Bären, um ihm die freudige Nachricht zu bringen.
Dieser aber war den ganzen Tag allein gewesen, keiner hatte sich um ihn gekümmert und war deshalb sehr griesgrämig.
Er hörte gar nicht richtig zu, was seine Freunde ihm erzählten sondern knurrte nur, sie sollten ihn mit dem Quacksalber in Ruhe, er sei alt und blind und daran sei nun mal nichts zu ändern.
Traurig zogen die Tiere ab.
Eusebia, die bei dem Lärm nicht schlafen konnte und alles beobachtet hatte rauschte in die Höhle und zerrte den alten Bären kräftig am Ohr und dann begann sie wütend zu zetern.
Undankbar nannte sie ihn, einen alten Narren, der so gute Freunde gar nicht verdient hätte. Sie hatten sich auf den langen beschwerlichen Weg gemacht, nur um ihm zu helfen und er benehme sich wie ein kleines trotziges Kind.
Der alte Bär schämte sich und versprach kleinlaut, dass der
Heiler kommen könnte und er alles machen würde was er verlange.
Am nächsten Tag kam der alte Mann in die Höhle und richtete sich dort ein.
Mehrmals am Tag wusch er die Augen des Bären und verband sie.
Für die Nahrung der beiden sorgten die Tiere, das Trinkwasser schleppten die Wichtel herbei und die
Bienenkönigin sandte ihnen Honig, denn sie wusste wie gerne der Bär diesen hatte.
Der alte Einsiedler strahlte über das ganze Gesicht, denn  auch er war ein Schleckermäulchen.
So vergingen einige Tage, dann wurde der Verband von den Augen des Bären genommen.
Langsam öffnete er die Augen.
Erst sah er nur einen schwachen Lichtschimmer, doch dann wurden die Konturen um ihn herum immer schärfer, bis er alle seine Freunde erkennen konnte, die mit erwartungsvollen Gesichtern um ihn herum standen.
Als sie bemerkten, dass er sie sehen konnte, da brach ein Jubel los.“

Elke schwieg und schmiegte sich an den Großvater.
Eine Amsel, die auf dem Birnbaum saß flötete ihr schönstes Lied und übertönte damit sogar das Gezänk der Spatzen auf dem Kirschbaum.
Der alte Mann legte seine Hand auf den Kopf des Mädchens und fragte leise.
Du meinst also, dass ich mich operieren lassen soll?“
Ja, wäre es denn nicht schön, wenn du wieder im Garten arbeiten und deine geliebten Kreuzworträtsel lösen könntest?
Außerdem müsste ich dir dann nicht mehr aus der Zeitung vorlesen, wo immer so schrecklich schwere Wörter drinstehen.“
Das ist ein Argument!“
Der Opa lachte.
Es klang fröhlich und befreiend.
Ich werde mich operieren lassen,“ versprach er.
Elke umhalste und küsste ihn, dann nahm sie seine Hand.
Komm, das wollen wir Oma und Mama erzählen.“


© Lore Platz





Montag, 22. September 2014

Das Ameisenjahr mit Lotti - Ende




Märchenstunde am Kamin

Draußen stürmt und regnet es. Es ist eisig und wird früh dunkel.
Das ist die richtige Zeit für eine Märchenstunde am Kamin.
Wenn wir es uns so richtig gemütlich gemacht haben kann es losgehen. Meist er erzählt Opa uns selbst erfundene Märchen. Die sind zum Kugeln lustig.
Du kennst doch bestimmt das Märchen vom Rotkäppchen und dem Wolf?
Und so erzählt es unser Opa:

Es war einmal ein Mädchen mit einer grünen Kappe. Die wollte ihre alte Schwester besuchen, die bei Rumpelstielzchen wohnt. Dazu zog sie ihre alten Wanderhausschuhe an, nahm ihren Rucksack und packte die Geschenke für die alte Schwester ein.
Als erstes kam ein Döner mit Pommes in den Rucksack. Danach nahm sie eine Flasche Mäusemilch mit und als Nachtisch verpackte sie noch ein Glas Gänseblümchen-marmelade.
Als sie mit dem Einpacken fertig war fragte sie den Spiegel nach dem Weg:
Spieglein, Spieglein an der Kellerwand wie bin ich am schnellsten durch den Wald gerannt.“
Der Spiegel guckte dumm aus dem Rahmen und sagte:
Woher soll ich das wissen? Frag doch Regenwittchen hinter den 15 Bergen und ihre 23 Gartenzwerge. Vielleicht wissen die das. Wenn nicht, kannst du bei den sieben Ziegen fragen, die sind ja den ganzen Tag im Wald und meckern sowieso da nur ständig rum.“
Das fand Grünkäppchen ziemlich blöd, nahm ihr Handy und rief bei der Märchenwaldauskunft an. Nachdem sie eine halbe Stunde gewartet hatte meldete sich endlich Frau Elster, die bei der Auskunft arbeitete: „Was kann ich für dich tun?“ fragte sie.
Das Mädchen überlegte kurz und antwortete ihr dann: „Frau Elster, wenn ihr mich so fragt, ihr könntet mir ein Fahrrad kaufen.“
Da wurde die Elster richtig böse und knallte den Hörer hin. So laut, dass dem Mädchen das Ohr weh tat.
Grünkäppchen verstand die ganze Aufregung nicht. Schließlich hatte die Elster sie ja gefragt, was sie für sie tun könne...und mit einem Fahrrad käme sie viel schneller zu ihrer Schwester... komische Vögel, die Elstern...
Nun war Grünkäppchen sauer und machte sich einfach auf den Weg. Ein bisschen konnte sie sich ja noch erinnern, weil sie ihre Schwester im Winter schon mal mit ihren Eltern besucht hatte.
Aber jetzt, im schönsten Sommer, sah alles ganz anders aus. Bäume und Sträucher versperrten die Sicht. Überall wuchsen Blumen und Beeren. Sogar Pilze und alte Autoreifen waren zu finden. Sie pflückte hier und da ein Blümchen und überlegte, ob die Schwester vielleicht auch Pilze und Autoreifen brauchen könnte.
Plötzlich fand sie in einem Autoreifenhaufen ein riesiges blaues Ei. Ja, dachte sie, das könnte ich mitnehmen. Mit so einem großen Ei kann man Eierkuchen backen oder Spiegelei braten. Sie hatte es gerade mit Mühe angehoben, da hörte sie ein unheimliches Gebrüll. Vor Schreck ließ sie das Ei wieder fallen und dabei bekam es einen Riss.
Zitternd sah sie sich um und da stand ein wunderschöner blauer Drachen vor ihr. Er sperrte sein Maul auf und wollte sie schon auffressen, da war plötzlich ein ängstliches Piepsen zu hören. Sie schauten beide erschrocken zu dem Ei und sahen einen kleinen blauen Drachenkopf in dem Riss. Von da kam auch das aufgeregte Piepsen und Fauchen.
Sofort ließ der Drache das Mädchen stehen und eilte zu dem Ei. Ganz allmählich ging das Ei kaputt und ein kleiner süßer Drachen stand im Autoreifen. Er sah so niedlich aus, am liebsten hätte sie ihn mitgenommen. Aber sie schlich sich lieber heimlich davon.
Der große Drachen merkte zum Glück nichts davon. Er umarmte gerade sein Drachenbaby.
Nun wurde es langsam Zeit, den Weg zur Schwester zu finden. Aber weil Grünkäppchen unbedingt noch was mitbringen wollte, sah sie sich im Wald genau um und erblickte einen Würstchenbaum.
Ja die Würstchen schienen auch schon reif zu sein. Schnell pflückte Grünkäppchen einige davon und verbrannte sich fast die Finger.Die Würstchen waren heiß und dufteten herrlich.
Als sie die Würstchen gerade einpacken wollte knurrte es hinter ihr ganz schauerlich. Vorsichtig schielte sie ein wenig um die Ecke um zu sehen, was das sein könnte, was da so knurrte. Sie sah einen riesigen zotteligen Hund.
Der schaute sie zornig an und sagte: „Eh, was machst du da mit meinem Abendbrot?“ Grünkäppchen war sehr erschrocken. Sie entschuldigte sich bei ihm und fragte, ob er nicht mit zu ihrer Schwester kommen wolle. Da könnten sie dann gemeinsam Abendbrot essen. Der Zottelhund überlegte kurz und war einverstanden.
Fröhlich gingen sie gemeinsam weiter zum Haus der Schwester. Schon von Weitem kam ihnen der Duft von frisch gebackenem Brennnessel-Eis entgegen. Die Schwester freute sich über den Besuch. Beim Essen erzählte sie Grünkäppchen und dem Zottelhund das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf.
Grünkäppchen fand das Märchen lustig und fragte den Zottelhund, ob er sie nun, wie der Wolf im Märchen, auffressen würde. Der lag aber nur faul auf dem Rücken und ließ sich den Bauch kraulen. Dabei meinte er, das das Abendbrot so gut geschmeckt hat und er keinen einzigen Bissen mehr hinunter bekäme.
Grünkäppchen kuschelte noch eine Weile mit dem Zottel-hund, dann gingen alle schlafen.
- hier endet Opas Märchen wie jedes Märchen -
und wenn sie nicht gestorben sind – leben sie noch heute.




Winterschlaf

Es wird immer kälter. Nebel und Regen sind täglich unsere Begleiter. Wenn die Sonne mal scheint, dann wärmt sie uns kaum noch.
Den Garten haben wir jetzt fast ganz für uns. Die Menschen sind in ihrer Winterwohnung und auch Fussel ist mit ihnen ins Winterquartier gezogen. Schade! Nur selten kommen sie mal vorbei. Meist haben sie dann Regenschirme dabei.
Die Schmetterlinge sind verschwunden und die Frösche sind auch nicht mehr zu hören und zu sehen.
Die Bäume haben ihre Blätter nun alle verloren. Die Blumen sind verwelkt und die Früchte alle geerntet.
Wir bereiten uns jetzt täglich auf unseren langen Winterschlaf vor. Vorräte haben wir gesammelt und unser Haus ist auch schon auf die kommende Kälte vorbereitet. Bald wird es völlig geschlossen. Dann bleiben wir in unseren kuscheligen Betten und schlafen bis zum Frühling.
Wir werden von Tag zu Tag immer müder. Meine Geschwister bleiben schon fast den ganzen Tag in ihren Betten.
Ich will eigentlich noch nicht schlafen gehen, aber ich merke, das ich es auch nicht mehr lange aushalte.
Unsere Eltern geben uns jetzt jede Menge zu Essen, das gibt uns Kraft für den langen Schlaf, sogar Süßigkeiten sind mehr als sonst erlaubt.
Trotzdem merke ich, wie mir immer öfter die Augen zufallen.
Meine Eltern erzählen mir die Geschichte von einer kleinen Ameise, die ein wunderschönes Gartenjahr erlebt hat, eine tolle Urlaubsreise nach Italien machen konnte und die ihren Hundefreund Fussel ganz lieb hat.
Ich denke an die vielen Erlebnisse und fange an, mich schon auf das nächste Jahr zu freuen.

Was werde ich dann wohl alles erleben...
Aber das wäre dann schon wieder eine neue Geschichte.


2008 Gabi und Bernd Mathing Berlin.




Ich hoffe die Geschichte hat euch genauso gut gefallen wie mir.
Übrigens morgen ist Reizwort-Geschichten-Tag!
Wünsche euch einen schönen Wochenanfang 

Sonntag, 21. September 2014

Das Ameisenjahr mit Lotti Teil 5




Vom Samenkorn zur Pflanze

Heute muss ich euch was ganz Tolles erzählen. Unser Lehrer hat uns Samenkörner gezeigt, aus denen mal ganz große Pflanzen werden sollen.
Den Kugelschreiber habe ich daneben gelegt damit du siehst, wie klein die Samenkörner sind. Den kann man natürlich nicht aussäen.
Aus diesen winzigen Körnchen werden nach einigen Tagen winzige Pflänzchen.
Wenn diese Pflänzchen dann etwas größer sind kommen sie zum Weiterwachsen ins Gewächshaus. Manche müssen auch erst nochmal in Blumentöpfe umgepflanzt werden. Das nennt man Pikieren.
Ich habe dabei zugesehen. Das ist nicht einfach, denn die Pflanzen sind sehr empfindlich und wie du schon weißt – winzig. Da haben die Menschen mit ihren großen Fingern so ihre Schwierigkeiten.




Im Gewächshaus ist es für die kleinen und großen Pflanzen viel gemütlicher.
Ich war da auch mal drin. Es war so warm wie im Sommer. Direkt kuschelig – am liebsten wäre ich gleich da geblieben.
Im Sommer ist es bestimmt richtig heiß.
Die Gurkenpflänzchen brauchen mindestens 4 Monate zum Wachsen.Ja und das wächst aus dem kleinen Gurkensamen – eine große grüne Gurke. Im Sommer kann sie geerntet werden.
Daraus macht meine Mutti oft Gurkensalat. Den esse ich besonders gerne
Du siehst, man braucht jede Menge Geduld, wenn man solche Gurken selber wachsen lassen will.
Viel einfacher ist es, die Gurken gleich fertig auf dem Gemüsemarkt zu kaufen. Aber es macht jede Menge Spaß zu zusehen, wie aus solch einem Samenkorn eine Pflanze und dann sogar Gurken wachsen.
Allerdings macht das auch jede Menge Mühe. Du kannst dir sicher vorstellen, das die kleinen Dinger Licht, Wärme und Wasser brauchen und zwar ganz regelmäßig.




Vielleicht kannst du ja mal selber probieren, wie aus Samen Pflanzen werden. Meine Mutti hat mir erklärt, dass das mit Gartenkresse ganz einfach geht. Wenn man die aussät kann man nach einigen Tagen schon Gartenkresse ernten und auf einer Butterstulle essen. Das probiere ich als nächstes selber aus. Machst du mit?

Unsere Kühe

Ja, du hast richtig gehört. Meine Eltern betreuen eine ganze Herde unserer Kühe. Die sehen natürlich nicht so aus, wie die Kühe, von denen du deine Milch bekommst.
Unser Kühe heißen Blattläuse. Sie sitzen auf den Blättern eines Baumes oder einer anderen Pflanze und ernähren sich vom Pflanzensaft.
Sie produzieren einen süßen, klebrigen Honig-Saft, der uns sehr gut schmeckt. Die Blattläuse werden von meinen Eltern richtig gemolken, sie beklopfen sie mit den Fühlern, bis sie ihren süßen Saft abgeben.
Manchmal ist es auch nötig, die Blattläuse auf andere frische Blätter zu tragen. Das ist eine schwere und gefährliche Arbeit. Da helfen dann unsere Freunde mit.
Die Blattläuse mögen das sehr und für uns Ameisenkinder ist das ein richtiges Abenteuer.
Natürlich beschützen meine Eltern unsere Haustiere auch vor Feinden, zum Beispiel vor Mariechenkäfern.
Ich helfe meinen Eltern gerne, den Honigsaft für den Winter abzufüllen. Das macht mir wirklich Spaß, denn da kann ich wunderbar naschen und keiner schimpft mit mir.
Ja, so langsam müssen wir uns auf den Winter vorbereiten und Vorräte sammeln.





Herbst

Die Ameisenschule fängt immer wieder an, wenn der Herbst beginnt.
Herbst, was ist das? Diese Frage hat uns unser Lehrer gestellt. Als wir aus dem Fenster sahen, hatten wir auch schon einige Antworten.
Herbst ist Regen.
Herbst ist Wind und manchmal auch schon Kälte.
Aber Herbst ist auch Sonnenschein und bunte Blätter,
die der Wind von den Bäumen bläst.
Mir gefällt der Herbst. Dir auch? Mit den Blätter kann man so schön spielen. Hast du schon mal einen Drachen steigen lassen? Der Wind weht jetzt gerade richtig.
Wir spielen Verstecken unter den bunten Blättern. Es duftet nach Herbst.
Immer öfter brauchen wir Jacken und Mützen, damit wir uns nicht erkälten.
Herbst ist auch die Zeit, in der wir uns auf den Winter vorbereiten. Wir sammeln Vorräte für die Zeit, wenn Frost und Schnee die Erde zudeckt und wir nichts Essbares mehr finden können.
Äpfel und Birnen können ganz schön gefährlich für uns sein. Sie fallen einfach von den Bäumen herunter und können uns Ameisen glatt breitquetschen, wenn wir nicht aufpassen. Deshalb sind jetzt im Herbst die Plätze unter den Bäumen für uns gesperrt.
Ich genieße die Zeit, in der die Sonne scheint. Der Himmel ist dann so schön blau. Mir kommt es so vor, als wäre er noch blauer als im Sommer. Ich denke an die Zeit, wo wir alle auf unserer Wiese lagen und uns die Wolken angesehen haben.
Aber immer öfter ist der Himmel jetzt grau. Es weht schon ab und zu ein kalter Wind und wenn es regnet bin ich gern zu Hause.


 

Bastelnachmittag

Heute wollen wir unsere Zimmer herbstlich schmücken. Wir malen Bilder von schönen bunten Herbstblättern. Natürlich hat sich dafür jeder sein Lieblingsblatt mitgebracht. Die Bilder wollen wir dann aufhängen.
Ich brauche grüne, gelbe und braune Farbe und dann geht es los.
Nach einigen Stunden sind wir mit unseren Werken endlich zufrieden. Natürlich müssen sie gleich aufgehängt werden. Das sieht richtig toll aus. Stolz zeigen wir unseren Eltern die Kunstwerke.
Sie gefallen ihnen so gut, das sie am liebsten in ihren Zimmern auch welche haben möchten.
Also werden wir morgen nochmal malen und sie dann mit den Bildern überraschen.
Die Bilder sind ganz toll geworden und unsere Eltern freuen sich sehr über unsere Geschenke.
Sie bedanken sich bei uns mit unseren Lieblingssüßigkeiten.
Jetzt kann der Winter kommen.


(c) Gabi und Bernd Mathing


Liebe Leser ich möchte euch noch auf einen Beitrag von Martina aufmerksam machen.
Hier ist der Link http://kluempche.blogspot.de/2014/09/joshua-eine-spende-und-dann.html