Dienstag, 28. Oktober 2014

Cornelia ist anders - Reizwortgeschichte

Und schon ist er wieder da unser Reizwortgeschichtentag. 

Diesmal sind es die Wörter:
Filmriss, Fest, faszinierend, frisch, feurig
Der Filmriss hat mir großes Kopfzerbrechen bereitet, mal sehen wie die anderen das Problem gelöst haben.
 
Fussel, der Hund von Elli M.



Cornelia ist anders


Benommen richtete sie sich auf und sah sich um.
Wo war sie hier?
Sie fröstelte und ein unheimliches Gefühl beschlich sie. Waren das dort hinten Gräber, war sie etwa auf einem Friedhof?
Dunkel konnte sie sich an ein Fest erinnern, lachen und trinken, doch dann hatte sie einen Filmriss.
Durch den dichten Nebel kam eine schwarz gekleidete Gestalt auf sie zu.
Schemenhaft tauchten Erinnerungen auf. Er hatte sie zu einem Tango aufgefordert und sie elegant und doch feurig durch die Schritte geführt.
Sie war vollkommen hingerissen von ihm gewesen. Er war irgendwie faszinierend.
Nun blieb er vor ihr stehen.
Ein teuflisches Lächeln spielte um seine Lippen. Dann öffnete er den Mund und zwei spitze lange Zähne wurden sichtbar.
Sie fing gellend an zu schreien!“

Bianca!“
Enttäuscht legte die Vierzehnjährige das Buch hin.
Ich komme!“
Ihre Mutter stand in der Küche und knetete einen Teig, der Tisch brach fast zusammen unter dem Chaos.
Die Oma schälte, ungerührt von dem Ganzen, Äpfel.
Frau Bauer strich sich eine Strähne zurück und hinterließ eine Mehlspur auf der Stirn.
Bianca du solltest doch Petra vom Kindergarten abholen, hast du wieder die Zeit vergessen beim Lesen.“
Das Mädchen errötete und sah schuldbewusst zur Uhr.
Bin schon weg!“
Im Laufschritt lief sie zum Kindergarten, der zum Glück nur zwei Straßen weiter lag.
Gerade rechtzeitig kam sie etwas atemlos an.Die Kinder verließen gerade lärmend das Gebäude, Petra mitten unter ihnen.
Als sie ihre große Schwester entdeckte, winkte sie ihren Freundinnen zu und lief zu Bianca.
Wie viele hast du denn zu deinem Geburtstag eingeladen?“
Oh nur Elfie, Gretel, Paula, Babsi, Tom, Andreas und Karin!“
Das geht ja noch,“ grinste Bianca.
Der Hof hatte sich inzwischen geleert, nur ein kleines Mädchen stand noch da und sah irgendwie verloren aus.
An ihrem rechten Bein trug sie eine Schiene.
Kennst du sie?“
Ja, sie heißt Cornelia Larson und ist noch nicht lange hier. Sie wohnt mit ihrer Oma in dem Haus von der alten Berta, die letztes Jahr gestorben ist.“
Das ist ja nicht weit von uns, komm wir fragen sie, ob wir sie mitnehmen sollen.“
Cornelia hob nicht den Kopf, als Bianca sie fragte und meinte nur zögernd; ihre Oma würde sie abholen.
Da kam die alte Frau auch schon etwas außer Atem in den Hof.
Tut mit leid Nelly, ich habe Kekse gebacken und musste noch auf das letzte Blech warten, um es aus dem Ofen zu holen.“
Sie sah Bianca und Petra freundlich an. „Danke, dass ihr mit Cornelia gewartet habt.“
Ja, wir wollten sie gerade mitnehmen, da ihr ja in unsere
Nähe wohnt,“ erklärte Bianca.
Die alte Frau sah sie nun genauer an, dann lächelte sie.
Ihr seid die Bauer-Kinder und wohnt in dem schönen großen Haus schräg gegenüber.“
Cornelia hob den Kopf und warf ein: „ mit dem schönen großen Hund!“
Ja, das ist Fussel, ein richtiger Clown, doch sehr lieb, kommt wir wollen gehen,“ meinte Petra, nahm Cornelia bei der Hand und ging mit ihr dem Ausgang zu.
Es war rührend zu sehen wie Petra sich den langsamen Schritten des anderen Mädchens anpasste.
Als sie das kleine Häuschen der Larsons erreicht hatten, bat die Oma sie ins Haus, um die frisch gebackenen Kekse zu probieren.
Während Petra mit Cornelia schon im Haus verschwand, lief Bianca schnell hinüber, um der Mutter zu sagen wo sie waren.
Später als sie dann mit Frau Larson bei einer Tasse Tee und Keksen zusammen saß, erfuhr sie die ganze traurige Geschichte.
Petra und Nelly spielten in deren Zimmer, reichlich mit einem Teller voller Kekse versehen.
Mit Tränen in den Augen erzählte Frau Larson von dem großen Unglück, dass ihre Familie getroffen hatte.
Bei einem unverschuldetem Unfall kamen ihr Sohn und seine Frau vor zwei Jahren ums Leben. Cornelia überlebte schwer verletzt, doch ihr rechtes Bein war total zerschmettert. Über ein Jahr lag sie in der Klinik und musste immer wieder operiert werden.
Dann starb ihre Kusine Berta und hinterließ ihnen ihr kleines Haus. Und sie zogen hierher.
Inzwischen hatte sie auch eine nette Therapeutin für Nelly gefunden, die ihr über das erlebte Trauma hinweg helfen sollte.
Die Therapeutin war es auch, die vorgeschlagen hatte, das Kind in den Kindergarten zu bringen.
Finanziell waren sie gut versorgt, da die Versicherung des
Unfallverursachers eine große Summe als Schmerzensgeld an Nelly zahlen musste und außerdem noch eine lebenslange Rente.
Die Kinder kamen in die Küche.
Bianca , ich habe Nelly zu meinem Geburtstag morgen eingeladen.“
Das ist eine gute Idee, kommen sie morgen doch beide, das Fest beginnt um 14 Uhr.“
Gerne, aber was wird eure Mutter dazu sagen.“
Bianca lachte.
Das kann ich ihnen gleich sagen. Sie wird nur antworten, das Haus bricht sowieso auseinander bei dem Ansturm, da kommt es auf zwei Personen auch nicht mehr an.“
Petra grinste.
Wir haben so viele Tanten, Onkel, Vettern und Basen , die kommen morgen alle zu meinem Geburtstag, außerdem habe ich auch noch Elfie, Gretel, Paula, Babsi, Karin, Tom und Andreas eingeladen,“ wendete sie sich an Nelly. „Du kennst sie aus dem Kindergarten.“
Als Bianca später ihrer Mutter dann von den neuen Gästen erzählte, winkte diese nur ab. Zwei Gäste mehr war kein Problem.
Als Petra dann im Bett lag, setzte sich Bianca zu ihren Eltern und der Oma ins Wohnzimmer und erzählte ihnen von dem traurigen Schicksal von Cornelia.
Allen tat das Mädchen leid.
Da müssen wir eben mehr Spiele machen, die im Sitzen stattfinden, damit sie mitmachen kann.“ meinte die Oma.
Ich werde mir einige ausdenken,“ versprach Bianca.
Und bei den Spielen, die draußen stattfinden, kann sie sich zu den Zuschauern setzen. Wir werden schon dafür sorgen, dass sie sich nicht ausgeschlossen fühlt,“ versprach die Mutter.
Und der Vater erklärte in resigniertem Ton.
Und ich werde mich wieder opfern und den Clown spielen
und beim Sack hüpfen auf die Nase fallen.“
Fröhliches Gelächter erfüllte das Wohnzimmer.

Pünktlich um 14Uhr kamen Frau Larson und Cornelia.
Das Mädchen war total eingeschüchtert von all den vielen Menschen, die lachend und schwatzend im Garten waren, die langen Biertische deckten und zwischen Haus und Garten eilig hin und her liefen.
Nelly schmiegte sich Schutz suchend an ihre Oma. Fussel kam zu ihr und leckte ihr die Hand, als spürte er ihre Unsicherheit. Lächelnd streichelte sie den Hund.
Petra kam herüber und fasste Nelly resolut an der Hand.
Komm mit zu den anderen.“
Für die Kinder war unter einem Pavillon, der mit Luftballons geschmückt war, ein großer runder Tisch gedeckt.
Nelly wurde herzlich begrüßt und da Fussel nicht von ihrer Seite wich, verlor sie auch ein wenig ihre Scheu.
Keines der Kinder machte eine Bemerkung über das lahme Bein von Nelly und hatten auch bald vergessen, dass sie eigentlich „anders“ war.
Später spielten sie einige Spiele am Tisch unter der Aufsicht von Bianca.
Nelly machte eifrig mit und ab und zu lachte sie sogar hellauf.
Ihre Oma, die das Kind nicht aus den Augen gelassen hatte, rührte dieses Lachen zu Tränen.
Wie lange hatte sie das Kind nicht mehr lachen gehört.
Frau Bauer trat neben sie.
Es tut Nelly gut hier unter den Kindern zu sein.“
Frau Larson nickte. „Danke, dass sie uns eingeladen haben.“
Sie sollten öfter zu uns kommen. Sehen sie die meisten der Kinder sind meine Neffen und Nichten. Ich stamme aus einer großen Familie und alle wohnen in der Nähe. Bei uns ist immer etwas los.“
Nelly und ich sind noch das Einzige, was von unserer
Familie übrig ist,“ murmelte Frau Larson traurig.
Frau Bauer legte ihr den Arm um die Schulter.
Wissen sie was, ab jetzt gehört ihr beide zu unserer Familie."
Die beiden Frauen umarmten sich.
Fussel weicht nicht von Nellys Seite.“
Frau Bauer runzelte die Stirn.
Wissen sie, ach nein wir wollen du zueinander sagen, ich bin Barbara.“
Betty!“
Also Betty, ich glaube es wäre gut für Nelly, wenn sie einen eigenen Hund hätte. Ein Hund könnte ihr helfen die, schlimmen Erlebnisse besser zu verkraften.
Weißt du was, Fussels Mutter hat vor kurzem wieder geworfen. Wir könnten nächste Woche zum Züchter fahren und Nelly kann sich dann einen der Welpen aussuchen. Aber jetzt beginnt das Sack hüpfen. Wir wollen Nelly in unsere Mitte nehmen, denn bei den folgenden Spielen kann sie nicht mitmachen.“
Nelly war nicht traurig darüber, dass sie ausgeschlossen war. Sie fiebert richtig mit und feuerte Petra lautstark an und als Herr Bauer der Länge nach ins Gras fiel, da lachte sie laut auf.

Am Abend, als Frau Larson das Mädchen ins Bett brachte, sah diese so glücklich aus wie schon lange nicht mehr.
Und als sie ihr erzählte, dass sie ein Geschwisterchen von Fussel bekommen würde, da fiel sie ihr jubelnd um den Hals.
Als Nelly sich mit ihrem Teddybären in die Kissen kuschelte murmelte sie, während ihr die Augen zufielen:
Weißt du Petra hat gesagt, ich sei ihre aller, aller beste Freundin und soll nun jeden Tag zu ihr kommen. Wenn ich dann meinen eigenen Fussel habe, dann können die beiden Hund auch miteinander spielen.“
Die letzten Worte konnte Frau Larson kaum mehr verstehen, denn das Kind war eingeschlafen.
Dankbar faltete sie die Hände und sandte ein stummes Gebete zum Himmel.
Nach all der schweren dunklen Zeit, hatte Gott ihr wieder einen Sonnenstrahl gesandt.





 

Dienstag, 21. Oktober 2014

Wie der Zufall dem Schicksal einmal geholfen hat - Reizwortgeschichte

Nun ist es also wieder soweit, es ist Dienstag und es gibt viermal eine neue Reizwortgeschichte.
Wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Reizwörter sind: 
Cafe, Schicksal, beneidenswert, sensibel, empfinden



Das Bild ist wieder von Elli, danke dafür



  
Wie der Zufall dem Schicksal einmal geholfen hat


Etwas gelangweilt flog der Zufall durch die Gegend.
Unter ihm lag der Rumensrieder Forst, ein beliebter Ausflugsort.
Es war Sonntag und viele Wanderer und Familien waren bei dem schönen Wetter unterwegs.
Am Ende des Waldes lag das Cafe „Zur Goldenen Sonne“ und der Zufall verzog etwas spöttisch das Gesicht.
Sehr einfallsreich fand er den Namen nicht.
An den runden weißen Tischen saßen nur vereinzelt einige Personen. Erst später, wenn die Ausflügler müde von ihrer Wanderung zurück kamen, würde hier mehr los sein.
Auf dem alten Kastanienbaum, der seine weit ausladenden Äste Schatten spendend über den Platz breitete, entdeckte der Zufall Myriam, die jüngste Tochter der Schicksalsfee.
Myriam, die Träumerin nannte man sie, denn sie war mit den Gedanken immer irgendwo in den Wolken.
Auch jetzt saß sie auf einem Ast, baumelte mit den Beinen und sah träumend in die Wolken.
Der Zufall setzte sich neben sie.
Hallo Myriam, was machst du denn hier.“
Die Fee zuckte zusammen, dann erkannte sie ihn.
Hallo Zufall, oh ich soll einen Auftrag ausführen.“
Was musst du denn tun?“
Siehst du da unten die junge Frau, die ganz allein am Tisch sitzt?“
Der Zufall spähte zu dem betreffenden Tisch.
Eine junge etwas unscheinbare Frau rührte mit gesenktem Kopf in ihrer Kaffeetasse.
Ab und zu warf sie einen Blick zum Nebentisch, an dem ein gutaussehender junger Mann saß und sich gelangweilt umsah.
Weiter hinten blätterte ein anderer Mann mit einer dicken Hornbrille auf der Nase in einem Stapel Papiere und schien die Umgebung um sich herum gar nicht wahrzunehmen.
Der Zufall wandte sich zu Myriam.
Was ist mit der jungen Frau?“
Das ist Frauke Baumgarten, sie ist sehr sensibel und schüchtern und meine Mutter gab mir den Auftrag sie mit dem Mann, der ihr vom Schicksal bestimmt ist, zusammen zu bringen“
Welcher von den Beiden ist es?“
Oh?“ Etwas ratlos sah die Fee zwischen den beiden Männern hin und her.“
Du hast wieder geträumt und nicht aufgepasst!“ meinte der Zufall streng.
Myriam errötete und wurde ein wenig rot.
Doch, ich weiß es ganz genau, der Hübsche mit den lustig funkelnden Augen,“ meinte sie trotzig.
Der Zufall wiegte zweifelnd das Haupt.
Er fand nicht das der Genannte lustige Augen hatte. Eher sahen sie spöttisch und sehr überheblich in die Welt.
Doch Myriam hatte nun ihre silbernen Schicksalsfäden aus der Tasche geholt und warf sie über die beiden jungen Menschen.
Dann flog sie davon.
Der Zufall aber blieb sitzen, denn er wollte wissen was weiter passierte.
Frauke beobachtet heimlich den jungen Mann am Nebentisch.
Er gefiel ihr, aber gutaussehende Männer interessierten sich nicht für so eine graue kleine Maus wie sie.
Gerade warf er einer blonden Joggerin, die aus dem Wald kam, einen herausfordernden Blick zu.
Diese schenkt ihm ein keckes Lächeln und lief weiter.
Beneidenswert!“ dachte Frauke, „ so hübsch und selbstsicher würde ich auch gerne sein.“
Nun ließ der junge Mann gelangweilt seinen Blick über die anderen Gäste gleiten und blieben an Frauke hängen, der einzigen jungen Dame hier.
Besser als nichts!“ dachte er, erhob sich und schlenderte hinüber zu dem Mädchen.
Darf ich mich zu ihnen setzen?“
Frauke verschluckte sich fast an ihrem Kaffee und wurde knallrot.
Bibibitte,“ stammelt sie.
Ingo Markner,“ stellte er sich vor, zog den Stuhl geräuschvoll unter Tisch hervor und flegelte sich darauf.
Frauke Baumgartner,“ murmelte das Mädchen, dessen Herz wie eine Trommel schlug und sie meinte man könnte es hören.
Sie habe ja gar keinen Kaffee, darf ich ihnen einen bestellen?“
Er wartete ihre Antwort gar nicht ab und winkte der Kellnerin.
Eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen und mir ein Glas Bier.“
Die Bedienung wandte sich an Frauke.
Welchen Kuchen möchten sie denn.“
Ehe Frauke nur den Mund aufmachen konnte, meinte der junge Mann schon:
Bringen sie ihr irgendein Stück Torte und nun schwirren sie ab, aber ein bisschen dalli.“
Die Kellnerin warf ihm einen giftigen Blick zu und auch Frauke war etwas befremdet von dem rüden Ton und leise Zweifel kamen ihr.
Der Zufall aber saß oben auf dem Baum und runzelte die Stirn.
Der Schönling redete nun wie ein Wasserfall auf Frauke ein, die still ihren Kuchen aß.
Der Mann mit der Hornbrille hatte inzwischen bezahlt und packte die Blätter in seine braune Aktentasche.
In den Augen des Zufalls blitzte es auf.
Er hatte das unbestimmte Empfinden, dass Myriam sich getäuscht hatte und dass der Mann mit der Hornbrille für Frauke bestimmt war.
Als dieser nun an dem Stuhl des Mädchens vorbei ging, hob der Zufall grinsend seine Hand, der Mann stolperte und fiel gegen das Mädchen.
Frauke fiel die Kaffeetasse aus der Hand.
Ein hässlicher Kaffeefleck breitete sich auf ihrer Bluse aus und ein paar Spritzer landeten auf der Krawatte ihres Gegenübers.
Ingo sprang auf und brüllte:
Du tolpatschiger Trampel, sieh mal was du angerichtet hast. Die Krawatte war noch ganz neu. Aber das kommt davon, wenn aus lauter Gutmütigkeit sich mit so einem unscheinbaren Mauerblümchen einlässt.!“
Frauke erblasste und senkte den Kopf, damit man die Tränen in ihren Augen nicht sehen konnte.
Der Mann mit der Hornbrille aber trat drohend auf Ingo zu und knurrte zornig.
Die junge Dame kann gar nichts dafür, das war meine Schuld. Außerdem werden sie sich sofort bei ihr entschuldigen!“
Die Kellnerin, die herbei geeilt war, warf Ingo einen spöttischen Blick zu.
Dieser aber dreht sich um und stolzierte, ganz gekränkte Eitelkeit, davon.
Was ist mit der Rechnung!“ rief ihm die Kellnerin nach.
Lassen sie nur, ich übernehme das.“
Nachdem abkassiert war, wandte sich der Mann mit der Hornbrille an Frauke.
Mitleidig blickte er auf ihren gesenkten Kopf.
Es tut mir leid, dass ich ihren Freund vertrieben habe.“
Frauke hob den Kopf und lächelte.
Er war nicht mein Freund, ich habe ihn eben erst kennen gelernt. Und ehrlich gesagt, bin ich froh, dass sie ihn in die Flucht geschlagen haben.“
Der junge Mann aber dachte: „Was für schöne Augen sie hat.“
Dann stutzte er.
Arbeiten sie nicht in der Kanzlei Brankburger?“
Frauke nickte erstaunt.
Ich bin der neue Assessor. Gestatten Marco Dornbach. Da habe ich mich ja schön eingeführt.“
Die beiden sahen sich an, dann wurde ihnen das absurde der Situation bewusst und sie begannen fröhlich zu lachen.
Und wieder dachte Marco : „Sie ist richtig schön, wenn sie lacht.“
Darf ich sie nach Hause bringen?“
Frauke nickte und bald gingen sie in eine angeregte Unterhaltung vertieft, als kannten sie sich schon lange, zum Parkplatz.
Der Zufall aber grinste und flog davon.

Eine Woche später.
Myriam saß auf einer Wiese und flocht einen Blumenkranz. Mit den Gedanken war sie mal wieder im Traumland.
Ihr Mutter tauchte neben ihr auf und fragte streng.
Hast meinen Auftrag ausgeführt?“
Die junge Fee erschrak.
Daran hatte sie schon nicht mehr gedacht. Sie hätte sich überzeugen müssen, ob es auch geklappt hatte.
Moira schnippte mit den Fingern und ein Bild erschien.
Frauke und Marco schlenderten Hand in Hand durch einen Park. Ab und zu blieben sie stehen und küssten sich.
Myriam erschrak. Das war ja gar nicht der Mann den sie für Frauke bestimmt hatte.
Unter den Lidern warf sie einen besorgten Blick zu ihrer Mutter.
Diese aber lächelte.
Das hast du gut gemacht. Die Beiden hat das Schicksal füreinander bestimmt. Sie werden sehr glücklich werden.
Ehrlich gesagt, ich hatte meine Zweifel, dass du es richtig machen würdest. Ich bin stolz auf dich. Komm, ich gebe dir eine neue Aufgabe.“
Während Myriam hinter ihrer Mutter her schwebte, nahm sie sich fest vor, in Zukunft besser aufzupassen.
Und wenn sie dem Zufall wieder begegnen würde, dann wollte sie sich bei ihm bedanken.

© Lore Platz





 

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die roten Lackschuhe








Die roten Lackschuhe


Auf dem Weg zur Schule kam die achtjährige Anneliese an einem Schuhgeschäft vorbei.
Über dem Eingang hing ein goldenes Messingschild von dem der gestiefelte Kater frech herunter grinste und wenn der Wind ging, dann machte das Schild „bling,bling“
Dieses Schild hatte das Mädchen zuerst angelockt, doch seit einigen Tagen standen rote Lackschuhe im Schaufenster und Anneliese konnte sich nicht sattsehen.
Ganz platt drückte sie sich ihre Nase und bewunderte die schönen roten glänzenden Schuhe, die auf einem Podest standen.
Wie sehr wünschte sie sich, diese Schuhe zu besitzen, aber sie wusste, es ging nicht, denn ihr Vater war arbeitslos und suchte schon so lange nach Arbeit.
Ganz traurig war er geworden und auch die Mama die doch früher immer so gerne lachte und sang, war jetzt immer blass und still.
Anneliese würde nichts von den Schuhen erzählen, das sollte ihr Geheimnis bleiben.
Auch heute hielt sie vor dem Geschäft und drückte ihre Nase ganz fest an die Scheibe des Schaufensters, um „ihre“ Schuhe zu betrachten.
Doch was war das?
Ein Gesicht erschien und eine Hand griff nach den Schuhen und dann war das Podest leer.
Anneliese erschrak.
Traurig starrte sie vor sich hin und in ihren Augen sammelten sich Tränen.
Die Tür des Schuhgeschäfts öffnete sich und eine elegant gekleidete Dame, die ein Mädchen an der Hand führte, trat heraus.
Als sie die kleine Vortreppe herunter kamen, sah Anneliese :
Das Mädchen trug die roten Lackschuhe.
Anneliese wandte sich um und lief blind vor Tränen los.
Der Schulranzen auf ihrem Rücken hüpfte auf und ab und
die Tränen rannen nur so über ihr Gesicht.
Als sie das Miethaus betrat, setzte sie sich erst einmal auf die Holztreppe, um zu verschnaufen und die Tränen zu trocknen.
Die Mutter hatte scharfe Augen und würde nur fragen, warum sie geweint hatte.
Anneliese legte den Kopf in beide Hände und versuchte an etwas Schönes zu denken, das hatte die Oma immer zu ihr gesagt.
Ach die Oma, die war vor einem Jahr gestorben, wenn die doch hier wäre.
Mit ihr könnte sie über die schönen roten Lackschuhe sprechen.
Oben ging eine Tür und Anneliese sprang schnell auf und ging mit gesenktem Kopf die Treppe hinauf.
Als sie am Abend im Bett lag, dachte sie wieder an das Mädchen, das nun „ihre“ Lackschuhe trug.
Ach wie froh und glücklich würde diese sein.
Auf einmal war ihr, als würde die Oma ihr tröstend über das Haar streichen, wie sie es so oft getan hatte.
Und ihr fiel ein, was die alte Frau immer zu ihr gesagt hatte.
Wenn du einmal ganz traurig bist und mit niemanden über deinen Kummer sprechen kannst, dann erzähle es dem lieben Gott, der hört immer zu und vielleicht hilft er dir ja auch.“
Anneliese faltete die Hände und sprach sich ihren ganzen Kummer von der Seele.
Dann nahm sie ihren Teddy in den Arm und schlief getröstet ein.

Am nächsten Tag musste sie ihre Mutter in den Kleiderladen begleiten.
Dort gab es Kleider und viele Sachen zum Anziehen umsonst, gespendet von Leuten, die sie nicht mehr haben wollten.
Lustlos betrat Anneliese das Geschäft. Viele Menschen wühlten an den Sammeltischen und auch ihre Mutter ging zu ihnen.
Das Mädchen aber stromerte durch die Halle und sah sich gelangweilt um.
Da blitzte es rot vor ihren Augen auf.
Das waren doch die roten Lackschuhe, die das reiche Mädchen gestern getragen hatte.
Anneliese lief an den Stand und fuhr behutsam über das rote Leder.
Gefallen sie dir?“
Die Kleine sah auf und nickte.
Die freundliche Dame lächelte und nahm die Schuhe und stellte sie auf den Boden.
Probier mal, du hast Glück, die sind noch ganz neu. Das Mädchen, dem sie gehörten wollte sie nicht mehr, weil sie angeblich drücken und das Dienstmädchen von Frau Bergmeister hat sie heute morgen vorbeigebracht.“
Anneliese schlüpfte in die Schuhe.
Sie passten wir angegossen!
Du kannst sie behalten!“


© Lore Platz


Diese Geschichte fiel mir heute morgen um vier Uhr ein und ganz schnell bin ich aus dem Bett gesprungen, um sie für euch aufzuschreiben.
Wünsche euch einen schönen Tag, bei uns regnet es.


Dienstag, 14. Oktober 2014

Das Gespenst im Turm - Reizwortgeschichte



Reizwörter:
Turm, Unfug, kichern, vergraulen, scherzen




Das Gespenst im Turm


Etwas abseits vom E. war ein altes halb verfallenes Kloster. Im Krieg flohen die Mönche oder wurden ermordet.
Seitdem stand es leer und die Gebäude sind zerfallen und die Mauer bröckelte immer mehr ab.
Nur der Turm ragte noch fest und aufrecht in die Gegend und beherbergte eine Glocke, die man nicht mehr läuten konnte, da der Strang beseitigt worden war.
Der Bürgermeister wollte diesen Schandfleck schon längst entfernen, aber das Grundstück gehörte der Kirche.
Nun sollte es dort auf einmal spuken.
In der Nacht tönte ganz leise die eherne Glocke und der alte Xaver behauptete steif und fest, das Gespenster mit riesigen Flügeln ihn gejagt und an seinen Haaren gezerrt hätten.
Die Meisten scherzten darüber und spotteten, der Alte habe mal wieder zu tief ins Glas geschaut und sah nun Gespenster, doch einige glaubten daran und schlugen ein Kreuz, wenn sie an dem Kloster vorbei mussten.
Auch auf dem Schulhof wurde heftig darüber diskutiert.
Alexander, Bertram und Rudi, steckten die Köpfe zusammen und diskutierten über das Gespenst.
Das wäre doch ein Aufgabe für den Sherlock Club,“ meinte Bertram begeistert.
Er war ein großer Fan von Sherlock Holmes und hatte ihren Club nach dessen Namen benannt.
Bertrams Vater hatten ihnen sein altes Gartenhaus als Clubhaus gespendet und dort trafen sie sich nachmittags
immer, hingen herum, spielten Play Station, hörten Musik oder träumten von großer Detektivarbeit, besonders Bertram.
Doch leider war das Einzige was hier mal passiert war, dass der Dackel Lumpi vermisst wurde und die Kinder ihn aus einem Dachsbau befreien mussten.
Mensch das wäre doch super, wenn wir das Gespenst entdecken und vergraulen würden, ereiferte sich Bertram und steckte seine Freunde mit seiner Begeisterung an.
Herr Erdenreich stand plötzlich hinter ihnen.
Was heckt ihr denn wieder für einen Unfug aus, habt ihr nicht die Glocke gehört. Die Pause ist um!“

Am Nachmittag trafen sich Bertram und Rudi im Clubhaus, nur Alexander fehlte, denn er hatte Geigenunterricht.
Ein Zeitlang spielten sie mit dem alten Kickerkasten, den Rudis Vater noch auf dem Speicher gefunden hatte und der nun in ihrem Clubhaus stand.
Dann aber fläzten sie sich auf das alte Sofa.
Glaubst du es gibt Gespenster?“ fragte Bertram.
Rudi zuckte die Schultern. „Weiß nicht, aber was sollte denn sonst den alten Xaver verfolgt haben.“
Naja,“ zweifelte Bertram, „ der alte Xaver trinkt doch recht gern und wer weiß was er sich eingebildet hat.
Weißt du was, wir gehen heute Nacht zum Turm!“

Bertram und Rudi trafen sich kurz vor Mitternacht, bewaffnet mit zwei Taschenlampen am Ortsende.
Der fahle Mond tauchte das Kloster in ein gespenstisches Licht und es wurde ihnen schon etwas unheimlich zumute, als sie über die moosbewachsenen Steine zum Turm gingen.
Die alte Holztreppe knarrte und mehr als einmal zuckten sie zusammen, als erwarteten sie, dass jeden Augenblick ein Gespenst auftauchen würde.
Sie ließen den Schein ihrer Taschenlampen durch den
Raum kreisen. Überall hingen Spinnweben und eine dicke fette Spinne krabbelte eilig aus dem Lichtschein.
Plötzlich ertönte aus dem Inneren der Glocke ein leiser Ton und die Buben zuckten zusammen.
Rudi schrie entsetzt auf: „ Mich hat etwas gestreift!“
Und schon wandte er sich der Treppe zu, die Taschenlampe entfiel seinen Händen und polterte vor ihm die Treppe hinunter.
Bertram folgte seinem Freund und sie rasten über den Klosterhof und hielten erst an, als sie das Dorf erreicht.
Atemlos stützten sie sich auf den Knien ab und verschnauften erst mal. Beide waren sie kreidebleich und ziemlich kleinlaut gingen sie nach Hause.

Sie beschlossen niemand von ihrem nächtlichen Abenteuer zu erzählen, denn die Mädchen hätten bloß wieder was zum kichern gehabt.
Daher waren sie auch nicht sehr begeistert, als Alexander nach der Schule vorschlug am Nachmittag zum Turm zu gehen, um näheres über den Spuk herauszufinden.
Aber sie wollten ja nicht als Feigling dastehen und als sie dann vor dem Kloster standen, da konnten sie ihre Angst von gestern Nacht gar nicht verstehen.
Am Tag sah alles doch ganz anders aus.
Inzwischen hatten sie den Turm erreicht und selbst die Spinnweben sahen nicht so gespenstisch aus, wie in der Nacht im Schein der Lampe.
Alexander ging durch den Raum, die Augen auf den Boden geheftet und seine Freunde beobachteten ihn.
Wenn einer das Gespenst finden konnte, dann war es ihr Freund, der in der Schule den Spitznamen „Professor“ hatte, weil er ein wandelndes Lexikon war und außerdem noch Klassenbester.
Nun bückte er sich, hob etwas vom Boden auf und betrachtete es durch die Lupe.
Igitt!“ rief Bertram, der neugierig näher getreten war, „ das sind ja Mäuseköttel!“
Nein, die sehen nur so ähnlich aus,“ murmelte der Professor und richtete sich wieder auf.
Er ließ den Blick an den Wänden empor schweifen, dann aber ging er zur Glocke, bückte sich und schaute in das Gehäuse.
Schnell winkte er seine beiden Freunde herbei, deutete aber zugleich an, dass sie leise sein sollten.
Rudi und Bertram kauerten sich neben Alexander und dann grinsten sie.
Fledermäuse!“
Am Klöppel der Glocke hingen mehre Fledermäuse und schliefen.
Miniopterus schreibersi, die Langflügelfledermaus, sie gehört zu den Zwergfledermäusen, aber nun kommt wir wollen sie nicht stören.“
Auf dem Weg zum Clubhaus erklärte ihnen Alexander, dass die Fledermäuse nachtaktive Tiere sind und wenn sie sich vom Klöppel lösten, dann würde es zu diesem leisen gespenstischen Tönen der Glocke kommen.
Und die Erscheinung die Xaver hatte könnte vielleicht durch den Schatten im Mondlicht erzeugt worden sein und Fledermäuse streifen auch manchmal die Haare der Wanderer.
Bertram und Rudi sahen sich an und wurden rot.
Am nächsten Tag erzählten sie von ihrer Entdeckung in der Schule und auch im Dorf sprach es sich bald herum, wer das Gespenst im Turm war.

© Lore Platz

Reginas Geschichte    Martinas Geschichte   Evas Geschichte 


Nun wünsche ich noch viel Spaß beim Lesen der vier Geschichten und habt einen schönen Tag




Dienstag, 7. Oktober 2014

Die Farben des Regenbogens - Reizwortgeschichte

Die Wörter:  Farbe – Gewicht – fragen – logisch – kalt
sind dieses Mal zu verarbeiten gewesen.
Viel Spaß beim Lesen!


Die Farben des Regenbogens

 
Der Regen prasselt hernieder und klopft an die Scheiben des kleinen gemütlichen Wohnzimmers.
Ein etwa zehnjähriger Junge sitzt auf einem Sessel, ein dickes Buch auf dem Schoß und liest konzentriert und mit gerunzelter Stirn.
Eine große schwarze Brille sitzt auf seiner Nase und gibt ihm das Aussehen einer klugen Eule.
Auf dem Teppich kniet ein ungefähr vierjähriges Mädchen und spielt, dabei sieht es aber immer wieder sehnsüchtig zum Fenster hin.
Ein alter Mann betritt den Raum und jubelnd läuft ihm die Kleine entgegen.
Es regnet soviel!“ seufzt sie kummervoll.
Nun vielleicht gibt es dann später einen schönen Regenbogen,“ tröstet der Großvater.
Wie entsteht denn ein Regenbogen, malt den die Regenbogenfee?“ fragt Griteli
Die Farben eines Regenbogens entstehen durch die Brechung des Sonnenlichts in den Wassertropfen. Er beginnt mit rot, geht über in orange, gelb, grün, blau und violett.Man ist sich nicht ganz sicher, ob er nun aus sechs oder sieben Farben besteht. Isaac Newton nahm sieben Farben an, damit die Welt der Töne und Farben sich gleichen,“ wird Gritele von ihrem Bruder Armin belehrt.
Das Mädchen wirft ihm einen unwirschen Blick zu und erklärt: „ dein eisack uton weiß gar nix, denn den Regenbogen den zaubert die Regenbogenfee an den Himmel mit wunderbaren Farben und braucht deshalb nicht das Sonnenlicht kaputt machen und zerbrechen .“
Armin will etwas erwidern, doch der Großvater blinzelt ihm zu.
Weißt du Gritele, der Armin hat schon recht, das ist die wissenschaftliche und logische Erklärung des Regenbogens.
Aber vielleicht gibt es ja doch die Regenbogenfee, denn meine Großmutter hat mir mal erzählt, dass es einmal lange Zeit keinen Regenbogen gab, denn die Farben wurden der Regenbogenfee gestohlen. Willst du die Geschichte hören.“
Au ja!“ Gritele krabbelt neben den Opa aufs Sofa und auch Armin erhebt sich zögernd und setzt sich zu ihnen.
Eigentlich war er ja schon zu alt, für solche Geschichten, aber der Opa konnte so wunderbar erzählen.
Dieser streift ihn mit einem verschmitzten Blick und beginnt:

In einem Land zwischen Himmel und Erde wohnte die Regenbogenfee.
Sie war wunderschön und trug ein Kleid aus den Farben des Regenbogens. Ihre langen Haare glänzten wie die Sonne und waren mit glitzernden Regentropfen geschmückt.
Sie war ein fröhliches Mädchen und sang und lachte den ganzen Tag.
Doch wenn der Regen aufhörte und gleich darauf die Sonne schien, dann lief sie in den Wald zu einem geheimen Platz, auf dem ihre Farbeimer waren.
Sieben weiße Eimer mit den Farben rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau und violett standen da und in jedem Eimer steckt ein Pinsel.
Sie nahm nun bei rot anfangend einen Pinsel nach dem anderen heraus und spritzte einen Tropfen an den Himmel und die Farben vereinten sich und bildeten einen großen Bogen.
Und wenn dann die Menschen stehen blieben und ihr
Kunstwerk bewunderten, dann klatschte sie vor Freude in die Hände und tanzte ausgelassen über die Wiese.
Es gab aber einen, der freute sich überhaupt nicht über dieses schöne Gebilde.
Das war der Kobold Knoterich.
Die Kobolde besaßen nämlich einen großen Topf mit Gold.
Woher sie den hatten, das wusste keiner. Bestimmt war er gestohlen.
Doch er war schon seit tausenden von Jahren in ihrem Besitz und alle hundert Jahre wurde ein neuer Wächter gewählt.
Vor kurzem war die Wahl auf Knoterich gefallen und er nahm seine Aufgabe sehr ernst.
Mehrmals am Tag lief er zu der Stelle wo sie den Schatz vergraben hatten und prüfte, ob nicht jemand in der Erde gewühlt hatte.
Und jedes Mal wenn ein Regenbogen erschien und sein Ende genau auf den vergrabenen Schatz traf, da sprang Knoterich vor Wut im Viereck.
Denn seit langem schon ging das Gerücht unter den Menschen um, dass unter dem Ende des Regenbogens ein Schatz vergraben sei.
Wenn nun einer auf die Idee käme, danach zu suchen? Nicht auszudenken!
Knoterichs Gesicht wurde schon ganz grimmig und faltig vor lauter Grübeln.
Dann hatte er eine Idee!
Er würde die Eimer mit den Farben der Regenbogenfee stehlen.
Nun folgte er heimlich dem Mädchen und dann war es wieder soweit, dass sie einen Regenbogen zaubern musste und Knoterich wusste nun, wo die Farben zu finden waren.
Er wartete einige schöne aufeinander folgende Sonnentage ab und als er mitbekam, dass die Regenbogenfee zu einer Party der Engel in den Himmel ging, machte er sich auf den
Weg.
Er schleppte die Eimer, die ein ziemliches Gewicht hatten in seine Höhle und versteckte sie in der hintersten finstersten Ecke.
Dabei wurde er aber von einer Wichtelfrau, die gerade Beeren sammelt, beobachtet.

Als die Regenbogenfee das nächste Mal einen schönen Regenbogen malen wollte, stellte sie voller Entsetzen fest, dass die Farben verschwunden waren.
Und wie sie die enttäuschten Ausrufe der Menschen hörte, die vergebens nach einem Regenbogen Ausschau hielten, da wurde sie ganz traurig.
Sofort machte sie sich auf die Suche, doch niemand wusste, wo ihre Farben waren.
Die Regenbogenfee wurde immer trauriger und schon lange hatte man sie nicht mehr Lachen gehört.
Eines Tages aber kam sie auch in das Wichteldorf und sie erzählte den kleinen Leuten, die sich um sie scharrten, von ihrem Kummer.
Da erinnerte sich die Wichtelfrau, dass sie Knoterich beobachtet hatte, wie er einen schweren Eimer in seine Höhle schleppte und sich dabei immer verstohlen umsah.
Sofort machte die Regenbogenfee sich auf den Weg, begleitet von den Wichteln.
Sie durchsuchten die kalte Höhle und fanden am hintersten Ende die Eimer mit den Farben.
Die Wichtel aber liefen zurück ins Dorf und holten Schubkarren und Leiterwagen, womit sie die Eimer dann zurück in den Wald brachten.
Die Regenbogenfee aber legt einen Zauber, der sie unsichtbar machte, über die Farben.“
Das war schön,“ seufzte Griteli.
Sie sah zum Fenster.
Der Regen hat aufgehört, will doch gleich mal sehen, ob die Regenbogenfee schon einen Regenbogen gezaubert hat.“
Sie hampelte sich vom Sofa und lief zum Fenster.

Etwas wehmütig lächelnd sah der Großvater ihr nach und dachte.
Wie schön noch ein Kind zu sein und an Märchen und Wunder zu glauben.“


© Lore Platz